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Full text of "Blätter"

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BLATTER 



I)Ks 



VEREINES FÜR LANDESKUNDE 



VON 



N IEDERÖSTERREICH 



REDIGIERT 

VON 

D R ANTON MAYER 

SF.KHKTAIC. 



NEUE FOLGE. 

XXIII. JAHRGANG 1889. 



*•*** 






VERLAG UND EIGENTUM DES VEREINEN. — DRUCK VON FRIEDRICH JASPER. 

1H89. 



1. 1- 



i: i 



Inhalt. 



Seite 

Aufsätze : 

Bibliographie zur Landeskunde Niederösterreichs im Jahre 1889. 

Von Dr. Wilhelm Haas 606-635 

Notfälschung, Eine, au« dem Jahre 1362 263—295) 

Ortsnamenkunde. Neue Vorarbeiten zur altösterreichischen. Von 

Dr. Kichard Müller 3—55, 369-436 

Schlosshof, Geschichte des k. k. Lustschlosses und des Marktes Hof 
an der Mar eh. Von Josef Maurer, Pfarrer in Hof a. d. M. 

66—100, 209-262, 437-467 

Volksnamen der niederöstterreichischen Pflanzen. Gesammelt und er- 
läutert von F. Höfer und Dr. M. Kronfeld 101—170, 300—356, 468—505 

Mitteilungen: 

Ansbach, Mitgliederstand der Karthause im Jahre 1729 368 

Hern stein in Niederösterrekh. D. R. 206—208 

Königsurkunde Karl's IV., Zeitbestimmung für das Bruchstück einer. 

Von Dr. Josef Lampel 358 — 362 

Lateinische Küche, aus der 368 

Losenheim. Von Dr. Richard Müller 194—198 

Medling, Urkunden und Regesten zur Geschichte von. Von Dr. Karl 

Schalk 202—206, 356-358 

Perchtoldsdorf, Ergebnis der Gaminger Weinberge zu, aus den 

Jahren 1738—1748 368 

Pest in Stockeraii, Die, in den Jahren 1679 und 1713. Von Otto 

Eigner, Pfarrer 366—367 

Pflanzsteig und Fürleger. Von Dr. Richard Müller 362—364 

Porz, Nachträge zu. Von Dr. Richard Müller 198-201 

>Sitramcr]>erch«, Zur Bestimmung der Lage der. Von B. Söllinger 364 — 366 

Wadstein, Der. Von Dr. Richard Müller 191 — 194 

Vorträge : 

Einfall, Der, der Oberösterreicher in Niederösterreich im Jahre 1619. 

Von Dr. Gottfried Edmund Friess 171— 190 



Seit« 

Krems als Exilstadt. Von Dr. Anton Kerschbaumer XXIX — XXXIII 

Künstliche Höhlen in Niederösterreich. Ueber vergleichende 
Resultate aus den letzten Forschungen in. Von P. Lambert 

Karner XXXIII— XLIII 

Veroinsleben. Rückblicke auf 25 Jahre. Von Dr. Anton Mayer XXIV— XXVIII 

Vereinsnaohriohten : 

Ausschuss-Sitzungen XH— XIV, XLVI— XLVII 

Ehrenmitglieder VI 

Festabend XLIX— LI 

Generalversammlung III— X 

Geschenke XVII 

Mitglieder, neue XI, XLVI 

Sommerversammlung XV, XVII — XLV 

Spenden XII 

Topographie XV 

Vereinsabende XLVIII— LH 

Vereinaausschuss X — XI 

Vicepräsident XV 




I. 



AUFSÄTZE. 



*- 



Hlütter de« Vereine« für Landefkunde ,won KiederiMerreirfa. 188». 



Vorarbeiten zur altösterreichischen Namenkunde. 

I. Wien. 

Ich neme den Faden da wieder auf, wo ich ihn am Schlüsse 
meines den Flussnamen gewidmeten Aufsatzes (S. 299 des vorigen 
Jahrganges dieser Blätter) fallen Hess: zwar nicht, um nun die in 
jedem Betrachte schwierigen Flussnamen auf -ilüta -im -enza anzu- 
reihen, wol aber um mich dem Namen unserer Vaterstadt zuzu- 
wenden, der, wie ich dort bemerkte, in den Zusammenhang der 
Lehre vom seeundären Vocal und der gothisierten antiken Namen - 
bildungen unmittelbar gehört. Auch hier, wie bei den Flussnamen, 
ist dem Jünger gegönnt, die Furchen, die der Meister voranschreitend 
gezogen hat, nachzufahren, und braucht er sie nur zu vertiefen: 
wer jenen meinen frühern Aufsatz gelesen hat, weiss sofort den 
Namen dieses Meisters — Karl Müllenhof f. Die Arbeit wäre 
von Andern schon gethan, liebten es nicht unsere heimischen Kräfte 
auf dem Gebiete der geschichtlichen Topographie die Leistungen 
und Entdeckungen der Germanistik links liegen zu lassen. 

Die gewöhnliche Ansicht, die sich hiefür auf Zeuss, Grammatica 
celtica ', pag. 74. 825. 1123, beziehungsweise zweite Ausgabe pag. 53. 64. 
857 beruft, geht von der Form Vindobona allein aus, fasst das o 
der dritten Silbe lang, betrachtet den Namen als eine Zusammen- 
setzung aus altkeltisch v-ind »weiss« und btmn für älteres band = 
lateinisch fundus »Grund«, und erklärt somit das Ganze als »Weissen- 
grund«. So beispielshalber Kaemmel, Entstehung des österreichischen 
Deutschthums 1, 309; K. Weiss, Geschichte der Stadt Wien 2 1,41. 
— Indes steht das in dieser Form wenigstens in der von H. Ebel 
besorgten zweiten Ausgabe der »Grammatica celtica« nicht oder 
nicht mehr zu lesen (die erste habe ich nicht gesehen). Als Compositum 
gilt zwar der Name auch da noch, weil pag. 857 Vindobona unter 
den Beispielen für die Zusammensetzung eines Adjectivs mit einem 

Substantiv angeführt wird; doch die Erklärung beschränkt sich auf 

1* 



die kurze Bemerkung *hib. vet. find albus«. Pag. 64, wo die 
Wandelung des altkeltischen nd in jüngeres nn besprochen und 
belegt wird, wo mithin jenes bann aus bond zu erwarten wäre, steht 
wieder nur »Adiectivum fin (= finn albus . . .) scribitur find in 
nomine proprio hibernico Fiaec Find ... cf. gall. vet. Vindobona 
Vindonissa Vindomagus«. Endlich pag. 53 liest man unter V, das 
neukeltisch f wird als »exempla Status duri in principio vocum«: 
fin finn (vinum); fin (albus); cambr. gwin e find; cf. Vindobona 
Vindonüsa* etc. Mit allem dem ist nur gesagt, dass neuirisch 
fin = finn, das altirisch noch find lautet, aus dem in den ange- 
führten Personen- und Ortsnamen, die Chr. Glück in den Wiener 
Sitzungsberichten 17, 111 ff. und in seinen »Keltischen Namen bei 
Caesar«, S. 73 f. sehr vermehrt, vorliegenden altkeltischen vind- er- 
wachsen sei und auf diese Namen selbst aufhellend zurückstrahle. 
Und dies bleibt gegen alle Anfechtung gefeit: während Vindobona 
mit seinem zweiten Teile unter den Beispielen n = nn aus nd 
schon darum nicht auftreten kann, weil es ja dann altkeltisch * Vindo- 
bonda oder -bonna lauten müsste, gleichwie Bonna (Bonn am Rhein). 
Auf die Unhaltbarkeit der jedesfalls nur mit halbem Rechte 
unter Zeussens Namen gehenden Erklärung von Vindobona verwies 
bereits vor dreissig Jahren Büdinger in dem Excurs »über den 
Namen Wiens in Römerzeiten«, der (S. 486 ff.) den Schluss des 
ersten Bandes seiner leider unvollendet gebliebenen »Österreichischen 
Geschichte bis zum Ausgange des dreizehnten Jahrhunderts« bildet. 
Er bemerkt richtig, dass die an die Form Vindobona geheftete 
Deutung als »Weissengrund« (gleichwie Vindomagus »Weissenfeid«) 
nicht genüge, um die vielen abweichenden Formen Vindomina -mana 
-mona -menia -mara -mora, zu denen noch die ganz verderbten 
Vianiomina (bei Plinius, vgl. Zeuss, Die Deutschen, S. 242; Glück, 
Wiener Sitzungsberichte 17, 83 f. Anm.) und Viamomnia treten, 
zu erklären. (Zusammenstellung dieser Formen Corp. inscript. 
latin. 3, 565.) Büdinger versuchte nachzuweisen, dass Vindomina 
die älteste Form sei, welche die Römer, um der drohenden Bedeu- 
tung (minae, minari) zu entgehen, in die Gutes verheissende Form 
Vindolpona, mit unterlegtem bonus, «, t/w, umgestaltet hätten, woraus 
sich auch der in amtlichen Aufzeichnungen und in der Literatur 
herrschende Gebrauch der also umgestalteten Form des Stadtnamens 
erkläre. Erst als der alte Glaube seine Kraft verloren habe, sei die 
ochte Form Vindomina -mana etc. wieder hervorgekommen: zuerst 



im Itinerarium Antonini aus der Zeit Diocletians, und hundert Jahre 
später in der gleichfalls officiellen Notitia dignitatum Imperii. Den 
Gothen konnte Vindomina noch weniger gefährlich erscheinen, weshalb 
denn auch Jordanes dieser Form sich bediene. 

Diese Erwägungen, die K. Weiss a. a. O. noch gegen die 
»Zeussische Erklärung« nicht aufkommen Hess, scheinen mittlerweile 
auf ihn gewirkt zu haben, weil er in dem Wien behandelnden Bande 
des noch im Erscheinen begriffenen Sammelwerkes »Die österreichisch- 
ungarische Monarchie in Wort und Bild«, S. 5, Vindobona mit 
Büdingers Worten anspricht als die »Gutes verheissende«. Dass dies 
als blosse Interpretatio romana nur ein Notbehelf sei, der den Kern 
der Sache nicht treffe, wusste Btidinger selbst am besten: und wir 
werden uns sogleich mit ihm auseinandersetzen. Man wird es daher 
nicht eben als fördersam bezeichnen können, immer wieder nur, wie 
erst im Jahrgange 1886 dieser »Blättere, S. 452 ff., geschehen ist, 
von der Form Vindobona, und zwar — damit ja nur niemand 
anders lese — in der sorgfältigen Bezeichnung Vindobona ganz 
allein auszugehen, in bona das kymrische bau banna »Hörn, Spitze« 
zu finden, Vindomana in einer leeren Anmerkung unter den Tisch 
fallen zu lassen und unter den analogen Bildungen, wenn gleich 
nur frageweise auch Arrabona (Raab) beizubringen. Gerade wer, 
wie der Verfasser der in Rede stehenden Notiz, an der Zusammen- 
setzung in Vindo-bona festhält, durfte dies letztere nicht: denn Arra- 
bona ist ja nur einfaches Derivat von dem Flussnamen Arrabo, worin 
also das b schon zum Stammesschlusse des Grundwortes gehört — 
während es in Vindo-bona den angeblichen zweiten Theil der Zu- 
sammensetzung beginnen müsste. 

Büdingers Verdienst besteht also — allerdings nach dem von 
ihm selbst hervorgehobenen Vorgange des kritischen Herausgebers 
der Notitia dignitatum — darin, der sonst verschmähten Form 
Vindomina (mana -mona) zu ihrem Rechte verholfen zu haben. Er 
hat, wenigstens auf Seite der Historiker, zuerst erkannt, dass eine 
probehältige Erklärung unser» Stadtnamens nur auf der alle Einzel- 
formen einigenden Grundgestalt desselben sich erheben könne. Jedoch 
er versah es im Übrigen zweimal. Erstens darin, dass er noch von 
der Länge des / in -mina, wie von der des o in -bona ausgieng. 
Und zweitens darin, dass er Vindomina als die vermeintlich echtere, 
ältere, volkstümliche Form der andern Vindobona als der angeblich 
umgeformten, spätem, gelehrten entgegensetzte. 



6 

Aber schon drei Jahre früher, in seinem 1855 erschienenen 
Autsatze ttber die Bistümer Noricums (Wiener Sitzungsberichte 17 ? 
60 — 150) schrieb der Freund und Schüler Zeussens, Chr. Glück, 
S. 76 Anm. Vmdumina, beziehungsweise Vindomäna, mit dem Zeichen 
der Kürze über dem (i) a der dritten Silbe. Diese Kürze gilt natürlich 
auch für Vindolnma und wird für dieses ausdrücklich bestätigt durch des 
Ptolomäus Schreibung und Accentuierung -6ßova (nur freilich in ent- 
stelltem O'JiXioßova, das jedoch sicher aus O'itvSößova entstanden und nicht 
in luliokona aufzulösen ist: Büdinger a. a. O., S. 486 Anm.). Wäre das 
o der dritten Silbe lang gewesen, so hätte der griechische Kosmo- 
graph -oßcbva setzen müssen. Die Anname der Länge des o in 
-bona (beziehungsweise des a y i oder o in -mann -miiia -mono) besässe 
nur dann einen Halt, wenn unser Stadtname, gleich so vielen andern 
keltischen Namen, in lateinischen Gedichten begegnete: und selbst 
dann wäre damit, wie auch sonst, nur bewiesen, dass die Römer 
den fremden Namen ihrer Prosodie unterwarfen. Ob sie ihr honus, 
a, um und mina?, minari hineinlegten, ist nicht auszumachen, wenn 
gleich nach ihrem GermTmi, mit Anlehnung an lat. germänus aus 
kelt. Germäni-, wol denkbar — dass sie die »drohende« Bedeutung 
des Namens in eine > Gutes verheissende« umgeschaffen, sogar ganz 
unmöglich, wenn, wie wir sogleich sehen werden, die 2?-Form die 
ältere, die 3/-Form die jüngere ist. Es ist folglich am besten, sich 
mit diesen Grillen den Weg zur Erkenntnis des Wahren nicht 
weiter zu verbauen. 

Ist nun der Vocal der dritten Silbe kurz und wechselt er 
unstät zwischen a o und / hin und w r ider, so wissen wir nach den 
Erörterungen über den seeundären oder Ilil^vocal, die ich in meinen 
»Flussnamen« (S. 36- -39 des Jahrganges 1888 dieser »Blätter«) nieder- 
gelegt, dass er ein späterer Einschub sein müsse, dazu dienend, die 
ursprünglich tönende Verbindung b-n (beziehungsweise m~n) zu lösen 
und so dem Sprechenden zu erleichtern. Die — zwar nur theoretisch 
aufzustellen den — Grundformen lauten *Vindohna, beziehungsweise 
*VindoHina. Damit ist auch schon ausgesprochen, dass der Name 
unserer Vaterstadt keine Zusammensetzung bilde, sondern lediglich 
abgeleitet sei. 

Und zwar ist die anzusetzende älteste Form *Vindohna, weil 
nicht nur im Keltischen, sondern auch im Griechischen, Germanischen 
und Slavischen die Verbindung hu nach der naheliegenden mn 
hinüberwechselt. Als germanisches Musterbeispiel diene einstweilen 



gotli. stibna: althochd. stimna, st'fmna; neuhochd. Stimme: grund- 
germanisch *8tebtw/ (Kluge, Etyinol. Wörterb. 3 , S. 332"; Stamm- 
bildungslehre § 151). Andere s. unten S. 10 f. 12 f. Die keltischen Fälle 
behandelt ausführlieh Glück, Keltische Namen, S. 68 — 74 an dem 
Musterbeispiele dubn-us, später dnmn-us, irisch domun (mit u als 
Hilfsvocal), das als Adjectivum »tief«, als Substantivum »Tiefe«, 
auch >Welt« bedeutet, und an den zahlreichen daraus oder damit 
gebildeten Namen, deren bekanntester Dubnoreix, bei Cäsar Dumnorix 
(gewaltiger Herrscher) ist. Vgl. auch Gramm, celt. 2 , pag. 20. 32. 114. 
766. 772. 856. 865 ; Glück, Sitzungsberichte 17, 111 [Duuinucus etc.); 
Stark ebenda 59, 223 ff.; Kaemmel 1, 314, No. 19 (Oxydubna). 
Während nun in allen diesen Fällen der Wechsel bn: mn in der 
Stammsilbe sich begiebt, zeigt eben unser Stadtname ihn in der 
Ableitungssilbe lebendig. Aus Vindobnn entsprang somit später Vin- 
domnn: die Formen ohne Hilfsvocal begegnen wir aber nicht mehr; bei 
der altern erscheint dieser nur als o nachgewiesen, bei der Jüngern 
auch als a oder •/. Aber nun begreift sich, warum die Römer ur- 
sprünglich nur Vindobona kennen, und warum sie in den spätem 
Jahrhunderten V indomina brauchen: sie giengen mit der zeitlichen 
Entwicklung der Namenform, und von einem Unterschiede officieller 
und volkstümlicher Sprech- und Schreibweise schwindet auch die 
letzte Spur. 

Derselbe Wechsel zwischen -bona- und -mann erzeigt sich noch 
in einem andern Falle. Es ist der gallische Stadtname Augustobona y 
bei Ptolomäus A , V,'0'>'JT6{JLava — in Schreibung und Betonung des 
-ojj.ava analog seinem -oßova in O'iiX'.oßova = 0'iivo<5 4 3ova, vorhin S. 6 
— das heutige Troyes (Zeuss, Die Deutschen, S. 205). Ich komme 
darauf zurück. 

Leider stösst die Deutung des so gewonnenen * Vindobnn auf 
ganz andere Schwierigkeiten als die frühere Anname eines Com- 
positums zu überwinden hatte. Jenes altkeltische r/W- »weiss« kann 
unmittelbar Personenname werden (ich halte mich an Glücks 
Beispiele, vgl. auch Kaemmel 1, 314 f. n° 28 1: Vindo und Vindus 
männlich, Vinda weiblich. Es kann einfache Ableitung zutreten : 
Vindius, Vindanus, Vinsiavus m., Vindona oder Viuduna f. ( Areh. f. 
K. österr. GQ. 9, 121). Desgleichen doppelte, zum Teile mit dem 
Begriffe kosender Verkleinerung: Vindilhi f., Vindillius, Yindoiiius. 
Ebenso im Flussnamen V Inderin «Glück, S. 89) oder in den Stadt- 
namen Vindoinnm (Gramm, celt.-, p. 770) und Vindonüsa iib., p. 78Gk 



oder endlich im Volksnamen Vinddici (Zeuss, Die Deutschen, S. 229 
Anm.). Das einfache ableitende n zeigt Gramm, celt. 2 , p. 772 eben 
an Dubna Dumna Dubnus etc. Die einfachen B- Ableitungen stehen 
daselbst pag. 788 f.; eine combinierte Ableitungsformel -in- (be- 
ziehungsweise -mn-) jedoch wird pag. 789 mit den Worten geläugnet: 
»non inveniuntur alia exempla derivantis B, nee cum vocalibus 
productis aut diphthongis, nee geminatae aut conexae« — gerade 
dieser aber bedürften wir für Vindobona Augustobona. ! ) 

Den durch Ableitung erweiterten Stamm vindon- haben gemein 
Viiidona (Vinduna) Vindonim Vindonism. Enthielte dieser letztere 
Stadtname einen jener erstem Personennamen? Und träte etwa 
*Vindofa\a näher heran zu Vindona dem Frauennamen? Aber wie 
wäre damit Augustob(o)na zu einen? Verzeihe man diese vielleicht 
ungereimten Fragen einem, der bei keltischer Forschung, die sein 
Fach nicht ist, sich nur zu Gaste bittet. Und gestatte man ihm, 
sich bei dem folgenden zu befriedigen. Augustobona -rnana enthält 
Augustus: folglich wird auch bei Vindobona der Schluss auf einen 
Personennamen, er sei nun Vindo, Vindus oder Vindona, zu wagen 
sein. Denn es fehlt ja bekanntlich auch sonst nicht an Beispielen, 
dass die Keltoromanen an lateinische Namen dieselbe örtliche Ab- 
leitung antreten liessen wie an echt keltische. Zumal ist dies der 
Fall mit -äcum -ideum, wie Glück Sitzungsberichte 17, 108 f. reich- 
lich belegt. Wenn nun die Ortsnamen auf -deum -ideum von dem 
Namen der Gründer oder Besitzer der Orte abgeleitet sind (Glück 
a. a. O.), also z. B. Lauridcum (Lorch) und Itdidcum (Jülich) be- 
deuten »colonia Lauronis sive Lauroniana« und >colonia Iulii s. 
Iulianac : so könnte etwa auch der sonst unerhörten Ableitungsformel 
-ob(o)na ähnliche Kraft innewohnen und Augustob(o)na Vindob(o)no 
besagen »colonia Augustaua«, »colonia Vindoniana«. 

Besserer Belehrung sehe ich bereitwilligst entgegen. Nur mit 
der alten Geschichte von einer Zusammensetzung in Vindobona, und 
mit allem dem was fabelhaftes daran geknüpft wird — damit komme 
man nicht wieder. Wer den im Vorhergehenden gegebenen Nach- 
weis der blossen Ableitung im Namen unserer Stadt widerlegen 
wollte, er soll sogleich hier wissen, gegen wen er in die Schranken 
zu reiten gedächte. Nicht gegen mich den Namenlosen — sondern 

! ) Da Zeii98~Ebel, wie bereits erwähnt, pag. 857, Vindobona als zusammen- 
genetzt n einen, sucht man natürlich auch die Form Vindoniana f-ina -ona) pag. 773 
unter der Ableitung- MM, MX vergebens. 



9 

gegen Karl Müllenhoff, der, mag ihn gleich vielleicht Glücks Vor- 
gang (oben S. 6) darauf geführt haben, zuerst das »grosse Worte 
von dem bloss abgeleiteten Vindobona oder Vindomdna mit der Ge- 
lassenheit des seiner Sache sichern Gelehrten ausgesprochen hat. 
Seine Anmerkungen zur kritischen Ausgabe des Jordanes in dem 
1882 erschienenen ersten Teile des fünften Bandes der Monumenta 
Germaniae, Abteilung Auetores antiquissimi enthalten pag. 166 h 
über Wien folgende kurze, doch inhaltschwere Äusserung, die ich, 
da die Monumenta Germaniae nur auf grossen Bibliotheken zu finden 
sind, einem Jeden zur Bequemlichkeit, dem Denkenden zur Nach- 
prüfung im Wortlaute hieher setze: 

>Ex Vindobona (-ößova apud Ptolemaeum), nomine scilicet non compoaito, sed 
effecto ex Vindobna inserta vocali, factum est Vindomna, quod et Vindomona et 

Vindomana parique iure Vindomma scribi poterat. ex eadem forma Vmdom-na, 
suppressa nasali nimirum, item legitima, diversa tarnen ratione hodierna nomina 
orta sunt, et nostrum Wien et puto die Wieden ac Bo£morum Polonorumque 

Widen.* 

Diese Darlegung, bei der Müllenhoff, auch Deutsche Alter- 
tumskunde 2, 373 f., verblieben ist, enthält in ihrer esoterischen 
Kürze ein Vermächtnis des Meisters an uns Nachkommende, die, 
auf seinen Pfaden wandelnd, der Erkenntnis des germanischen Lebens 
auf dem heute österreichischen Boden näher rücken wollen. Ob er 
dem Auf- und Abfluten der germanischen Völkerschaften nach- 
gieng, ob er die Geschichte der deutschen Heldensage bis in ihre 
örtlichsten Ausläufer verfolgte: stets war sein leitender Grundsatz, 
dass, was seit der Ankunft der Rügen im heutigen Österreich deutsch 
geworden, ohne wirkliche Unterbrechung, ohne Störung von fremder 
Seite auch deutsch verblieben sei. Hinsichtlich Wiens sprach er es 
noch zuletzt an der angeführten Stelle der Altertumskunde aus. 
So bleibt uns, nachdem wir versucht haben, den Kern seiner Äusserung 
in den Monumentis Germaniae nach der keltischen Seite hin zu ent- 
wickeln, noch die weitere Aufgabe, nach seinen knappen Angaben 
die Art und Weise zu ermitteln, auf die aus antikem Vindobona 
deutsches Wien entstanden sei. 

Vorauszuschicken ist die Bemerkung, dass bloss dafür die 
Frage, ob Vindobona zusammengesetzt oder abgeleitet sei, unerheblich 
ist Denn die Germanen mussten in alle Fälle nach ihrem Accent- 
prineip vorgehen, d. h. den Accent auf die erste Silbe zurückziehen 
und so, wenn selbst der Name ursprünglich eine Zusammensetzung 
gewesen wäre, ihm den Wert einer blossen Ableitung geben. So 



10 

thaten sie beispielshalber bei deu keltischen Stadtnamen auf -dünum, 
wie im vorigen Jahrgange, S. 38, gezeigt ward. Und schon wer, an 
der Zusammensetzung in Vindobona festhaltend, sich bemühte, für 
sein Teil darüber ins Reine zu kommen, wie aus dieser vollen 
Form Wien sich habe ergeben können, er musste sofort erkennen, 
dass auf die Germanen wenigstens der antike Name nur den Ein- 
druck einer Ableitung hervorgebracht habe. 

Wie Vindobona und Vtiidomona im wirklichen Leben einander 
ablösten oder sich gegen einander abgrenzten, wissen wir nicht. Es 
ist sehr wol möglich, dass sie eine Zeitlang gleichwertig und gleich- 
berechtigt neben einander hergiengen gleichwie Dubnoreix und 
Dumnorix. In der ältesten Zeit nach Gründung der von den 
ins Land kommenden Römern schon vorgefundenen Stadt galt wol 
die -ß-Form allein. Ward folglich bereits den suebischen Marko- 
mannen des I./ll. Jahrhunderts n. Chr. Gelegenheit, den Stadtnamen 
öfter zu nennen, so mag ihm ihr Mund eine Gestalt gegeben haben, 
die wir nach dem Gothisch des Ultila durch *Viiulubni, Gen. *J7/*- 
dubnjös, von einem Stamme *Vindnbnja-j können vertreten lassen. 
Die erste Folge des auf die Stammsilbe zurückgezogenen Accentes 
war nämlich die Wiederausmerzung des zwischen b-n von Kelto- 
romanen eingeschobenen secundären Vocales: und offenbarte sich 
darin nicht schön das natürliche Sprachgefühl der Germanen, das 
auf seine Weise so die erlöschende oder erloschene echtere Form 
zurückbrachte ? — Den weiblichen /J-Stamm (wie in *A/bi, Gen. Alb- 
jos Elbe, *Donavt) Gen. Donau jus Donau: Vereinsblätter 1888, S. 24) 
rechtfertige ich später. Hier zeige icli zunächst nur noch, wie leicht 
der keltische Stadtname der Germanisierung entgegenkam. Ein ger- 
manischer Volksstamm hiess Dulgubnn (Tacitus, Germ. cap. 34), bei 
Ptolemäus, wieder mit -mn- für ~bn-, Ao , jAyo , jjj.vioi (Müllenhoffs Germania 
antiqua, pag. 128); es wäre gothisch Dulgubnjös oder Dtdgnbnjfins, 
Plural eines Adjectivums * dulgnbneis von dulgtt Schuld, althochd. tnlc 
Wunde, und bedeutete »Verwunder«, wie Jacob Grimm erklärt 
^Gesch. d. d. Spr., S. 623), oder »Schädiger« nach Müllenhoffs Aus- 
legung (Zeitschr. f. d. Alt. 9, 243; Deutsche Altertumsk. 2, 117) 
— in jedem Falle also »Krieger« oder » Helden c Dasselbe Suffix 
•ubni oder -nfni bildet im Gothischen weibliche oder sächliche 
Abstraeta; im Westgermanischen scheint es in derselben Function 
durch -um- zu -/m- geworden (vgl. Gramm. 2% 365 f. 1005; Scherer, 
Zur Gesch. d. d. Spr. 1 , S. 339 Anm.; Kluge, Stammbilduugslchrc 



11 

§ 150; Deutsche Altertumsk. 2, 215 Anm. 2). Da aus dem o der 
zweiten Silbe von * Vindobna nach der germanischen Neigung zum 
vocalischen Extrem u werden musste, so näherte sich also gewonnenes 
*Vindubnt völlig den gothischen Femin inis vundufni Wunde, frawtubtoi 
(wofür auch fraütobni) Versuchung, oder den Neutris vuldufni Ge- 
walt, vitidmi Wissenschaft, fastuhnt Fasten. Doch wäre müssig, 
weiterer Ausdeutung — auf vinds Wind, vindan winden, oder invinds 
ungerecht — nachzufragen ; der nachgewiesene Anklang an das 
germanische Suffix genügt, um den Vorgang bei der Übername des 
fremden Stadtnamens zu verstehen. 

Aber von dieser angenommenen ersten Andeutschung ist keine 
Kunde auf uns gekommen. In alle Fälle ist sie für die Folgezeit 
unwirksam geblieben. Und der Gothe Jordanis, der, im Jahre 551 
n. Chr. schreibend (Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen 5 1, 
75 f.), Wien als blühende Stadt seines Vaterlandes Pannouien kennt, 
weshalb die Völkerwanderung ihr nicht den Untergang kann be- 
reitet haben (vgl. Glück, Sitzungsberichte 17, 76 Anm.), braucht 
Vindomina (Handschriften uendomina, MG. AA. 5, I, 126) — also 
die von den Römern selbst mindestens seit Diocletian angenommene 
jüngere Form (oben S. 5). Wahrscheinlich haben die germanischen 
Völkerschaften, die seit der Mitte des fünften Jahrhunderts — also 
etwa achtzig Jahre vor Jordanis — im nachmals österreichischen 
Donauthale eindrangen und für eine Weile sich daselbst niederließen, 
voran die vandilischen Rügen, nur mehr Vindomina von den lateinisch 
redenden Resten der altern Bewohner vernommen. Dass sie es 
vernamen und ihrer Sprache einverleibten, ist um so gewisser, als 
nach der im Jahre 1662 bei dem Umbaue der kaiserlichen Burg 
auf einem Goldblättchen gefundenen, von Theodor von Karajan 1854 
erläuterten gothischen Grabschrift, die jüngere dialektische Sprach- 
formen zeigt und beiläufig denselben achtzig Jahren von c. 455 bis 
536 angehört, Teile dieser Gothen sogar in Wien selbst gewohnt 
haben (Wiener Sitzungsberichte 13, 211 — 232). Aus Vindomina 
aber konnten sie, wie vormals die suebischen Markomannen aus Vin- 
doboua das vermutete *Vindubni, vor allem also mit gleichlaufender 
Tilgung des Hilfsvoeales (vorhin S. 10) ihrerseits nur machen *I7/i- 
dum tu) Gen. ^Vindumujös. Und dies ist als die germanische Grund- 
form zu betrachten, die als dauernder Gewinn bei ununterbrochener 
Überlieferung sowol die» spätere deutsche wie die slavisehe Gestalt 
unsers Stadtnamens gezeitigt hat. 



12 

Dies * Vindumni muss, mit einer einzigen oder höchstens zweien 
kleineren Änderungen, die sogleich bezeichnet werden sollen, an Ort 
und Stelle längere Zeit im Gebrauche gewesen sein, weil zu ihm 
die slavische Form Videfi in näherm Verhältnisse steht Diese letztere 
lehrt nämlich 

1. durch ihr Charakteristicum, das hinter dem ausgefallenen n der 
Stammsilbe verbliebene d, dass sie zu einer Zeit gebildet sein müsse, 
wo die Deutschen des Donauthaies ihr * Vindumni noch nicht durch 
starke Zusammenziehung fast bis zur Unkenntlichkeit verändert 
hatten ; 

2. dass auch der Vocal der zweiten Silbe (der ersten der Ab- 
leitung) noch nicht zerrüttet war, da dieselbe in Vid-eü bis auf den 
heutigen Tag nachlebt; und 

3. dass die einzige Änderung, welche die Deutschen zur Zeit 
des Erscheinens der Slaven im Donauthale (noch im sechsten oder erst 
im siebenten Jahrhundert? vgl. Deutsche Altertumskunde 2, 96. 
100 — 103) mit dem rugisch-gothischen Vindumni jedesfalls vorge- 
nommen hatten, in der rückwärts wirkenden Angleichung des mn 
zu nn, mithin in der Umwandlung des ganzen Namens zu * Vindunni 
bestanden habe: worin die Slaven, ihrerseits einen Schritt weiter 
gehend, das gedoppelte nn zu blossem n vereinfachten. 

Ob diese oder ähnliche Erwägungen Miklosich leiteten, da er 
(Etymolog. Wörterb. der slav. Sprachen, S. 388 b ) Vedum als gemein- 
same theoretische Grundform aufstellte, kann ich natürlich nicht 
wissen. Aber gewiss ist diese Aufstellung bis ins kleinste hinein 
richtig. Denn auch das lange e — erschlossen aus dem heutigen / 
in Vide-ij da altslavisch P tschechisch zu / wird (z. B. jmfep: prilfp 
Miklosich, S. 254* unter pogava) — erklärt sich als Ersatzdehnung 
für den dahinter ausgefallenen Nasal. Ob dasselbe den Slaven ge- 
höre oder auch schon von den Germanen her übernommen sei, soll 
später ausgemacht werden. 

Durch diese Analvse der slavischen Form sind wir bereits auf 
dem Wege von Vindumni zu Wien um eine Staffel herabgestiegen: 
sie lautet Vindunni. Auch sie zeigt das germanische Sprachgefühl 
geschäftig, das fremde Gut den Werdegang der zunächst verwandten 
eigenen Bildungen mitmachen zu lassen. Wir sahen vorhin, wie glücklich 
Vindubni an die gothischen Abstracte auf -ubni und -ufni gelehnt 
war. Wir bemerkten zugleich, die westgermanische Entsprechung 
dieser •ttbni sei, durch das Mittel von -umni(o), -unni(a). In diese 



13 

Reihe hineingestellt erscheint nun gleicherweise das von uns er- 
schlossene Vindunni. Auf etwas jüngerer Sprachstufe — sage ich 
absterbender gothischer, oder altbairischer des VI./ VII. Jahrhunderts? 
vergleichen Hesse sich der von Karajan bemerkte Übergangsdialekt 
der Wiener Grabschrift (S. 11) — spiegelt Vindunni das rugisch- 
gothische Vindumni genau so wieder wie, vom abweichenden Ge- 
schlechte abgesehen, altsächsisches fastunnea (durch eine Mittelstufe 
*fastumnea) das vormalige gothische fa-stubni. (Ein althochdeutsches 
Beispiel dieser Art, dem es freilich an der ostgermanischen Con- 
cordanz entspricht, ist mistunnea sterquilinium). 

Diese Einstimmung wird noch schlagender, wenn wir beachten, 
dass, im Gegensatze zu der hier waltenden rückwärts wirkenden 
Angleichung von mn zu nn, in andern Fällen vorwärts wirkende 
zu mm geübt ward, stibna: stimm: stimme hatten wir schon vorhin; 
germanisch hrabhan, Gen. hrabhnes (Rabe) ward später durch Ein- 
wirkung eines Genetivs hramnes und (h)rammes zu einem Nominativ 
kram gefiihrt (Braune, Althochd. Gramm., § 125 Anm. 1), vor dem 
noch ein Nominativ (h)ramn liegt: erhalten ist derselbe als zweiter 
Teil von Mannsnamen in Sedramni (Libri confraternitatum der MG., 
pag. 606 d ; ist das Sintramf keltischer Erklärungsversuch von Stark, 
Sitzungsberichte 59, 163), Teutramnus (= Diothraban, mittelhochd. 
Dietram, Libri confrat, pag. 512 b ) u. s. w. Vindunni aus Vindumni 
hält sich somit nicht zu dieser Gruppe, sondern zu den Abstractis 
auf -ubni — ein deutlicher Fingerzeig, dass es derselben beige- 
zählt ward. 

»Die Franken des grossen Karl«, bemerkte ich in diesen 
»Blättern« 1887, S. 392, der um 870 noch an der untern Donau 
ausdauernden Reste der Gepiden gedenkend, »konnten die Namen 
Donau und Wien vielleicht noch aus erlöschendem gothischen 
Munde vernemen.« Aber keine Schrift jener Zeit gewaltiger Aus- 
breitung des Deutschtums weithin nach dem Südosten, die uns 
davon meldete — oder auch nur Wien nennte. Daraus zu schliessen, 
dass diese Stadt vom Schau platze verschwunden sei, wäre sehr tiber- 
eilt: nur so viel folgt aus jenem Schweigen, dass sie von dengrossen 
Ereignissen der Zeit nicht berührt ward. Immerhin gähnt so zwischen 
der Vindomina des Jordanis um 550 und dem ersten Auftauehen 
von Viennis in den grossen Altaicher Annalen zum Jahre 1030 eine 
Kluft von fast einem halben Jahrtausend. Was war mittlerweile — 
nicht mit der Stadt, denn dies errathen zu wollen wäre vergebliche 



14 

Mühe; wol aber — mit ihrem Namen geschehen? Wir müssen ver- 
suchen, jene Kluft zwischen, Vindomina und Viennis unter Bei- 
ziehung der dem XII. Jahrhundert angehörigen ältesten urkundlichen 
Belege zu überbrücken. 

Zunächst ist, was für die grammatische Form nicht unwichtig, 
das richtige Verständnis der Stelle in den Altaicher Annalen (MG. 
SS. 20, 791) zu gewinnen. Dieselbe lautet bekanntlich: 

»1030. Chonradus imperator in Ungariara cum exercitu properans natali 
sancti Albani in dominica die in monasterio Altahensi pernoctavit. Rediit autem de 
Ungaria sine militia et in nullo proficiens, ideo quod exercitus fame periclitabatur, 
et Vienni (übergeschrieben JVienni) ab Ungris capiebatur.« 

Unbedenklich nam man darin bisher Vienni für den Nominativ 
(nach mittellateinisch Wienna Vienna) und übersetzte »deshalb weil 
sein Heer von Hunger bedrängt, und Wien von den Ungarn erobert 
ward«. So verstand die Stelle schon Aventinus nach seiner An- 
führung in seinen Bojischen Annalen (s. MG. SS. 1. c, Anm. 23). So 
auch K. Weiss, Gesch. der Stadt Wien 2 1,60, weil er das bedrängte 
Heer des Kaisers sich in das >Castell« Wien flüchten lässt; sowie 
an dem oben S. 5 angeführten Orte, S. 6. Ja wie es scheint selbst 
Müllenhoff, weil er Altertumskunde 2, 96 einen Nominativ Vienni 
aufstellt, der einzig und allein aus der Stelle der Altaicher Annalen 
gefolgert werden konnte. In Wahrheit ist Vienni örtlich gebrauchter 
Ablativus von einem Nominativus Viennis (nach der dritten Decli- 
nation). Richtig übersetzt daher jetzt Schober, Quellenbuch zur 
Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie (Wien 1886 f.) 
1, 80: »Er kam aber aus Ungarn zurück ohne Kriegsmacht und 
ohne dass ihm etwas gelungen wäre, deshalb weil sein Heer von 
Hunger bedrängt und zu Viennis von den Ungarn gefangen 
wurde.« Dies aber ist ein ander Ding: nicht Wien ward von den 
Ungarn erobert, sondern das von Hunger erschöpfte Heer des Kaisers 
ward von ihnen zu Wien gefangen. 

Der hier aus dem Ablativ Vienni bloss gefolgerte Nominativ 
Viennis lässt sich glücklicher Weise bei Geschichtschreibem des 
XII. Jahrhunderts aufzeigen. Zuvörderst hat ihn (freilich in Stell- 
vertretung des Accusativs) Otto von Freising, Gesta Friderici Imp., 
lib. 1, cap. 32 (MG. SS. 20, 370): »Dax [Heinricus II Austriae) .... 
in vicinum oppidum Vienis, quod olim a Romanis inhabitatum Favianis 
dicebatur, declinavit.« Ferner findet sieh diese Nominativform, und 
ähnlich indeclinabel , bei lateinisch schreibenden niederdeutschen 



15 

Chronisten: »Rex Richardus per mare fugiens . . . duci Austrie 
proditus capitur apud Wines . . .«, Chronica Albrici monachi Trium 
Fontium ad a. 1192 (MG. SS. 23, 869). — »In Austria oppidum de 
Winis (= mittelhochd. diu stat ze Wime) circa pentecosten casu 
combustura fuit«, ib. ad a. 1195 (ib. 23, 872). Urkundlich freilich 
stösst dies Viennis oder Wiennis nicht, oder nicht mehr auf. Die 
früheste Urkunde, die Wiens gedenkt — sie ist von 1137 — hat 
in Wiennensi loco (Meiller, Regesten der Babenberger, S. 25 n° 3; 
vgl. dazu Vereinsblätter 1875, S. 114). Dann aber, als die Stadt, 
Residenz der Babenberger Herzoge geworden, in Urkunden häufig 
wird, herrscht schon durchaus das noch zu behandelnde jüngere 
Wienna (gleich dem Viennis mit dem deutschen Diphthong ie, also 
zweisilbig zu sprechen), in officiellen Schriftstücken der herzoglichen 
Kanzlei unter Heinrich II. Jasomirgott anfänglich noch prunkend 
mit jenem falschen Aufputz der eingebildeten Identität mit Favianis; 

ahbaciam . . . in predio nostro fundauimus, in territorio scilicet 
Favie, fjue a modernis wienna nuncupatur, Urkundenb. des Wiener 
Schottenstiftes, S. 1 n° 1 von 1158, und S. 6 n° 4 von 1161. 

in ciuitate nostra Favianis que alio nomine dicitur Wienna, Ur- 
kundenb. von Steiermark, 1, 477 n° 511 von 1169. 

Dass den trefflichen Altaicher Annalen des XL Jahrhunderts 
auch hier völlig zu trauen sei, kann nicht zweifelhaft sein. Ihr 
Viennis habe ich schon im vorigen Jahrgange dieser »Blätter«. 
S. 15. 288 mit Onestrudis (Unstrut) bei Gregor von Tours und den 
urkundlichen Lavendis (Lavant) und Adeniundis (Admont) als voll- 
kommen correcte Latinisierung der in den Frauennamen auf -birgis 
-fledis -(jardis -yildis ><jundis -hildis -lindis -mnndis -rädis waltenden an 
die Seite gestellt und nach Müllenhoff (Anz. f. (L Alt. 7, 219; Alter- 
tumsk. 2, 210 f.) bemerkt, dass die Natur der dabei zugrunde 
liegenden weiblichen /o-Stämme schon in antiker Zeit dem Sprach- 
gefühle der Römer sich aufgedrängt und dieselben veranlasst habe, 
solche Namen (wie Albis Amisis Elbe Ems) in Substantiva der dritten 
lateinischen Declination, die unter dem Ausgange -is selbst viele 
/-Stämme befasse, umzugiessen. Ward folglich im besten Mittelalter 
Viennis auf gleichem Fusse behandelt, so muss der Stadtnamc im 
Germanischen /o-Stamm sein: und darum habe ich, gestützt auf die 
ununterbrochene lebendige Fortdauer des Namens seit dem Alter- 
tume den Rückschluss gewagt auf gothisch Vindubni oder Vindumni 
als einem t /<>-Stamme gleichwie Albi oder Donavi, und wie diese 



16 

beiden nach dem ostgermanischen Lautgesetze mit abgelegtem Nomi- 
nativzeichen a. Die gothische Declination unsers Stadtnamens, die 
erlaubt sein wird nachzudichten, nachdem Müllenhoff (Zeitschr. f. 
d. Alt 20, 28 f.) für das nicht minder bloss nachgeschafFene Donavi 
ebenso die Declinationsformen aufzustellen nützlich fand, gieng somit, 

— mundartliche Abweichungen (oben S. 11. 13) abgerechnet — der 
von fraistubni (Versuchung) völlig gleich: 

Stamm fraistubnja- Vindubnja- Vindumnja- 

Nom. fraistubni Vindubn! Vindumni 

Gen. fraistubnjos Vindubnjös Vindumnjös 

Dat. fraistubnjai Vindubnjai Vindumnjai 

Acc fraintubnja Vindubnja Vindumnja. 

Die älteste urkundliche Form, die wir erhaschen, ist, wie 
gesagt, Wiennti — jedoch mit einigen Verschiedenheiten. Die frühesten 
Belege stehen, leider nicht genau datierbar, doch wenigstens zum 
Teile in die erste Hälfte des XII. Jahrhunderts, somit in die Zeit 
vor der Erhebung des Ortes zum Sitze des Landesfürsten zurück- 
reichend, im Salbuche von Klosterneuburg und im Todtenbuche von 
St Florian. Ihr Alter verräth sich auch darin, dass es meist Per- 
sonen sind, die kurz »von Wien« bezeichnet werden: dies begegnet 
nur im XII. Jahrhundert, als Wien noch klein war; schon im XIII. 
schien diese Bezeichnung, die für Dörfer stets üblich blieb, zu 
ungenau und es ward die nach Strassen und Plätzen der Stadt 
üblich (doch Wido de. Wiemn 1222: unten S. 21). 

Eppo de. Wienne Salb, vgn Klosterneuburg, Trad. n° 105 (vgl 
nachher n° 498). — Pr&nwart de Winnen ebenda n° 161 (unter 
der Markgräfin Agnes). — Winna dreimal in n° 393. — Huc de 
Wt'ne n° 457. — Wolfo/t et, Fridericux de Uninna n° 489. — Eppo 
de Winna, Ott» de Winna n° 498 (vgl. oben n° 105). — PenuMux 
de Weint (d. i. Wieni) n° 570. — quedam uidua Friderun lunnine 
in Winna gibt n° 592 eine Hofstatt mit Weingärten an Kloster- 
neuburg; am Schlüsse der unter Propst Wernher (1168 — 1186 und 
1192 — 1194) vorgehenden Tradition hw ientantur ronriues eius qui 
dieuntur pergenöze in Winna. — Herilwrdus de Winna n° 640 (unter 
Markgraf Heinrich bei Lebzeiten seiner Mutter, der Marlfgräfin 
Agnes). — Alhardm d« Winne, Chmiradux de Winne n° 666 = 693. 

— Rudyer ns de Winna n° 714. — Rüdil de Wientut n° 770 (im Texte 
ferner quidam minixterialiH de Winmur, Eruesüt nomine, s. dazu den 



17 

Herausgeber auf S. 312). — Purchardus de Wienna n° 794. — dwninutt 
Rndgerm de Wientia n° 811. 

Ein Nachklang dieses einfachem Verhältnisses scheint noch der 
erfundene Dietmar von Wienert in der » Raben schlacht« (unten S. 20 
und s. Deutsches Heldenbuch 2, LI). 

de wieneti Otto et Wai'ila, Peruiger, Adtdheit etc., Todtenbuch 
von St. Florian, Verzeichnis der noch Lebenden, Ar eh. f. österr. 
Gesch. 56, 322. — Otilia de wieiw desgleichen. — Engilbreth de 
icienen et uxA>r eius Adalheit S. 321 f. — Landfrith de winin S. 321. 
Zu allen Stellen s. daselbst S. 293 und Anm. 243 auf S. 346. 

Heimo de Wiena Urkundenb. von Steierm. 1, 463 n° 499 
von 1166. 

Die Formen sind also Wienna oder (häufiger) Winna, letztere 
mit dem, so viel mir bekannt, durch die Klosterneuburger Tradition 
n° 161 einzig und allein bezeugten Dativ Winnen oder Winne (letzterer 
noch Salb, von Göttweih, S. 281, Urk. n° 11 von c. 1203); ferner 
durchaus als Dative, Wieni (geschrieben Weint) wieiw wienen und 
winin. Wo / allein in der ersten Silbe steht, hat es den Wert 
von t und vertritt nach der im XII. Jahrhundert eine Zeitlang 
durch den Einfluss der fränkischen Hofsprache in Osterreich und 
Steier herrschenden halb mitteldeutschen Rechtschreibung den Diph- 
thong ie: also Wimin Winnen Winne = Wienna Wiennen Wienne. 
Dies (ea in) ie ist nämlich, als Färbung eines altem e, nach und 
mit diesem die regelrechte althochdeutsche Ersatzdehnung eines 
kurzen e (seltener i) bei gleichzeitigem Ausfalle des folgenden Con- 
sonanten (Seherer, Zur Gesch. d. d. Spr. 1 , S. 430 Anm.; Bechtel, 
Zeitschr. f. d. Alt. 21, 218). Musterbeispiel gothisch mizdo: althochd. 
meUi miet/t (Lohn, Miethe). Ferner (vgl. Braune, Althochd. Gramm. 
§ 36) die althochdeutschen Perfecta der vormals reduplicierenden 
Verba und eine Anzahl anderer Wörter wie zeri ziari (zier) mit 
untergegangenem Guttural (lat. decns urverwandt) u. s. w. Von 
Lehnwörtern gehören zunächst hieher fliedinia aus phlebotomnm, und 
prixtar yrientar aus presbyter. In einer Anzahl anderer Lehnwörter 
aber wird unmittelbar, ohne dass irgend Zusammenziehung erfolgte, 
das 'meist lange) fremde e zu (e) i*< ia gewandelt: hlta wird hiez&u 
febris: fo'bar, Hpendtun: xpiegal, teijula: ziegtd-. 

An einem völligen Analogon der Zusammenziehuug von*l r in- 
dttnni zu Witmna gebricht es zwar darunter. Aber mizdo mit seinem 

Mütter dos Vereine« für Landeskunde von NiederoKterrcich. 1889. 2 



18 

bei Ausfall des z (r) zu e werdenden t gibt schon einen Fingerzeig. 
Oder auch, will man auf dem kurzen e als Grundlage bestehen, so 
Hesse sich vielleicht für *Vutdniuii eine dialektische Nebenform 
* Vendunni aufstellen, die in dem uendomina der massgebenden Hand- 
schriften des Jordanis (oben S. 11) sogar wirklich bezeugt wäre. 1 ) 

Doch auf so kurzem Wege will ich bei germanischem *Vedunni 
aus *Vindunni noch nicht anlangen, sondern zuvor noch versuchen, 
mir den Vorgang der Zusammenziehung ins Einzelne hinein glaublich 
vorzustellen — was nicht ganz leicht ist. Denn fastunnea mi&tnnuea 
Hcnmtun(na) (Schrunde, Riss) u. s. w. führen uns über *Vuidunni 
nicht hinaus, und mit dem zwar etymologisch verschiedenen, aber 
lautlich gleichen vhutetnfa wird althochdeutsch ganz anders verfahren: 
aus windumemänot (Weinlesemonat, Gesch. d. d. Spr., S. 82. 83) wird 
später wintemod wtndemut whnmdt winunrt (Lexer 3, 900 f.); aus 
viiidemiare wird windemön, aus vindemiator: windemer toimmer. Hier 
führt die Zusammenziehung zwar zum Untergange des zwischen 
beiden Nasalen n-ui zerdrückten d, nicht aber zu einem Diphthong 
als Ersatz an seiner Stelle gestandener zerrütteter Silben. Da auch 
die an heimischen Appellativen im Althochdeutschen unangetastet 
erhaltene Ableitung -unn(V)a % an die wir Ymdunni gelehnt fanden, 
«o wenig wie slavisch VrdYini es wahrscheinlich macht, dass man 
ihr tt habe untergehen lassen und durch Wind-nl auf Winni gelangt 
sei, woraus überdies niemals hätte J I ienna werden können : so bleibt 
nur die oben S. 12 bereits vorbereitete und nunmehr durch die 
Erörterung der Eintrittsbedingungen des Ersatz-*" noch nähergelegte 
Anname, dass der Process der Zusammenziehung mit dem Ausfalle 
des n vor dem d begonnen habe und zunächst dafür die Ersatz- 
dehnung e gefolgt sei. Obwol, ohne Einrede ist auch dies nicht, 
weil den Nasal hinter dem Wurzelvocal ausfallen zu lassen sonst 
nur den Nordgermanen üblich ist, und stets wird dann der Wurzel- 
vocal selbst verlängert (altsächs. ffis fos paratus gegen althochd. 
funs; altsächs. altnord. gös gast gegen althochd. gans etc.), nicht aber 
ein ganz neues v ie als Ersatz des zusamt dem ursprünglichen 
Vocal fortgefallenen Nasals eingesetzt. Aber in unserm Falle wird 
doch darin der Unterschied des südgermanischen Verfahrens vom 



') Wenn dies nicht blosse Entstellung: ist gleichwie liendohona M(S. AA. 2, 
315 bei dorn um das Jahr 1000 schreibenden Landulfus sagax. 



19 

nordgermanisehen zur Erscheinung kommen, und so wage ich — 
jetzt erst — als Stufen aufzustellen 

Vindumn! 

Vindunni 

Vedunni: 
weiter mit fortschreitender Zusammenziehung, der nunmehr, nachdem 
die Zerrüttung einmal eingeleitet war, auch das d und der erste 
Vocal der Ableitung zum Opfer fielen, *Weunni und *Wenni } mit 
Färbung *Weanni (Wianni Wienni) — oder wie man den Nominativ 
geben wolle. 1 ) Da die langsilbigen weiblichen 6- und /o-Stämme 
nach dem Auslautgesetze im ältesten Althochdeutsch des Nominativ- 
zeichens entrathen und dasselbe nachmals erst durch Formüber- 
tragung aus dem Accusativ sich wiedergeben (Braune, Althochd. 
Gramm. § 207 Anm. 2; 211 mit Anm. 3); da ferner der hierauf 
beiden Casibus gemeinsame Ausgang -ia -m nach einer im VIII./IX. 
Jahrhundert wirksamen Kegel zu e f später aber in alter Reinheit 
wieder zurückgeholt wird (Braune, § 58 Anm. 1; § 209 Anm. 1 — S\ 
wäre *Wrn (aus *Wenn-): Wrtme: Wiennefa): Wienna nach dem 
Muster von .sunt: sunte: suntea: sunta (Sünde) fürs Althochdeutsche 
aufzustellen, und die Declination gienge im Genitiv und Accusativ 
dem Nominativ gleich, der Dativ lautete *Wienniu oder *W!ennv, 
und später (X.'XI. Jahrhundert) * Wienno (nach Braune, § 207 

* • 

Anm. 4). Von diesen Formen erscheinen als Überrest einer altern 
Periode Wie/rne Wienna thatsächlich seit dem XII. Jahrhundert, 
und sie sind es, mit denen der uralte Stadtname in die Schriftwerke, 
aus denen er durch fast ein halbes Jahrtausend verloren war, sich 
wieder einführt. 

Der mechanischen Lautregel gemäss, die einfache (Konsonanz 
nach langem Vocale begehrt, doppelte nur nach kurzem zulässt, 
verfallen bekanntlich schon in althochdeutscher Zeit zumal die 
Geminationen durch j hinter langem Vocal oder Diphthong ur.d 
müssen sich wieder vereinfachen (Braune, § 96 Anm. 1). Hatte 
ursprünglich Wienna keinen fremdern Klang als zeinnd (durch 
zeinnja aus goth. tainjo Korb), woraus später zeind und mittelhochd. 

') Der hier einsetzende Wechsel im Anlaute — W für V — ist nur für» 
Auge: er verschwindet auch für dieses, wenn — wie jetzt üblich — auch im 
Gothischen das germanische w durch dies sein Zeichen, anstatt des bisher dafür 
gebrauchten romanischen t>, ausgedrückt wird. Also Windubiii: Windumni: Win- 
dunni' Wedunni. 

2* 



20 

zeine, so begann nunmehr sogleich das XII. Jahrhundert mit dem 
gedoppelten nn in Wienne aufzuräumen, und es folgte Wiene. So 
durchaus schon in den S. 17 ausgehobenen Belegen des Todten- 
buches von St. Florian wieno wienen und winin = winin; so auch 
in der sicher dem besten XII. Jahrhundert angehörenden Tradition 
n° 570 des Salbuches von Klosterneuburg mit ihrem Weini = Wieni: 
so endlich in Ottos von Freising Vienis, nur da etwa dem Stecken- 
pferde Fa-vianis zu Liebe. Darunter ist wieno nicht mehr für eine 
alte Form des Dativs, besage Reflex des althochdeutschen Wienno 
Wiennu zu halten, sondern das o hat darin nur die unbestimmte 
Klangfarbe des tonlosen Vocals, der in wlnin durch * gegeben wird 
und dem e in Wiene wienen gleichwertig ist. 

Wiene mit dem Dativ Wiene oder Wienen (Gramm. I 4 , 776) 
ist bekanntlich die Form der mittelhochdeutschen Literaturdenk- 
mäler. Die Aussprache mit bloss einem n und die beiden Formen 
des Dativs beweisen zumal Reime: 

daz ist der wünneeliche hof ze Wien*". 

ich hirme (ruhe) niemer ttnz ich den. verdiene, Walther 84, 10 f. 

e ich verliir dir guoten stat ze Wiene ( : diene) ', Bruder Wernher 
in Hagens Minnesingern 2, 234 /> 

sie int in einem k reize, der ich diene 



noch ist si zwischen Pari* unde Wiene, Neidhart XL, 6. 

ich nam sin war } ez was ein smaler rieme: 

den hrdht ein ritter ir da her von Wiene, ebenda XL VI, lf. 

liege nspurc } Pazzouice unde Wiene 

die müezen mir von .schidden wol oevallen. 

da sint kint, den wil ich gerne dienen, ebenda zu XL VI, 35. 

Dietmar von Wienen 

sprechen du hegan 

'her von Herne, ich wil in dienen, Rabenschlacht 02, 1 — 3. 

der vif süezen, der ich diene, 

singe ich disen saue cor Wiene, 

da der künec [Rudolf von Habsburg 1276] fit mit gen alt, Schenk 
Konrad von Landegge, Ilagens Minnesinger, 1, 353/>. 

daz wil ich i einer dienen. 

ein Sohs oürtic von Wienen etc., Helbling 3, 331 f., und ähnlich 
Wienen, immer im Reime auf dienen 4, 151 f. 8, 496 f. 15, 87 f. 
231 f. 



21 

Ebenso Ottokar 68a, 73a, 133 *, 565 * (zweimal), 572a, 841 *, 
842*, 844*. 

Aber am Alten hangend wie wir die Oesterreicher schon kennen 
(vgl. mich Vereinsblätter 1887, S. 397 f. 408. 411), haben sie selbst in 
der schönen Literatur, um wie viel mehr in ihren Geschichtsbüchern, 
lange nicht von der Form mit nn lassen mögen. So gebraucht 
gleich Neidhart in den zwei einzigen echten Stellen, an denen er 
unserer Stadt gedenkt (84, 23. 88, 28) Wienne. Bei dem durchaus 
höfischen Ulrich von Liechtenstein zwar finde ich nur Wiene oder 
Wienen geschrieben. Der sogenannte Helbling aber hat Wiene mit 
einem n nur im Dativ Wienen, und nur wo ihn das Bedürfnis des 
Reimes dazu nöthigt (s. vorhin die Stellen): ausserhalb des Reimes 
stets Wienne 1, 96. 468. 2, 698. 1392. 1459. 4, 336. 5, 70. 15, 
487. 774; daneben apocopiertes Wienn 4, 608. 15, 224. 340. 616. 
738, und daraus vereinfachtes Wien 2, 299. 338. Ottokar kennt nur 
Wiennfe): 130 a, 170 a, 354 a, 360 a, 566 a.*, 569 a, 573*, 576*, 590*, 
838 a, 842 a, 843 a, 844*. Wir sehen hier da« Entstehen der modernen 
Form Wien, die auch schon in österreichischen Chroniken begegnet, 
z. B. durchaus in der Continuatio Admuntensis (MG. SS. 9, 587 
589. 590. 591) und im Auctarium Vindobonense (ib. 9, 723\ im 
XV. Jahrhundert bei Michel Beheim tiberwiegt (wienn 1, 7) — aber 
doch im Ganzen so selten bleibt, dass, wie bekannt, Wie-nn bis in 
die ersten Jahre unsers Jahrhunderts als amtliche Schreibung fest- 
stand. Für die altösterreichischen Urkunden und Chroniken bildet 
Wienne, latinisiert Wienna (auch Wyenna geschrieben, und selbst 
noch bis ins späteste XIII. Jahrhundert das Winna einer verschwun- 
denen Zeit (z. B. Urkundenb. von St. Polten, S. 126 n° 98 von 
1270; Salb. v. Göttweih, S. 347, Urk. n° 76 von 1296) die weitaus 
tiberwiegende Regel. Auf genaue mittelhochdeutsche Formen wäre 
zu fahnden: Wido de Wienen neben Dietricus et G/rtfridus de Wiennen 
und Wiena in einer Urkunde Leopolds VI. von 1222 bei Meiller 
S. 132 n° 181; apud Wienen MG. SS. 9, 778 z. J. 1193. Vor 
allem zu beachten ist der Anlaut W; die lateinische Schreibung mit 
anlautendem V, obwol schon in den Altaicher Annalen und von Otto 
von Freising versucht, wird nichtösterreichischen Geschichtschreibern 
überlassen, so den Prager Chorherren als Fortsetzern des Cosmas 
und den in MG. SS., Tom. 17 zu suchenden schwäbisch-bairischen 
Chronisten; zweimal doch auch in der Continuatio Vindobonensis 
(MG. SS. 9, 708. 710). 



22 

Von dieser häufigsten Form mit nn lautet der Dativ fast nur 
stark. Ausnamen kenne ich nur in Winnen (oben 8. 17) und 
soeben Wiennen 1222. 

Die Niederdeutschen sagen — stets mit einfachem n und mit 
ihrem e für hochdeutsch ie — Wette: so Arnold von Lübeck (MG. 
SS. 21, 117. 171); die Sächsische Weltchronik (MG. SS. vernac. 2, 
235. 243. 252. 255). Seltener, mit i für hochd. ie, Wine in der 
thüringischen Fortsetzung der sächsischen Chronik (ib. 2, 301. 302j. 
Wines, Winis ward oben S. 15 gebucht. — Apocopiertes Wen in 
den Annales Stadenses z. J. 1192 (MG. SS. 16, 352). 

Seltsam ist Wene in einem österreichischen Diplom (Urkundenb. 
von Steiermark 2, 206 n° 133 von 1215). Zwar aus der Zeit des 
vlcemens in Osterreich, aber doch wol nur Schreibfehler und zu 
beurteilen wie Wolfisten = Wolßsstein in der Göttweiher Tradition 
n° 257 von c. 1132, und andern derlei Fällen. 

Mit der Schreibung Vienna wird man in Österreich, wo auch 
sonst V und W durcheinandergeworfen wurden, (Vitegeisdorf- Walken- 
stein) gewiss oft gar nichts besonderes beabsichtigt haben. Wer aber 
das that, der wollte eben nur das lateinische Aussehen des Stadt- 
namens, das in Wienna noch fraglich blieb, vervollkommnen. Wir 
wenigstens können es dieser letztern Schreibung, zumal bei ihrem 
ersten Erscheinen im XII. Jahrhundert, nicht mehr absehen, ob sie 
noch das altertümelnd bewahrte althochdeutsche Wienna oder schon 
das aus altmittelhochdeutschem Wienne latinisierte Wienna vorstelle: 
zumal solche Latinisierungen im Hofstile bereit« früh im XI. Jahr- 
hundert beliebt wurden (Tulna für TuUina 1014: Vereinsblätter 1888, 
S. 49). — Doch auch bei Vienna als letzter Consequenz der Lati- 
nisierung war nichts ge&hrliches, so lange nur, mochte mau nun I'" 
schreiben oder W, der Name zweisilbig mit deutschem ie gesprochen 
ward. In oberdeutschem Munde während des Mittelalters wol immer. 
Anders stand die Sache für Engländer, Franzosen und Italiener, die 
sämtlich ihr Vienne, Vienna nur vom mittelhochdeutschen Wienne 
her haben können (König Richards I. Gefangennemung zu Wien 
1192!), schon damals, und seit dem Wiedererwachen der classischen 
Studien auch für die Deutschen. Es kam die romanische dreisilbige 
Aussprache Vi-enna auf: und da dies unglücklicher Weise genau 
1 die Namenform des altgallischen Vienna südlich von Lyon war, so 

fand eine arge Verwirrung sich Tür und Tor geöffnet. Im 
Französischen fallen daher noch heute beide räumlich und ctvmo« 



23 

logisch so getrennte Städte als Vienne zusammen, und man muss, 
um Wien zu meinen, Autriche beifügen. Schon der alte Lazius 
fand diese Unterscheidung nöthig für sein 1546 erschienenes Buch 
> Vienna Austritte*. — Für die gelehrte Welt insonderheit war seitdem 
ein Riss aufgethan zwischen Vindobona und Vienna. Ersteres sollte 
der antike, letzteres der zu Vienna in Gallien stimmende mittelalter- 
liche Name der Stadt an der Donau sein — wie das zwar möglich, 
und wie im Mittelalter Vienna von Frankreich nach Osterreich 
wäre hinübergeholt worden, ward meines Wissens nie erklärt, weil 
es nicht zu erklären war — ; in Bischof-Möllers »Vergleichendem 
Wörterbuche der alten, mittlem und neuen Geographie« (Gotha 1829) 
linden sich S. 509« mit köstlicher Naivetät sämmtliche Belege, die 
der damals vor kurzem erschienene erste Band der Monumenta 
Germaniae, Scriptores für das gallische Vienne bietet, Wien gut- 
geschrieben; und selbst Germanisten waren der Meinung, in mittel- 
hochd. Wiene »aus gallisch-lateinisch Vienna* sei der fremde Diph- 
thong beibehalten, so dass mithin dasselbe Verhältnis bestünde wie 
in dem gerade wie Wiene auf diene gereimten mittelhochdeutschen 
Siene aus italienisch Stena: Jac. Grimm, Gramm. I 3 , 188; wegen 
des letztern Wackernagel, Kl. Sehr. 3, 287. Es bedarf nach dem 
Vorhergehenden keiner langathmigen Widerlegung dieser Irrtümer 
mehr und wird in alle Fälle genügen, wegen der grammatischen 
Bildung in altkeltisch Vienna, das im Mittelalter auch Vigenna und 
Vigonna geschrieben ward (MG. DD. 1872 1, 234 a), auf Gramm. 
celt. 2 , p. 774 und Glück, Keltische Namen, S. 57 zu verweisen. 1 ) 

Aber noch ist die — in Müllenhoffs Äusserung über Vindobona 
gleichfalls vorgesehene — Frage zu erledigen: wie steht die Wieden 
zu Wien und slavisch Vtdeh? 

Einen Zusammenhang zwischen diesen dreien hat man längst 
herzustellen versucht. Entweder sollte Wieden von slavisch Viden = 
Wien kommen, oder umgekehrt Vitien von Wieden. Letzteres fragte 
Schmeller 2 2, 932; ersteres war Hormayrs Meinung (vgl. Hofbauer, 
Die Wieden, S. 3). Ganz undiscutierbar ist, für mich wenigstens, 
was K. Weiss, Geschichte der Stadt Wien 2 1, 69. 325 als Meinung 
ungenannter Anderer vorbringt: Viden sei der slavische Name des 
Flttsschens Wien und nach Verdrängung der Ungarn durch die 

') Über Vienna und fteterreichisch Wian Wean aus (Fa)mana (Schmeller 2 2, 
819, 932) wird heutzutage niemand mehr ein Wort verlieren wollen. 



24 

Franken in der zuerst im XI. (Y) Jahrhundert erscheinenden Form 
Wienne — Viennis schreiben 1030 die Altaieber Amialen! — als 
Name für die Stadt angenommen worden; dass Wienne eine Um- 
wandlung von Vindokona oder Vindomina sei, werde »in neuester 
Zeit aus sprachlichen Gründen in Zweifel gezogen«. (Wer diese 
geheimnisvollen philologischen Autoritäten sind, ist leider anzuführen 
vergessen.) Dafür, dass die Slaven den Fluss Viden genannt hätten, 
existiert auch nicht der Schatten eines Beweises; ebenso wenig wie 
dafür, dass die Stadt überhaupt vom Flusse den Namen überkommen 
habe (wie Schmeller a. a. O. meint). Vielmehr, da der Fluss erst 
im XIII. Jahrhundert, als Wien bereits Residenz war, aus seinem 
Dunkel hervortritt oder, wenn das seit c. 1130 nachweisbare predium 
Wienvurt wirklich an einer Furt der Wien lag (Blätter für Landesk. 
1882, S. 229 — 231), nur etwa mit der ersten urkundlichen Er- 
wähnung der Stadt (1137: oben S. 15) gleichen Sehritt hält: ist 
aller Grund anzunemen, dass umgekehrt die Stadt ihm ihren eigenen 
Namen geliehen habe, wie vormals die Stadt Arlape den ihrigen der 
Erlaf (Blätter f. Landesk. 1888, S. 268): das Wann bleibt dabei 
ununtersucht. 

Die auf den vorhergehenden Seiten angestellten Untersuchungen 
haben auf eine germanische Form *V$dunni als erstes Ergebnis der 
Zusammenziehung des schon zu *Vindunni verdünnten *Vindumni 
geführt. Sie haben weiter ergeben, dass die Slaven sich dieses 

* Vedunni in der Form * Vedvtu für ihre eigene Sprache bemäch- 
tigten. Sie selbst blieben dabei stehen, während die nimmer rastenden 
Deutschen auf dem einmal betretenen Wege der Zusammenziehung 
fort8chritten. Soll mithin ein innerer Zusammenhang zwischen Wien, 
Wieden und neuslavisch Viden bestehen, so kann er nur so gefasst 
werden, dass im deutschen Wieden jene als * Vedunni ermittelte Vor- 
stufe des nachmals durch völliges Einschwinden der Mittelsilbe ge- 
wonnenen Endergebnisses Wienne, mit und neben demselben, erhalten 
sei. Demnach stünden sich Wieden und Viden" parallel: unmittelbar 
käme weder dieses von jenem, und noch weniger jenes von diesem ; 
sondern Wieden wäre die jüngste Entsprechung des germanischen 

* Vedunni) aus dem anderseits durch altslavisch *Vedutii neuslavisch 
Viden hervorgegangen. So ist Miklosichs Überzeugung a. a.0.: >Die 

slavischen Wörter beruhen auf einer altern Form des deutschen 
Namens, der in Wieden erhalten ist« — ein Satz, der nach seinem 
ersten Teile unanfechtbar ist. Und so oder ähnlich wird Müllenhoff 



25 

sich die Sache gedacht haben, die er gleichwol in dem, was die 
Wieden betrifft, mit einem vorsichtigen >ut puto« gegen Unter- 
stellungen schützt. 

Ein Stammbaum soll dabei dem Auge zu Hilfe kommen: 

germ. Vindumni 

Vindunni 

Vedunni 



altslav. Vöitunl 
ahd. Wiedun ahd. Wienna 

(Wiedunna) \ \ 

| mhd. Wienne neuslav. Viden 

mhd. Wieden Wiene 

Darin ist althochdeutsch * Wiedun oder * Wiedunna — bloss für 

den augenblicklichen Bedarf und ohne jede Verbindlichkeit für das 

Ganze der vorliegenden Untersuchung — aufgestellt nach Analogie 

der westgermanischen Feminina auf -innjo uhd -unnjö, denen es sich 

anschliessen musste (vgl. oben S. 12 f.), die im Althochdeutschen den 

genau richtigen Nominativ -in ~un bilden, aber später aus dem Accu- 

sativ den Ausgang -in na -unna in den Nominativ vordringen lassen 

(oben S. 19). Dabei fragt sich aber schon, ob aus * Vedunni nicht 

mit innerer Verschiebung hätte folgen müssen *Wietun(na), und 

somit auch mittel- und neuhd. Wieten? Denn die Lautverschiebung 

lässt sich bei unmittelbarer Überlieferung aus dem Altertume niemals 

vermissen (s. Blätter für Landesk. 1888, S. 221, mit Verweis auf 

Deutsche Altertumskunde 2, 83). Schon darum glaube ich nicht 

an die Stufung Vedunni: Wiedun: Wieden. Und noch bedenklicher 

macht mich die Erwägung, dass durch alle Zeit zwei hochdeutsche 

Formen eines und desselben Namens sollten nebeneinander bestanden 

und sozusagen Schule gemacht haben. Einmal sollte * Vedunni 

deutsches * Wiedun (Wieden) und slavisch *Veduni (Videti) gezeugt, 

anderweide in Wienna sich zusammengezogen haben — einerseits 

wäre die Vorstufe des ganzen Processes zu so festem Niederschlage 

gelangt, dass sie neue Blüten trieb, und hätte doch anderseits sich 

nicht vor äusserster Zusammenziehung bewahren können — und 

nun gar diese letzte Consequenz als Name auf die Stadt selbst, die 

Vorstufe auf ihre erst in jüngerer Zeit entstandene Vorstadt ver- 

theilt — das alles wäre höchst wunderbar. Man wird sich doch 

nicht einbilden, die österreichischen Deutschen des X. — XII. Jahr- 



26 

hunderts hätten die Stadt unterschiedslos bald Wien und bald Wieden 
genannt, und endlich, um dem Zwiespalt ein Ende zu machen, die 
Vertheilung in der angegebenen Weise vorgenommen! Wer uns 
aber vorhielte, in jenem Zeiträume seien, der Mischbevölkerung ent- 
sprechend, Wienne und slavisch Videh nebeneinander hergegangen 
und letzteres endlich aus dem lebendigen Gebrauche heraus auf die 
Vorstadt übertragen und so gleichsam zur Ruhe gebracht worden: 
der erhärte uns erst an Thatsachen die Existenz von Slavcn in 
Wien vom X. bis ins XII. Jahrhundert, die man zwar gewöhnlich 
ohne weiters annimmt, die ich auch principiell nicht bestreite, von 
der wir aber gar keine positive Kunde haben. Nach unsern 
heimischen Schriftstellern war Wien im X./XI. Jahrhundert sogar 
eine ganz slavische Stadt: K. Weiss a. a. 0. 1, 69. 325; Joh. Wen- 
drinsky, Gedanken über Wien vom V. — X. Jahrhundert, in den 
Blättern f. Landeskunde 1878, S. 386— 388. ! ) Einer zumal heute, 
wo slavische Uberhebung uns in unserm Eigensten bedroht, so ge- 
fährlichen Meinung kann nicht heftig genug widersprochen werden: 
und es geschieht am besten mit dem erneuten Hinweise auf den 
schon oben S. 9 angeführten Ausspruch Müilenhoffs von der weder 
durch Slaven noch Avaren jemals gestörten, ununterbrochenen Fort- 
dauer germanischen Lebens in Österreich vom Altertume her bis in 
unsere Tage. Diese Fortdauer kann eben, nur bestreiten, wer Vin- 
dobona, Yindomina für unter sich, und von Wienne verschiedene 
Orte und Namen hält, weil die Einheit ihrer wesentlich von den 
Deutschen bestimmten sprachlichen Entwicklung zu begreifen ihm 
nicht gelingen will. 

Aber lassen wir doch die Urkunden reden. 

Die erste urkundliche Erwähnung der Wieden geschieht, für 
eine so weit zurückgreifende Ann am e wie die besprochene, die wir 
nun abzuweisen unternehmen, spät genug: 1211, beziehungsweise 
1208. Im letztgenannten Jahre hatte, wie wir aus der Bestätigungs- 
bulle Papst Innocenz des Dritten erfahren (abgedruckt bei Hormayr, 

l ) Aus Wendrinskys Ausführungen kann ich mir beim besten Willen nichts 
aneignen: sie laufen meinem Glaubensbekenntnisse über das geschichtliche Wien 
in allen wesentlichen Punkten zuwider. Viel mehr in Übereinstimmung sehe ich 
mich mit Dr. Anton Mayer, wenigstens nach dem zu schliessen, was besonnenes 
er in demselben Jahrgange der Vereinsblätter, S. 211 — 215 über den fortlaufenden 
Bestand Wiens und seine aus keltoromanischen Resten, Deutschen und Slaven 
gemischte Bevölkerung geäussert hat. Nur dass ich das deutsche Element an 
die Spitze rücken muss. 



27 

Wien, zweiten Bandes drittes Heft, S. 183 f. Anm. 8), Gerhard der 
Capellan und Arzt Herzog Leopolds VI., Pfarrer in Vclm, mit Bei- 
stimmung dieses seines Landesherrn capellam in suburbio Wiennae 
ad honorem S. Sjriritus ac beati Antonii gestiftet und zum Besten 
der Armen begabt. Die Stiftung beurkundete dann drei Jahre 
später (1211) unter dem 27. Mai Leopold VI. mit der bei Hormayr 
a. a. O., S. 184 f. ziemlich vollständig, bei Meiller, Regesten der 
Babenberger, S. 106 n° 92 in kurzem Auszuge mitgeteilten Urkunde. 
Es heisst darin: 

> Donamus Dom um Hospitalis S. Spiritus cum ecclesia S. Antonii in Suburbio 
Wiennen[rif\ circa flumen Wienn nnncupatum situatum (1. situatam), cum limitibus 
istis, viclelicet incipiendo occidentaliter extra dictae Domus hortum deputatam (1. 
-um) a finibus et terminis ecclesiae Sancti Stephan! circa arenam maioris cursus 
ßuminis vulgariter Wienn nuncupatnm (1. nuncupati), infra sequendo cursu iam dicti 
fluminis versus orientem sub ponte Wt/enn } et deinde remotius sequendo aquam 
iam dictum (1. dictam) . . . usque ad fines et termines Ecclesiae Sancti Stephani, 
a quibus terminis datis iam dicti [fehlt »suburbii« ?] , quod vulgariter Widern 
dicitur, versus occidentem etc.« (Hormnyrs Lesung scheint teilweise mangelhaft.) 

In den spätem Grenzstreitigkeiten zwischen dem Gebiete von 
St. Stephan und dem des Heiligengeistklosters entschied Herzog 
Rudolf am St. Urbanstage 1363 endlich: lewt und guter vor Kernertor 
ze Wienne auf der Widen sullen zu der .selben pharr Sant Stephan 
yehmren, und die selben Widmer wie die genant sein (Hofbauer, Die 
Wieden, S. 2, ohne Angabe der Quelle). 

Die Vorstadt wird also in einer Zeit, wo in der herzoglichen 
Kanzlei rein mittelhochdeutsche Rechtschreibung herrschte, ge- 
sehrieben widern, und nicht mieden. Und mochte sich auch bald das 
m zu n verdünnen, wir finden es noch unangetastet in die selben 
Widmer von 1363, und alle Zeit, so lange es bestand, im Namen 
des Widmertores: 

vor Widmertor ze Wienn auf der Laymyntb, Urkunden!), des 
Wiener Schottenstiftes, S. 236 n° 209 von 1342. 

spikd hintz sand Herten, gelegen vor Widmertor ze Wienn, Ur- 
kundenb. von Heiligenkreuz 2, 345 n° 298 von 1380. 

daz Widmertor aus Cod. german. Monac. 1113, fol. 37 belegt 
von Schmeller 2 2, 860. 

widmer Utr (tor etc.) Behaim 18, 21. 72, 24. 74, 2. 95, 5. 98, 
12. 134, 19. 

Hinter allem dem kann daher nicht wol etwas anderes stecken 
als was auch schon Andere (ich erwähne nur Schindlers 2 2, 860) 



2h 

dahinter gesucht haben, nämlich das nach Geschlecht und Decli- 
nation seh wankende gutdeutsche widrm* widm». verdünnt «-«/cm 
■'Iy-xer 3. 821 f.i. eigentlich Wittum, da.-, dann Dotierung einer 
Kirche, eines Klosters oder eines Pfarrhofe* mit Grundstöcken, diese 
Grundstücke selbst, zuletzt der Pfarrhof selbst, in Tirol noch jetzt 
»Widunn. So sagt, um ein niederüst erreich ische> Beispiel zu wählen, 
Wernher von Nussdorf an der Traisen, der Stifter der Pfarre da- 
selbst, in seinem Stiftsbriefe: hau ich die *>W rhirht ftstiß und 
getciihntt mit zieaiuzirk jihvut gelt* und mit r/nmt jifarrhof: dm irk 
die mr genanten zwainzich phunt gilt* und dm /ifarrhot gif' ze widern 
dem rttrtfewmtrn gotriftia. Urkundenb. von Herzogenburg icd. Faigl| t 
S. 90—93 n " 90 von 1323. mit des Herausgebers Anmerkung 
S. 498 f. Ähnlich Urkundenb. von Altenburg. S. 210 n n 206 von 
1341. 'Nachweise auch im Register, S. 439A.> Daher weiter wtdem- 
gnfit iridemfiof vtd*mfioumgnrtt irtdeiidi-dz teidruttritr. — Und zwar ist 
unsere Wicden. wie die Urkunden von 1211 und 1363 zeigen, ur- 
sprünglich das von der wideme der Pfarre St. Stephan zu Gunsten 
des neugegründeten Heiligengeistklosters abgetrennte, nachmals wieder 
St. Stephan unterstellte Grundeigentum sammt Zinsholden. Letztere 
heissen davon du- Widi-mer, und das von der Stadt gegen die Wicden 
sich öffnende Tor daz Widemer tor. 1 . Und wie zwischen 1314 und 
1358 Amtleute St. Stephans auf der widen erscheinen 'Hofbauer, 
•S. 2- und wir noch heute sagen »ich wohne auf der Wicden«, »ich 
gehe auf die Wicden*, so wird das mittelhochdeutsche Appellativ 
diu icidem fei in Altösterreich meist weiblich und gerne mit der 
Präposition <if gefügt. Hier einige Beispiele: 

tiu aidein, diu genant Int au der «de. Urkundenb. des Landes 
oh der Enns 5, 49 n g 50 von 1311. 

wiiujmtr ,'u der widrn z>- C/tremn. ebenda 5, 409 n" 505 
von 1328." 

kaf ze Pürdanm der du genant int dir Wudein 'bei Moosbier- 
banm), Urkundenb. von Klosterneuburg 1, 427 f. n" 441 von 1369. 

«itt Höfen, dt do hnizzent datz dem Haies ror 
der widern dotteiln; Juhannm von der widern 
von Heiligenkreuz 2, 301 n" 274 von 1374. 

1298 nennt die leitt und kühlen die :<■ der wifden der 
yen) gehorent, Auitria- Kalender 1867. S. 329. 



29 

aeben im zicaln prallten, die gehörnt zu dem gotshaus und zu der 
widern ze Gaiuiesdorf] Urkundenb. des Wiener Schottenstiftes, S. 401 
n° 335 von 1385. 

auf der widern hiess der obere Markt Herzogenburg, belegt 
seit 1341: s. Urkundenb. von Herzogenburg (ed. Faigl), S. 520a mit 
Anmerkung S. 498 — 500. Banntaiding auf der widern zu Herzogen- 
burg von 1404 bei Kaltenbaeck 2, 93-97. 

zu Itecz an der altnstott und auf der widern, Arch. f. K. österr. 
GQ. 1, V, 92 von 1451. 

Lateinisch */* dote: Schindler 2 2, 860; Cod. dipl. austr.-fris. 
3, 633«. 694£; Urbar von Seitenstetten (1290—1308) im Arch. f. K. 
österr. GQ. 1, V, 8. 

Wieden gehören zu den in Friede stehenden Dingen: chloster, 
chircken, vritliqf, wlden } mul, wlngarten } paumgarten und hupen In Ir 
vazzen suln ganc-zen frld haben; sieer #1 an griffet , der Ist frldprtech. 
Straubinger Landfriede von 1256 (Arch. 1, I, 65). 

Kleinere Orte des Namens Wieden gibt es verschiedentlich. 
In Niederösterreich zählt der Amtskalender für 1889 ihrer neun 
auf. Dann weiss ich einen im Gasteiner, und einen im Zillerthal. 
Heinrich von Widern Acta Tirol. 1, 269 n° 737 von 1321: Hof 
Widmer auf dem Ritten bei Bozen. Ein kärntnischer Wldembach 
im Urkundenbuchc von St. Paul, S. 591 b (1201—1400). Überall 
wird sich der Name von der Bewidmung der betreffenden Pfarr- 
kirche, auf deren Grundstücken eine Ansiedlung entstand, erklären 
lassen. 

Eigentümlich ist die jüngere Ausdeutung von widern — wahr- 
scheinlich durch Vermittelung von wlt y telde (Flechtreis) — auf iclde 
(Weide): darum eigentümlich, weil die Österreicher des spätem 
Mittelalters nicht mehr wide sondern weide sprachen. Die Vorstadt 
Wieden führte einen Weidenbaum im Siegel (Hofbauer, S. 40), und . 
dem Markte Herzogenburg gab Kaiser Ferdinand I. einen grünen 
Weidenzweig ins Wappen (Faigl, S. 499). Uns ist diese Einstim- 
mung erwünscht, weil sie auf ihre Weise darthut, dass hinter der 
Wieden im Wien nichts anderes stecke als hinter der in Herzogen- 
burg — mittelhochd. widern. 

Irriger Weise aber wird eine Stelle der MG. SS. 17, 715 in 
der Anmerkung 14 daselbst auf die Wiener Vorstadt bezogen. Es 
heisst dort in Heinrichs von Heiniburg Annalen z. J. 1270: Ipso 



30 

anno Romanorum rex intravit Austriam venitque in civitatem 

Witunensem. Das kann doch nur heissen >und er kam nach Wien«. 
Denn civitas Witunensis ist nichts anderes als was 1137 durch 

Wiennensis locus und später gerne civitas Wienuenms gegeben wird: 
Übersetzung des schon damals ortsüblichen (Wienmär? oben S. 16) 

Wienstat oder Wiennarre (Gen. Plur.!) sUit für das sprachlich ge- 
nauere stat ze Wienne. Aber Heinrich von Heimburg, obzwar von 
Geburt ein Österreicher und in der Heimat ansässig, muss fast als 
Böhme gelten. Er schreibt den Cosmas von Prag mit seinen Fort- 
setzern und böhmische Legenden aus und ist eifriger Anhänger 
König Ottokars II. von Böhmen (Wattenbach, Deutschlands Ge- 
schichtsquellen 5 2, 291 Anm. 5). Nachdem nun schon seine Gewährs- 
männer gutdeutsche Ortsnamen Niederösterreich slavisieren, Drosen- 
dorf verkehren in Droznovicz (MG. SS. 9, 190), Laa in Hlava und 
Lava (vgl. Vereinsblätter 1887, S. 106), will er hinter ihnen nicht 
zurückbleiben und slavisiert seinesteils die civitas Wiennensis in eii:e 
civitas Witunensis. Vom wissenschaftlichen Standpunkte allerdings 
dürfen wir ihm erkenntlich sein. Denn dies Wituneims des XIII. Jahr- 
hunderts leitet über neuslavisch Videii zurück auf ein mittelslavisches 

Vidnn, und bestätigt völlig altslavisch Veduni und germanisch Veduttni, 
aus dem ersteres hervorgegangen. 

Nachdem so die Wieden aus dem Stammbaume entfernt ist 
gewinnt derselbe, nach auf- und abwärts ergänzt, folgende Gestalt, 
in der die Ergebnisse der ganzen Untersuchung zusammengefasst 
erscheinen : 



31 



altkeit. Yindubna (später mit 
Hilfsvocal Vindobonaj 



altgerman. (alt- 
ßiieb.) Vindubni 



kelt. Vindonma (später mit 

Hilfsvocal Ylndmnona 

-mäna -niina) 



german. (rugisch-goth.) 
Vindunini 



altbair. Wen (aus Wenn-) 



Wenn* 

\ 



späteres Bairiscb (althoehd.) 

Wlenne Wiennea Wien na 

(latin. VlenniH) 



altösterr. Wienne 



mittelhochd. Wiene 
(woraus mittelniederd. 
Wenr),latWiena(S.n) 



Vindunnt 



Vidi 



innt 



altslav. Vedum 



mittelslav. Vidun 



tsehech. I ''(den poln. 
Wfeden 



latin. Viennn 



neuhochd. Wien 



ital. franz. 

TV 1 v * ' 

V lenna I tenne 



engl. 
\ feii na 



32 



II. Die persönlichen .Ausg&nge -an -in -ei und -oi. 

» 1. 

Bei Erörterung des Ortsnamens Pottenbrunn im Jahrgange 
1886 dieser > Blätter«, S. 119 — 121 habe ich der erweiterten starken 
Genetivform -ine* für die regelrechte schwache auf -in bei männ- 
lichen Kosenamen auf -o zu gedenken Anlass gehabt, und gleich- 
zeitig teils das spätere Wiedervordringen der unerweiterten, teils 
die gleichfalls spätere Zusammcnziehung der erweiterten Form in 
scheinbar einfaches -is -rs kurz erwähnt. Heute, an der Schwelle 
der im Titel angekündigten Untersuchung stehend, die von Un- 
scheinbarem aufsteigend allmälig zu weitausschauender Höhe empor- 
führen soll, gilt es vor allem, die damals nur zum vorläufigen all- 
gemeinen Verständnisse angedeutete Erscheinung eindringlicher zu 
verfolgen und darzulegen. 

Wie schon Gramm. 3, 672 bemerkt ist, beruht jene P2rweiterung 
der Form in den obliquen Casus darauf, dass die als Verkleinerungen 
ihrer Grundnamen erscheinenden oder fungierenden männlichen Kose- 
formen auf -Hu Einwirkung erfahren von den als starke Neutra 
ausgeprägten Deminutivis auf -/// ivgl. auch Kluge, Stammbildungs- 
lohrc §S 50 und 59). Weil decliniert ward rhindili (Kindlein), Gen. 
chindiUnt's, Dat. chindUhic, Acc. vhindi/i, schien auch, um bei den 
schon 1886 als Stichproben gewählten zwei berühmten Namen der 
Heldensage Ezzilo und Pludilo zu bleiben, gebildet werden zu 
können Ezzdiiic* Ezzilitw und Plodilhiex Plödilhw für Ezzilin Ezzilin 
und Ptodilui Piodilin. Der Nominativus blieb von der Erweiterung 
zunächst unberührt, weil auch die vorbildlichen Neutra hier 
ursprünglich keine Erweiterung durch // haben. Somit heisst es 
noch mittelhochdeutsch Etze/e Bla>deh\ oder nach dem Lautgesetze 
dieser Mundart, dem das stumme <* auch aus der Schrift entgleitet, 
scheinbar starkformig Etz*d Blixdrl* und auch in den obliquen C-agus 



33 

regelrecht Etzel(e)n. Aber nachdem neben kindel bereits galt kiudelia, 
mit der Erweiterung auch des Nominativs und des (im Neutrum 
gleichlautenden) Accusativs, waren bald auch Etzelin und Blcßdelin 
für Nominativ (und Vocativ) begänge. Unter den Nibelungenhand- 
schriften hat D besondere Vorliebe für die erweiterten Casusformen 
des erstem dieser Namen, während sie für den letztern allen Hand- 
schriften fast unbestritten gelten. 1 ) 

Wir wollen zunächst die Geschichte dieser Erscheinung zu 
ermitteln suchen. Hiezu eignet sich gerade der Name Etzel, als in 
Urkunden ungemein häufig, am besten. 

Gothisch atta heisst »Vater«, das nur als Name des Heunen- 
königs bezeugte Attila daher »Väterchen«. Jenes ist althochdeutsch 
— wieder nur als Name — nach der Lautverschiebung Azzo y dieses 
Azzilo und mit Umlaut Ezzilo. Mit vereinfachtem z Azo Azilo 
Ezilo. Durch Verstärkung wird aus dem Stamme von Azo: Azarnun 
und Azachind; andere Mittel der Verkleinerung (-hho) erbringen Azacho 
Azocho Azecfuj Azicho. Auf weiblicher Seite entsprechen Aza Azatmp 
Azala Azila Ezela Azacha. — Daneben giebt es auch Ezzo oder 
Ezo (auf ein gothisches *atfja deutend?), auf das sich Ezzilo manchmal 
unmittelbarer zurückführen Hesse, Ezeman Ezecho (aus Azicho von 
Azo? oder unmittelbar von Ezo?) und Ezicip — sämmtlich in unsern 
Urkunden- und Todtenbüchern häufige Gäste. 2 ) 

Die Macht der von den neutralen Deminutivis auf -ili aus- 
gehenden Analogie lässt sich in den lateinisch abgefassten Urkunden 
der althoch- und altmittelhochdeutschen Zeit, in denen man ja auf 
die deutschen Casus obliqui des freien Personennamens fasst niemals 



') Von andern Verkleinerungsnamen weist Stark, Kosenamen (Wiener 
Sitzungsberichte, Band 52), S. 335 den Ausgang -in im Nominativ schon seit dem 
VII. Jahrhunderte nach. Bei uns s. Ottelin 895 (S. 47), dann aus späterer Zeit 
Gocilin (S. 42) und Wizelin (S. 53); Acelin S. 35. 

2 ) Die obige Etymologie von Azzo Azzilo = goth. atta Attila ist von Jac. 
Grimm, Zeitschr. f. d. Alt. 1, 25 (= Kl. Sehr. 7, 72). Ebenso bringt Wackernagel, 
Altd. Wörterb. 1861, S. 90 a, b diese und althochd. Ezzo (zu sprechen Etzo) un- 
mittelbar zu goth. atta, nimmt aber S. 90a wegen Esslingen ein mit dem «-Laute 
zu sprechendes Ezzilo an als Nebenform zu Etzilo. Gramm. 2, 25 n° 277 stellte 
Grimm Ezilo jedesfalls irrig zu tzzan (essen); 3, 693 nam er Azo Azocho als 
Koseformen von AdalrVi. Und dass Azo AzUi fifter von Namen mit adal- oder ada- 
herrühren, ist nicht zu bezweifeln : vgl. die Nachweise Stark* Wiener Sitzungs- 
berichte 52, 321. 322. 334. 

Blätter de» Vereines für Landeskunde von Niederösterreich. 1889. 3 



34 

stösst, gerade am reichlich bezeugten Nominativus studieren. Die 
Erweiterung schliesst dieser zwar vorab noch aus, wie wir gehört 
haben (S. 32). Doch massgebend für eine andere Umgestaltung 
desselben waren die Deminutiva persönlicher und individueller Be- 
deutung, wie — ausser chindili — folchüi (Völkchen) und Thier- 
namen wie chazüi (Kätzchen) und imdßli (Wölflein). Nachdem in 
den obliquen Casus ohnedies jeder Unterschied zwischen Eigen- und 
Thiemamen aufgehoben war oder, kann man es auch ausdrücken, 
in diesen Casus der Eigenname den Thiemamen oder einen andern 
persönlicher oder auch sächlicher Bedeutung völlig erreichte (Chazi- 
linesdvrf Wtdfiltnesdorf — Volchüin^sdorf — Pingelinesse Zitelinesfeld): 
so musste die sie einigende persönliche Bedeutung umsomehr auch 
dem Nominativ des Eigennamens das neutrale -/ der starken Flexion, 
unter Beseitigung des echten Ausganges -o der schwachen männ- 
lichen Declination aufzwingen. Anderseits wirkte dazu der Ausgang 
-t der Mannsnamen auf -heri und -wini {-uni-ini: unten § 3) mit. 
So darf man dieses von zwei Seiten her erzeugte secundäre -i als 
Ausgang schwacher Masculina auf -ilo nicht etwa als blosse Schwä- 
chung des alten Ausganges -o nehmen: denn dieser hält sich an 
andern, dieser Beeinflussung nicht unterliegenden Namen unge- 
schwächt fort. Nur einzelne dieser letztern zeigen — durch 
Umsichgreifen der Analogie — gleichfalls -?', wie vor allem Enzi 
(unten § 3): vgl. Weinhold, Bair. Gramm. §§ 242. 243. 245 
und Starks gesammelte Beispiele S. 331 \ o- Formen S. 333. 
Namenreihen in Aufzeichnungen aus althochdeutscher Zeit verrathen 
den dargelegten Vorgang deutlich, z. B. gunzo . . . eccho vhomeli 
woueli albeli engezo (XI. Jahrh.), Zeitschr. f. d. Alt. 31, 190- 
Ozi Pezili Rodani Mazüi . Mahtuni . Wago Chazili . Herizo Arfpo 
Rihheri . . . Ozi Eppo Egizo . Azili . . . Nm'ro Mlnigo . Püizo 
Flitto Minigo Urso . Racco Miaigo, Acta Tirol. 1, 6 n° 12 von 
c. 990; Pernio . Ozi Pezili Hazo } item Penno . Azili, ebenda 1, 7 n" 15 
derselben Zeit u. s. w. Lateinisch drückt sich das so aus, dass der 
echte Ausgang auf -o die Flexion -onis -oni -onem -one erzeugt, 
während der secundäre (in Einstimmung mit den Namen auf -wini) 
den Nominativ -invs annimmt und nun -im' -////> -inum decliniert. 
Also Azo gilt sofort als lateinischer Nominativ und bildet Azonis 
Azoni Azonem: aber Azili wird Azilinus und beugt jlzilini Azili no 
Azilinum. Neben dem Ausgange -ili, der später mit -ilo in farb- 
loses -ile verfliesst, steht bei den meisten dieser Namen ein doppel- 



35 

vocaliges -ilie durch, das wir vorläufig als Schwanken der Schreiber 
zwischen -ili und -äe hinnehmen wollen. 

Hier zuvörderst für Etzel die Belege sämmtlicher Formen. 

Azaloj Salzburger Todtenbücher, 19. Oct (Arch. f. K. österr. 
GQ. 19, 283). 

Azili (Acili): Mitteilungen des Instituts für österr. Geschichts- 
forschung 1882, S. 90, Salzburger Tradition n° 18 zwischen 991 
und 1023; Acta Tirol. 1, 278 b zwischen 985 und 1065; Cod. dipL 
austr.-fris. 1, 61 n° 60 von c. 1020 (zweie); Todtenb. von St. Florian 
unter dem 11. April (Arch. f. österr. Gesch. 56, 307); Urkundenb. 
von St. Paul, S. 24, Trad. n° 17 nach 1115 (Acüi). 

Azilo: Urkundenb. des L. ob d. Enns 1, 150, Garstener Tra- 
dition n° 80 von c. 1125. 

Azeli: Aceli de studaln [1. stadaln?], Todtenb. von St. Florian 
unter dem 12. December (Arch. 56, 319). 

Azile: nobüis homo Azüe, Urkundenb. d. L. ob d. Enns, 1, 543, 
Trad. n° 53 von St. Nicola bei Passau, von c. 1130; Salb, von 
Göttweih, Trad. n° 132 von c. 1120. 

Azilie: Salbuch von Göttweih, Trad. n° 16. 44. 85, sämmtlich 
von c. 1100; Acilie de Palta (in Obersteier), Urkundenb. von Steier- 
mark 1, 316 n° 321 von c. 1150. 

Azilinus: ad mutarin Azäinum et alium Azilinum, Salb, von 

Göttweih, S. 251, Urk. n° 1 von 1083; ebenso S. 254. 260, Urk. 

n° 3. 7 von 1096. 1108; sowie S. 2, Trad. n° 2 (beneßcium Azilini 

ad muttarin). Ferner Azilinus Trad. n° 232. 271 von c. 1120. 1130; 

Urkundenb. d. L. ob d. Enns 1, 141, Garstener Trad. n° 46 von 

c. 1120; Azilinus seruus Otacharii (IV) marchionis de stire ebenda 1, 

542, Trad. n° 48 von St. Nicola bei Passau. — Kaiser Heinrich TL 

schenkt 1020 dem Kloster Göss bei Leoben mancipia sie nonrinata, 

Wazilinum jizilinum Diezinum Azilinum, Urkundenb. von Steiermark 

1, 48 n° 40; die deutschen Nominative sind Wazili (unten S. 52) 

Azili und Diezi (Acta Tirol. 1, 9 n° 19 von c. 990), neben Diezo 

(Libri confrat, p. 431 a) oder älter Diozo (Acta Tirol. 1, 22 n° 55 

von c. 1000). — Aus Steiermark ferner: doinus Azilini (in uilla 

Radela) c. 1145 (Urkundenb. von Steiermark 1, 250 n° 244); 

Azilinus uiUicus um Admont c. 1150 (1, 318 n° 323); Azilinus ex 

familia s. Blasii, also ein Höriger des Stiftes Admont, 1166 (1, 464 

n° 500). — a quodam Azilino Acta Tirol. 1, 152 n° 436 von 

c. 1120. 

3* 



36 

Azelin, lat. Azelinus: Azadinus, Salb, von Klosterneuburg, Trad. 
n° 227; Acelin ebenda n° 303. Azelinus, Göttweiher Trad. n° 340 
von c. 1140. Azelinus de Piberpach (bei Seitenstetten), Urkundenb. 
v. Steiermark 1, 406 n° 425 von c. 1160. Azelinus laicus, A. presbiter 
et monachus, A. monachus istius loci, Todtenb. von St. Lambrecht, 
27. März, 16. und 19. April (Fontes IL 29, 80. 94. 96). — Wichpot ßlius 
Acelini, Urkundenb. von Steiermark 1, 496 n° 537 von c. 1170, 
Admonter Urkunde. 

Ezili: JEzili, Todtenb. von St. Florian, 13. Mai (Arcb. 56, 309). 

Ezzüo, Urkundenb. d. L. ob d. Enns, 1, 537, Trad. n° 23 von 
St. Nicola bei Passau von c. 1120. 

Ezilo zweimal im Diptychon von St. Florian (Arch. 56, 299;, 
einmal im Nominativ, einmal im Genetiv Ezilonin. — S. auch 
nachher S. 37. 

Ezelo: Ecelo de Winchlari/ij Klostern euburger Trad. n° 106. 
Ezelo, Todtenb. von Lilienfeld, 17. October (Fontes II. 41, 160) 
Ezelo faber, Acta Tirol. 1, 224 n° 619 von c. 1280. — Syncopiert 

Ezlo: Ezlo de monte, Klosterneuburger Trad. n° 545. 

Etzeli: Ezeli 9 Codex Wangianus (Fontes II. 5), S. 449 n° 240 
von 1213. 

Etzele, die reinraittelhochdeutsche Form, selten: ein Höriger 
Ezele von Markgraf Leopold III. dem Kloster Neuburg geschenkt, 
Salbuch, Trad. n° 37. Etwas häufiger Etzel, s. die drei zunächst 
folgenden Formen. 

Ezzü, Urkundenb. d. L. ob d. Enns 1, 539, Trad. n° 32 von 
St. Nicola bei Passau. 

Ezil: Ezil monachus istius loci, Todtenb. von St. Lambrecht, 
1. Februar (Fontes IL 29, 40). Ezil de Henyist, Urkundenb. von 
Steiermark 1, 410 n° 432 von c. 1160. Ezil de Gotspach ebenda 
1, 548 n° 581 von c. 1175. 

Ezel Rauch 2, 68. 

Etzelin (Nibelungenhandschrift D s. S. 43): JEzelinus Rauch 2, 
40. Als Ezzelinus Ezzelino in romanischen Landen behebt: Ezelinus 
de Perzine (Pergine) zwischen 1185 und 1191, Cod. Wang., S. 544«; 
Ezelinus iudex in Trient zwischen 1227 und 1234 ebenda S. 533». 
Vgl. den berühmten Feldherrn Kaiser Friedrichs II. Ezzelino da 
Romano (geb. 1195 oder 1204, gest. 1259); dominum Ecilinus de 
Romano Cod. Wang., S. 217 n° 93 von 1211, und S. 386 n" 193 
von 1256; Cod. dipl. austr.-fris. 1, 178 n° 180 von 1256. — Mit 



37 

einem dem XIV. Jahrhundert angehörenden Ezelinus unter dem 
7. Juni im Todtenbuche des steirischen Klosters Reun (Arch. £ 
österr. Gesch. 58, 228) klingen meine Belege für den Namen des 
Heunenkönigs aus. 

Doch als Nachtrag einige Stellen mit deutschem Nominativ 
und lateinischem Dativ oder Ablativ in einer Urkunde nebeneinander. 
Azüi dictus, im Verlaufe dicto Azilino, Mitteilungen des Instituts £ 
österr. Geschichtsforschung 1882, S. 87, Salzburger Trad. n° 11 
zwischen 991 und 1023. Bei zwei Personen: Azüi de Virsach 
(Vierschach im Pusterthale) cum filio suo Azüino, Cod. dipl. austr.- 
fris. 1, 65 n° 63 von c. 1030. — Merkwürdig die einfache Ver- 
kleinerung für einen Altern, die doppelte für den ihm verwandten 
Jüngern: absichtlich? Ezilo patruus, Ezelinus sein Neffe, 1160 mit 
Schloss Godego bei Treviso belehnt, ebenda 1, 108 n° 110. Es 
scheinen Romanen und der Neffe etwan identisch mit Ezelinus de 
Basano 1, 106 n° 108 von 1159. 

Die Erweiterung steht nach allen diesen Zeugnissen fest für 
die obliquen Casus seit dem Ende des X. Jahrhunderts, für den 
Nominativ seit dem XII. 

Ahnlich wechseln die Formen in Ortsnamen, die mit dem 
Genetiv von Azili gebildet sind. Die Belege neme ich fast allein 
aus Niederösterreich. 

a) Azüinesdorf mittelhochd. Etzeltnesdorf: 

Azüinesdorf KJosterneuburger Trad. n° 349 (von 1171). 530 
(1177—94). 

Azilinsdorf Urkundenb. von Altenburg am Kamp, S. 6 n° 4 
von 1210(?). 

iuxta mure (an der Mur) Acilinsdorf, Urkundenb. von St Paul, 
S. 63, Trad. n° 86 von c. 1200 und Anm.; S. 71 n° 100 (iuxta 
mure ad azilin 1. azüinesdorf). 

Acelinsdorf Klosterneuburger Trad. n° 428. 

Atzlinistorfj Urkundenb. von Seitenstetten, S. 46 n° 38 von 
1244. 

Azlinstorf Cod. dipl. austr.-fris. 1, 338 n° 314 von 1276. 

jEtzlinstorfy Urkundenb. von Heiligenkreuz 1, 209 n° 228 
von 1277. 

Aetzleinsdorf Cod. dipl. 2, 255 n° 667 von 1337. 

Etzleinsdorf Urkundenb. von Heiligenkreuz 1, 169 n° 181 von 
1268; 1, 319, Anh. n' 19 von 1288. 



38 

Eczleinstorf, Urkundenb. von St Polten, S. 158 n° 123 von 
1286; S. 382 n° 326 von 1347. 

Eczlestorf ebenda S. 397 n° 336 von 1347. — Edestorf] Stif- 
tungenb. von Zwetl, S. 453, Urk. von 1304. 

Etzleinstorff, Östr. Weisth. 7, 638 von c 1450. 

b) Azüinesberc, mittelhochd. Etzdinesberc und Etzdnberc. Gewiss 
zunächst nur »Berg eines der Etzel hiess«, und nicht mythologisch 
»Berg des Altväterchens«, wie Jac. Grimm, Kl. Sehr. 7, 74 wollte: 

JEzdimperge, Arch. f. K. österr. GQ. 9, 294 n" 88 von 1240. 

JEcileimperg, Urkundenb. von Herzogenburg S. 6 n° 6 von 
1260. 

JEtdeinsperg (-perig -perch) ebenda in den Nummern 197, 198 
und 213 von 1357 und 1364. 

Etzleinsperg(e) ebenda in den Nummern 26, 33 und 254 von 
1296, 1303 und 1381. 

edeinsperg, ebenda n° 60 von 1316. 

Etdeinsperig, ebenda n° 106 und 109 von 1331. 

Etd^perg(e), ebenda n° 20 und 169 von 1291 und 1349. 

Etzdsperg, ebenda n° 252 von 1380. 

Arch. f. K. österr. Gesch. 9, 297 verzeichnet für dieselbe Urt- 
Kchkeit von 1331 bis 1364 Azles- AczUs- Etzleins- etzes- cetzes- und 
etdespenj. 

Ezilsperg, Klosterneuburger Trad. n° 789 (vor 1184). 

(in) ezzdenperge, mit dem regelrechten schwachen Genetiv, Ur- 
kundenb. d. L. ob d. Enns 1, 700, Formbacher Trad. n rt 225 von 
c. 1235. 

So auch 

c) Ezzilenbuohhä (Etzels Buche) in Franken, zweite Würz- 
burger Markbeschreibung von 779 (Denkm. d. P. und Pr. 2 LXIV, 

2, 14); und 

d) Ezdenburc des Königs Etzel Burg d. i. Ofen, Nibel. 1319, 

1. Eigentlich zusammengerückt aus der losen Verbindung diu Etzeln 
Iure, Bit. 3210. Sonst im Biterolf, in Dietrichs Flucht und der 
Rabenschlacht mit abgeschliffenem Genetiv Etzel- oder Ezelburc. 

e) Etzdines kirche, Blätter f. Landesk. 8, 316. 10, 270. 271. 

f) Etzdnslac oder Etzdinesslac (Schlag d. i. Neugereute eines 
Etzels): in Ezdenslage (mit regelrechtem Genetiv), Stiftungenb. von 
Zwetl, S. 424, Urkunde von 1265. Dagegen S. 490 Ezleinslag villa 
suicellprarii iuxtn Windistey, und S. 533 Ezeleinsdag. 



39 

Die Angaben unter a) beziehen sich auf einige der fünf Atzels- 
dorf in Niederösterreich: mit Ausname des steirischen Acüinstorf 
aus dem Urkundenbuche von St. Paul, etwa der Belege aus dem 
von St. Polten, die der Herausgeber auf Etzersdorf bezieht, und des 
EtzLeimtorff von c. 1450. Letzteres ist Atzgersdorf südlich von 
Wien, doch trägt es da die ursprüngliche Namenform nicht mehr: 
s. darüber im § 4, c. 

Unter h) steht Adletzberg in der Gemeinde Guttenbrunn 
O. W. W., soweit die Zeugnisse aus Herzogenburger Urkunden in 
Betracht kommen. 

Man dürfte nach der in denselben Schritt für Schritt zu ver- 
folgenden Herausbildung der modernen Namenform Adletzberg fragen, 
ob nicht auch der Adlitzgraben (am Semmering), den man gewöhnlich 
slavisch erklärt, ursprünglich ein Azillnesgrahe war. 

Die Abstufung der Formen von Azilinea bis herab zu Atzles- 
und Eides-, ja sogar zu (Etzes- (was zu einem ganz andern Namen 
gehört: s. Ozi in § 3) wird in § 5 aus grösserer Stoffülle zu ver- 
folgen sein. 

Zunächst schliessen sich hier an die übrigen männlichen Demi- 
nutivnamen auf -ilt (-llo) mit ihren in Ortsnamen erscheinenden 
erweiterten Genetiven: sie folgen in alphabetischer Ordnung. Wo 
die Nominative mir nicht zu belegen sind, setze ich sie nach dem 
S. 34 dargelegten Überwiegen von -/ (für -o) stets mit diesem secun- 
dären Ausgange an. So weit die einschlagenden Personennamen 
Verkleinerungen der im nächsten Paragraph zur Behandlung kom- 
menden kurzen Koseformen auf -zo mit wurzelhaftem a sind, ist 
von ihnen im Allgemeinen zu erinnern, was schon in § 1 für Aza: 
Azüi : Ezilo und Ezo : Ezüo einzuschärfen war: die umgelautete 
Deminutivform des kurzen Namens mit wurzelhaftem a lässt sich 
obensowol auf einen kurzen Namen mit wurzelhaftem e (äj beziehen, 
da ein solcher meist dem mit a zur Seite steht. Der in jedem der 
beiden Fälle zu Grunde liegende Vollname kann — worauf einzu- 
gehen für den Zweck dieser ganzen Untersuchung unerforderlich 
ist — ein verschiedener sein. Man beachte also aus den folgenden 
Beispielen Pezili aus Pazili von Pazo, oder unmittelbar von Pezo; 
Hezäi aus Hazili von Hazo, oder unmittelbar von Hezo; Wezili 
aus Wazili von Wazo, oder unmittelbar von Wezo u. s. w. Manchmal 



40 

fehlt die a-Form, manchmal die ^-Form — so giebt es nur Gezo, nicht 
Qazo, aber nur Chazo, nicht Chezo — und auch die Deminutionen 
auf -il! f-ilo) sind nicht durchgreifend ins Leben getreten. — Hieher 
auch Abo (Abbo Appo) : Abili: Ebili und Ebo (Ebbo Eppo) : Ebili, 
das sogleich die Reihe der folgenden Genetive in Ortsnamen eröffnen 
wird. Doch zuvor ist noch eine Kleinigkeit aus dem Wege zu 
räumen. 

Die S. 32 aufgerufene mittelhochdeutsche Lautregel, die das 
auslautende e — obwol hier das Charakteristicum der schwachen 
Declination — in Rede und Schrift aufgiebt, führte scheinbar zu 
starker Nominativform: Etzel für Etzele. Das wiederholt sich natürlich 
bei den übrigen Beispielen dieser Art, also Betzel für Pezili, Hetzet 
für Hazili Hezili, Wetzet für Wazili Weziti, Hertel für Hertili u. s. w., 
oder nach altösterreichischer archaistischer Schreibung Pezü Hezil 
Wazil Wezil Hertü u. s. w. Wo nur die volle erweiterte Genetiv- 
form vor der Jüngern Zusammenziehung derselben (S. 32) steht, 
also z. B. Pezilmes oder Pezles, da kann dieser letzte Ausläufer 
nicht irren. Anders wo schon im XII. Jahrhundert nur eine solche 
kurze, den Anschein unmittelbarer starker Beugung darbietende 
Genetivform allein auftritt, wie in Hezilsperge (wofür nie Hezilines- 
berge) oder in Ebilsatca (wofür erst spät Ebleimowe), und selbst in 
singulärem Ezilsperge neben Ezzelenperge einer-, Etzttsperge aus Etze- 
linesberge anderseits (oben S. 38). Da möchte man doch fragen, ob 
nicht in solchem einzelnen Falle die hinter dem -il geborgene 
schwache Namenform -ilo verkannt und die naheliegende Analogie 
der zahlreichen starkformigen Nomina agentis auf -il (Suffix -ila) } 
die theilweisc selbst schon diminutiven- Sinn haben (Kluge a. a. O.), 
angerufen sei, um für die nicht mehr klare Koseform einen Halt 
zu gewinnen? Anders wäre das Überspringen der erweiterten 
Genetivform nicht zu rechtfertigen, da ein unmittelbarer starker 
Genetiv aus schwachem Nominativ undenkbar ist. Überdies giebt es 
neben den schwachen Koseformen auf -ahho -ik/io -nhho auch starke 
auf -ah -ih -uh, die ganz dieselbe Analogie darbieten. 

a) Abu! oder Abilo (beide Libri confrat, pag. 401 b), Demi- 
nutiv zu Abo (Abbo Appo), was entweder das gothische aba »Mann« 
selbst, oder Kürzung eines damit zusammengesetzten Namens ist 
(Abaheri »mannhafter Held«, Libri confrat. 1. c, u. s. w.). Mit Um- 
laut Ehitij tirolisch Ebte y mittelhochd. Ebelin (viele jüngere Formen 



41 

Acta Tirol. 1, 294 a f. ): es ist der moderne Familienname Edel. — 
Genetiv Abilines (Ebilines) in 

*Abilinesouwa. Wie bereits bemerkt, ist nur zu belegen Ebifs- 
aica, Salb, von Göttweih, Trad. n° 142 von c. 1115, und Ebleins- 
owe, Urkundenb. von St. Polten, S. 373 n° 318 von 1345. — 
Eibelsau in der Pfarre und Gemeinde Haunoldstein, politischen Be- 
zirkes St. Polten (so richtig Salb, von Göttweih, S. 156 Anm.; die 
im Urkundenbuche von St. Polten gewagte Beziehung auf Egelsee 
bei Pyhra ist sprachlich unmöglich). 

b) Pazili (Acta Tirol. 1, 279 a), gewöhnlich Pezili und (im Salb, 
von Göttweih, S. 387a) Pezilie 7 lat Pezilinus. Weiterbildung von 
Pazo, oder Pezili auch unmittelbar von Pezo. — Gen. Pezilines 

a) für sich als Ortsname in dem bekannten elliptischen Ge- 
brauche (ergänze zem — hüse oder hove nach Gramm. 4, 260 f.; das 
zem steht manchmal dabei): Zembezeleins (== zem ' Bezelincs) 1139, 
Stiftungenb. von Zwetl, S. 32; ze dem Pezeleins, S. 35; Zehecelines, 
S. 37; Zembecelines, S. 61 (von 1179); Bezelines, S. 85 (von 1215) 
u. 8. w. (8. Register, S. 735 a). — Heute Pötzles oder Wetzles im 
Bezirke Zwetl. 

ß) ad Steint beneficium Pezilini (deutsch Pezilines lehenf), Salb, 
von Göttweih, S. 252, Urk. n° 1 von 1083. — Bei Stein an der 
Donau. 

7) Pezilinesdorfy mittelhochd. Bezelinesdorf, Salb, von Kloster- 
neuburg, Trad. n° 158. 341. 454. 482; Urkundenb. von Heiligen- 
kreuz 1, 2 n° 1 von 1136 u. s. w. — Pötzleinsdorf bei Wien; im 
Stiftungenb. von Zwetl, S. 494 Pezeleimtorf iuxta Wiennam: S. 570 
vineae in Petzeleinstorf. 

c) Pluotili? Der Eigenname — wenn es einer ist, denn er ist 
nur aus den folgenden ziemlich späten Belegen gefolgert — kann 
»Blut« oder »Bltithe« enthalten: Wernhardus Plütlo, Urkundenb. 
von Heiligenkreuz 1, 140 n° 142 von 1258; Wernhart Plütlin (d. i. 
blüetelin, Bltithchen?), Stiftungenb. von Zwetl, S. 295, Urk. von 1294. 
vinea que vocatur Hadmar Pluetel (in St. Veit an der Wien), Ur- 
kundenb. von St. Polten, S. 171. 172 n° 136. 137 von 1294. — 
Gen. Pluotdtnes in 

Plvotelhies gere (keilförmig zugehendes Stück Landes eines 

Pluotili): ein holtz (Wald) .... das do haizzet der Plutleimgern, 

Urkundenb. von Heiligenkreuz, 2, 308 n° 278 von 1376 (bei 
Gaden). 



42 

d) Potüo, Deminutivform zu Poto Boto, mit Gen. Potiline* in 
PotilinesbrunnOj aus Urkunden von 890 und 978 bei Förste- 

mann 2, 317; von mir in den Vereinsblättern 1886, S. 119 — 121 aus- 
führlich behandelt Potilo selbst habe ich nur aus den Libris confrat, 
pag. 49 r 1 , wo auch latin. Potilun. 

e) Puftüi Libri confrat, Register pag. 493*; im Texte S. 297, 
Col. 480, Z. 4 aber Puosili, was etwas ganz anderes, nämlich Ver- 
kleinerung von Puo8o = Böso (Vereinsblätter 1887, S. 34 ff.); was 
hat die Handschrift? — Sicher dagegen ego Albus Pusili iuratus 
testis, Cod. Wangianus (Fontes IL 5), S. 76 n° 28 von 1188. Dies 
Pusili ist das zum Eigennamen erhobene spät-althochdeutsche pusilin, 
welches \at.j)u»io (Knabe, Knirps) glossiert und wie es scheint damit 
identisch ist (Schmeller 2 1, 317 unter Butz f wohin es keinesfalls ge- 
hört; vgl. Gramm. 3, 683 dänisch pusling >wol nach dem lateinischen 
pusio?*). Mit -man zusammengesetzt gleich andern Koseformen, 
pusilman, mittellat. pusümannus Küchenjunge (Deutsch. Wörterb. 2, 
591 f. unter Butzdmann). Urkundenb. von St Paul, S. 53, Trad. 
n° 66 (XII. Jahrh.) hartttic pusman. Da Pusio selbst den Römern 
zum Mannsnamen erwuchs, vergleicht sich dem Sinne nach deutsches 
Buobo (unten § 3) mit Deminutiv Buobilo, altfränkisch Böbüa. — 
Gen. Pusilines in 

Pusilinesdorf : Pusleistorf mehrmals Stiftungenb. von Zwetl, 
S. 254. 255, Urk. von 1287. Puselestorf, ebenda S. 698, Nachtrag 
zur Urkunde von 1303 auf S. 253. Pusleinstorf, Urkundenb. von 
Klosterneiiburg 1, 156 n° 169 von 1317; s. auch Urkundenb. 
von Altenburg, S. 386*. — Wahrscheinlich das heutige Pischelsdorf 
an der Mündung der Perschling in die Donau; ein anderes Pischels- 
dorf liegt bei Götzendorf im Bezirke Brück an der Leitha. 

f) Volchili, Weiterbildung von Folcho, der nächsten Koseform 
eines mit volc- zusammengesetzten Mannsnamens als Volchere Volcrdt 
Vofomür Yolcoh (== Volctoalt); nur nicht von Volcwinij das Volchini 
ergiebt (unten § 4). Das l kann unterdrückt werden: Vochili oder 
Vuchili von Voccho Vuccho. — Gen. Volkdines: 

a) Volcheline8 (zu ergänzen gruobe oder säbergruobe): in argenti 
fodina que nunc vulgo dicitur Volchelines, Urkundenb. von St Paul, 
S. 156 n° 112. 113 von 1266. 

ß) Vokhilinifidorf, mit unterdrücktem l Vochilines- Vuchüines- 
dorf, Salb, von Göttweih, S. 359a. 367a (Wchileinsdorf = Vuchil-J; 



43 

Urkundenb. von St Polten, S. 19 n" 13 von c. 1180 (Vouchilines- 
torf).- — Volkersdorf bei Külb. 

Über die Nähe von folchili »Völkchen« darin 8. S. 34. 

g) Ginannüi (Genannelo Qnannelo), Weiterbildung von Ginanno 
(aus Ginamno), mittelhochd. Genanne »Gleichnamiger, Genoss«: ein 
mit seinen Zweigformen Genanneman Genanna Genannetmp Genanne- 
kint in Altösterreich sehr verbreiteter, dem germanischen Gefühle 
der Sippe entsprungener Name. — Gen. Gnannilinis in 

porta Gnannüinis (deutsch Gnannilinis parte oder tür?), Salb, 
von Göttweih, S. 250, Urk. n° 1 von 1083, und Trad. n° 11 von 
c. 1100. — Nach S. 125 vielleicht zwei ein natürliches Thor bildende 
Felsen bei Obernholz gegen Eisarn zu. 

Ohne die Verkleinerung, mit dem schwachen Genetiv von 
Ginanno, ist gebildet Ginannindorf Genannendorf (Salb, von Kloster- 
neuburg, Trad. n" 85. 188. 190. 263. 383 und S. 194, Urk. n° 9 
von c. 1222; von Göttweih, Trad. n° 65 von c. 1140 mit Anra. 
S. 191 f.). Es ist weder das heutige Gnadendorf noch auch Gaindorf, 
wie gewöhnlich behauptet wird. 

h) Gotili, mittelhochd. Gotele Gotel (im Biterolf, Alphart, Dietrichs 
Flucht und Rabenschlacht), von einem mit got (Gott) zusammen- 
gesetzten Namen, mit Genetiv Gotüines in 

Gotilinesberc: Godinsperge 1185, Urkundenb. von Steiermark 1, 
623 n° 646; Gotelinsperge 1185 und 1187 ebenda 1, 628 a. 663 
n° 649. 684; Gotilensperge 1185 ebenda 1, 627* n° 649. 

i) Gozili (Stark, S. 333), mittelhochd. Götzel, Verkleinerung 
von Gozi, mittelhochd. Götze (unten § 3.) Im Salb, von Kloster- 
neuburg, Trad. n° 95 Gozilo, n° 210. 238 Gcezil, n° 215 Gözil, 
n° 243 Gozilin (= Götzelin), n° 621 Gozelinum (Acc). Acta Tirol. 1, 
257 n° 710 von 1312 Gözlinus dictus PartscJiot. — Gen. Gozilines: 

Michel der Pfinchster von dem Gotzleim, Urkundenb. von Alten- 
burg, S. 265 n" 293 von 1376. 

ain lecken daz do leit datz dem Gotzels, ebenda S. 203 n° 201 von 1 340. 

j) Hazilo Hezilo (Stark, S. 333), lat. Hezüinus (Klosterneuburger 
Trad. n" 208) = Hezüi, am liebsten mit consonantischem Auslaute 
Hezil und mittelhochd. Hetzet (Acta Tirol. 1, 311 i, zahlreiche Belege 
und Formen; Hecilo, Klosterneuburger Trad. n° 650, und Hecil 
n° 594; Hezil, Salb, von Göttweih, S. 407 ä), ist entweder Weiter- 
bildung von Hazo Hezo oder Koseform eines damit zusammen- 
gesetzten Namens: vgl. Hazetrüt f. Klosterneuburger Trad. n° 127; 



44 

Hezeliup ebenda n° 110. — Hetzel als Beiname, Urkunden!), von 
Heiligenkreuz 2, 94 n° 91 von 1323. Es sind die heutigen Familien- 
namen Hatzel und Hetzel. — Gen. Hezüines in 

a) Hezilinenberc, vormals ein Ort unter Burg Kreuzenstein bei 
Korneuburg; dass nur HeziUberc zu erbringen sei, ward S. 40 be- 
merkt und zu erklären versucht: Hecilsperge, Salb, von Klosterneu- 
burg, Trad. n° 294. 576. 577. 580. Hecihperch n° 383; Hecehperge 
n" 382. ze Heczel#perge underrn Grei&chenstam, Urkunden b. von Kloster- 
neuburg 1, 257 n° 265 von 1336; der heczlingsperger (? im Register 
2, 352 Hezleinsperger) 1, 60 n° 66 von 1298. 

ß) Hezillnesdorf: Hetzleinsdorf, Urkundenb. von Altenburg 
n" 54 von 1290 und 261 von 1362; des Schottenstiftes, n° 217 von 
1344. Hetzlestorf im erstgenannten Urkundenbuche n° 244 von 1356. 
Hezelmtorf n" 98 von 1305. — Hötzelsdorf im Gerichtsbezirke Geras. 

k) Hertill, Koseform eines mit hart- zusammengesetzten Manns- 
namens (HarÜiep -man -nit -rat -vrit -wie): Hertil occisus, Todtenb. 
von St. Florian, 7. August (Arch. 56, 313); Ha?rtlinus und Hertlinus y 
Acta Tirol. 1,258 n° 713 von 1312; Herta am weg, Urkundenb. von 
Herzogenburg, S. 205 n°181 von 1352; ich Hartel (im Verlaufe Hert-el) 
des Glaichs aidem ze Chalnperge, Urkundenb. von Klosterneuburg 1, 
376 f. n° 386 von 1357. Daher die jetzigen Familiennamen Hartel 
und HärteL — In Altösterreich zumal beliebt mit vorantretendem 
genceme (genem, erwünscht) als Geruemehertel oder Genannehertelin, 
wovon bei anderer Gelegenheit mehr. 

Gen. Hertiline* in 

Hertilinesdorf: Meginlvardus et Margareta de HertUinisdorf, Salb, 
von Klosterneuburg, Trad. n° 653 und Anm. (räth auf Hüttendorf 
an der Zaja — unmöglich: s. unten § 3 bei Hitto). 

Dieselbe Verkleinerung wird für Werinhart beliebt, also Genetiv 

WernJiertellnes als Ortsname: Wernlwrtleiux, Stiftungenb. von 
Zwetl, S. 95. 507; Wernhartleins, S. 497. 

I) Aus einem mir unverständlichen Mannsnamen Hibo (Ur- 
kundenb. von Steiermark 1, 66 n° 58 von c. 1050), verhärtet Hijjpo 
(in Hippingen Urkundenb. von Steierm. 2, 9 n" 14 von c. 1180) 
folgt verkleinerndes Hibilo, in den nachstehenden genetivischen 
Belegen stets geschrieben Hipilo und verhärtet Hippilo, wie in knabe 
knappe, rabe rappe, liupper für lieber (Neidh. 47. 9. 59, 22), ferner in 
den Namen Abo Appo, Ebo Eppo (oben S. 40), Gebo Geppo nebst 
, weiblichem Geba Geppa (unten § 4), und Liubo Liuppo (Denkmäler 



45 

d. P. und Pr. 2 , S. 338). Ob zu jenem Hibo die selbst nicht klarern 
Formen Hebo Hebni Hebinolt Hebinolf u. s. w. in den Libris con- 
fratern., p. 555 1 ' sich halten lassen, wtisste ich nicht zu sagen. Stark, 
Wiener Sitzungsberichte 53, 497 f: belegt Hippo (= Hibo) m. und 
Hippa f. aus niederdeutschem Gebiete und hält es für Abkürzungen 
von Namen mit hilp-, also Hippo = Hilperik. Unbrauchbar für unsere 
oberdeutschen Fälle, denen helf-, beziehungsweise Helfnh unterläge. 

a) Der Genetiv Hipelines wird ohne weiters (nach S. 41 bei 
Bezdlnes) Ortsname: Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 19. 36. 45 
(in den beiden letztern verstümmeltes Hipelin, vgl. unten S. 52 Weze- 
lindorf für Wezelinesdorf); datz dem Hipplei*, Urkundenb. des Wiener 
Schottenstiftes n° 84 von 1299; dorf ze Hippleim n° 93. 297. 348 
von 1303, 1372, 1388. amman von dem Hippleins n° 109 von 1309. 
— Hippies in der Gemeinde Wetzleinsdorf, Bezirk Korneuburg. 

ß) Hippelinesdorf: Salb, von Klosterneuburg, Trad n rt 234; 
Hipelins- Hippelins- Hipplinsdorf Urkundenb. des Schottenstiftes n u 2. 
11. 36 von 1161. 1200. 1254 u. s. w.; Hipplensdorf Passauer Urbar 
von c. 1230 (Arch. f. österr. Gesch. 53, 270); Hippieinstorf, Ur- 
kundenb. von Altenburg n° 45 von 1288; Hipleinstorf Stiftungenb. 
von Zwetl, S. 197, Urk. von 1275; Hippiesdorf, Urkundenb. von 
Klosterneuburg 1, 467 n" 477 von 1376. — Hippersdorf im Ge- 
richtsbezirke Kirch berg am Wagram. 

m) Hizili von Hizo, wie Hazili Hezili von Hazo Hezo. Ich 
kenne dies Deminutivum nur aus seinem örtlich verwendeten Genetiv 

Hizilines: Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 306 (= Meiller, 
S. 47 n" 65 von c. 1164, wo falsches Hicalines); Urkundenb. von 
Steiermark 1, 243 n° 234 von c. 1145 und 1, 457 n ü 491 von c. 1165 
(Hizili ns); 1, 397 n" 399 von 1158 (Hicelines). — Hizlitw ebenda 1, 
253 n 247 von 1146 enthält das Patronymicum von Hizili, genauer 
HizUinc — wie sich auch Hizzinc von Hizo findet — und hätte als 
Ortsname eigentlich Hizilingen zu lauten: ob der gemeinte Ort mit 
Hizilines identisch, steht dahin. 

n) Von Hüzo bildet sich kosendes Hüzili, mit Umlaut Hiuzili, 
in dem — sogleich örtlich verwendeten — Genetiv 

Hüzilin&t oder Hiuzelines : HeiUzleins, Salb, von Göttweih, S. 351, 
Urk. n" 80 von 1300; Hmitzleinx, ebenda S. 191, Dienstbuch von 
1302. — Ein Ortchen bei Kottes. 

o) Chazili mit mancherlei wechselnden Formen, als Khazili 
Kazili (Acta Tirol. 1, 287a, Belege von 982 bis 1097); mit Umlaut 



46 

Chezilo (geschrieben Chwzelo, Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 139\ 
latinisiert Chezilinus (ebenda n" 455) und Chazilinus (Göttweiher Trad. 
n° 78 von c. 1110); mit doppelvocalischem Ausgange (wie Azi/ie 
Pezüie) Chazilie (Salb, von Göttweih, S. 390 ä); consonantisch aus- 
gehend (wie Ezil Hezil) Chazil Kecil (Urkundenb. von Steiermark 1, 
968a, Belege von 1100 und 1184); als Beiname in Heinricus Chazele, 
Urkundenb. der Propstei Neustift bei Brixen (Fontes II. 34), S. 611 a. 
Von slavischem Chezul Chozil (unten in § 6) jedesfalls verschieden 
und zunächst Verkleinerung von Chazo (Salb, von Göttweih, Trad. 
n° 13 von c. 1095), was Koseform von Cliadalhoh oder Chädolt sein 
mag. — Der Genetiv Ghazilints, mittelhochd. Ketzelines fällt zu- 
sammen mit dem Genetiv von chazili »Kätzchen«: vgl. oben S. 40. Er 
erscheint in 

a) Katzelsdorf bei Wiener-Neustadt: Chezilinesdorf] Urkundenb. 
von Heiligenkreuz 1, 75 n° 63 von 1230 (oder nach ß) gehörig?); 
vgl. noch 1, 288 n° 323 von c. 1299 (Chedinstorf) und — gewiss 
hieher — 2, 71 n° 75 von 1321 (Chezleinsdorf); KezÜnsdorf, Liech- 
tenstein 480, 12 mit Karajans Anmerkung. 

ß) Katzelsdorf bei Tuln: uinea de Chazili nisdorf, Klosterneu- 
burger Trad. n° 181 (hieher auch nach den Zeugen; dagegen un- 
sicher Chezlinstorf n° 759). i*inea ineuka in Chazlinstorf] Urkundenb 
von St. Polten, S. 143 n" 113 von 1280; daez Chacz&instorf ebenda 
S. 402 n° 341 von 1348. 

7) Ein oberösterreichisches Chtvzlinstorf bei Rauch 2, 46; ein 
kärntnisches oder steirisches Kazlinsdorph Kecilinstorf im Urkundenb. 
von St. Paul, S. 92. 101 n ü 19. 29 von 1184 und' 1196. 

p) Mazili, Deminutivuni von Mazo, mit ähnlich wechselnden 
Formen: Mazili Macili Mazelinus (Acta Tirol. 1, 318a, Belege 985 — 1075; 
Urkundenb. von Steiermark 1, 977 i, Belege 1100—1150); Mazilo 
Mazelo Mcecil Mecil, Todtenb. von St. Florian (Arch. f. österr. Gesch. 
56, 356a. 366a); Mezilo (Klosterneuburger Trad. n" 106); geschwächt 
Mazüe (Göttweiher Trad. n° 86 von c. 1110); mit doppelvocalischem 
Ausgange Mazilie (Salb, von Göttweih, S. 413/>); mit consonantischem, 
wie z. Th. schon im Vorhergehenden, Mazil (Klosterneuburger Trad. 
n° 744); zu jüngst Mazelinus Mietzlinus Metzlinus (Urkundenb. von 
Heiligenkreuz 1, 198 n° 215; 1, 215 n" 233 von 1275 und 1278; 
Acta Tirol. 1, 243 n" 674 von 1295) u. s. w. — Gen. Mazilities 
(Mezilines; Mazelines Mezellnes) in 



47 

a) Matzleinsdorf, der ehemaligen Wiener Vorstadt: Mazilines- 
torf\ Klo8terneuburger Trad. n° 480 (vermutlich hieher); Mcetzleim- 
darf y Urkundenb. von Heiligenkreuz 1,273 n° 306, Wiener Urkunde 
von 1294. 

ß) Matzleinsdorf bei Melk: mecilmisdorf, Arch. f. K. österr. 
GQ. 9, 254 n° 4 zwischen 1112 — 1121; Mwczleimtorf, Urkundenb. von 
St. Polten, S. 63 n" 39 von 1248. Vgl. ferner Cod. dipl. austr.- 
fris. 2, 438 a (c. 1120—1289) und Keiblinger, Gesch. von Melk 2, 
a, 283 ff. 

Y) Matzelsdorf im Gerichtsbezirke Eggenburg; hieher etwa 
MetzlenMorf, Urkundenb. des Schottenstiftes, S. 237 n° 210 von 1342; 
Mcetzleinstorf, Stiftungenb. von Zwetl, S. 493. 

3) Matzelsdorf bei Wildon in Steiermark: Mezelinesdorf , Ur- 
kundenb. von Steiermark 1, 172 n* 172 von 1136. 

s) Matzlesschlag in der Gemeinde Ratings, Bezirk Waidhofen 
an der Thaja: Mtvtzleinslag^ Stiftungenb. von Zwetl, S. 493. Etwa 
mit Ezeleinsslag (oben S. 38) identisch und durch Abirrung erzeugte 
Form? 

C) Matzles bei Waidhofen an der Thaja, also mit dem ellip- 
tischen Gen. Mazilbw. datz Metzlein* pai Baidhouen, Urkundenb. von 
Altenburg, S. 202. 203 n° 201 von 1340; ferner S. 269 n° 300 von 
1380 und S. 337 n° 417 von 1460. 

q) Mozili, mittelhochd. Motzet (Rauch 2, 57), Verkleinerung von 
Mozo y wie Mazili von Mazo. — Gen. Mozeltnes in 
Mozelinesberc: Mozleinsperge Rauch 2, 59. 

r) Merzili: Es gehört zu Merzo = Merizo, mit weiblichem 
Meriza (Stark, S. 320; Göttweiher Trad. n° 13 von c. 1095) und 
hinter diesen Koseformen mögen Namen mit meri (Meer) liegen, als 
Merihotv (worin zwar das Meer nur hineingetragen) Merger MeregaH 
fem. u. s. w. Die Beurteilung des späterhin als Beiname häufigen 
Merzo (Merz Mertz) — viele Belege und Formen im Urkundenbuche 
von Altenburg, S. 413£ — wird jedoch erschwert durch die Ein- 
mischung von MartitiH (dem Monatnamen, s. das genannte Urkundenb.): 
zumal auch der April zum Beinamen herhalten muss (Alber Abrill, 
Cod. dipl. austr.-fris. 3, 500, 1316 bei Randegg VOWW. sesshaft). 
Ja selbst Merzili aus Marzili Hesse sich auf Marcellus bringen, vgl. 
Machtuni et Sigiboto de Marreli/igin (Marzling im bairischen Land- 
gerichte Freising) a. a. O. 1, 94 n° 95 von c. 1115: doch stammt das 



48 

hiemit gegebene Patronymicum Marzilinc jedesfalls zunächst von 
Marzili Merzili und hilft dieses sichern. — Gen. Merzüines in 

Merzüines bah: Mercüinispach Urkunden b. d. L. ob d. Enns 
1, 426, Subener Trad. n° 3 von 1126; Mcerzlitiespach ebenda 1, 398, 
Reichersberger Trad. n° 223 von c. 1200. 

Merzüines wert, eine verschollene Donauinsel (?) : in dieser vollen 
Form nicht zu belegen, da die Stiftungsurkunde des Canonicatstiftes 
St. Georgen an der Traisen von 1112 merzleisuuerde y und deren 
im XIV. Jahrhundert angefertigte Übersetzung vollends (in reinem 
Unverstände) Merslaywerde schreibt (Arch. f. K. österr. GQ. 9, 239 
n" 1; 243 n" 2). 

Die Berechtigung aus merzleis- auf Merzüines- zu schliessen, 
wird aus dem Verlaufe dieser Abhandlung erhellen; einstweilen ge- 
nügt der Verweis auf die unter y) Tauuüi stehenden Genetive Taulines 
und Touleies. 

**) Ottilo, Deminutiv zu Otto: nicht ganz reinlich nachzuweisen, 
da die unzulängliche Rechtschreibung diesen Namen mit Uotüo, 
dem Deminutiv von Uoto durcheinander wirft. Sicher Uotüo wird 
gemeint sein mit Utelinus (Klosterneuburger Trad. n" 202), Otüo 
(desgleichen n° 480), Ütil (n" 616), ttüo (n u 478), Ötile (Göttweiher 
Trad. n" 214 von c. 1124). Hingegen wo trotz des diphthon- 
gischen Zeichens — das in vielen Fällen nur die Rathlosigkeit 
des Schreibers zwischen beiden möglichen Vocalen andeutet, deren 
doch nur einer gelten soll — tt geschrieben wird, ersteht die 
Frage nach Otto, Ottilo: so in Ottilo (Klosterneuburger Trad. 
n° 34), Vtto (n ü 71), Uotto? (Urkundenb. von St. Polten, S. 14 
n° 10 von 1165). Wieder anders ist Utto (ebenda, S. 24 n" 16 von 
c. 1190). In einer Urkunde von 895 ( Urkundenb. von Steiermark 
1, 15 n" 11) steht thatsächlich Ottelin: vgl. dazu S. 33 Anm. 1. — 
Der Gen. Ottelines wird örtlich gebraucht abwechselnd und gleich- 
bedeutend mit dem Dativ da zem Otten: wegen des Nähern s. unten 
in * 3. 

t) Radiltj Verkleinerung von Rado, auch Radi (letzteres Gött- 
weiher Trad. n° 262 von c. 1144; beide Formen Libri confrat., 
p. 493 r j ; von Ratili (Retili), das den Genetiv Ratilin (Retilw) bildet — 
in Ratüin- (Retilin)penje (Radelberg im Gerichtsbezirke Herzogen- 
burg — wol jedesfalls verschieden. Rcedil Rcedele als Beinamen (Cod. 
dipl. austr.-fris. 2, 448 ä; 3, 6726): wobei aber wieder neutrales 
radili von rat, Gen. rades (rota), mittelhochd. redelin Rädchen (Lexer 



49 

2, 367) im Mitbewerb steht. Ober- und Unter-Radel bei Hürm tGe- 
richtsbezirkes Mank) heisst c. 1150 Radili: Adatbero de Radili, Salb, 
von Göttweih, Trad. n" 260 von e. 1150. Ebenso in einer Z weder 
Urkunde von 1204 (Stiftungenb., S. 436) Ra?del Aber der ver- 
bindende Text nennt da den Ort Redeleins = Radiline* (Redilines) 7 
und ebenso steht S. 494 Redeleins, S. 545 Redleins, und S. 105 selbst 
in einer Urkunde von 1234 Redlins = Redelin(e)s. Also ursprünglich 
der Mannsname im Nominativ örtlich verwendet? und erst später 
in den elliptischen Genetiv gesetzt? Radili von c. 1150 und Riedel 
von 1204 stimmen übrigens zu den zwei steirischen Orten Radel, 
Radela RadilaJi Radilach in Urkunden des XII. Jahrhunderts (Ur- 
kundenb. von Steiermark 1, 886 a): und dies slavisch? 

Wer aber de Radili wörtlich ivom Rädchen«, und Radilines 
»zum Hause des Rädchens c (etwa Mühle?) nemen wollte, der 
müs8te gerade nicht falsch berichtet sein. Denn auch Prigglitz bei 
Gloggnitz ist — trotz seines slavischen Aussehens — altes Brücke- 
lines »zum Hause des Brückchens«, wenn nicht etwa »des Bruckilo* 
(Salb, von Göttweih, S. 138); als oberösterreichische Ortlichkeit fpruk- 
leins), Rauch 2, 48 (vgl. auch 1, 415 der power auf dem prukelein). 
Nicht anders scheint Siegelines >zum Hause des kleinen Holzschlags« 
(Stiftungenb. von Zwetl, S. 731 h (eines der zwei Schlagles VOMB.) 

u) Von Racco oder Racko, der Koseform eines der vielen 
Namen mit rat-/ — Keiblinger, Melk 1, 1164; Arch. f. österr. Gesch« 
56,356a; Urkundenb. von Steiermark 1,979«; Acta Tirol. 1, 3246, 
wo auch weibliches Racco. — bildet sich Rackili; mit dem Genetiv 
Rackelines in 

a) Rackelinesdorf: Rakkelinesdorf, Salb, von Klosterneuburg, 
Trad. n" 330; RechlinscUrrf, Meiller, S. 32 n" 9 von 1144; RekJins- 
dorf ebenda S. 149 n° 8 von 1231 und Urkundenb. des Stiftes 
Schotten, S. 617a, dann von St. Polten, S. 381 n° 325 von 1346. 
Diese Belege zielen auf eines der zwei Ragelsdorf (in der Gemeinde 
Viehofen bei St. Polten, und im Gerichtsbezirke Haugsdorf); doch 
Rechlinstorf kehrt wieder unter den sonst anders zu beurteilenden 
Namenformen für Rasdorf im Marchfelde (Cod. dipl. austr.-fris 2, 
449a; 3, 673/>>. 

ß) RackelinesWien: RakLimleheti, Cod. dipl. austr.-fris. 2, 173 
n° 590 von 1329. — Im Viertel ober Wienerwald. 

v) Ranzili (Renzili), Deminutivuni zu Ranzo, mittelhochd. Ranz<> 
(unten g 3), als Beiname: Nicolaus der Renczelj Urkundenb. von 

Blätter des Vereines für I>ande*knnde von Nioderösterreich. 1889. 4 



50 

Altenburg, S. 239 n° 251 von 1358; S. 250 n° 266 von 1364 (der- 
selbe als Rentzlein). — Gen. Renzellnes wird Ortsname in elliptischem 
Gebrauche: 

villa Rentzleins (Ranzles in der Gemeinde Gerhartz, Bezirk Waid- 
hofen an der Thaja), Arch. f. K. österr. GQ. 9, 249. 

w) Ringili deutet zunächst auf Ringo, der Kürzung eines der 
Namen mit ring-, deren ich finde Ringolf (Ringwolf) Ringolt (Ring- 
walt) Ringwini (Ringfreund) : alle Libri confratern., pag. 501*. Obgleich 
«die Form über das Vorhandensein von hrinc (Ring) oder (w)ringan (ringen) 
darin nicht entscheidet, giebt man doch gerne dem erstem den Vorzug: 
zu Hringolf stimmt Baugolf (von haue armillus), zu llringauuim: 
Otuuini (unten § 4), und alles ist der goldene Annringe spendende 
Herr. — Gen. Ringilmes in 

a) Ringilinexdorf, Klosterneuburger Trad. n° 742 (Ringlinsdorf). 
- — Ringelsdorf im Gerichtsbezirke Zistersdorf. 

ß) Ringiünexse ebenda n° 536 (Ringili nistte) mit Anm., und 
n° 775 (Ringelimse); Urkundenb. von Klosterneuburg 1, 87 n" 90 
von 1303 (Ringlei ose), mit Anm. — Ursprünglich einer der vielen 
Teiche in den Auen der Donau, später danach benannte Ortschaft 
auf dem linken Ufer bei Eipeltau oder Stadelau; in der Geschichte 
bekannt als Schauplatz der Hochzeit von Friedrichs des Streitbaren 
Schwester Constanze mit dem Markgrafen von Meissen im Jahre 1234: 
MG. SS. 9, 727, wo Ringlinse. — Die beiden Formen mit getilgtem 
Ausgange des Genetivs bringen ringelin »Ringlein« heran und machen 
aus dem »See des Ringili« einen »See kreisrund wie ein Ringlein* 
vgl. ringilinjmh Gramm. 2 2 , 540. 

x) Strobilo, dieses kein Deminutiv um, sondern nach g 4 (bei 
Honinesdorf ) Abkürzung einer Zusammensetzung mit dem von mir im 
Jahrgange 1888, S. 190 besprochenen Adjcctiv strohal. Der Sinn des 
.ganzen Namens — als antikes Beispiel weiblichen Geschlechtes ist 
a. a. O. Strubilaskalljö nachgewiesen — gieug auf einen mit strup- 
pigem Haupthaare Versehenen, oder grausig anzusehenden Krieger. 
Vgl. Strobil Strobel in Acta Tirol. 1, 330 b; Strubel;, Urkundenb. von 
Altenburg, S. 429«. — Gen. Strubeline* in 

Strobelinesdorf: Strobleinsdorf, Urkundenb. des Wiener Schotten- 
Stiftes, S. 214 n" 188 von 1338; zr Strohleinstorf under dem Püsenperg 
ebenda S. 379 n" 318 von 1379. — Strebersdorf am Fusse des 
Bisam berges. 



51 

y) *Tawilo oder mit geminiertem w *Tauwilo Touwilo? Ein 
dunkler Naine, den ich mir auslege »Tödter, Vernichter, Tod und 
Verderben bringender Held« — nach goth. divan Praterit. dau 
sterben, döjan (für dovjan) sterben machen, tödten, afdojan zu Grunde 
richten, Particip. praeteriti plur. afdauidai; althochdeutsch bei Otfrid 
daicalon hinsterben, was oberdeutsch tauualon oder tauuüon wäre; 
im »Muspillic, Vers 1 touuan sterben, mittelhochd. töuwen desgleichen, 
mit Particip tot gestorben, todt. Elsässisch Taxder im Namen des 
bekannten Predigers stünde etwa zu tauuilo wie neuhochd. Geber 
zu althochd. gebo. 

Ich kenne diesen *Taicilo Touwilo nur in der zusammen- 
gezogenen Form Toulo, die durch weibliches Toula (Libri confratern., 
pag. 517 b ) schon für alte Zeit bekräftigt wird, 1 ) und nur aus seinem 
erweiterten Genetiv Toullnes im niederösterreichischen Ortsnamen 

• Toulmes brunne, heute Tallesbrunn im Marchfelde und poli- 
tischen Bezirke Gross-Enzersdorf. Die Formen schwanken: 

Tölinesprunnen, Keiblinger, Melk 2, b, 242 n° 2 von 1115. 

Taulinsjjrunn, Klosterneuburger Trad. n° 445. 

Tökiexbrunnen und ausgeschrieben Touleiesbrunnen, Keiblinger 2, 
b f 242 n* 3 von 1115, und 243 n" 4 von 1120 (= Arch. f. K. österr. 
GQ. 9, 256). 

Das i der Flexion wirkte Umlaut — ähnlich dem versteckten 
j in mittelhochd. töuwen — und es folgte 

Töulinesbrunne. 

Das trifft man aber nicht mehr so. Sondern man liest stets, 
mit grobdialektischem v für öu (wie d für au ou, Weinhold, Bair. 
Gramm. § 40; Mittelhochd. Gramm. 1 § 56. 63) und -eins oder -ens 
ftir -hies 

Teleinsjjrunne, Stiftungenb. von Zwetl, S. 391, Urk. von 1246; 
Rauch 2, 6; oder 

Telenspnaut, Urkundenb. von Heiligen kreuz 1, 134 n" 133 
von 1256. 

v ) Weiuhold, Deutsche Frauen, 8. 17, hat dies Tuula als iJauwila, wodurch 
unsere Auflösung des männlichen Toulo in Touwilo bestätigt wird. Doch zieht er 
xur Deutung althochd. dau Sitte (in daulth ungidouwlg) heran, nimmt also das d 
bereits verschoben ans th (althochd. kathau, altsächs. //tau). Wollen wir nicht das 
in Toula Toulinesurunnc durchstehende t für unrichtig erklären, wozu uns nichts 
berechtigt, so müssen wir es für verschoben aus d nehmen; JJauurila zeigt also den 
Ativerschobenen Anlaut geradeso wie Otfrids daicalöit. 

4* 



52 

Daraus mit weiterer Zusaminenziehung 

Telesprunn, Stiftungen!), von Zwetl, S. 390; Helbling 6, 91 
mit Seemüllers Anmerkung, S. 291 f. seiner Ausgabe i es war mindestens 
Telesprunn zu schreiben); Ottokar 381a. 

Endlich der modernen Form am nächsten 

Tcdlfsprunne, Urkundenb. des Schottenstiftes, S. 182 n" 159 
von 1328. 

z) Wazili und Wezlli (Stark, S. 333) von Wazo, oder Wezil i 
auch unmittelbar von Wezo. Die Formen wickeln sich ab in der 
uns nun schon geläufigen Weise, stehen aber betreffs der Häufigkeit 
oder Seltenheit ihres Vorkommens unter einander in argem Miss- 
verhältnisse. Wazili finde ich gar nicht, bloss seine Vertreter Wazllie 
(Salb, von Göttweih, Trad. n° 2 von c. 1083) und WazUimis (Ur- 
kundenb. von Steiermark 1, 48 n M 40 von 1020, s. oben S. 35; 
Acta Tirol. 1, 132 n u 387 von c. 1090; Todtenb. von St. Florian, 
24. April, Arch. 56, 308). Wazil, Urkundenb. von Steiermark l r 
169 n" 170 von c. 1135. Die Formen mit Umlaut überwiegen: 
Wezilo, Salb, von Klosterneuburg, Trad. n" 110. 466; und oft im 
ersten Bande des steirischen Urkundenbuches; bildet nebst Wezil die 
gemeine Form des XI./XII. Jahrhunderts (Acta Tirol. 1, 334&; Ur- 
kundenb. von Steiermark 1, 983<f) : insbesondere neben Wezil kommt 
kaum eine andere auf. Mittelhochd. Wetzet, geschrieben Wezel und 
Wwzel, Todtenb. von St. Florian 3. und 18. November (Arch. 56, 
317. 318), Wezzeh, Urkundenb. von Steiermark 1, 633 n" 652 von 
1185; Wezeloj Klosterneuburger Trad. n" 74. — Wezili nus ebenda 
n" 93, Acta Tirol. 1, 40 n" 97 von c. 1060 und Urkundenb. von 
St. Paul, S. 45 n° 49 zwischen 1159—92: vertritt Wezili. — Gen. 
WazUinea und Wezil Ines: 

a) Wazilbiea bloss in Watzleiimlorf Urkundenb. von St. Polten* 
S. 434 n" 367 von 1352. 

ß) Weziliiws in Wezel f ine.id<nf: villieatio Wecilinis, Klosterneu- 
burger Trad. n" 574: sonst giebt das Salbuch zusammengezogenes 
Weziltf-orf (ii° 463. 464 von c. 1210» oder mit richtigem schwachen 
Genetiv Wezilin- Wezelen- Wezel nduif (n" 533 um 1190. 611. 613. 
714. 780). Im Urkundenbuche von Heiligenkreuz: Wuiceliitstorf 1, 
m n" 55 von 1227; Wittelinstorf 1, 222 n" 242 von 1279; Watz- 
leinsdorf 1, 274. 278 n" 307. 311 von 1294. 1295; sonst zusammen- 
gezogen Wetzels- und seh wach Wezein- Wezlendorf [$. Register 2; 



53 

514 b). Im Urkundenbuche von Altenburg: Winceleinsdorf n° 21 von 
1279; Wetzlinstorf n n 182 von 1334. 

Es hält schwer, diese Belege unter die heutigen Orte Watzels- 
dorf und Wetzeisdorf in Niederösterreich aufzuteilen. — Wezdine* 
ferner in 

WezilisceUe (Wettzell in Niederbaiern), Urkundenb. von Steier- 
mark 1, 475 n°509 von 1168; und 

Wetdeinswinchd, in Steiermark bei St. Rupert, Rauch 2, 101. 

aa) *Wigüi, Weiterbildung von Wigo (Acta Tirol. 1, 334 a; 
Brev. Notit. Salzb. 14, 12; Salb, von Göttweih, S. 428 ä), der Kose- 
form eines Personennamens mit vnc (Kampf): die heutigen Ge- 
schlechtsnamen Weigel Weigl Weiglein. — Gen. Wigelines in 

Wigdinesdorf: a) pascua inter Wchileinsdorf (vorhin S. 42) et 

Wigdeinsdorf, Göttweiher Trad. n" 7 von c. 1150. — Verschollen 

OWW. ß) Odalricus de Wiglimdorfj Klosterneuburger Trad. n° 559. 

Wtdfingus de Weigleinsdorf, Stiftungenb. von Zwetl, S. 417, Urkunde 

von 1284. — Weigelsdorf bei Ebreichsdorf UWW. 

bb) Wituli oder Witolo, gewöhnlich Witilo und Witelo (Acta 
Tirol. 1,335 a; Urkundenb. von Steiermark 1, 983 i), zunächst Weiter- 
bildung von Wito, der Koseform eines mit icitu- (Holz, Wald) zu- 
sammengesetzten Namens (Wito, Acta Tirol. 1, 335«; Urkundenb. 
von Steiermark 1,83 n° 72 von c. 1070; 1, 450 n° 482 von 1164, 
Abi. Uuitone; 1, 644 n° 667 von c. 1185, Wit). — Gen. Witilwes 
(Witdines) in 

a) Witilinesbach, Witteisbach, dem allbekannten Stammnamen 
des bairischen Herrscherhauses, z. B. Urkundenb. von Steiermark 1, 
930 b; Witilenespacli, Cod. dipl. austr.-fris. 1, 106 n° 108 von 1159. 

ß) Witilineswane : Witihicanc, Urkundenb. von Steiermark 1, 
572 n" 603 von c. 1180. 

cc) Wizilij mit Wezili identisch (Schindler 2 2, 1002; Stark, 
S. 330. 334 Text und Anm. 5), daher das Schwanken des Schreibers 
zwischen beiden Formen sich ausdrückt in Wiezil (Salb, von Gött- 
weih, Trad. n° 60 von c. 1100, neben Wezil; n° 191 von c. 1121; 
n° 248 von c. 1125). Sonstige Formen: Wizilie (ebenda n° 61 von 
c. 1100 und n° 101 von c. 1110), WiziU (ebenda n° 108 von c. 1083), 
Wizelin (ebenda n° 337 von c. 1130), Wizilinus (Todtenb. von 
St Florian, 17. Juni, Arch. 56, 311; Salb, von Klosterneuburg, Trad. 
n° 494) — Gen. Wizilines in 



54 

a) Wizilmesdorf, Salb, von Göttweih, S. 250, Urk. n° 1 von 
1083; S. 264 n" 9 von c. 1124; S. 300, Urk. n° 34 Wizleutstorf; 
S. 14, Trad. n" 44 von c. 1100. Aber S. 281, Urk. n" 19 von c. 
1203 WezUstorf. — Nach Anm. S. 132, 282 ist der in Trad. n° 44 
genannte Ort unter diesem Namen nicht mehr bestehend; die Belege 
der Urkunden zielen auf Witzeisdorf im Gerichtsbezirke Marcheck. 

ß) Wiziltnesbarh bei Randegg OWW.: mit Formen W-itzUna- 
Wüzleins- Witzelspack 1310-1336 Cod. dipl. austr.-fris. 2, 478 i; 
3, 396*. 

Y) Wizeline&berc (Witzeisberg bei Neuhofen OWW.): Wicelhves- 
perge c. 1160; im XIIL/XIV. Jahrhundert Witzlin*- Witzli*- Witzles- 
Witlespevg : Cod. dipl. 2, 478*; 3, 696 a. 

3) Wizelines steti (Dat), verschollene Ortlichkeit in Krain, Cod. 
dipl. 2, 478 h (a. 973. 989); in Niederösterreich bei Neuhofen 3, 14 
(c. 1160). 

dd) Wulflli »Wölfel«, goth. Vulfla oder Ulfil«, Weiterbildung 
von Wolfo (Woflb), der Abkürzung eines Namens mit trolf-: Wluilie 
(d. i. Wulvilie), Salb, von Göttweih, Trad. n" 203 von c. 1120. — 
Gen. WtJßlines 9 mittelhochd. Wülveline* in 

Wtdfiltnesdorf, mittelhochd. Wülvelinewlorf : 

a) (Klein-) Wilfersdorf im Bezirke Stockerau : Wluelituttorf, 
Klosterneuburger Trad. n° 111; Wlflimsdorf n" 272; Widvlinesdorf 
n° 333. 498; Wuhielimsdorf n° 664. 

ß) Wülfleinsdorf im Bezirke Brück an der Leitha: Belege 
mit denselben und ähnlichen Formen, der Umlaut des ü darin stet» 
durch ti bezeichnet, im Urkundenbuche von Heiligenkreuz: z. B. 
Wuluelimdorf, Bd. 1, n° 65 von c. 1230; Wtdfiinsdorf n" 87 von 
1239; Wülfleifutdorf n° 102 von 1244; Wulflimdorf prope Prukke 
und zweimal Wvlfleinsdorf n° 178 von 1268 u. s. w. 

Über das Zusammentreffen des Thiernamens mit dem Per- 
sonennamen im Genetiv Wulfilines s. oben S. 34. 

ee) Zttilo (Stark, S. 325), durch eine Mittelstufe Zzto (Chi bei 
Stark a. a. O.) von einem Personennamen mit zti (Zeit): es giebt 
da ZUolf »Zeitwolf« (Gramm. 2, 330), Ziticomo »zur (rechten) Zeit 
gekommener, erwünschter« (Gramm. 2, 513) u. s. w. — Gen. Zite- 
lines in 

Z\tel%nesfeld, 985 an der Drau genannt, Urkundenb. von Steier- 
mark 1, 39 n° 32. 



55 

Auch hier wird der Genetiv zweideutig: er konnte von deminu- 
tivem zUili »Zeitchen, Weilchen < zn stammen scheinen. 



Der Fälle, die sich der Erweiterung des Genetivs entziehen, 
sind nur sehr wenige. Von Agilo JEgilo, der Koseform eines Namens 
mit agil- egilr (arista, palea, festuca Deutsch. Wörterb. 3, 33), als 
Egilhero oder Egilolf, erwartet man keine Erweiterung, weil darin 
keine Deminutivform gegeben ist. In der That heisst es von einer 
verlornen Siedelung des Tulnerfeldes (Meiller, S. 2 n° 4 = Urkundenb. 
von St. Polten, S. 4 n° 2) c. 987 egilinsteti (Dat. Sing.). — 
Hetilo, mittelhochd. Iletele, im Gedichte von Kudrun der Name des 
Vaters der Heldin, ist ursprünglich ebensowenig Deminutivum, 
sondern Umbildung der althochdeutschen participialen Form Hetan 
(Jac. Grimm, Zeitschr. f. d. Alt. 2, 2 und Myth. 3 , S. 1232; Martin, 
Kudrun, S. XXXVII). In Altösterreich bereits früh im XII. Jahr- 
hundert im Leben geführt, war Hetilo gewiss nur des regelrechten 
schwachen Genetivs Hetilin, mittelhochd. Hetelen fehig: ein steirisches 
HetMorf (Urkundenb. von Steiermark 1,627a n° 649 von 1185) 
steht für Hetelendarf wie Etzelburc für Etzelenburc (oben S. 51, und 
vgl. mich Zeitschr. f. d. Alt. 31, 84). — Bloss mit diesem Genetiv 
erscheint auch stets das bereits erwähnte Ratili/iberc Retilitiberc (Salb, 
von Göttweih, S. 418 a; Meiller, S. 336 b f. u. s. w.); Retelendorf > 
Acta Tirol. 1, 44 n° 112 von 1050—65; RetHinstein, Urkundenb. d. 
L. ob d. Enns 2, 34 n° 27 von 890; der Personenname Ratili 
Retäi ist vorausgesetzt durch JRato Retto (unten § 3) und das 
Femininum Ratila (Libri confratern., pag. 495'). — *Ruozili, Ver- 
kleinerung von Ruozo (§ 3) erhält Gen. Ruozilui in Rucelendorf 
(Urkundenb. von Steiermark 1, 322 n" 332 von c. 1150. — 
SüAÜinpah von 895 (bei Holenburg, Cod. dipl. austr.-fris. 3, 9 n° 3) 
mit Gen. von *Süsili (aus Süso) habe ich in den Vereinsblättern 
1886, S. 112. 115 behandelt. 



(Fortsetzung folgt. 



Geschichte des k. k. Lustschlosses Schlosshof und des 

Marktes Hof an der March. 

Zumeist nach ungedruckten Quellen bearbeitet von Josef Maurer. 

I. 

Das Marchfeld ist ein uralter historischer Boden, besonders 
der südöstlichste Teil desselben, auf dem sich auch die Gemeinde 
Markt- Hof oder wie sie noch genannt wird, Hof an der March, und 
Schlosshof befinden, welches seit dem Jahre 1871 gleichfalls zur 
Gemeinde Markt-Hof gehört. 

Als der den Ungarn abgenommene Teil der Ostmark zwischen 
den Flüssen Donau, March und Thaja von. Kaiser Heinrich IV. an 
Verschiedene verschenkt wurde, erhielt das Bistum Passau, 1056, 
Herren - Baumgarten. Viel bekam auch Ernst der Tapfere, der 
babenbergische Markgraf der Ostmark. Auf dem Reichstage zu 
Regensburg, am 6. März 1067, schenkte Kaiser Heinrich IV. dem 
Bischöfe Altmann von Passau: »Ein Dorf Disinfurth, das Recht der 
Überfuhr über die March und unterhalb die Ortschaften Poungarten, 
Stoutpharrich, Modzidala, welches ein Eigen des Markgrafen Ernst ist, 
und 50 königliche Hüben im Gau Ostricha in der Mark des Mark- 
grafen Ernst.« ] ) Das Poungarten dieser Schenkung ist Baumgarten 
an der March, Stoutpharrich (= Stuttenpferch) ist das heutige 
Stopfenreu th, Modzidala ist das ehemalige Matzneusiedel, dessen 
Name im noch bestehenden Matzncusieder- oder Schlackenhof 
bei Propstdorf sich erhalten hat. Über den heute nicht mehr in 
dieser Gegend vorkommenden Ortsnamen Disinfurth gehen aber die 
Meinungen der Gelehrten auseinander. Die richtigste darunter wird 
wol die M. A. v. Beckers sein, welcher annimmt, dass das ehe- 

x ) Monumenta boica, XXIX. 1, 172 und an vielen anderen Orten bei liun- 

diu«, Hansiz, Hormayr, Meiller, Bucbinger, Keiblinger, Schrötter, Becker, > Blätter 

für Landeskunde von N.-Ö.« VIII, S. 286 und 287 und XII, S. 358. 



57 

malige Disinfurth an der Stelle des heutigen Hof an der March 
selbst zu suchen sei, welches demnach der Mittelpunkt des dem 
Bischöfe von Passau vom Kaiser geschenkten Landstriches ge- 
wesen. In oder bei Hof ist Disinfurth zu suchen, weil hier ein 
uraltes Privilegium eines Überganges über die March bestand, das 
bis zur Errichtung der ersten Brücke über die March zwischen 
Schlosshof und Neudorf, 1771, ausgeübt wurde, weshalb auch in 
Markt-Hof bis in die neueste Zeit ein Grenzzollamt sich befand. 1 ) 
An der March wird Disinfurth von den meisten Forschern gesucht. 
Das Uberfuhrrecht an Flüssen wird gewiss ebenso selten gewechselt, 
als der Ort eines bequemen »Urfars«. Bezüglich der Furt wäre zu 
bemerken, dass heute noch im Sommer, freilich selten, weil es ver- 
boten ist, die March durchfahren und durchwatet wird. Für die 
Richtigkeit obiger Meinung könnte auch sprechen, dass noch jetzt 
in Hof die Sage verbreitet ist, Hof, das sich jetzt auf einer massi- 
gen Bodenerhebung und einige Minuten von der March entfernt aus- 
breitet, habe sich weiter durch die Au bis an die March ausgedehnt, 
sei aber zu Grunde gegangen. Könnte dieser zu Grunde gegangene 
Teil von Hof nicht das ehemalige Disinfurth gewesen sein, das bei 
den dortigen niedrigliegenden Ufern der March von diesem Flusse 
hart mitgenommen, ja sogar zerstört worden sein mochte? Konnte 
nicht bloss ein >Hof« auf dem höhergelegenen Gebiete übriggeblieben 
sein, welcher dann der dort entstehenden Veste und dem späteren 
Markte den Namen gab? Denn nirgends finden wir von Disinfurth 
mehr eine Erwähnung. 

Markgraf Ernst der Tapfere schenkte im Jahre 1074 dem 
Stifte Melk • sein Gut Weikendorf, als dessen Grenzen Marchegg, 
Stopfenreuth, Ollersdorf und einige untergegangene Orte angegeben 
werden. Diese Schenkung bestätigte Leopold der Heilige am 
J3. October 1113 Melk, das inzwischen aus einem Chorherrnstiftc 

j ) M. A. v. Becker, Topographie von Niederösterreich, Wien, 1884, S. 570 
und 571. Anibros Heller hält Disinfurth für einen Arm der March. (Blätter des 
Vereines für Landeskunde, VIII, S. 286 und 287). Daselbst bemerkt derselbe Ge- 
lehrte irrig Stopfenreuth liege an der March. — Schrott er, Versuch einer öster- 
reichischen Staatsgeschichte, S. 206, behauptet irrig, dass Disinfurth^ ebensoviel be- 
deute als der Ort, wo man über den Dyia, Teva, heute Zeyafluss setzet«. Thaja 
und Zaya sind aber zwei ganz verschiedene parallel laufende Flüsse. — »Statt 
Disinfurth liest Hormayr DUivurt, Hansiz aber Tyensfurt. — F. J. Reibung- er 
(Melk, II. 2) folgt mit Recht der Meinung A. v. Meillers, Disinfurth »dürfte wol 
in der Gegend von Marchegg gelegen gewesen seine 



58 

ein Benedictinerkloster geworden. 1 ) Weil nun in der Einweihungs- 
urkunde des Bischofs Ulrich von Passau für die Pfarrkirche in 
Weikendorf vom Jahre 1115, in welchem der Zehent- und Pfarr- 
bezirk von Weikendorf angegeben wird, wol Kroissenbrunn (Chres- 
sinprunnen) nicht aber Hof erwähnt wird, will Keiblinger schliessen, 
Hof sei erst nach diesem Jahre 1115 entstanden. 2 ) Mochte es nicht 
vielleicht damals wirklich nur ein »Hofe und der ausdrücklichen 
Erwähnung nicht wert gewesen sein? Wie hätte sonst die »Veste 
Hof an der March« schon nach Mitte des XII. Jahrhunderts bei 
Wolfgang Laz mit Eckartsau und Stopfenreut unter die Besitzungen 
des Otto von Perchtoldsdorf gezählt werden können? 3 ) Ist auch Laz 
nicht die verlässlichste Quelle, so können wir doch aus seiner Angabe 
für unseren Zweck etwas schliessen, nämlich, dass damals Hof bereits 
in dem Besitze der Familie des adeligen Geschlechtes von Eckartsau 
war. Laz schreibt aber alle Besitzungen der Eckartsauer den Perch- 
toldsdorfern zu. Dass er in diesen Irrtum verfiel, das zu erklären 
ist möglich. Mit Heinrich und Rudolf von Eckartsau, welche Familie 
den landesfttrstlichen Dienstedeln angehörte, erlosch der Manns- 
stamm dieses Geschlechtes. Sein Name und das Besitztum giengen 
auf den Sohn einer Verwandten, wahrscheinlich der Schwester der 
beiden genannten Eckartsauer, über, die mit einem Herrn von Perch- 
toldsdorf vermählt war. Der Sohn derselben war Berthold, welchen 
Namen auch sein Vater trug, von Eckartsau, der in den Urkunden 
von 1230 bis 1234 öfters als Zeuge vorkommt. Seinem Vatersbruder 
Otto I. von Perchtoldsdorf und ihm wurde am 10. Februar 1234 
von Herzog Friedrich II. ein beiden gemeinschaftliches Recht auf 
einen Satz von 100 Pfund Pfennig bestätigt, der auf dem Gute 
Walterichesdorf (Ober- Waltersdorf) lag. 4 ) Der Vater dieses Berthold 

>) Keiblinger, Melk, I. 236—239 und II. 2, 153—156 und 241—244. 

'-) Keiblinger, Melk, II. 2, 155 Anm. 

:t ) Wolfgang Laz, Beschreibung- alter Geschlechter in Unterösterreich, MS. 
und desselben Wienerische Chronika bei Wiss grill, Schauplatz des landsässigen 
Adels in Niederöslerreich, I, S. 343. Vgl. Kirchliche Topographie von Österreich, 
III. Bd., S. 75. Keiblinger, Melk, II. 2, S. 419. Adam Latschka, Geschichte des 
n.-ö. Marktes Perchtoldsdorf, Wien, 1884, S. 14. Die übrigen Besitzungen des 
Perchtoldsdorfers wären nach Wolfgang Laz gewesen: Perchtoldsdorf, Mauer (ehe- 
mals Gereut genannt), Cadolsperg (Kalksburg), Kammerstein, ferner Eckartsau, 
Stopfenreut, Praitenwaidach (Breitenweida) , Velabrunn, Dewehstorff (Teesdorf?), 
Sunnerfeld (Simonsfeld), Stinkenprann, Engel hntzstetten, Leubmaiss (Loimans?). 

4 ) Vgl. M. A. v. Becker, Topographie von Niederösterreich. Wien 1888, II, 
S. 454 u. ff. 



59 

von Eckartsau kommt in einer Urkunde von Passau vom 10. Juli 
1212 unter dem Namen Berthold von Hechehartesowe vor und er 
war der Bruder Otto's von Perchtoldsdorf und lebte zur Zeit des 
Herzogs Leopold VI. (VII.), sein Sohn Berthold von Eckartsau lebte 
unter Herzog Friedrich IL, in dessen Umgebung er sich oft aufhielt. 
In dem Adelsaufstande gegen diesen Landesherrn hielten die Eckarts- 
auer wie die Perchtoldsdorfer treu zu ihrem Herzoge. Ottokar Hess 
Berthold IL von Eckartsau wegen eines politischen Verbrechens hin- 
richten. Vermutlich war der Eckartsauer über die Zustände im Lande 
nach dem Tode des letzten Babenbergers erbittert geworden und hatte 
sich zu einer Handlung, die gegen die neue Regierung gerichtet war, 
verleiten lassen. Am 24. October 1278 erhielt Otto IL von Perchtolds- 
dorf, der Kämmerer von Österreich, für sich und seine Söhne Ulrich 
und Kadolt Eckchertsawe, von König Rudolf I. einen Freiheitsbrief, 
welcher mit einem andern von König Ottokar am 16. April 1271 aus- 
gestellten fast gleichen Inhaltes ist, demgemäss Otto, Ulrich und Kadolt 
alle Lehen und Güter, die sie besitzen, behalten und vererben dürften. 
Otto IL, der letzte Herr von Perchtoldsdorf, ! ) war mit Margareta von 
Schleunz und dann mit Euphemia von Potendorf verheiratet, hinterliess 
aber keine Kinder. Ulrich und Kadolt von Eckartsau sind daher nicht 
seine Söhne; sie sind die Söhne des von König Ottokar zum Tode 
verurteilten Berthold IL von Eckartsau. Sollte sich Otto IL von Perch- 
toldsdorf nicht um die verwaisten Sühne seines Oheims angenommen 
haben, und ihnen bei König Ottokar, bei dem er viel galt, eine Gunst 
erwirkt haben? Und so waren also Ulrich und Kadolt nicht Otto's 
eigene Söhne, sondern seines Vetters Söhne, für die er, der kinder- 
lose, als für seine Erben, als Vormund und Schützer und gleichsam 
wie ihr Vater auftrat. 2 ) 

Ulrich I. von Eckartsau dürfte kinderlos gestorben sein. Der 
Tod seines Bruders Kadolt I. fallt in die Jahre 1280 bis 1285, hinter- 
liess zwei Söhne, Jrnfried und Gottschalk von denen ersterer der Nach- 
folger im Familienbesitz, letzterer aber Teilhaber an diesem Besitze 
war. Jrnfried (1289 — 1322) war zweimal vermählt, zuerst mit einer 
Elisabet, dann mit einer Kunigunde, deren Familien nicht genannt 
sind. Seine Kinder stammten aus seiner ersten Ehe und hiessen: 
Otto L, Kadolt IL, Haug, Ulrich IL, Margarete, Elsbet und Kntha- 



') Keiblinger, Melk, I. 473. 

*) Ad. Latschka hält Ulrich und Kadolt für Söhne Otto's von Perchtoldsdorf, 
L c, 8. 32—33. 



60 

rina. Der Erbe des Familienbesitzes und darunter auch von Hof war 
der er8tgeborne Sohn Jrafrieds, Otto I., der in den Urkunden bis 
1329 erscheint. Mit seiner Gattin Kunigunde hinterliess er zwei 
Söhne, Konrad und Kadolt und starb um 1343. *) Ihn beerbte 
Kadolt III., der seiner Hausfrau Margarete von Slaet 600 Pfund 
Pfennig auf Eckartsau als Morgengabe versicherte. Es starb im 
Jahre 1379 wahrscheinlich kinderlos und wurde wie viele andere 
Glieder der Familie Eckartsau bei den Minoriten in Wien begraben. 
Dorthin machten die Eckartsauer auch viele Stiftungen. Sein Erbe war 
der Sohn seines Vaterbruders Kadolt IL, nämlich Kadolt V. der 
jüngere, welcher, wie auch sein gleichnamiger Bruder Kadolt IV., 
eine Linie des adeligen Geschlechtes von Eckartsau begründete. 2 ) 
Kadolt V., der »Jüngere* zu seiner Zeit genannt zum Unterschiede 
von seinem Bruder Kadolt IV., den man den »Alteren« hiess, und 
von seinem Vater, den man »Kadolt den Alten« nannte, war sehr 
bedacht, seinen Besitz zu erhalten und zu vermehren. Er war ver- 
mählt mit Euphemia, der Tochter Heinrichs des Marschalls von 
Pappenheim. Sein Schwager Friedrich Marschall von Pappenheim 
cedierte ihm 1362, mit Genemigung des Herzogs Rudolf, seine Lehen- 
guter in Osterreich. In demselben Jahre machte Kadolt V. mit dem 
Stifte Lilienfeld einen Gütertausch, das ihm mehrere Gülten in der 
Nähe von Eckartsau gegen Zehente in Witzleinsdorf, die er vom 
Bistum Regensburg zu Lehen hatte, überliess Das Stift sah sich 
durch diesen Tausch übervorteilt und führte beim Landesfürsten 
Klage, da ein gütlicher Vergleich nicht zu Stande kam. 3 ) Der Ver- 
trag wurde vom Herzog für null und nichtig erklärt und 1366 auf 
Befehl der Herzoge Albrecht III. und Leopold ein billigerer und 
gerechterer Vertrag abgeschlossen. Um das Jahr 1386 starb Kadolt V. 
Von seiner Gemahlin Euphemia von Pappenheim hatte er drei 
Söhne, Ludwig I., Kadolt VI., der »Jung« genannt, und Konrad III., 
und drei Töchter, von denen Anna (1381) mit Burkhart von Winden, 
Katharina (1387) mit Ulrich dem Jüngern von Haslau und Elisabet 
(1392) mit Friedrich von Potendorf vermählt war. 

Besitzer von Hof war Kadolt VI, der »Jung«, der mit seinen 
Brüdern Ludwig und Konrad (1381) vom Burggrafen Friedrich von 



') Vgl. die beigefügte Stammtafel der Eckartsauer, die nach Wissgrill, 
M. A. Becker und Latschka ausgearbeitet ist. Beilage 1. 
2 ) Vgl. die beigefügte Stammtafel der Eckartsauer. 
n ) M. A. v. Becker, Topographie von Niedertfsterreich, II, S. 462. 



61 

Nürnberg mit den Dörfern Markgraien-Neusiedel, Ebenfelden und 
Zwingendorf belehnt wurde, >wie solche ihr Vater innegehabt«. 
Kadolt VI. »der Jung< behielt die Veste Hof nicht sein ganzes 
Leben lang (bis 1422 wird er in den Urkunden genannt) als Eigen- 
tümer, sondern verkaufte dieselbe, sowie das Dorf Hof seinem Vetter 
Leopold von Eckartsau um 750 Pfund Pfennige (1413) »an unserer 
Frawen Abent ze der Lichtmezz«. 1 ) Der Kaufbrief giebt uns viele 
Aufschlüsse über das damalige Hof. So erfahren wir, dass über 
einen kleinen Teil von Hof Lehensherr der Herzog Albrecht von 
Osterreich war, mit dessen Einwilligung Kadolt von Eckartsau den 
Kauf ins Werk setzte. Dieser Teil war aber gering, denn er be- 
stand nur aus einem Ganzlehen, einem Halblehen und einem Drei- 
viertellehen, welche an Gelddienst 1 Pfund 11 Schilling und 9 Pfen- 
nige leisteten. Der Herzog war überhaupt der Lehensherr der »Vest 
ze Hof gelegen in dem Marichart und call die Mannschaft und das 
Urfar daselbens und auch Alles das, das zu derselben Vest gehöret 
vonerst den dritten Pfennig auf der Mautt daselbens und Sechstail 
Zehent chlainen und grossen ze Veld und ze Dorf«. Zur herzog- 
lichen Lehensherrlichkeit gehörten auch 15 Tagwerk Wiesen, ein 
Sechstel des Zehents vom »hoferperg«, die Felber und die Vogel- 
jagd. Über einen ganz kleinen Teil von Hof war der »Fürst Propst 
ze Allerheyligen Thumchirchen ze Sand Stephan ze Wienn« Lehens- 
herr. 2 ) Unter des Propstes Lehensherrlichkeit standen nur ein Ganz- 
und ein Halblehen mit dem Gelddienste von 21 Schilling und 
15 Pfennig. 

Der grösste Teil von Hof war des Eckartsauers »rechtes freyes 
aygen*. Dazu gehörten 4 Ganz-, 13 Halblehen, eine Hochpeunt, 

') Wissgrill, Schauplatz, II, S. 342, hat irrig 1411. Den >Kauff- und Schirm- 
brieff« siehe in der Beilage 2. 

-) Wilhelm Tuers, Freiherr von Aspern. Unter ihm wurde Elisabet, die 
einzige Tochter und Erbin des römischen und ungarischen Königs Sigmund, 1422 
mit dem Herzog Albrecht im St. Stephansdom mit grossem Gepränge vermählt. Als 
das Bistum Passau 1423 erledigt wurde, schickte Herzog Albrecht Gesandte nach 
Rom mit dem Auftrage, bei dem Papste die Ernennung eines Bisehofes zu be- 
wirken, der im Stande wäre, die hussitische Lehre, die damals in Österreich weit 
um nich griff, zu besiegen, und empfahl hiezu den Dompropst Wilhelm, da er ihm 
wegen seiner Tugenden und guten Sitten besonders zugethau war; allein dieses 
Verlangen hatte nicht den gewünschten Ei folg. Unter diesem Propste hatte die 
Wiener Universität im Jahre 1430 die Erlaubnis erhalten, im St. Stephansdom das 
Doctorat zu erteilen. Dieser Propst bekleidete seine Würde von 1406 bis 1439, 
in welch' letzterem Jahre er starb. 



Ü2 

• • 

6 Hofstätten, 83 Joch Acker, 44 Tagwerk Wiesen, einige Kraut- 
gärten und das Gehölze der Au. Für dies Alles wurde ein Geld- 
dienst von 19 Pfund und 2 Pfennig geleistet. Kicht uninteressant 
ist es auch, die Herkunft eines Teiles dieses freieigenen Besitzes zu 
erfahren. Da sind zuerst ein Halblehen, eine Hochpeunt, 1 ) eine 
Hofstatt und zwei Ganzlehen, die 5 Pfund Gelddienst leisteten, »das 
weilent Herr Wilhalm der Chreuspekch 2 ) verchaufFt hat Herrn Per- 
nolten dem Chlingenfurter«. 3 ) Ob die Eckartsauer dieses Eigentum 
des Chlingenfurters gekauft haben, wie dieser es durch Kauf an 
sich gebracht hat, oder ob sie es von ihm geerbt haben, ist aus dem 
angezogenen Kaufbriefe der Eckartsauer nicht zu entnemen. Noch 
ein Teil von Hof gehörte einst diesem Pernolt dem Chlingenfurter, 
den 1413 Kadolt von Eckartsau verkaufte, nämlich zwei Hofstätten, 
welche 13 Schilling Pfennig »dienten«, zwei Tagwerk Wiesen und 
17 Joch Acker, die »weilent Friedrich der Stössl von Pestorf 4 ) ver- 
chaufft hat Herrn Pernolten den Chlingenfurter«. 

Im Ganzen verkaufte also Kadolt VI. von Eckartsau 6 Ganz- 
lehen, 14 Halblehen, eine Hochpeunt, 5 Hofstätten, ein Dreiviertel- 
lehen, 100 Joch Acker, 59 Tagwerk Wiesen und einige Krautgärten, 
was Alles zusammen jährlich einen Gelddienst von 24 Pfund und 
26 Pfennig abwarf/ 1 ) Von den Namen, die wir unter den damaligen 
Bewohnern von Hof treffen: Chuewrt, Chewflein, Gürtler, Wenzla, 



') »Item ein Hochpewut, die do gelegen ist pey der Marich mit ziveli 
Jewchen Akchers und vier Jewch, die do haissent das Chröndl, die ligent oberhalb 
des Dorfs und ein Jewch leit gegen dem weingartekk und ein Jewch leit enhalb 
des See pey der "Widm und vier Tagwerich Wismat gelegen in der teuften Wis 
und ein Chrautgarten, der auch dazu gehört.« 

-) Die Familie der Chreuspach gehörte zu den Gründern des Augustiner- 
klosters in Baden; sie starb 1415 aus. In dieser Familie war das Oberstjäger- 
meisteramt erblich. In der Augustinerkirche zu Baden liegt Friedrich von Chreuspach 
begraben. Ihm wurde das Oberstjägermeisteramt am 4. November 1358 mit grosser 
Feierlichkeit in Gegenwart der Stände von Niederösterreich übertragen. (Blätter 
des Vereines für Landeskunde, 1871, S. 141 u. ff.) 

3 ) Ein »Mert, der Kliugenfurter« kommt als Siegler vor, als 140ö »Wolfgang 
der Sebekch* Gülten und einen Weingarten zu Grinzing »Hanneen dem Zyrnast 
des ynnern Rates ze Wienn« verkauft. — Ein Dorf Klingenfurt existierte 1558 
bei Ebenfurt, das aber schon 1569 verödet war. (M. A. v. Becker, Topographie v. 
N. (')., II, 8. 406.; 

4 ) Aus dem adeligen Geschlechte der Paasdorf (bei Mistelbach). Ein Stephan 
von Pestorf machte 1402 eine Schenkung an das C'horherrenstift St. Polten. 

: ) Heute sind in Hof 18 Ganzlehner, 15 Hofstätter und 28 Kleiuhäuser. 



63 

Jörig der Vesth, Pehaim, Payr, Veisner, Ranabocz, wenig Hainezl, 
die Charlin, Pirhekchlein, Sehödl, Erhart, Ludler, die Aynwaygen, 
Ulrich, Friedrich der Gürtler, Hedweiger, Stözzl, begegnen wir heute 
in Hof keinem mehr. Die Namen der Feldrieden, w r ie die March- 
lüsse, die langen Lüsse, Kröndl u. s. w. haben sich bis heute im 
Gebrauche erhalten. Zu bemerken ist auch, dass im Kaufbriefe 
auch eine Schmiede, eine Mühle, die Pfarrkirche, der Pfarrhof und das 
Beinhaus erwähnt werden. Ausserdem verkaufte Kadolt von Eckartsau ' 
den Russbach und das »Visehwazzer« (die Fischerei) auf seinem 
Eigentum; ferner >das Dorfgericht daselbens Innerhaus und Ausser- 
haus«, über das Leben wurde aber in Marchegg abgeurteilt; ferner 
»die erib vogtey der Pharrkirchen daselbens«. Siegler, deren Siegel 
am Kaufbriefe hängen, war des Verkäufers >Oheym 'und Frewnd« 
Pilgrim von Puchaim, ! ) Stephan von Hohenberg, 2 ) Moriz von Hain- 
feld : \) y Hanns von Stuppharrich, Kämmerer des Herzogs Albrecht 
von Osterreich. 

Mit Leupold von Eckartsau (1382 — 1443) erreichte das Ge- 
schlecht der Eckartsauer den Höhepunkt seines Reichtums und 
seines Einflusses im Lande. Leupold schloss sich fest an Herzog 
Ernst an und war unter den Räten, welche dieser nachdem er 
sich scheinbar mit seinem Bruder Leopold in der Vormundschafts- 
frage über den jungen Albrecht V. verständigt hatte, heimlich zu 
seinem jüngsten Bruder Friedrich von Tirol sandte, um mit diesem 
ein Bündnis gegen Leopold abzuschliessen, was auch zu Stande 
kam. Zugleich mit Rcinprecht von Wallsee entführte er im Früh- 
jahre 1411 den jungen Herzog Albrecht aus dem Schlosse Stahrem- 
berg , . wo er ihnen zur Bewachung anvertraut war, führte ihn 
mich Eggenburg, wo ihn die Landstände mündig erklärten und ihm als 
Ijandesfürsten huldigten. Seit dieser Zeit blieb Leupold in der Nähe 
des Herzogs und genoss dessen besondere Gnade. Als mit Otto IV. 
1440 das Geschlecht der Herren von Meissau ausstarb, erbte Leupold 

'» »Landmarschalich in Osterreich.« 

*) Kommt mit seinem Bruder Frydreich in einem Kaufvertrag zwischen 
Ott dem Kewenbalder und Ul reichen von Pergaw (1383) als Siegler vor. (Blätter 
de« Vereins für Landeskunde von N.-Ö., 1868, S. 135.) 

3 ) Am 15. Juni 1328 verfugt »Stephan von Haunueld mit Zustimmung seines 
Sohnes Maritze, dass man seinem Neffen Stephan, Sohn seines Bruders, Alot von 
Haunueld verleihen möge: welich Ohirchen und gotes gab (dem Aussteller) ledich 
wirt.* (Blätter, 1868, S. 119.) 



64 

als Schwager des letzten Meissauers die Veste und Herrschaft Meissau. l ) 
Leupold war dreimal verheiratet, zuerst mit Agnes Gräfin von Pern- 
stein, dann mit Anna von Potendorf, deren Schwester Agnes die 
Gattin Otto IV. von Meissau war, und zuletzt mit Erntraut von 
Stubenberg. Die ersten beiden Gattinnen sind wahrscheinlich bald, 
und ohne Kinder zu hinterlassen, gestorben. Aus der dritten Ehe 
überlebten ihn auch nur zwei Kiuder, die älteste Tochter Margareta, 
die mit Ulrich von Stubenberg vermählt war, und sein Sohn Georg, 
sein Erbe, der letzte männliche Sprosse dieser Linie der Eckartsauer. 
Georg (Jörg; von Eckartsau (1443 — 1492) bekam von Kaiser 
Friedrich neue Lehen und hatte den grüssten Teil des Familien- 
besitzes der Eckartsauer in seiner Hand vereinigt. In den Besitz- 
streitigkeiten des Herrscherhauses nam er eine schwankende Stellung 
ein, stand bald auf Seite des Kaisers Friedrich, der ihm viele 
Gnaden erzeugte, bald verband er sich mit dessen Gegnern. Am 
4. April 1452 ward er vom Papste Nicolaus V. mit Ulrich von 
Eitzing und Andern als Rebell bezeichnet und mit dem Banne be- 
droht, wenn sie nicht zum Gehorsam gegen den Kaiser zurück- 
kehren würden. Zu dem Schwanken Georgs mochte wol auch der 
Umstand beigetragen haben, dass er seine Güter, die den Einfällen der 
Ungarn und der mährischen Raubritter ausgesetzt waren, «schützen 
wollte. Kaum war Kaiser Albrecht II. gestorben (1439), so begannen 
die Kämpfe zwischen den Herzogen Friedrich, Albrecht und Sigmund 
von Tirol. Dazu kam noch, dass der erstere den König Ladislaus 
von Ungarn erst dann aus der Vormundschaft entliess, bis er dazu 
durch eine Belagerung in Wiener-Neustadt gezwungen wurde. Zwischen 
Mähren und Österreich aber begannen Grenzfehden und Brand- 
schatzungen, in denen sich Janns von Leuchtenberg zu Vöttau, der 
bis zur Donau brandschatzend vordrang, besonders hervorthat. Er 
eroberte Schloss Grub und die Veste Drösiedl. Einige österreichische 
Standesherren ahmten dieses Beispiel nach und raubten und plün- 
derten gleichfalls. So der Ritter Jakob Kycnberger von seiner Veste 
Dürnberg bei Zwettl aus. Lconlmrd Arbcrger übte sich in diesem 

') Den Keichtum Leupolds von Eckartsau ersehen wir aus seinen Gütern, 
die er besessen: Hof, Warten stein, Lichtenteis, Ruprechtsdorf, .Spanberg-, Herren- 
Baunigartcn, Eibesbrunn, Meissau. ISein Sohn Kadolt IV. hatte Gülten und Güter 
besessen zu Niederleis, Potendorf, Hippies, Simonsfeld, Mauer, Kalksburg, Erlaa, 
Kotingneusiedel, Auersthal, Engelhartstetten, Loimersdorf, Buckfliiss, Hörlein, Sonn- 
berg-, Breitenweidii, Stopfenreut, Witzeisdorf. (Nach M. A. v. Becker, Topographie, 
II, S. 458-460.) 



65 

Handwerk in der Gegend von Lilienfeld und schloss sich dann an 
den Räuber Pankraz von St. Miklos an, der sich des Schlosses 
Skalitz in Mähren, das dein Konrad von Schlick gehört, bemächtigt 
hatte und dann im V. U. M. B. fürchterlich hauste. Die edlen Herren 
von Jedenspeigen trieben dies saubere Handwerk in der Nähe des 
Stiftes Heiligenkreuz und Tobias der Rorer verheerte von Ottenstein 
aus die Umgebung. Diese schlimme Sache wurde noch ärger, als 
1446 die Ungarn unter Johann Huniady in Österreich einbrachen, 
denn da kamen auch Pankraz von Skalitz und seine Genossen 
wieder und gründeten im Marchfelde einen förmlichen Räuberstaat, 
der sich längere Zeit erhielt. Ulrich von Eitzing, Georg von Kuen- 
ring und die Grafen von Cilly, Schaunberg und Wallsee zogen, 
unterstützt von Heinrich von Rosenberg, mit 800 böhmischen Fuss- 
knechten und 200 Reitern vor das kaiserliche Schloss Ort im March- 
felde, das von 60 Mann unter Befehl Mittendorfers und Asparns 
zehn Tage lang heldenmütig verteidigt wurde (1452). Als aber 
die Mauern in Trümmern lagen, wurde das Schloss auf Befehl 
Eitzings gestürmt, geplündert, angezündet und zerstört. Gamaret 
der Fronauer plünderte nun mit seinen Genossen vom Schlosse Ort 1 ) 
und von der Kirche in Gross-Schweinbart aus das Land nördlich 
der Donau. Georg von Kuenring, der Landmarschall von Nieder- 
österreich, zog mit einer Schaar gegen den Raubritter, aber 
ohne Erfolg, denn die Söldner giengen zu diesem über, da sie 
nur mit 6 Schilling Pfennig neuer Wiener Münze, d. h. Schinder- 
lingen entlohnt wurden. Fronauer warf an beiden Ufern der Donau 
»Täber« (Tabor-Sehanzen) auf, versicherte sich so des Stromes und 
erpresste von den Schiffern hohe Zölle. 

Die Leiden, welche das Marchfeld von den Räubern zu er- 
dulden hatten, dauerten mehr als ein Menschenalter lang und über- 
stiegen alles Mass. Alle Nachgiebigkeit Georgs von Eckartsau den 
Feinden des Kaisers gegenüber hatte nichts gefruchtet; auch seine 
Besitzungen wurden arg heimgesucht; die Veste Hof an der March 
wurde ihm eine Zeitlang genommen und zu einem Raubneste um- 
gewandelt. Die Chronik eines Zeitgenossen erzählt zum Jahre 1458: 
»desselben Jahrs am Mittichen nach dem Palmtag 2 ) hat der Hoch- 
geborne Fürst Herzog Albrecht von Osterreich mit Hilfe etlicher 

') 6. E. Friess (Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, 
1874, S. 173) setzt zu Ort irrig »an der March« bei. 
*) Am 29. März 1458. 

Blätter des Vereinet für Landeskunde von Niederösterreich. 1889. 5 



66 

Landherren in Oesterreich und der von Wien gewunnen zwen Täber 
die der Ledwenko l ) zum Hof im Marichart 2 ) bei Teben 3 ) und enhalb 
der March auf dem Stein mit viel Buben und Räubern, dem Land 
zu schaden, zugericht und besetzt hatte; darin man derselben Buben 
fing als bei vierhunderten; der man zur Stund hing zu Wien in 
der heiligen Osterwochen als auf die dritthalb hundert; die andern 
stürben zu einzigen 4 ) in dein Thumi, und etlich wurden ausgelassen. 
Vor den zweien Täbern ward geschossen Gerhard Franauer, ein 
gerader junger Ritter, der dem Fürsten gar geheim 5 ) war, der 
da starb.« 6 ) 

Und nicht genug, dass Hof solche Gäste im eigenen Hause 
hatte, es hatte deren im Überflüsse auch in seiner nächsten Nähe, 
wovon es gewiss keinen Nutzen hatte. In dem eine halbe Stunde 
von Hof entfernten Niederweiden hatte sich der berüchtigte Leonhard 
Arberger niedergelassen. 7 ) Weiter oberhalb an der March im Schlosse 



') Ludwenko, ein Riiuberhauptraaim, der schon einmal der Gefangenschaft 
entronnen war und bei Hof sein schändliches Treiben vom neuem begann, erstürmte 
das Schloss zu Bernhardsthal und brandschatzte von dort aus die Umgebung'. 
(M. A. v. Becker, a. a. 0., II, S. 155.) 

2 ) Marichart (Marchort) nannte man und nennt inan noch den Teil des 
Marchfeldes, der am Einflüsse der March in die Donau liegt. 

3 ) In Theben residierte damals ein Burggraf. Wie Theben, so bestand auch 
die jetzt gleichfalls in Trümmern liegende Veste Kotenstein an der Donau noch 
und war von Hanns von Enzesdorf besetzt. 

4 ) d. h. einzeln. 

5 ) vertraut. 

G ) Herum austriacarum historia ab anno 1454 usque ad aunum 1467, heraus- 
gegeben von Rauch, S. 27. Die gefangenen >Täberer* waren im Kärtner-, Piber- 
und roten Turme eingekerkert und wurden fast alle aufgehängt. 

"•) Über ihn und sein Geschlecht vgl. Schober, Die Veste Araburg (Blattei , 
1881, S. 451 — 460). Leonhard Freiherr von Arberg war zuerst (1440) mit Agnes 
von Ruckendorf und dann (1461) mit der zügellosen Gertrud von Ror vermählt. 
Mit letzterer setzte er sich in der Burg Nieder- Weiden, die auch den Eckartsau ern 
gehörte, fest und plünderte und mordete in der Umgebung. Dem Landesfürsten 
fehlten die Mittel zu helfen. ' Als endlich die Stände darangiengeu, den Räuber zu 
vertreiben, flüchtete sich Arberger zu seinem ebenbürtigen Genossen Pankraz von 
Skalitz. Seine Gattin Gertrud blieb zurück, um die Burg zu verteidigen, musste 
sie aber den ständischen Truppen übergeben. Der Hubmeister Sigmund von 
Ebersdorf bewachte die Burg nur lässig, weshalb sie von den Räubern über- 
rumpelt und eingenommen wurde und aufs neue den Räubern zum Schlupfwinkel dienen 
musste. Im Mai 1450 wurde die Burg von den ständischen Truppen wieder 
besetzt und dem Landeshauptmann Ulrich von Cilly übergeben, nachdem die 
Besatzung teils getüdtet, teils verjagt worden war. (Becker, a. a. O., II, S. 572.) 



67 

Neyrn zwischen Marchegg und Dtirnkrut hatte sich der Räuber 
Pankraz von Skalitz niedergelassen, um die Gegend ringsum aus- 
zusaugen. 1 ) Georg von Eckartsau hatte übrigens 1483 selbst auch 
Iglauer Kaufleute auf seinem Schlosse zu Sonnberg gefangen ge- 
setzt und ihnen die Waaren abgenommen, die sie nach Wien, das 
zum Kaiser hielt, führen wollten. 2 ) 

Georg von Eckartsau war zweimal verheiratet. Zuerst mit 
Anna von Kranichberg und dann mit Erntraut von Pucheim. Von 
seinen Kindern überlebten ihn nur drei Töchter: Katharina, Anna 
und Margareta. Das Todesjahr und die Grabstätte Georgs von 
Eckartsau kennt man nicht. Er starb als der letzte männliche 
Sprosse jener Linie der Eckartsauer, welche Kadolt der Altere ge- 
gründet hatte. 

Die Veste Hof an der March hatte Georg schon früher im 
Jahre 1458 in den unruhigen Kriegszeiten dem Solme seines Vetters 
Ludwig II. von Eckartsau, namens Wilhelm, über den er 1458 Vor- 
mund wurde, tibergeben. 3 ) 

Wilhelm von Eckartsau (1458 — 1507) stammte aus der Linie 
Kadolts des Jüngeren von Eckartsau und war der Sohn Ludwig II. 
»des Jüngeren« (1406 — 1458), welcher Friedrich V. 1436 nach 
Palästina begleitet hatte. Mit Wilhelm erlosch auch die jüngere 



Die Ruinen der Burg Nieder- Weiden sind heute noch zu sehen im Fasangarten 
des kaiserl. Jagdschlosses Nieder- Weiden (erbaut von Ernst Rüdiger Graf Stahrem- 
berg 1685, verschönert vom Prinzen Eugen). Die Ruine ist 5 Minuten vom jetzigen 
Schlosse entfernt, lässt noch heute die Gestalt der ehemaligen Burg deutlich er- 
kennen, obwol der mehrere Meter hohe Steinhaufen mit Gesträuchen und Bäumen 
bewachsen ist. Der Wassergraben und die Wälle sind noch zu unterscheiden, auch 
ein Teil des Kellers ist noch vorhanden. . 

1 ) Dieses Schloss war öde und verfallen, bis es 1446 Pankraz für seine Zwecke 
wieder herstellen Hess. Es wurde zwar erobert und zerstört, aber der Bruder des 
Pankraz, der das gleiche Handwerk wie dieser trieb, Hess es durch die Bewohner 
der Umgebung 1448 wieder aufrichten, um von dort aus weiter zu rauben. Wilhelm 
von Erbser eroberte es ; der grösste Teil der Besatzung, meistens Adelige, fiel in seine 
Hände und wurde nach Wien gebracht, wo 69 davon an neun Galgen aufgeknüpft 
wurden. 1454 besass es der Freibeuter Nabuchodonosor Ankelreiter. (Blätter d. Ver. 
f. Ldsk., 1881, 321.) Das Porträt des früher erwähnten Leonhard Arberger wird noch 
heute in Schlosshof gezeigt Das Äussere dieses Helden hat allerdings viel Räuber- 
mässiges an sich. 

2 ) Laurenz Pröll, Die Herren von Sunnberg, 1885 — 1886, S. 78. 

3 ) Der auch im genannten Jahre im niederösterreichischen Gültenbuche als 
Besitzer von Hof angeschrieben steht. Vor ihm lesen wir (1443): Georg als 
Erbe seines Vaters Leopold und 1411 (richtiger 1413) Leopold von Eckartsau. 

5* 



68 

Linie der Eckartsauer im Mannesstamme. Kr starb 1507 zu Boek- 
flüss und ist wie seine Gattin Rosina von Polheim (f 1537) in der 
dortigen St. Jakobskirche begraben. Wilhelm hinterließ» zwei Töchter 
Apollonia und Anna, von denen die ältere bei ihres Vaters Tode 
erst 12 Jahre zählte; ') sie wurde um 1516 an Wolfgang von 
Volkensdorf zu Weissenberg, Anna um 1519 an den Grafen Franz 
Banffy zu Felsö-Lendva (Nieder -Limbach) vermählt, nach dessen 
Tode sie 1521 Sigismund Ludwig von Polheim ehelichte. 

Durch den Tod Wilhelms von Eckartsau wurden viele Manns- 
lehen seiner Familie lcdig und sollten an den Landesfürsten zurück- 
fallen; darunter war auch Hof an der March. Dieser Heimfall fand 
aber nicht statt, denn die Eckartsauer hatten dem Herrscherhause 
in den Jahren der Bedrängnis oftmals Geld geliehen. Diese Schuld 
sollte jetzt abgetragen werden. Um diese Sache zu ordnen, entschied 
Kaiser Maximilian 1., dass den beiden Erbtöchtern Wilhelms an 
Zahlungstatt alle Eckartsauer'schen Mannes- und Stammeslehen, wie 
sie ihm nach ihres Vaters Tode anheimfielen, für immerwährende 
Zeiten als freieigenes Gut belassen werden. Bei der Güterteilung 
erhielt Apolonia Eckartsau, Anna aber Bockflüss. 

Viel hatte Hof auch durch den Einfall des Königs Mathias 
Corvinus in Niederösterreich zu leiden. Es war zwar Wilhelm von 
Eckartsau 1487, als König Mathias schon Wien und fast ganz 
Niederösterreich besetzt hielt, auf Zureden Christophs von Liechten- 
stein dem Bündnisse mit dem Ungarkönige beigetreten, um dadurch 
seine an der ungarischen Grenze gelegenen Güter vor den feind- 
lichen Einfällen der Ungarn zu sichern, 2 ) allein der Besetzung durch 
dieselben dürfte die Veste Hof kaum entgangen sein, da diese nicht 
bloss an der Grenze gelegen, sondern weil durch sie auch ein wich- 
tiger, häufig benutzter Übergang über die March und noch dazu in 
der Nähe Pressburgs beschützt wurde. Die Regierung des Ungar- 
königs in Niederösterreich war aber nicht viel besser, als die nicht gar 
ruhmwürdige des Kaisers Friedrich 1H. Beide Herrscher litten stets 
an Geldnot, beide brauchten fortwährend frische Söldner und beide 
zwangen das arme Land, das alles in möglichster Menge herbei- 
zuschaffen. Das Volk wurde vom ungarischen Heere bedrückt und 
ausgesaugt. Der Handel lag darnieder, denn die Kaufleute mussten 
sich das Geleite der Ungarn wie der Kaiserlichen erkaufen. Die 

') M. A. v. Becker, Topographie, S. 463. 
2 ) Keiblinger, a. a. O., II, S. 421. 



69 

Bauern halfen sich endlich selbst, überfielen vereinzelte Söldner, teils 
bildeten sie, durch den langdauernden Krieg verwildert, Räuber- 
banden, und plünderten und raubten statt zu arbeiten. Wegen des 
Mangels an Arbeitern litt der Acker- und Weinbau sehr. 1 ) 

Eine Begebenheit aus früherer Zeit muss noch erwähnt werden, 
weil der Schauplatz derselben teilweise Markt-Hof und sein Gebiet 
war, welches Geschehnis früher nicht erwähnt wurde, um die Reihe 
der Besitzer von Hof aus der Familie von Eckartsau nicht zu sehr 
zu unterbrechen. Dies ist die Erwähnung der Schlacht bei Kroissen- 
brunn (12. Juli 1260), deren rechter Flügel bei Markt- Hof sich 
ausdehnte und dessen Marchfurt den Ungarn verhängnisvoll wurde. 
Die Steirer hatten das Joch der Ungarn abgeworfen, weshalb diese, 
darüber erbittert, in Steiermark und Österreich einfielen und heillos 
wirtschafteten. Stephan, der Sohn des ungarischen Königs, Hess in 
den Grenzgegenden und auch bei uns schrecklich wartschaften. 
Über 200.000 Mann standen endlich an beiden Ufern der March 
unter den Königen Ottokar und Bela. Der rechte Flügel des Heeres 
Ottokars dehnte sich von Markt-Hof aus über Kroissenbrunn, March- 
egg bis Zwerndorf aus. Da standen die Mährer unter Führung des 
Bischofs Bruno von Olmütz. Es sollte Ottokar über die March oder 
Bela über dieselbe gehen, um eine entscheidende Schlacht liefern zu 
können. Bela schickte seine Truppen über die March. Er aber 
schaute vom linken Marchufer zu. Die Böhmen hatten sich indessen 
auf die Höhe bei Kroissenbrunn zurückgezogen. Die Schlacht war 
bald entschieden; die Ungarn flohen. Sie verfehlten in der Angst 
auf der Flucht die Furt des Flusses, so dass in seinen Fluten 
14.000 Feinde ihr Grab fanden, und wie König Ottokar in seinem 
Berichte an Papst Alexander IV. schrieb, die March nicht nur 
gleich dem roten Meere von ungarischem Blute gefärbt, sondern so 
mit Leichen angefüllt war, dass dieselben den Siegern als Brücke zur 



Vgl. Dr. K. Schober, Die Eroberung Niederösterreichs durch Mathias 
Corvinus in den Jahren 1482 bis 1490. (Blätter, 1879.) Dort wird auch Kaiser 
Friedrich milder und gerechter beurteilt, als es z. B. bei Graf Majlath (I, 307, 
310, 311, 320 u. a. a. O.) geschieht. — König Mathias wollte durch eine Arbeiter- 
ordnung 1487 dem Übelstande abhelfen, dass alle Leute zu dem einen Herrn liefen, 
der sie besser bezahlt. Es sollte daher für die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnen- 
untergang erhalten: Ein Hauer und Gruber 16 Pfenninge, ein >Schaiderc 17 Pf, 
eine Rebenklauberin 8 Pf., ein Steckenschläger 10 Pf., eine Jäterin oder Binderin 
10 Pf. Jeder Übertreter dieser Ordnung, ob Herr oder Arbeiter, sollte die Hand 
verlieren oder 5 Pfund Pfennige bezahlen. 



;70 

Überschreitung des Flüssen dienten. 1 ) Bela trat Steiermark an Ottokar 
im Frieden ab und dieser stiftete zum Danke für den Sieg die Abtei 
Guidenkron. 1268 gründete Ottokar an der Stelle des alten Ortes 
Mährle die Stadt und Grenzveste Marchegg. 2 ) 

Mit Bela IV. Nachfolger, Stephan V., kamen neue Drangsale 
fiir die Grenzgegenden. Die alten Einfalle der Ungarn in Osterreich 
und der Böhmen in Ungarn erneuten sich. Ottokar eroberte Press- 
burg zweimal. Im Jahre 1273 überbrückte er die Donau zum 
viertenmale — was » seit Alters unerhört < — bei Rottenstein am rechten 
Donauufer, Markt-Hof gegenüberliegend, um daim den Krieg am 
rechten Donauufer zu führen. 3 ) Im Jahre 1278 überschritt Rudolf 
von Habsburg die Donau an derselben Stelle, um an der March 
hinauf bis Marchegg zu ziehen, wohin auch König Ladislaus kam 
lind wohin am 26. August auch der Leichnam Ottokars gebracht 
wurde. 4 ) Mit den Habsburgern war eine neue glückliche Periode 
in Osterreich angebrochen. Aber schon unter den Babenbergern hatte 
sich dieses Land, wenn Frieden herrschte, glücklicher Zeiten zu er- 
freuen, weil dann Handel und Gewerbe blühten, und das Land eine 
Fülle von Producten hervorbrachte, wie das richtig von einem Zeit- 
genossen in der Zwetler Reimchronik geschildert wurde 5 .) 

Es gab auch ein adeliges Geschlecht der von Hof oder »de 
Curia «. In den Urkunden von Lilienfeld werden von 1264 bis 1352 
mehrere Angehörige dieser Familie gefunden. Keiblingcr 6 ) bezweifelt 
zwar die Richtigkeit der Anname Hanthalers, dass diese Familie in 
Hof an der March ansässig gewesen sei, aber mit Unrecht, wie aus 

') Dr. H. Zeissberg, BlUthe der nationalen Dynastien in den österreichischen, 
böhmischen und ungarischen Ländern. Wien, 1866, S. 269. 

2 ) Zeissberg, a. a. O., S. 265. Die Bewohner der neuen Veste, welcher 
Ottokar das Stadtrecht gab, kamen aus Konic und Velehrad. 

3 ) Zeissberg, a. a. O., S. 298. 

*) Zeissberg, a. a. O., S. 312 und 315. 

: ') »Das Land hat Überfluss genug — an Vieh, Wein, Korn und and'rer Frucht 
Und was man braucht zur Leibesnot; — Wildpret und Fisch und edles Brod, 
Dess hat es wohl der Fülle gar; — dazu die Donau, das Wasser klar, 
Die in dem Lande rinnt zu Thal, — die ziert die Landschaft überall; 
Stadt 1 , Bürger, Dörfer noch dabei, — macht sie so manches Mangels frei, 
Und trägt dem Lande immer zu, — zu beiden Zeiten spat und früh, 
Das, was es selbst nicht haben mag, — ohn' Unterlass bei Nacht und Tag.< 
*') Melk, II, S. 419 und 420. Cfr. Hanthaler, Recensus, diplomaticus 
archivii Campililiensis tom. II, pag. 25. Duell ii, Excerpta genealogico-historica, 
pp. 197—199. 



71 

dem Folgenden zu ersehen sein wird. Ulricus de Curia ist 1264 
Zeuge bei einer Schenkung Ulrichs von Topel, Chunradus de Curia 
1266 Zeuge in einer Vergleichsurkunde Albrechts von Liechten- 
stein. Hermann, Herrn Leupolts Sohn auf dem Hof, verkauft 1325 
dem Stifte Lilienfeld einen halben Hof zu Kendelbach, der ihm 
durch Erbteilung mit seinen Brüdern zufiel. Drei Brüder, Eberhard, 
Ulrich und Peter, sind Zeugen. Einer derselben, Ulrich auf dem 
Hof, verkauft mit seiner Hausfrau Elsbet und mit seinem Sohne 
Nielas dem Stifte Lilienfeld das Dorf Stallberg. Zeugen des Kaufes 
sind Ulrichs Brüder Hoherwart (Eberhard), Hermann und Martein. 1 ) 
Von den folgenden Mitgliedern der Familie von Hof, meint Keiblinger, 
scheint es, dass sie in Hof ansässig gewesen seien. Das war aber 
ganz gewiss der Fall. Am St. Gallentage (16. October 1377) fer- 
tigen Ambeich (Answicus), Chuen, Eberhard, Jans und Nycla, Gebrüder 
von dem Hof, welche Hanthaler für Söhne des schon erwähnten 
Ulrich hält, ein Document, dessen Inhalt der Chorherr Duellius nicht 
näher angiebt, und 1352 Pfingsttags nach St Blasentag (9. Februar) 
stellen Jans, Herrn Ainweigs Sohn von dem Hof in dem Maricheit, 
dem Gott gnade, und seine Hausfrau Clar Wulfing dem Veyrtager, 
Jansens Oheim, einen Verkaufsbrief aus. Trotzdem dass bei Hof 
die deutliche Bezeichnung steht »in dem Marichart«, meint Keiblinger, 2 ) 
es sei viel wahrscheinlicher, dass diese Personen im Dorfe Gross- 
Hofen in der Pfarre Markgrafheusiedel zu Hause waren, wiewol sich 
für dieses Gross-Hofen keine einzige Urkunde wird aufweisen lassen, 
wo dieser Name den Beisatz hätte »in dem Marichart*; wol aber hat 
Hof a. d. March diesen Beisatz 1413, dann auch später, und noch 
heute heisst der südöstlichste Teil des Marchfeldes »Marchort«. Mit 
diesem Namen bezeichnete man überhaupt nicht das ganze March- 
feld, sondern nur das Ende desselben. In den Statuten der Müller- 
zeche in Asparn, wie sie Karl VI. am 6. Juli 1713 bestätigte, be- 
ginnt der erste Punkt: »Erstlichen solle hieführo der SchöfF- und 
Donau-Müller zu grossen Asparn gezirekh am Donau Strohm von 
Corneuburg herab bis auf Asparn ihren Anfang haben, und von 

') Keiblinger hält diese Herren von Hof für begütert im Dörfchen Hof 
nächst dem Flusse Perschling bei Stallberg in der Pfarre Kasten (im V. U. W. W.) 
und vielleicht auch zu Hof an der Traisen, welchen Namen zwei zerstreut liegende 
Häuser unweit von Lilienfeld haben. Eine Rotte Hof ist in demselben Viertel in der 
Pfarre Schwarzenbach nächst der Bielach zwischen diesem Orte und Frankenfeig 
gelegen. (A. a. O., S. 420.) 

-) A. a. O., 8. 420. 



72 

der Marehorth ihren Anfang wiederumb heraufnehmen . . .«M Und 
wie oft kommt nicht »Marcbort« in den Streitigkeiten mit der Herr- 
schaft Theben vor, wo dieser Ausdruck nichts Anderes bedeuten 
kann, als das Gebiet am rechten Marchufer, bevor dieser Fluss in 
die Donau mündet. Dass die genannten (Glieder der Famiiie von 
Hof in Hof a. d. March waren, das hilft uns auch eine kurze Stelle 
des schon erwähnten Kaufbriefes von 1413 beweisen, welche lautet: 
»Item ein Hof das ain ganz lochen ist, do die Aymwaygen aufge- 
sezzen sind.« 2 ) Gelddienst ist dabei keiner angegeben, wie bei anderen 
Grundholden. Noch mehr spricht für unsere Ansicht eine Urkunde 3 ) 
vom Jahre 1349, Donnerstag nach Philipp und Jacob, in welcher 
Pernolt von Hof seiner Frau Anna, des Niclas des Demi von Alten- 
burg Tochter, als Morgengabe und > Heyinstewer« einen Hof, 35 Joch 
Acker, 12 Tagwerk Wiesen, Gehölze, einen Baumgarten mit allem 
Nutzen giebt. Zeugen waren: Charleinsvon demGerloz, Pernolts Vetter 
Aymweigs und Jans, Sohn des alten Aymweigs von dem Hof. Es 
deutet hier sowol die Nähe Deutschaltenburgs, woher die Gattin 
Pernolts stammte, auf unser Hof an der March, als auch das die 
Zeugen thun, die in Hof a. d. March begütert waren, wie dies schon 
von den > Aymwaygen« erwähnt wurde. Auch die Gerlos waren 
hier Besitzer. Im Jahre 1322 (in Wien) beurkundet Dietrich von 
Gerlos einen Verkauf von Gütern an seinen Vetter Wulfing von 
Gerlos, nämlich des vierten Teiles der Veste zu Stopfenreut, eines 
Lehens vom Bischof von Regensburg, dann von Besitzungen zu 
Haringsee, Hof, Engelhartstetten und die Maut »data dem Stain« bei 
Deutschaltenburg. 4 ) 



') Archiv in Schlosshof. 

2 ) Vgl. die Beilage 2. 

3 ) Original auf Pergament mit drei hängenden Wachssiegeln im n.-ö. Lan- 
des- Archive. 

4 ) M. A. v. Becker, Topographie, II. S. 573. Stammbaum der Familie 
von Hof: 

Leupolt auf dem Hof 
(Ulrich und Konrad, 1264, Brüder des Vorigen?) 



Hermann. Eberhard. Ulrich. Peter (1266). Martein (1325). 

Gattin Ebbet. 



Ambeich. Chuen. Eberhard. Jans. Niclas (1377). 

Jans (1352), sein Geschwisterkind Pernolt von Hof (1349). 
Gattin: Anna, Tochter des Niclas Dörr von Altenburg. 



73 

Ausserdem sind uns aus dem Kaufbriefe von 1413 einige Adelige 
bekannt, die in Hof Besitz hatten. Es sind dies die schon genannten 
Wilhelm der Chreuspekch, Pernolt der Chlingenfurter und Friedrich 
der Stössl von Pestorf. Weder diese noch ein Glied der adeligen Familie 
von Hof hatte Hof ganz oder zum grösseren Teile als Eigentum, 
sondern nur kleinere Bruchstücke, wie wir das aus dem erwähnten 
Kaufbriefe wissen und aus der geringen Morgengabe für Frau Anna 
von Hof, die Gattin Pernolts. Die Vestc Hof war eben zu diesen 
Zeiten im Besitze der Herren von Eckartsau, deren Gattinnen auch 
eine andere Aussteuer aufwiesen, als Anna Dörr von Altenburg. 1 ) 
Die damals bestehende Veste Hof war aber nicht etwa das heute 
bestehende Schlosshof, sondern sie befand sich an der Stelle des 
heutigen Markt-Hof, und zwar in der Mitte desselben auf dem 
höchsten Punkt der dortigen massigen Bodenerhebung, beiläufig an 
der Stelle, wo jetzt sich das Gasthaus und die Häuser Nr. 59 und 
Nr. 42 befinden, wovon Nr. 59 bis in die Mitte der fünfziger Jahre 
unseres Jahrhunderts herrschaftliches Eigentum war, früher auch 
den Zoll Wächtern zum Gebrauche diente und — nebenbei bemerkt — 
das einzige einstöckige Gebäude in Markt-Hof ist. Diese Stelle 
musste überhaupt in jener Gegend zur Besiedelung anreizen, denn 
sie ist, wenn auch nicht hoch, so doch gegen die Umgebung so 
erhöht gelegen, dass sie weder von den häufigen Überschwemmungen 
der March noch von denen der Donau, wenigstens in neuerer Zeit, 
erreicht wird. Die Bauernhäuser liegen heute noch auf diesem 
sicheren Platze, auf dem sie gar oft wie eine kleine Insel sich aus- 
nemen, wenn ringsum alles Land zwischen Donau und March 
unter Wasser steht. Die meist niedriger liegenden Kleinhäuser leiden 
daher viel von den nicht seltenen und grossen Überschwemmungen. 

Für das hohe Alter von Hof spricht auch der Umstand, dass 
schon frühzeitig eine Pfarre daselbst bestand; denn ein Pfründenver- 
zeichnis des Passauer Bistums aus der Mitte des XIII. Jahrhunderts 
erwähnt, dass für die Pfründe Hof bei ihrer Verleihung 7 Pfund 
Pfennige zu zahlen waren, (-ollator der Pfarre war der Pfarrer 



') Kadolt III. Gattin Margareta von Slaet erhielt 600 Pfund Pfennige, 
Kadolt IV. Gattin Kunigunde von Kapeil 600 Pfund Pfennige, Leupolds Gattin 
Emtraut von Stubenberg 1000 Pfund Pfennige, und als seine Enkelin Katharina 
1469 die Erlaubnis erhielt, in Wien mit Johann von Sternberg Hochzeit zu halten, 
wurde diese Bewilligung dadurch eingeschränkt, dass nicht über 600 Pferde in die 
Stadt eingelassen werden dürften. (Becker, Topographie, II, S. 458 — 461.) 



74 

von Weikendorf, vermutlich deshalb, weil die Pfründe Hot aus 
dem grossen, 1115 angegebenen Pfarrbezirk von Weikendorf aus- 
gesehrieben wurde. 1 ) Wann die Kirche entstanden, wer **ie gebaut, 
wer die Pfarre errichtet, das ist unbekannt. Da Heinrich IV. am 
6. März 1067 auf die Fürbitte der beiden Kaiserinnen, der Mutter 
und der Gemahlin, dann Gebhards von Salzburg und Eppo's von 
Neuburg, ferner wegen der treuen Dienste Altmanns, der als Propst 
von Aachen Palastkaplan Heinrich III. gewesen und nach dessen 
Tod die Kaiserin in ihr Herzogtum Baiern begleitet hatte, der Kirche 
zu Passau die schon erwähnte Schenkung machte, so kann mög- 
licherweise Bischof Altmann von Passau (1065 — 1091), welcher 
Kirchen und Schulen gründete, auch die Kirchenmusik einführte, 
der Gründer der Kirche von Hof gewesen sein-), das auf seinem neu- 
erworbenen Gebiete lag. 

Anderseits ist wieder ein Beweis für das hohe Alter der 
Kirche in Hof der Patron derselben, der heil. Georg, welcher seit 
den ersten christlichen Kaisern in der morgen- und abendländischen 
Kirche gleichmässig gefeiert und im Mittelalter als Vorbild aller 
Ritterlichkeit, gleichsam als heil. Michael der Ritterschaft gefeiert wurde. 3 ) 



') Monumenta boica, Vol. XX VIII, P. II, p. 491. »In Curia VII. plebanus 
in weykkendorf.c Keiblinger behauptet (Melk, £1. 2, S. 405) statt >weykkendorff« 
müsse es Lawsse heissen; aber von Lassee ward Hof erst viel später abhängig-, 
wie das Folgende deutlich zeigen wird. Keiblinger schreibt weiter: »Für die Mitte 
des XIII. Jahrhunderts ist schon die Schreibung weykkendorff verdächtig, auch das y 
wie das ff (kk?). Im Schematismus vom Jahre 1429 fehlt Hof.« Das letzte ist 
wieder ein Irrtum, denn Hof steht dort drinnen. Allerdings können im XIII. Jahr- 
hundert schon die Eckartsauer Patrone der Pfarre von Hof gewesen sein. Da wäre 
Weikendorf an dieser Stelle ein Irrtum, der sich daraus erklären Hesse, dass man 
die frühere Zugehörigkeit Hofs zu Weikendorf eonstatierte. 

2 ) Altmann war ein Sohn Meginhards, Grafen von Lambach, Formbach und 
Putten. Seiner grossen Strenge wegen musste er sich nach Österreich flüchten, 
und lebte gewöhnlich in Mautern und verwaltete von dort aus den österreichischen 
Teil seines Bistumssprengeis. (F.W. Ebeling, Die deutschen Bischöfe bis zum Ende 
des XVI. Jahrhunderts. Leipzig 1858, S. 360 — 361.) 

•*) Über da« Leben des heil. Georg, von dem Georgien den Namen hat, 
steht wenig Sicheres fest. Es gab Urkunden über ihn, welche aber Papst Gelasius 
im Jahre 494 als unecht verwarf. Dass eine feste geschichtliche Unterlage bestand, 
kann um so eher angenommen werden, als in Constantinopel (in dessen Nähe 303 
zu Nikomedien St. Georg enthauptet wurde) sechs Kirchen dem heil. Georg 
errichtet wurden und der Meeresarm bei St. Georg Magganes der Arm des heil. 
Georg genannt wird. Der heil. Georg dürfte auch jener junge Mann gewesen sein, 
der bei Lactantius und Eusebius erwähnt wird, welcher zu Nikomedia die kaiser- 



75 

Dass die Pfarre am Beginne des XV. Jahrhunderts bestand, 
das wissen wir ans dem Kaufbriefe vom Jahre 1413, in welchem 
Kadjolt von Eckartsau seinem Vetter Leupold von Eckartsau auch 
die Erbtvogtei der Pfarrkirche in Hof verkauft. 1 ) Ausserdem wird 
dort noch ausdrücklich der Pfarrhef erwähnt und die »goczhauswis«, 
welche noch heute den Namen »Pfarrwiese« trägt, trotzdem dass 
sie schon länger als 200 Jahre nicht mehr Eigentum der Kirche ist 

Bischof Leonhard Laiminger von Passau (1424 — 1451) trat 
in seinem Bistum reformatorisch auf, begegnete grossen Schwierig- 
keiten, überwand sie aber durch ebenso grosse Klugheit als Nach- 
giebigkeit und verschaffte sich allgemeine Anerkennung. Er nam 
1429 selbst die Untersuchung der Klöster und ihre Reformation vor 
und setzte sie bis zum Jahre 1434 ernstlich fort. Von ihm stammt 
ein Pfründen Verzeichnis des Passauer Bistums aus dem Jahre 1429. 
Aeneas Silvius, sein Freund, sagt, er wäre fast übertrieben freigebig 



liehen Erlässe gegen die Christen herunterriss. In Constantinopel zählte er zu 
den vornemsten Patronen des Reiches. Sein Fest war ein Feiertag. Das Gross- 
furstentum Moskau und später das russische Kaiserreich fuhren sein Bild als Heer- 
schild im Wappen. Auch im Abendlande wurde der heil. Georg schon in den 
ältesten Zeiten verehrt. Einen neuen Aufschwung nam dieser Cultus durch die 
KreuzzUge. Die Kreuzfahrer stellten sich unter seinen besonderen Schutz und be- 
trachteten ihn als ihren ersten Schirmherrn. England bestimmte den Todestag des 
heil. Georg als Feiertag und stellte den Hosenbandorden unter seinen Schutz. 
Auch von Genua wurde St. Georg Schutzpatron. Mehrere geistliche Ritterorden 
und Rittergenossenschaften in Österreich, Baiern, Franken und Schwaben nannten 
sich nach ihm. Dieser Heilige ist der erste unter den sogenannten 14 Nothelfern 
und insbesondere der Patron der Soldaten. Die Erzählung des Kampfes des heil. 
Georg ist aus einem Missverständnisse der Abbildung des heil. Georg entstanden. 
Diese Darstellung [hat eine symbolische Bedeutung. Versinnbildet wird nämlich 
der wackere Rittersmann und Streiter gegen alles Böse. Der Drache, als dessen 
Besieger der heil. Georg erscheint, ist das Sinnbild des Bösen oder des Teufels, über 
welchen er durch seine Stand ha ftigkeit triumphiert hat. Nicht selten sitzt oder kniet 
auch ein Mädchen beim heil. Georg, welches der Drache zu verschlingen droht. 
Das ist die Stadt oder Gegend Nikomedia, welche den Schutz des heil. Georg an- 
ruft, denn Städte werden von der alten Kunst als Jungfrauen abgebildet, z. B. Rom. 
Nach der Rede des Demosthenes von der Krone krönte die Jungfrau Byzanz ihre 
Freundin Athen. (J. Aschbach, Kirchen-Lexikon, Frankfurt 1847, H, S. 935 — 936. 
— J. Kreuser, Bildnerbuch, Paderborn 1863, S. 280—281. — Acta Sanctorum 
der Bollandisten, 3. Bd., April, S. 100—164.) 

! ) Es heisst daher unrichtig bei Keiblinger (Melk, II. 2, S. 405): »Mit 
grösserer Sicherheit ist das Entstehen dieser Kirche und Pfründe erst nach dem 
Jahre 1334 anzunemen. Es sind aber keine über das XVI. Jahrhundert hinauf- 
reichenden Nachrichten über dieselbe auf uns gekommen.« 



76 

gegen Gäste und Arme gewesen. 1 ) In diesem Pfarrverzeichnisse 
vom Jahre 1429 kommt auch unser Hof vor unter dem Namen 
Höfen mit dem Patrone »Eckartzauer.« 2 ) Für die Verleihung der 
Pfarre, die damals zum Deeanate Korneuburg gehörte, waren acht 
Pfund Pfennige zu zahlen. Mehr ist uns aber über die damalige 
Pfarre Hof nicht überliefert worden, was uns übrigens nicht wundern 
darf, wenn wir bedenken, dass ihr fortwährender Bestand durch mehr 
als hundert Jahre unterbrochen wurde, und wie oftmals Hof Feinde 
in seinen Mauern sah, die alles zerstörten und verbrannten. 

Ein w r enig mehr erfahren wir später aus dem Visitationsbuche 
vom Jahre 1544, in dem es heisst: >Nach Anzeigung der Zechleute 
soll der von Volckhenstorf und der von Polhaim Lehenherr sein. 
Die Zechleute zeigen auch an, haben dieser Zeit keinen Pfarrer, 
sondern (er sei) vor zwei Tagen abgezogen. Es ist jederzeit ein 
Priester daselbst gewesen, jetzt aber vaciert die Pfarre. Pfarrer hat 
kein ander Einkommen, dann den dritten Theil im Zehent beiderlei 
(schweres und geringes Getreide» 7 oder 8 Muth. Äcker in alle 
Feld 10 Joch. Die Gemein gibt einem Pfarrer zu dessen stattlicher 
Unterhaltung 18 Pfund Pfennig. Zeigen auch an, der Pfarrhof sei 
in gutem und die Kirche in ziemlichem Bau. Die Kirche hat kein 
ander Einkommen, dann die Sammlung, die dann schlecht ist.« 3 ) 

Dass im Visitation sbuche von 1544 die Herren von Volkens- 
dorf und Polheim als Lehenherren der Pfarre Hof genannt 
waren, lässt sich daraus erklären, dass sie Rechtsnachfolger der 
Herren von Eckartsau durch ihre Gattinnen Apollonia und Anna 
waren. 4 ) Man kann daraus schliessen, dass die beiden Schwestern und 



') F. W. Ebeling, a. a. O., S. 366. 

•) Pius Schmieder, Matricula episcopatus Passaviensis saeculi X\ T,i Wels, 
1865, S. 34. Freiherr von Hormayr veröffentlichte die Pfarren des Wiener Deca- 
nates nach der Handschrift vom Jahre 1476; Anton Klein veröffentlichte nach der- 
selben Handschrift die Pfarren, die im heutigen Osterreich liegen, in seiner 
Geschichte des Christentums in Österreich und Steiermark, Wien, 1841, 3. Bd., 
S. 27ö, jedoch mit Unrichtigkeiten und ohne die Taxen beizusetzen. Als andere 
Pfarren, über welche die Eckartsauer Patrone waren, finden wir 1429 bezeichnet: 
Eckartsau, Breitenweida, Sonnberg, Stopfenreut mit einer Kapelle. 

3 ) Keiblinger, Melk, U. 2, S. 405—406. 

4 ) Auch Keiblinger (Melk, IT. 2, S. 421) schliesst das, meint aber, dies sei 
>nur so zu neincn, dass dieselben auf diesem Gute ihrer Gemalinnen eigenmächtig, 
den Rechten des Stiftes Melk zmvider, einen protestantischen Pfarrer einsetzten. < 
Rechte des Stiftes Melk wurden nicht verletzt, da die genannten Herren wirklich 
das Patronatsrecht über die Pfarre, als Erben des letzten Eckartsauers, besassen. 



77 

ihre Gattin dies ihr Erbe, Hof, einige Zeit gemeinschaftlich besassen. 
Zum mindesten besassen die Söhne der Anna von Polheim Hof 
wieder allein, ohne die Volkensdorf als Mitbesitzer an der Seite zu 
haben. Dies erhellt aus einem Urbarium der Herrschaft Hof aus dem 
Jahre 1639, in welchem bemerkt ist, dass Andreas von Polheim für 
sich und seine Brüder Paul, Merten, Ludwig, Sigmund, deren Vor- 
münder Johann Graf zu Schaunberg, Erbmarschall in Österreich und 
Steyer, und Weikhardt Freiherr zu Polheim und Graf Wartenberg, 
waren, Hof besitze. 1 ) Andreas Freiherr von Polheim war der Sohn 
Sigismund Ludwigs, aus der Linie zu Polheimb in Wels. Er war 
geboren im Jahre 1528, war 1565 bis 1578 Ausschuss des Herren- 
standes ob der Enns, war dreier Kaiser Rath und Landrath ob der 
Enns, 1568 war er Kaiser Maximilian IL obrister Feldherr und starb 
am 21. August 1589 zu Polheim. 2 ) Der Verkauf von Hof dürfte 
daher in den fünfziger Jahren des XVI. Jahrhunderts stattgefunden 
haben. Als Käufer ist im genannten Urbarium Eustachius Prankh 
zu Rickerstorf genannt. Von diesem erbte es sein Sohn Friedrich 
von Prankh, der auch im Jahre 1572 als Besitzer im niederöster- 
reichischen Gültenbuche erscheint. Derselbe war mit Rosina, geborne 
Dörrin von Deutsch- Altenburg vermählt, welche am 10. Mai 1598 
starb, bei welcher Gelegenheit Friedrich von Prank für seine Gattin 
und für sich ein Grabdenkmal aus rotem Marmor anfertigen Hess, 
welches in der Mitte sein und seiner Gattin Wappen enthält, ober 
welchen die Grabinschrift für Friedrich von Prankh, unter welchen 
die für seine Gattin eingemeisselt ist. 3 ) Friedrich von Prankh starb 
im Jahre 1627. Unter diesem Besitzer von Hof war es, dass der 



') Archiv in Schlosshof. 

2 ) »Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich«, 1881, S. 97. 
Über des Andreas Söhne Andreas Wolfgang und Sigmund Ludwig ebendaselbst. 

8 ) »Hie ligt begraben der edl vnd gestreng Herr Friederich von Prankh 
zum Hoff an der March welcher in Gott seliglichen entschlafen ist den . . . (leer) 
im 1 . . . Jaer deme und uns allen Gott durch Christum ein fröhliche Aufers teung 
verleihen wolle. Amen. (Zwei Wappenschilde.) 

Hie ligt begraben die edl vill ehr vnd thvgentreiche Fraw Rosina von Prankh 
geborne Dörrin von Dewtschen Altenbvrg Herrn Friedrichen von Prankh zum Hof 
an der March eheliche Gemahel welche in Gott entschlaffen ist den 10. Dag May 
des 1598 Jares Gott der Allmachtig wolle Ihr vnd vns allen gnedig vnd barm- 
herzig sein vnd ein fröliche Aufersteung verleihen wollen. Amen.« Bis in die 
dreissiger Jahre unseres Jahrhunderts befand sich dieser Grabstein beiläufig mitten 
in der Kirche (vor dem Altare des heil. Leonhard); jetzt befindet er sich an der 
Nordwand der Kapelle der heil, vierzehn Nothelfer. 



78 

Ort Hof nicht mehr der Aufenthaltsort seines Besitzers oder dessen 
Stellvertreters war, vermutlich wegen der häufigen Überschwem- 
mungen, die früher noch schädlicher und lästiger gewesen sein 
mochten, sondern dass auf dem schon genannten »Hofer Berg«, 
einem Hügel bei Hof (etwa eine halbe Stunde weit entfernt), ein 
Schloss für den Herrn von Hof gebaut wurde, das den Namen 
Schlosshof trägt, zum Unterschiede vom Markte Hof. In dem schon 
öfters erwähnten Urbarium von 1639 heisst es nämlich: »Das Schloss 
Hof an der March so von weyl: Herrn Friederichen von Prankh 
seel : sambt dem dabeyliegenden Mayerhof, Stall, Städl, Gärtten und 
Teuchteln erst zugericht und erbaut worden.« Trotzdem finden wir 
bei Schweickhardt *), Keiblinger 2 ) und Arneth 3 ) die Behauptung, 
Schlosshof sei vom Freiherrn von Gienger erbaut worden, weshalb 
auch noch das Wappen der Gienger an einem Pfeiler im Bogen- 
gänge des Erdgeschosses des Schlosses angebracht sei, während doch 
dies Wappen das Friedrichs von Prankh ist und mit dem auf seinem 
Grabsteine angebrachten vollkommen übereinstimmt. Das Wappen 
der Familie Gienger war ja ein ganz anderes, wie aus Wissgrill zu 
ersehen ist. 4 ) 

Durch die Familie Prankh wurde Hof protestantisch gemacht, 
wenn dies nicht schon durch die Polheim — wenigstens zum Teile — 
geschehen war. Ulrich von Prankh, der bei Raupach 5 ) 1580 auch 
Besitzer von Hof genannt wird (vielleicht war er Mitbesitzer), besass 
um 1570 Niederweiden mit Engelhartstetten. Er war ein eifriger 
Anhänger der neuen Lehre und hatte bereits Bockflüss, wo er 1572 
als Besitzer erscheint, protestantisch gemacht. In der Nähe von 
Hof, in Marchegg und Ort, befanden sich flaccianische Prediger. Im 
Jahre 1568 stellte Kaiser Maximilian den lutherischen Ständen 
Niederösterreichs gegen Übername von 3,600.000 Gulden Staats- 
schulden die Erklärung aus, er wolle ihnen erlauben, auf ihrem 
Grund und Boden, in ihren Schlössern und Häusern, sowie in ihren 
Patronatskirchen ihre Religion nach dem Augsburger Glaubens- 
bekenntnisse frei auszuüben. Da nur fünf von den Standesherren 
katholisch waren, so gab es bald im V. U. M. B. 90 protestantische 



') V. U. M. B., VII. Bd., S. 9. 

2 ) Melk, II. 2, S. 418. 

3 ) Prinz Eugen III, S. 80. 

4 ) III. Band, 8. 327. 

*") Evangelisches Österreich, II, S. 322. 



79 

Pfarren, zu denen auch Hof gehörte. 1 ) Protestantische Geistliche von 
Hof sind uns vier bekannt. 

Am St. Johannes des Täufers Abend 1552 machte der Pfarrer 
von Hof Vitus Kuhn sein Testament. Er sagt in demselben auch: 
»Zum Vierten schaff ich meinen zweien Kindern, welche ich gehabt 
hab bei meiner ehelichen Hausfrau, der Gott gnad, ehe ich Priester 
bin worden, dem Knaben genannt Jodl eine Khue und ein Kalben, 
dem Maidlin, genannt Ursi, mein Bettgewand, Hausgeräth, eine Khue 
und eine Truhen.« Vom Überflüsse war der Mann sicher nicht 
geplagt gewesen. 

Am 23. Juni 1579 erschien vor dem Consistorium Vitus Felber, 
früher Pfarrer in Göls, jetzt Provisor in Hof, und wurde examiniert. 
Er gab an, er sei 1563 vom Bischof zu Meissen in Merseburg 
ordiniert worden, habe in Graz primiziert, sei in Semriach bei Graz 
Pfarrer geworden, habe die Tochter eines Beamten geehlicht, sei 
dann Pfarrer in Göls geworden, habe aber nie eine lateinische Messe 
gelesen. Der Official fügte dem Protokolle bei: von den Glaubens- 
artikeln weiss er nichts, sondern antwortet wie alle Protestanten. 
Felber wurde in Arrest genommen und aufgefordert, binnen drei Tagen 
zu erklären, ob er katholisch werden oder protestantisch bleiben wolle. 2 ) 

Im Jahre 1580 wurden vom 13. bis 22. September für das 
V. U. M. B. in Enzersdorf im langen Thal und in Feldsberg Visi- 
tationen der protestantischen Pfarren gehalten. Aus Hof erschien in 
Feldsberg vor dem Visitator Dr. Backmeister Georg Österreicher. 
Derselbe war zu Iglau 1544 geboren, hatte daselbst die Schule besucht 
und war in Prag ordinirt worden, trotzdem er nicht einmal die lateinische 
Sprache verstand. Er wurde Protestant und hielt sich zwei Jahre 
bei Herrn Schortenberg zu Bergen auf. Als er dort vertrieben 
worden, wurde er um St. Georgii 1580 zu Markt-Hof Pfarrer; als 
solcher stand er unter dem Herrn Ulrich von Prankh. Die Visitatious- 
acten berichten, dass er keine eigene Bibel besessen, sondern sich 
nur eine von seinem Herrn ausgeliehen hatte; er besass aber die 
Augsburgische Confession nebst der Apologie wie auch die beiden 
Katechismen und Postillen Luthers. Obwol damals unter den Pro- 



') Im V. O. M. B. waren 1580 186, im V. U. W. W. 50, im V. O. W. W. 94 
protestantische Pfarreien. 

-) Dr. Th. Wiedemann, Reformation und Gegenreformation im Lande unter 
der Enns. Prag, 1882, 3. Bd., S. 404. Nach den f. e. Consistorial- Protokollen. 



80 

tetstanten der Streit über die Erbsünde viel Unfrieden anstiftete, 
so kümmerte sieh Österreicher nicht viel darum. Er drang in solche 
Spitzfindigkeiten der Flaccianer und ihrer Gegner gar nicht ein. 
An jedem Sonntag predigte er einmal, nachdem er vorher der 
Gemeinde die sechs Hauptstücke des Katechismus vorgelesen hatte, 
wiederholte Nachmittags mit den Knaben den Katechismus und 
erklärte Freitags die Epistel. Er bediente sich der österreichi- 
schen Kirchen- Agende, Hess Luthers Gesänge singen und gebrauchte 
auch die Einzelnbeicht und Lossprechung. Mit der Taufe und Not- 
taufe hielt er sich nach Veits Dietrichs Agende. In seiner Gemeinde 
wurden für alle Täuflinge drei Gevattern aufgestellt, die aber 
manchmal gewechselt wurden. In manchen Gemeinden herrschte 
nämlich der Missbrauch, dass für alle Täuflinge ein und derselbe Pathe 
bestimmt war. Österreicher communicierte nicht selbst mit der Ge- 
meinde, sondern bei seinem Nachbar, weshalb er ermahnt wurde, 
sich selbst auch zu communicieren. Bis dahin hatte er noch keine 
kirchliche Strafgewalt ausgeübt, machte aber bei dem Begräb- 
nisse einen Unterschied zwischen Frommen und Gottlosen. Er führte 
auch Geburts-, Trauungs- und Sterberegister. Die Kirche in Markt- 
Hof war vor einem Jahre (1579) abgebrannt. Es gab bei derselben 
keine Sammlung für die Armen, es fehlte auch eine Schule für die 
Jugend. Als Österreicher geprüft wurde, da trat seine volle Un- 
wissenheit zutage; nicht einmal die Frage über das Abendmahl 
aus Luthers Katechismus konnte er beantworten, weshalb er einen 
argen Verweis erhielt und ermahnt wurde, fleissiger zu studieren, 
»damit er nicht um eine Handvoll Gerste und um eines Bissen Brotes 
willen ein Kirchendiener wäre«. Herr Hartmann von Liechtenstein 
zu Feldsberg auf Eisgrub wohnte als kaiserlicher Rath und Com- 
missär des niederösterreichischen Herrenstandes dieser Visitation und 
Prüfung der protestantischen Prediger bei und gab Österreicher noch 
die gute Lehre: »Wenn Ihr wollt Andere lehren, sollt Ihr zwar 
mehr wissen, dann Ihr jetzt gesagt habt.« 1 ) Österreicher erhielt 
aber doch ein Zeugnis. Von den Registern, die Österreicher geführt 
hatte, ist nicht ein Blatt mehr vorhanden. 

Am 21. Juni 1610 ist ein Pfarrer in Markt-Hof im Pfarr- 
gedenkbuche verzeichnet, namens Samuel Braccius, ein Schlesier aus 
Bittinern, der jedenfalls auch ein protestantischer Geistlicher war, über 



') Raupach, Evangelisches Österreich, 2. Fortsetzung, S. 322 — 323. 



81 

den aber nichts Näheres bekannt ist. 1 ) Der Protestantismus war auch 
Schuld, dass die Pfarre Hof zeitweilig eingieng. Höchst wahrschein- 
lich geschah es unter Friedrich von Prankh, dass das Einkommen 
der Pfarre und auch die dazu gehörigen Grundstücke eingezogen 
wurden, wofür der von des Herrschaftsbesitzers Gnaden aufgenom- 
mene Pfarrer von diesem seinen nötigen Lebensunterhalt erhielt. Die 
Adeligen eigneten sich die Gerichtsbarkeit über rein kirchliche Dinge zu, 
wie z. B. über Ehesachen, Kirchengüter, Zehente, Testamente sind, auch 
über die Verlassen schaft von verstorbenen Geistlichen; sie stellten bei 
ihren Patronatskirchen nicht bloss protestantische Geistliche an, küm- 
merten sich nicht um die Jurisdiction von Seite des Bischofs und ent- 
liessen die Geistlichen nach Willkür, sondern zogen auch alte Stiftungen 
und Einkünfte der Kirchengüter unter allerlei Vorwänden, selbst 
mit Gewalt, ein. Klagten die Beschädigten bei der Regierung, so 
erfolgte lange Zeit kein entscheidender Spruch, da viele Beamte 
der neuen religiösen Bewegung huldigten, und so blieben die pro- 
testantischen Edelleute im Besitze, zumal den Katholiken die recht- 
lichen Beweismittel bei Gelegenheit der Sperre und Inventur von 
heimlichen Protestanten abgenommen worden waren. 2 ) Ein Freiherr 
von Prankh führte den Protestantismus auch zu Raxendorf, das zur 
Diöcese St. Polten gehört, ein. 3 ) 

Die Anfänge des Protestantismus in Hof können auch von der 
Familie Polheim noch herrühren, welche reichbegü terte Familie der 
neuen Lehre zugethan war und für die Ausbreitung derselben auf 
ihren Besitzungen mit Eifer sorgte; so im Gebiete der Diöcese 
St. Polten zu Rastbach, Ottenschlag, Gobelsburg, Buchberg, Mayers 
und Aggstein. 



') Keiblinger (Melk, II. 2, S. 407) meint, ob nicht Bittinern Bittau im Trop- 
pauer Kreise sei. Nach der weiteren Angabe des Pfarrgedenkbuches war damals 
Laurenz Weiss Richter in Hof. 

2 ) Kersch baumer, Geschichte des Bistums St. Polten, I, S. 326. Der Prediger 
Prätorius zu Gobelsburg versichert, dass der protestantische Adel fast durchgängig 
das reiche Kirchengut an sich gezogen, dessungeachtet aber dem Pastor nur einen 
mageren Sold reiche; nur auf seinen Vorteil sehend, sich um Kanzel und Kirche 
nicht bekümmere; ja es sei Gewohnheit, die Pastoren Übel zu behandeln und sie 
ohne Ursache zu entlassen; oft sei eine Kirche über ein halbes Jahr ohne Prediger. 
(Raupach, Ev. Ost. II. Bd., S. 14&) 

# 3 ) Kersch bau ra er, a. a. O., S. 337. 

4 ) Kerschbaumer, a. a. O., S. 333. 
Blttter des Vereines fUr Landeskunde von Miederösterreich. 1889. H 



82 

Samuel Braccius dürfte der letzte lutherische Pfarrer in Hof 
gewesen sein, da von einem Nachfolger keine Spur zu finden ist; 
in dem Pfarrverzeichnisse von 1666 ist zwar die Pfarre »Höfen« 
angegeben, aber dabei ist bemerkt, dass daselbst wegen des Mangels 
aller Einkünfte kein Priester mehr sich befindet 1 ) Die Degenrefor- 
mation unter Kaiser Ferdinand IL wird wol auch nach dem Tode 
oder Abgange des Samuel Braccius die Anstellung eines neuen pro- 
testantischen Pastors verhindert haben. 

Im n.-ö. Gültenbuche finden wir nach Friedrich von Prankh 
(1572) Melchior Graf von Kain im Jahre 1623 als Besitzer von 
Hof angeführt, der nach derselben Quelle diese Herrschaft durch 
Kauf von Friedrich von Prankh an sich gebracht hatte. Melcliior Kaih 
von Predel auf Wolkenstein, Reichshofrath unter den Kaisern Mathias 
und Ferdinand II., wurde 1636 in den Reichsgrafenstand erhoben. 
Er stammte aus Meissen, war zuerst Protestant, dann Katholik. 2 ) In 
Steiermark war er Hofrath des Erzherzogs Ferdinand gewesen und 
hatte dem Hause Osterreich bei Gesandtschaften und auf dem 
Reichstage zu Regensburg wichtige Dienste geleistet. 

In dem schon erwähnten Urbarium vom Jahre 1639 3 ) ist des 
Besitzers, des Grafen Kain, der Hof nur kurze Zeit besass, gar nicht 
gedacht, sondern es heisst nach der Anführung des Friedrich von 
Prankh als Besitzers von Hof »dann auf dessen Eheleibliche einige 
hinterlassene Tochter Frauen Elisabethen Giengerin, gebohrnen von 
Pranck etc. folgends auf dero einigen hintorlassenen Eheleiblichen 
Sohn, dem Wohlgebohrnen Herrn Herrn Hannss Sigmunden Gienger 
Freyhn : von und zum Grünen Püchel etc. Erblichen gefallen, anjetzt 
jüngstverwichenen 1638. Jahr aber nach Tödtliehen Hintritt ge- 
dachtes Herrn Hannss Sigmunden Giengers Freyherrn seel : auf mich 
Hannss Jacoben Gienger Freyherrn etc. per Testamentum ordentlich 
transferiret, legirt und verschafft, hierauf . auch durch hiezue Von 
dem löbl. L. M. Gericht aus wohl Deputirte Herren Commissarien, 
dem Wohlgebohrnen, auch Wohl Edlen und gestrengen Herrn Herrn 
Ferdinand Jacoben, Herr von Weltz, Freyherrn auf Eberstein, Herrn 
Von und zu Leoperstorff etc. und Herrn Christophen Adam Fern- 
borger Von Egenburg etc. Erb-Cammerera in Oesterreich ob der 
Ennss etc. Vermög Ihrer hernacher, und hirüber unter dato den 

') Manuscript im Wiener i\ e. Consistorialarchive. 
') Wiftggrill, Schauplatz, V. Bd., S. 4. 
•*) Im Archive zu Schiedshof. 



83 

18 ,,u Tag Monaths July diess kniffenden 1639 ,cn Jahres bey dem 
löbl. Land Marschall: Gericht eingegebenen relation, gerichtl*" ein- 
geantworttet worden*. Im n.-ö. Gültenbuche lesen wir aber nur 
Hanns Jacob Freiherrn von Gienger 1640 als Besitzer der Herr- 
schaft Hof an der March, freilich mit dem Zusätze als »Erbschaft 
von Hanns Sigmund Freiherrn von Gienger«. Das damals ange- 
legte Urbarium erhält auf 43 Folioseiten ein deutliches Bild der 
Herrschaft Hof >nrit allen derenselben Herligkeiten, Obrigkeiten, 
Landt-Gerichten, Freyheiten, Mannschafften, Gülten, Dienst-Märckten, 
und Marckts- Freyheiten, Dörffern, Mayrhöfen, Weingärten, Wein- 
und Getraidt: wie auch gross- und kleinen Zehendt, Gejaidcn, Auen, 
Wildt-Bahn, Wisen, Wissdiensten, Weyden, Höltzern, Mauth, Uhr- 
fahr, Brait-Aecker, Fischwevden und andere belehent« und unbe- 

/ '4.' 

lehents Ihr jedes mit seinen Nutzungen ein- und zugehörungen < . 

Aus diesem Urbarium erfahren wir auch eine interessante 
Thatsache, die bisher öfters irrig angegeben wurde. Es heisst darin 
nämlich: »Das Schloss Hof an der March, so von Wevl: Herrn 
Friederichen von Pranck seel: sambt dem dabey liegenden Mayrhof, 
Stall, Städl, Gärten, und Teuchteln, erst zugericht und erbauet 
worden.« Es heisst aber sowol bei Schweickhardt 1 ) als auch bei 
Arneth 2 ) und Keiblinger, 3 ) ein Freiherr von Gienger habe Schloss- 
hof erbaut. Diese Ansicht stützt sich zumeist darauf, dass dieses 
Schloss im Munde des Volkes lange Zeit hindurch »das Gienger- 
sehlösschen« genannt wurde, was sich aber ebenso gut aus dem 
Namen des Besitzers erklären lässt. Und hätte wirklich Hanns 
Sigmund Freiherr von Gienger, wie Keiblinger annimmt, Schlosshof 
erbaut, würde nicht sein Sohn in dem an Ort und Stelle 1639 zu- 
sammengestellten Urbarium, ihm, seinem Vater, diese Ehre gelassen, 
und nicht seinem Grossvater mütterlicherseits, Friedrich von Pranck, 
zugeschrieben haben? Noch auf etwas stützt sich die Ansicht, ein 
Gienger sei der Erbauer von Schlosshof, das ist aber ein offener 
Irrtum, nämlich auf ein Wappen, das im Bogengänge des Schlosses 
angebracht ist und welches bei den genannten Schriftstellern für 
das freiherrlich Giengersche Wappen ausgegeben wird, was es aber 
nicht ist, da es dasselbe Wappen ist, welches sich auf dem Grab- 
steine Friedrichs von Prankh in der Kirche zu Hof befindet, welcher 

') V. u. M. B., VII. Bd., 8. 9. 

2 ) Prinz Eugen von Öavoyen, III. Bd., .S. 80. 

Melk, II. 2, S. 424. 

6* 



84 

Stein nicht etwa zusammengesetzt ist, sondern aus einem Stücke 
besteht. 1 ) 

Der Grund, warum die Veste Hof von dem Herrschaftsbesitzer 
verlassen wurde, finden wir bei Schweickhardt und Keiblinger 
richtig angegeben. Die alte Veste war zu wenig geräumig, 
dann auch schon ihres Alters wegen baufiillig und allzuhäufigen 
grossen Überschwemmungen ausgesetzt, als dass sie einen gar ver- 
lockenden Aufenthaltsort für einen Herrschaftsbesitzer hätte abgeben 
können. Hingegen ist die Lage des jetzigen Schlosses eine vor 
den Fluten der Donau und der March gesicherte auf einem massig 
hohen Hügel, der eine weite und hübsche Fernsicht bietet. Die 
Gegend um das neue Schloss war als gesünder und freundlicher 
der niedriggelegenen um die Veste bei weitem vorzuziehen. Ausser- 
dem war beim Schlosse die Jagd ergiebiger, während in der Nie- 
derung das Wild sehr oft vom Hochwasser teils verscheucht, teils 
vernichtet wurde. Dass die Baumaterialien für das neue Schloss 
von der aufgegebenen Veste genommen wurden, macht es er- 
klärlich, dass von letzterer heute nur äusserst karge Überreste 
mehr existieren. 

Der erste der Familie Gienger, w r elcher durch seine Gattin 
Markt-Hof besass, war Niclas von Gienger, welcher sich am 15. Oc- 
tober 1599 mit Elisabet von Prankh vermählte. Diese Elisabet war 
die Tochter Friedrichs von Prankh aus dessen zweiter Ehe mit 
Christiana Küttenfelder. Niclas Gienger zu Grünbühel bei Kilb 
wurde am 1. Mai 1608 in den Freiherrnstand erhoben und am 
30. Juni 1635 in den niederösterreichischen Herrenstand eingeführt. 
Er starb im Jahre 1636 im Alter von 79 Jahren. Er war ein 
sehr eifriger Protestant. Er hatte den Pastor Samuel Braccius 
in Hof augestellt. 2 ) Niclas Freiherr von Gienger war dreimal 

v ) Das in Schlosshof angebrachte Wapj>en stimmt auch ganz und gar nicht 
Uberein mit der Beschreibung des Wappens der Freiherren von Gienger bei Wiss- 
grill (Schauplatz, III. Bd., S. 327), wol aber mit der Abbildung und Beschreibung 
des Wappens der Familie Prankh bei Hoheneck (Geneal.-histor. Beschreibung der 
Stände ob der Enns, II. Teil, S. 161). 

-) Pfarrgedenkbuch in Hof. Nächst der Göttweig'schen Pfarrkirche Kaben- 
stein Hess Gienger ein hölzernes Haus für den von ihm unterhaltenen Prediger 
errichten, welcher alle Gerechtigkeiten wie die früheren Pfarrer erhielt, so dass 
kein katholischer Pfarrer daselbst mehr erhalten werden könne. Das Opfergeld 
der St. Veitskapelle bei Kilb eignete er sich zur Hälfte zu. (Ke rschbaunier, 
a. a. O., I. Bd., S. 446.) 



85 

vermählt. Das erstemal mit Anna Maria von Särentheim, das 
zweitemal mit Maria Freiin von Windischgrätz, das drittemal 
endlich mit Elisabet von Prankh, welch letzterer Ehe nur ein Sohn, 
Hanns Sigmund, entspross, der den Vater um zwei Jahre über- 
lebte, indem er 1638 starb. Ihn beerbte sein Stiefbruder Hanns 
Jakob von Gienger, der mit Maria Magdalena Freiin von Ratschin 
verheiratet war. Dessen Sohn hiess Paul Jakob, der Hofkammer- 
rat h wurde, während seine Töchter Rebekka, Regina, Anna, Elisabet 
und Katharina hiessen. Anna war vermählt mit Johann Ernst Frei- 
herrn von Concin. 1 ) 

IL 

Zur Herrschaft Hof an der March gehörten nach dem Urbarium 
von 1639 der »Markt zum Hof etc. das DoriF Leomanstorff wie 
auch die Vesten und das Dörffl Stopfenreich«. Wann Hof ein 
Markt wurde, ist unbekannt. Noch 1456 wird Hof ein Dorf ge- 
nannt, als nämlich König Ladislaus am 14. August 1456 dein Georg 
von Eckartsau das Gericht auf allen Lehen und Gütern sammt 
dem Markte Stopfenreuth und den Dörfern Leubmannsdorf (Loimers- 
dorf), Gerlos (ein untergegangener Pfarrort bei Eckartsau) und Hof, 
was den Tod berührt mit Stock und Galgen und zur Veste Stopfen- 
reuth gehört, übergab. 2 ) Dass aber Hof, wenn nicht mehr im XV. Jahr- 
hundert unter Friedrich III., so doch gewiss im XVI. Jahrhunderte 
zu einem Markte erhoben wurde, lässt sich aus dem Urbarium von 
1639 schliessen, wo es ausdrücklich heisst, Hanns Jakob Freiherr 
von Gienger habe die Herrschaft Hof an der March mit allen 
> Dienst- Märckten und Marckts-Freyheitenc u. s. w. übernommen, 
wie sie Andreas von Polheim und seine drei Brüder Paul Merten, 
Ludwig und Sigmund dem Eustachius von Pranck zu Rickerstorff 
»gegen genugsamber Vergleichung« verkauft haben. Die Markt- 
säule steht noch heute in jenem Teile des Ortes, der vor Über- 
schwemmungen ziemlich geschützt ist. Markt wird schon lange 
Zeit hindurch keiner mehr gehalten. Da die Gasse des Ortes nicht 
genügenden Raum zur Abhaltung eines solchen bot, so wurde der- 
selbe», im Osten des Ortes zwischen den Häusern und der Au ge- 
halten. Dieser Platz heisst heute noch das >Kramergässchen«, 
aus welchem Namen Manche schliessen, Hof sei dereinst grösser 

') Wisflgrill, Schauplatz, III. Bd., S. 324—327. 

~) Notizenblatt der k. k. Akademie der Wissenschaften, IV. Bd., S. 23 — 24. 



86 

• • 

gewesen und der Name des Kramergässchens sei noch das Über- 
bleibsel einer ehemaligen Gasse von Hof. 1 ) 

Von König Ladislaus erhielt Jörg von Eckartsau ein grosses 
Recht, dass er auf seinen Gütern, auch in Hof, über Leben und 
Tod richten durfte. Früher war in Hof, wie das aus dem Kauf- 
briefe von 1411 erhellt, nur ein Dorfgericht oder eine Hofinark- 
gerichtsbarkeit , ein niederes Gericht, denn über Leben und Tod 
wurde in Marchegg entschieden, nun erhielt Georg von Eckartsau 
auch die höhere Gerichtsbarkeit, ein Landgericht Besonders über 
drei Verbrechen durfte nur das Landgericht entscheiden, das waren 
Mord, Diebstahl und Notzucht, dem manchesmal ein viertes: Brand 
beigefügt wird. Der Galgen wurde, wie wir sehen werden, in Hof 
mehrmals aufgerichtet. 

Über Markt-Hof heisst es aber im Urbarium: >Ist solcher ein 
freyes Eigen: Hof ein Marckt gehört zu obgedachten Schloss Hof 
an der March, gestifft und ungestifft mit allen Freyheiten, Obrig- 
keiten, Robathen, und Marckts-Freyheiten, auch mit Stock- und 
galgen und allen Malefiz- und Landgerichts Versehen, sambt dem 
Fischwasser auf der March, und Seen, Item Wissmathen, Ackern 
und dergl: wie oben im Landgerichts Bezürck begriffen, und wie 
von alters herkommen und gebraucht worden ist dazu mit allen 
kleinen Zehendt und zweien Drittl des Getrevdt-Zehendts daselbsten.« 
Nach Aussage des Richters waren in Hof 18 behauste Güter' 2 ) und 
10 Hofstätten > bisweilen weniger « 7 da bei diesen Häusern gar kein 
Grund ist, >dero wegen eines bald bewohnt, bald auch nicht bewohnt, 
sondern verlassen wird und öd stehet«. Die Hofsttitter zahlten mit- 
sammen für 6 Häuser, wobei sie von den andern auch unterstützt 
wurden. 3 ) Für 24 Häuser in Hof wurden jährlich 54 Gulden Steuer 
gezahlt, also vom Haus 2 Gulden 2 Schilling. Steuer und Dienst 

J ) Vgl. die Schulchronik von Hof. 

2 ) Richter war damals Nicolau» Schwämme!, Geschworne waren Hanns 
Rottenbacher, Hanns Eberhart, Hanns Castner, Simon Prenner. Die behausten 
Güter besassen: Stephan Metzger, Jury Kleinreich, Jury Peterey, Hannsz Eberhart, 
Jury Grabano witsch, Georg Pinder, Hannsz Kastner, Nicol. Schwämmel, Barthl 
Heider, Jodl Brandstätter, Stephan Peterey, Georg Themel, Blasy Früwaldt, 
Hannsz Binter, Simon Brenner, Wästl Schwämmel, Michl Preinreich und Pongrätz 
Leussganjr. 

3 ) Die damaligen Hofstätter waren: Wästl Klein. Hieszl Pfnnzolt, Hanns 
Rottenbacher, Hannsz Freudl, Andree Koller. WolrY Kirschner, Georg Lentz. Valentin 
Schank, Wolft* Schlauminger und Hannsz Weckenhaan. 



87 

betrug für ein Haus 4 Gulden 9 Pfennig. Die Steuer wurde ins 
Landhaus, der Dienst aber der Herrschaft entrichtet. Jedes ge- 
stiftete Haus besass drei Joch Acker in jedem Feld und Uberländ- 
äcker und ein Joch von der Herrschaft. Die gestifteten Häuser 
mussten ausserdem jährlich im Schloss jedes 6 Gulden 6 Schilling 
9 Pfennige (alle zusammen 42 Gulden 7 Schilling 6 Pfennig) zahlen 
und Hühner und Eier geben wie »landbräuchig«. Ausserdem waren 
die Unterthanen der Herrschaft schuldig: »Gehorsam, Robath und 
andere der Herrschaft fürfallende Arbeit zu Hauss und zu Feld 
mit Verrichtung der Hand Robath Thungführen, als auch Ackern, 
Schneiden, Tretten, Mähen, und Einführung des getraydts, Hey, 
Krauth und Rueben oder was sonsten einer Hersch : das Jahr durch 
fürfallet und noth wendig ist«. Dafür genossen die Unterthanen 
von der Herrschaft Wiesen um einen »leidentlichen Züns« (etwa 
50 fl.) und die sogenannten Preinäcker um 138 fl. 36 kr. Pachtzins. 

Das Urfahr und die Maut zu Hof wurde einer >vertrautten 
Persohn«, Hanns Eberhart, übergeben, der wöchentlich Rechnung 
legte. Die Einhebung der Maut geschah nach einem alten Register 
»wie vor alter Zeit gebräuchig gewesen«. 

Die Fischerei muss damals ergiebig und einträglich gewesen 
sein, denn es waren für das Recht derselben 40 fl. zu bezahlen 
und die Fischer mussten das Schloss alle Freitage »mit einem guten 
Essen Fisch sowol auf des Herrn- als gesündts - Tisch versehen« 
oder einen Gulden zahlen; fiengen sie »einen Haupt- oder sonst einen 
guten Fisch«, so mussten sie ihn zuerst der Herrschaft »andeuten 
und anfeilen«. Freilich muss damals Hof von noch mehr Wasser 
umgeben gewesen sein, als dies jetzt der Fall ist, denn wir linden 
unter den »Fisch wässern« angeführt: die March, den grossen See, 
die Königsrunsen, den See hinterm Dorf (eine Ausweitung des Stempfei- 
baches, die noch heute »See« genannt wird), Kirchgrueb, Mühl- 
grueb, Hallasee. 

Auf allen Gründen hatte die Herrschaft -alle Wild-, Baahn, 
Roth- und Schwarz Wild sambt dem Feder gejaidt<. Vom 1. April 
bis 1. October verpachtete die Herrschaft das Leuthgeben in Hof 
gewöhnlich um 80 — 100 fl., das übrige halbe Jahr überliess sie es 
aus gutem Willen der Gemeinde »wegen der Beschwärden zeiten 
und allerley ungelegenheiten , forderist des Kriegs -Volcks halber, 
und sich was wieder zu erholen«. »Der Täz gehört der Herrschaft 
das ganze Jahr.« Das Ungeld aber gehört in dieser Gegend nach 



88 

Marchegg. Auf die Weide in Hof wurden oft aucli Ochsen aus 
Ungarn getrieben, wofür die Entschädigung die Herrschaft, selten 
die Gemeinde bekam. Erwähnenswert ist noch, dass damals von 
der Donau ein Arm in die March floss, »die Run«, welche unter 
dem Schlosse Theben in die March sich ergoss. Die kleine, durch 
die March und Donau gebildete Insel gehörte zu Theben und ver- 
ursachte nicht wenig Streitigkeiten, denen ein gründliches Ende die 
beiden Flüsse bereiteten, indem sie das kleine Eiland, dieses Streit- 
objekt, aus der Welt schafften. Heute breitet sich an Stelle dieser 
Insel eine seeartige Wasserfläche aus. 

Zur Herrschaft Hof gehörte Leomanstorff, das auch alle 
Robot zu leisten hatte, »was etwa der Herrschaft nothwendig für- 
fallet, ohne Mass oder Zahl«. 1 ) Trotz vieler Brandstätten wurde für 
29 Häuser der Herrschaft jährlich 131 Gulden 7 Schilling 6 Pfennig 
Dienst gezahlt. Als »Kuchel-Dienst« wurden gegeben: 41 Hennen, 
41 Gaise, 6 Lämmer, 16 Gänse und 12 Enten oder eine Geldent- 
Schädigung dafür von 10 Gulden 4 Schilling. Für 80 Joch Acker, 
die sie zur Weide benützten, gaben sie 54 fl. Die Steuer für 
29 Häuser betrug 72 fl. Für Herrschaftsäcker gaben sie für das 
Joch jährlich einen Metzen Getreide; für die gepachteten Kraut- 
gärten den Kraut- und Hanfzehent. Jedes gestiftete Haus musste 
im Herbste in der Donauau zwei Metzen guten Hopfen pflücken 
und in das Schloss abliefern, sowie 6 Klafter Holz hacken. Auch 
die Leomanstorffer erhielten jährlich Wiesen um einen » leiden tlichen 
Züns«. Mit dem Leutgeben wurde es so wie in Hof gehalten. 
Das eine halbe Jahr trug es der Herrschaft 60 — 80 fl., das andere 
halbe Jahr wurde es den »Leomanstorflfern aus gnaden umb etwas 



') Richter war damals Nicol Holler, Geschwome waren Jury Perkowitsch, 
Veit Mattischitz, Lucas Gregoritsch, Gregor Fabianitsch, Paul Perkowitsch. Die 
»gestuften und ungestifften Gütter« besassen: Gregor Janischitsch, Marx Wugele, 
Jury Amaxi, Mätl Janischitsch, Veitl Mattischitsch, Gregor Janischitsch, Paul Pre- 
kowitsch, Hisl Holler, Gregor Wugwitsch, Jury Stoicko, Jacob Pavischitsch, Simon 
Husar, Mättl Schällitsch, Stancko Schallitsch, Hisl Zschässkowitsch, Märtl Tuhitsch, 
Matl Holler, Gregor Grüll, Thoman Holler, Lukas Gregoritsch, Miclil Holler, Peter 
Stänischitsch, Paul Fruenwaldt, Jury Ista, Simandl Arbes, Gregor Fabianitsch, 
Hiessl Plank, Jury Arbes, Lucas Schallitsch, Lorenz Weinmann, Mattl Edlmann, 
Jury Allon, Jury Spicko witsch, Mättl Kaufmann; die letzten sechs hatten »im ge- 
ringsten nichts, als das örtl, darauf die Häusel stehen«. Ferner Märtl Veittinger, 
die Pfeiferin, Jury Webess. 14 Häuser waren öde Brandstätten. 



89 

ergötzung, weilen sie wegen der Soldatesca viele Beschwärung aus- 
zustehen«, gelassen. 

»Stopfenreich ist vom Bisthum Kegenspurg zu Lehen, liegt 
mitten in der Donau, der Hauss-Aue genennt, ist anreinendt, wie 
im Landgericht Stopfenreich begriffen; darinnen ist ein oedes Burg- 
stall oder Schloss und dabei ein Marckt mit Stock und Galgen ge- 
freyet und fürgesehen worden, gehört auch anjetzt zu der Herr- 
schaft Hof mit aller seiner Zugehörung und Marckts-Frey liehen wie 
auch das Landgericht daselbst. « *) Für neun Häuser gaben die 
Stopfenreuther als »Hauss-Dienst, Waissheit-geldt, Weydt-geldt, Eyer- 
und Hennen-Dienst: Item Schweingeld t-Dienst und dergl:« 44 Gulden 
4 Schilling 15 Pfennig; Steuer aber 13 ti. Um 63 fl. hatten die * 
Stopfenreuther Wiesen in Pacht. Auch sie mussten jedes Haus 
zwei Hetzen Hopfen pflücken, dörren und abliefern, 6 Klafter Holz 
hacken und das Mühlfuhrwerk leisten. Der Fischer bezahlte 12 fl. 
Pacht. Jeder Schiffmüller gab jährlich 30 Metzen Getreide und 
musste für die Herrschaft mahlen. Die Maut trug nur einen Gulden 
ein. Das Urfahr über die Donau warf jährlich 40 fl. Zins ab. 

Zur Herrschaft Hof gehörte damals auch Höflein am rechten 
Donauufer, wozu sechs Holden gerechnet wurden, » welche doch alle ver- 
gangenes 1638 Jahr in grund abgebrunnen seynd«. »Solches Höffelein 
gehört mit aller Obrigkeit, und was in ihren Häusern geschieht 
(ohne das Malefiz so gegen Hainburg gehört), auch mit aller Robath, 
Weingartten Arbeit, wie auch mit Wein-Zehendt, Masch und Most, 
Reifstangeln und Kronoweten aus dem Wald alda ins Schloss zum 
Hof solche dahin zu führen.« 2 ) Der Getreidezehent gehörte nach 
Rohrau und Petronell, von den Uberländgründen der vierte Teil 
nach Hof, die anderen drei Teile zum Domcapitel nach Wien. So 
war es auch mit dem Holze, wovon drei Teile »den Chorherren 
des Domb Capitels zu Wienn« gehörten und ein Teil der Herrschaft 
Hof blieb. 



') In Stopfenreutli befanden sich folgende >GütteI« : Philipp Zimmermann, 
Gregor Manhardt, Thoman Graf, Georg Schneider, Gregor Kreuss, Simon Wentzl, 
Georg Bayr, Hannsz Riebner, Simon Abrahamb; die Häuser waren meist ein- 
gefallen und hatten nur Zinsäcker von der Herrschaft; keinen Grund hatten 
Christoph Gröllitsch, Andre Obrister und Wästl Seiler. 

-) Bestiftete Häuser waren in Höflein: Hanns Preuer, der Kichter, Gregor 
Schwärzl, Mathis Staudinger, Pankraz Holzer, Paul Wagner, Christoph Peringer. 
Sie leisteten 18 fl. 68 kr. Dienst. 



90 

»Ein Pürg heisst in Rottenburg, darin haben die Chor Herren 
bey S. Stephan zu Wienn drei Theil Zehendt, die Herrschaft Hoft* 
aber den 4 t0 " Theil.« Dieser Wein zehent betrug jährlich 10 — 20 Eimer, 
der Getreidezehent 10 — 12 Metzen. »Die Grundbuchsgefälle seynd 
auch ungleich, und ziemblich wenig, weilen solche von den Chor 
Herren nicht in obacht gehalten werden.« Dann hatte die Herr- 
schaft Hof das Bergrecht im untern Prenreiss, denn sie sich gegen 
das Domcapitel vor Gericht erfocht. Der Zehent trug in »unfehl- 
baren mittern Jahren« bis 20 Eimer. 

In Gänserndorf besass die Herrschaft Hof siebenthalb Lehen mit 
101 Joch Ackern und 8 Wiesen, die jährlich 3 Gulden 4 Schilling leisteten. 

Die Herrschaftsbreiten wurden teils den > krabatischen < , teils 
den deutsehen Unterthanen zum Bebauen zugewiesen. 

In der Schäferei befanden sich 700 Stück Schafe, für die ein 
Schäfer jährlich 525 fl. Bestandgeld zahlte, und 14 Lämmer, 
14 Kappen und anderthalb Käse (a 5 fl.) lieferte. Dafür bekam er 
von der Herrschaft einen halben Mut Getreide, etliche Achtel Prein, 
10 Klafter Scheiter, Heu und Stroh, so viel er brauchte. Im Meier- 
hof waren 60 Stück Rindvieh, für die ein Käsmacher für jedes 
Stück 7 fl. jährlich zahlte; er erhielt aber für jedes Stück :, /4 Metzen 
Getreide, für drei Stücke eine Kiste Salz und 20 Klafter Scheiter. 

Beim Schlosse lag ein Weingarten, gute vier Viertel gross, der 
bei guten Jahren 80 — 100 Eimer trug, »darnach die Jahr und 
Wetter seynd«. Die meiste Arbeit im Weingarten wurde mit 50 fl. 
jährlich bezahlt. 

Die Herrschaft hatte jenseits der March, im Thebener Wein- 
gebirge noch fünf Weingärten, die jährlich 80 — 100 Eimer eintru- 
gen. Die Fleischbank zu Hof hatte die Herrschaft einem Thebener 
überlassen, welcher dafür in das Schloss das Pfund Rindfleisch um 
10 Pfennige, das Kalbfleisch um 14 Pfennige, ein »Kälbernes Peuschl« 
oder einen Kopf oder eine gute Ochsenzunge um 1 Schilling liefern 
musste. Ausserdem gab er einen halben Centner »ausgelassenes gutes 
Rindenes lnslet« um Michaeli ins Schloss. 

Die damalige Gestalt des Schlosses ist uns erhalten in einer 
Abbildung von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahre 1672. *) Das 



x ) »Topographia archidueatus Austriae inferioris nioderiiae seu Controfei und 
Beschreibung alier Statt, Klöster und Schlösser, wie sie anjetzo stehen in dem 
Erzherzogthumb unter Österreich. Hervorgebracht im Jahre 1672 durch mühsamen 
Fleiss Georgii Matthaei Vischer, Geographen.« V. U. M. B. Nr. 32. 



91 

Schlot bildete ein ansehnliches Viereck mit einem Stockwerke. 
Ringsherum läuft eine Schanzmauer, die sich an den Hügel anlehnt. 
Oben ist die Mauer mit Schießscharten versehen. Auf dem Dache der 
Westfront war ein Türmlein angebracht. Innerhalb der Mauer stand 
ein kleines Nebengebäude, ausserhalb derselben standen zwei kleine» 
Häuser. Dieses alte Schloss bildet auch noch heute den Kern des 
jetzigen Schlossgebäudes. Auf der Abdachung des Hügels befanden 
sich Weingärten. 

Über die Zeit, wann die im unteren Marchfelde wohnenden 
Kroaten in diese Gegend kamen, herrschen verschiedene Ansichten. 
Die richtigste davon vertritt M. A. von Becker, welcher behauptet, 
dass diese slavische Einwanderung schon vor das Jahr 1646, also 
nicht nach dem damaligen Schwedeneinfall zu setzen ist, was spätere 
Nachschübe unter Karl VI. und Maria Theresia nicht ausschliesst. 
Mit Recht, sagt Becker, ist der Anfang dieser kroatischen Ansiede- 
lungen in die zweite Hälfte des XVI. Jahrhunderts zu setzen. Da- 
mals fanden die durch die Türken aus ihren Wohnsitzen vertriebenen 
Kroaten im Marchfelde, das durch Seuchen, feindliche Überfälle und 
Verheerungen der Donau von Bewohnern entblösst war, freundliche 
Aufname. 1 ) Über die Einwanderung der Kroaten in Breitensee 
können wir übrigens die genaue Jahreszahl angeben. Niclas Graf 
Salm hat 1529 die Herrschaft Marchegg pfandweise erhalten und 
starb dort 1530 auf dem Salmhofe. Sein Enkel Niclas IV. von Sahn 
stiftete 1579 das Dorf Breitensee und besetzte es mit Kroaten, die 
dann der Herrschaft Marchegg unterthan waren. Für den See (Rohr 
und Fische) zahlten sie der Herrschaft jährlich 5 fl. Zins. Durch 
die »Rebellion« (vermutlich am Ende des XVI. Jahrhunderts) wurde 
die > Pfarrkirche c zerstört, an deren Stelle eine Kapelle erbaut wurde, 
welche mit einem kroatischen Priester versehen war.'-') Dass die 

1 ) Topographie, 2. Bd. S. 452—453. Der Propst Balthasar Polzmann wollte 
1584 das Öde Dorf Thiementhal-Neusiedel bei Pyrawarth mit Kroaten neubesiedeln, 
musste aber wegen des Widerstandes der benachbarten Hohen-Kuppersdorfer davon 
abstehen. (G. Gyurikowits, >Die kroatische Colonie in Niederösterreich in ächmidl's 
österr. Blättern für Literatur, Kunst, Geschichte, Geographie, Statistik und Natur- 
kunde, 4. Jahrgang, 1847, S. 17—19. Vergl. auch »Blätter des Vereines für Lan- 
deskunde«, 1881, S. 359.) 

2 ) K. k. Hofkammer- Archiv; Herrschaftsacten, M. Bei Schweickhardt heisst 
es (V. U. M. B. 1. Bd. 8. 120): »In welches Jahrhundert die Zeit der Entstehung 
des Ortes eigentlich fallt, oder welche Schicksale denselben getrotten haben, ist 
ganzlich unbekannt. < 



92 .. 

Kroaten längst vor dem Sehwcdeneinfalle vom Jahre 1646 im March.-. 
fehle angesiedelt gewesen, dafür giebt uns auch das Urbarium der 
Herrschaft Hof von 1639 Zeugnis, welches an neun Stellen von 
»Korbaten, krabatischen Unterthanen« u. ä. spricht. Die Kroaten 
wie die Deutschen bekamen abgesondert bestimmte Herrschaftsäcker 
zu bearbeiten. Jene müssen in Hof und noch mehr in Loimers- 
dorf gewohnt haben, wie die angeführten Namen der Bewohner 
dieser Orte beweisen. Die vielen Brandstätten in Loimersdorf geben 
die Möglichkeit eines neuen kroatischen Nachschubes und es kann 
richtig sein, w r as Keiblingcr aus üyurikovits anführt, dass Loimers- 
dorf 1739 von der damaligen Herrschaftsbesitzerin Maria Anna 
Victoria, Herzogin von Sachsen -Hildburghausen, geborenen Prinzessin 
von Savoyen, Erbin des Prinzen Eugen von Savoyen, wieder einen 
Teil neuer kroatischer Ansiedler bekam, nicht aber, dass es damals 
> durch Ansiedlung von Kroaten gegründet worden sei«. 1 ) Letztere 
Auskunft erhielt G. Gyurikovits auf seine Anfrage bei der Herrschaft 
Schlosshof.' 2 ) 

Von der Familie Gienger kam die Herrschaft Hof an die Familie 
Concin, die sowol mit den Gienger und Prankh, als auch mit den Polheim 
: und Dörr verwandt war. 3 ) Nachdem Johann Jakob von Gienger 
gestorben war, kaufte Johann Ehren reich Graf Concin von Penna von 
seinen Erben die Herrschaft Hof an der March, da die Familie 
Concin schon längere Zeit früher Niederweiden und Engelhartstetten 
besessen. 4 ) Auch die Familie Concin hatte viele eifrige Anhänger dem 
Protestantismus gegeben. Johann Ehrenreich Graf von Concin ist 
auch im niederösterreichischen Gültenbuche als Besitzer von Hof 
verzeichnet. Graf Concin besass die Herrschaft Hof nicht lange. Der 



i) Keiblinger, Melk, II. 2, S. 427—429. 

'•) Dieselbe Behauptung, wahrscheinlich aus der gleichen Quelle, findet sich 
bei Schweickhardt, a. a. O., IV. Bd., S. 29 und V. Bd., S. 229. 

a ) So heiratete Johann Christoph von Concin, kaiserlicher Feldhauptmann 
in Ungarn, wo er 1596 im Kampfe gegen die Türken fiel, 1588 Barbara von 
Prankh, Tochter des Ulrich von Prankh, Herrn zu BocktiUss und Hof an der March. 
Nachdem ihm seine Gattin acht Kinder geboren, wurde sie Witwe und heiratete 
1599 Gundacker von Polheim, den kaiserlichen Hofkammerpräsidenten. Ihr Sohn 
.Johann Ulrich von Coucin heiratete Elisabet von Dörr, Tochter Friedrichs Dörr 
zu Deutsch-Altenburg, und nach deren Tod (1629) Sabina Freiin von Polheim. Der 
Sohn der letzteren, Johann Ernst, von Concin, hatte zur Gattin Anna Katharina 
Magdalena Freiin von Gienger. 

') Cfr. Das Urbarium von Hof vom J. 1639. 



93 

nächste Besitzer ist im niederösterreiehischen Gültenbuche nicht ver- 
zeichnet. Derselbe war Hanns Jakob Graf von Brandis, dem die 
Herrschaft von 1656 an gehörte. Als er den Besitz der Herrschaft 
antrat, wurden die Hochgerichte in dem Gebiete der Herrschaft neu- 
aufgerichtet, bei welcher Gelegenheit wir noch mehr über die zur 
Herrschaft Hof gehörigen zwei Landgerichte in Stopfenreut und Hof 
erfahren. 1 ) »Anno 1656 den 7. Juni ist das Hochgericht bey der 
Herrschaft Hoff an der March auf dem Kröndl neben der Landstrasse 
ausser des Markt Hoff an der vor diesem gewöhnlichen Kichtstatt 
sambt dem Stockh in ermelten Markh, dann auch das Hochgericht 
und Stockh zu Stopfen reich, Item der Galgen zu Leomanstorf, so mit 
Malefiz zu ernennten Landtgericht nacher Stopfenreich gehörig mit 
Landtgericht: Ordnung mit Trommel und Pfeiffen in Bey sein des 
Hoch und Wohlgebornen Herrn Herrn Hanns Jakob Grafen und 
Herrn von und zu Brandiss Freyherrn zu Leonburg und Forst, 
Herrn der Herrschaft Kodingbrunn und Hoff an der March, Pfandt 
Inhabern der Herrschaft Girna, Erbsilber- Cammcrern der fürstl. 
Graffschafft Thyrol, Köm: Kay: May: Kath und Kegenten des Re- 
giments der N:0: Landen als dieser ermelter Herrschaft und Landt- 
ger: Possessore, dann des Johann Christoph Vxkhiels dieser Zeit 
Pfleg: und Landtgeriehts- Verwaltern wie auch Hannsen Augsperger, 
Marktrichter zu Hoff, Gregor Groissen, Marktrichter zu Stopfen reich, 
Jurj Stojkho Richtern zu Leomanstorff und der ganzen Gemahl durch 
ein ganzes Ehrsambes Zimmerhandtwerk zu Corneuburg von Neuem 
widererhebt und aufgerichtet worden.« 

Die beiden Landgerichte in Hof und Stopfenreut scheinen aber 
nicht besonders viel beschäftigt gewesen zu sein, besonders nicht mit 
Urteilen über Leben und Tod, denn es vergieng von einer solchen 
Urteilsexecution bis zu anderen so viel Zeit, dass sich kaum Jemand 
fand, der sich noch daran erinnerte und dass die aufgerichteten Gal- 
gen ganz verfallen waren. Das erfahren wir bei Gelegenheit der 
Neuaufrichtung der Hochgerichte unter Graf Brandis, aus dem >Vcr- 



1 1 »Landgerichts-Protocoll de anno 1656 bey der gräflich Brandis: Herr- 
schaft Hoff an der March und Vesten Stopfenreich über alle landgerichtliche Ver- 
brechen als Malefiz, sowohl andere Zankh, Hader und strafmässige Händl betreff:, 
wie solche bey hiesigem Landtgericht abgestrafft, abgehandtet und beschrieben wor- 
den, wie auch wann und wohin die drey Hochgerichter, zwar under zwey Landt- 
gerichter gehörig wieder von Neuem erhebt und aufgericht worden.« (Archiv in 
8chlosshof.) 



94 

hör und Befragung in Sachen der zur Herrschaft Hoff und Vesten 
Stopfenreich gehörigen Landtgeriehter betreff: Herrschaft Hoff«. 1 ) 
Dort erfahren wir zugleich auch etwas über früher vorgefallene Exe- 
mtionen . »Niclass und Sebastian Schwäml, der aine bey 86 vndt der 
andere bey 50 wie auch Hanns Augsperger Richter bey 46 Jahren, 
alle drcy wohnhaft im Markt Hoff, sagen aus, dass Ihnen wohl wis- 
sendt, wie unge^ehr vor 30 oder 32 Jahren ein Unterthan in ermel- 
ten Markt Namens Döller in das Schloss allhier für einen Hexen 
eingezogen und in den Keller im Preühauss eingelegt wordten, vber 
welchen noch verers auch Diebs tückh herauskhommen, worauf er 
verzweifelt und in ernieltem Keller an die bändl, welche er in dem 
Hement gehabt, sich erwürget, alss aber er Niclass Schwämbl zu 
selbiger Zeit Richter hingehen und nach Ihme sehen wollen, er Ihme 
wie oben erwürgter gefunden. Nachmalen S: V: die Henkherknecht 
den verzweifelten Cörper hinunter auf das Kröndl, allwo yetzundter 
das Hochgericht stehet, geführt, den Kopf mit der Hackhen abge- 
hackht, gefirttelt und die Sttickher auf den Scheiterhauffen ge- 
worffen. 

Mehr sein selbiger Zeit Petter Ruggers, Wolffen Pindters, 
Mathiass Heissen und Mathiassen Priggls alle vier Untcrthanen zu 
Hoff Ihre Weiber wegen der Hexerey durch ein vnpartoiisches Recht 
vom Leben zum Todt durch das Schwerth und Faicr condamnirt 
wordten, welcher Actus ingleichen auf ermeltcn Kröndl zu Zeiten 
Herrn Herrn Niclas Gengers titl: etc. als selbiger Zeit der hiesigen 
Herrschaft und Landtgerichts possessore geschehen. — Vesten 
Stopfenreich. Niclass Holler seines Alters 100 Jahr gebohrn gezogen 
und wohnhaft zu Loimanstorff sagt noch bei seinem guten Verstand 
und gedachtnuss aus, dass ungefähr vor 80 Jahren zu possedirung 
der hiesigen Herrschaft des Herrn Herrn Pranckhen seel: ein Jüng- 
ling, welcher in Hungam bey einem Edlmann gedienet, alss aber 
zu einer Zeit der Edelmann auf den Markt der Gegend geritten und 
Ihn Jungen zu Haus gelassen, er über das Geldt khommen, vil da- 
von eutfrembdt und als ein kleines Mädl, so Ihme indessen zuge- 
sehen, und Ihme, warum er solches thue, angeredt, selbe rdo. mit 
der Mistgabel durch den Hals geworffen ( der maynung es seye schon 
todt, so aber wieder mit dem Leben davon khommen). Under diesem 
aber er sich mit dem Geldt in die Flucht gemacht, über welches er 

') Aus «lein erwähnten Landperichtsprotocoll. 



59 

gegen den Herbst auf Loimanstorff khommen, sieh ein zwar kurze 
Zeit bey einem Pauern daselbsten aufgehalten, Und als er dermal- 
eins auf Marchegg auf den Markht gangen, vndterdessen aber sein 
ge wester hung: Herr und seine Consorten, welche Ihne Jungen schon 
ausgekundtschafft zu Loimanstorff auf Ihme gewartt, auch zu seiner 
anheimbhunfft Ihne einziehen lassen, hernach zu dem Strang seye 
eondamnirt und auf dem Ackher, all wo das jetzige Hochgericht 
wieder erbauet nemblichen zu Endt hiesiger Herrschafft und Witzels- 
dorf angehenten Freyhung an dasselbe zu jener Zeit gestandene und 
hernachher durch Ungewitter zu Grundgegangene Hochgericht ge- 
henkt worden. Dessen sich auch noch gar gut zu erindtern waiss 
Mattl und Paul Preggowitsch, der eine bey 75 der andere bey 
70 Jahren, dass das Hochgericht vor diesem an selbigem Orth, wo 
das jetzige Neue erhebt worden, zwar ohne daran gehängten Male- 
ficanten, gestandten ist, wie sich dann in Nachgrabungen das ver- 
faulte Holz von denen Stöckhen in der Erden gefundten, so annoch 
bey Handten.« 

Die Verhandlungen des Landgerichtes zu Hof sind teilweise 
noch erhalten. So verklagte Hanns Pussler, Inmann zu Stopfenreut, 
aus Lichtenfels in Franken gebürtig, das Weib des Benedict Bayrn, 
Unterthans in Stopfenreut, wegen eines Diebstahls (eines Leilachs), 
wegen eines »Raubes« (von Obst im Herrschaftsgarten) und wegen 
Unverträglichkeit sowol mit ihrem leiblichen Vetter, dem Kläger, 
als auch mit anderen ehrlichen Nachbarsleuten. Nach zwei Sitzungen 
wurde das Urteil verkündigt am 27. Juni 1659. Es lautete auf die 
Zahlung von 100 fl. Strafe, in welche Summe die Gerichtskosten 
bereits eingerechnet waren. Innerhalb sechs Wochen und drei Tagen 
sollte sich der Mann der Verurteilten einen tauglichen Stiftmann 
suchen »in Betrachtung, dass sich ein jeder Nachbar neben ihm zu 
hausen beschwert«, und dann den Grund und Boden der Herrschaft 
meiden. Acht Beisitzer des Landgerichtes fertigten und siegelten das 
Urteil. 1 ) 

Bei ernsten Fällen, wo es sich um Tod und Leben handelte, 
wurden die Landgerichtsbeisitzer wohl vermehrt. Zu den Verhören 

! ) Es waren dies: J. Christoph Vxkhiel, Pfleger und Landtgerichtverwalter, 
Hanns Augsperger, Marktrichter zu Hof; Hanns Breyer, Richter zu Höflein ; Georg 
Groyss, Richter zu Stopfenreith ; Vahlenthin Stur, Gerichtsgeschworner in Hof; 
Georg Khrecht, Gerichtsgeschworner in Höflein; Hanns Fellner, Gerichtsgeschworner 
zu Höfelein. (Archiv in Schlosshof.) 



90 

waren auch weniger Beisitzer genügend. So legte Wolf Utschaldt 
seine »guettige Aussag« am 10. December 1664 vor einem Gerichte 
mit sieben Personen ab. Ebenso Maria Anna Utschaldtin, des vori- 
geu Gattin aus Höfen, aus der Stadt Rodtenburg gebürtig, »anfenk- 
lichen calfinisch,< »nit aidtlich aus Forcht des Maynaidts«. Wolf 
Utschaldt, gebürtig aus der Pfalz (wie überhaupt damals aus Baiern 
und Franken' ins Marchfeld Viele einwanderten), Fleischhauer in 
Breitensee, hatte seinen Stiefsohn Peter Schmiedl 1663 in der Woche 
vor St. Egydi »Abends bey aydtler Nacht« mit einem Fleischhacker- 
messer erstochen, floh, wurde Fleischhacker im kaiserlichen Lager, 
bis ihn endlich vier Soldaten nach Hof brachten und ihn dem Land- 
gerichte tibergaben. Das Verhör bestand er vor Mathias Karl Gös- 
singer, Landgerichts Verwalter in Hof, Görg Phrecht, Richter, Hanns 
Aucksperger, Sebastian Schwämbl, Mathias Binder, Mathias Wunderl, 
Hanns Schwämbl, Geschworne zu Hof. Ausser der Gattin des An- 
geklagten wurden als Zeugen vernommen : Mathias Franicz, Dorf- 
richter in Praitensee (mit >24 Fragstuckh und 24 Andtwordtenc); 
Georg Jurischiz, Geschworner in Praittensee ('mit »21 Fragstuckh 
und 21 Andtwordten«); Georg Windisch (mit »28 Fragstuckh und 
28 Andtwordten«) und die zwölfjährige Stiefschwester des Getödteten, 
Magdalena Schreinerin. Der Hauptverhandlungstag war der 12. De- 
cember 1664. »Auf ersuchen und Begehren des Hoch und Wohlge- 
bornen Herrn Herrn Adam Maximilian Herrn von St. Julian Grafens 
zu Wallsee (Titul:) ist verflossenen 12. Decembris 1664 in dem 
Landtgericht der Herrschaft Hof an der March ein Ehrsamb unbar- 
theyischcs Geting gesetzt und denenselben vorgetragen worden.« Das 
Gericht bestand aus 14 Teilnemern. 1 ) Dem Delinquenten wurde 
mit 72 »Fragstuekhen« hart zugesetzt. Er war vollkommen gestän- 
dig. »Hat also diese seine Aussagen geschlossen und sich Gott und 
der lieben Justitiae bevohlen. Zu Urkhundt dessen haben Wir bei- 
süzer diese Aussag, die wir des Schreibens khundtig, underschrie- 

') Aus folgenden: Johann Adam grien von Hamburg, d. Z. vnbartheyischer 
Gedings Richter etc.; Franz Peter Schmeidl, Pfleger zu Marchegg und d. Z. vnbar. 
theyischer Gedings Schreiber; Valentin us Franciscus Stuer; Johann Schun von 
Marchegg; Christoph Marx von Marchegg; Merth Weigandt von Hainburg; Georg 
Khrecht, Richter zu Hoff; Gregor Khroiss, Richter zu Stopf enreith ; Georg Spiko- 
witsch, Richter zu Loimerstorff; Matthias Binder, Geschworner zu Hoff; Sebastian 
Schwämbl, Gerichtsgeschworner zu Hoff; Jakob Weckhenhan , Geschworner zu 
Stopfenreith ; Georg Zäschkowicz, Geschworner zu Loimerstorff; Max Holler, Nach- 
bar zu Loimerstorff. (Archiv in Schlosshof.) 



97 

ben, die Pettschafter auffgedruckht und derjenigen, welche des 
Schreibens unkhundig, ihre Nahmen under die Pettschaffter vorge- 
merkht.« Der Schluss des Urteils aber lautete: »Weilen nun ein 
Ehrsamb unpartheyisches geding alles reiflich wohlbedachtsam b und 
wie sichs Rechtswegen gebühret, erwogen, auch einhellig befundten, 
dass zwar zwischen oftbedeuten Wolf Utschaldt und Peter Schmidl 
ein Zorn und Rauffhandl untergeloffen, er Utschaldt in keiner Le- 
bensgefahr gewesen. Hat also mehrberührtes Gericht einhellig be- 
schlossen, das dieser WolfF Utschaldt wegen seiner überwiesen und 
bekanntermassen gehabten Vorsaz und tödtlicher an dem Stiefsohn 
gethaner Verletzung an die gewöhnliche Richtstatt geführt zu wohl- 
verdienter Straff daselbsten mit dem Schwerth vom Leben zum Tode 
hingerichtet werden solle, doch setzt ein unpartheyisches Gericht 
dieses Vhrtl der gnedigen Obrigkheit, wohin es gelangen mochte zu 
mindern und zu mehren anheimb.« 1 ) 

Johann Ehrenreich Graf von Concin besass die Herrschaft Hof 
nur einige Jahre und dieselbe gelangte bald (1656) an Hanns Jakob 
Grafen von Brandis, dessen Erben sie im Jahre 1659 an Hanns Franz 
von Lamberg, Freiherrn auf Orteneck und Ottenstein, verkauften, 
welcher noch im Jahre 1661 als Herr der Herrschaften Stockerau, 
Kranichberg, Niedergrünbach und Hof an der March, der Rom. Kais. 
Majestät Rath, Kämmerer und Regent des Regiments der niederöster- 
reichischen Lande, Verordneter des Herrenstandes unter der Enns, 
urkundlich vorkommt. 2 ) In demselben Jahre 1661 verkaufte Hanns 
Franz Freiherr von Lamberg die Herrschaft Hof an Adam Maxi- 
milian Guiscard Grafen von Saint- Julien. 3 ) Dessen Gattin Maria Su- 
sanna war eine geborne Gräfin Brandis. Er erscheint 1677 in einem 
Pachtrevers über den Drittel-Getreidezehent zu Hof an der March 
als »Graf von Saint- Julien, des heiligen römischen Reichs Graf von 
und Walsee, der römisch-kaiserlichen Majestät wirklicher Kämmerer 
und Oberstfalkenmeister t; er besass zugleich Stopfenreut, welches 
mit Hof an der March vermöge Erbdisposition vom Jahre 1682 
seinem Sohne Johann Albrecht Grafen von St.-Julien mit der Herr- 
schaft Prutzendorf zufiel. Als Graf St.-Julien die Herrschaft Hof 



') In 8chlosshof wird noch beute ein sehr langes Schwert aufbewahrt, 
welches als Richtschwert in Verwendung gewesen sein mochte. 

z ) Er besass auch Auraühl an der Perschling. M. A. v. Becker, Topographie 
von N.-Ö., II. Bd., S. 114. 

3 ) N.-ö. Gültenbuch. 
BUUter des Vereines für Landeskunde von Niederöster reich. 1889. 7 



98 

kaufte, war sie mit der Gülte von 60 Pfund 6 Schilling 9 Pfennig 
von 81 Häusern dem n.-ö. Landschaft-Gültbuche einverleibt. Im Jahre 
1589, zu Zeiten Ulrichs von Pranckb, war die Gülte auf 29 Pfund 
2 Schilling 22 Pfennig taxiert. 

Infolge der Gegenreformation durfte in der Pfarre Hof kein 
protestantischer Geistlicher mehr angestellt werden, die Einkünfte 
der Pfarre waren eingezogen und ausserdem herrschte Priesterman- 
gel, so dass mehr als hundert Jahre vergehen, bis wir in Hof wieder 
einem eigenen Geistlichen begegnen. Sobald der letzte Pastor Hof ver- 
lassen hatte, wurde die Seelsorge von Kroissenbrunn aus, und wenn 
dort kein Priester sich befand, von Lassee aus besorgt Doch geschah 
das letztere nur selten und ausnamsweise, denn in einem »Ver- 
gleich wegen Haltung des Gottesdienst und Darreichung deren Un- 
terhai tungsmittlen eines bestallten Mölkerischen Herrn Vicarii zu 
Kroissenbrunn und Hoff an der March im Marchfeld im Jahre 1677 
den 13. December« l ) wird angegeben, dass dieser Vergleich ge- 
schlossen wurde, »auf eingewendte Klagen wider den Mölkerischen 
Herrn Vicari zu Kroissenbrunn, als hätte er der unerdenklichen 
Gewohnheit und uraltem Gebrauch zuwider mehr Gottesdienst in 
der Filialkirchen zu Hoff an der March als zu Kroissenbrunn ge- 
halten«. Aber selbst diese »unerdenkliche Gewohnheit« und dieser 
»uralte Gebrauch« waren nicht älter, als höchstens 70 bis 80 Jahre. 
Der damalige Melker Prälat und n.-ö. Klosterraths-Präsident, Abt 
Edmund, liess durch den Melker Hofmeister in Wien, P. Gregor 
Müller, eine Visitation vornemen, welcher noch beiwohnten : P. Bern- 
hard Zapler, Pfarrer in Lassee, Wolf Rainer, Marktrichter in Wei- 
kendorf, und die beiden Richter von Kroissenbrunn und Hof. Vier- 
zehn Sonn- und Feiertage (an den höchsten Festen) sollte der Gottes- 
dienst immer in Kroissenbrunn, als in der Pfarrkirche, gehalten 
werden, an den anderen Sonntagen, und zwar an zwei aufeinander 
folgenden in Kroissenbrunn und am dritten in Hof gehalten werden. 
Um für die vorbehaltenen Sonn- und Festtage einen Ersatz zu geben, 
sollte zwölfmal im Jahre zwei Sonntage in Hof und am dritten 
Sonntag der Gottesdienst in Kroissenbrunn stattfinden. Unter Gottes- 
dienst wurde verstanden ein gesungenes Hochamt stimmt Predigt, 
»es sey denn, dass solches durch merkliche Leibesschwachheit nit 
also könnte besehenen«. — Die Kroissenbrunner Gemeinde hatte 



*) S. Beilage 8. 



99 

dem Vicar in jedem Jahre zu leisten 40 fl. im Baaren, 20 Metzen 
»halb Traydt«, 20 Metzen Gerste und 10 Klafter Brennholz, dies 
»sollen sie ihm vor die Thüre stellen <. Auch die Wohnung des 
Vicars musste bei nothwendigem Gebäu erhalten werden. — Die 
Gemeinde Hof gab jährlich 26 fl.; zum Gottesdienst in Hof mussten 
sie den Vicar abholen und jedesmal 24 kr. für die Kost geben. Mit 
der Stola wurde es in Kroissenbrunn und Hof so wie auf den an- 
deren Melkerischen Pfarren gehalten, nämlich es wurde gefordert: 
Von einer Kindstaufe 30 kr., von der ersten > Neutauf« 1 Reichs- 
thaler, von der zweiten 1 fl., von der dritten l / 2 Reichsthaler, von 
einer Copulation 1 Reichsthaler sammt zwei Hühnern, fürs Verkün- 
den 15 kr., von einem grossen Leichenconduct 1 Reichsthaler, von 
einem kleinen 24 kr., von einer Faschenkindleiche 15 kr., von einer 
stillen Messe 30 kr., von einer Kindbetterinvorhersegnung 4 kr., 
unehelich 1 Reichsthaler. Für Beichthören und Communicieren durfte 
nichts begehrt werden. Die Gemeinden mussten wechselweise einen 
Boten um die heiligen Oele schicken, welcher von der Kirche 9 kr. 
Botenlohn erhielt. Von Hof waren bei Schliessung dieses Vergleiches 
im Kroissenbrunner Pfarrhause anwesend: Sebastian Prandstötter, 
Marktrichter zu Hof; Jakob Pr^nner, Bernhard Wiser und Andre 
Schwamml, Geschworne. — Processionen wurden jährlich eilf oder 
zwölf von Hof aus gehalten. 

In der ältesten erhaltenen Kirchen-Raittung von Kroissenbrunn 
vom Jahre 1669 *) kommt unter den Einnamen auch eine Kirchen- 
strafe vor; Jury Weysen musste einen Gulden zahlen, »vmb weilen 
er zur österlichen Zeitt nit gebeicht«. Die Kirche bekam einen 
Metzen Korn und verkaufte ihn um 24 kr.; für drei Metzen Weizen 
und einen Metzen Korn erhielt sie 3 fl. Ein Pfund >Paumböhl« 
kostete 15 kr., 100 Stück grosse Hostien kosteten 8 kr., drei Paar 
Kerzen 45 kr., »ein schlessl zu dem TaufF Kössl« 6 kr. Die Ein- 
namen der Kirche betrugen vom 1. Januar 1668 bis 17. März 1669 
56 fl. 21 kr., die Ausgaben 26 fl. 38 kr. 

Die Seelsorger, welche damals das Vicariat Kroissenbrunn ver- 
sahen, waren meistens Weltpriester. Ihr Einkommen war ein äusserst 
bescheidenes, weshalb das Vicariat öfters unbesetzt blieb. 2 ) Die 
Pfarrkinder baten den Abt von Melk oft um einen Priester, aber er 



') Kroissenbrunner Pfarr-Archiv. Kirchenväter waren damals Plassy Weyss 
und Paul Stipanitscb. 

2 ) Über die Reihenfolge der Seelsorger in Kroissenbrunn. S. Beilage 4. 

7* 



100 

konnte beim besten Willen selten ihre Bitten erfüllen. Am 21. Juni 
1662 bat die Gemeinde Kroissenbrunn, welche durch eine »grimmige 
Kälte« grossen Schaden auf ihren Getreidefeldern gelitten hatte, den 
Abt Valentin um das fernere Verbleiben des Priesters Georg Khess- 
ler, da ihnen eben jetzt in ihrem Unglücke ein tauglicher Priester, ein 
frommer, eifriger und trostreicher Prediger vonnöten sei. Die Kroissen- 
brunner baten nicht allein. Ihnen schloss sich auch die Gemeinde Hof an, 
welche anführte, dass Khessler bereits von 1648 bis 1650 ihr Pfarrer 
gewesen sei, dass er wieder bei ihnen bleiben wolle und mit 
ihnen »fürlieb zu nehmen einen Lust gewunnen«. Der Abt gab ihm, 
der sich schon wieder in Kroissenbrunn befand, die Präsentation, 
das Consistorium aber beanständete den Ausdruck in dieser Urkunde, 
dass die Filialkirche zu Kroissenbrunn »certo modo« erledigt sei. 
Die Sache wurde beigelegt, Khessler erhielt die Pfründe. 1 ) Während 
Bartholomäus Ignaz Sartorius (Schneider) das Vicariat verwaltete, 
geschah die schon erwähnte Ordnung des Gottesdienstes, im Jahre 1677, 
weil man diesem Vicar eine zu grosse Hinneigung zu Markt-Hof 
vorwarf. Seit dem Jahre 1685 wird nun die Pfarre Kroissenbrunn 
ununterbrochen von Benedictinern der Abtei Melk versehen. 

Nicht bloss der Gottesdienst wurde in beiden Kirchen, sowol 
in Kroissenbrunn als auch in Markt-Hof, gehalten, sondern es wur- 
den auch die Sacramente in beiden Kirchen ausgespendet, wie die 
erhaltenen pfarrlichen Bücher aus jener Zeit nachweisen. 2 ) Das 
Taufprotocoll beginnt mit dem Jahre 1650, das Sterbeprotocoll mit 
1652, das Trauungsbuch mit 1653. So wurde z. B. am 26. August 1653 
Johann Prinz, Stallmeister des Grafen Ehrenreich Concin, in der 
Kirche zu Hof copuliert. Aber nicht allein die Einwohner von Hof, 
sondern auch die von Schlosshof wurden in der Kirche zu Hof getraut. 



') Kciblinger, Melk, IL 2, S. 401. 
2 ) Pfarr-Archiv Kroissenbrunn. 



(Fortsetzung folgt.) 



Die Volksnamen der niederösterreichischen Pflanzen. 

Gesammelt und erläutert 

Von 
F. Höfer, d M. Kronfeld, 

Fachlehrer i. P. Doctor der Philosophie. 

Vorwort. 

Die Verfasser übergeben hiemit der Öffentlichkeit eine Arbeit, 
auf welche sie — der Vorstudien nicht zu gedenken — durch vier 
Jahre gemeinsam Fleiss und Mühe verwendeten. 

Die Worte der Gebrüder Grimm: »Die Sprachen, zumal die 
deutschen und Mundarten besonders, enthalten einen unerschöpflichen 
Reichtum wolgefälliger Blumennamen, denen man schon ansehen 
muss, wie sie poetisch, ja grossenteils episch sind. Versuche es 
doch einer, ihre Mannigfaltigkeit, worin sich wildfremde Sprachen 
wunderlich begegnen, blos von Gestalt, Farbe und Arzneikraft der 
Gewächse abzuleiten, d. h. genügend zu erläutern« — mögen zur Em- 
pfehlung der vorliegenden Sammlung angeführt sein. 

Mit Wolffgang Schmeltzl (1548) beginnend, wurden sämmt- 
liche volkstümliche Pflanzennamen zusammengestellt Ihre Zahl 
beläuft sich auf mehr als 1600; selbstredend ist ein grosser Teil 
derselben nicht gedruckten Quellen, sondern unmittelbar dem lebenden 
Dialekte entnommen. Es wurden die Namen in mundartlich-nieder- 
österreichischer Fassung verzeichnet und für die Schreibung war 
vor allen Tschischka massgebend. Indes verlangte es die treue 
Wiedergabe, die Bezeichnungs weise anderer Autoren wie Castelli, 
Erdinger, Seidl und Prof. Hofer unverändert zu belassen; Er- 
dinger und Seidl machen das hohe a durch eigenen Accent bemerk- 
bar, Hofer setzte für das dumpfe a-o (ä nach Tschischka) durchwegs 
gewöhnliches o. 

Allein mit der blossen Aufsammlung der Volksnamen glaubten 
die Verfasser, nur einen Teil ihrer Aufgabe erfüllt zu haben. Im 



102 

Anschlüsse an Prof. Hof er und das Wörterbuch der Gebrüder 
Grimm versuchten sie die Zurückführung der Namen auf die älteren 
deutschen Wortformen und gaben zudem eine Real-Erläuterung der 
Pflanzenbezeichnungen mit Bezug auf Naturgeschichte der Gewächse 
einerseits, auf Brauch und Mythos anderseits. 

Zum Vergleiche wurden oberösterreichische, salzburgische, 
tirolische, kärntnische und schlesische Volksnamen, vorzüglich auch 
»die deutschen Volksnamen der Pflanzen« von Pritzel und Jessen 
stetig mitberücksichtigt. 

Eine Sammlung von volkstümlichen Pflanzennamen vermag 
neben ihrem theoretischen Werte in zweiter Linie praktischen Zwecken 
zu dienen. In jeder Gegend wird ein Botaniker, welcher in der 
dem Volke geläufigen Nomenclatur Bescheid weiss, in grossem Vor- 
teil sein. Es genügt beispielsweise, anstatt umständlichen Suchens 
einen Einwohner von Perchtoldsdorf bei Wien nach dem Standorte 
des Drachfallideebenkrautes zu fragen, um Dracocephalum 
austriacum sammeln zu können. Kennt ein Botaniker die Volks- 
namen, so wird er sich in jeder Gegend rasch und bequem zurecht- 
finden. — Namentlich gilt dies von weniger besuchten Land- 
schaften; 1 ) aber auch an einer vielbesuchten Örtlichkeit wird der 
Pflanzenfreund Zeit und Mühe ersparen, wenn er die geläufigen 
Benennungen kennt. Wie der Reisende die Sprache des Landes 
studiert, welches er besuchen will, so sollte der Botaniker dort, wo 
er hauptsächlich sammelt, die Volkssprache in Acht nemen. 

Von praktischem Nutzen wird sich ferner die Kenntnis der 
Volksnamen für den Arzt und Apotheker erweisen. Denn beide 
kommen in die Lage, vom Volke wegen gewisser Kräuter befragt 
zu werden; sie hören die Heilkraft dieser oder jener Pflanze rühmen, 
und es ist für sie gewiss nur förderlich, wenn sie wissen, was die 
Leute mit jedem Namen sagen wollen. Sind doch vordem Arzt sowol 
wie Apotheker beim wissenden Hirten, beim kräuterkundigen Jäger 
geradezu in die Schule gegangen und entstammen doch eine Reihe 
der wirksamsten Heilmittel der volkstümlichen Officin. 

Somit hoffen die Verfasser, eine Arbeit geschaffen zu haben, 
die, dem Naturfreunde, Arzt und Apotheker willkommen, doch auch 



') B. Seemann (Die Volksnamen der amerikanischen Pflanzen, Hannover 
1851.) gedenkt des Nutzens, den die Kenntnis der indianischen Volksnamen jedem 
in Nordamerika Botanisierenden gewährt. 



103 

jedem, dessen Herz deutscher Volkstümlichkeit und Sprache ent- 
gegenschlägt, erwünscht kommen wird. 

Für die Anordnung und wissenschaftliche Nomenclatur war 
vornemlich Willkomm's Schulflora (Wien 1888) massgebend. Die 
beiden ausführlichen Register werden es ermöglichen, mit Leichtig- 
keit jeden gesuchten Namen zu finden. 

Der Pflicht aufrichtigen unä innigen Dankes folgend, gedenken 
die Verfasser schliesslich aller derjenigen, die ihnen kleinere oder 
grössere Mitteilungen über Volksnamen zukommen Hessen. 

Wien, den 1. November 1888. 

Höfer. Kronfeld. 



Literatur der niederösterreichischen Pflanzennamen. 

Die Abkürzungen deuten unten bei den Pflanzennamen meist auch die 
Lokalitäten an; so: Br. — Baden, Vöslau, Hirtenberg, Priest. — Mistelbach. 
Quellen, die namentlich als schriftliche Mitteilungen unmittelbar unserer Arbeit 
zuflössen, sind mit einem Sternchen (*) bezeichnet. 

1. *Barb. Barbacher. Pflanzennamen aus Mödling. 

2. *Bau. Bauer, Dr. Pflanzennamen aus Poisdorf und Nikolsburg. 

3. Beck. Beck, Dr. J. v. Flora von Hernstein. Wien 1881. 

4. *BeckNtt. — Pflanzennamen von der Alpe Dürrenstein. 

5. Becker. Becker, M. A. Reisehandbuch für Besucher des Ötscher. Wien 1859. 

6. *Boh. Bohatta, H. Österreichische Pflanzennamen. 

7. *Br. Braun, H. Pflanzennamen aus Baden, Vöslau, Hirtenberg. 

8. Caet. Castelli, J. Fr. Wörterbuch der Mundart in Oesterreich unter 

der Enns. Wien 1847 (16. Bd. d. sämmtl. Werke). 

9. Clll8. Clusius, C. Rariorum aliquod stirpium per Pannoniam etc. obser- 

vatorum historia. Antverpiae 1583. 
10. — . — Rariorum stirpium historia. Mit Anhang : Fungorum etc. historia. 

Antverpiae 1601. j ) 
Erdinger, K. Bei Becker (5) Pflanzennamen vom ötscher. 
Frischauf. Pflanzennamen, zumeist aus Pul kau. 
Haring, J. Österreichische Pflanzennamen. 
Hayne, J. Gemeinnütziger Unterricht über die schädlichen und 

nützlichen Schwämme. Wien 1830. 
15. (*)Hof. Hofer, A. Unsere Thier- und Pflanzennamen mit Rücksicht auf 

die altdeutschen und mundartlichen Formen. 7. Jahresb. des 

niederöst. Landes-Lehrerseminars. Wr.-Neustadt, 8. 1— 84. 2 ) 

! ) Zum Unterschiede vom vorigen bei den einzelnen Pflanzennamen mit An- 
gabe der Seitenzahl citiert. 

-') Das Widmungsexemplar an F. Höfer enthält wertvolle handschriftliche 

Zusätze von Prof. Hofer, die gleichfalls benützt wurden. 



11. 


E. 


12. 


*Frf. 


13. 


*Har. 


14. 


Hn. 



104 

16. HÖf. Höfer, Matth. Etymologisches Wörterbuch der in Oberdeutsch- 

land, vorzüglich aber in Österreich üblichen Mundarten. 3 Bde. 
Linz 1815. 

17. *Kell. Keller, L. Niederösterreichische Pflanzennamen. 

18. Kempf. Kempf, H. Die Flora des Schneeberges in Nied. -Ost. Wien 1882. 

19. K. Kerner, A. v. Niederösterreichische Pflanzennamen. Z. B. G. 

1855, 8. 257—272. 

20. Kl88l. Kissling, P. Ben. Pflanzennamen aus Kilb, Schwarzenberg 

a. d. G. u. s. w. Ö. B. Z. 1888, Nr. 2, 5. 

21. *L8w. Low, P. Niederösterreichische Pflanzennamen. 

22. Lor. Lorinser. Die wichtigsten essbaren, giftigen und verdächtigen 

Schwämme. Wien 1876 (Text). 

23. Loritza. Loritza. Wörterbuch über den Wiener Dialekt. Wien 1847. 

24. *Lze. Luze, K. Pflanzennamen aus Laa a. d. Thaya u. s. w. 

25. Märt. Marter. Verzeichnis der österreichischen Gewächse u. s. w. 

Wien 1780—81. 

26. Mar. Mareta. Proben eines Wörterbuches der österr. Volkssprache mit 

Berücksichtig, d. alt. deutsch. Mundart. Jahresber. d. Schotten- 
gymn. in Wien. 1861, S. 1—65. 1865, S. 1—72. 

27. Nie. Nicolai, Fr. Versuch eines österr. Idiotikon. Beschreibung einer 

Reise durch Deutschland. 5. Bd. Berlin 1775. Beylagen. 
S. 70—145. 

28. Nordm. Nordmann, J. Meine Sonntage. 2. Aufl. Wien 1880. S. 209—218. 

29. O.B.Z. österreichische botan. Zeitschrift. Herausgegeben v. Skofitz. 

Wien. 

30. Perg.Stlld.Perger, A. v. Studien über die deutschen Namen der in Deutsch- 

land heimischen Pflanzen. Aus dem XIV. Bd. d. Denkschriften 
der k. Akademie d. Wissensch. Wien 1858. 

31. Pok. Pokorny, A. Illustrirte Naturgeschichte des Pflanzenreiches. 12. Aufl. 

Prag 1881. 

32. *Priest. Priester, Dr. J. Pflanzennamen aus Mistelbach. 

33. Pr. J688. Pritzel und Jessen. Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. 

Hannover 1882. 

34. Reich. Keichardt, H. W. Über Pilze. Blätter d. Ver. f. Landeskunde 

v. Nied.-Öst. Neue Folge. VI. 1872, S. 68 ff. 

35. — CIU8. — Carl Clusius' Naturgeschichte der Schwämme Pannoniens. 

Wien 1876. 
Kogenhofer, A. Pflanzennamen aus den niederösterreichischen 

Alpen. 
Schmeltzl, W. Ein Lobspruch der . . . Stat Wien ... im 1548 Jar. 

Neugedruckt Wien 1849. 
Schultes. Ausflüge nach dem Schneeberge in Unterösterreich. 

Wien 1802. 
Seidl, J. G. Gedichte in niederösterreichischer Mundart. Wien 

1844. Anschliessend ein Idiotikon, S. 283 — 347. 
(Sonnleitner.) Idioticon Austriacnm. 2. Aufl. Wien 1824. 
Wiener Obst-Tarif. Wr. Illnstr. Gartenzeitui»? 1887, Nr. 2. 



36. 


*Roghf. 


37. 


Schm. 


38. 


Schalt. 


39. 


Seidl. 


40. 


Sonnl. 


41. 


Tar. 




% 



105 

42. *Top. T o p i t z, A. Niederösterreichische Pflanzennamen. Vom Nordwesten 

des Kronlandes und aus St. Nikola. 

43. Traft. Trattinick. Die essbaren Pilze des österr. Kaiserstaates. Wien 1809. 

44. Tsch. Tschischka, Fr. Bemerkungen über die Mundart des Volkes im 

Lande Osterreich u. d. Enns. Beiträge z. Landeskunde v. 
Ost. u. d. Enns. I 1832, S. 74—95 (Grammatik). II 1832. 
S. 148—217 (Glossar). III 1833, S. 123—131 (Volkslieder und 
Literatur). 
4ö. — Sch. Tschischka und Schottky, J. M. Österreichische Volkslieder. 

2. Aufl. Pest 1844. 

46. *Wtt8t. Wettstein, R. v. Niederösterreichische Pflanzennamen. 

47. Wied. Wiedermann, L. Volksnamen von Pflanzen aus der Gegend 

von Rappoltenkirchen. Ö. B. Z. 1884, Nr. 11. 

48. * — litt. — Pflanzennamen aus Rappoltenkirchen und dem Wiener- 

wald überhaupt. 

49. *Wl68b. Wiesbau r. Pflanzennamen aus Niederösterreich. 

50. *Wth. Wurth. Pflanzennamen aus Münchendorf und Umgebung. 

51. Z. B. G. Verhandlungen und Sitzungsberichte der k. k. zoolog.-botan. Ge- 

sellschaft in Wien. 

Hieran reihen sich unsere früheren Mitteilungen: ') 

52. Höfer, F. Niederösterreichische Pflanzennamen. Blätter d. Ver. f. 

Landesk. N. F. II 1868, S. 116—118. 

53. — Nachtrag zu den niederösterreichischen Pflanzennamen. Ebenda. 

IV 1870, S. 206. 

54. — Über die deutschen Pflanzennamen. Der österr. Schulbote. 1875, 

Heft 9. 

55. — Zum Kinderspiel : Apf lbam , Bimbam , Maibam. Ebenda, 

Heft 10. 

56. — Proben eines Wörterbuches der niederöst. Pflanzennamen. Ebenda, 

Heft 18. 

57. — Wörterbuch der niederösterreichischen Pflanzennamen. Brück 

a. d. L. 1884. 

58. Kronfeld, M. Pflanzennamen aus der Wiener Gegend. Ö. B. Z. 

1884, Nr. 6. 

59. — Der Bauerngarten. Deutsche Zeitung. Abendblatt vom 26. Juni 

1884. 

60. — Bemerkungen zu Franz Höfer's Wörterbuch. Ö. B. Z. 1884, 

Nr. 10. 

61. — Bemerkungen über volkstümliche Pflanzennamen. O. B. Z., 

1886, Nr. 5 (Einleitung. Die Benennungen der Waldrebe in 
Niederösterreich); ebenda, Nr. 8. (Küchenschelle oder Kuh- 
schelle?); ebenda, Nr. 11. (Einige Beziehungen zwischen weib- 
lichen Eigennamen und Pflanzenbezeichnungen); 1887, Nr. 5 

') Dieselben finden sich in dem vorliegenden Buche nur ausnamsweise 
citiert. Wo wir keinen Autor nennen, dort wolle man uns als Urheber ansehen. 



65. 


Bauh. 


66. 


Ooest. 


67. 


Gr. 


68. 





106 

(Schwierigkeit der Deutung) ; 1888, Nr. 11 (Imperativische 
Kräuternamen). 

62. Kronfeld, Über die niederösterreichischen Volksnamen von Solanum 

tuberosum. Z. B. G. 1886, S. 391—392. 

63. — Niederösterreichische Zauberpflanzen. Feuilleton der Neuen Freien 

Presse vom 27. Juli 1887. 

64. — Die Flora des niederösterreichischen Volksliedes. Feuilleton 

der Neuen Freien Presse vom 28. Juni 1888. 

Ferner wurden verglichen: 

Bau hin, C. Pinax theatri botanici. 

Duftschmid. Obderenns ische Hausmittel. 0. B. Z. 1852, 
Nr. 50— 52.») 

Grimm, J. und W. Wörterbuch der deutschen Sprache. 

Heufler, L. v. Ein botanischer Beitrag zum deutschen Sprach- 
schatze. Wien 1852. 

69. KB. Kerne r, A. v. Die Flora der Bauerngärten in Deutschland. 

Z. B. G., V 1855, S. 1—40. 

70. *Schle8. Niessner, Dr. £. Volksnamen aus Schlesien. 

71. Perg. Sag. Perger, A. v. Deutsche Pflanzensagen. Stuttgart 1864. 

72. Schmeller, J. A. Bayerisches Wörterbuch. Revid. v. Fromann. 

München 1872. 

Schöpf, J. B. Tirolisches Idiotikon. Innsbruck 1862 — 1866. 

Stapf, Dr. O. österreichische Pflanzennaraen. 

Storch, Dr. F. Flora von Salzburg. Salzburg 1857. Idiotikon, 
S. 122—128. 

Unger. Botanische Streifzüge auf dem Gebiete der Culturgeschichte. 
Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. 

Vernaleken, Th. Mythen und Bräuche des Volkes in Öster- 
reich. Wien 1859. 

Zwanziger. Verzeichnis der in Kärnten volkstümlichen deutschen 
Pflanzen. Jahrbuch des nat-histor. Museums in Klagenfurt, 
XIX. Heft. 



73. 


Tir. 


74. 


*st. 


75. 


Salzb. 


76. 


Ung. 


77. 




78. 


Kämt. 



Erste Abteilung. 

Zell-Sporenpflanzen 

(Plantae cellulares cryptogamae). 

I. Algae. Algen. 

1. Cladophora-, 2. Confcrva-, 3. Vaucheria-, 4. Zygiiema- Arten 
und andere Watten oder Flotten bildende Algen des Süsswassers: 
1. Frosch- Gschhdarat Top.; 2. Krocüngräs; 3. Krod'nhacKl; 
4. Teich- Gschlampert Top. 



] ) Wesentlich ein Excerpt aus Höfer (16). 



107 

1. Jeder schlechte Trunk, insbesondere schlechtes, schwaches Bier Cast. 
2. Krötenflachs s. z. Linum. 4. Schlamp'n = Fetzen. 

5. Nostoc commune Vauch. 

1. Stemreusp'n; 2. Sternschneia/n. 

1, 2 gleichsam des Sternes Auswurf; von der Vorstellung, dass Nostoc 
die Spur sei einer niedergegangenen Sternschnuppe. Vgl. Sternschnuppe 
Pr. u. Jess. 

II. Fungi. Pilze. 

a) Lichenofungi. Flechtenpilze. 

6. Cetraria islandica Ach. Isländisches Moos. 

1. Qrampa r l-Deh Gast; 2. Kramperlde K.; 3. Kramperlthee 
(Schneeberg) Schult.; 4. Saumias (Wr. Neustadt) Hof. 

1, 2, 3 von der krausen verworrenen Gestalt der zu einem Lungenthee 
verwendeten Flechte. (Krampe Gr. V. 2006 = Ranke der Weinrebe; engl, to 
cramp, zusammenziehen.) 4 d. i. Saumoos, Schweinefutter. — Wegen des 
reichen Gehaltes an Flechtenstärke (Lichenin) von wirklichem Nährwert. — 
Vgl. Kramperl-Kreberl-Thee. Ooest. 

7. Ramalina sp. 

Müchredl Becklitt. 

Etwa von der Vorstellung, dass die Flechte bei Kühen blutige rote Milch 
mache? Redl, Rotstift Cast. 

b) Eufungi. Echte Pilze (Schwämme). 

8. Collectiv unter dem Worte Schwoma Hof. begriffen. Hymenium : SchmolVn, Hut 
und Strunk: Binden. Ahd. swamp, swam; zu svam, schwimmen, wegen des 
Wasserreichtums. 

9. Amanita muscaria L. 

Fliegenschwamm Clus. II. 280. 

Der Absud zur Tödtung der Stubenfliegen benutzt. Giftig. »Germani ei 
appellationem Fliegenschwamm dederunt a muscis, qui eum valde appetunt 
et plerumque ei insident, non sine ipsorum pernicie, siquidem quotquot 
degustant intereuntc Clus. 

10. Amanita pantherina Fr. 

1. Pantherschwamm; 2. Krottenschwamm Clus. II. 278. 
Giftig. 

11. Armillaria mellea Fl. Dan. Hallimasch. 

1. Halimasch Cast; 2. Halingmasch Wied. litt.; 3. Hallimasch 
Hn. 38. 

1, 2, 3 das obscüne Wort ist auf die diarrhöische Wirkung des reichlich 
genossenen Pilzes zurückzuführen; hal, glatt, schlüpfrig, aushalaz'n aus- 
glitschen Cast. I. 162. 

12. Aspergillus-, 13. Mucor-, 14. Penicillium-Arten. Schimmel. 

1. Schimpel Nie; 2. Schimp'l Cast. 



108 

1, 2 althd. scimpal, was zu sciman, scinan, schimmern, scheinen gehört. 
Schimpel (Baiern) Pr. u. Jess. 

15. Boletus bovinus L. Kuhpilz. 

1. Kuabihling ; 2. Kuafiaderling Hof. 

1 , 2 der breite, fahle Hut erinnert an einen Kühfladen = stercus bubulum 
Gr. V. 2554. — Essbar. 

16. Boletus edulis Bull. Herrenpilz. 

1. BUzling (Wien) Tratt. 104; 2. Biilissn Hof.; 3. Bühdling 
Cast.; 4. BälsÜlng Hof.; 5. Graxoer Bültz Clus. IL 272; 6. Herrn- 
bllzling Hn. 52; 7. Pihling (Kritzendorf.) Bau.; 8. Pilzling Hn. 
(Weidlingau). 

1 — 8 Pilz = althd. buliz, puliz, mhd. bülz, lat. boletus, gr. ßtoXiTY^. 
Boletus edulis ist also der Pilz par excellence. Schmackhaft und häufig ge- 
nossen. Nicht zu verwechseln mit ähnlichen Pilzen, wie B. calopus Fr. u. 
pachypus Fr. — Vgl. bilsling Tir.; BUlstling (Baiern) Pr. u. Jess.; Bilz, 
Büiss Höf. 

17. Boletus granulatus L. Schmeerling. 

Schmeerling. 

Der Hut ist im frischen Zustand mit Schleim überzogen und daher 
fettig, schmeerig anzusehen. Höf. kennt einen Wagenbülss, der anstatt 
Schmeer zum Wagenschmieren benutzt wird; s. z. folgend. — Essbar. 

18. Boletus luridus Schaeff. Schusterpilz. 

1. Farbvadraher (Gars); 2. Schröter (Wien) Pr. u. Jess.; 
3. Wagenschmierer (Gars). 

1. Wechselt aufgebrochen die Farbe. 2. Hut im Alter klebrig, schmutzig- 
braun, daher scherzhaft Schuster. 3. als Wagenschmiere benützt. 

19. Cantharellus cibarius Fr. Eierachwamin. 

1. Hihnakrempl; 2. Hasenörlein Clus. II. 270; 3. MarilFn- 
schwämm; 4. Kochmandl (Gr.-Russbach); 5. Redling Cast.; 
6. RelJieihvi Top.; 7. Rödling (Wien) Pr. u. Jess.; 8. Strah- 
schwämma Top. 

1, 2 Hahnenkamm, HasenOhrchen wegen des faltigen krausen Hutes. 
3, 4 weil duftig wohlschmeckend und zum Kochen vorzugsweise geeignet 
Gr. V 1563. 5, 7 = Rötung. 6? 8 der zum Trocknen hingestreute 
Schwamm. — Essbar, zu unterscheiden von dem verdächtigen Cantharellus 
aurantiacus Fr. — Vgl. Rehling Salzb., Höf.; Kochmändel (Grossglogau) 
Pr. u. Jess. 

20. Cladosporium Roesleri Cabban. 

Schwarzer Brenner (Klosterneuburg) Rathay. O. B. Z. 
1878, p. 231. 

Krankheit der Rebe. 



109 

21. Ciavaria flava Schaeff. Bärentatze. 

1. Bärentaze Tratt. 146; 2. Bärnbratzerln Top.; 3. Gelber 

Ziegenbart; 4. Hirschling Clus. II. 287. 

1, 2 = Bärenpranke, von der Form des Fruchtkörpers. 3 erinnert an 
einen Ziegenbart, und (4) an ein Hirschgeweih. 

22. Ciavaria, sp. Bärentatze, Keulenschwamm, Korallenschwamm. 

1. Bärnprät£n; 2. Bärntätza; 3. Becfnbrazn Cast.; 4. Gamss- 
bart Hof.; 5. Goasschwomma Hof.; 6. Bote Geissbart] 7. Hirschling 
Clus. II. 288. 

1, 2, 3 mit der Pranke des Bären. 4 mit dem Barte der Gemse. 5, 6 
mit dem Barte der Ziege. 7 mit dem Hirschgeweih verglichen. — Alle 
Ciavaria- Arten sind unschädlich. Vorzüglich werden gesammelt: C. flava, 
botrytis Pers. u. coralloides L. — Vgl. Bärndazen Salzb. ; ceg-, cig-, czygen- 
bort (mitthd.), Ziegenbart (Sachsen) Pr. u. Jess. 

23. Claviceps purpurea Tul. Mutterkorn. 

1. Brotväter Top; 2. Engelsbrot Hof.; 3. Troadbrand Hof. 

3 ohne weiters klar: Getreide brand. 2 euphem. wegen der Wunderwirkung. 
1 »Man käut ihn wider den Bervater (Colik), damit ein Vater den anderen 
stillen und besänftigen soll.c Höf., H. 156. — Giftig, speeifisches Heilmittel 
von hohem Werte, öfters missbräuchlich angewendet. — Vgl. Kornvater, 
Vaterkorn, Vaterkern (Salzb.) Höf.; Mehlmutter (Schles. 1 ), Roggenmutter 
(Schles. Thüringen), Stiefmutterkorn Pr. u. Jess., schliesslich das mystische 
Klabauter Kämt. 

24. Collybia esculenta Wulf. Nagelschwamm. 

1. Nagelschwamm Tratt. 65; 2. Nagerlschwamm (Nikolsburg); 

3. Nager schwämme d (Poisdorf) Bau.; 4. Naglschwammerl Cast. 
Kleiner essbarer Pilz mit stift- oder nageiförmigem Fruchtträger. Der 
Volkssage nach aus wertlosen Hufnägeln entstanden. Indes diese Be- 
ziehung wahrscheinlich erst künstlich ; denn der Pilz duftet nach Nelken, 
s. z. Dianthus. 

25. Cyathus sp. Becherpilz. 

Metzn (Gr. Russbach). 

Reich an Körnchen (Peridiolen) deutet der becherförmige Fruchtträger 
ein reiches Roggenjahr an; Metz'n ein Getreidemass. — Vgl. Brotkörbchen 
(Mark) Pr. u. Jess. 

26. Exidia auricula Judae Fr. Judasohr. 

1. ITolderschwamm Clus. II. 276; 2. Hol J erschwamm Hn. 26. 
An Sambucus-Stücken. — Giftig. 

27. Hydnum repandum L. Stockschwamm. 

Stoekschioömma (Wien). 

An Baumstümpfen, Stöcken wachsend. — Essbar. 



: ) Worin Pr. u. Jess. 459 fälschlich mudder, Schlamm, vermuten. 



HO 

28. Lactarius deliciosus Fr. Reitzker. 

1. Blütling (Wien) Pr. u. Jess.; 2. FÖraling (Wolkersdorf); 

3. Raizig Hn. 44; 4. Rödling (Wien) Pr. u. Jess. 

1, 4 vom roten Milchsafte. 2 vom Vorkommen in Föhren- (Nadel-) Wäl- 
dern. 3 I. 125 slav. reiske, zeizke soll etwas Gestreiftes bedeuten Höf. ; 
slav. ryschik = rötlich Pr. u. Jess. — Vgl. Förch — Förling (Oberöst.), 
Reiske (Sachs. Schles.), Röten (niedd.) Pr. u. Jess. 

29. Lactarius piperatus Fr. Pfefferling. 

1. Bfifferling Cast; 2. Pfefferling; 3. Pfifferling Clus. II. 267. 

Mit pfefferartig schmeckendem Milchsafte. Vom Landvolke gemieden, 
aber von slav. u. italien. Arbeitern gerne aufgesucht (ebenso der Woll- 
schwamm L. vellereus Fr.) Reich. 

30. Lactarius volemus Fr. Bratling. 

1. Bradling; 2. Bratling Nie; 3. Bratbüfz Tratt. 89; 4. Brat- 
ling; 5. Bredling Cast.; 6. Bratling Tratt., Hn. 44. 

1 — 6 von braten; wird auf die Glut gelegt und mit Salz bestreut. — Vgl. 
Bratling, Bretling Höf. M. 

31. Lycoperdon giganteum Batsch. 

1. llexenei: 2. Hexenschwamm. 

Im jungen Zustande geniessbar. — Vgl. Rabenei Pr. u. Jess. 

32. Lycoperdon sp. Staubpilz. 

1. Rossfistl Hof.; 2. Rosshiödl Top.; 3. Teufels- Schnupf 

towak Hof. 

Im Alter stäubend. — Vgl. Blasbalg Salzb.; judentaback Tir.; Stauber, 
Staubschwamm, Teufels Tabacksack Pr. u. Jess. 

33. Morchella, 34. Helvclla sp. Morchel, Lorchel. 

1. Ma(u)lrachen Hof.; 2. Maurachel Pok.; 3. Maurachen Clus. 
IL 263; Nie, Hn. 33, Hof.; 4. Maurächn Cast. 

1 — 4 vom selben Stamme wie Möhre (Daucus Carota s. d.) 4 mit An- 
lehnung an Maul. — Sämmtlich essbar, wenn aus frischem Waldgrunde 
emporwachsend. — Höf. II. 241 unterscheidet die Spitzmorchel (Maurachen, 
Mauruckerl — M. conica Pers.) von der Speisemorchel (Meiling — M. es- 
culenta L.). — Vgl. maurachen, mörchen Tir.; Maurachen Salzb.; Maul- 
rachen (Pressburg), Maurache (Öster., Baiern) Pr. u. Jess. 

35. Polyporus frondosus Fr. Klapperschwamm. 

1. Scheberling Clus. IL 275, Tratt. 118; 2. ScJieperling 
Tratt. 118. 

1, 2 etwa weil die Form dieses Pilzes an die in die Suppe eingekochten 
»Scheberl« (Mehlklftsse) erinnert? Das Schriftdeutsche dann falschlich an 
scheppern angelehnt. — Essbar. — Vgl. Schipperling Pr. u. Jess. 

36. Polyporus umbellatus Fr. Eichhase. 

Liechtling (Wien) Pr. u. Jess. 

Der versweigte Fruchtträgerstiel erinnert an einen Kandelaber. 



111 

37. Polyporus versicolor Fr. 

Felberschwamm Clus. IL 277. 

Kommt an der Weide, Felber (s. z. Salix) vor. — Giftig. 

38. Psalliota arvensis Schaeff. Gugemucke. 

1. Gugamuk'n Cast. (Wolkersdorf); 2. Gugemucke Reich.; 
3. Kuckenmucken Tratt. 68; 4. Kuckenmuncken Nie; 5. Kuku- 
müke Hn. 43. 

1 — 5 8ämmtlich von der Ähnlichkeit des jungen Pilzes mit einem Gugl- 
hupf, dem bekannten Milchgebäck der Österreicher; Guglhupfbecken = 
Guggenmucken Nie. Bemerkenswert ist die Anlehnung an Guga, Kukuk. — 
Essbar. — Vgl. Kuckenmucken (vom wendischen Kukmakü) Höf.; Guge- 
muke (Osten*.), Kuckenmuncken (Österr.) Pr. u. Jess. 

39. Psalliota campestris L. Champignon. 

1. Angerling Clus. IL 267; 2. Drietschling Wttst.; 3. Guge- 

mucKn Wied. litt.; 4. ScJiampian (Wien). 

1 Collectivname für Pilze, welche auf einem Driesch oder Drusch, d. i. 
brachen Acker wachsen; »druschling darumb das sie auf den heiden oder 
druschen gern wachsen«, Bock Kräuterb. 4 verderbtes Champignon. — 
Essbar, eultiviert. — Vgl. Drusch, Druschling (Henisch 1615), Kucken- 
mucken (österr.) Pr. u. Jess. 

40. Racodium cellare Pers. Kellertuch. 

Fässschwämm. 

41. Russula virescens Schaeff. 

Greanling Cast. 

Von der grünen Hutfarbe; Greanling bedeutet auch den Grünfink. — 
Essbar, doch mit giftigen Täublingen leicht zu verwechseln. — Vgl. Grün- 
ling (Nemnich) Pr. u. Jess. 

42. Saccharomyces cerevisiae. Bierhefe. 

1. Germ; 2. Presagerm Nie. 

1, 2 Mit lat. germen der Keim, das Anwachsende, sich Hebende (Hefe ?) 
zusammenhängend. 

43. Tricholoma gambosum (Fr.) Mairassling. 

1. Maückwamm; 2. Iiaisslig Hn. 40; 3. Rasslüig; 4. Räding; 
5. Reiasliiig (Wien) Pr. u. Jess. 

1 — 5 »Wächst im Frühling (Mai) auf Wiesen und Grasplätzen, insbesondere 
in den sogenannten Hexenringen, d. h. unter dem üppigeren und dunkleren 
Grase, welches kleinere oder grössere Kreise oder Kreisabschnitte auf den 
Wiesen bildet. . . Diese Hexenringe heissen in Niederösterreich Schwammgras 
und daher dürfte auch der Name des Schwämme« zu erklären seine Lor. 69 
wofern nicht, wie bei Lactarius deliciosus Keitzker, der Name auf das 
Slavische zurückführbar ist. 



112 

44. Tricholoma militare (Fr.) 

1. Tannding; 2. Gresseling Clus. II. 275. 

1, 2 von dem Vorkommen an Tannen, s. zu Abies pectinata. — Essbar, 
neuerer Zeit in Österreich nicht wieder beobachtet. Reich. Clus. 16. 

III. Musci. Moose. 

45. Moose im Allgemeinen werden mit Mias K., Wied. litt., Hof., Miess Nie., Mos 
Tsch. Seh. 33 angesprochen; der Dialekt unterscheidet Erd- und Bauramias, unter 
letzterem Namen werden auch Flechtenpilze begriffen. — Ahd. mios, mhd. mies. 
— Vgl. Mies Höf., Salzb., Tir. 

a) Musci frondosi. Laubmoose. 

46. Poly trieb um sp. Wider thon. 

1. Kukuks-Karn; 2. Nimm-ma-nix (Kodetschlag) Top. 

Leitet schon 1 auf den Gedanken, dass dem auffalligsten Laubmoose 
des heimatlichen Waldes Zauberkräfte zugemutet werden (s. z. Orchis u. a.), so 
ist vollends 2 ein Name vom hohem Interesse. Das Kräutlein sollte 
Hexenschaden zu nichte machen; daher der hochdeutsche Name, der soviel 
wie Entgegentun bedeutet. Nimm-ma-nix = Nimm mir nichts! ist sinn- 
verwandt. Sonst für Alchemilla alpina (Österr. Pr. u. Jess., Traunstein 
Lenau, Brief an Schurz vom 9. Juli 1831) und Herniaria glabra Höf., Ooest. 
(Linz am Traun), Pr. u. Jess. gebraucht, fand der imperativische, wol ur- 
alte Kräutername verschiedene Deutung. Am klarsten sagt Höf. II. 292, 
dass die Pflanze fest mit ihren Auszweigungen am Boden hafte, und 
die Leute vermeinen, wo das Kräutlein im Hause sei, dort könne die Hexe 
nichts nemen. Sowol für Alchemilla als für Herniaria ist es charakteristisch, 
dass sie dem Boden »angedrückte wachsen; beide Pflanzen gewinnen dadurch 
gleichen Habitus. Ooest. giebt Höf. 's Ausfuhrungen fast wörtlich, aber ohne 
Quellenangabe wieder. Lenau verstand Nimmernix, er schreibt über seine 
Besteigung des Traunstein: . . . »stellenweise fuhren wir auch ab über das 
Geröll, thaten manchen lustigen Sprung und trieben allerlei Kurzweil, be- 
sonders über ein Pflänzlein, an der Spitze des Traunstein gepflückt und 
Nimmernix genannt. Die Senninen geben ihren Burschen, wenn sie von 
ihnen besucht werden, immer einen Blumenstrauss ; findet sich darin dieses 
Nimmernix, so ist es nix.c Demzufolge spielt das Kräutlein auch im eroti- 
schen Leben des Volkes seine Rolle. Es liegt nahe, anzunemen, dass die 
Übertragung des anmutigen Namens auf Polytrichum von der ihm zuge- 
muteten »Kräfte — sei es wider Hexenspruch, sei es wider Liebeshitze — 
herrührt. 

b) Musci hepatici. Lebermoose. 

47. Marchantia polymorpha L. Leberkraut. 

Steiiüeberlcraitt. 

Altes Lebermittel, an nassen Steinen wuchernd. 



113 



Zweite Abteilung. 

Gefäss-Sporenpflanzen. 

(Plantae vascuiares cryptogamae.) 



I. Equisetaceae. Schachtelhalme. 

48. Equisetuui arvense L. Katzenzahl. (Katzenzagl = penis felis). 

1. KatzMchicoafy 2. Zinnkraut E.; 3. Zöpferln (St. Nikola) 
Top. (die sterilen Sprosse). 

49. Equisetum hiemale L. Polir-Schachtelhalm. l ) 

Zinnkraut Wied. litt. 
Vgl. zu Equis. sp. 

50. Equisetum sp. Schachtelhalm. 

1. Katzenschiooaf (Stidböhm.) Top.; 2. KätzenscJiwaf Wied. 

litt; 3. Kätznschtoaf K. 7 Priest; 4. KätzenschwoafFrt.; b.Bätzn- 

schtoaf; 6. Schächtlhälm K.; 7. Zingraud Cast; 8. Zinkraud K. 
Bloss fruchtende Sprosse: 

9. Stielkräudl (Tullnerbach). 

Bloss sterile Sprosse: 

10. Fuchsschtoaf Top.; 11. Kätznachwaf (Tullnerbach). 

7, 8 von der Verwendung der kieselreichen Stengel zum Polieren und 
Putzen. 1 — 6, 9 — 11 von der Form der Sprosse. — Vgl. Zinnkraut Ooest., 
Salzb. ; schacht'lhalm Tir. ; Schachtelhalm — fruchtend, Zinnkraut — steril 
St.; Katzenschwanz (Bock, Gesner), katzenzag il (althd.), schafftet, schafften 
houwe (mitthd.), Zikrokt (Siebenb.), Zinnheu (Steierm.) Pr. u. Jess. 

II. Lycopodiaceae. Bärlappgewächse. 

51. Lycopodium clavatum L. Gemeiner Bärlapp. 

1. Grämkraud K., Wied. litt.; 2. Gränfuas Cast.; 3. Hdr- 

kraud; 4. Härnkraud; 5. Krdhnhax'n Top.; 6. Kronikraut E. 

1, 6 als Hausmittel wider den »Krampf«, auch bei Thieren. 3, 4 als 
Diureticum? 2, 5 = Krähenfuss, wegen der gabelteiligen Sprosse (hieher 
auch Bärlapp, denn lappo = Pfote. — Die Sporen (Waldstaub, Waldstupp 
Kämt.) geben das Semen Lycopodii der Officinen. — Vgl. Krahfuss, Seich- 
kraut Kämt.; Kraenfuss (Schles. öster.), Löwenfuss (Ostpreussen), Neunheil 
(Bock), Wolfsklauen (Thüringen) Pr. u. Jess. 

III. Filices. Farne. 

52. Polypodium vulgare L. Engelsüss. 

1. EiighüassML.; 2. Gawbart Top.; 3. Johanneswurzl) 4. Stati- 
w'drzJ (Waldviertel) K.; 5. Süaxswurz'n E. (St Nikola); Top. 



') Schachtelhalm mit niedd. cht für hochd. ft Schaftelhalm. Niedd. Schacht 

Stiel, Schaft Hof. 69. 

Blätter des Vereine» für Landeskunde von Niederönt erreich. 1889. 8 



114 

6. Süasswurzl Wied. litt.; 7. Süanttumrd K.; 8. Wäldfedern 
(Lilienfeld). 

1, 3, 5, 6, 7 vom süssen Geschmack e und der Heilkraft des Rhizoms. 
2, 8 von der Wedelfonn. 4 vom Vorkommen. — Vgl. Süss würzen Ooest. 
Bergwürzln Kämt.: Engelsüss (Hort, san., Brunf., Bock, Fuchs), steine wortz 
(mitthd.), steinwurzel (Schien., Erzgeb., mitthd.) Süsswurzel (Tirol) Pr. u. Jess. 

53. Polystichum Filix uias Rth. Wurmfarn. 

1. Fonara (Krummbach) Hof.; 2. Greinkraud K.; 3. Stock- 
färn E.; 4. Stockfan. 

1, 3, 4. Betreffs Farn äussert sich Gr. III. 1333: »ahd. farn, mhd. varn 
Tadelhaft ist die Schreibung farrn, farren. Es wäre kühn, ohne weiters 
•das skr. parma frons (Wedel) als Ursprung anzunehmen, rcrepis gehört zu 
jrcepov unserem Feder. Aus rcxepov, sl. pero, poln. pioro Hesse sich wieder 
tarn herleiten.« Merkwürdig genug klingt Pfarm Kärtn. 19 deutlich an 
die Sanskritform parma an. 2 weil es, heimlich ins Haus gebracht, Zank 
und Verdni88 hervorrufen soll, eine Reminiscenz au die einstige Stellung 
des Zauberkrautes. — Der Wurzelstock liefert die wurmabtreibende Radix 
filic. mar. der Officinen. Der Name Wurmfarn mag indes schon vor der 
arzneilichen Verwendung im Schwünge gewesen und von den wurmformig 
eingerollten jungen Wedeln abgenommen sein. — Fasen, Faden (Ooest.) Hfif. 
mit Anlehnung an Faser, Faden, von den vielen haarfttrmigen Wurzeln; 
Federfaden (Österr.), Johanneswurz (Lechrain), Waldfahr (Brunfels, Bock) 
Pr. u. Jess. 

54. Asplenium Trichomanes L. Frauenhaar. 

1. Widrrtad E.; 2. Wiedertodl, Beck litt.; Widndot Top. 

1, 2 das Kraut sollte verjüngende Kraft besitzen und wider den Tod 
dienlich sein. Perg. S. 217. — Widertodt Kämt.; widerthon (entgegenthun, 
weil zauberscheuchend) Tir. ; Abthon (Erzgeb., Bock, Fuchs), Widerstoss 
(Nemnich), Widerthon (Cordus), Widertod (Cordus, Fuchs) Pr. u. Jess. 

.55. Asplenium Ruta muraria L. Mauerraute. 

1. Maurraul 1 n K.; 2. Stoanneidkraut E. 

1, 2 gegen das »Veraeiden« des Viehs; mit Silene acaulis, Homogyne di.s- 
color, Achillea Clavennae und »Pöchl« (Baumharz) tägliche »Maulgabe« 
der Alpenrindor Becker 457. — Mauerrauten (Brunschw., Brunfels, Bock, 
Cordus), wedertam (althd.), widertate, widertat, widertot (mitthd.) Pr. u. Jess. 

5(). Sc olopen driu m officinarum Sw. Hirschzunge. 
llirschzunya E. 

Zu Brustthee gepriesen. — Hirschzungen Kämt., St.; herzeszunge (mittnd.), 
hirezzunge (mitthd.), Hirschzunge (Cordus), hirzeszuiiga (Hildegard, althd.) 
Pr. u. Jess. 

.57. Pteris aquilina L. Adlerfarn. 

Straf am F. 

Als Streu in Viehställen. 



115 

58. Botrychium Lunaria L. Mondraute. 

Petersschlüssl (Dtirrenstein) E. 

Dem eigentümlich zugeschnittenen Wedel wird Zauberwirkung zuge- 
schrieben. Botr. Lun. heisst in Oberösterreich Ankehrkraut (weil die Blätter 
wegen ihres mondförmigen Einschnittes ankehren, gleichsam wieder zurück- 
gehen), und mit eigenem Kräuterspruche abgebrockt Höf. I. 36. St. Peters 
Schill 88 el Höf.; Peterschlüssel Tir.; Allermanns he rrn kraut (Harz), St. Wal- 
purgiskraut (Schwaben, Bock). 



Dritte Abteilung. 

Samenpflanzen. 

(Plantae vasculares semin iferae, phanerogamae.) 

I. 

Nacktsamige. Gymnospermab. 

I. Coniferae. Zapfenträger. 

59. Zapfen: 

Boya r l Cast.; Bockerl (Wien); Hötsch'n Top. 
Als Brennmaterial verwendet. 

Coniferenreisig: 

G'rass Becker. 

Wol von reissen. — Zur Bekleidung der Kohlenmeiler; als Zeichen der 
Weinschänken benutzt. — grassach, grasset Tir. 

60. Abi es pectinata DC. Weisstanne, Edeltanne. 

1. Dänabam Tsch. Seh. 28, 65, Cast.; 2. Danabusch Tsch. 
Seh. 90; 3. Dannabam Tsch. Seh. 215, (Weidlingau); 4. Täna; 
5. Tmerl — kleine Tanne Hof.; 6. Tennabam K; 7. Tt na 
(Wien); 8. Tänabam K.; 9. Thannen Clus. 

Zapfen : 

10. Hchisgdn (Waydh. a. d. Th.) Top.; 11. Tänazapfn 
(Krems). 

Reisig : 

12. Da na gras Gast.; 13. Tanndgrds Seidl; 14. Tennersgrassat 
Hof. 

1 — 9 Tanne, ahd. tanna, mhd. tanne, von ahd. das tan = Tannen- 
wald Hof. 25. 10 vom böhm. siska. 12 — 14 s. zu Coniferae. — Nach 
Tacitus' Berichte trugen die Marsen ihrer Göttin Tanfana zu Ehren Tannen- 
rei*ig in Händen; hierin wird der Ursprung des Weihnachtsbaumes erblickt. 
Die freundliche Tanne ist ein Liebling des Volksliedes. 

8* 



116 

61. Abies excelsa DC. Fichte, Rothtanne. 

1. FaicMn Ca st.; 2. Feicht'n K, E.; 3. Feichtn (Wr.-Ncu- 
stadt) Hof., Wied. litt.; 4. Fiackt'n ( Wald viertel) K; 5. Fiachtn 
Frf.; 6. Hänechln — junge Fichten Top. 

Das Holz der Fichte : 

7. Feuchtanas. 

Hexenbesen an den Zweigen, durch Pilze bewirkt: 

8. Herrgottsbesen (Maria-Zeil) Wttst. 

1 — 5, 7 Fichte, ahd. tiuhtä, fiehta, mhd. viehte vom lat. picea, g riech. 
Tteüxf]; das t gehört der Ableitung an. 6? — Feichten Salzb., Tir.; Feichtel 
(Kärnten) Bob.; feichtes Holz Tir. 

62. Larix europaea DC. Lärchenbauin. 

1. Lälira E.; 2. Lärbam Hof.; 3. Lea r bam Cast.; 4. Learchn 

K.; 5. Leerbaum Märt.; 6. Lehrbam K., Wied. litt.; 7. Lehre 

Schult.; 8. Lera Hof.; 9. Lerchbam Hof.; 10 Lerchn K.; 11. Ler- 

paum Clus.; 11. Lierbaum Märt. 

1 — 12 Lärche, rohd. larche aus lat. larix, welches mit laridunt, larduin 
Fett, zusammenhängt. — Der »Stock im Eisen«, das bekannte Wahrzeichen 
Alt-Wiens, ist nach Uuger ein umgekehrt aufgestellter, knorriger Wurzel- 
stock der Lärche. — larch 1 Tir. ; Lärbaum (Baiern), lerche (mhd.) Pr. u. Jess. 

63. Pinus silvestris L. Gemeine Kiefer, Weissföhre. 

1. Fehra K.; 2. Fehrn K.; 3. Fem K.; 4. Foarc/rn Seidl; 
5. Fohra E., Hof.; 6. Fora Hof.; 7. Keanfora (Pottendorf) Hof; 
8. Keanfora (Retz) Höf.; 9. Kienbam Br.; 10. Rotli Ferclin Br.; 
11. Weisse ferent Clus.; 12. Weissfeh ra Wied. litt; 13. Weiss- 
fehrn K. 

Zapfen : 

14. Bockerl Hof. ; 15. Bock, 16. Helm (Wolkersdorf); 18. Ktist'n 
(gegen Steiermark?). 

Holz: 

18. Kelinfearanas Cast.; 19. KeaJischtek Tsch. Seh. 26; 

20. Spoan Seidl. 

1- 8, 10—13,' 18 Föhre ahd. foraha, mhd. vorhe. Da sich für Föhre 
teure findet, wird man an Feuer erinnert Gr. III. 1869, 9, 18, 19. Ahd. chien, 
mhd. kynefackel, Späne als Leuchten, zu welchen mau die fettesten, harz- 
reichsten Stücke herausschälen, ahd. ginnau, oder heraus schroten, shiwan, 
inusste; davon auch Kiefer Pr. u. Jess. 280. 20 von spanen (cTidcü) spalten. 
16, 17? — Eine alte Föhre mit auffallend abgeflachter Krone stand bis zum 
Jahre 1872 in der Nähe des Strasshofes bei Schönkirchen (Marchfeld). Das 
Volk nannte sie »die stolze Föhre« und hielt sie für einen Zauberbaum. 
Vgl. Mayrhofer in den Blatt, d. Ver. f. Landesk. N. F. 11.1868, S. 65. — 



117 

förch, forchen, förches Holz Tir. ; Färchen Kämt.; Fohre (Schweiz) kien- 
boum (mhd.), Rotföhre (Nemnich), Kienfore (Oelhafen) Pr. u. Jess. 

64. Pinus Mughus Auct. Krummföhre. 

1. Grumpholz Cast.; 2. Kleppn (Schneeberg, Rax) K.; 
3. Latsch' n Roghf.; 4. Leckarstaudn Beck litt.; 5. Leckern', 
6. Leggerstauden (Gösseck) Roghf.; 7. LeUhern K., E.; 8. LeWin 
(westliche niederösterr. Alpen) K.; 9. Sea T pn Cast.; 10. Serpe 
(Schneeberg) Pr. u. Jess. 11. Zerben (Gösseck) Roghf.; 12. Zerbet 
Schult; 13. Zerbetstaude Märt.; 14. ZerVn K.; 15. Zerbn 
(Nasswald) Hof.; 16. Zerrn K.; 17. Zermet Schult; 18. Zerm- 
staucPn K.; 19. Zürnt. 

1, 9, 10 von dem krummen, beziehungsweise sichelförmig gekrümmten 
Stamm. 11 — 19 hängt gleichfalls mit Serpe zusammen, ist aber deutlich an 
die Volksnamen von Pinus Cembra angelehnt (vgl. zirm Salzb.; zirmen 
Kämt.; zirmesmüssl Tir.), welcher Baum schon in Steiermark und Salz- 
burg bestandweise vorkommt. 3 — 8 von dem liegenden, latschen. 2 dem 
Fels förmlich anklebenden Stamme. — Latschen, Leggen, Locken Salzb. ; 
latschen Tir.; Legerstaude (Oster.), Legföhre (Württemberg, Uri), Leker- 
slaude (Ob.-Öster.), Zerbelstande (Ost.), Zerm (Öster.), Zürm (Tirol) Pr. u. Jess. 

65. Pinus nigra Arn. Schwarzkiefer. 

1. Schwarze ferent Clus.; 2. Schwärzfeh ra K., Wied. litt; 

3. Schwärzfehrn K. 

Die charakteristische dunkle Kiefer des Wienerwaldes. Zur Harz- 
gewinnung > angelacht«. Besonders geformte und alte Bäume sind beim 
Volke unter eigenen Namen bekannt. So die Vöstenhofer oder grosse Föhre, 
die breite Föhre auf dem Anninger — in welcher eine gütige Fee wohnen 
soll — die Bruthenne bei Fürth, die Kreuz- oder Bildföhre, der Vierbrüder- 
baum bei Enzesfeld, der Dreischuhbaum bei Enzesfeld, die Liesel bei 
Enzesfeld, die Parapluieföhre bei Pottenstein. Vgl. Seckendorff, Beitr. z. 
Kenntnis der Schwarzföhre. Wien 1881. 

♦>(>. Pinus Cembra L. Zirbe. 1 ) 

1. Zia'wasnissl — die Samen — Cast. 

»Zirbel-Wirbel, nord. hwirvel, nach den in Quirlen stehenden 5 Blättern 
oder Zapfenschuppen« Pr. u. Jess. mhd. zirben, sich im Kreise drehen. — 
Zirm, zirscher Salzb.; zirm, zirbl, zirbaanüssl Tir.;' Zirmen Karat. 

(57. Thuja occidentalis L. 

Zetterbaum (St. Nicola) Top. 

68. Thuja 8 p. Lebensbaum. 

1. Segel/mm; 2. Siegelba m; 3. Seg'nbam. 



l ) Mehrere Exemplare dieses Baumes wurden neuesten» von Wettstein auf 
dem Gamsstein (steir. -niedöst. Grenze) gefunden. 



118 

S. z. Juniperus Sabina. Die gleichlautende Bezeichnung läset ver- 
muten, dass auch Thuja von Seiten des Volkes missbräuchliche Anwendung 
findet. 

69. Juniperus communis L. Wachholder. 

1. Kranaioet Beck; 2. Kranawettetaude Märt.; 3. Kronawein 
K., Kempf; 4. Kronawetstaudn Kempf; 5. Kronawetetaud f n K.; 
6. Kronawett(n) Hof.; 7. KronaioeUstaucPn Wied. litt.; 8. Krona- 
vritn Bau.; 9. Kronaioötfn E. 

Beeren: 

10. Granewüsbeer Nie; 11. Oränabör Cast.; 12. Kränawetber : 
13. Kronalria* Tsch. Seh.; 14 Kronabir Bau. 

Holz: 

15. Granawöiholz Cast.; 16. Kranwithohz Schm.; 17. Kro- 
nawetholz Seidl. 

1 — 16 mhd. kranewite, ahd. chranawitu. wite ist Holz, Baum; das chranu 
aber läset am nächsten an chrano Kranich denken Gr. V. 2042. Dagegen 
Pr. u. Jess. : ahd. chrana-witu = Beerenholz, Beerenstrauch (lat. granum, 
Beere, Korn). Eine dritte Erklärung giebt Seidl: Kronawet von grün, angels. 
granu und wid, schwed. ved, Holz. Nie. bemerkt: >Man hat mich ver- 
sichern wollen, der Name käme aus dem Sla vischen.« Fünftens lehnt Cast. 
Kranaber an gran Krähe an. — Gränawötta = Wachholderdrossel Cast. 
Kronawetter ist in Österreich häufiger Familienname und dies deutet auf 
das Ansehen des würzigen Strauches, vor dem der Tiroler Bauer den Hut 
zieht Schmeltzl 690 sah im Jahre 1548, da er Wien besuchte: 

... in den gassen vnd ringen 

Ettlich hundert fewer prinnen 

Von kranwithohz, Weyrauch darzu, 

Damit der lufft sich raynigen thu. 
Wachholderholz sollte die Pest bannen, wie es denn noch heutigen Tages 
sammt den Beeren zu Räucherungen verwendet wird. Welche Heilkraft 
ihm zugemutet wird, dafür spricht das in mannigfachen Variationen wieder- 
kehrende Sprüchlein: 

Iss Kronawett und Pimpanell, ') 

so stirbst du nicht so schnell. 
Vgl. Perg. Sag. Die Beeren dienen zu dem berühmten >Krauebiter«, einem 
Braut wein, der mit »Enzian« die Vollkraft des Älplers erhalten soll. Ein 
Sträusschen von Wachholder am Hute dient gegen Ermüdung K. — die 
anderen Beziehungen desselben zu Thun und Denken des Volkes an dieser 
Stelle nicht zu erwähnen. — Die bairisch-österreichische Mundart kennt 
nicht den Namen Wachholder (der übrigens als wachholtern, wacher, immer- 
grüner Baum gedeutet wird). Vgl. Kranawötter Ooest; Kranawetten (Hall- 
stadt), Kramat (Imst, Tirol) St.; Kranabetter Salzb.; Krandelbeer Schles.; 



') Pimpinella magna s. d. 



119 

Kränavit, -holz, -staud'n, -b6r Tir. ; Gronabett (Altbaiern), Krannwit (Alt- 
baiern) Pr. u. Jess. 

70. Juniperus nana W. Zwerg-Wachholder. 

KranabU Beck litt. 

Vgl. zu Juniperus communis — Almkranabet Kämt.; Kronewett (Sieben- 
bürgen) Pr. u. Jess. 

71. Juniperus Sabina L. Sadebaum. 

1. Lebensbaum Hof.; 2. SeUnlam K.; 3. Segelbam; 4. Segen- 

bam Hof.; 5. Seglbam K.; 6. Segnba m K., Wied. litt.; 7. Seg'n- 

baum E.; 8. Sirgelbam (Wolkersdorf) Hof.; 9. Sögnbaum Cast. 
Ausser 1 sind sämmtliche Bestimmungsworte Verstümmlungen des lat. 
Sabina, welches sich auf die Herkunft des durch Karl des Grossen Capitulare 
zum Anbau empfohlenen Strauches bezieht K. B. Euphemistisch genug ist aus 
Seb'nbam — Seg'nbam geworden, euphemistisch ist wol auch 1 und geht 
auf die missbräuchliche Anwendung der Pflanze, welche ursprünglich wegen 
ihrer Heilkraft gegen äussere Schäden gepflanzt sein mag. Nun aus den 
Alpengärtchen nicht mehr zu tilgen, angeblich bloss zu Palmsonntag«- Weih- 
buschen dienlich. — Giftig. — Segenbam Ooest., Salzb., Tir.; sefenbaum, 
sefelbaum, sefler Tir.; Seft'nbaum (Hallstadt) St; sabinbaum (mhd.), Seben- 
baum (Mecklenb., Schles.), Segelbaum (Baiern), segenboum (mhd.) Pr. u. Jess. 

72. Juniperus virginiana K. 

Bleistißholz, Zedernholz (Wien). 

Aus Nordamerika. Liefert das »Cedernholz« der Drechsler. 

73. Taxus baccata L. Rotheibe. 

1. Badeib'n K.; 2. BodaiVn Cast.; 3. Bothatl'n E. 
Beeren: 

4. Rotzben (Brück a. d. L.); 5. Botzber Hof. 

Eibe, »Namen unbekannter Abstammung« Pr. u. Jess. 397. 4 — 5 wegen 
des klebrigen, fadenziehenden Beerensaftes. — Giftig. — Rotalber Höf.; 
Rotheibe (Baiern) Pr. u. Jess. 

IL 

Bedecktsamige Pflanzen mit einem Samenlappen. 
(Plantae angiospermae monocotyledoneae.) 

II. Lemnaceae. Wasserlinsen. 

74. Lemna minor L. 

Sennat (St. Nikola) Top. 

75. Lemna sp. Wasserlinse. 

1. Gränzling; 2. Krentsllng (Wolkersdorf); 3. Wasserlilien K. 
Vgl. zu Nasturtium officinale. 



120 

III. Aroideae. Arumgewächse. 

76. Arum maculatum L. Aronstab. 

1. Arontcurz; 2. Johamieshaupt (Wien). 

Von der ihm zugemuteten Heilkraft. Ein Stückchen des Knollens, in 
einen bösen Zahn gelegt, soll denselben herausfallen machen u. s. w. 2 im 
Geheimen unter das Kopfkissen gelegt, erregt der Knollen glückbringende 
Träume. — Aaron, Arone (Hildegard), St. Johannishaupt (Toxites) Pr. u. Jess. 

77. Calla palustris L. Schlangenkraut. 

1. StanitzlMeamel Top. 

Schdanizl, Papierdüte, neapol. scarnuzzo. Cast. 233. 

78. Richardia aethiopica Kth. 

1. Schdanizlbluma Gast. 

S. z. vorigen. 

7J). Acorus Calamus L. Kalmus. 

1. CaUmass Nie; 2. Kaimas K.; 3. Kalma swurz'n Wied. litt; 
4. KcUmun K. 

Von lat. calamus, Halm, Rohr. — Im Mittelalter aus Asien ein- 
geführt. Des würzhaften Krautes bedient man sich zur Ausstreuung am Pfingst- 
feste. Anachronistisch berichtet Frey tag von solcher Sitte im I. Bande der 
> Ahnen«. Wurzelstock als Magenmittel. — Kalmus, Kalmes Luther (Gr. V. 73); 
Karmes wurzel (Ostfriesland) Pr. u. Jess. 

IV. Typhaceae. Rohrkolbenartige. 

80. Typha latifolia L. 

1. Bindarähr K. ; Wied. litt; 2. Cr röhr E.; 3. IfergofskoW n 
(Waldviertel) K.; 4. Sjjottrohr (Melk). 

1 von der an den Schlägel der Binder erinnernden Inflorescenz. 1 ) Aus den 
Blättern werden namentlich in den Ortschaften am Neusiedler See Matten 
(»Rohrdacken«) geflochten. Bindergras Kärnt.; Bündtnerschlegel (St. Gallen), 
Marienkolben (Ostpreussen) Pr. u. Jess. 3, 4 wol mit legendenhafte m Hinter- 
grunde. Perg. Sag. 95 sagt vom Schilf: »(es ist) ein Sinnbild der Gebrechlichkeit, 
deshalb steckte man auch dem Heiland ein Rohr als Scepter zwischen seine 
gebundenen Hände.« Dies kann aber mit grösserem Rechte auf Typha mit 
seinem seepterartigen Blütentrieb bezogen werden. 

81. Sparganium ramosum L. Igelkolben. 

Saumgel Top. 

Nigel Intensivform für Igel wegen des morgensternartigen Frucht- 
standes; z. Rannnculus acer. Saun., weil das Volk einen Hunds- und 
einen Sauigel unterscheidet. — Igelknospen (Lausitz, Tabernaemont.), Igels- 
kolbe (Schwaben, Schles.) Pr. u. Jess. 



') Vielleicht auch weil die Liescheu (Blätter ) zum Stopfen der Fassfugen 
benützt werden. 



121 
IV a. Palmae. Palmen. 

82. Phoenix dactylifera L. Dattel. 

1. Dachtel Hof. — Schlag .mit der flachen Hand auf den 
Kopf. 

Lat. dactylus, gr. odxroXo;, gr. tahtel Hof. 71. 1 spottend wie Birn etc. ; 
a. z. Pirus communis — Dachtel Höf. M. 

V. Gramineae. Süssgräser. 

83. Collectiv werden die an Bach- und Flussufern stehenden 
Gräser 1. Bahr K. (Rohr) genannt. Der Alpler unterscheidet 
2. Stangel- und 3. Büschelgras; anderorten: 4. Gras, 5. Schmäl- 
cha und 6. Rohr E. Hochwüchsige Wiesengräser: 7. Schmöcha 
Wied. litt. 

2, 3 nach den beiden Typen der hochhalmigen und der niedrig-buschigen 
Gräser. 5, 7 ahd. smelehe von smal (schmal), wegen des langen, schlanken 
Halmes Hof. 35, daher auch der Grashüpfer: Schmelhahupfer Hof. 

Ähre: 

8. das Echer Hof. 
Stroh : 

9. Jakobifeddn Seidl. 

Scherzhaft, weil um Jacobi (25. Juli) geschnitten. 

Getreide: 

10. Ihdd; 11. Droad Seidl; 12. Kämdl Seidl; 13. Troad Tech. 

Seh. 

10, 11, 13 abgeleitet von tragen. 12 mit Bezug auf das Korn; collectiv wie 
ahd. churni, mhd. kürne, kürn Gr. V. 1813 — traid, troad Tir. ; troadhendl 
das Rebhuhn Hof. 
Redensart: 

er hat hVs Gras bissen — ist gestorben, Sonnl. 48. Halmezieg'n Seidl, 
loosen durch Ziehen der Halme; schon bei Hanns Sachs: 
mann: darnach die helmlein ziehen vorab, 
wer unter uns den vorstreich hab. 
weib: ich kann auf dein halmziehen nicht harrn. 
Gr. IV. 242. 

84. Nardus strieta L. Borstengras. 

1. Bio* schtling Cast.; 2. Bürsüing (Wald viertel) Top. 

BÜr8chtling Tir.; bürstling (Brixen), Spitzgras (Berchtesgaden) Pr. u. Jess. 
Vgl. zu Carex Davalliana. — Wird vom Alpenvieh gemieden, da es die 
Schnauzen verwundet. 

85. Lolium temulentum L. Taumellolch. 

1. Durst (Waldviertel) K., Wied. litt.; 2. Hammerl (Gross- 
Russbach); 3. Unsinn E., Nordm.; 4. Unsinni K. 



122 

1 Durt, dort vom alten daron, deren, welches bei Otfried schaden be- 
deutet Höf. I. 169; niederösterreichisch mit deutlicher Anlehnung an Durst: 
für den Gegenstand erscheint, wie in 3,4, die Wirkung gesetzt. 2 vielleicht 
war Taumellolch ob seiner kräftigen Wirkung, wie viele andere Pflanzen, 
dem Donar (dessen Attribut: der Hammer) geweiht? — Giftig. — Rausch- 
gras Salzb.; Tamisch Kärnt.; Taumel (Schles.), Töberich (Schwaben), Toll- 
korn (Elsass, Schles.) Pr. u. Jess 

86. Agropyrum caninura R. Seh. Hundsquecke. 

Hundsgräs. 

Hundsweizen (Ostpreuss.) Pr. u. Jess. 

87. Agropyrum repens P. B. Gemeine Quecke. 

1. Baia (Pötzleinsdorf) ; 2. Bair (Korneuburg) Wied.; 3. Bair- 

wurz'n E., Wied. litt.; 4. Bajer Br.; 5. Bayer Nie.; 6. Gras- 

wurzl; 7. Sohagräs (St. Nicola) Top.; 8. Turd Top. 

1—5. Wie in einer eigenen Studie (ö. B. Z. 1887, 167) dargethan ist, 
gab der Versuch, Baia, Bair zu deuten, genugsam zu schaffen. Erstlich 
stimmt die Bezeichnung mit dem Namen der Baiern (in Baiern Einheimische) 
so sehr zusammen, dass die Vermutung erlaubt war, die Bezeichnung sei 
spöttisch auf jene Nation gemünzt 2. bedeutet baj im Ungarischen Unglück. 
Bei der relativen Häufigkeit der Abstracta als Namen schädlicher Gewächse 
(8. z. Lolium temulentum, Cuscuta, Holcus mollis) konnte somit der Hypo- 
these Raum gegeben werden, dass Baia vom Magyarischen herstamme. 
3. stellte sich heraus, dass Agropyrum repens im böhm. payr* (poln. perz) 
heisse, und es war schliesslich klar, dass Baia ein niederösterreichischer 
Pflanzenname slavischen Ursprunges ist. Pr. u. Jess. beziehen Peyer (Kärnt.) 
fälschlich zu Pfad, ahd. päd und Padde, Kröte. 3, 6 unter diesen Bezeich- 
nungen für Apotheken gesammelt. 7? 8 s. z. Lolium temulentum — 
Bayer (Ost.), Peyer (Kärnt.) Pr. u. Jess. 

88. Triticum sativum Link. Weizen. 

1. Deutscher Waz Bau.; 2. Warz K.; 3. Waz K.; 4. waytz 
Schm.; 5. Woarz K.; 6. Woatz Hof.; 7. Woaz Frf.; 8. Woiz 
(V. U. M.) Tsch.; 9. Waz (a. d. March) Tsch. 

Kleie: 

10. Glatt! ii Gast.; 11. Kleyhen Nie. 

Redensart: 

12. Wea r si itnta aVGlaib'n mischt, den fröss'n d?Sai Cast. 

1 — 9 Weizen, ahd. weizi, mhd. weize; zu wiz weiss, wegen der Weisse 
des Mehles Hof. 48. 10, 11 zu ahd. clie abgespaltenes, von chliopan, nd. 
klöwen, spalten; vgl. zu Klee (Trifolium). — waizen, wonz'n Tir. 

89. Secale cereale L. Roggen, Korn. 

1. Brandkorn Becker; 2. Drad Cast.; 3. Kaum (V.O. W.W.) 
Tsch.; 4. Keandl Becker; 5. Kendl K.; 6. Kän; 7. Kon K.; 
8. Korn K., Becker (Zwettl), Hof., Top.; 9. das rocken Schm.; 



123 

10. Trad Hof., Bau.; 11. traid, 12. traidt, 13. trayd Schm.; 
14. Troad (Waldviertel) K. 
Kornähre: 

15. Kotinecha Cast. 
Kornniehl: 

16. rogas Mehl K., daraus eine Mehlspeise in Form vier- 
eckiger Blättchen: Schab 9 nbladl Cast.; 17. äfianas Drad Cast.? 
schlechtes, bei der Mehlbereitung abfallendes Korn. 

1 auf ausgebrannten Stellen üppig wachsendes Korn. 1, 3 — 8 körn, 
goth. kaum mit Kern sachlich noch mhd. zusammentreffend. Gr. V. 1813. 
9 derzeit kennt der niederösterr. Dialekt Roggen nur in der Form des bei- 
fügenden Adjectivs; Roggen selbst ist nach Schade einerlei Abstammung 
mit Reis, skr. vrthi, welches urspün glich Getreide schlechthin bedeutete Hof. 
33. 10 — 14 zu Getreide, ahd. gitragidi, das getragene. — rogken Tir.; 
cauern (goth.), Koorn (Unterweser), Korn (Speier, Worms) Pr. u. Jess. 

90. Hordeum sativum Jess. Gerste. 

1. Gea T 8cMn (cfroldi) Cast.; 2. Gerstn K.; 3. gerstn Schm. 

1 — 3 Gerste,, nach Schade mit lat. hordeum zur Wurzel ghars, eigentlich 
die Starrende, Stachlige, wegen der Grannen Hof. 26. — Pfauen geraten, 
Wintergersten Kamt.; gerst, gerst'n Tir. 

91. Hordeum murinum L. Mäusegerste. 

1. Hanslschliaf; 2. ScJdiafhansl Hof. 

1, 2 die Ähre kriecht vermöge der widerhackigen Grannen gleichsam 
automatisch in den Ärmel hinein; vielleicht mit mythischem Bezug zum 
»starken Hannsc oder dem wandernden Thor? Vgl. zu Polygonum aviculare. 
— Hansel am Weg Höf. 

92. Festuca sp. Schwingel. 

1. dim) 2. hoarti Schmälarn Br. 
S. z. Gramineae No. 83. 

93. Dactylis glomerata L. Knaulgras. 

1. Hundsgras; 2. KneaVlgräs, Knopf gras Br. 
Hundsgras Salzb.; Chnopfhalm (St. Gallen), Hundsgrab (? Tirol, Bern, 
Tabernaemont.) Pr. u. Jess. 

94. Briza media L. Zittergras. 

1. Flinserln Seidl; 2. FraunJiär K.; 3. Hasenbrot (Wolkers- 
dorf); 4. Liabfraii nhdrr Wied. litt.; 5. Liabfraxinhdrl E.; 
6. Liabnfrauhaarl Wied. litt.; 7. Liebfrauenhaar Becker; 
8. Ldebnfrau-Limdt Top. 

1 bedeutet auch Goldflitter, wie ihn die Bäuerinnen auf ihren Hauben 
tragen, und wurde von Seidl zum Titel anmutiger Schnadahüpfl gemacht. 
2 — 8 eine niedliche Freya- später Muttergottespflanze. — Muatergottesfliegen, 
Muatergotteszacher (Trähnen) Kämt.; Flitterchen (Schweiz;, Hasen brodle 
(Augsburg), Jungfernhaar (Sachsen) Pr. u. Jess. 



124 

95. Poa alpina L. var. vivipara. 

Awiklgras (Dürrenstein) E. 

D. i. Abwickelgras, weil sich vom Mutterstocke die Sprösslinge formlich 
abwickeln, wie der Faden von der Haspel. 

96. Poa annua L. 

Saugrä* Top. 

97. Poa pratensis L. 

Wutn- Schmälarn Br. 
S. z. Gramineae No. 83. 

98. Poa sp. Rispengras. 

1. Schmäla Top.; 2. Schmehha; 3. Sc/inieler; 4. Schmöla. 
S. z. Gramineae No. 83. 

99. Glyceria fluitans R. Br. Mannaseh wingel. 

Himmeldau Br. 

Aus den Körnern wird ein Kinderbrei bereitet. — Himmelthau Pr. u. Jess. 

100. Holcus lanatus L. 

Pein Top. 

Abstract, die Eigenschaft für die Sache; s. z. Claviceps purpurea No. 23, 
Lolium temulentum No. 85. 

101. Avena fatua L. Windhafer. 

1. Flughähern; 2. Oraning (Mühlviertel) K..; 3. Wüdhäfer 

WiecL litt.; 4. Windhäbern. 

Der wilde, taube Hafer (3, 4), der auf der Tenne am leichtesten davon- 
getragen wird (1) und durch lange Grannen vom zahmen Hafer absticht (2). 
— Barthafer (Schles.), Flughafer (Schles.), wilder Hawer (Ostfriesland), 
Wildhafer (Schles.), Windhafer (Schles.) Pr. u. Jess. 

102. Avena strigosa Schreb. Rauhhafer. 

1. Wirrhabern (Rosenberg) Top. 

Mit überaus flattriger Rispe. 

103. Avena sativa L. Rispenhafer. 

1. Habdrn Seidl; 2. Haicern Hof.; 3. Häba Tsch., Seh. 186; 
4. Haber (Nikolsburg) Bau.; 5. Häbern K.; 6. Häfern K.; 
7. Häwern; 8. habern (Hafer eintragen) Becker; 9. Häbabaun 
(Haferbauen); 10. Häbasäg (Hafersack) Tsch. Seh. 20; 

11. Hawanudl (Mehlspeise in der Grösse der Haferkörner) Cast; 

12. Hädl (die [nicht tragenden?] Nebenzweige des Hafers) 
Cast.; 13. Ohm (die beim Dreschen entfallenden Spelzen) Cast. 

Redensart : 

14. da Habdrn sticMn Seidl. 

1 — 13 ahd. habaro, mhd. habere; der niederösterreichische Dialekt hat 
das n der obliquen Casus in den Nominativ aufgenommen, wie bei Knollen, 



125 

mhd. knolle. Heyne weist auf skr. kamp, zittern hin, so von den beim 
leisesten Winde zitternden Rispen der Pflanze. Grimm bringt Hafer mit 
bapar Bock in Verbindung, sei es, dass das Thier dem Hafer nachstellt, 
oder vormals damit gefuttert wurde. Nach Hehn bezeichnet Hafer als 
Bockskraut das nichtige, getreideähnliche Unkraut Hof. 19. Dieser wie 
jener Erklärung stellt sich manche Schwierigkeit entgegen. Ist Hafer = 
Bockskraut nicht darum, weil seine Ähren wie der Bock hüpfen; hängt damit 
nicht die bekannte Redensart (14) zusammen? 

104. Avena orientalis L. Stangenhafer. 

Türkischer, ungarischer Hafer (Angern a. M.) Neilr. 

105. Arrhenatherum elatius P. B. 

Folscher Howern Hof. 

106. Stipa pennata L. Federngras. 

1. Fedagräs (Wiener Markt); 2. Frauenhaar (Stockerau); 

3. Fraunhär Br.; 4. Jakobs-, 5. Joachimsbärt; 6. Liabnfraun- 
harl; 7. Pfingsthär (Wr.-Neustadt) Hof.; 8. Stoanfedarn (Spitz 
a. d. Donau); 9. Wiesenlwar Wttst. 

Die 20 — 30 cm. langen, federig behaarten Grannen bedingen das eigen- 
tümliche Vegetation s bi ld dieses Grases. Die auffallende Pflanze wurde der 
Freya, dann der Heben Frau geweiht. 4, 5, 7 von der Blütezeit. 9 = ? 
Waisenhaar, so wenigstens heisst die Pflanze in den ungarischen Volksliedern. 
— Von Landlenten als prächtiger Hutschmuck verwendet, im modernen 
Zimmer als unverwelkbares Bouquet (nach Einlegen in Kalkwasser). 

107. Phragraites communis Trin. Schilf. 

1. Fahnlträger: 2. Fitschipfeil (Wien, Prater); 3. Bahr K.; 

4. Riad Hof.; 5. Rohr Br.; 6. Schaff (Neusiedlersee); 7. Schidf- 
rähr K.; 8. Spindelrohr Luze; 9. Stokadurralir K.; 10. Riad 
(ausgetrockneter See mit SchilfVegetation) ; 11. Riadäcker (die 
Acker daneben); 12. Reiterring (schilfbewachsene Gegend); 
13. Riad (Ortschaften bei Mannersdorf a. L. u. anderwärts Hof.). 

1 von der Inflorescenz, wie 2 ein von spielenden Kindern erfundener 
Name. 4 Riet, ahd. hriot, riot diphthongisch wie mundartl. Riad. 6 ahd. sciluf, 
scilaf, nhd. schilf, nach Weigand zu lat. seirpus, nach Pr. und Jess. 273 zu 
Schele = dünne brüchige Schale. Schlanke, starre Halme werden, dem 
Bambus vergleichbar, vielfach benutzt. Namentlich vom Neusiedlersee werden 
grosse Mengen Schilf nach Wien gebracht und daselbst zur letzten Aus- 
kleidung der Wände (daher 9) verwendet. Am Neusiedlersee, auf dessen 
»schwingenden Böden«, wird ein unten mit breitem Blatte verlegtes Schilf- 
rohr in den Grund gestossen, und auf diese Weise gewinnen die wochenlang 
ausser ihren Dörfern wohnenden Heumacher das nötige Wasser im filtrierten 
Zustande. In jener Gegend werden bei dem Mangel jedes andern Materials 
aus Schilf Zäune, Hürden, Bedachungen ausgeführt. (Vgl. Korn huber 



126 

Z. B. G. 1885, p. 626, 627.) — Rar (Güttingen), Rohr (Bock), Schilf (mhd. 
St. Gall., Bern, Schles.) Pr. u. Jess. 

108. Sorghum vulgare P. Moorhirse, Sorghogras. 

1. Bös'ngraud Cast; 2. CameeLstroh Nie; 3. Muhar (Gross- 
Enzersdorf). 

Hie und da gebaut. — Afrikas Haupt getreide. 

109. Andropogon Ischaemum L. Bartgras. 

1. Sc/t mein (Pulkau) Frf.; 2. Schmelcha; 3. Schmiln K.; 

4. Schmöla: 5. Teufelsbratzn; 6. Teufelsfuas Br. 

1 — 4 s. z. Gramineae No. 83. 5 — 6 beziehen sich auf die doldig ange- 
ordneten Ähren. 

110. Cynodon Dactylon L. Hundszahn. 

1. Teuflsprätz'n (Nussdorf). 
S. z. vorigen. 

111. Digitaria sanguinalis Scop. Bluthirse. 

1. Teuflsprätz'n; 2. icifder Brein; 3. wilda Fenüjl (Simme- 

ring) Br. 

1 s. z. Andropogon No. 109. 2, 3 weil essbar wie Hirse. 3 Fenigl, eigentlich 
Name für Foeniculum, aber auch für die Früchtchen einiger wilder Gräser 
gebraucht. — Fingergras (Schles.), Krainfuss (Schles.) Pr. u. Jess. 

112. Panicum niiliaceum L. Hirse. 

1. Braih Tsch. Seh. 78; 2. Brein Nie., Hof., Bau.; 3. hirsch 
Schm.; 4. HirscJibrein. 

Das Volk nennt die Hirsekörner Brein, weil sie zu Brei gekocht werden 
Hof. 27. — Aus dem wärmeren Asien, schon Griechen und Römern be- 
kannt. — Brein Salzb.; gelber Bräun (Baiern, Tirol), Breien, Brein, Brey, 
Breyn (Ost.), Hirsch (Kämt, St. Gall., Siebenb., mhd.), Hirspreyn (mhd.) 
Pr. u. Jess. 

113. Setaria sp. Borstengras. 

1. Bedlläus (Zwettl); 2. Hauerlaw (Krems) K.; 3. Gensinger 

(V. U. M. B.) Frf.; 4. Hauerläus Beck.; 5. Häreindrahrer 

(Brück a. d. L.); 6. Rätzmchwaf Br.; 7. wilder Brain Br. 

1 scherzhafter Name. 2, 3 Setaria verticillata hängt sich im Wein- 
gebirge an die Kleider der Winzer (Hauer). — Wilder Brein Salzb.; Gärt- 
nergras Kämt.; Fuchsschwanz (Fuchs, Tabernaemont ), Bräun (Salzb., Tir.) 
Pr. u. Jess. 

114. Sesleria varia (Jacq.) Wettst. Kammgras. 

1. blaue Stoart- Schmäl am Br. 
S. z. Gramineae No. 83. 

115. Phleum pratense L. Timotheegras. 

1. Rossfenigl Br.; 2. wacha Kat£mchwaf Br. 



127 

1 s.z. Digitaria No. 111. — Timotheegras, nach Timoty Hansen, welcher 
1765 das Gras in England anbaute. 

116. Baldingera arundinaeea Dum. var. ß vittata. Bandgras. 

1. Baia Hof.; 2. BanoVlgräs K.; 3. (fstrafia Baia: 4. Katsa- 

gräs (Kritzendorf). 

1, 3 s. z. Agropyrum repens No. 87. 

117. Zea Mais L. Kukuruz. Mais. 

1. Gugarutz: 2. Kukurutz Nie.; 3. türkischer Waz (Nikols- 

burg) Bau.; 4. Türknwoaz. 

Der Mais, Mahiz, ist für die neue Welt, was der Reis für die alte. Bereits 
1584 bestanden Maispflanzungen in Pennsylvanien. Erst seit dem XVII. Jahr- 
hundert in Europa ausgebreitet. Theophrasts Ceta ist Spelt, nicht Mais. 
1, 2 nach dem Slav. (poln. kukurydza, ruth. kukuruza). 3, 4 weisen auf 
die Einführung vom Osten, wie franz. ble* de Turquie, engl. Indian (Turkey) 
com. Vgl. Ung. Streifz. I. 12. — türken, türk, türkei Tir.; kukuruz 
fSiebenb., Kroat., Walachei), Dürken (Zillerthal), Türkenkorn (Schweiz), 
Türkischweizen (Schles.), Türkschweten (niedd.) Pr. u. Jess. 

118. Arundo Donax L. 

Dalmatiner Bohr (Wien). 

Wild im Mittelmeergebiete. Zu Spazierstöcken. 

119. Bambusa arundinaeea Wiild., et sp. 

Bambusrohr, Jambis (Wien). 

Stolonen und Schösslinge zu Spazierstöcken, Möbelgestellen u. s. w. 

120. Calamus Rotang Willd. 

Spanisch Böhrl (Wien). 

121. Calamus seipionum Lour. Malakka-Rohr. 

Dickes spanisches Bohr, Malagarohr (Wien). 
Aus Java. Zu Spazierstöcken. 

122. Coix Lacryma L. 

Josefsthränen (Wien). 

Die steinharten, tropfenförmigen Körner werden als Handelsartikel zu 
Rosenkränzen in Wien gebraucht. — Christusthränen, Hiobsthränen, Marien- 
thränen, Mosesthränen (mhd.) Pr. u. Jess. 

123. Saccharum officinarum L. Zuckerrohr. 

Zuckerrohr (Wien). 
Zu Spazierstöcken. 

VI. Cyperaceae L. Scheingräser. 

124. Carex Daralliana Sm. 

Bürsüing E. 

Wie Nardus strieta No. 84. 

125. Carex brizoides L. 

Rausch Top. 



128 

126. Carex flaeca Schreb. 

Band Kornhuber. Z. B. G. 1885, 626. 

Die langen Blätter werden den Winzern von der Gegend des Neusiedler- 
sees zugeführt und rinden beim Aufbinden der Rebstöcke Verwendung. 

127. Carex sp. Rietgras. 

1. Engeln (Buchers, Oberhaid, Rosenberg) Top.; 2. Ried 9 
3. sauas Gras Br. 

1 wol von spielenden Kindern erfundener Name für niedrige Carex- 
arten, wie echinata, Goodenowii u. a, m.; die Ähren schweben auf schwankem 
Stiele gleich Engeln über den Heiligenbildern oder auf der Himmelsleiter. 
2 s. z. Phragmites No. 107; metaphorisch ist, das Zeichen für die Sache ge- 
nommen, die im ganzen Bereiche der österr. Mundart mit Ried angesprochene 
Sumpfgegend wird durch die charakteristische Flora bezeichnet. Auch in Tirol 
giebt es Ortschaften namens Ried (so am Niederbache, im Zillerthale). 

128. Scirpus silvaticus L. 

Luft. Top. 

Die Eigenschaft für die Sache; die Halme sind überaus reich an Luft- 
lücken. 

129. Scirpus sp. Binse (130. Juncus sp. Simse. 1 ) 

1. Biniassen (Ebreichsdorf) Hof.; 2. Bimass'n Wied. litt.; 

3. Biimsfiten (Gross-Enzersdorf) Hof.; 4. Bims'n K.; 5* Binessen 

(Mannersdorf a. d. March) Hof.; 6. Binewiss'n Gast; 7. Btn&'n 

E., K.; 8. Biwiss'n Gast; 9. Hasenbrot: 10. Bück: 11. Teich- 

gras E.; 12. Teichgräs Wied. 

Binse, ahd. der pinuz -oz -az -iz -ez, mhd. binez, binz sollte ahd. Binsse 
geschrieben werden. Die mundartlichen Formen (1 — 8) sollen nach Schindler 
nicht aus dem alten pinuz entstanden, vielmehr in ihrem zweiten Teile 
nach dem Umstände benannt sein, dass sie zur Spreu abgehauen, gemaissen 
wurden. Warum aber soll dem ersten Teil nicht pinuz zugrunde liegen? 
Hof. 41. 10 von rauschen? — bimess'n Tir., Seebinsen Kämt.; Pimissen 
(mhd.), Bimse (Bern), Binse (Schles., Württemb., Schweiz), Rüske (Ostfries- 
land), Rusch, Ruschen (Oldenburg) Pr. u. Jess. 

131. Eriophorum angustifolium Rot. Wollgras. 

1. graue Kdtzeln Top.; 2. Ilergottsbärt (Rosenberg) Top.; 

3. Mannt E.; 4. Moni (St. Nikola) Top.; 5. WaugVn Wied. litt. 
1, 2 von den langhaarigen Ähren, 2 mit mythischem Bezug. 3 mag 
dem Volke wie der Name irgend eines Koboldes, eines Wau-Wau-Mannes 
klingen, wie 4, 5 darzuthun scheinen, in Wirklichkeit ist aber der Name von 
maunen (mauen, wie eine Katze schreien Gr. VI. 1814) abzuleiten. — Das 



[ ) Welche Gattung wir aus der Fam. der Juncaceae herausgreifen müssen, 
da das Volk für Scirpus und Juncus gleichlautende Bezeichnungen hat. 



129 

Maunlgrasen war einst eine gesetzliche Robot. — Hujauf Kämt.; Bäuseli 
(Bern), alte Mägde (Schles.), Riedschütz (St. Gallen) Pr. u. Jess. 

VII. Irideae. Schwertlilienartige. 

132. Crocus sativus L. Gemeiner Safran. 

1. Saffran Schm.; 2. Safran K., Wied. litt.; 3. Soffron Hof.; 

Sclfrigon. 

Franz. safran, ital. zafferano aus arab. sahafaran, mhd. safrän, saffran 
(Lexer) Hof. 75. — siffra', saffer Tir. 

133. Crocus vernus Wulf. Frühlings-Safran. 

1. Wildsafran E.; 2. wülda Safran K.; 3. Zeitlos 9 E.; 

Zeitlos'n. 

3, 4 s. z. Colchicum No. 159. 

134. Gladiolus paluster Gaud. Sumpf-Schwertel. 

1. Allertnännsdorf; 2. Allermannshärnisch Roghf.; 3. Schwertl K. 

Die nächstverwandten Gladiolus communis und imbricatus waren im 
. Mittelalter als Radix Victoriaiis femina berühmt. Die männliche, vorzüglich 
gepriesene Siegwurz war Allium Victoriaiis No. 171. Bei allen diesen Arten 
schwindet im späteren Alter das Parenchym der äusseren Zwiebelschuppen 1 ) 
und es bleiben blos die netz-, oder, wenn man will, kettenhemdartig zu- 
sammenhängenden Fibrovasalstränge zurück. Schwertling Kämt.; Aller- 
mannshärnisch (Mecklenburg), Siegwurz (Cordus) Pr. u. Jess. 

135. Iris florentina L. Veilchenwurz. 

Faiifnwurzl. 

Ursprünglich Veilchenwurz, wegen des Duftes. — Falzbeinförmig zu- 
geschnittene und geglättete Stücke des Rhizoms (off. Rad. Irid. florentinae) 
werden den Kindern an farbigen Bändern um den Hals gehängt, beziehungs- 
weise beim Zahnen zwischen die Kiefer gesteckt. — Veielwurz (Tabernae- 
mont) Pr. u. Jess. 

136. Iris germanica L. Blaue Schwertlilie. 

1. Blaue Lilien Br.; 2. blaue Üling Wied. litt; 3. blauer 
Lüliny; 4. Jiding K.; 5. Jidn K.; 6. J üling K.; 7. Jüln K.; 
8. Sauschneida (Simmering) Br.; 9. Schwertlilien (Wien) K. 

1 — 7, 9 8. z. Lilium. 7 weil die Blätter an die Form des Castrir- 
messers für Schweine erinnern. — War dem Ziu, altd. Tyr, dem deutschen 
Kriegsgotte geweiht. — blau Gilgeu (mhd.), blaui llga (St. Gallen) Pr. 
u. Jess. 

137. Iris Pseudacorus L. Wasserlilie. 

1. Wasserjüling; 2. Wasserüling K. 

8. z. Lilium No. 187. — Wasserilgen (Augsb.), Wasserlilien (Hotton.) Pr. 
u. Jess. 



') Wie auch bei zahlreichen Crocus- Arten der mediterranen Flora. 
BUtter de« Vereine« fOr Landeskunde von Niederösterreich. 1889. 9 



130 

138. Iris sibirica L. 

Fledermaus (St. Nikola) Top. 
S. z. folgend. 

139. Iris sp. Schwertlilie. 

1. Fiedermais; 2. Stoanlilien; 3. wilde Lilien Br. 
1. Die flatternde Blume wird mit Fledermäusen verglichen. 2, 3 s. zu 
Lilium No. 187. 

VIII. Amaryllideae. Amaryllisartige. 

140. Leucojum vernum L. Grosses Schneeglöckchen. 

1. Märsfnböchdl "E.; 2. Mossveyl Clus.; 3. Schnedropf'n Cast.; 
4. Schneefeigdl E.; 5. Schneetulp'n (Semmering) Wttst.; 6. Weyss 
hornungsblume Clus. 

6 candidus February flos Clus. — Schneeglöckerl (Hallstadt) St.; Mär- 
zeublümle (Luzern, Schwyz), Mostveilchen (Schles.), Schneeglöckle (Augsb.), 
Schneeveilchen (Schi.) Pr. u. Jess. 

141. Leucojum aestivum L. 

1. Grosse Schneeglekdln; 2. Summer- Schneeglekdln (Achau, 
Himberg) Br.; 3. Schneeglöckerl (Waldviertel) Top. 

142. Galanthus nivalis L. Schneeglöckchen. 

1. Glöckerl Seidl (Wien, Prater); 2. Schneeglöckerl K. (Wien 
Prater); 3. Schneefeigerl Har. litt.; 4. Schneeveigl; 5. Snetrcpfen, 
6. Weysse veyl Clus. 

Der liebliche Bote des Lenzes wird, da kaum der Schnee zu thauen 
beginnt, von den Schulkindern in den AugebUschen des Wiener Praters 
aufgesucht. Aus dem Munde eines über die Schönheit eines Galanthus 
herzlich erfreuten Mädchens hörten wir dortselbst im letzten Frühlinge den 
Ausruf: »Schaut's das flotte Glöckerl an«. — Schneeglöckchen (Weser, Tirol) 
Schneeglöckli (Bern, St. Gallen), Schneetröpfle (Memmingen), Schneetröpfchen 
(Thüringen), witte Fiolen Pr. u. Jess. 

IX. Orchideae. Orchisartige. 

143. Orchis Morio L. 

Solepp Br. 

Salep ist arabischen Ursprunges und bedeutet soviel wie schleimig. — 
Diese nebst verwandten Arten liefern in ihren Knollen das officinelle Salep 
(tubera Salep) der Apotheken. — Salepwurzel (Siebenbürgen) Pr. u. Jess. 

144. Orchis sp. Knabenkraut, Kuckucksblume. 

1. Guga K.; 2. Gugableaml E.; 3. Gugableamln K., Kempf, 
Wied. litt.; 4. Kuclcucksbleaml (Hochalpe) Roghf., (Hacking b. 
Wien). 



131 

Die auffallenden Frühlingsblumen werden mit dem Kuckuck in Ver- 
bindung gebracht. — Sprenglichter Kukuk (Schles.), Kuckucksblaume (Göt- 
tingen), KukukBblume (Tirol) Pr. u. Jess. 

145. Gymnadenia albida Rieh. 

Honigkräutl Roghf. 

146. Gymnadenia conopsea R. Br. 

Schärpranken (Schneeberg) Kell. 

Der handförmig eingeschnittene Knollen wird mit der Pranke des Maul- 
wurfs verglichen. 

147. Nigritella angustifola Rieh. Kohlröschen. 

1. Bränzchen; 2, Jochbrändli Roghf.; 3. Kohldresal E.; 
4. Kohlenröserl Becker; 5. Kohlröserl (Gösseck) Roghf.; 6. KoL 
röserl K.; 7. Sonnentoendschbberl (Hochkohr bei Lunz) Roghf.; 
8. Summawendschöhaf Nordm. ; 9. Sunawentschöberl (Klauswald 
im Erlafthale) K. 

7 — 9 wo Nigritella gegen das Thal herabsteigt, so bei Klauswald, blüht 
sie schon im Juni zur Zeit der Sommersonnenwende. — Das reizende Ge- 
wächs findet sich als Schmuck auf dem Altar der Schwaigerin. — Bräudli 
(St. Gallen, Uri), Brendle (Gesner), Kohlrösl (Kärnt.), Chokoladablümli 
(Graubündten), Mohrenköpflein (Graub.) Pr. u. Jess. 

148. Ophrys Arachnites Murr. Spinnenblume. 

Ochsenköpf (Kritzendorf b. Wien). 

149. Spiranthes autumnalis Rieh. 

ZwangkräuÜ Roghf. 

Von den Alplern bei Harnbeschwerden angewendet. 

150. Corallorhiza innata R. Br. Korallenwurz. 

St. Georg wurtzel Clus. 

151. Cypripedium Calceolus L. Frauenschuh. 

1. Fächer Becker; 2. Frau'nschiacha r l Cast.; 3. Fraunschiagl 
Frf.; 4. Fraunschiach K., Wied. litt.; 5. Liebfrauenschuh 
Becker; 6. Marienschuch Clus.; 7. Reicht HauUna (Ober-Holla- 
brunn); 8. Vnser frawenschuch Clus. 

Die überaus prächtige Blume sehen wir a) mit einem Fächer (1), b) einer 
reichen Goldhaube (7), am häufigsten (3) mit dem Frauenschuh, wol ur- 
sprünglich mit Bezug auf Freya, später mit Bezug auf Maria (5, 6, 8) zu- 
sammengestellt. — FrauenschUcherl Salzb.; Marienschuh (Harz, Pommern, 
Preuasen, Thüringen, Ulm), unser Frauen Schule (Gesner), unser lieben 
Frauen Schuchlein (Mark Brandenburg), Pantoffeln (Aargau) Pr. u. Jess. 

152. Vanilla aromatica L. Vanille. 

FaniÜli (Wien). 

Span, baynilla, vaynilla, Deminutivum von bayna, vana, lat. vagina 
(Schote) Hof. 76. 

9* 



132 

IX a. Zingiberaceae. Ingwerartige. 

153. Zingiber officinale Roscoe. Ingwer. 

Ingwa (Wien), Inhoa. 

Das Wort leitet sich vom lat. Zingiber her. 

154. Curcuma Zedoaria Salisb. Zittwer. 

Ztperlsanij Zipersam Hof. 

Ahd. zit&war, mhd. zitwer vom ind. dschadwar Hof. — zitber (ahd.) 
Pr. u. Jess. 

X. Juncaceae. Simsenlilien. 

155. Luzula campestris DC. Hasenbrod. 

Häs'nbrod. 

Samen essbar. — »herrlich ohne Teller 

schmeckt beim abendroth 
Ueidelbeer und Hasenbrote Gr. IV. 536. 
Hasenbrod, Himmelbrod, Hungerbrod (Schles.) Pr. u. Jess. 

156. Juncus lamprocarpus Ehrh. 

Teufeiln Top. 

Wol von den glänzenden Samen, die an die Augen eines Teufels oder 
Koboldes gemahnen. — Eisenmandl Kämt. 

157. Juncus 8p. Simse. 

S. z. Scirpus No. 129. 

XI. Colchicaceae. Zeitlosenartige. 

158. Veratrum album L. Weisse Niesswurz. 

1. Enzian (Ötscher, Semmering, Ob.-Steierm.) K., Wttst; 
2. Hämadwurz'n Kempf., Hämadwurz'n E.; 3. Hämma Beck 
litt; 4. Hemad K.; 5. Hemadwurzen (Hochalpe) Roghf.; 6. Hemad- 
wurzn K.; 7. Hernatn (Reichenau 1 ) Beck; 8. Hemmer (Hoch- 
alpe) Roghf.; 9. Laushraud K.; 10. Lauskraut Hof. 

Für »Enzian« (s. z. Gentiana) gegraben. 2 — 10 als Läusemittel bei 
Menschen und Thieren in Anwendung, was 9, 10 schlechthin, 2 — 8 ge- 
wissermaßen verschönt aussagen. Denn Hämma bedeutet harmlos das Hemd 
und wird zudem noch mannigfach, so an Hammer, angelehnt, — Hemmern 
Lauskraut Salzb.; Hammer Kämt.; Hämmer würz (Tirol), Hammerwurz 
(Steiermark, Pongau, Zillerthal), hemer, — würz (mhd.), Läuskraut (Augsb.) 
Pr. u. Jess. 

159. Colchicum autumnale L. Herbst-Zeitlose. 

1. A ... (jlocUn (Hainburg); 2. HemadsbeuÜ Loritza; 3. Laus- 
bleand Hof., Luze; 4. Lausbluma Cast.; 5. Laushraud (Wald- 
viertel) K.; 6. näkadi Jumpfa Cast; 7. SäuUitig Wied. litt.; 



') Daselbst auch für V. nigrum L. 



133 

8. Wieseid Uten Br.; 9. Wisnsafräfi K.; 10. wiilda Safran K.; 
11. wüldi Saffrän Cast.; 12. Zeitlos (Steinakirchen) Hof.; 
13. Zeitlos' E.; 14. Zeitlos 'n K. 
Frucht : 

15. Kuheuter. 
Samen: 

16. Kiiklemuh Hof. 

Liegt schon in dem Namen Zeitlose (12—14) ein gelinder Vorwurf — 
die Pflanze blüht ausser der gewöhnlichen Zeit — so muss die bar alles 
versöhnenden Blätterschmuckes grell und nackt emportauchende Blume sich 
eine noch viel ehrenrührigere Titulatur gefallen lassen (1, 6). 2, 5 als Läuse- 
mittel bei Kindern angewandt, s. z. Veratrum No. 158. Es ist merkwürdig, dass 
das Volk in der nächsten Verwandten der specifisch wirksamen Sabadilla 
wirksame Mittel wider Ungeziefer entdeckte. 16 von der Form. 16 weil 
die Kühe sie nicht fressen und Muh! schreien Hof. — Nackte H. . ., Kuh- 
dutten Salzb. ; Hemetbeutel, tasche (Österr.), Lausblume (Schwaben), Laus- 
kreokt (Siebenbürgen), nackende Jungfer (Bremen, Franken, Nordböhmen), 
Pr. u. Jess. 

XII. Asparageae. Spargelartige. 

160. Paris quadrifolia L. Einbeere. 

Anber Wied. litt.; Oanbeer E.; OanI>er Kempf; Oänb'er (Rax- 
alpe) K. 

Ainpern (mhd.), einher (ahd.) Pr. u. Jess. — Giftig. 

161. Convallaria maialis L. Maiglöckchen. 

1. Baldrian E.; 2. Falbigran (Reichenau) Beck; 3. Falhrian 

Hof.; 4. FäUigran (Reichenau) Beck; 5. Faltrian Hof., Priest.; 

6. Faltrion Cast.; 7. Falhrian Wied. litt.; 8. Fäkriän K., Frf. 

(Kritzendorf); 9. Febrigan Hof.; 10. Feibrian (Pottenstein) Beck; 

11. Feltrian Wied.; 12. Maibleaml Cast.; 13. Maiglöckerl (Wien) 

K.; 14. Pfitschipfeil Top.; 15. riachadi Maigleckaln Br.; 

16. Schneglöck/ Cast. 

Dem Sommergotte Balder heilig, ward die Blume wie der eigentliche 
Baldrian (Valeriana s. d.) ihm zubenannt. Zu Clusius' Zeiten hatten noch 
mehrere andere Gewächse, so Scilla bifolia, Allium ursinum den Namen 
Baldrian. Selbstredend ist die Bedeutung des Wortes dem jetzigen Volke 
unbekannt, daher die mannigfachen Variationen. 14 von spielenden Kindern 
erfundener Name, hergeleitet von dem runden, gestreckten Rhizom. 16 wenn 
dieser Name wirklich hiehergehört, so deutet er die weisse Blumenfarbe, 
nicht wie bei Galanthus unter Einem die BlUthezeit an. — Lieblich duf- 
tend; Wiens Saisonblume Ende Mai, Anfangs Juni. — Faltrian Ooest; Fal- 
krigon (Hall) St. ; Chaldron (Tirol), Fildronfaldron (Tirol, Lienz), Maiblömche 



134 

(Aachen), Maiblümle (Baiern), Maiglocken (Unterweser), Schneetropfen (Eifel) 
Pr. u. Jess. 

162. Polygonatum verticillatum All. 

1. Auffenblat Clus.; 2. Neidkraut E. 

1 = (?) auf dem Blatt; die schwellende Beere liegt dem Blatte auf. 
Clus. 271 erzählt, dass die Pflanze als Mittel wider ein besonderes Leiden 
der Frauen viel nach Wien gebracht wurde. 2 als Mittel wider das »Ver- 
neiden« des Viehs, s. z. Asplenium Ruta muraria. 

163. Polygonatum officinale All. Salomonssiegel. 

Ilaligeimgl Br. 

Mit Beziehung auf die runden, siegelfoi inigen Narben des Rhizoms. — 
Salomonssiegl Ooest; Mariensiegel (Toxites), Salomonssiegel (Mecklenburg) 
Pr. u. Jess. 

164. Polygonatum multiflorum All. 

1. Butter würz Top.; 2. Höarang' wurzln E.; 3. Peterwurzeln 

(St. Nikola) Top.; 4. wülde Maigleckaln Br. 

3 deutet an, dass der Pflanze Heilkraft zugeschrieben wird. — wille 
Maiblaume (Göttingen) Pr. u. Jess. 

165. Asparagus officinalis L. Spargel. 

1. Spargl K.; 2. Sparigl. 

Spargel kommt vom griech. ('ilaTidpayo;, lat. (a)sparagus. Bauhin führt 
den Namen auf sKaipfQuu = strotze (von Saft), Leunis auf spargere, aus- 
streuen, nach allen Seiten wachsen, zurück. 

XIII. Liliaceae. Liliengewächse. 

166. Muscari botryoides Mill. 167. Muscari racemosum Mill. 

1. Blaua Himmelschh'ssl Br.; 2. Gugableaml K.; 3. Hind- 
schlissl Priest.; 4. Himmlschlissl (Wolkersdorf); 5. Hunds- 
hnoblauch Clus.; 6. Huiuhhiofel Hof.; 7. Qlexn Frf.; 8. Peters- 
scMwsl (Wolkersdorf); 9. Pfäffnkappl; 10. Pfärrerkappl, 
11. Plützerl (Gros8-Russbach); 12. Russkerln (Miesenbach, 
Pernitz) Beck; 13. Weintränperl (Wien) Wttst.; 14. Zöpferln 
(St. Nikola) Top. 

I — 4 von der frühen BlUte. 7 merkwürdiger Weise mit den Namen für 
Prunus Padus gleichlautend, s. d. 8, 12 — 14 geht auf die Form der In- 
florescenz; 9, 10, 11 auf die der Blüte. Russkerln = Russkerle, Russ- 
kerlchen. — Weinträupl Salzb.; Weinträuberln (Hallstadt) St.; Weinträubl 
(Tirol), Trommelschlägen (Luzern), Trübli (Graubündten, St. Gallen). 

168. Scilla bifolia L. 

1. Blaw Baldrian (Wien) Clus.; 2. Joseßblüah (Wald viertel), 

Josefibleaml. 

1 s. z. Convallaria maj. No. 161. 2 von der Blütezeit. 



135 

169. Scilla maritima 

Meerzwiß (Krems). 

Der Name bezieht sich auf die Herkunft vom Süden, vom Meere her. — 
In Wien und auf dem Lande allgemein als Topfpflanze culti viert. Die langen 
Blätter werden im Kreise nach einwärts gezogen, und in dieser Lage durch 
ein Band festgehalten, bilden sie fortwachsend eine Spirale von mehreren 
Touren. Die leichte Pflege und schöne Blüte der Pflanze erklären ge- 
nügend ihre Verbreitung; ihre Zwiebel gilt in der Kremser Gegend aber 
auch als Mittel wider Zehrfieber. — Off. 

170. Allium Schoenoprasum L. Schnittlauch. 

Schnidling L., Wied. litt. (Wien). 

Ahd. snitiling, mhd. snitelinc ist ein junger Schössling zum Abschneiden. 
Vom Volke einerseits für den Schnittlauch, anderseits für den jungen 
castrierten Stier gebraucht Hof. 80. — Schon in Karls Capitulare erwähnt. 
— Schniddleeg (Siebenbürgen), Schniedling (Augsburg) Pr. u. Jess. 

171. Allium ursinum L. Bärenlauch. 

1. Jutfnziüifl Wied. litt.; 2. Bonziui E.; 3. Weysse baldrian 
Clus.; 4. Wülda Knofl K. 

2 hängt wol mit ranzig, wegen des üblen Dufte*», zusammen. 3 s, 1 
Convallaria. — Ranze (Aargau), Remsa (St. Gallen) Pr. u. Jess. 

172. Allium Victoriaiis L. Allermannsharnisch. 

1. Land- Würz* n E.; 2. Laidauch Clus. 

Clus. 225 berichtet, dass die Wurzel den Alpenhirten wider böse Dünste 
und Nebel dienlich sei, eine Eigenschaft, welche in dem fremdartig klingen- 
den Bestimmungswort ausgedrückt sein mag. Ob nicht auch der Familien- 
name Lanner mit Lan zusammenhängt? — Allium Victoriaiis ist der be- 
rühmte Sieglauch oder Allermannsharnisch des Mittelalters, der, als Amulet 
getragen, den feindlichen Geschossen die Kraft benam. Man gab auch 
der Siegwurz die Gestalt eines Alraunmännchens (s. z. Mandragora) und 
verwendete ihn an dessen statt. Ein solcher Alraun befindet sich noch 
auf der Wiener Hofbibliothek. Merkwürdig ist, dass gerade den Allium- 
Arten bei verschiedenen Völkern Zauberkraft zugemutet wird und wurde. 
Mit Knoblauch verscheuchten die Römer die bösen Hausgeister oder Lemuren. 
Knoblauch tragen noch derzeit die neugriechischen Schiffer in ihren Mützen, 
wie derselbe auch in Polen kranken Kindern als Amulet umgehängt wird. 
Das Moly, mit welchem Odysseus Circe's Zauber bannte, war nach der Ge- 
lehrten Meinung gleichfalls ein Allium. Kühne Altertümler werden die 
Wiener Redensart »jemanden zwifl'n«, d. i. wider seinen Willen zwingen, 
hierauf zu beziehen suchen. Es mögen diese Andeutungen genügen, um 
zu zeigen, dass Zwiebel und Knoblauch dem Volke mehr ist als blosse Zu- 
speise. — Allermannharnisch, Mandlwurz Salzb. 

173. Allium rotundum L. 

Ilundshnofl (Wolkersdorf), Waldknofl. 



136 

174. Allium Porrum L. Porre. 

1. -Surf (Wien); 2. Port-, 3. PorrSe Tar.; 4. Porri Wied. litt. 
Burri (Jever), Pore (Siebenbürgen) Pr. u. Jess. 

175. Allium flavum L. 

Stanzwifl Br. 

176. Allium vineale L. 

Wildd Knofl Top. 

177. Allium sativum L. Knoblauch. 

1. Gnofi Cast; 2. Knofel Nie, Hof.; 3. Knofl Tsch., K. 
Wied. litt (Wien). 

Redensart : 

Sigst as, da bliad ma da Gnofi — sagt man, wenn man Jemand die 
Feige zeigt. Cast. — Znr Zeit der zweiten Türkenbelagernng war in Wien 
ein gewisser Thanon, zubenannt Baron Z wiefei, allgemein bekannt; er fand 
in einem Volksauflauf seinen Tod. 

Knoblauch, ahd. klobalouh, mhd. clobelouch und, weil zwei 1 zu sprechen 
Schwierigkeiten macht, knoblouch; von ahd. chlioban, klieben, gespaltener 
Lauch, nach den in sogenannte Zehen gespaltenen Zwiebeln Hot. 45. 
K. B. erwähnt ferner die Herleitung von Knäuel, Knopf. — Kommt schon 
in Karls Capitulare vor. Die Sperlinge zu vertreiben werden Knoblauch- 
büschel in die Bäume gehängt. — Knoflauch, Knöfle Tir. ; Knoflak, 
Knuflak (Göttingen) Pr. u. Jess. 

178. Allium ascalonicum L. Schalotte. 

1. JucFnzwifl (Kritzendorf); 2. Scharhtterl. 

1 diese ganz locale Benennung ist insoferne von Interesse, als sie zeigt, 
dass selbst in unseren Tagen neue Namen entstehen. Jud'nzwif'l ist nämlich 
eine Reminiscenz an jüdische Handelsleute, die noch in den Fünfzigerjahren 
häutig durch Kritzendorf bei Wien kamen und sich, falls religiöse Feste 
nahten, im Orte aufhielten; die Schalotte wurde von ihnen besonders 
favorisiert. 2 zunächst aus dem franz. echalotte, das mit Ascalon in Palästina 
zusammenhängt, von welcher Stadt durch die Kreuzfahrer die ersten Schalotten 
gebracht wurden Hof. 61. 

179. Allium Cepa L. Gemeine Zwiebel. 

1. Der Zxmfel Hof.; 2. Zwifl K.; 3. Zwifi Tsch. (Wien). 

Redensart : 

Jemanden zwiefeln — wider seinen Willen, so, dass ihm die Thränen 
herausgepresst werden, zum Gehorsam zwingen Hof. Einen zwifln — ihn 
zu Paaren treiben, prügeln Tir. S. z. Allium Victoriaiis No. 172. 

1—3 ahd. der zwibollo, mhd. zwibolle, Pfeiffer's Arzneibuch zviwol, 
Megenberg zwival, ital. cipolla aus lat. cepula, Dim. von cepa = Zwiebel. 
Das w verdankt das Wort der Anlehnung an zwi, zwei (doppelte Bolle) 
Hof. 24 — zwifel (mhd) Pr. u. Jess. 

180. Ornithogalum sphaerocarpum A. Kern. 

lhtndshwfl (Erlafthal) K. 



137 

181. Ornithogalum umbellatum L. Milchstern. 

Mülchstem K. 

Weisser Milchstern (Schles.) Pr. u. Jess. 

182. Gagea sp. Gelbstern. 

Gilgen, Gilgenstern Br. 

8. z. Lilium candidum. — Gilbstern (Thüringen) Pr. u. Jess. 

183. Tulipa silvestris L. Wilde Tulpe. 

Goldwurtz Clus. 

Von der gelben Zwiebel. • 

184. Tulipa Gesneriana L. Gartentulpe. 

1. Dolabana (Mistelbach) Hof.; 2. Dulibana Cast.; 3. Tula- 

pana (Pulkau) Frf.; 4. Tulipana K. 

1 — 4 von tlirk. tulband, tulbent = Turban. 1 ) — Im 16. Jahrhundert in 
Deutschland bekannt geworden. — Tulepant (Aachen), Tulipan (Lonicer. 
Tabern). 

185. Lilium Martagon L. Türkenbund. 

c 

1. AscKnreincFl (Brück a. d. L.); 2. Goldäpfel (Gösseck) 
Roghf.; 3. Goldapfel Hof.; 4. Goldapfel Nordm.; 5. Goldöpfl 
E.; 6. Goldpfandl; 7. Goldzwifl (Melk); 8. TürUnbtmd K. 

Goldäpfel (Hallstadt) St.; Goldpfandl, Gold würz Salzb.; türkischer Bund 
Kämt. — Goldäpfel (Zillerthal, Kämt.), Goldpfandl (Hall in Tir.), Türken- 
bund (Graubündten, Mark Brandenb.) Pr. u. Jess. 

186. Lilium croceum Chaix. Feuerlilie. 

Umgangsrosen (Weitra) Top. 

187. Lilium candidum L. Weisse Lilie. 

1. Güling; 2. Hing Tsch.; 3. Jiding Hof.; 4. Jüling Tsch., 

Cast.; 5. Jiilling Tsch., Seh. 145; 6. Lüling Hof.; 7. Üling 

Hof., Wied. litt.; 8. weisse Lilien K.; 9. weisso Lüling, 

1 — 9 ahd. lilje, liljo, mhd. lilje, lüge, auch gilgo (wie im ital. giglio) 
aus lilia, dem Plur. des lat. lilium, gr. Xetpiov (von Xetpö; zart, glatt). Noch 
mehr verdeutscht in der Mundart durch Anhängung eines — ing Hof. 26. 

— Die weisse Unschulds- und Keuschheitsblume. Attribut vieler Heiligen. 

— ilg', ilg'n, lilg\ lilg'n, gilg\ gilg'n Tir.; Gilge (Hallstadt) St.; Unschulds- 
blumen Kämt. ; gilge (mhd.), Jilge (Schwab.), Lilig (Megenberg), weiss 
Lilien (Hort. Sanit.) Pr. u. Jess. 



') Immennanns »Tulifäntehen« ist das Kind eines Geschlechtes, welches 
die Tulpe im Wappen führt. 



138 



III. 

Bedecktsamige Pflanzen mit zwei Samenlappen. 
(Plantae angiospermae dicotyledoneae.) 

a) Apetalae: ohne Blumenkrone. 

XIII a. Piperaceae. Pfefferartige. 

188. Piper nigrum L. Schwarzer Pfeffer. 

Pfeffa (Wien). 

Ahd. pheftar, nihd. phefter, pfeffer. Wort und Gewürz durch die Perser 
aus Indien gebracht (skr. pippali) Hof. 29. 

189. Piper (Artante) tiliaefolium Miqu. 

Pfeffer röhrl (Wien). 

Aus Mexico. Häufig zu Spazierstftcken. 

XIV. Ceratophylleae. Hornblattgewächse. 

190. Ceratophyllum demersum L. 

Krebsnzaussert (Brück a. d. L.). 

XV. Salicineae. Weidenartige. 

191. Salix viminalis L. Korbweide. 

Zachfelwa. 
S. z. Salix sp. 

192. Salix cinerea L. Werftweide. 

Wüd-Salcha E. 

S. z. Salix Caprea. — Salwien (Bremen) Pr. u. Jess. 

193. Salix Caprea L. Palinweide, Sahlweide. 

1. Säla (V. U.M. B.) Frf.; 2. Salckd E.; 3. Sälcha K.; 

4. Sälva K. 

Die jungen Blütenzweige: 

5. Bälmkazl Cast.; 6. Palmledzl E.; 7. Pälmkatzl K.; 8. Palm- 

mucU. 

1 — 4 ahd. salaha, salha, stimmen zu lat. salix mit der Wurzel sal (salio 
springe, salto tanze), also der Hüpfbaum, der schnell wachsende Baum. 
5 — 8 von der bekannten Verwendung zu Palmsonntags Weihbuschen; auch 

5. daphnoides und viminalis liefern Bälmkatzeln. — > sal eh, salchen Tir.; 
Salche Salzb. ; Sala (St. Gallen) Pr. u. Jess. 

194. Salix fragilis L. Bruchweide. 

1. Brastelf eiber; 2. Bruchfelba. 

2 von brechen, brassein, brasten Höf. S. z. Salix sp. — Brastelfelber 
(Österr.) Pr. u. Jess. 



139 

195. Salix sp. Weide. 

I. Falba Kempf; 2. Fälha K., Wied. litt.; 3. Fälwa Frf.; 
4. Felba; 5. Felbabam E.; 6. Felber Märt, Hof., Beck; 7. Felbeer- 
ba'm Seidl; 8. Felberbaum (Hacking b. Wien); 9. Fdper Cast.; 
10. Felwa Cast. 

Weidicht: 

II. Jr«aPn Top. 
Weidenruthen : 

12. T'F«V&i Hof.; 13. WiecVn (Krems) — aus Ruthen geflochtene 
Bänder. 

1 — 10 Felber (ahd. felawfira, felwirri, mhd. velwer), von falb, fahl. 
Chuonrat von Kilchberg: »winter du verderbest uns der bluomen schin, du 
velwest gruonen walt.« Notker, Psalmen: felewa, salices Höf. I. 209. Da- 
gegen versucht Hof. 46, weniger geschickt, die Ableitung von lat. palus, 
skr. palvala, Sumpf. Pr. u. Jess. stimmen Höf. zu. 10 — 12 wie man 
sieht, ist dem Dialekt das Wort Weide als Bezeichnung eines pflanzlichen 
Individuums unbekannt. Es kommt als Collectivum (11), oder als Name 
der Gerten (12), beziehungsweise der aus denselben geflochtenen Bänder (13) 
vor. Dies ist um so bemerkenswerter als Weide, ahd. widä, mhd. Wide mit 
lat. vitis = Ranke, skr. vitika = Band (Gr.) zusammenhängt. — felber, 
föler Tir. ; Felber Salzb. ; wid, wid'n — Band aus Weidenruthen Tir. ; 
Felber (Tirol b. Lienz, mhd.), Wid, Wide (Ostfriesland) Pr. u. Jess. 

196. Populus alba L. Silberpappel. 

1. Alier Hof.; 2. Aschpn Har. litt.; 3. Albabam: 4. Waisälba- 
bam Cast.; 5. Wänsa-älbarn; 6. Wässabam Cast.; 7. Wässer- 
ahn; 8. Weisspripl K., Wied. litt. 

Knospen : 

9. SaarbeUen; 10. Saarbollen Tsch. 

1, 3, 4, ö, 7, Höf. I. 18 vermutet in Alber, ahd. albari, mhd. alber, 
Albis, ein Fluss überhaupt. Weigand leitet das Wort von arbor, ital. albero 
(ital. alberaccio = Schwarzpappel) her, Hof. 70. Drittens könnte man an einen 
directen Zusammenhang des Namens mit den Alben oder Elfen denken, den 
Wassergeistern, die in weissschimmerndem Gewände über die Wellen ziehen, 
eine Erklärung, die mit der Höf.'s zusammenkäme. 2. S. z. folgend. 
Alberbom (niedd.), alberboum (Megenberg), Weisalber (Salzb.), Saarbaum 
(Hotton.), Saarbellen (Gleditsch) Pr. u. Jess. 

197» Populus tremula L. Zitterpappel, Espe. 

1. Aschpaltn (Neunkirchen); 2. Aschpn Hof.; 3. Aschpn; 

4. Agschbälta Cast.; 5. Agschpolia Tsch.; 6. Aschbnbam; 7. Asch 9 n- 

bam, 8. AschpaSn Cast.; 9. Eschpen Hof. 

1 — 9 Espe, ahd. aspar, mhd. aspe, ags. äspe, engl, aspe lehnt Gr. HI. 157 
an Esche (Fraxinus, s. d.) an. 1, 4, 6 lassen spalten, von dem leicht 
spaltbaren, 7 Asche, von dem leicht brennbaren weichen Holze (nachträg- 



140 

liehe Anlehnung) herausklingen. Tg eh. findet in Agschbolta aspen = zittern 
und das celtische dar, deru Baum (s. z. Wachholder, Flieder u. 3. w.) 
heraus. — Aspolter (Ooest.) Höf. ; Aschenbaum (Tirol), aspa (ahd., Hildegard), 
Espen (Göttingen), Pr. u. Jess. 

198. Populus nigra L. Schwarzpappel. 

1. Albernbaum Märt.; 2. Alba (Wolkersdorf); 3. Alwabam 
(Wolkersdorf); 4. Alm K.; 5. Almabam Frf.; 6. Schoarz- 
päpl K. 

Knospen: 

7. Albenbotzen; 8. Almapotz'n (Wien); Olmapotzen Hof. 

1 — 5 b. z. Populus alba. 7 — 9 ßotze engl, budge, franz. bouton, Knospe; 
sinn- und stammverwandt mit Knopf. — Die harzreichen Knospenschuppen, 
zusammt denen der Birke, Eiche und einigen Kräutern dienen zur Bereitung 
der Olmapotzen-, oder wie der Wiener Jargon ungeheuerlich sagt, Ulmer- 
Patzen-Salbe, dem off. Ungu. populeum. — Alber Höf., Albern Kämt, 
Alber Salzb. , Älber Tir. ; Alberbaum (Elsass), Almerprost (Pinzgau) 
Pr. u. Jess. 

199. Populus pyramidalis Roz. Pyramidenpappel. 

1. Italienische Päpl K.; 2. Paplbam K., Wied. litt.; 3. Schuss- 
päjjl (Oberhollabrunn). 

3 von dem schnellen und geraden Wachstum ; der Baum schiesst förmlich 
in die Höhe. — Schussweid (Siebenbürgen) Pr. u. Jess. 

XVI. Betulaceae. Birkenartige. 

200. Alnus viridis DC. Alpencrle. 

1. Schwärz-Erl (Prein) K.; 2. Wilde Erl (Gmünd) Top. 

1 weil in der Prein die eigentliche Schwarzerle nicht gedeiht; 2 wegen 
des schlechten Holzes, welches die Tiroler und Kärntner sogar veranlasst, 
den Strauch spottweise Lutherstaude zu nennen und so ihrer Abneigung 
wider die Lutheraner derben Ausdruck zu geben. — Lutterach, Lutternach, 
Lutterstauden Kämt.; Luterstaude (Tirol bei Brixen), Luttastauden (Kärnten 
im Katschthal), Mauserle (Österr.) Pr. u. Jess. 

201. Alnus glutinosa Gärtn. Schwarzerle. 

1. Äla Wied.; 2. El K., Wied. litt.; 3. Ela Wied.; 4. Ella 
Hof.; 5. Erl K.; 6. Jrl K.; 7. Öl E. 
Collectiv: 

8. Allan; 9. Ellan; 10. Ellern Br. — Im Scheibbser Be- 
zirke führen einige Gemeinden von Erlenwäldern den Namen 
Ella Hof. 

1 — 10 Erle, mhd. erle, ahd. erila, erila umgedreht aus elira; zum 
Stamme al (alan, aufwachsen, lat. alere, nähren): der im wasserreichen 
Grunde rasch und tippig wachsende Baum Gr. III. 416. — Aeller (Francus), 



141 

arila (ahd.), arla (Hildegard), Fila (Ungarn im Heanzenland), Erle (Sieben- 
bürgen, Tirol, Megenberg), irle (ahd.) Pr. u. Jess. 

202. Alnus incana DC. Weisserle. 

1. Edlbam Cast.; 2. El, 3. Irl, 4. Weiss- Erl K.; b.WürsÜ- 
bam (Gr.-Russbaeh). 

1 — 4 s. z. vorig. 5 von spielenden Kindern erfundener Name. 

203. Betula alba L. Birke. 

1. Biara Cast.; 2. Bira K., Hof., Wied. litt. (Kritzendorf); 

3. Bird E. (Gmünd, Weitra), Top.; 4. Birail (Waydhof. a. d. 
Th.) Top.; 5. Bösnbam; 6. Bösnholz Cast.; 7. Rirthn Br. 

1 — 4, 7 Birke, ahd. piricha, pircha, birca, mhd. birche, birce, n. ö. mit 
Ausstossung des Kehllautes; eigentlich der weissglänzende Baum, zu skr. 
bhurja, von bharj, glänzen? (Lexer, Schade) Hof. 40. — Bira (Ungarn im 
Heanzenland), birca (ahd., Hildegard) Pr. u. Jess. 

204. Betula verrucosa Ehrh. ß pendula (Hoffm.) Trauerbirke 
Bsibidra Cast 

XVII. Carpineae. Hornbaumartige. 

205. Carpinus Betulus L. Weiss-, Hainbuche. 

1. Hanbuach'n Cast.; 2. Hoa-fibuaiK n ; 3. WeissbuacKn K.; 

4. Woasbuach'n Br. 
Redensarten: 

5. a hanbuackana Kea r l — vierschrötiger Geselle Cast.; 

6. hoanbuachana haunstiilzwickel — grober Mensch. 

1, 2 Hainbuche erweicht aus Hag- (die zum Gehege, lebendigen Zaune 
dienliche Buche) Gr. IV. 174. Bemerkenswert ist das Vorkommen der 
festholzigen Hainbuche in übertragener Bedeutung (5, 6), wofür man 
weitere Belege bei Gr. 1. c. einsehe. — Liefert ein haltbares, lichtes Werk- 
holz. — Hagabuachn (St. Gallen), hageboche, haginbuocha (ahd.), Hoan- 
buchen (Salzb.), Weissbuche (Österr.-Schles.) Pr. u. Jess. 

206. Corylus avellana L. Gemeine Haselnuss. 

1. H&8lnuss; 2. Häs'lnusskea r n — der Kern der Nuss Tsch. 
Seh. 208; 3. Haslinga — Stock von der Haselstaude Cast. 
Redensart : 

4. Has'lnusssalb'n — Scherzwort für Prügel Seidl. 

Hasel, mit verschobenem Anlaute zu lat. corylus (für cosilus?), nach 
Grimm zu har von der zottischen Gestalt der Blüte Gr. II. öl. — Die 
Hasel war vordem zauberberühmt. Noch lebt sie, ehrhaft genug, als »Frau 
Hasel« im deutschen Volksliede. Man konnte durch einen Spruch der 
Hasel die Kraft verleihen, Abwesende zu prügeln; mag mit dieser »Schlag- 
fertigkeit« nicht 4 zusammenhängen? — häalnuss, häsel, hasele Tir. 



142 

207. Corylus tubulosa L. Lombardische Nuss. 

1. BärÜnuss KB.; 2. Lamberti-Nüsse. 

1, 2 die Namen sind nicht auf St. Lambertus, wie der Dialekt ver- 
muten lässt, sondern wegen der italienischen Herkunft der Nuss, auf Lom- 
bardei (Lamparten) zurückzuführen. — Bartnuss (Salzb.), Lambertsnuss, 
Lampertsnuss (Schwab.) Pr. u. Jess. 

XVIII. Cupuliferae. Napfträger. 

208. Quercus Cerris L. Zerreiche. 

1. Cerrmchel Clus.; 2. Cerreiche Märt.; 3. Cerroachn (Wiener- 
wald) Wied.; 4. Ziarbam Br. 

Die Cerris- Eiche. Das fremde Wort findet sich schliesslich (4) an zieren 
angelehnt. — Sereiche (Österr.) Pr. u. Jess. 

209. Quercus pedunculata Ehrh. Stieleiche, Sommereiche. 

1. DrufaicKn Cast.; 2. FeldacKn K.; 3. StülacJm K.; 
4. Wechseloachn (Wienerwald); 5. WirfnacHn K. 

1 von dem bestandweisen Vorkommen; Druffel landschaftlich eine 
Menge dicht bei einander stehender Gegenstande gleicher Art Gr. II. 
1456. 4? — Drufek (Mecklenb.), Stieleiche (Salzb., Baiern); Wecheleiche 
(? Österr.) Pr. u. Jess. 

210. Quercus pubescens W. 

WoUbecherl Br. 

211. Quercus sessiliflora Sm. Traubeneiche, Wintereiche. 

1. Stainaehel Clus.; 2. Stoanachn K.; 3. Stoanoacha; 4. Wintar 

oacha; 5. WinteracKn K. 

Stehnehk (Mecklenb.), Steineiche (Gleditsch), Wintereiche (Schweiz) 
Pr. u. Jess. 

212. Quercus sp. Eiche. 

c 

1. Ach'nK. ; 2. Achn Cast.; 3. Aachn Cast.; 4. Oacha Tsch., 
Hof.; 5. Oaeh'n K., Wied. litt.; Köstnoacha (mit minderwertigem), 
RothacKn (mit rothfaulem Holze). 

Eichel: 

6. Achl Cast.; 7. Achanuss; 8. Oachal Tsch.; 9. Oachanuss 
Hof.; 10. OacKl Seidl; 11. Oaehl 

12. Oachkatzl — das Eichhörnchen Hof.; 13. Oacfdkt?ii — 
Eichelkönig Seidl. 

Eichengallen: 

14. BrvJtschekugV n (Brück a. d. L.); 15. llolzöpfl (Wiener- 
wald); 16. Roitscher (Brück a. d. L.) — beziehlich auf grosse 
graue Galläpfel, Cynigsgallen und kleine braune Galläpfel. 

1 — 13 Eiche, ahd. eih, eich, mhd. eich, eigentlich wol der kernfeste 
starke Baum, Stamm ik '(Schade) Hof, 52. Erst bei Luther erscheint die 



143 

fehlerhafte Form Eiche, denn ags. äc, engl. oak. — Ein Bild der Stärke, 
war sie in heidnischer Vorzeit Donar geweiht" Sinnig vergleicht Grimmeis- 
hausen (Simplicius, I) die Folgen der Zwietracht mit dem Aussehen einer 
sturmzersausten Eiche: 

Die Stein-Eych durch den Wind getrieben und verletzet, 

Ihr eigne Aest abbricht, sich ins Verderben setzet: 

Durch innerliche Krieg und brüderlichen Streit 

Wird alles umgekehret, und folget lauter Leid. 
Die Galläpfel werden im Sack getragen, um Rheumatismus zu vertreiben. 
— aich, eich, oach (Eiche), oachel (Eichel), oachet (Eichenwald) Tir.; Achen 
(Pressburg) Pr. u. Jess. 

213. Castanea vesca Gärtn. Edelkastanie. 

1. Köstnbam KB.; 2. Köstenbaum Märt. 

Samen (Kastanien): 

3. Kästen Hof.; 4. Resten Schm., Nie, Hof.; 5. Kestn Tsch.; 

6. Kosten Nie; 7. Kbsin Cast.; 

8. Kestenbraterin — die Kastanienbraterin Abrah. a Sta. 
Clara, Nie. 

1 — 8 Kastanie, lat. castania, nach der Stadt Kastana in der Landschaft 
Pontus und Kaafrccvaia in Thessalien, wo die Bäume in grosser Anzahl 
wuchsen; ahd. chestinna, mhd. Kestene, Resten (Kestenpaum) , welchen 
Formen sich der Dialekt innig anschliesst. — In Karls Capitulare als 
castanea nus vorkommend. Sich über die Wiener Titelsucht lustig machend, 
sagt A. a Sta. Clara an einer Stelle : »Ja man soll schon eine russige Kesten- 
braterin Madam Urschel nennen.« 

214. Fagus silvatica L. Rotbuche. 

I. Buacha; 2. Buach(a)n Hof.; 3. Buachn K.; 4. Bitcha 
(V. U. M. B.) Frf.; 5. Buchabam (Klosterneuburg); 6. Buch'n K.; 

7. Buicha; 8. Bädbuachn; 9. Bädbuchn K.; 10. Wäldbuach'n 
(Kampthal) K. 

Samen (Bucheckern, Buchntisse): 

II. Ackeram Nie, Seidl; 12. Agram Seidl; 13. Agram Cast.; 
14. Buchdckerln Seidl; 15. Bucheckern; 16. BucJtnüsse; 17. Bue- 
cheln Märt; 18. Deehel Nie. 

1 — 10, 14 — 17 Buche, ahd. puocha, mhd. buoche, PI. buochen, womit 
der Dialekt zusammenstimmt. 17 nach der Analogie von Eichel aus Eiche, 
gleichsam das Kind des Baumes. 11 — 13 Ackeram hochinteressanter 
alter Name, vom goth. akran, welches nach Gr. I. 173 auf akrs, Weide, 
zurückzuführen ist. 14, 15 zeigen das Wort im Compositum. — Auf Buchen- 
stäbe wurden die Runenzeichen geschrieben, daher unser Buchstabe. Der 
polnisch-jüdische Jargon nennt die Bucheckern: Schickernissln, was dem 
Wortsinne nach die trunken-machenden Nüsse bedeuten würde; uns ent- 
geht mit welchem Rechte. — Agram, Ackeram, Akram Höf.; Akram Salzb.; 
akram Tir.; Rodbtfck (Altmark, niedd.) Pr. u. Jess. 



144 

XIX. Ulmaceae. Rüsterartige. 

215. Ulmus campestris L. Feld-, Bergrüster. 

1. Fliagnbam Cast.; 2. Lainbam Cast; 3. Rüsten Märt.; 
4. Rustn Cast., Hof., Br. 

1, wol weil Aphis Ulmi darauf zu sitzen (beziehungsweise die auf- 
fälligen Blattgallen zu erzeugen) pflegt Gr. III. 1785. 2? 3, 4 s. z. folgend. 
— Fliegenbaum, Lindbast (Gesner, Bock) Pr. u. Jess. 

216. Ulmus 8p. Ulme, Rüster. 

1. Rusin Wied. litt.; 2. Rustn K., Hof.; 3. Ulrna (selten) 
Hof. 

1, 2, wir verzeichnen drei Erklärungen des Namens Rüster. Am nahe- 
liegendsten ist, dass es mit rüsten, zurüsten einerlei Wurzel ist; Adelung 
will riesen = sich hoch erheben, herausfinden Hof. 14; Pr. u. Jess. Rüster, 
ahd. ruz? = rothbraun. — ilm', Ulm', ulm' Tir. 

XX. Celtideae. Zürgelbaumartige. 

217. Celtis australis L. 

Zuckererbsenbaum (Brück a. d. L.). 

XXI. Moreae. Maulbeerartige. 

218. Morus alba L. 219. Morus nigra L. 

1. Mailber; 2. Malbeer Hof.; 3. Maulbeerbaum Schm.; 5. Meil- 

berbam (Poisdorf) Bau.; 5. Schwärze und 7. weisse Mäulber K. 
Aus dem lat. morum bildete das Ahd. zunächst die verdeutlichenden 
Zusammensetzungen mörperi , mürperi , mürboum. Daraus wurde mit 
Erweichung des r zu 1 (im Dialekt mit deutlicher Anlehnung an Maul) 
mülber. — Beide Arten wahrscheinlich frühzeitig nach Griechenland ein- 
geführt. Als unter Justinian die Seidenzucht verbreitet wurde, kamen die 
Bäume nach Italien, wo die Seidenraupe vorerst mit den Blättern von 
Morus nigra gefuttert wurde, an dessen Stelle später M. alba trat. Ung. 
Streife. I. 66. Bereits Karls Capitulare empfiehlt den Anbau des schwarzen 
Maulbeerbaumes. — mürbäm Tir.; maulper (Megenberg), mulbeerboum 
(Hildegard) Pr. u. Jess. 

220. Ficus Carica L. Feigenbaum. 

1. Feitfnbam. 
Redensart : 

2. die Feige zeigen — ital. far la fiea Nie. 

1 mhd. feygen, aus lat. ficus. 2 mit obseöner Bedeutung. 

XXII. Cannabineae. Hanfartige. 

221. Cannabis sativa L. Hanf. * 

1. Hanef Seidl; 2. Hanöf E., Sonnl.; 3. Hänef K., Tsch.; 
4. Honef Höf. 



145 

Die weibliche Pflanze: 

5. MasU K. 

Die männliche Pflanze: 

6. Femiriel K. 

7. Biastwe<ir r ch — Hanfabfall beim Hecheln Cast; 

8. Hänöf; 9. Hänöferl — der Hänfling Cast. Betreffend die 
technischen Ausdrücke Brech'l, brechein s. z. Linum usitatissimum. 

1 — 4, 8, 9, Hanf, ahd. hanaf, hanif, hanuf, mhd. hanef; Lehnwort aus 
dem griech. xavvaßt;, lat. cannabis, einem vermutlich orientalischen Namen 
Gr. IV. 431. 5, 6, eine Verwechslung der aus dem Lat. stammenden 
Termini, die sich schon in den mittelalterlichen Kräuterbüchern vorfindet 
und damit erklärt werden kann, dass der sinnlichen Anschauung die kräf- 
tigere Pflanze männlich, die schwächere weiblich erschien Gr. III. 1638. — 
hanef Tir.; Feimlen $ (Württemb.), Femmel £ (Württemb., Siebenb.), 
Fimme, Fimmel <5 (Schweiz), Hanfhahn 9, Hanfhenne 5 (Brandenburg), 
Mäsch, Mesch $ (Siebenb.), Maschgelt £ (St. Gallen) Pr. u. Jess. 

222. Humulus Lupulus L. Hopfen. 

Hapfn K. 

Der Name steht nach Perger (Z. B. G. 1857, 209) mit den Wörtern 
Haupt, Haube, Hübel, Häuf in einer Reihe und deutet auf die gehäuften, 
ein Haupt oder Häupter bildenden, zum Brauen benützten Früchte hin. 

XXIII. Urticaceae. Nesselartige. 

223. Urtica urens L. 224. Urtica dioica L. 

Brenessl K.; Brennessl Wied. litt.; Brennöss'l E. 

225. Parietaria officinalis L. Glas-, Wandkraut. 

Wiild! 8 Lungakraud (Kritzendorf b. Wien). 
Zu einem Thee verwendet. 

XXIV. Chenopodiaceae. Meldengewächse. 

226. Blitum capitatum L. Erdbeerspinat. 

Saidäus (Hohenruppersdorf). 

Von den runzligen Früchten. 

227. Chenopodium Bonus Henricus L. Hausmelde. 

1. Hänsdl am Weg E.; 2. Hansel am Weg Nordm.; 3. Hansl 
am Weg (Scheibbs) K.; 4. Höankraut E. 

1 — 3, eigentlich der Name für Polygonura aviculare (Nr. 244), mit welchem 
unserer Pflanze wohl gleiche Kräfte zugemessen wurden. — Heilkraut Ooest.; 
guter Heinrich (Augsburg, mhd.) Pr. u. Jess. 

228. Chenopodium hybridum L. Saumelde. 

Sautod Tott 

Angeblich für Schweine tödlich. — Schweinstod (Bock, Fuchs) Pr. 
u. Jess. 
BUtter des Vereinet 'für Landeskunde von Niederösterreich. 1889. 10 



146 

229. Chenopodium rubrum L. 

Wilda Brein Lze. 

Von den an Hirsekörner erinnernden Früchtchen. 

230. Chenopodium album L. 

Bächsteuer (mährische Grenze bei Laa) Lze. 

231. Chenopodium sp. Gänsefuss. 

Krotenkreidl, wülda Spenät Br. 

232. Beta vulgaris L. Runkelrübe, 
a. Cicla. Mangold. 

1. Kraudruabn (Wolkersdorf) Höf. 
ß. rapacea. Runkel-, Zucker-, Rotrübe. 

2. Bua r gundaruabn Cast.; 3. Burgunda (Wien, Krems) K., 
Wied. litt.; 4. Ranrüben; 5. Band; 6. Ranzen Nie; 7. Radi 
Ruabn K.; 8. Ränadn (Pulkau) Frf.; 9. Rxnruabn Cast.; 10. Roner 
Wied. litt; 11. Roners; 12. Ronersen K. B.; 13. Roners' n 
(V. U. M. B.) K.; 14. rothe Rann Becker; 15. Runklntabn 
(selten) K. 

1, weil die Wurzel schmächtig ist und die Blätter wegen der dicken, 
fleischigen Stiele gegessen werden. 4 — 15 zunächst Name der roten Rübe 
vermutlich von dem slav. rana = Wunde, raniti verwunden (der rote 
Saft ist wie Blut!) Höf. III. 14. — Ranrübe, Rane, Rone Höf.; Raner 
Salzb.; rote Ronen Kämt.; röne, rüne Tir.; Rane (Steierm., Württemb.), 
Raner (Salzb., Baiern), Rangersen (Würzburg), Roni (Österr., Basel), 
Rungelsen (Elsass, Bock), Runkelrübe (Graubündten) Pr. u. Jess. 

233. Spinacia oleracea L. Spinat. 

1. Scfipenat; 2. Spenad Hof.; 3. Spenäd K.; 4. Spenot Hof. 
Redensart : 

Spenäduachter (Spinatwächter) — scherzhaft, die vor Wiens 
»Linien« postierten Steuersoldaten. 

1 — 4, mhd. spenat, aus lat. spina = Dorn, weil die Blätter in Spitzen 
ausgehen; vgl. das Wiener Spennadl = Stecknadel Hof. 41. — Wahrscheinlich 
zwischen dem Kaukasus und persischen Meerbusen einheimisch. Arab. is- 
fanädsch. Weder Griechen noch Römer kannten diese Pflanze. Ung. Streife. 
I. 86. Fehlt in Karls Capitulare. 

234. Atriplex hortensis L. Melde. 

1. Mangold K.; 2. Malin; 3. Moütn; 4. Molden Wied. litt; 

5. MolHn Cast.; 6. Welischer Spenat Br. 

1, im Schriftdeutschen zu Beta vulgaris a Cicla. Mangold ist nach 
Grimm ein uralter Mannesname und erinnert an das Gold, das die beiden 
zauberkräftigen Jungfrauen Menja und Fenja dem Könige Frodi boten. 
Der Name selbst bezeichnet einen Goldhalsschmuck — meni = Halsband — 
und mag von der Ansicht der quer-durchschnittenen Rübe genommen sein 



147 

Hof. 63. 2 — 5, zusammenhängend mit Moltn, n.-ö. = Staub, Erde; weil 
die eigentliche Melde mit vielen Verwandten durch epidermidale Schüppchen 
gleichsam verstaubt aussieht. — Molten Höf.; molten Tir.; Malten (Megen- 
berg), meilde (mhd.), melda (Hildegard), melta (ahd.), milde (mhd.) molta 
(ahd.) Pr. u. Jess. 

235. Amaranthus caudatus L. Fuchsschwanz. 

1. Fiixschwaf Cast.; 2. Kätznschwaf K.; 3. Kätznschtvoaf 
Frf.; 4. rosa Kätziischwoaf (Kritzendorf); 5. rota Kätzenschioanz 
Wied. 

Aus Asien, cult. und verw. 

236. Celosia cristata L. Hahnenkamm. 

1. Häknakdmp Cast; 1 ) 2. Hähnenkemp (Hacking b. Wien); 
3. Hähnahemp; 4. Hlnakämp Frf. 

Cultiv. 

XXV. Polygoneae. Knöterichgewächse. 

237. Rheum undulatum L. Rhabarber. 

1. Rebarbara Mar. II.; 2. Rehbarbara Hof. 

Rhabarber, von Rha, dem Namen der Wolga und barbara fremd Hof. 62 ; 
der Dialekt (2) mit Anlehnung an zwei geläufige Worte. — Rebarber, Reu- 
barber Pr. u. Jess. 

238. Rumex crispus L. 

Aßblätter (St. Nikola) Top. 

Als Heilmittel wider das Gesichts-Erysipel (Afl, Afi), wie Chelidonium, 
s. d., u. a. m. 

239. Rumex obtusifolius L. 

Hematdocken (St. Georgen) Top. 

Dok'n heisst im Dialekt die Puppe; was aber soll Hemat — Hemd? 

240. Rumex conglomeratus Mönch. 

Alts Ross (Gratzen) Top. 

Ein Spottname, von dem verwahrlosten Aussehen der Pflanze zur 
Fruchtzeit. 

241. Rumex alpinus L. 

1. Barbarawurzen Roghf. ; 2. StropfablötscK n E.; 3. Strupf a- 

plutschn Beck litt. 

1, Hausmittel anstatt Rhabarber. 2, 3, vielleicht, weil die oberen lanzett- 
lichen Laubblätter in der Form an Strupfen erinnern, wie sie die Soldaten 
an ihren Hosen haben. 

242. Rumex acetosa L. Sauerampfer. 

1. Saurampfa K., E.; 2. Sauerämpf'n Cast. 

') Cast. 161 stellt den Namen zu Amaranthus. 

10* 



148 

1, 2, Ampfer, ahd. amphero, mhd. ampher, leiten Pr. u. Jess. 346 von ahd. 
ramph = herabhängendes Gewand, ab; Fick stellt das Wort mit amra- 
sauer zusammen; nach Hof. 19 Abstammung dunkel. — saurampfer Tir. 

243. Polygonum Fagopyrum L. Buchweizen. Haidekorn. 

1. HacFnK., Cast; 2. HaicCn (Wien); 3. üfarn Hof.; 4. Harn 
Top.; 5. Hodn E.; 6. Hoarn K.; 7. Srasn (Mistelbach) Hof. 

1 — 6 weisen auf die Einführung der asiatischen Pflanze durch die 
Heiden mit Anlehnung an Haide, den Pflegeort des Buchweizens, genauer 
(7) durch die Sarazenen. Vgl. ital. grano saraceno, franz. ble* sarasin, 
slav. tattarka, tattar (Tataren), gretscha, gryka (Griechen) u. s. f. Der 
geläufigen Ansicht gemäss kam das Haidekorn erst zu Beginne des 16. Jahr- 
hundertes nach Europa. Dem steht jedoch eine uns gemachte Mitteilung 
Prof.'s v. Kerner gegenüber, nach welcher das Haidekorn schon zur Römer- 
zeit in Deutschland war; die Erklärung der Namen würde hiedurch hoch- 
gradig erschwert werden. — Haden (Tir., Kämt.), Haidel (Baiern), Haiden 
(österr., Baiern) Pr. u. Jess. 

244. Polygonum Convolvulus L. 

1. UmiüincFn Top.; 2. wülda Hoafn Lze. 

2, die Samen sind jenen des Haidekorns ähnlich. 

245. Polygonum aviculare L. Vogelknöterich. 

1. Hanserl am Weg K., Wied. litt; 2. Hanserl nebetia Weg; 

3. Hansl am Weck Br.; 4. Hansl am Weg Hof.; 5. Hansl am 

Ran (Hacking b. Wien). 

Hansl am Weg soll auf den wandernden Thor, der unter dem Namen 
des »starken Hanns < auftritt, Bezug haben; s. z. Hordeum murinum, Cheno- 
podium Bonus Henricus (Chevalier) Hof. 64. Eine österreichische Sage 
erzählt, wie zwei unglücklich Liebende, Hanns und Grete, in > Hanns' 1 am 
Weg« und »Gretel in der Staude« (Nigella s. d.) verwandelt wurden 
Perg. Sag. 176. — Wächst dem harten Boden dicht angedrückt und über- 
zieht ihn alsbald mit dichtem, grünen Netze. — Vom Niederösterreicher als 
Heilmittel wider Hämorrhoiden gebraucht. 

246. Polygonum amphibium L. 

Kroinhraut (Korneuburg). 

247. Polygonum Orientale L. 

Rosa Kätdnschvxif (Kritzendorf). 

Aus dem Oriente; cult. und verw. 

248. Polygonum Persicaria L. 

Riddere Top. 

D. h. Sumpfbewohner, s. z. Carex sp. — Riedacher (Entlibuch), Rie derer 
(Österr.) Pr. u. Jess. 

249. Polygonum lapathifolium L. 

Hoarlöar (St. Nikola) Top. 

Kommt an der genannten Localität unter dem Flachs (Hoar) vor. 



149 

250. Polygonum viviparum L. 

1. Bring mds tctda (Dtirrenstein) E.; 2. Bring mir 9 8 wieder 
Becker, Nordm. 

Wie Nimm-ma-nix (s. z. Polytrichum sp.), imperativischer Kräutername. 
Eine Pflanze, welche durch ihre üppige Vegetation auf den Gedanken 
brachte, dass sie bei den Kühen viel Milch »mache«; sie ist der Antagonist 
des Kräutleins Schawa (Senecio abrotanifol. s. d.). 

251. Polygonum Bistorta L. Natterwurz. 

1. Naddnzung Top.; 2. Nädazüngl E. 

Die schmalen Laubblätter vergleicht der n.-ö. Dialekt mit der Zunge 
der Natter und lässt den gewundenen Wurzelstock unbeachtet, der sonst 
gewöhnlich zu den Benennungen Anlass gibt. — Drachenwurz (Schles.), 
naternwarz (mhd.), Otterwurzel (Schles.), Ochsazunga (St. Gall., Graubündten) 
Pr. u. Jess. 

XXV a. Nyctaginaceae. Wunderblumenartige. 

252. Mirabilis Jalappa L. 

1. Geschehet Indianische blumen Clus.; 2. Nachikerdn Wttst.; 
3. NächtfräuVn (Wolkersdorf). 

Blüht abends auf. In Bauerngärten cultlvirt. — Abendblume Pr. u. Jess. 

XXV b. Lauraceae. Lorbeerartige. 

253. Cinnamomum Camphora Kampferbaum. 

1. Gäffa Cast.; 2. Käfl Becker. 

1 Kampfer, mhd. gaffer. 2, mit Anlehnung an Afl (Erysipel), gegen 
welches der Kampfer als Heilmittel gilt. S. z. Rumex crispus, Chelido- 
nium maius, Tussilago farfara etc. Kaffer (mhd.) Pr. u. Jess. 

254. Cinnamomum zeylanicum Breyn. Zimmtbaum. 

Zimat (Wien). 

Zimmt, aus dem lat. cinnamum, gr. xivvajxov. Leunis leitet das Wort 
von xivetv, rollen und ajxwp.o^ = ohne Tadel her, also eigentlich das zu- 
sammengerollte tadellose Gewürz Hof. 49. — cinment (ahd.), zinmend (mhd.) 
zimmendboum (mhd.) Pr. u. Jess. 

255. Laurus nobilis L. Lorbeerbaum. 

Larberbleda (Wien). 

Die als Gewürz flach getrockneten Blätter. 

XXVI. Santalaceae. Sandelholzartige. 

256. Thesium alpinum L. 

Johaneslcräutl Roghf.; Johdnneslcraut E. 
Blüht um Johannis zur Zeit der Sommersonnenwende. 



150 

XXVII. Loranthaceae. Riemenblumenartige. 

257. Loranthus europaeus L. Eichenmistel. 

1. Lelmbüdhtauan; 2. Misil Wied. litt.; Oachamistl. 

Früchte: 

Leimbödl. 

Soll noch besseren Vogelleim geben als die eigentliche Mistel. 

258. Vi8cum album L. Mistel. 

1. Ichpl E.; 2. MM K., Hof.; 3. Vögelleim Top. 

1, 2 Mistel ist dem Wortsinne nach die im Kote des Vogels aufgekeimte 
Pflanze. Denn die meisten Mistelpflanzen keimen aus Samen auf, die von 
der Drossel verschlungen wurden. Es wäre aber irrig, zu glauben, dass 
nur die Drossel Viscum aussäet (schon Plinius nennt Holztauben, zu diesen 
kommt der Seidenschwanz und im Wiener Prater die Krähe), und eben so 
irrig, zu glauben, dass alle Samen den Darmcanal des Vogels passieren. 
Die meisten werden mit dem Gewölle ausgebrochen. Dazu kommt, dass 
die Mistel, wo sie einmal angesiedelt ist, sich auf vegetativem Wege aus- 
breitet und dass einzelne abfallende Beeren sich an Äste anheften können, 
also völlig unabhängig von dem Vogel die Anpflanzung geschieht. Während 
Ascherson noch vor einiger Zeit alle Angaben über das Vorkommen von 
Viscum album fllr unrichtig erklärte, sind derzeit einige wenig« Fälle 
mit Sicherheit constatiert. Zuccarini behauptet, dass die Mistel, welche 
von den germanischen Druiden feierlich mit goldener Sichel von der Eiche 
herabgeschnitten wurde, Viscum album gewesen sei. Wol kann man es 
begreiflich finden, dass eine Pflanze, an der Alles so sehr eigentümlich ist 
wie an der Mistel, eine Pflanze, die den nördlichsten Ausläufer einer in 
den Tropen koalisierten Vegetationsform darstellt, und an die klimatischen 
Verhältnisse einerseits, anderseits an das Schmarotzerleben angepasst er- 
scheint, frühzeitig die Aufmerksamkeit, das Staunen des Beobachters auf 
sich lenken musste. (Vgl. Kronfeld, Zur Biologie der Mistel. Biolog. Cen- 
tralbl. 1887.) Für die beispiellose Verehrung, welche die auf der Eiche 
erwachsene Mistel erfuhr, mag noch ihre ausserordentliche Seltenheit den 
Ausschlag gegeben haben. Dem nordischen Mythos zufolge ist der fröhliche 
Sommergott Baldr von seinem Bruder Hödhr auf Anstiften Loki's mit dem 
Misteltein (Mistelzweige) angeworfen und getödtet worden. Die Mistel 
wurde auch Donnerbesen genannt und war Thor geweiht, sie sollte vom 
Blitze erzeugt sein. Merkwürdig ist, dass nach Märts Berichte (p. 219) 
vordem im Wienerwalde aus Mistelholz Rosenkränze geschnitzt wurden. 

XXVIII. Daphnoideae. Seidelbastartige. 

259. Daphne Mezereum L. Kellerhals. 

1. Lansbleaml; 2. Saidlläst Cast.; 3. Seidlbust Wied. litt.; 
4. Ziagldsbeer E. 

1? 2 — 4 Seidelbast, mhd. zidelbast; das Wort erscheint wegen des 
zartfaserigen Daphue-Bastes an Seide angelehnt und wird entweder als 
Zeidelbast auf die Bienen bezogen — Daphne Mez. ist eine der erstblühen- 



151 

den, von Bienen besuchten Pflanzen — oder weist auf Zio, den Kriegsgott 
der heidnischen Germanen, zurück. Grimm erschliesst als die rechte Lesart 
ziolinta, welches zum alten Tyvidr stimme, und linta bezeichne Bast; 
Seidelbast stehe für Zeilindebast Hof. 33. Uns will die erste anspruchslose 
Erklärung und die Zusammenstellung mit zeideln = Bienenwirtschaft 
treiben, am ehesten gefallen. Noch dunkler ist die Bezeichnung Kellerhals, 
deren Erörterung wir hier unterlassen müssen. — Hundszigl, Linsigl 
Salzb.; Seideln, Zwilinder Ooest. ; Siglent'n (Hallstadt) St.; Läusskraut 
(Bock), Seidelbast (Bock), Seidelbaum (Österr.), Zieglig (Schles.) Pr. u. Jess. 

260. Daphne Cneorum L. Steinröschen. 

1. Schdarosl Cast; 2. Steinroselin Clus.; 3. Steinröserl (Gutten- 

stein) Wttst; 4. Steinrösl Beck; 5. Sioanreserl Hof.; 6. Stoan- 

reslBr.', 7. Waldröserl (Piestingthal) Low; 8. Zechmeister (Brühl) 

Rogkf. 

1 — 6 Steinröschen, der liebliche Name für die schönblütige und duftende 
Pflanze hat sich seit Clus. 's Zeiten erhalten. 8? — Im Mai massenhaft 
auf den Wiener Markt gebracht, eine Zierde unserer Kalkberge. — Stein- 
röschen (Schwab.) Pr. u. Jess. 

XXIX. Elaeagneae. Oleasterartige. 

261. Hippophae rhamnoides L. Sanddorn. 

Amritscherl (Kritzendorf). 

Dem Munde des Volkes aus rhamnoides anbequemt, das irgend einem 
Pflanzenkundigen abgehört sein mag. 

* 

XXX. Aristolochiaceae. Osterluzeiartige. 

262. Aristolochia Sipho L. Pfeifenstrauch. 

Täbäkspfeif'nstrauch. 

Aus Nordamerika, zur Bekleidung von Lauben häufig cult. 

263. Aristolochia Clematitis L. Osterluzei. 

1. Wolfskraut (Kritzendorf, Percbtoldsdorf), Hof.; 2. Wolfs- 
würz K.; 3. Wolfszausat (Baden) Br. 

1 — 3 die Beziehung zum Wolfe bleibt zu erklären. — Gilt für ein aus- 
nehmend heilkräftiges Wundmittel. 

264. Asarum europaeum L. Haselwurz. 

1. Häslwurz K., Wied. litt; 2. Weirdkraut E. 

■s 

1, vom Vorkommen unter Haseln. 2, weist auf volkstümliche Benützung ; 
zum Räuchern? — Erregt Erbrechen. — Haselmusch Salzb., Kämt.; 
Hasel-Mönch Ooest.; haisei wurtz, hasalwurtz (ahd.), haselmünch (mhd.) 
Pr. u. Jess. 



152 

b) Gamopctalae: mit ganzblättriger Blumenkrone. 

XXXI. Cucurbitaceae. Kürbisgewächse. 

265. Cucurbita Pepo L. Gemeiner Kürbis. 

1. Bludsa Ca 8t.; 2. Bluza E.; 3. Kürbiss Schm.; 4. Kürtoas 
Hof.; 5. Plumpers (Scheibbs, Amstetten) Hof.; 6. plutzer Schm.; 
7. Pluza K.; 8. Wut&cka (Hof am Leithag.) Hof. 

Samen (Ktirbiskertfe): 

9. Bludsakea r n Cast 
Redensarten: 

10. da hast wider an saubarn Bludsa gemächt — einen 
Fehler; 11. da mecht ma glei in an Bludsa schbringa — 
Sprichwort der Verwunderung (Bl. bedeutet auch einen grossen 
steinernen Krug); 12. Bludsaschedl — Kürbiskopf Cast. 

1, 2, 5, 7, 9 Bludza bedeutet wol ursprünglich den grossen, geräusch- 
voll niederfallenden, niederplumpsenden Gegenstand; im gewissen Sinne 
stimmen damit die Redensarten (10 — 12) überein. 3, 4 Kürbis (welches Wort 
nach K. B. 8 in Österreich nicht vorkommt), ahd. curibiz, churpiz, curbez, 
churpitza, mhd. kürbez, vom lat. Cucurbita. — Als Cucurbita in Karls Capitu- 
lare. — Kirbes Tir. ; Plutzer (Österr., ahd.) Pr. u. Jess. 

266. Cucurbita pomiformis. 

1. Schauäpfl; 2. Zieräpfl. 

267. Cucurbita pyxidaria. 

Schaubirn, Zierbirn (Wolkersdorf). 

268. Cucurbita Melopepo L. Turbankürbis. 

Türkenbund Hof. 

269. Cucumis sativus L. Gemeine Gurke. 

1. Omorken Nie; 2. Umuakn Cast.; 3. Umurken K. B., 
Becker; 4. TJmurlin E. K.; 5. Umurkn Hof.; 6. vnmureken 
Schm.; 7. Unmurken Nie; 8. Unmurlin K.; 9. Urmurkn Hof. 

Redensart: 

10. das bringd an Umua r kn um — das ist verwunderlich 
Cast. 

1 — 9, 8ämmtlich aus dem Slav. ; poln. ogorek, böhra. wokurka, Gurke, 
wie denn die saftige Frucht selbst, Hehn zufolge, von den Slaven nach 
Deutschland gelangte. Das Schriftdeutsche hat den anlautenden Vocal 
eingebüsst, doch niederl. agurkje, dän. agurke. In letzter Linie von Schwenk 
auf das gr. d^youptov zurückgeführt. Höf. III. 256 vermutet in Umurke 
eine Frucht aus Angora in Kleinasien. — Die Gurken (cueumeres) werden 
bereits in Karls Capitulare aufgeführt. — Umurke Höf.; Unmurken (Kämt) 
Boh.; Murken, Murggen, Mürkalan Kämt.; Agork, Agurke (nd.) Pr. u. Jess. 



153 

270. Cucumis Melo L. Melone. 

1. Melaun Schm., (V. 0. W. W.) Tsch.; 2. Melaune Nie. 
3. Zärti Nie., (Wien) Pr. u. Jess. 

1, 2, von lat. melo. 3 Melone mit genetzter oder gerippter Oberfläche 
(Cantaluppe), ital. una zatta Nie. — Uralte Oulturpflanze. In Karls 
Capitulare als pepo — Malanner Kämt.; Melaum (?Österr.), Melaun (mittnd.) 
Pr. u. Jess. 

271. Bryonia alba L. 

1. Hundsber K.; 2. Schölmwurz Wied.; 3. Schölmwurz'n E. 

2, 3, als Heilmittel wider die Finnenkrankheit der Schweine, die volks- 
tümlich »der Schelm« genannt wird. 

272. Bryonia dioica L. 

1. Alraurd; 2. Schelmwurz Wied. litt; 3. Schölmwurz 
(Kritzendorf). 

1, in Verwechslung der Wurzel mit jener des echten Alraun, s. z. Man- 
dragora. 2, 3 s. z. vorig. — Giftig wie die vorige. — Bryonia alba 
und dioica L. : Alraunwortel (Rendsb. Apoth.), hundeskürbs, kürbsen (mhd.), 
Hundsreben (Cordus). Pr. u. Jess. 

XXXII. Campanulaceae. Glockenblütler. 

273. Specularia Speculum L. 

Schliaferl (Stockerau) Har. litt 

Die Samen schlupfen aus der Porenkapsel heraus, wie etwa der Dachs 
aus seinem Baue. 

274. Campanula rotundifolia L. 

1. GaUbleaml E.; 2. Vaschreikräutl (V. U. M. B.) Frf. 

1, wol als Heilmittel. 2, gegen das > Verschreien« der Kinder; solcher 
gegen Berufung, bösen Blick und alle Hexenkünste dienlicher Kräuter kennt 
das n. 0. Landvolk mehrere. 

275. Campanula persieifolia L. 

WäldglocKn K. 
Waldglöckerl Pr. u. Jess. 

276. Campanula sp. Glockenblume. 

1. FeldglocMn Kempf; 2. Glockenileami Wied. litt, Kempf; 
3. GlocHMeaml K.; 4. Gloctfnbluma Cast; 5. Glöckerl K., 
Wied. litt; 6. GlöckerVn Kempf. 

277. Phyteuma hemisphaericum L. 

Zwanglcräutl (Hochalpe) Roghf. 
Als Mittel wider Stuhlzwang. 

278. Phyteuma nigrum Schm. 

Bauchfangkehrer (südlichstes Böhmen) Top. 
Wegen der schwarzvioletten Blütenähre. 



154 

279. Phyteuma spicatum L. 

Bluadkraut E. 

Wahrscheinlich ein Heilmittel. S. z. Ph. hemisphaer. 

XXXIII. Ambrosiaceae. Ambrosiaceen. 

280. Xanthium spinosum L. 

Husarendistl (Laa a. d. Thaya) Lze. 

Der Name will besagen, dass die Pflanze durch Husaren, beziehungsweise 
durch die Fourage, welche dieselben mit sich führten, eingeschleppt wurde. 
Eine Steppenpflanze, die namentlich beim Treiben der Schweine vermöge 
ihrer widerhackigen Früchte mitgenommen und so in grosser Ausdehnung 
verbreitet wird. 

281. Xanthium strumarium L. 

Bedttais. 

Die widerhackigen Früchte haften zähe an den Kleidern. — Bettler- 
läuse (Cordus, Bock, Fuchs), Bubenläuse (Ostpreussen, Tabeni) Pr. u. Jess. 

XXXIV. Compositae. Korbblütler. 

Bei der Einförmigkeit in der Physiognomik dieser grössten unter den ein- 
heimischen Familien ist es nicht zu verwundern, wenn eine Reihe botanischer 
Gattungen — so Arnoseris Gärtn., A poser ia Neck., Thrincia Roth, Picris L., Hel- 
minthia Juss.,Podospermum De. C, Hypochaeris L., Achyrophorus Koch, Chondrilla L., 
Willemetia Neck., Mulgedium Cass., Chlorocrepis Griseb., Carpesium L., Ligularia 
Cass., Saussurea D. C, Rhaponticum Vaill. — vom Volke gar nicht unterschieden, 
und polymorphe Genera, wie Hieracium, nur collectiv als »Butterblumen«, »Gold- 
blumen« bezeichnet werden. 

282. Cichorium intybus L. Cichorie, Wegwarte. 

Blaue DisÜ } Weclisehärdn Br.; Zigori K. 7 Ziguri. 

Wild und als Kaffeesurrogat eultiv. — Die Wege warte ist nach dem 
Mythos die am Wege den zurückkehrenden Gatten Odin erwartende Freya 
(Simrock) Hof. — Ziguri Kämt.; wegwärt Tir.; wegwarte (Osten*.), weg- 
weise (mhd.) Pr. u. Jess. 

283. Cichorium Endivia L. Endivie. 

1. Andiri Wied. litt; 2. Endivi; 3. Andiri K. 

1 — 3, vom lat. intubus. — Aus Indien eultiv. und verw. In Karls 
Capitulare als intuba. — Antivi Höf.; antivi, entivi Tir.; Antifien (Schweiz, 
Oberbaden, Braunschw., Brunfels). 

284. Tragopogon pratensis L. Wiesen-Bocksbart. 

Bocksbart t Cast.; Boksbärt K. 

»Also genannt, dass seine blumen zu aim gravin bart wordene (Fuchs), 
d. h. sich in die pappfisen Fruchtstände verwandeln. — Bocksbart (Meck- 
lenb.), Goasbart (Pongau, Zillerthal, Schwab.) Pr. u. Jess. 

285. Scorzonera austriaca Willd. 

Stoamcurz'n Br. 



155 

286. Scorzonera hispanica L. Schwarzwurzel. 

Schwarzwurzel Tar.; Schwoa T zwua r zl Br. 
Wild und cultiv. 
287- Scorzonera humilis L. 
Schafbldz'n E. 

Der Name soll daher rühren, dass die Schafe nach dem Genüsse des 
Krautes auffällig blocken (blaz'n). 

288. Taraxacum officinale Wigg. Maiblume, Kuhblume. 

1. Futterbleamln Ullepitsch Ö. B. Z. 1888, 251; 2. Härdockdn 
(Weitra, G ratzen) Top.; 3. KrocFnblmm'l (Wolkers dorf) ; A.Mahl- 
bleaml; 5. Mahlrehrl Hof.; 6. Mahüiappl; 7. Mahltaschi Hof.; 
8. Mährtäschn Roghf.; 9. Maibleamln K., Kerapf; 10. Mai- 
bluman Br. ; 11. Maiblume Priest; 12. Maibuscha; 13. Mai- 
hmchl Hof. (Gr.-Russbach); 14. Maidistl (V. U. M. B.) Frf.; 
15. Mawchopn K.; 16. MaistöcU Hof.; 17. Maschopcn K.; 
18. Ma'schopn Wied. litt.; 19. Matäschn K.; 20. Moabäsch'n 
Wied.; 21. Moableaml: 22. Moastäudl Frf.; 23. Moastöck E.; 
24. Mülchgros Hof.; 25. Mülibuschen (Waydhof. a. d. Thaya) 
Top.; 26. Miilibüxchl Hof.; 27. ReaHgraud Cast; 28. SaudisÜ 
Frf.; 29. wilde Zihori (Wien) Pr. u. Jess. 

Die jungen Blattrosetten: 

Zigorisalat. 

Die Wurzel: 

Ziguri Br. 

2, Leinpuppen; in der genannten Gegend sagt man: »So lang du 
Hardockan, so lang wird heuer da Har (Flachs)« Top. 4 — 8, die Kinder 
» malen c mit dem sich alsbald verfärbenden Milchsafte; derselbe lässt 
Male oder Flecken auf dem Gewände. 9 — 23, von der Blütezeit. 24 — 26, 
die Pflanze milcht. Im Ganzen eine Fülle von Bezeichnungen, entsprechend 
dem allgemeinen Vorkommen der Pflanze. Doch vermissen wir in dieser 
Menge jene drolligen Bezeichnungen, welche andere Gegenden für den 
seiner Früchtchen bereits entblössten Blütenkopf kennen, als z. B. : Münchs- 
köpflin (Brunfels), Pfaffenblatt (Brunfels, Bock), Pfaffenkrut (Aargau), 
Pfaffenrörlin (Brunfels, Bock, Gesner) — der auch ins Schriftdeutsche ge- 
langte Name — u. v. a. Pr. u. Jess. — Saublümel Ooest.; Maipumpe 
Schles.; rearlkraut Tir.; Krotenblume (Bern), Majabluma (Appenzell), Milch- 
blaoma (St. Gallen), Röhrlkraut (Osten*., Kämt.) Pr. u. Jess. 

289. Lactuca sativa L. Gartensalat. 

1. Bund-Sähld; 2. Dscltäblsäläd Cast; 3. Ilapphäldd Cast; 

4. salat Schm.; 5. Sälädblödschn; Schäblsdläd. 

1. der Bindesalat (L. sat. var. longifolia Lam.). 2, 6 Salat aus jungen 
Pflanzen, von ital. scappezare, abschneiden. 3, Kopfsalat (L. sat. var. 



156 

capitata C. Bauh.). 4, 5 dem Worte Salat liegt lat. sal, Salz, zugrunde, 
worauf ital. in sal ata hinweist K. B. — Schon von den alten Griechen und 
Persern gebaut; Karls Capitulare zählt lactucas, also Salatsorten auf. 

290. Sonchus oleraceus L. 

1. MüUdisÜ Cast; 2. SaudistL 

291. Hieracium sp. 

1. Butterblumen (Hochalpe) Roghf.; 2. Goldbleavü Hof. 
Dukatlein (Schweiz) Pr. u. Jess. 

292. Adenostyles alpina Bl. Fing. 

Waldblem (Dürren stein) E. 

293. Petasites officinalis Mnch. 

Hufplätschan Beck, litt; Hurfplätschna Hof. 

Die mächtigen Laubblätter sind hufförmig. — Huafplotschen Kämt. 

294. Homogyne discolor Cass. 

1. Rahmbl'ödschal E.; 2. Rahmplätscherl Beck, litt; 3. Rahm- 

plätschln Roghf.; 4. Rahmplötscherl Becker. 

Soll ausgezeichnete, rahmreiche Milch machen; Bestandteil der täglichen 
»Maulgabe« (s. z. Asplenium Ruta muraria). 

295. Tussilago Farfara L. Huflattich. 

1. Afflbladl Wied. litt; 2. Aflbläda Hof.; 3. da Sühn voSm 

Vädan Tott.; 4. DoffablaÜ Hof.; 5. Eltableda; 6. HeilbTeda 

(Waldviertel) K.; 7. Hoalhleda Frf.; 8. Huaßadi K., Cast.; 

9. Hufladi E.; 10. Huidltlödsch'n (Wolkersdorf); 11. Hurf- 

blätter Wied. litt; 12. Märzbleamerl Hof.; 13. Märznbleaml 

Wied. litt; 14. Mehlbläda Top.; 15. Oatableda Frf. 

1, 2 Heilmittel wider das Erysipel, s. z. Rumex crispus, Chelidonium 
maius u. a. ö — 1, 15, heilende Blätter. 3, sinniger Name, nimmt auf das 
Erscheinen der Blüten vor den Blättern Bezug. 4, Taffetblätter, von dem 
Glanz und der Glätte der oberen Epidermis. — Sammetplakten (Grau- 
bündten), Märzblume (Schles.), Märzenblflmle (Schweiz) Pr. u. Jess. 

296. Bellis perennis L. Tausendschön, Sammetröschen, * Marge- 
ritchen. 

1. Angerr'ösalYt.; 2. Getisbleamln K.; 3. Gemblmiiiln Kerapf; 
4. GoldbUamln Wied. litt; 5. Marzibleaml (Kritzendorf); 
6. Monntsbleaml; 7. Roka r l Cast; 8. Rukerln K.; 9. Rückerl 
Nie; 10. Saubleaml E., Nordm.; 11. Toden-Bledmerl Top.; 
12. Zucker- Reserln (Rosenberg) Top. 

2, Gänseblümchen, von dem Vorkommen auf Triften, welche von den 
Gänsen begrast werden. 5, blüht wie die Monatsrose, das ganze Jahr 
hindurch. 6, 7—9, 11, 12 zumal für das gefüllte Gänseblümchen .der Gärten. 
7 — 9 erinnern an das Rockenweibel, Rockertweibchen, welches reichste 



157 

Ernte bewirkt Hof. 66. 10? — Gänsbleaml, Monatbleaml Salzb.; Monat- 
rösl Kämt.; Angerblümlein (Schles., Schwab.), Ang-erblome (Tübingen), 
Gänsblümlein (Scbles.), Gänsblümchen (Graubündten), Monatblüamli (Glarus, 
St. Gallen, Graubündten), Monatblümlein (Augsburg), Rockerl, Ruckerl 
(Steiermark) Pr. u. Jess. 

297. Bellidiastrum Michelii Cass. 

1. Gänsblum; 2. Johannesblüh Nie.; 3. Saublüml Beck litt. 

2, von der Blütezeit. 1, 3, s. z. vorig. 

298. Erigeron alpinus L. 

Saubleaml E. 

Bemerkenswert ist, dass Erigeron canadensis L., das aus Nord- Amerika 
stammende, derzeit so gemeine Unkraut, weder in Österreich, noch in 
Deutschland (Pr. u. Jess.) einen Volksnamen erhalten hat. 

299. Aster chinensis L. Gartenaster. 

Hirigstraserln Priest.; Höingsträs'n. 

Herbströschen. 

300. Solidago Virga aurea L. 

Himmelbränd (Gaming) Wttst 

Wegen der schönen pyramidenförmigen Blütentraube mit der eigentlichen 
Königskerze (Verbascum, s. d.) verglichen. — St. Petristab (Schles., Sachs.) 
Pr. u. Jess. 

301. Linosyris vulgaris Cass. # 

Begn blume Clus. 

302. Buphthalmum salicifolium L. 

1. Bockbarscht E.; 2. Gelbkassblumen Clus.; 3. Goldblumen 
(Purkersdorf). 

1 Bocksbart. 

303- Inula Helenium L. Alant 

Alant E.; Alant K. 

Der Name der würzigen, seit alters für heilkräftig gehaltenen Pflanze 
hat mannigfache Deutung erfahren. Zunächst ist er vom lat. Helenium 
abgeleitet und mit der berühmten Helena zusammengestellt worden; dem- 
gemäss berichtet Plinius (lib. 21, cap. 10), dass die Pflanze aus der Helena 
Thränen emporgewachsen sei und auf der Insel Heilena besonders Ansehen 
geniesse. Leunis versucht die Beziehung auf yjX'.os = Sonne, oder £Xev/] = kleiner 
Korb — von der Blütenfarbe oder Gestalt des Hüllkelches Hof. 59. Schliesslich 
findet sich bei Perg. Stud. die Vergleichung mit eilen = Kraft. — olant, 
olent (mhd.) Pr. u. Jess. 

304. Inula sp. 

Arnika (Leithageb). 

Fälschlich von Kräutersammlern so genannt. — Im Mittelalter wurden 
die einheimischen Inula-Arten mit Arnica spuria (falsche A.) angesprochen. 
Pr. u. Jess. 



158 

305. Bidens tripartitus L. 

1. Bedl-Lais Top.; 2. Hauerlais Hof.; 3. Wässerlais Br. 

1 — 3, s. z. Setaria sp., Xanthium strumarium etc. Die widerbackig 
bewehrten Achaenien bleiben zähe an den Kleidern hängen ; wer im Herbste 
durch Ufergebüsch streift, wird die Hose alsbald von zahlreichen Früchtchen 
besetzt haben. — Bedllais (Steierm.) Har. litt.; Priesterlaus (Priegnitz), Sitt 
in d'Hose (Friesland) Pr. u. Jess. 

306. Helianthus annuus L. Sonnenrose. 

1. Mondschein; 2. Vögerlblume (Kritzendorf). 

2, die Streichen Achaenien geben ein beliebtes Vogelfutter ab. — In 
Mexico und Peru einheimisch. Allenthalben, in grösster Ausdehnung auf 
russischem Gebiete zur Ölgewinnung culti viert. 

307. Helianthus tuberosus L. Topinambur. 

1. Erdbirn; 2. Orundbirn (Wolkersdorf); 3. Judenerdapfl 

(Kilb) Kissl.; 4. Sunnrosen (südl. Böhmen) Top. 

1, 2 decken sich mit den Namen für Solanum tuberosum, s. d. 3, wegen 
der Minderwertigkeit. — Die an einem der Stärke nahekommenden Kohle- 
hydrate (dem Inulin) überreichen Knollen vermögen die Kartoffel einiger- 
massen zu ersetzen. Aus dem südlichen Amerika, wahrscheinlich aus Peru, 
zu Beginn des 17. Jahrhundertes nach Europa gelangt. — Erdbirre (Zürich. 
Thüring., Franken), Grundbirre (Zürich) Pr. u. Jess. 

308. Gnaphalium Leontopodium L. Edelweiss. 

1. Edelweis K.; 2. Födawais Cast.; 3. Odhoais. 

Der Name » Edelweiss • ist nicht, wie man häufig annimmt, erst durch 
die moderne Touristik in die Alpenländer eingeführt worden, wenn es auch 
feststeht, dass er durch sie erst jene Verbreitung erlangt hat, die er heute 
besitzt. Seine ursprüngliche Heimat scheint Salzburg mit dem angrenzenden 
Alpenland, das östliche deutsche Tirol und der benachbarte Teil Kärntens 
zu sein. Moll führt ihn in seinem 73. Briefe aus Zell im Zillerthal vom 
5. März 1784 in Verbindung mit einem Volksbrauche an, in einer Weise, 
dass kein Zweifel bestehen kann, der Name sei wirklich ein volkstümlicher. 
Auch wird er 1792 von Reiner und Hohenwarth für die Umgebung von 
Lienz im Pusterthal angeführt, und ebenso enthalten ihn die verschiedenen 
Sammlungen von Trivial-Namen, wie sie in den nächsten Jahren von 
Braune, Rauschenfels u. A. veröffentlicht wurden. Nach Kerner's Angaben 
in seinem Aufsatze über die Alpenmohne (Jahrb. d. Deutschen u. Oesterr. 
Alpenvereins. IV. 1868) und nach dessen mündlichen Mitteilungen war eine 
andere locale Bezeichnung dafür in der Umgebung von Werfen und Berch- 
tesgaden üblich, nämlich >Bauchwehblume«, weil die Pflanze als Mittel 
gegen Grimmen und Ruhr angewendet wurde. Der alte schweizerische 
Name »Wullblumen«, den der Schweizermönch Aretius 1560 und Josias 
Simler 1574 in seiner Vallesiae descriptio anführt, scheint bereits lange 
verschollen zu sein. (Stapf. Z. B. G. 1887.) — Die bekannte reizvolle Blume 
der Alpen. Die seidenfilzige Behaarung, welche die weichen Formen und 
Unvergänglichkeit des Edelweiss bedingt, stellt biologisch aufgefasst einen 



159 

Schutz gegen das intensive Licht dar, welches sich über die Alpengipfel 
ergiesst. In der Ebene cultiviert, verliert Onaphalium Leontopodium all- 
mählig die Behaarung und kommt im Aussehen immer mehr den ein- 
heimischen Arten dieser Gattung gleich. Dichtern und Malern gab die 
Blume reichlichen Anlass zu bald mehr, bald weniger gelungenen Schaffungen. 
Zumal der Umstand, dass ein schönes Mädchen aus dem Gebirge beim 
Suchen von Edelweiss abgestürzt ist und nun mit dem theuer erkauften 
Buschen in der Hand als Leiche angetroffen wird, von dem gerade an- 
getroffen wird, dem zu Liebe sie die Blumen gepflückt, ist von Mathias 
Schmid überaus stimmungsvoll festgehalten worden. — Edelweiss Salzb., 
Edelweiss (Tir.) Pr. u. Jess. 

309. Gnaphalium margaritaceum L. 

Perlkraut (Kilb) Kissl. 

Aus Nordamerika, stellenweise verwildert. 

310. Gnaphalium dioicum L. Katzenpfötchen. 

1. Bernbrazerl K.; 2. Katzenbrankerl (Hochalpe) Roghf.; 

3. Katzenpfoten (Baden); 4. Katz'nbrdnkal E.; 5. Kätzenbratzerln 

Wied. litt.; 6. Katzenbrankerl K.; 7. Mauckkräutl (Hochalpe) 

Roghf.; 8. Maükakraut E.; 9. Schwundkraut E. 

7 — 9, Heilmittel wider Mauka = d. s. geschwollene Füsse. — Bären- 
tatzel (Kämt.), Katzendäpplein (Schwab., Memmingen), Katzen tälpli (Appen- 
zell) Pr. u. Jess. 

311. Helichrysum arenarium DC. 

1. Imorteln K.; 2. Schabenkräutel (Marchegg) Hof.; 3. Stroh- 

bleandn. 

2, wol zur Vertilgung von Motten (»Schaben«). Ewigkeitsblamen 
(niedd.), Mottenblumen (Bock), Mottenkraut (mittnd.), Schabenkraut (Schles.). 

312. Helichrysum sp. 

Schdrohileaml Cast. 

313. Artemisia Dracunculus L. Dragun, Estragon. 

Bertram (Wolkersdorf). 

Bertram, ahd. pörthram, mhd. berhtram , bertram , verdankt seinen 
deutschen Klang der Anlehnung an den Namen Bertram (pörcht = glänzend, 
hram, ram = Rabe), wenn es wirklich lat. pyrethrum, gr. rcoped'pov ent- 
springt (zusammengesetzt aus rcup = Feuer und äftpooi; = dicht, viel), 
mit Bezug auf die brennende Schärfe der Wurzel (Weigand) Hof. 63. — 
Ingredienz zum Bertram- oder Estragon-Essig. — Ktichengewürzpflanze aus 
dem Orient — Berchtram, Estragon (Kämt.); Biertram (Siebenb.), Estragon 
(Schles.) Pr. u. Jess. 

314. Artemisia Absynthium L. Wermuth. 

1. Wermad Hof.; 2. Wermath K.; 3. Wirmat (Pulkau) Frf.; 

4. Wörmdd E., Wied. 



160 

1 — 4 Wermut, ahd. we"rmuota, mhd. wermuote, wermuot zu warm (als 
erwärmendes Mittel), mit ableitendem -uot, wie in armuot = Armut (Lexer) 
Hof. 21. — Volkstümliches Magenmittel. Ingredienz zum »Absinth«. — 
wermet (mhd.), wiermuta (mhd.) Pr. u. Jess. 

315. Artemisia austriaca Jacq. 

Hiatawermaih K.; Hiatazausig (Krems). 

Die Hüter im Kremser Weingebirge tragen zur Zeit der Trauben-Reife auf 
den Hüten Sträusschen von diesem Kraute. Es ist ein uralter Glaube, dass 
Artemisia vor Müdegehen schütze; schon Plinius sagt (lib. 26, cap. 89): 
artemisiam all iga tarn qui habet viator, negatur lassitudinem sentire — es 
soll, wer artemisia aufgebunden hat, keine Müdigkeit verspüren. 

316. Artemisia Abrotanum L. Eberraute, Stabwurz. 

1. Gia'tlagraud Cast.; 2. Hergodshölzl (Korneuburg); 3. Le~ 

monigraidl Cast.; 4. Stabkraut. 

1, 4 wegen der langen gerten- oder stabftfrmigen Zweige. 2, ehedem 
zu religiösen Zwecken verwendet? 3, wegen des aparten Duftes. — Küchen- 
gewürzpflanze aus Südeuropa. Das schriftdeutsche Eberraute kommt durch 
falsche Anlehnung von dem lat. abrotanum. — Gertwurz (Brunschw., Bock, 
Fuchs, Gesnen), Gürtelkraut (Memmingen), Herrgotthölzel (Österr.), Stab- 
wurzenkraut (Schweiz), Stabwurz (ahd., Hort. San., Brunschw.) Pr. u. Jess. 

317. Artemisia Cina Berg. 

Wurmsam; Ziperl; Zipersam. 

Die getrockneten Blütenköpfe geben die off. Flores Cinae, ein bekanntes 
wurmabtreibendes Mittel. — Zitwersamen. 

318. Tanacetum vulgare L. Rainfarn. 

1. Presahraut Loritza; 2. Reinfahren Nie. 

1, als Abtreibemittel der Würmer bei Kindern. 2, Rainfarn, ahd. reini- 
vano, reinefano, mhd. reinvane, aus rein = Rain, und fano = Fahne, 
wegen des hohen Wuchses und schönen gelben Blütenstandes; im zweiten 
Teile später nicht verstanden und wegen der feinschnittigen Laubblätter 
an farn angelehnt Hof. 48. — Presskraut (Linz), rainvan (mhd.), reinefane, 
-wane (Hildegard), reinfano (ahd.), Reinfaren (Brunfels), Reinfarn (Dit- 
marschen, Bock, Fuchs, Hildegard) Pr. u. Jess. 

319. Tanacetum Balsamita L. Frauenblatt. 

1. FlolMaU (Retz) Boh.; 2. Frau'nbladl Cast., E. Wied. litt.; 
3. Fraunbladl K.; Liabfraunbladl K. B. 

1 ? Die gewürzhaft duftende Pflanze stammt aus Südeuropa und findet sich 
— in Karls Capitulare als costus zum Anbau empfohlen — noch derzeit 
in allen Bauerngärtchen. — Frauensälver Kämt. ; Marienblatt (Schles.) Boh.; 
unser Frawen mintz (mhd.), Marienblättchen Pr. u. Jess. 

320. Achillea Ptarmica L. 

Bertram. 

S. z. Artemisia Dracunculus (No. 312) — bertram Tir.; Biertram (Sieben- 
bürgen) Pr. u. Jess. 



161 

321. Achillea Chiavennae 1 ) L. Weisser Speik. 

1. Kuhspeik Beck; 2. Speik Becker, Nordm.; 3. Vnser 
fratoen schwarte rauch Clus.; 4. Weissd Speick E.; 5. Weissa 
Speik K., Kempf; 6. Weisser Speik Becker (Dürrenstein), 
Beck litt 

1, 2, 4 — 6, Speik (von lat. spica, Ähre) ist dem Alpler ein Collectivum, 
unter welchem er eine Reihe intensiv duftender Alpenkräuter begreift ; der 
eigentliche Sp. ist Valeriana celtica, No. 361. Die Speike werden wider Ver- 
dauungsbeschwerden gebraucht. Megenberg sagt vom Kraut »rauche : ez 
hat die art, daz ez den rauchen und den dünsten wert, daz si niht aufgen 
in daz haupt von dem magen Gr. VIII. 236; daher 3. — Auf dem Ötscher 
Bestandteil der täglichen »Maulgabe«, s. z. Asplenium Ruta muraria. — 
Weisser Speik Höf.; Kührauten, weisser Speik Salzb.; Rossrauten (Pongau, 
Pinzgau, Zillerthal), Weisser Speik (Tir., Österr.), unser Frauen Rauch 
(Tabern.), Weissrauch (Österr.) Pr. u. Jess. 

322. Achillea atrata L. Edelraute. 

Frauenrauch E. 

S. z. vorig. — Unser Frauen schwarz Rauch (Ungarn) Pr. u. Jess. 

323. Achillea Clusiana Tausch. 

Frauenrauch Becker; Frait'nrauch E. 

iS. z. vorig. 

324. Achillea collina Beck (A. Millefolium Auct non L.). Ge- 
meine Schafgarbe. 

1. Bauchwehkraud Br.; 2. Gachelkraut Nie; 3. Ganseikraut 
Hof.; 4. Gächheil Top.; 5. GriWnkraud Priest; 6. GrüPnkreidl 
Br.; 7. GrvM'ngräs (Wolkersdorf, Kritzendorf); 8. Grüüngros 
Hof.; 9. Heanbratterl; 10. Heanloatterl Hof.; 11. KäcKlkraut 
Wied. litt.; 12. Mausehrl K.; 13. Mausloatdl E., Nordm.; 
14. Mauslodtern Top.; 15. Mausloaüerl Hof.; 16. Schaf ydrm E.; 
17. Schafgarbe (Wien) ; 18. Schaf yarm K.; 19. Schaf gärm Wied. 
litt.; 20. Schafgocübn Cast.; 21. Schöfgalm (Mistel bach) Hof.; 
22. Schofgarm K.; 23. Schofgorm Hof.; 24. Schofnos'n Hof.; 
25. Todtenschädl (Dornbach); 26. Zeisselgräs. 

1 Mittel wider Diarrhoe. 2, 4, 11 Gach'l, Kach'l heisst im Öster- 
reichischen die (Baum-) Wanze; vielleicht von der Vorliebe dieser Thiere 
für das aromatische Kraut, übrigens bei 4 an den Gauch (Kukuk), s. z. 
Anagallis, angelehnt. 3, 5 — 9, 16 — 23, 26, sämmtlich von der Vor- 
liebe bestimmter Thiere für die Pflanze; diese Thiere sind: die Grille, das 
Huhn, das Schaf (das Grundwort von 16 — 23 deuten wir für Garbe, die 
jungen Blätter stehen garbenförmig beisammen), und die Zieselmaus (n. ö. 



') Nach dem italienischen Apotheker Chiavenna benannt und demgemäss 
zu schreiben. Neilreich, Nachtr. Fl. N.-Oest. 1866, 47. 

BUtter des Vereinet für Landeskunde von Niederösterreich. 1889. W 



162 

Erdzeisel — zeisserl 1 ) Hof. 10, 13, 15, das feinfiedrige Blatt erinnert an 
eine Leiter und in der gekrümmten Knospenlange an ein Mausohr (1*2) oder 
die Nase des Schafes (24). 25? — Bauchwehkraut Ooest.; Grillenkraut 
Salzb.; Kachl, Kachlkraut Kämt. ; gachheil, gahrl (mhd.) Schafgarbe, (Schweiz, 
Fuchs), Zeiskraut (Toxites) Pr. u. Jess. 

325. Anthemis nobilis L. Römische Kamille. 

Grosse, römische GamiiWn. 

S. z. Matricaria Chamomilla. — Ans Südeuropa. 

326. Anthemis sp. 

Wilde OamüUn Br. 

S. z. folgend. — Hundskamillen Kämt. 

327. Matricaria Chamomilla L. Feldkamille. 

1. OamüUn Hof.; 2. GamiiCn Cast; 3. Gamiiln Wied. litt; 
4. Gämiiln E.; 5. Hirmandln K.; 6. Härmandl (V. U. M. B.) Frf.; 
7. KamiÜn K., Wied. litt; 8. Kloani Kamill 'n. 

1 — 4, 7, 8, von lat. chamomilla, gr. ^au.atftff]Xov, kleiner Apfel (mit 
Bezug auf den Duft der rundlichen Blütenköpfchen). 5, 6? — Kamillen 
Ooest 

328. Leucanthemum vulgare Lam. 

1. AUi Weiba Wied. litt; 2- weisse Rainfarn (Wienerwald); 

3. Wunderblume Hof. 

1 Matronen trugen vordem Hauben mit weissen fingerlangen Falten- 
spitzen, mit welchen die Strahlblüten verglichen werden. 3 die Blume ist bei 
Frauenzimmern Liebesorakel. Es werden nacheinander die Strahlblüten 
abgerupft und dabei wird silbenweise gesprochen: >i liab di von Herz'n mit 
Schmerz'n, a wengerl oda gar nid;« das Wort, auf welches der letzte Strahl 
kommt, giebt die Entscheidung; so thut die Blume förmlich Wunder, 
daher 3. 2 siehe zu Tanacetum vulgare No. 318. — I liab di von Herzen 
Kamt.; Massliebe (Württemb.) Pr. u. Jess. 

329. Pyrethrum Parthenium Sm. Mutterkraut. 

Muatakraut; Muaterhravt Wied. litt 

Altes Mittel wider Frauenleiden. — Aus Südeuropa allenthalben in 
Bauernpartei) en, oder auch verwildert. — Muattachrut (St Gallen), Mutter- 
kraut (Bock, Fuchs) Pr. u. Jess. 

330. Doronicum sp. Gamswurz. 

Muatawurzn Cast. 
S. z. vorig.- 

331. Aronicum Clusii Koch. 332. Aronicum scorpioides 
Koch. 

1. Gamsxourzel Kempf; 2. Gamsvmrzl K.; 3. Gemsswurtz Clus. 



*) Wofern das Wort nicht aus Zeiskraut, von zeisan zerreissen, mit Bezug 
auf das geteilte Blatt, entstanden ist. 



163 

Wie Clus. erzählt, ist das Kraut dienlich wider Schwindel und macht 

Kräfte; es wurde von den Gemsenjägern benützt. — Gamswnrz Salzb. ; 

gelbe Gamsblüh (Lungau), Gamswurz (Fusch im Pinzgau), GamsblÜmli 
(Glarus), Gamswurz (Tirol) Pr. u. Jess. 

333. Arnica montana L. 

1. Arnika; 2. Johäns-Bliiemel Top.; 3. Wolvalei K., Kempf. 

2 von der Blütezeit. 3 Perg. Stud. führt den Namen, der mit Rück- 
sicht auf die Heilsamkeit des Krautes Schriftdeutsch zu Wohlverlei umge- 
modelt wurde, auf wolves-lih, wolve-lih = Wolfleiche, Wolftod, zurück; 
man hielt nämlich die Pflanze für eine den Wölfen tödtliche. — Beim 
Volke wegen seiner Heilkraft gerühmt. — Johanniswurzen Ooest. ; Johann is- 
blume (Elsass, Thüringen), Johanniskraut (Baiern, Elsass), Wolferley (Ost- 
preussen), Wulferlev (Mecklenb.) Pr. u. Jess. 

334. Senecio abrotanifolius L. 

1. Harnwindkraut: 2. Schatoä E. 

1, Heilmittel. 2, dem Wortsinne nach: »schabe ab, mache weniger, ver- 
ringere!« Das Kraut soll die Milch der Kühe verringern. Imperativischer 
Kräutername wie Bring ma's wida (s. z. Polygonum viviparum No. 250), 
und Nimm-ma-nix (Polytrichum sp.). 

335. Senecio subalpinus Koch. 

1. Bonij 2. GoldknU Clus. 

Hängt wol mit bonus, »gut,« heilsam, zusammen. — Böni, Bönni 
Gr. II. 237. 

336. Senecio nemorensis L. 

Hirschthee Barb. 

Wird gegen Husten gerühmt. 

337. Calendula officinalis L. 

1. Ringlblewnl Wied. litt; 2. Todenbleama K.; 3. Weinblearnl 
(Röschitz) Frf. 

1, die Achaenien sind »gantz krumb wie ein King zusammen gebogen«. 
(Tabern.) Da sie, vergleichbar den Rippen einer vermoderten Leiche, im 
Fruchtkopf durcheinander liegen, wurde Calendula zur Todten- und Trauer- 
blume (2, 3) und findet sich als solche überall auf ländlichen Gräbern; 
Unger konnte nicht erklären, weshalb gerade Calendula bevorzugte Fried- 
hofszierde ist. — Ringelreaslan Kämt.; Todtenbleaml Salzb.; Ringel- 
blumen (Brunfels, Bock, Fuchs), Todtenblnme (Salzb., Augsb., Thüringen) 
Pr. u. Jess. 

338. Carthamus tinctorius L. Saflor. 

Französischer Senf (Wien). 

Ingredienz zu Senf. Aus Egypten stammend, cultiv. 

339. Centaurea Jacea L. 

Trttmlschlägl. 

U* 



164 

Von spielenden Kindern erfundener Name, belangt die kugligen, lang- 
gestielten Köpfchenknospen. — Todschlag Kämt. ; Trumraaschlägei (8t. Gallen) 
Pr. u. Jess. 

340. Centaurea Cyanus L. 

1. Känbleaml' 2. Känstaudn Frf.; 3. Kärnbleamln K.; 

4. Koanbleaml E.; 5. KornbleamVn Wied. litt; 6. TroadveigL 

1 — ö Kornblume, s. z. Gramineen und Seeale cereale. — Blaue Korn- 
blume Ooest. ; Kornblume (überall) Pr. u. Jess. 

341. Lappa vulgaris Neilr. Klette. 

1. Bedl-Knopf Top.; 2. Glepp'n Cast; 3. Huatblodschn 
Priest.; 4. Klebern K. (Krems) Hof., Wied. litt.; 5. Kleppn 
(Korneuburg) Hof.; 6. Kletten E., Hof.; 7. Klapp 'n: 8. Stecherl 
(Nikolsburg) Bau. 

Redensart: 

8% hengt si an wia T a Gleppn — ist eine unausstehliche, 
zudringliche Person Cast. 

2, 4 — 7 Klette, ahd. chletto und chletta; urverwandt ist lat. gl"*, 
gr. 7Xia, Leim. Unsere mundartlichen Formen deuten auf den Begriff des 
Klebrigen und wirklich heisst auch im ahd. die Klette noch chlipa von 
dem ahd. Wurzelverbum chlipan = festhalten, davon abgeleitet kleben. 
3 wegen der mächtigen Laubblätter. 8 klingt wie ein von spielenden 
Kindern erfundener Name. — Spielende Kinder legen die widerhakigen 
Fruchtköpfchen zu Körbchen, Kreuzen, Buchstaben u. dgl. aneinander. 
Böse Buben werfen sie den Mädchen ins Haar, um dasselbe verwirrt zu 
machen. Es sind nicht bloss kosmetische Rücksichten, welche die Mädchen 
vor der Klette schaudern machen ; denn in manchen Gegenden (so in 
Galizien) werden öffentliche Dirnen mit Kletten beworfen. Die Abkochung 
der Klettenwurzel soll den Haarwuchs befördern. — Klebern (Zürich, Grau- 
bündten, Schaffhausen, Glarus), Kieper- -staude, -würz (Österr.), Kletten 
(Bern, Hort. San., Brunfels, Bock), kliba (ahd.) Pr. u. Jess. 

342. Carduus acanthoides L. 

TdnadM Lze. 

Dem Wortsinne nach: Tannendistel; doch mit welchem Bezüge? 

343. Carduus sp. Distel. 344. Cirsium sp. Kratzdistel. 

DM Kempf; DMn E. 7 K., Wied. litt. 

Ahd. distil, mhd. distel; für dinstel zu ahd. dinsan = reissen (Schade) 
Hof. 28. 

345. Cirsium lanceolatum Scop. 

DondM E. 

S. z. Carduus acanthoides. 

346. Cirsium arvense Scop. Ackerdistel. 

1. Ackadist'l; 2. Ackawoll Br.; 3. Milchdistl E. 



• 165 

347. Cirsium Erisithales Scop. 

Kolbenknöpf Beck litt. 

S. z. Centaurea Jacea No. 339, Lappa vulgaris No. 341. 

348. Cirsium oleraceum Scop. 

1. .Qäßri Dtsfl; 2. MvRidüil Br. 

Geele Disteln (Schles.) Pr. u. Jess. 

349. Cirsium spinosissimum Scop. 

1. Ahrhagnwurzen Beck litt.; 2. Oanhäk'n (Hochschwab) K. 

Einhacken, Collectivname des Älplers für stachlige Gewächse. — Ein- 
hacken (Tirol) Pr. u. Jess. 

350. Cynara Cardunculus var. minor. 

Cardi, Kardi (Wien). 

351. Cynara Scolymus L. Artischoke. 

1. Aütischoka Tsch.; 2. ArtischoUn Cast. 

Artischoke, von arab. ardhi-schauki = Erddorn Hof.; von Erde, goth. 
airtha und schocke, ital. ciocca = Strauch Höf. I. 44. — artischoca 
(16. Jahrh.) Pr. u. Jess. 

352. Carlina acaulis L. 

1. Oanha^n E., Top.; 2. Sonnemcenddistl; 3. Sonnenwendgürtd 

(Nikolsburg); 4. Wedadisü K. 

1 s. z. Cirsium spinosissimum. 2, 3 von der Blütezeit. 4 der Blüten- 
kopf schliesst sich bei trübem Wetter, deshalb von den Landleuten als 
Wetterprophet benutzt. — Einhacken, Oanhacken Salzb.; Wetterrosen, 
Sonnenrosen Kämt. ; Einhagenwurzen (Linz), Wetterdistel (Tirol) Pr. u. Jess. 

353. Tagetes patula L. 

1. Dodnbluma Cast; 2. türkische Nagl. 

Friedhofsblume wegen der seh warzsammt igen Blüten. 2 fremde Her- 
kunft. 

354. Cnicus benedictus Gärtn. 

KramjperUh.ee (Wolkersdorf). 

Hausmittel wider Lungenkrankheiten; s. z. Cetraria islandica. 

XXXV. Dipsaceae. Kardenartige. 

355. Dipsacus sp. Karden. 

Späbfnldeppri) Spätdnldettn. 

Unaufgeklärt ist die Beziehung zum Sperling; im übrigen s. z. Lappa 
vulgaris No. 341. 

356. Knautia arvensis Duby. 

Teufelsabbiss (Brück a. d. L.). 

S. z. folgend. 

357. Succisa pratensis Mncb. Teufelsabbiss. 

1. Ablnss E.; 2. Abbiss; 3. Anbiss; 4. Beufh-Abiss K., Wied. litt. 



166 

1—4 der senkrechte Wurzelstock ist quer abgeschnitten, gleichsam ab- 
gerissen, was sich natargemäss dahin erklärt, dass er vom freien Ende ans 
abstirbt. Dies gab zum Mythos Veranlassung, der Teufel habe die Wurzel 
abgebissen, als ihm die Mutter Gottes die Macht benam, damit Unfug zu 
treiben. Das Volk glaubt noch, den Eindruck der Zähne an der Wurzel 
zu sehen. — Teufelsabbiß Ooest.; Abbiss (Brunschw., Bock, Tabern), 
Abbiswürzl (Bern), Teufelsabbiss (Brunfels, Bock) Pr. u. Jess. 

XXXVI. Valerianaceae. Baldriangewächse. 

358. Valerianella olitoria Mnch. Rapunzelsalat. 359. Valeria- 
nella carinata Lois. 

1. Fegerlsälät Br.; 2. Feldsalat E.; 3. Föge r lsalad Cast. 
4. Pöperl Nie; 5. Vögerlsalat E., Kempf, Beck; 6. Fögerlsalad 
K., Wied. litt. 

1 — 6 das junge Grün dient als Futter der Stubenvögel und als Salat. 
Specifisch österreichische Namen, fehlen bei Pr. u. Jess. 

360. Valeriana officinalis L. Baldrian. 

1. BäJdrioh K.; 2. VaUrian Nie. 

1, 2 durch 2 wird die Verbindungsbrücke zu den zahlreichen Bezeich- 
nungen von Convallaria maialis No. 161 geschaffen. Weigand leitet Baldrian 
vom lat. valeo, -ere — gesund, kräftig sein, ab. Andere erkennen in dem- 
selben eine deutliche Beziehung zum Sommergott Balder. — baldrian Tir., 
Baldrion (Fuchs), Valderjan (Göttingen) Pr. u. Jess. 

361. Valeriana ceitica L. Speik. 

Schbaik, Schpaik Cast. 

Von lat. spica = Ähre; Collectivname für verschiedene Alpenkräuter, 
z. B. für Achillea Chiavennae, Primula glutinosa u. a. — Valeriana ceitica, 
der echte oder eigentliche Speik wird namentlich aus Kärnten in grösserer 
Menge nach dem Orient exportiert und daselbst als Zusatz zu Bädern ver- 
wendet; er war schon den Römern als nardus bekannt. — gelber Speik 
Kämt., rother Speik Höf. 

362. Valeriana sp. 

Zuntawua T rfn Cast. 

XXXVII. Rubiaceae. Krappartige. 

363. Asper uia odorata L. Waldmeister. 

Waldmoastd E.; Wäldmasta K., Wied. litt. 

Gleichsam der Höchste, der Meister des Waldes. — Im Mai wird das 
aromatische Kraut gesammelt und zur Bereitung eines Kräuterweines, des 
sogenannten Maitrankes, verwendet. Süddeutschland, besonders Österreich, 
huldigen diesem in ScheffeFs »Trompeter« geschilderten Brauche. — Wald- 
meister (Schweiz, Gersdorf, Gesner) Pr. u. Jess. 

364. Galium verum L. 

Unser lieben Frau Bettstroh (Prein) K. 



167 

Dieser Name ist einem Mythos entsprungen, der uns am deutlichsten aus 
der Gegend von Freuden thal (Schlesien) bekannt wurde : Die Mattergottes bettete 
in der Krippe das Jesuskindlein auf Stroh von dieser Pflanze; denn nur solches 
Hess der Esel unberührt. — Maria-Bett-Stroh Schles.; gelbes Liebfrauen- 
stroh Kämt.; unser Frauen Bettstroh (Elsass, Thüring.), Mnttergottes- 
bettstroh (Eifel) Pr. u. Jess. 

365. Galium silvestre Poll. 

Oarbüzaln (St. Nikola) Top. 

? (Biza r ln = der Frauenbusen Cast.) 

366. Galium Aparine L. Klebkraut. 

1. Klebdl E.; 2. Klebarn Wied. litt.; 3. kleine Klebarn 

(St. Nikola) Top.; 4. Pickades Gras (Kritzendorf); 5. Pikaling 

Wied. litt. 

1 — 3 s. z. Lappa vulgaris No. 341. — Kleber Kämt. 



367. Coffea arabica L. 

Kaffeh Tsch. 

Kaffee, das Wort stammt von der Landschaft Caffa in Aethiopien, oder, 
nach Gr. V. 21, vom arab. cahuah, quahuah, d. i. eigentlich Wein; da der 
Kaffee vorerst durch Engländer und Holländer zugeführt wurde, herrschte 
anfangs die Form coffee, die auch für den lateinischen Gattungsnamen 
massgebend blieb. — Die Wiener wurden mit dem K. nach der zweiten 
TUrkenbelagerung (1683) vertraut. In der von den Muselmännern zurück- 
gelassenen Beute fanden sich nämlich eine Menge Säcke mit eigentüm- 
lichen Bohnen, deren Gebrauch den Wienern von »Bruderherz« Kolschitzky 
gelehrt wurde; dieser errichtete auch das erste Kaffeehaus in Wien. 

XXXVIII. Lonicereae. Geisblattgewächse. 

368. Sambucus Ebulus L. Attich. 

1. Attöck E.; 2. Adi K. (V. U. M. B.) Frf.; 3. Attich Br.; 

4. Odi; 5. Ottich Wied. litt; 6. wülda Holla Br. 

1—5 Attich, schon ahd. attich, mhd. atich, atech, entstanden aus griech- 
ontTtGc, Flieder, Holunder (von äfvou.i = brechen, wegen des brüchigen 
Holzes, oder daLTq =. Küstenland), älterer Name für Attika. Gr. I. — Adach 
Salzb.; Adachbeer, Aderbeer, Attachbeer Kämt.; Acten (Schweiz), Atich 
(Hildegard), Attich (Schles.) Pr. u. Jess. 

369. Sambucus racemosa L. 

1. BerghoUa (Wien) K.; 2. HirschfwUa (Krems) K.; 3. Bäda 
Holla (Ötscher) K.; 4. Hodd Hoüd Top.; 5. rodä Holler E. 

Holler betreffend s. z. folgend. — Die Beeren sind scharlachroth. — 
Bergholder (Schles.), Hirscliholder (Bern, Bock), rother Holder (Gleditsch). 



168 

370. Sambucu8 nigra L. Gemeiner Hollunder, Flieder. 

1. Hohla; 2. Hohler Hof.; 3. Holla Tsch.; 4. HoUer Nie, 
Beck (Wien); 5. Hollerbaum Märt.; 6. Hollerbusch; 7. HoUer- 
staudn (Hadersdorf b. Wien); 8. schwarza Holla K. 

Früchte: 

9. Hottaböa* Cast. 
Redens- Arten: 

10. Hollendathee Tech., Seh. 193 (Hoilunderthee); 11. a» Holla 
aufstecHn (Wien) — das Nachsehen haben; 12. da kennt ma uns 
glei am HoUabam aufhenefn (Wien) — wir wären in einer recht 
fatalen Lage; 13. sei Frau is eam a Holla (Wien) — ist ihm 
kein Gegenstand, wird von ihm nicht geachtet; 14. die Kinda 
vom HoUabam obibeuiln — vom Hollunderbaum herunter- 
schütteln, gilt von neugeborenen Kindern. 

1 — 10 Über den Namen Hollunder, Holler, ahd. holantar, holuntnr, 
holandir, mhd. holunter, holenter, verkürzt holder, holler — sind verschiedene 
Ansichten geltend gemacht worden. Pr. u. Jess. versuchen die Herleitung 
von Holder = Bruchholz und dar Baum (s. z. Juniperus communis) 
Gr. IV. 1762, lehnt Holunder an hohl an; es ist nämlich eines der be- 
sonderen Merkmale des Strauches, daas seine Äste im Alter mit leichtem 
Mark angefüllt sind. — Gleichsinnig äussert sich Perg. Sag. 256: holantar, 
engl, the hollowtree, der hohle Baum, Hohl — ter. Unverwehrt bleibt aber, 
im Bestimmungsworte den Namen Frau Holla's zu erkennen, welche das 
Volksdenken mit dem Strauche in deutlichen Zusammenhang bringt. Schon 
in dem bekannten Kinderreime: 

Ringel, Ringel, Reiha, 

Sai ma uns'ra dreia, 

Setz ma uns am HoUerbusch, 

Mach ma alle husch husch, husch! 
zumal in der zweiten Strophe desselben, welche die Kleinen singen: 

Sitzt 'ne Frau im Ringelein, 

Mit sieben kleinen Kinderlein, 

Was essens gern? Fischlein. 

Was trinken's gern? Rothen Wein (>Wunderhorn.«) — 
erkennen wir deutlich Frau Holla, die den ihr anvertrauten Menschchen 
Atzung bietet; diese selbst werden mit Vöglein verglichen, welche von 
Holla's Strauche auffliegen. Die Beziehung wird noch klarer, wenn man 
erwägt, dass Frau Holla junger Eheleute Schirmerin war und die Frommen 
mit Kindersegen beschenkte; merkwürdig ist diesbezüglich die Redensart 14. 
— Wie zum Teile eben angedeutet wurde, wie auch ferner der Umstand 
zeigt, dass der Österreicher im Sprichworte so gerne an den Hollunder an- 
knüpft (11 — 14), spielt der Strauch im deutschen Volksglauben eine wich- 
tige Rolle. Mit Recht urteilt Perg. Sag. 1. c: »Wenn man sich bei vielen 
Pflanzen nicht erklären kann, wie sie im Volke Bedeutung bekamen, so 



169 

begreift man dies beim Hollunder wieder sehr leicht, indem der starke 
Duft seiner Blüten, seine Fülle von Früchten, sein leichtes Mark und seine 
im Vertrocknen hohl werdenden Zweige . . . mehr als genügend hinreichen, 
die Aufmerksamkeit zu erregen, abgesehen davon, dass man auch bald seine 
schweisstreibende Kraft kennen lernte, die sich in so vielen Krankheiten 
heilsam erwies, dass man ihn schon zur Zeit des Heidentums als heilig 
betrachtete.« In Niederösterreich gilt noch derzeit das Holz zum »Wenden« 
der Krankheiten. Gebackene Hollunderblüten werden in der ötschergegend 
als besondere Delicatesse am Sonnenwendtage gegessen. Sonst gelten die 
Blüten als schweisstreibend und werden in jeder ländlichen Wirtschaft als 
beliebtes Hausmittel getrocknet aufbewahrt. Der Bast, fein aufwärts geschabt, 
wird wider Rothlauf applicirt u. s. w. — hdler Tir.; holderbaum (Hilde- 
gard, mhd.), Holderbusch (Augsburg) Pr. u. Jess. 

371. Viburnum Lantana L. Schlingbaum. 

1. Babeln (Baden) Hof.; 2. BabVn E.; 3. Baliilbör; 4. Bo- 
berbir Hof.; 5. PaberstaudUn; 6. Pappelstrauch Märt.; 7. Popel- 
her\ 8. Poperlberstaude Hof.; 9. SchwcUbenbeer; 10. Sckioälmbeer 
Low; 11. Vogelbir Br. 

Früchte: 

12. Edi Ber K. 

1 — 8 von Populus, Pappel, wegen der, wie bei Populus alba, Unterseite 
weissfilzigen Blätter. 9, 10? 12 = Öde, schlechte, herbe Beeren. — 
Spielende Kinder pflegen die hohlen Blütenschäfte von Taraxacum officinale 
an der Spitze einzukerben und in den Mund zu nemen, wobei sie die 
Worte: Apflbam, Melbam, Birbam, recitieren; hiebei rollen sich die einge- 
kerbten Abschnitte spiralförmig nach auswärts. Der Spielreim muss sehr 
alt sein, da Melbam zur Zeit auf keine Pflanze in Niederösterreich an- 
gewendet wird. Tragus versteht unter dem Namen Viburnum Lantana und 
Sorbus aucuparia K. — Pappelstaude, Pappelstrauch (österr., Ungarn) 
Pr. u. Jess. 

372. Viburnum Opulus L. Gemeiner Schneeball. 

1. Bothe Gimpelberr Wied. litt.; 2. Bothi Gimplber (Fisch- 
amend); 3. SchneebriU'n K.; 4. Wasserliolder Märt.; 5. Wasser- 
kotter. 

373. — var. hortensis. 

6. Schneebälln Gast. 

Gimpelholz (Österr.), Schneeballen (Thüring., Tirol, Elsass), WasserhoMer 
(Gesner), Wasserhohler, Wasserholler (Tirol) Pr. u. Jess. 

374. Lonicera Xylosteum L. 

1. Boanwdin E. ; 2. Boanweidl Wied. litt; 3. Hundsbeerstrauch 

Märt.; 4. Hundsber K. 

1, 2 Beinweide wegen des festen Holzes; in Zusammensetzungen findet 
sich also Weide, s. z. Salix sp. No. 195. — Beinweiden, beinweideres Holz (Ooest.) 



170 

Höf.; rothe Hundsbeer Kämt.; Beinweidli (GraubUndten, Bern), Hunds- 
beere (8alzb., Baiern, Tirol), Hundskirschen (Schweiz, Schles.) Pr. u. Jess. 

375. Lonicera alpigena L. 

1. Boanweid'n E.; 2. Wvldi Ribisl (Lilienfeld) Wttet. 

1 8. z. vorig. 2 s. z. Ribes rubrum. 

376. Lonicera Caprifolium L. Geisblatt, Jelängerjelieber. 

1. Gasblad K.; 2. Hähnakrax'n (Gaunersdorf); 3. Jasmin 
(Wien); 4. Je länger je liawa Cast.; 5. Länga länga liaba Elia 
(Pulkau) Frf. 

2 Fuss des Hahnes. — Südeuropäische, weitklimmende Zierpflanze. 
Cultiv. und oft an Hecken verwildert. — Je länger je lieber Kämt.; Geis- 
blatt (Hort. San. Brunfels), Je länger je lieber (Bremen, Henneberg) 
Pr. u. Jess. 

377. Symphoricarpus racemosus Michx. Schneebeere. 

Perlstaud'n. Schneeber. 
Zierpflanze aus Nordamerika. 



(Fortsetzung folgt.) 



Der Einfall der Oberösterreicher in Niederösterreich 

im Jahre 1619. 

Nach autentischen Quellen bearbeitet von Godfrid Edmund Fries*. 

Zu den gewaltigen Stürmen, welche im Wechsel der Zeiten 
unser Vaterland bis in sein innerstes Mark erschütterten, müssen 
sonder Zweifel auch jene Kämpfe gezählt werden, in denen zu Be- 
ginn des XVTI. Jahrhunderts die österreichischen Stände mit ihren 
angestammten Landesfiirsten um den Besitz der obersten Gewalt 
rangen. Gewöhnlich wird als die Hauptursache dieses mächtigen Rin- 
gens die so schnelle Verbreitung der Reformation einerseits und der 
zähe Widerstand der katholischen Landesfürsten anderseits bezeichnet. 
Allerdings war diese so tief gehende Bewegung der Geister eine der 
vorzüglichsten Quellen dieser Kämpfe; doch die Hauptrolle spielte 
sie nicht Dieselbe fällt vielmehr jenen Ursachen zu, welche über- 
haupt die mittelalterliche Staatsidee in den meisten europäischen 
Reichen zu Grabe getragen haben. Um andere, wie die durch die 
Einführung des Schiesspulvers veränderte Art der Kriegführung, die 
durch das Aufkommen der stehenden Heere den Fürsten gewordene 
Macht, von welcher das Mittelalter keine Ahnung hatte, zu übergehen, 
will ich nur hinweisen auf die auch in den Ländern der Habsburger 
stets mehr und mehr Boden gewinnende Reception des römischen 
Rechtes, wodurch die ständischen Rechte in ihrem innersten Wesen 
angegriffen wurden. Die Stände, namentlich der Herren- und Ritter- 
stand der Lande unter und ob der Enns, waren damals noch eine 
mächtige Genossenschaft, die nicht nur in der Gesetzgebung und 
Administration der Länder, sondern auch im Kriegswesen und der 
Besteuerung ein gewaltiger Factor waren, mit dem gerechnet werden 
musste. Je mehr die Landesftirsten die ihre Gewalt so erhebende 
Aufname des von Italien her kommenden fremden Rechtes begün- 
stigten, desto mehr musste der Adel zur Opposition sich gedrängt 



172 

fühlen, und als endlich noch die religiöse Spaltung sich Geltung zu 
verschaffen suchte, da ward der Kampf zwischen beiden Gewalten 
unvermeidlich, der confessionelle Gegensatz aber verlieh ihm nur die 
schärfere Spitze. 

Es ist eine sattsam bekannte Thatsache, dass Kaiser Ferdinand L 
gleich seinem Ahnherrn Maximilian I. von dem Gedanken getragen wurde, 
die österreichischen Erblande zu einem einheitlichen Staatsganzen zu 
verschmelzen. Obwol aber Ferdinand ein treuer Katholik blieb, be- 
obachtete er doch in der religiösen Frage trotz seiner strenge lauten- 
den Generalmandate eine milde Praxis gegen die Bekenner der Lehre 
Luthers. Unter seinem Sohne und Nachfolger, Maximilian II., wurde 
diese Richtung im allgemeinen beibehalten. Zwar trat er der sich 
schon regenden Opposition der Stände mit Ernst entgegen, gewährte 
aber durch die im Jahre 1571 erlassene Religionsassecuration dem 
Herren- und Ritterstande der beiden Erzherzogtümer das Recht der 
freien Religionsübung mit einer freilich nicht zustande gekommenen 
Kirchenhoheit. *) 

Mit staunenswerter Schnelligkeit breitete sich jetzt die refor- 
matorische Bewegung aus. In Oberösterreich zählte der ganze Adel, 
die Familien Meggau, Sprinzenstein und Salburg und später die 
Khevenhüller ausgenommen, sowie die landesfürstlichen Städte und 
Märkte zur neuen Lehre; im Lande unter der Enns gab es im Jahre 
1580 mehr als anderthalbhundert protestantischer Edelleute und bei 
320 protestantische Ortschaften. 2 ) Doch trotz der so schnellen Ver- 
breitung der Reformation hielten sich die weltlichen Stände bezüglich 
ihrer Opposition noch immer innerhalb der gesetzlichen Schranken. 
Protestanten sassen neben Katholiken im Rathe des Landesherrn, Pro- 
testanten führten seine Heere gegen den Erbfeind des christlichen 
Namens. 

Die unleugbaren Übergriffe der von Khlesl durchgeführten 
Gegenreformation, namentlich aber das Umsichgreifen des Calvinis- 
mus unter dem österreichischen Herren- und Ritterstande mischten 
der politisch-religiösen Opposition das Ferment bei, das sie zum Über- 
schäumen, zur völligen Revolution gegen ihren angestammten Landes- 
fürsten brachte. Zu diesem Bekenntnisse, das, seit es in Deutschland 
Wurzel gefasst hatte, dem Hause Habsburg in der feindlichsten Weise 
sich entgegenstellte, zählten die im Lande ob und unter der Enns 

1 ) Raup ach, Evangelisches Österreich, I, 125 — 128. 

2 ) A. Wolf, Geschichtliche Bilder aus Österreich, I, 238. 



i 



173 

mächtigen und reich begüterten Familien der Starhemberg, Hof- 
kirchen, Geimann, Pollheim u. a. Der eigentliche Führer dieser klei- 
nen, aber um so rührigeren Fraction war der oberösterreichische 
Landrath Georg Erasmus Freiherr von Tschernembl auf Windegg 
und Schwertberg. 

Derselbe entstammte einem krainischen Geschlechte, das durch 
seine Mutter Maria von Scherfenberg nach Oberösterreich gekommen 
war, aber auch in Niederösterreich die Güter Karlsbach und Seissen- 
egg besass. 1 ) Der reformierten Lehre treu ergeben, stürmte Tscher- 
nembl mit kaltem Fanatismus rücksichtslos auf sein Ziel los, das in 
nichts Geringerem als in der Vernichtung der landesherrlichen Ge- 
walt und in der Entthronung des Hauses Habsburg bestand. Fus- 
send auf den extremsten Doctrinen des calvinischen Staatsrechtes, 
stellte dieser talentvolle Führer der ständischen Opposition schon vor 
mehr als zweihundert Jahren die Lehre von der Volkssouveränetät 
auf, wenn er schreibt: »Wer nun den erbherrn macht, der kann auch 
den erbherrn rejiciren, so er dess gemainen respects wegen nit acht 
hat« und »obwol Gott länder aussthailet, thut er solches doch nur 
durch das volck des landts.« 2 ) Wen aber Tschernembl unter dem 
Volke versteht, würde, auch wenn er es nicht ausdrücklich in seiner 
im Jahre 1609 im Landhause zu Wien gehaltenen Rede bemerkte, 
schon aus der damaligen Lage der Zeit erhellen. Der Adel war ihm 
das Volk, denn wäre der zufriedengestellt, hätten die anderen Stände 
nichts zu »difficultiren«. 3 ) 

Um seine Pläne durchzuführen, trat Tschernembl nicht nur mit 
den Unzufriedenen der anderen Kronländer in Verbindung, sondern 
auch mit dem eigentlichen Haupte der dem Erzhause so feindlichen 
Union in Deutschland, mit Christian von Anhalt, und suchte teils 
selbst, teils durch seine Anhänger, wie die Starhemberge, 4 ) Andreas 

') Hohenegg, Genealogie der ober österreichischen Stände, III. Bd.; Stiilz, 
Zar Charakteristik des Freiherrn Georg Erasmus von Tschernembl, im Archiv für 
österr. Gesch., IX. Bd., 169 ff., u. a. 

2 ) »Consultationes oder vnderschidliche Rathschläg und Vota«, in der Bohe- 
misch geheimben Cantzley gedr. 1624; VIII., Consult. 3, 4. 

5) Stiilz, 1. c, 174. 

4 ) Ritter, Briefe und Acten zur Geschichte des dreissigjährigen Krieges, 
II. Bd., 90, Nr. 38, Note 1. Gindely (Rudolf II. und seine Zeit, I, 271—272), 
irrt hier, wenn er die oberösterreichischen Stände der Union ein Bündnis anbieten 
und Richard von Starhemberg persönlich zu dem Fürsten von Anhalt nach Deutsch- 
land sich begeben lässt. Die Stände sandten überhaupt keines ihrer Mitglieder in 
das Reich, weil keiner die Mission übernemen mochte. Ritter, 1. c. 53, Note 3. 



174 

von Ungnad, ') Andreas von Thonradl u. a. m., die Hilfe dieses Bun- 
des an. 

Tschernembls Anhänger, zu denen in Niederösterreich ausser 
dem erwähnten Thonradl besonders noch die Herren von Hofkirchen 
zählten, wussten den so unheilvollen Bruderzwist im Hause Habs- 
burg in geschickter Weise für ihre Zwecke auszubeuten. Es gelang 
ihnen, die gemässigte Partei, zumeist aus Bekennern der Augsburger 
Confession bestehend, die zwar die Freiheit ihrer Religion, aber auch 
ihre vasallitische Treue bewahren wollten, für ihre Ansichten zu ge- 
winnen und zur Verlassung des Landhauses zu bewegen, wodurch 
der Landtag des Jahres 1608 gesprengt ward. 2 ) 

Zwar brach die am 19. März 1609 erlassene Capitulations-Re- 
solution dieser Bewegung die Spitze ab, 3 ) nichtsdestoweniger dauerte 
sie fort und wurde durch die von katholischer wie gegnerischer Seite 
gemachten Übergriffe, namentlich aber durch das revolutionäre Treiben 
Tschernembls und der extremen Partei bald wieder zur neuen Flamme 
angefacht. Dazu trug wol am meisten die Frage der Nachfolge in 
der Regierung der österreichischen Lande bei. Da sowol Mathias 
wie seine beiden noch lebenden Brüder, die Erzherzoge Maximilian 
und Albrecht, ohne Nachkommen waren, mussten die österreichi- 
schen Lande an Erzherzog Ferdinand von der Steiermark über- 
gehen. Dieser ob seiner streng katholischen Gesinnung bestgehasste 
Fürst wurde zwar ohne verhältnismässig grosse Mühe 1617 zum 
Könige von Böhmen und im nächsten Jahre zum Könige von Un- 
garn von den Ständen dieser Länder angenommen; die ständische 
Opposition der beiden österreichischen Donaulande wollte aber von 
Ferdinand nichts wissen. 4 ) 

Als der Führer der böhmischen Opposition, Graf Mathias 
Thurn, die lange vorbereitete That am 23. Mai 1618 endlich herbei- 
geführt und dadurch seinen weniger entschlossenen Genossen den 
Rückzug zum passiven Widerstand abgeschnitten hatte, machte sich 




') Zwiedeneck-Sü den hörst, Fürst Christian der Andere von Anhalt und 
seine Beziehungen zu Innerösterreich, 65. 

2 ) Gindely, Kaiser Rudolf I., 268. Die Stände verliessen am 14. September 
Wien und begaben sich nach Hörn, von wo sie, ihre Berathungen fortsetzend, mit 
den Oberösterreichern und der Union in innige Verbindung traten. Cf. Raup ach, 
1. c. IV, Beilage 65. 

3 ) Hammer-Purgstall, Cardinal Khlesl II, 135, Urk. Nr. 166; Gindely, 
1. c. I, 306, u. a. 

4 ) Hurter, Gesch. Kaiser Ferdinands IL, VII. Bd. 



175 

sofort auch die Opposition der akatholischen Stände in den beiden 
Erzherzogtümern wieder geltend. Den ersten Schritt thaten die Ober- 
österreicher, indem sie dem Kaiser Mathias seine Bitte, einen Muster- 
platz für ein halbes Regiment zu bestimmen und den gegen Böhmen 
ziehenden Truppen gegen Vergütung Proviant zukommen zu lassen, 
verweigerten. *) Über Gotthards von Starhemberg, eines eifrigen Cal- 
vinisten, aber nicht sehr begabten Feldherrn, der schon 1597 den 
Bauernaufstand in Oberösterreich mit Mühe unterdrückt hatte, 2 ) Vor- 
schlag beschlossen die protestantischen Stände dieses Landes, die 
schon geworbenen Truppen noch um 1000 Mann zu vermehren, bei 
Freistadt, angeblich gegen die Böhmen, in Wahrheit aber gegen die 
unter Buquoy kriegenden kaiserlichen Truppen Verhaue anzulegen 
und gegen Passau und Baiern bei Engelhardszell Schanzen auzfu- 
werfen. 3 ) 

Die Niederösterreicher folgten bald dem Beispiele ihrer mit 
ihnen verbündeten Nachbarn. Nachdem sie von dem kranken Kaiser 
Mathias sich mehrere Audienzen erzwungen hatten, deren Bescheide 
ihnen aber missfielen, griffen sie auf Tschernembls Rath wieder zu 
dem vor einem Decennium angewandten Mittel und sprengten durch 
ihr Nichterscheinen den im December 1618 in Wien versammelten 
Landtag. 4 ) 

Das am 20. März 1619 erfolgte Hinscheiden Mathias brachte 
das Ringen der Stände mit ihrem Fürsten endlich zur Entscheidung. 
Gemäss der Verzichtleistung des in den spanischen Niederlanden 
weilenden Erzherzogs Albrecht — Erzherzog Maximilian war schon 
1618 gestorben — übernam König Ferdinand die Regierung und 
lud die Stände von Niederösterreich zur Huldigung ein. Während 
die katholischen sofort ihre Bereitwilligkeit dazu erklärten, erhoben 
die akatholischen Schwierigkeiten. Zwar erschienen sie am 25. März 
zur Audienz in der Hofburg, verliessen aber nach der von Hans 
von Jörger abgegebenen Erklärung, dass sie mit ihren katholischen 
Standesgenossen erst nach vollständiger Behebung ihrer Rcligions- 
gravamina wieder verhandeln wollten, sowie dass sie die Verzicht- 
leistung des Erzherzogs Albrecht nicht anerkennen könnten, den Saal. 
Zugleich vertagten sie aber auch ihre Berathungen bis zum 15. April, 

') Stülz, Geschichte von Wilhering, 216. 

2 ) Pro 11, Geschichte von Schlägl, 205 ff. 

3 )Khevenhüller, Annal. Ferdio., IX, 143 

4 ) Gindelv, Geschichte des dreissigjfthrigen Krieges, I, 426 ff. 



176 

um mit den Oberösterreichern ein Einvernemen herstellen zu 
können. *) 

Weit thatkräftiger als die bedächtigen Niederösterreicher traten 
die rüstigen Oberösterreicher nach des Kaisers Hinscheiden auf. Wie 
früher war auch jetzt der gewandte Tschernembl der Leiter der 
ganzen Bewegung, welche in erster Linie auf die Fernhaltung des 
Königs Ferdinand von der Nachfolge, so lange wenigstens, bis nicht 
durch Verbindung mit den anderen Kronländern die Rechte und 
Macht der Stände so gefestigt wäre, dass der Landesfürst ihrem 
Willen sich fügen müsse, gerichtet war. Welch' ein Schreckbild 
Tschernembl von Ferdinand seinen Genossen entworfen haben mag, 
erhellt aus einer vertraulichen Unterredung, die er im Juni 1619 mit 
Hans Ludwig von Kuefstein, dem Gesandten der Niederösterreicher, 
zu Linz hatte. »Bei diesem herren concurriren,« bemerkte er im 
Laufe des Gespräches, »alle notae tyranni, er es auch von anfang 
seiner regierung bis anher nie anders erwiesen, daher er auch alle 
länder, wo er zu regieren beginne, alsbald verderbe, derentwegen 
auch in seine regierung nit verwilligt werden könne und solle, ehe 
die länder durch eine starke confoederation wol stabiliert und ver- 
sichert sein.« 2 ) Und Tschernembl verstand es, die Entschlossenen an- 
zuführen und die Schwankenden mit sich fortzureissen. Auf seinen 
Rath bemächtigten sich die Verordneten der Regierung und schrieben 
für den 2. April einen Landtag nach Linz aus. 3 ) Dem Überbringer 
des Patentes, das Ferdinand am Tage nach Mathias Tode an die 
Oberösterreicher gerichtet hatte und in welchem er die Huldigung auf 
Grund der am 2. Februar 1619 ausgestellten Vollmacht des Erzherzogs 
Albrecht forderte, wurde die kurze Antwort zuteil, dass der Landtag 
am 2. April das Notwendige alter Sitte gemäss besorgen werde. 4 ) 
Der an diesem Tage zusammengetretene Landtag bestellte, ohne von 



!) Gindely a. a. O., II, 54. 

~) Aus dem Tagebache Hanns Ludwig von Kuefstein im k. k. Staatsarchiv. 
Wie genau Tschernembl Ferdinand kannte, erhellt aus seinen Consultationen (a. a. 
O., VII, 4): »Der Kaiser (Ferdinand) bandlet alle sachen praemeditate, hört, liset 
alle sachen selbst; drum ist keine hoffhung auf bessern ng zu machen, sondern wird 
nur ärger . . .« 

3 ) Aus »Gegründeter notwendiger Bericht, was bisher nach Absterben des 
K. Mathias wegen der Landes-Administration dem uralten oesterreichischen Her- 
kommen nach fuergenommen worden«; gedruckt zu Linz 1619. 

4 ) Oberösterr. Landesarchiv, Bd. 66, Fol. 218; cf. Gindely 1. c, II, 54 ff. ; 
Hurter a. a. O., VII, 522. 



177 

Ferdinands neuer Botschaft Notiz zu nemen, Siegmund von Pol- 
heim als Landeshauptmann und unterstellte ihm nicht bloss die Ad- 
ministration des Landes, sondern auch die Verwaltung der landes- 
fürstlichen Kammergüter. Zugleich wurde Gotthard von Starhemberg 
wieder als Landobrister ernannt und mit der Führung der ständi- 
schen Truppen, die durch die schon erwähnte Aushebung des dreis- 
sigsten und zehnten Mannes um 1000 Mann verstärkt werden 
sollten, betraut. 

Zugleich wurden die Beziehungen zu den böhmischen Direk- 
toren eifriger denn je gepflegt und ihrer Confoderation beigetreten. 1 ) 
Dem Könige Ferdinand, der zu dem Landtage zwei Gesandte abge- 
orduet hatte, wurde erst am 15. April eine Antwort erteilt, in der 
die Huldigung abgelehnt wurde, bis der wahre Landesftirst sie auf- 
nemen würde. Zugleich wurde eine Deputation an Ferdinand ge- 
sandt, welche ihm die aller Wahrscheinlichkeit nach von Tschernembl 
ausgearbeitete Deduction der ständischen Rechte und Freiheiten über- 
geben sollte. Unterdessen wurde aber fort und fort in den Städten 
wie auf dem Lande eifrigst gerüstet, Enns befestigt, längs des Enns- 
flusses Schanzen aufgeworfen, Spital am Pyrn und Windischgarsten 
gegen einen Einbruch der Steirer besetzt und Sarmingstein und das 
Kloster Waldhausen zu Grenzfesten umgeschaffen. 2 ) Um den Zuzug 
des königlichen Kriegsvolkes von Baiern her gegen die aufgestan- 
denen Böhmen, denen die oberösterreichischen Stände am 19. April als 
Beweis ihrer Bundestreue mitgeteilt hatten, dass sie im Falle einer 
Störung in der Administration des Landes durch König Ferdinand 
sich unter den Schutz des Kurfürsten von der Pfalz, unter dessen 
Verwaltung Oberösterreich während des kaiserlichen Interregnums 
gehöre, zu stellen gesonnen seien, 3 ) Hess Gotthard von Starhemberg 
das Kloster Hohenfurth mit 700 Mann besetzen und trat an die 
rebellischen Mährer das von Burkhard von Saldern angeworbene 
Regiment ab. 4 ) 

Thurns Einrücken in Mähren und das Vorgehen der Ober- 
österreicher ermutigte auch die Opposition des Landes unter der 
Enns zum offenen Auftreten. Schon im April hatte sie Starhemberg 



') Am 11. April 1619 forderten die Böhmen die Oberösterreicher zum Bei- 
tritte auf, den sie am 25. April vollzogen; Hurter a. a. O., VII. Bd., 523. 
*) Stülz, Wilhering, 230. 

3 ) Miller, Fünf Jahre des höh mischen Krieges, 164. 

4 ) Stülz a. a. O. 

Blätter des Vereines für Landeskunde von Kiederösterrcich. 1889. 12 



178 

brieflich aufgefordert, Krems zu besetzen, der, weil er selbst auf 
dieses Begehren nicht eingehen konnte, Thurn schrieb, er möge so 
schnell als möglich in Niederösterreich einfallen, er werde daselbst 
wie ein zweiter Messias erwartet. *) 

Und als das böhmisch-mährische Heer wirklich die Grenze von 
Niederösterreich überschritt und Thurn endlich die Vorstädte Land- 
strasse und Wieden von Wien besetzte, da fand am 5. Juni die 
Opposition auch den Mut, in der Hofburg zu erscheinen und die 
Erfüllung ihrer Wünsche zu fordern, die ihnen jedoch trotz der un- 
gestümen frechen Art ihres Auftretens von Ferdinand in ernster 
Würde verweigert ward. 2 ) 

Nach Thurns Abzug von Wien, sowie nach dem herrlichen 
Siege Buquoys über die Truppen der Böhmen bei Zlabat verlegten 
die oppositionellen Ständemitglieder ihre ferneren Berathungen wie- 
der nach Hörn, beschickten den Generallandtag nach dem Vorgehen 
der Oberösterreicher in Prag und beschlossen die Rüstungen im ver- 
stärkten Masse wieder aufzunemen. Da es ihnen, wie Gindely tref- 
fend bemerkt, dazu an Geld, aber auch an Opferwilligkeit gebrach, 
so wurde versucht, bei den Oberösterreichern ein Anlehen aufzune- 
men, zu welchem Zwecke sich der vorerwähnte Hans Ludwig von 
Kuefstein und Wolf Rauber nach Linz begaben. Doch statt Geld 
zu erhalten, mussten die Abgesandten von Tschernembl, Geimann 
u. a. unfreundliche und harte Worte hören über die Unentschlossen- 
heit und den geringen Ernst, den ihre Standesgenossen in dem doch 
alle Österreicher gemeinsam berührenden Vorgehen gegen Ferdinand 
an den Tag legten. 3 ) Die Niederösterreicher hatten gerade wieder 
eine Probe davon gegeben: sie beschickten zwar den Generallandtag 
in Prag, der doch nichts anderes als die gänzliche Entsetzung Fer- 

l ) Gindely 1. c, II, 59. 

-) Hurter a. a. O., VII, 556 und Gindely 1. c, II, 78, ersteren vielfach 
berichtigend, haben zuerst diese denkwürdige Audienz vom 5. Juni in das richtige 
Licht gestellt und des gewohnten Aufputzes entkleidet; doch muss hiezu bemerkt 
werden, dass dieses »theatralische Gepränge« nicht von Späteren dazu gemacht 
worden ist, sondern dass es bereits die Zeitgenossen kannten. So schreibt der 
Steyrer Rathsbürger Zöttl in seiner Chronik von Steyr, der sehr wertvolle gleich- 
zeitige Aufzeichnungen über diese Periode für die Stadt Steyr nnd Oberösterreich 
hinterlassen hat, über diese Audienz zum Jahre 1619, »dass ihme (Ferdinand) 
schon ein khnopff mit höchster verschümpffnng von seinem khlaydt gedrähet wurde.« 
Manuscr. in der Bibliothek zu Seitenstetten. 
:i ).GinxLely a.a. CL, II, und Kuefsteius Tagebuch L-c _ .. 



179 

dinands plante, suchten sich aber auch bei ihrem Landesfürsten durch 
eine Deputation ob dieser Beschickung zu rechtfertigen. 1 ) 

Der Abschluss der Conföderation mit Böhmen, an der Tschcr- 
nembl einen hervorragenden Anteil hatte* drängte die niederöster- 
reichische Opposition weiter auf der abschüssigen Bahn. Es wurde 
für Niederösterreich eine Direktorialregierung, aus 16 Direktoren be-* 
stehend, eingesetzt, die Rüstungen grossartiger und eifriger betrieben 
und im Lande selbst Proviantmagazine angelegt. Einen neuen gross- 
artigen Aufschwung aber nam die Opposition in beiden Erzherzog- 
tümern, als der Fürst von Siebenbürgen, Bethlen Gabor, mit den 
Böhmen und Österreichern in Verbindung trat. 

Während Ferdinand in Frankfurt, wohin er in. richtiger Wür- 
digung, dass es gelte, seinem ruhmreichen Hause die deutsche Krone 
zu erhalten, um die Mitte Juli sich begeben hatte, . trotz des- Pro- 
testes der Böhmen zum Kaiser gewählt worden war und dann auf 
dem Rückwege mit dem Haupte der katholischen Liga, Herzog Ma- 
ximilian von Baiern, die bekannte Übereinkunft getroffen hatte, drohte 
ihm neuerdings die grösste Gefahr. von Seite seiner rebellischen Unter- 
tanen. Es hatte den Anschein, dass die Worte des venetiänischen 
Gesandten Luca Tron: »Con pocca speranza di bene per la casa 
d'Austria sc Dio non ci metta le mani«, 2 ) jetzt zur Wahrheit wer- 
den sollten. Der Pfaizer hatte die Krone Böhmens sich aufs Haupt 
gesetzt, der Siebenbürger näherte sich dem Schlüssel von Ungarn, 
Pressburg, und nam es nach kurzem Kampfe ein, und die Ober- 
und Niederösterreicher rüsteten sich zum Entscheidungsschlage. Im 
Lager Bethlen Gabors zu Pressburg war es, wo die Führer und 
Leiter der ständischen Opposition, Thurn und Hohenlohe, Gotthard 
von Starhemberg und Tschernembl u. a. bei einer Zusammenkunft 
den Beschluss fassten, durch einen grossen, combinierten Angriff sich 
in den Besitz von Wien und der meisten anderen wichtigen Punkte 
von Niederösterreich zu setzen, um dem Kaiser für immer dieses 
Juwel seiner Krone zu entreissen. Die böhmisch-mährischen Truppen 
sollten von Norden, die Ungarn von Osten, die vereinigten Oster- 
reicher, von Westen gegen die Hauptstadt heranrücken. 

Ende September war der kaiserliche Feldherr Buquoy von 
Böhmen, wo er glücklich gegen den bekannten Mansfeld operierte, 



*) Londofpius Acta publica, I. 

*) Aviso des venetiänischen Gesandten ddo. 18. October 1619; Höf ler, Böh- 
mische Studien, XII. Bd. des Arch. f. österr. Geschichtsquellen, 391. 

12* 



180 

nach Niederösterreich gezogen, hatte Weitra und Hörn vorübergehend 
besetzt und rückte von da nach Mähren, um sich bei Lundenburg 
mit dem General Dampierre zu vereinigen. Beide Generale zogen 
sich dann über Befehl des Erzherzogs Leopold zur Deckung Wiens 
über Mistelbach in das Marchfeld und gelangten nicht ohne Kämpfe 
mit den böhmischen Truppen unter Hohenlohe und Thurn Ende 
October in die Hauptstadt 

Schnelles, rasches Operieren stand damals nicht in dem Lexicon 
der Taktik, und so Hessen sich denn die Ungarn wie Böhmen hin- 
länglich Zeit, bevor sie ihre Bewegung wieder aufnamen. Auch die 
Niederösterreicher, bei denen, wie erwähnt, im allgemeinen nicht jene 
Tatkraft zu Tage trat, wie in ihrem Nachbarlande, weil sie noch 
nicht alle Bande der Treue zerschneiden wollten, rüsteten zwar, aber 
die Rüstungen geschahen ziemlich säumig. 

Früher jedoch als alle anderen Verbündeten zogen die tat- 
kräftigen Oberösterreicher in das Feld. Sie hatten ihre Truppen um 
fünf Fähnlein Fussknechte vermehrt, welche in den bedeutenderen 
Städten des Landes Linz, Steyr, Wels und Enns gemustert worden 
waren. 

Gemäss dem in Pressburg entworfenen Plane bestand ihre Auf- 
gabe darin, auf ihrem Vormarsche gegen Wien sich aller festen und 
wichtigen Plätze an beiden Ufern der Donau von ihrer Landesgrenze 
bis Melk zu bemächtigen und mit Besatzung zu belegen, um der 
Hauptstadt jede Zufuhr und jeden Succurs, besonders von Baiern 
her, auf der Donau abzuschneiden. *) 

Die oberösterreichischen Truppen, beiläufig 2000 Mann Fuss- 
knechte und bei 500 Reiter, sammelten sich zu Ebelsberg zu Beginn 
des Novembers und rückten nach Enns, wo am 12. November auch 
der Generalobrist Gotthard von Starhemberg anlangte und den Ober- 
befehl übernam. Am 13. wurde die Landesgrenze überschritten und 
das kaiserliche Kammergut Erla, welches frühere Benedictinerinnen- 
kloster mit dem Königskloster in Wien war vereinigt worden, be- 

') Diese den Oberösterreichern gewordene Aufgabe erhellt deutlich aus 
Starhemberg» Briefen. Die nachfolgende Darstellung beruht nebst den bekannten 
Werken von Gindely, der dieses Ereignisses nur mit wenigen Worten gedenkt, 
Hurter, der aber hier sehr ungenau ist, Schramb, Keiblinger, Link u. v. a. zumeist 
auf schriftlichen Aufzeichnungen, Relationen, Briefen und Notizen in den Archiven 
von München, Wien, Linz, Melk, Seitenstetten u. a. Ich kann hier nicht umhin, 
dem seither verstorbenen Bibliothekar von Melk, P. Vincenz Staufer, für viele mir 
seinerzeit gütigst mitgeteilte Notizen den ergebensten Dank auszusprechen. 



181 

setzt. Von da rückten die Fussknechte durch die weiten Donauauen 
nach Wallsee, nicht ohne dass die sie begleitende Reiterei den be- 
nachbarten Orten wie Strengberg und namentlich den wohlhabenden 
Bauerngutsbesitzern der Umgebung die sehr theure Ehre ihres Be- 
suches gegönnt hätten. Der Markt Wallsee mit seinem so herrlich 
gelegenen Schlosse war damals im Besitze der Herrn Welser von 
Spiegelfeld, die zu Starhembergs Gesinnungsgenossen zählten. Dieser 
schlug im Schlosse sein Hauptquartier auf und erliess am 14. No- 
vember von da aus an die Bürger von Ips die schriftliche Auf- 
forderung, ') sich unter den milden Schutz der oberösterreichischen 
Stände zu begeben und in ihre Stadt einige Fähnlein seiner Knechte 
aufzunemen. Er wäre, so hiess es in dem Schreiben, nur über Auf- 
trag der Landleute von Oberösterreich gekommen, um die Ipser 
und überhaupt das befreundete Land unter den Enns von ihren 
Peinigern, den ausländischen Knechten, die durch ihr unmensch- 
liches Rauben und Plündern Bürger und Bauer so arg quälen und 
schädigen, zu befreien und das Nachbarland seinem rechten Landesherrn 
zu erhalten. Er wolle zu ihrem Schutze eine Abteilung seiner Trup- 
pen in ihre Stadt legen, welche die otrengste Mannszucht beobachten 
würden. Am folgenden Tage bestieg er mit seinen Obristen Puch- 
heim, Traun und Hofkirchen und dem Fussvolke die mittlerweile 
von Linz und Mauthhausen in Wallsee angekommenen Schiffe, deren 
Zahl noch durch solche, die mit Gewalt von der Umgebung zu- 
sammengetrieben worden waren, vergrössert war, während die Rei- 
terei schon am 14. November aufgebrochen war, über Sindelburg 
und Amstetten nach Ips rückten und durch einzelne Abteilungen 
Neumarkt und Kemmelbach besetzten. Starhemberg liess die Schiffe 
in unmittelbarer Nähe des heutigen kaiserlichen Schlosses Persenbeug 
anlegen, das damals dem streng katholischen und seinem Kaiser treu 
ergebenen Freiherrn Adam Eusebius von Hoyos gehörte. Persenbeug 
ergab sich auf die erste Aufforderung hin und wurde mit hundert 
Musquetieren besetzt. Von da aus setzten die Oberösterreicher auf 
das rechte Donauufer über und landeten in der Nähe der Stadt Ips. 
Starhemberg forderte, als er die Tore von Ips verschlossen und die 
Mauern mit Bewaffneten besetzt fand, die Bürger nochmals auf, sich 



') Einige der Schreiben Starhembergs au die Bürger von Ips und Melk hat 
der verdienstvolle Schramb in seinem Chronicon Mellicense ve rotten tl ich t, doch mit 
Auslassungen und anderen Unterschriften, um bei den benachbarten Starhembergem 
nicht anzustossen. 



182 

doch dem gütigen Schutze der Stände Oberösterreichs in die Arme 
zu werfen, ihre Tore zu öffnen und eine Besatzung seiner Leute 
aufzunemen. Die Ipser erhielten aber einen Vorgeschmack von der 
Mannszucht der Truppen Starhembergs und dem milden Schutze der 
Oberösterreicher, als sie sahen, wie die Söldner die kaiserliche Maut 
plünderten und verwüsteten und ihr den roten Hahn auf das Dach 
setzten. 

Da sie mit Berufung auf ihren dem Kaiser als ihren Herrn 
geleisteten Treueid die Übergabe verweigerten, so wollte Starhemberg 
durch mündliche Überredung die Stadt in seine Gewalt bringen. Er 
that den wackeren Ipsern die Ehre an und sandte seinen Hofmeister 
mit einem Trommler an das Wassertor, welcher unter Zusicherung 
freien Geleites das Erscheinen des Stadtrathes im ständischen Lager 
verlangte. Dieser folgte nach einer abgehaltenen Berathung der Auf- 
forderung, wankte aber in seiner Treue gegen seinen Landesherrn 
nicht und liess sich weder durch die heiligsten Versicherungen Star- 
hembergs gewinnen, noch auch durch seine ungestümen Drohungen 
schrecken, die Stadt zu übergeben. Als nach einsttindiger Bedenk- 
zeit eine Rathsdeputation, die bei ihm wieder erschienen war, die Über- 
gabe sowie die Aufhame einer Besatzung verweigerte, sich mit ihrer 
König Ferdinand geschwornen Treue entschuldigend, befahl Starhem- 
berg zu stürmen. Nach einem längeren Kampfe, dessen Schrecken 
noch durch das hereingebrochene Abenddunkel vergrössert wurde, 
wurde mittelst Petarden das eine Tor aufgesprengt, das andere er- 
stiegen und der Kampf setzte sich in den Strassen der Stadt fort, 
bis endlich die Bürger nach heldenmütiger Gegenwehr unterlagen 
und der Feind Herr der Stadt ward. Wie Starhemberg sowol in 
seinem Berichte an die Stände von Oberösterreich, sowie in einem 
Briefe an seinen Bruder Ludwig schreibt, konnten er und die 
Obersten nur mit Mühe ihre Truppen hindern, dass sie die Stadt 
nicht den Flammen preisgaben und gänzlich ausplünderten. Das 
letztere aber geschah doch in ganz gründlicher Weise, da nur vier 
Häuser davon verschont blieben. *) Starhemberg selbst gesteht dies 
zu, wenn er seinem Bruder schreibt, »dass es so gar lähr nit ab- 
gangen < sei. Am nächsten Morgen wurde die Stadtverwaltung ein- 

') Der gleichzeitige Chronist Wolfgang Lindtner schreibt in seiner Chronik 
1. c, 423 f.: »Ad civitatem Ipsium, ubi telonium Caesarenm est, ipsam civitatem cum 
telonia oecuparnnt (copiae statuum Anstriae superioris) et quia civitas libere se non 
dedidit, eara usque ad qnatuor domos depraedati sunt.c 



183 

gerichtet, ein Stadtrath bestellt und der lutherische Gottesdienst wieder 
eingeführt. Von Ips rückte die Reiterei am 16. November noch nach 
dem Cistercienserkloster Säusenstein, das ausgeplündert wurde und 
von da nach Pechlarn, welche Stadt gleichfalls besetzt wurde. Starhem- 
berg selbst bestieg, nachdem er Ips mit einer Besatzung von 200 
Musquetieren versehen hatte, welche die Stadt und Umgebung er- 
halten musste, mit seinem Fussvolke wieder die Schiffe und landete 
bei Schönbtichel unterhalb Melk. Dieses so schön gelegene Schlosa 
gehörte nebst anderen Gütern, wie Albrechtsberg, Sitzenthal, Wolf- 
stein, Bielach, Gurhof u. a. zum Familienbesitz der Starhemberge, die 
sich auch nach ihnen benannten. Gotthard von Starhembergs Brüder, 
namentlich der vorerwähnte Ludwig, Besitzer zu Bielach, ! ) unter 
Kaiser Matthias Präsident der Hof kammer, ein starrer Calvinist und 
eifriger Anhänger der Opposition gegen Ferdinand, hatten, gleich 
ihren Gesinnungsgenossen, dem Besitzer von Schallaburg und Loos- 
dorf, Losenstein, sowie dem Herrn von Weichselbach, Wilhelm von 
Hofkirchen u. a., seit die Kluft zwischen dem Kaiser und den Stän- 
den eine unausfüllbare geworden war, in allen ihren Schlüssern und 
Burgen Mannschaften angeworben, von denen der grössere Teil mit 
den ständischen Truppen von Oberösterreich unter Ludwigs von 
Starhemberg Oberbefehl sich vereinigte. Dieser, in die Pläne und 
Absichten der Opposition genau eingeweiht, hatte schon am 10. No- 
vember vom Stiftshauptmann zu Melk, Capeller, verlangt, die 300 
Wallonen, 2 ) welche von Wien zur Verstärkung der Besatzung unter 
dem Hauptmann Giroli nach Melk gesandt worden waren, nicht einzu- 
lassen, da er und seine Freunde nie zugeben könnten, dass > dieses Volk 
umb dise revier sich cjuartiren sollte,« welches Verlangen jedoch, da 
die Wallonen kaiserliches Volk wären, das nach Melk beordert sei, 
abgewiesen wurde. Als Ludwig von Starhemberg von seinem Bruder 
Gotthard den Anzug der Oberösterreicher erfahren hatte, und als die 
Reiterei derselben unter Obrist von Traun um die Mitte November 
in Loosdorf eingetroffen war, trat er mit der von ihm befehligten 
Mannschaft den Vormarsch gegen Melk an; doch die eigentliche Ein- 



') Es ist dies jener Ludwig von Starhemberg, der als Burghauptmann von 
Steyr im niederösterreichischen Bauernaufstand vom Jahre 1597 von den Bauern 
bei Ulmerfeld gefangen und sehr schimpflich behandelt worden war. 

*) Die Wallonen, niederländisches Kriegsvolk, waren ob ihrer Raubsucht 
nnd Grausamkeit allgemein, und zwar mit vollem Rechte gefürchtet; siehe Stieve, 
Witteisbacher Briefe, II. Bd., a. m. O. 



184 

Schliessung des Klosters und Marktes begann erst, als Gotthard mit 
dem Hauptheere zu Schönbüchel am 18. November ') angelangt war. 
Derselbe schlug im Schlosse Bielach sein Hauptquartier auf und 
machte den grossen Familienbesitz seines Hauses in der Umgebung 
von Melk zur Basis seiner ferneren Operationen. Sofort nach seiner 
Ankunft Hess er sowol an die Besatzung von Stift und Markt, als auch 
an die Bürgerschaft desselben die Aufforderung ergehen, in das Kloster 
und in den Markt eine ständische Besatzung aufzunemen. Wie wenige 
Tage früher die Ipser, so versicherte er jetzt die Melker mit den 
heiligsten Schwüren, dass er nur im Namen und Auftrage der Stände 
des Landes ob der Enns, welche gewissenshalber der Gefahr, in 
welche das löbliche Österreich durch die ausländischen Völker ge- 
raten wäre, nicht länger mehr zusehen könnten, mit einer ansehn- 
lichen, wol »rauntirten Armada, die durch sunderliche hülff deß All- 
mächtigen auff die bain gebracht auch allberaith de facto statt, 
Schlösser, clöster und märckht« teils freiwillig, teils mit Gewalt ge- 
nommen habe, gegen Melk gezogen wäre. Die Melker sollten sich 
doch unter die so milde Herrschaft der Stände des befreundeten 
Landes begeben und zwei Compagnien in das Stift und eine in den 
Markt deshalb aufhemen, damit dieser wichtige Pass der Donau, an 
dem so viel gelegen sei, gegen die Wallonen den Ständen erhalten 
würde. Die Aufforderung wurde von den wackeren Melkern, den 
Klosterleuten wie den Bürgern des Marktes, höflich aber entschieden 
abgelehnt. Sie bedanken sich, schrieb der Stiftshauptmann Capeller 
zurück, und seien bereit, wenn die Stände ihrer Majestät Ehre und 
Ruhm, sowie die katholische Religion zu erhalten geneigt wären, ihnen 
mit allen Mitteln beizustehen und auch für sie zu beten; im Falle 
aber Herr von Starhemberg und die löblichen Stände von Oberöster- 
reich wider die »Glory ihrer Maiestät auftreten, ihm sein erbland 
abzunehmen und die wahre catholische religion zu untertruckhen ge- 
sinnet seyn,t so wollen sie ihnen hiemit zu verstehen geben, dass 
sie kaltes Eisen und warmes Blei auch fiir sie genug besässen und 
daran weder Mühe noch Arbeit sparen würden. 

Auf diese ablehnende Antwort hin schritt Starhemberg zur 
ernstlichen Belagerung dieses so wichtigen Punktes der Donaustrasse 
und umschloss Melk mit seinen Truppen von der Bielach bis zur 



[ ) Schräm b, Chronicon Mellicens und nach ihm Keiblinger, Geschichte 
Ton Melk, I, 8Ö6, lassen die Belagerung schon am 16. November beginnen, wo- 
gegen Starhembergs Bericht an die. Stände spricht. 



185 

Donau. Und um den Ring um die Belagerten ganz zu schliessen, 
besetzte eine Abteilung der von den niederösterreichischen Ständen 
angeworbenen Truppen das linke Donauufer von Emmersdorf bis 
Weitenegg. 

Der Opposition des Landes unter der Enns war nämlich in 
Pressburg die Aufgabe zugewiesen worden, sich des linken Donau- 
ufers von Krems bis Spitz zu bemächtigen und namentlich die 
Schwesterstädte Krems und Stein, sowie Mautern in den Besitz der 
Aufständischen zu bringen. Zu diesem Ende hatten sie durch 
Oberstlieutenant Carpezon ein Reiterregiment auf Mansfelds Namen 
geworben l ) und selbes im Vereine mit den unter des Obersten Sta- 
dels Befehl stehenden Fussknechten, im ganzen bei 3000 Mann, von 
Hörn über Langenlois gegen Krems gesandt. Der Rath der Stadt, der 
ganz katholisch und kaisertreu war, fürchtete nicht mit Unrecht im 
Hinblicke auf die Verbindung, welche schon bei Thurns erstem An- 
rücken gegen Wien einige nichtkatholische Bürger der Stadt mit 
diesem unterhalten hatten, dass dieselben, deren Zahl nicht unbe- 
trächtlich war, jetzt, wo die Gefahr, von der sie durch einige Kor- 
neuburger unterrichtet wurden, heranrücke, mit den feindlichen An- 
führern ihre Beziehungen erneuern könnten. Er erbat deshalb vom 
Erzherzoge Leopold, dem Stellvertreter des Kaisers während seiner 
Krönungsreise, Verstärkung der Garnison sowie Munition, Proviant 
und geschickte »Puechsenmaister zur bedinung der stukh«, weil die 
städtischen Geschütze zu minder und klein seien, um zur Verteidi- 
gung dienen zu können. Die Bitte konnte nur teilweise erfüllt wer- 
den, da Erzherzog Leopold ebendamals den Anmarsch der böhmisch- 
ungarischen Heerhaufen gegen Wien fürchtete. Er sandte ihnen unter 
Hauptmann Maximilian von Liechtenstein zwei Fähnlein Wallonen, 
aber weder Proviant noch Munition. 

Die Bürger von Krems waren somit zumeist auf ihre eigene 
Tapferkeit angewiesen und haben hievon, gleich denen von Melk 
und Ips, ein herrliches Beispiel gegeben. Alle Versuche Carpezons, 
der in Langenlois sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, die Stadt 
zu nemen, wiesen sie mit bewundernswertem Mute ab, und als es 
seinen Leuten durch Verräterei des Geschützmeisters der Stadt am 
27. November nächtlicher Weile gelungen war, zwei Tore zu sprengen 



') Die meinten Geschichtsschreiber nennen dieses Regiment ein Mansfeldisches, 
was aber unrichtig ist; es wurde nur auf den bekannten Namen dieses BandenfUlirers 
geworben, von den niederüsterreichischen Ständen aber das Geld dazu hergegeben. 



186 

und zu erstürmen und sie eben daran giengen das dritte Tor durch 
Feuer zu nemen, entbrannte der heftigste Kampf von den Mauern, 
in dem sich auch die Frauen auf das Mutigste hervorthaten, so dass 
die Angreifer mit bedeutendem Verluste und unverrichteter Dinge 
sich zurückziehen mussten. *) 

Während der grösste Teil der unter Carpezons Befehl stehen- 
den Truppen der niederösterreichischen Stände vor Krems lagerte, 
waren Abteilungen derselben donauaufwärts gedrungen, hatten Aggs- 
bach und Spitz besetzt und erschienen endlich Melk gegenüber, wo 
sie das Ufer von Emmersdorf bis Weitenegg in ihre Gewalt brachten 
und so den Belagerern von Melk die Hand reichten. Um Stift und 
Markt der Übergabe geneigter zu machen, liess der Hauptmann 
Starhembergs, Wurmbrand, auf den sehr günstig gelegenen Uferfelsen 
der zu Emmersdorf gehörigen Ortschaft Hain Geschütze aufFühren 
und begann von hier aus Melk zu beschiessen, freilich ohne 
gerade grossen Schaden zu thun. Die Beschiessung begann Ende 
November und am nämlichen Tage erliess Starhemberg unter den- 
selben so häufig schon angewandten Berufungen und Schwüren auf 
seine Taufe und sein Gewissen, denen man aber keinen Glauben 
schenkte, eine neue Aufforderung zur Übergabe. Die von den Stän- 
den beabsichtigte Besetzung des Klosters und Marktes, schrieb er, 
solle weder den Rechten des Prälaten noch der Bürgerschaft von 
Melk, noch dem Landesfürsten präjudicierlich sein; den Oberöster- 
reichern wäre es einzig um die Defension des Donaustromes und die 
Beschtitzung des Kreises ober dem Wienerwalde gegen die ausländi- 
schen, nicht bezahlten Kriegsknechte zu thun. Als diese Aufforderung 
wieder abgelehnt worden war, versuchte Starhemberg die Bürger des 
Marktes zu gewinnen und machte ihnen in einer an sie gerichteten 
Aufforderung kund, dass sie von Wien aus auf keine Hilfe zu rech- 
nen hätten, da die Hauptstadt von den böhmisch-ungarischen Truppen 
umlagert sei. Sie mögen nur das Beispiel von Persenbeug nachahmen, 
wo die ständischen Truppen von dem Eigentum des Herrn von Hoyos 
auch nicht eines »ey wert« genommen hätten. 

Starhemberg berichtete bezüglich Wiens den Melkern die Wahr- 
heit: denn in der That war das vereinigte Heer der Böhmen und 
Ungarn von Brück an der Leitha um diese Zeit gegen Wien her- 
angerückt, die ganze Gegend furchtbar verheerend und verwüstend. 

') Archiv von Krems, womit Kinzls Chronik von Krems und K er seh- 
baumers Geschichte von Krems bezüglich des Näheren zu vergleichen sind. 



187 

Doch nur kurze Zeit dauerte die Belagerung der Hauptstadt, in 
welcher Ferdinand selbst kurz vorher eingetroffen war; denn schon 
am 5. December wurde dieselbe aufgehoben und Bethlen Gabor wie 
Thurn traten den Rückzug an. Der siebenbürgische Fürst war zum 
Aufgeben der Belagerung durch eine in seinem Rücken ausgebrochene 
Bewegung, an deren Spitze der Graf Georg Drugeth von Homonna 
stand, genötigt worden, was auch Thurn zu Gleichem zwang. Beth- 
len -* Truppen eilten nach Ungarn zurück; die Böhmen, unter welchen 
Hunger und Krankheiten furchtbar gewütet hatten, so dass mehr als 
die Hälfte der Truppen zugrunde gegangen war, blieben teils an der 
Grenze von Niederösterreich in Ulrichskirchen stehen, teils zogen sie, 
wie die Mährer und Schlesier, in ihre Heimat. 

Als die Melker die am 30. November ergangene Aufforderung 

• • 

zur Übergabe neuerdings abwiesen, begann Starhemberg die Be- 
schiessung und suchte durch einen nächtlichen Angriff, an drei Orten 
zugleich unternommen, sich in den Besitz des Marktes zu setzen. 
Zwar gelang es seinen Truppen, sich in einem Hause des oberen 
Marktes festzusetzen, da dieses aber durch die Geschosse des Stiftes 
in Brand gerieth, musste es wieder aufgegeben werden. Zwei Tage 
später erneuerten sie den Angriff mit allem Ungestüm, holten sich 
aber nur blutige Köpfe von den tapferen Melkern und mussten, ob- 
wol die Batterie jenseits der Donau glühende Kugeln und Pech- 
kränze herübersandte, doch unverrichteter Dinge abziehen. In Folge 
des eingetretenen schlechten Wetters ruhte durch länger als zehn 
Tage jede weitere Operation. Da in dem Lager der Oberösterreicher 
Mangel ausbrach, so wurde die Pause benützt, um von der Um- 
gebung in der bekannten liebenswürdigen Weise, in der ihnen aber 
auch die kaiserlichen Truppen, namentlich die Wallonen, nicht nach- 
standen, Proviant zu holen. Bis St. Polten und noch weiter hinab 
wurde die Gegend ausgeplündert und teilweise auch verbrannt. 

Da nichts im Stande war, selbst nicht das Abgraben der 
Brunnen des Klosters — die Klosterleutc gruben sich mit unsäglicher 
Mühe einen neuen Brunnen durch die Felsen — den Mut der 
Melker zu brechen, anderseits die Gefahr drohte, durch Buquoys 
Scharen, die zum Teile nach dem Abzüge des ungarisch-böhmischen 
Heeres von Wien frei geworden waren, angegriffen zu werden, Hess 
Starhemberg eine dritte Aufforderung ergehen, in der er anfanglich 
wieder unter den heiligsten Beteuerungen die Melker von der 



188 

Redlichkeit seiner und der Oberösterreicher Absichten zu überzeugen 
suchte. Doch fügte er die Drohung hinzu, dass er, da er von der 
Besetzung des Klosters und Marktes als eines so wichtigen Passes 
nicht lassen könne, mit Feuer und Schwert, mit allen seinen Ge- 
schützen und seinen Knechten, an mehreren Orten, angreifen und 
stürmen und im Falle der Einname selbst das Kind im Mutter- 
leibe nicht verschonen werde. Zum Schlüsse warnt er die Bürger 
vor den Wallonen, die, wenn sie von seiner Seite den grösseren 
Ernst sehen würden, sicherlich, nachdem sie die Bürger ausge- 
plündert hätten, auf dem Wasser zu den Ihren nach Krems die 
Flucht nemen und den Bürgern als Valete den abgebrannten 
Markt und erschlagene Männer und geschändete Weiber zurücklassen 
würden; er wäre deshalb auch bereit, den Wallonen und ihrem Com- 
mandanten freien Abzug und sicheres Geleite mit allen kriegerischen 
Ehren, mit Sack und Pack, mit Ober- und Untergewehr, ja sogar 
mit ihren Fähnleins zu gewähren. 

Aus diesem überraschenden Schlüsse des Schreibens konnten 
die Melker ersehen, dass Starhembergs Lage vor ihrem Kloster 
selbst keine sichere mehr war. Und in der That war sie schon 
eine sehr bedrohte geworden, da Buquoys Truppen im Anzüge be- 
griffen waren. Da ihm überdies mehrere Schreiben der Verordneten 
seines Heimatlandes um diese Zeit zugekommen waren, die ihn 
dringend nach Oberösterreich zurückriefen, das durch kaiserliche 
Truppen selbst bedroht wurde, so wagte er nochmals einen Sturm 
und brach, als dieser von den Melkern mit gewohnter Tapferkeit 
abgeschlagen und auch eine Kriegslist von ihnen vereitelt ward — 
es trieb nämlich von Weitenegg her ein anscheinend losgerissenes 
Schiff, dessen Unterraum aber Bewaffnete barg, gegen Melk, wurde 
aber von den Belagerten in den Grund geschossen, noch ehe es ge- 
landet hatte — sein Lager ab. Die Truppen der niederösterreichischen 
Stände hatten sich kurze Zeit früher, um nicht von Buquoys Scharen 
aufgehoben zu werden, über Krems nach Langenlois zurück- 
gezogen. 1 ) Die Wallonen von Melk Hessen nun im Vereine mit den 
Bürgern von Melk Rache an den Schlössern der Umgebung, von 
denen sie so Übles erfahren mussten, aus und raubten und plünderten 
nach Herzenslust die Besitzungen Starhembergs und seiner Ge- 



') Schramb 1. c. und nach ihm Keiblinger a. a. O , I, 860 nennen diese 
Truppen böhmische, was unrichtig ist, da sie zu dem von den Niederösterreichern 
geworbenen Heere gehörten. 



189 

sinnungsgenossen zuBielach, Albrechtsberg, Zelking, Schallaburg u. A.; 
doch die Herren selbst fielen nicht in ihre Gewalt, sie waren mit 
den Oberösterreichern verschwunden. Auch Schönbüchel, wo sich 
Ludwig von Starhemberg mit seinem Volke noch zu halten suchte, 
ward von den Wallonen und Melkern genommen, doch entkam der 
Starhemberger. 

Die Ursache, warum die Verordneten von Oberösterreich ihren 
General-Obrist mit seinen Truppen zurückriefen, waren die italienisch- 
spanischen Kriegsvölker, welche über Betreiben des spanischen Ge- 
sandten Ofiate in Wien König Philipp III. seinem Vetter zu 
Hilfe gesandt hatte. Diese hatten den Weg aus der Lombardei durch 
Tirol genommen und, während ein Teil durch den goldenen Steig 
in Böhmen eingedrungen war, standen die anderen unter Don 
Balthasar Marradas Befehl in Passau zum Einmarsch in Oberöster- 
reich bereit. Die Oberösterreicher hatten deshalb in aller Eile die 
Landesgrenze befestigt, die alten Schanzen bei Engelhartszell aus- 
gebessert und durch neu angelegte Verhaue verstärkt und Kriegsknechte 
anzuwerben beschlossen. Zur Durchführung dieses Defensionswesens 
wurde nun Starhemberg mit seinem Volke in das Land zurück- 
berufen. 

Da in damaliger Zeit schnelles, energisches Eingreifen, um eine 
Entscheidung herbeizuführen, bei Freund und Feind nicht üblich 
war, so zogen sich auch die Oberösterreicher aus dem Viertel ober 
dem Wienerwalde ebensowenig schnell zurück, als die kaiserlichen 
Truppen in das Land ob der Enns einbrachen. Starhemberg schlug 
am 20. December sein Hauptquartier in Pechlarn auf und rückte, 
nachdem er die Besatzung dieser Stadt sowie die von Säusenstein 
an sich gezogen hatte, über Ips und Wallsee in seine Heimat 
zurück; hielt aber beide Ortschaften sowie Erlakloster noch besetzt. 

Auch Buquoy rückte nur langsam vor, und erst Ende December 
wurde Ips von den Kaiserlichen wieder besetzt. Es entgeht nur, 
ob dies durch Kampf oder durch freiwilliges Zurückziehen der 
oberösterreichischen Besatzung auf Wallsee geschah; ich kann nur 
berichten, dass Ips in den letzten Tagen des Jahres 1619 oder zu 
Anfang des nächsten Jahres sich wieder unter der Herrschaft seines 
rechtmässigen Fürsten befand. l ) Obwol diese Stadt durch fast zwei 



') Gindely a a. O., III, 81 dürfte irren, wenn er in seiner so ausführlichen 
Darstellung des dreissigjährigen Krieges erzählt, dass Buquoy in seinem Vor- 
marsche gegen Oberösterreich nicht einmal über Krems hinausgekommen wäre. 



190 

Monate eine zügellose feindliche Soldateska erdulden musste, wankten 
die Bürger doch nicht in ihrer Treue gegen Ferdinand, der ihnen 
deshalb 1623 auch wegen »irer standhafftig verblibnen lidelitet« 
die durch ihre freilich erzwungene Teilname am niederösterreichischen 
Bauernaufstand im Jahre 1597 verlorenen Privilegien und Rechte 
wieder verlieh und ihnen auch den >hievor gehabten titl Unsern 
Getreuen Lieben« wieder zu führen gestattete. 1 ) 

Wie Starhemberg nach seiner Ankunft in Linz sofort um- 
fassende Verteidigungsmassregeln traf und namentlich an der Enns 
sowie in der gleichnamigen Stadt und in Steyr neue Verschanzungen 
und Verhaue gegen Niederösterreich anlegen, die Bürgerschaft in 
den Städten mustern und in den Waffen üben Hess sowie die Be- 
satzungen von Wallsee und Erlakloster zurückrief, um Buquoys 
Vordringen über die Enns abzuhalten; so that dies nicht minder 
auch der kaiserliche Feldherr, indem er einen Teil seiner Mannschaft, 
Reiter wie Fussvolk, in die festen Plätze der oberen Gegenden am 
rechten und linken Donauufer verlegte. So erhielten Melk ein 
Fähnlein Musketiere, Ips neben Musketieren noch dreihundert Fuss- 
knechte, Persenbeug, Marbach, Spitz, Weitenegg, Erlaff, Neumarkt, 
Krummnussbaum, Loosdorf u. a. zumeist Reiter in das Quartier. 2 ) 
Doch konnte Buquoy den geplanten Vormarsch gegen Oberöster- 
reich nicht antreten. Teils verhinderte der anfangs Januar ein- 
getretene strenge Winter durch längere Zeit jede Operation, teils 
tliaten dies zu Beginn des Frühjahres die Unternemungen der 
Böhmen und ihrer Verbündeten gegen das Erzherzogtum. 

Die Oberösterreicher konnten deshalb noch durch einige Monate 
im Vertrauen auf ihre Macht jedem Versuche Ferdinands, sie auf 
friedlichem Wege zur Huldigung und Anerkennung zu bringen, 
trotzigen Widerstand entgegensetzen, bis endlich Herzog Maximilian 
von Baiern die harten Köpfe brach; nach Niederösterreich kamen 
sie jedoch nicht wieder. 



Dagegen sprechen Briefe Ferdinands an Max von Baiern im Münchener Staats- 
archiv sowie die obenerwähnten handschriftlichen Chroniken und Acten im Landes- 
archiv von Oberösterreich. 

*) Archiv von Ips, Urkunde ddo. Wien, 1. Juli 1625. 

~) Kalte neggers Manuscripte, III. Bd., 462, in der Bibliothek der Serviten 
in Wien, Archiv von Seitenstetten u. a. 



Mitteilungen. 



Der Wadstein. 

Gelegentlich der Durchsicht des noch im Erscheinen begriffenen Urkunden- 
baches von St. Polten entneme ich einer Anmerkung auf S. 284, dass der Wad- 
stein in der Wachau unbekannt sei. Es wird nämlich an dieser Stelle zur Nummer 
239 des Urkundenbuches vom Wadsteine lediglich vermutet, dass er nach Nummer 
225 auf dem linken Donauufer zu suchen sein dürfte. Zu diesem letztgenannten 
Diplom auf S. 269 ist weder über ihn eine Anmerkung gemacht, noch auch bei- 
gefügt, dass eine demselben zunächst verwandte Fassung bereits im Urkundenbuche 
des Landes ob der Enns, Bd. ö, S. 367 — 369 als Nr. 376, vollständig abgedruckt 
sei. Endlich bringt die Nummer 406 des Urkundenbuches von St. Polten auf 
S. 475 den Wadstein ein drittes Mal. Ich hebe hier alle drei Stellen der Übersicht 
wegen aus: 

ain weinzehent in der wacliave auf sinnlichen Weingarten datz Jlitzling und 
da bei, und aller zehent der dar umb leit vor und hinden und dar neben uberal in 
der wachave von Mostnichtzch unz an den watstein, Urkundenb. d. Landes ob der 
Enns, 5, 369 n ü 376, ddo. Ips 13. Dec. 1323 = Urkundenb. von St. Polten, S. 269 
n° 22ö, mit einigen Abweichungen zumeist der Schreibung, die als nicht von Belang 
hier bei Seite bleiben können. 

vier phunt gelte ligent in der Wochaw zwischen Chienstoeh und Watstain auf 
weingerten und auf paungerten, Urkundenb. von St. Polten, S. 284 n° 239, ddo. 
Dürrenstein, 2. Februar 1327. 

weinzehenden .... in der Wochawe von dem Watstain in die Mustniheh 
in sand Michels pharr, ebenda, S. 475 n° 406, ddo. Wien, 2. Mai 1357. 

Wüssten wir auch nicht mehr, wo und was der Wadstein sei, so gäbe er 
sich doch aus den vorliegenden Stellen als den oder einen östlichen Grenzpunkt 
der Wachau, das ist des nördlichen (linken) Donauufers von Melk bis DUrrenstein 
(nach der gewöhnlichen, doch schwankenden Berechnung: Seh midi, Wiens Um- 
gebungen 1,402) mit hinlänglicher Deutlichkeit zu erkennen. Die westliche Erstreckung 
des Gebietes jener Weinzehnten der Wachau reicht 1323 und 1357 bis zum Mosing- 
graben bei Spitz, 1327 nur bis zu den beiden Örtchen Ober- und Unter- Kienstock 
auf dem rechten Ufer, Wösendorf gegenüber. Schweikhardt von Sickingen rechnet 
(Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter d. Enns, V. O. M. B., Bd. 2, S. 140 
und nochmals S. 162) die Wachau üborhaupt nur vom Mosing oder Mosinggraben 
bis zum Wadstein, oder, wie er schreibt, >bis unter den Wadenstein, eine Viertel- 



192 

stunde oberhalb Dürnstein«. Bei der bekannten Unverlässlichkeit dieses Sammel- 
schriftstellers ist aber nichts verwunderliches, ihn wenige Seiten später (S. 148 — 149) 
bemerken zu hören: >Es bestehen (in der Herrschaft DUrrenstein) viele schöne 
Thäler mit mannigfaltigen majestätischen Felsenpartien, worunter sich jene Felsen- 
masse gleich ausserhalb DUrnstein, dann der sogenannte Waldstein ober Dürn- 
stein als besonders bemerkenswert darstellen« — zu lesen ist natürlich Wad stein. 
Letzteres ist auch die Schreibung A. Schmidls, der (Wiens Umgebungen 1, 425) bei 
der Beschreibung von DUrrenstein bemerkt: »Am Wadsteine wird ein Steinbruch 
betrieben.« 

Dazu hält sich die — nach Seh weickhardts weitschweifiger Manier von ihm wieder 
zweimal gethane — Äusserung (S. 131 und 149): »Bei DUrnstein befindet sich ein 
Steinbruch, dessen Steine zu den Wasserbauten an der Donau verwendet werden« 
— also offenbar der am Wadsteine selbst, was man freilich aus Schweickhardts 
Darstellung allein nimmer erriethe. 

Der Wadstein ist durch diese Angaben festgestellt als ein Steinmaterial zu 
Wasserbauten liefernder Felsblock, der auf dem linken Donauufer beiläufig eine 
Viertelstunde oberhalb DUrrenstein sich erhebend, nach altherkömmlicher Anschauung 
das Thal der Wachau gegen Osten hin beendete. ') 

Ob Schweickhardts Nebenform Wadenstein so weit zu trauen sei, dass sie 
als noch im Volksmunde umlaufende gelten könne, weiss ich nicht. Aber eine solche 
Form findet sich in Urkunden wirklich: 

her Hauchh der Watemteyner zeugt in einer Herzogenburger Urkunde vom 
6. Jänner 1303 bei Faigl, Urkundenb. von Herzogenburg, S. 25 f. n° 32. 

Hanna Watenstayner dedit XV talenta denariorum zu pesserung der gleser in 
der chirchen et gasulam anno 1441, Todtenb. von Lilienfeld [Fontes n. 41], S. 187, 
Verzeichnis der in die geistliche Verbrüderung Aufgenommenen. 

Chunegundis de Haienstein, ebenda, S. 77, Eintrag des XIV. Jahrhunderts 
unter dem 19. April. 

Im Register, S. 192a, auf Pottenstein (an der Triesting) bezogen — kaum 
mit Recht. Der bairischen und österreichischen Aussprache und Orthographie jener 
Zeit war Laut und Zeichen b in seiner eigentlichen Geltung fast ganz verloren 
gegangen; gemeinhochdeutsch b war durch p ersetzt, b aber mit w so zusammen- 
geronnen, dass eines fürs andere eintrat Freilich weiss man bei diesem Durch- 
einander zuletzt oft nicht mehr, was eigentlich gelten solle. So hat das genannte 
Todtenbuch noch unter dem 3. Juni (8. 96) als Eintrag wieder des XIV. Jahr- 
hunderts Chunradus Jiotenstainer, wozu der Herausgeber aus ungedruckten Lilien- 
felder Urkunden bemerkt »Chunrad von Watinstain urkundlich 1297, 29. Sept.«; 
und unter dem 26. October (S. 165) von einer Hand des XIV./XIV. Jahrhunderts 
Hugo de Potenstain et Anna ßlia eius — wo jedoch das anlautende p den Bezug 
auf Pottenstein Über allem Zweifel erhebt. 

Jedesfalls gehört das somit zwischen 1297 und 1441 nachgewiesene Ge- 
schlecht in den westlichen Teil Niederösterreichs, beziehungsweise in die westlichen 



') Die neue Specialkarte der österreichisch-ungarischen Monarchie, Sektion Krems, bezeichnet 
den Wadstein nicht. Auf der neuen Auflage dieses Mattes ist jedoch wenigstens der Name Waehau 
auf dem linken Ufer der Donau zwischen Weissenkirchen und DUrrenstein nachgetragen. Aber die 
Sektion Krems der alten Generalstabskarte schreibt den Wadstein hart an der Strasse zwischen 
Dürrenstein und Weissenkirchen ein, Rossatz (auf dem rechten Ufer) gerade gegenüber. 



193 

Donaugegenden. Ob es vom Wadsteine sich benannte, muss freilich dahingestellt 
bleiben. — Der Stand der urkundlichen Überlieferung scheint zur Anname zweier 
Namenformen zu nöthigen, im geregelten Mittelhochdeutsch Watstein für den Fels 
bei Dörrenstein, Watenstein für das Geschlecht. 

Die Deutung der letztern Form liegt auf der Hand. Wate ist der aus dem 
Gedichte von Kudrun bekannte, aus einem alten Wasserriesen erwachsene Held, 
dessen angeborne Vorliebe für das nasse Element noch in den wazzermceren (Schiffer- 
märchen) durchbricht, die er zu erzählen liebt (dazu Müllenhoff, Denkmäler 2 , S. 389). 
Ob man Watestein zu Watenstein verdeutlichte, ob letzteres selbständige und örtlich 
vom erstem zu trennende Benennung sei, jedesfalls wird man den »Stein Wate*« 
an einem fliessenden Wasser zu denken haben. Gegenüber der an sich unanfechtbaren 
Form Watenstein kann das Bedenken, dass Zeugnisse für die lebendige Kenntnis 
Wates sonst nur bairisch, nicht österreichisch sind (Müllenhoff, Zeitschrift für deutsches 
Altertum 12, 317), umsoweniger aufkommen, als die Nachwirkung des mittelhoch- 
deutschen Gedichtes in Österreich bis ins XIV. Jahrhundert hinein übrigens ja 
feststeht (vergleiche mich Zeitschrift für deutsches Altertum 31, 92). Das im 
Namen des Geschlechtes jedesfalls geborgene Watenstein kann vielmehr selbst als 
neuer Zeuge dieser Nachwirkung hinzutreten. 

Die andere Form Watstein scheint an sich zu einer Verdeutlichung fast auf- 
zufordern, denn sofort und ohne Missgriff verständlich ist sie keineswegs. Wären 
nur die urkundlichen Formen Watenstein für das Geschlecht, Watstein für den Fels 
nicht so unnachgiebig geschieden und bestünde nur eine leidliche Beglaubigung 
dafür, dass beide eine und dieselbe Örtlichkeit meinten, so wäre es ein Leichtes, 
umgekehrt die erst 1323 auftauchende Watstein aus der bereits 1297 und 1303 
begegnenden Watenstein als der älteren durch die den Österreichern so gewöhnliche 
Unterdrückung der genetivischen Endung herzuleiten und zu erklären. Aber wie 
die Dinge einmal liegen, geht dies nicht. — Wir müssen dem Watstein neben dem 
Watenstein sein Recht lassen und ihn aus sich selbst heraus zu verstehen suchen. 
Abweisen zu sollen glaube ich — trotz des modernen Wad- und Wailenstein 
— das mittelhochdeutsche Masculinum wade »sura«, neuhochdeutsch weiblich 
die Wade. Denn obwol Benennungen von Körperteilen sonst gerade in Berg- 
nameu nicht selten sind (Rechtsaltert., S. 541, Anmerkung: österreichische Beispiele 
dereinst im Namenbuch), stünde es in diesem Falle um die Ermittelung eines er- 
träglichen Sinnes doch misslich. Ebenso ist schon wegen des späten <2, dann weil 
Länge des Wurzelvocales nicht glaublich, auch mittelhochdeutsch trat »Kleidung« 
ferne zu halten. Hingegen findet sich die weichere Aussprache mit d späterhin 
sowol in wate »Zugnetz« — Schmeller- 2, 1045 führt aus den Jahren 1570 und 
1572 an Speyenoaden neben Landwatten, Wattschrägen u. s. w., vergl. auch Blätter 
f. Landesk. 1886, S. 187 — 190 über Schranawand — als in dem Zeitworte waten 
(iraddere »Water« bei Schmeller a. a. O.). Entweder liegt daher der Name des Zug- 
netzes in dem des Wadsteines oder der Verbalstamm von v:aten. Die Zusammen- 
setzung im letztern Falle wäre wie in den bairischen Kunstausdrückeh watnuosch 
und wattroc »Einfang, Gerinne, worin das Wasser läuft, das ein unterschl.üchtigcs 
Mühlrad zu treiben hat« (Schmeller a. a. O.). Und da Nüsche und Tröge aus Stein 
gemacht werden, in der von c. 895 stammenden Grenzbeschreibung des Gutes 
Holenburg an der Donau ein lapideus nuosch als Grenzmal auftritt (Cod. dipl. 
austr.-fris. 3, 9 n° 3), und wir Gefässbenennungen als Berg- und Flussnamen schon 
BUUter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich. 1889. 13 



194 

kennen (sieh meine Zusammenstellung Vereinsblätter 1888, S. 382), dürfte weitstem 
selbst geradezu mit iratnuosch und irattroc gleichbedeutend sein. Doch entschliesst 
man sich schwer zu dieser gerade hier, wo es sich um einen an so auffallender 
Stelle ins Wasser ragenden Felsen handelt, etwas leeren Auslegung. Es bleibt noch 
»Stein an der Furt«, wofür mau sich nicht gerade auf das seltene althochdeutsche 
Femininum (?) icat Furt zu berufen braucht, da mau nach watnuosch und vattrov 
mit dem Verbalstamme ausreicht. Der Wadstein liegt auf dem linken Ufer, Rossatz 
auf dem rechten gegenüber (s. vorhin die Anmerkung) : dieses aber ist genau an jener 
Stelle erbaut, wo die Schiffszüge vom linken Ufer auf das rechte übergehen, und heisst 
davon (R. v. Muth, Einleitung in das Nibelungenlied, S. 33fi f.): Kossezza c. 990, 
gebildet aus althochdeutsch ros >Ross« und. sezza »Setzung«, hier also »Übersetzung«.*) 
Dass nur die Leute in Schiffen überfuhren, während die Rosse an der zur Über- 
setzung des Stromes geeigneten Stelle einfach zusammengebunden und ins Wasser 
getrieben wurden, worauf sie schwimmend oder watend das andere Ufer erreichten, 
wobei das eine oder andere ermüdete im Strome abwärts trieb, dies ersehen wir 
aus Strophe 1511 des XIV. Liedes der Nibelungen, zu der v. Muth eben den Orts- 
namen Rossatz heranzieht. Somit entspräche der rossenza auf dem rechten Ufer der 
watstein auf dem linken als der Fels, an dem die Rosse, um das Ufer zu wechseln, 
ins Wasser waten mussten. Welcher der vorgeschlagenen Deutungen aber man den 
Vorzug gebe, in alle Fälle zeigt der Name des Wadsteines gleich so manchem 
andern (wie ausser der rtwezza noch die arahsteti von 890) lehrreichen Bezug auf 
den Hauptnahrungszweig der Anwohner unserer Donau von jeher — die verschie- 
denen Arten des Stromgewerbes. Dr. Richard Müller. 



Losenheim. 

Die drei festen Häuser des Tliales von Buchberg am Schneeberge — Buch- 
berg, die Veste auf dem Kirchhügcl im Orte selbst, Stolzenwörth auf dem Romei- 
kogel am Fusso des Himberges zwischen Buchberg und Sirning, und Losenheim am 
Fusse der circa 5000 Fuss hohen Wand des Schneeberges im obersten Thalwinkel 
— sie glänzen in der Geschichte unseres Heimatlandes, wie man sich da auszu- 
drücken pHegt, durch ihre Abwesenheit. Selbst um ihre bauliche Erhaltung ist es 
übel bestellt. Verhältnismässig am ansehnlichsten zeigt sich noch Ruine Buchberg mit 
ihrem viereckigen Zackenturm. Von Stolzenwörth ist kein Stein mehr da. Von 
Losenheim gab es in meiner Jugend noch ein einzelnes säulenartiges Mauerstück, 
aufragend aus wüstem Trümmerhaufen auf dem niedrigen Burghügel: ob das heute 
noch stehe, weiss ich nicht, der ich seit 1868 nicht mehr im Buchberger Thale 
gewesen bin. Das wenige Geschichtliche, das über die Vesten Buchberg und 
Stolzenwörth zu ermitteln ist, steht jetzt kurz zusammengedrängt in den An- 
merkungen zu den Österreichischen Weistümern 7, 552 n"48 und 257 n" 49. Danach 
ist das Geschlecht der Buchberger seit 1230 bezeugt, das von Stolzenwörth seit 

*) Kaemmels Vorsuch einer slavischon Erklärung dieses ganz eigentlich redenden Ortsnamens 
(Entstehung des österreichischen Deutschtums 1, 167, Anmerkung 4) ist leider ganz verunglückt. 



195 

circa 1180 (Urkundenb. d. Landes ob der Eims, 1, 370 n" 253). Über Losenheim 
geben die Taidinge dieser Gegenden keinen Anlass zur Äusserung. In unsern altern 
Topographien wird es meist mit der Bemerkung abgethan, dass man von ihm nichts 
wisse. So möge hier versucht werden, diese kleine Lücke in der Geschichte Nieder- 
österreichs, so gut oder schlecht es gehe, zu erfüllen. 

Die Burg selbst steht mir ohne Beleg. Das Geschlecht der Losenheimer, das 
nach Seh midi (Wiens Umgebungen 3, 638) vom XII. bis zur Mitte des XIV. Jahr- 
hunderts bestand, finde ich nur von 1220 bis 1304. 

Wxdßngus de Losenhaym, nebst Hermann von Kranichberg und Conrad von 
Wartenstein unter den Ministerialen des Herzogs Leopold VI. von Österreich auf- 
gezählt, bezeugt zu Neunkirchen am 9. April 1220 die Schenkung eines Wein- 
gartens am Eichberge bei, und eines Kellers zu Schott wien an das Spital am 
Semmering (Urkundenb. von Steiermark 2, 252 n° 170, Abschrift des XVII. Jahr- 
hunderts). 

Derselbe als Wolßngus de Losenhaim nebst vielen andern, aus dem Gebiete 
des Schneeberges und Semmerings zu Aspang, 27. März 1222 Zeuge der durch 
Leopold VI. gefällten Entscheidung in dem Streite des Klosters Formbach mit den 
Schi attensteinem um Grundbesitz bei Neunkirchen (Meiller, S. 130 f. u u 178). 

Rudegents marschalcus (d. i. Rüdeger von Planken wart bei Graz, Landmarschal- 
von Steiermark) et (jener eins Dietmarus de Losenheim bezeugen zu Kapfenberg, 
19. Mai 1222 eine Urkunde Wültings von Stubenberg für Kloster Keim (Urkundenb. 
von Steiermark 2, 289 n° 200). Wegen Rüdigers von Plankenwart sieh daselbst 1, 
768b f. und 2, 612» f. Register. 

Derselbe dominus Ditmarus de Losenhaim bezeugt in einer undatierten Urkunde 
den Verkauf eines Lehens zu Katzelsdorf bei Wiener-Neustadt an die Abtei Heiligen- 
kreuz (Urkundenb. des genannten Stiftes 1, 288 n" 333). Der Herausgeber setzt die 
Urkunde »c. 1299« an — unmöglich richtig. Dagegen spricht schon die Form Chez- 
linxtorf mit ihrem t, und der aus den Nibelungen bekannte, übrigens äusserst seltene 
Name Xudunch, den ein Zeuge um 1299 kaum mehr tragen konnte. Genauere Zeit- 
bestimmung der Urkunde erlauben die gleichfalls unter ihren Zeugen auftretenden 
Heinricus Iiauarus, Ebro Ladochus, Chunradus ßüus Ladochi. In einer zwar wieder 
undatierten, aber mit ziemlichem Fug auf den 11. Juni 1223 verlegten Urkunde be- 
lehnte nämlich Abt Gottfried II. von Admont (in Urkunden von 1210 bis 1224 er- 
scheinend) der Bitte duorum liberorum hominum Uainrici videlicet et geiieri sui Ebronis 
Ladochi willfahrend, beide mit einem Weingarten sammt Zulehen zu Gainfarn bei 
Vöslau (Urkundenb. von Steiermark 2, 297 f. n" 207). Es werden also der unmittelbar 
vor dem Ebro Ladochus genannte Ilainricus Bauarus der Heiligenkreuzer Urkunde 
und der in der Admonter als Schwiegervater des Ebro Ladochus bezeichnete Hainricus 
eine Person sein, und die Heiligenkreuzer Urkunde nach c. 1225 gehören. 

Vor 1259 gab Rudgerus de Losenhaim de consensu Tute uxoris sue et liberorum 
suorum (/uosdam redditus in hovelin (wahrscheinlich Ober- und Unter-Höflein zwischen 
Kirchbühel und Zweiersdorf, südlich vom Thale der Neuen Welt) et hortos sitos ibidem 
dem Stifte Heiligeukreuz pro anime sue remedio, quos redditus Wisinto de Houelin 
ab eodem Rudgero feodaliter possidebat, und jeder von ihnen verzichtete für immer 
darauf, Rudgerus videlicet iuri proprietatis, et Wisinto infeodationis. Den später über 
diese Gülten zwischen der Abtei Heiligenkreuz und der deutschen Ordenscommcnde 

13* 



196 

in Wien ausgebroehenen Streit schlichtete die Urkunde vom 20. Mai 1259 (Urkunden- 
buch von Heiligenkreuz 1, 143 f. n" 147). 

Die vom Schenker (ego Rudegerus dictus de Losenhaim ... ex assensu dilecte 
Tute coniugis mee nee non liberorum meorum) über die Schenkung selbst ausgestellte 
Urkunde ist aber erst von 1264. Er bestimmt unter anderem darin, dass seine Kinder 
keine Einrede gegen die Schenkung erheben dürfen und dass, falls er vor ihrer 
Mündigkeit mit Tod abgienge, Eberhardus de Puhperch patruelis mens ihnen dieselbe 
seiner Zeit erklären und sie vor jeder Beeinträchtigung derselben abhalten solle. Er 
gedenkt auch des Wisento (Wisentoni colono meo), der durch Einwilligung in die 
Schenkung des geistlichen Zweckes derselben teilhaftig werde. Unter den Sieglern 
Eberhardu* de Puhperch, unter den Zeugen Fridricus sacerdos plebanus de Puhperch, 
Ditrieus sacerdos . . . Heinricus de Grozzenperye (vom Gröstenberge im Buchberger 
Thale?) Wisento: Urkundenb. von Heiligenkreuz 1, 160 f. n" 170. 

Unter dem 3. September 1264 darauf verzichtete Rudegerus dictus de Losen- 
haim auch auf das Vogteirecht, das er sich über die Höfleiner Gülten bisher vor- 
behalten hatte — weil, wie er unumwunden heraussagt, die Heiligenkreuzer ihm 
in diesem Punkte keine Ruhe Hessen. Unter den Zeugen wieder Eberhardus de 
Puhperch: ebenda 1, 161 f. n" 171. 

Eberhardus de Puhj)erch f liudegerus de Losenhaim stehen ferner zusammen 
als Zeugen in einer Urkunde der Frau At. von Reichenau über den Verkauf eines 
Weingartens zu Stuppach an Herrn Reinbert von Kranichberg c. 1260: Urkunden- 
buch des Landes ob der Enns 4, 564 f., Anhang n° 16. 

Job ans von Losenhaim entschlägt sich 1304 zu Gunsten des Klosters Heili- 
genkreuz seines Anspruches auf dreu pfunt gelts daz Hof lein, di von meinem vater dar 
verchanft inirden. Unter den Zeugen Ulrich der Seh euchenst einer (von Scheuchen- 
stein im Miesenbachthale) : Urkundenb. von Heiligenkreuz 2, 15 f. n° 18. 

Gleichfalls 1304 bezeugte der (so) Johans von Losenhaim den Verkauf einer 
Gülte zu Niederleis durch Ebran von Ernstbrunn an Heiligenkreuz: ebenda 2, 
16 n n 19. 

Aufstellung eines Stammbaumes ist nach diesen kargen urkundlichen Nach- 
richten unthunlich. Wir haben: 

a) Wülfing von Losenheim 1220 und 1222 — etwa der Vater Rüdegers? 

b) Dietmar von Losenheim, des Vorigen Bruder? Schwiegersohn Rüdegers 
von Planken wart, 1222 und 1225. Wäre er ausserdem geborgen unter dem Dit- 
marus de Planehenwart, der in einer zu Gunsten Admonts errichteten Urkunde, 
ddo. Kraubath (ob Leoben), 2. November 1245 (Urkundenb. von Steiermark 2, 
575 n" 462) unter den Zeugen steht? Nach dem Ableben seines seit 1179 in 
steirischen Urkunden erscheinenden Schwiegervaters, der um 1220 gewiss schon 
ein alter Mann war und über 1227 hinaus nicht mehr auftritt, hätte Dietmar etwa 
dessen Geschlechtsnamen angenommen? 

r) Rüdiger von Losenheim, Vetter Eberhards von Buchberg, 1259, c. 1260, 
1264. — Gattin Tuota. 

d) Johann von Losenheim, des Vorigen Sohn, 1304. 

Das Geschlecht war adelich: Dietmar heisst c. 1225 dominus. Ganz geringe 
und ganz arm werden wir es uns überhaupt nicht denken dürfen, wozu sein welt- 
abgeschiedener Stammsitz vielleicht verlocken könnte. Wülfing ist Dienstherr des 
Herzogs Leopold VI. von Österreich und bezeugt in dieser Eigenschaft Urkunden 



197 

desselben mit. Dietmar heiratete eine Tochter des gewiss mächtigen und einfluss- 
reichen Landmarschalls von Steiermark und wird dadurch in steirische Angelegen- 
heiten hineingezogen: sieh die Urkunden von 1232, c. 1225 nnd 1245 (?). Rüdeger 
hat Grundbesitz und Zinsholden zu Höflein vor der »Neuen Welt« und vergabt die- 
selben zu Seelgeräthe: noch sein Sohn Johann zehrt davon. Nähere Verbindung 
oder Befreundung der Losenheimer mit den gleichfalls zum Dienstadel des Herzogs 
von Österreich gehörigen Kranichbergern, dann mit den benachbarten Schratten - 
steinern und Scheuchensteinern lassen unsere Urkunden schliessen. Mit den Buch- 
berge rn waren die Losenheimer versippt, Eberhard von Buchberg wird Vetter 
KUdegers genannt von Losenheim. Auch die Buchberger hatten Grundbesitz: bis 
1261 war Wülfing von Buchberg Eigentümer einer Mühle bei Tribuswinkel und 
hatte mit derselben eine matrona dicta Mehtildis de Stecheinberg (Stickelberg) be- 
lehnt; im bezeichneten Jahre überliess er diese Mühle als Seelgeräthe an Heiligen- 
kreuz (Urkundenb. dieses Stiftes 1, 151 n° 159). — Endlich sehen wir die Mit- 
glieder des Hauses Losenheim etwas in der Welt herumkommen: von dem nach 
Steiermark verheirateten Dietmar ist es selbstverständlich, wir treffen ihn jenseits 
des Semmerings in Kapfenberg und vielleicht an der obern Mur in Kraubath. 
Wülfing zeugt in Neunkirchen und Aspang; Johann war mindestens in Heiligen- 
kreuz, wahrscheinlich aber in Wien, denn die zweite Urkunde von 1304 scheint 
wegen einiger unter den Zeugen Mitgenannten in Wien ausgestellt. Also brachten 
die Losenheimer ihre Tage nicht hin in weltferner Einsamkeit, in ihrer von der 
hohen Wand des Schneeberges fast erdrückten Burg; und gewiss waren sie nicht 
verbauert, wie uns zwei Jahrhunderte später Michel Behaim die Scheuchensteiner 
vorführt, sondern wir dürfen ihnen Verständnis zuerkennen für die Strömungen 
ihrer Zeit und lebendigen, wenngleich bescheidenen Anteil am Treiben der Welt. 
Sie greifen in die vaterländischen Angelegenheiten mehr ein, als die Buchberger 
und vollends die Stolzen wörther, und man mag sich vorstellen, dass wenigstens 
Wülfing und Dietmar einige höfische Bildung besessen und sich unter den vielen 
Rittern befunden haben, die 1227 und 1240 zu Ulrich von Liechtensteins abenteuer- 
lichen Fahrten selbst aus dem entlegenen Waldgebirge Niederüsterreichs, teils 
bloss als Zuschauer, teils als thätige Teilnemer herbeiströmten. 

Was den Namen L6senheim angeht, so erinnert er nicht bloss uns, sondern 
erinnerte schon unsere Vorfahren an Lösenstein, den Namen jener trotzigen Felsen- 
veste hoch über der brausenden Enns in Oberösterreich. Das ansehnliche, erst im 
XVII. Jahrhundert erloschene Geschlecht der Losensteiner hatte unter anderem Grund- 
besitz in der Umgegend von Klosterneuburg; im Urkundenbuche dieses Stiftes 1, 
250 n° 256 erscheint unter dem 15. Juni 1334 her Hertneid von Losenstein als 
Bergherr zu Korneuburg. Und nur auf die Losensteiner, nicht auf die Losenheimer 
scheint mir zu passen, was sonst in Klosterneuburger Urkunden der zweiten Hälfte 
des XIV. Jahrhunderts, in der fortlaufende Kunde von den Losenheimern schon 
lange abgerissen hat, unter ihrem Namen aufbehalten ist. Urkundenbuch 1, 375 
n" 384, ddo. 3. April 1357 verzichtet Peter von Ollern auf seine Ansprüche an 
dem reden chorler ze Neicnburch chlosterhalben gelegen in dein Grashoff ze nächst 
der erbern vrowen turn von Lasenhaim (im Register 2, 357 unter Losenstei n). 
Ebenda 1, 411 n° 423, ddo. Wien, 24. September 1364 schenkt Herzog Rudolf IV. 
von Österreich dem Stifte das herzogliche Haus gelegen dasei bs ze Newnburg auf 
dem Anger ze nächst der Losenhaivierin hause. Endlich 1, 424 n ft 437, ddo. 13. 



198 

August 1368 bezeugen ich Ott von Wildunsmauer und ich Margret sein ncester, 
hern Stephans hausvrow von Topel y ze den Zeiten hofmaister dez edeln hochgepom 

m 

fürsten herczog Leupolts in Osterreich daz unser mueter vrow Elspet von Losenheim 
[offenbar diu erbasre vrouwe der Urkunde von 1357] geschaft (vermacht) und geben 
hat unserm lieben öhaim, dem erbern herren brobst Ortolfen zu Newnburch dem 
Yolkenstorffer ir haus und waz darzu gehört* gelegen in dem Orashof ze NetrnburcA etc. 
Das wären allerdings höchst unvermuthete Aufschlüsse über die Losenheimer, die 
mit 1304 vom Schauplatze abgetreten schienen: Aufschlüsse, die Kunde erbrächten 
von einem merkwürdigen Aufschwünge, den das Geschlecht noch 1350 in weiter 
Entfernung von der Gegend seines Stammsitzes genommen hätte. Aber ohne darüber 
absprechen zu wollen — ich schiebe das einem zu, der in der Geschichte der auch 
im Viertel Ober- Wienerwald begüterten oberösterreichischen Losensteiner Bescheid 
weiss — es ist, glaube ich, nichts damit und in allen diesen Klosterneuburger Ur- 
kunden soll es Lösenstein heissen, statt Lösenheim. Dem Niederösterreicher lag der 
letztere Name näher; ob stein oder heim, der Sinn blieb so ziemlich derselbe, ähn- 
lich, wie wenn man (was auch begegnet) phaffendorf sagte für pfiafensteten. Jene 
beiden Burgnamen sind nämlich genau gegeben zem lösen steine und zem lösen 
heime »zum losen Stein oder Felsc und >zum losen Heim oder Dorfc. Nur was lös 
hier eigentlich besage, »frei, ledige oder »lose, lockere, oder was immer sonst aus 
den mancherlei Bedeutungen des mittelhochdeutschen Adjectivs, ist schwer zu sagen. 
Wenn man bei Losenstein an dem lockern, abbröckelnden und löcherigen Kalkfels 
des Ufergeländes der Enns noch einen Halt findet, so scheint dies bei LösenJieim schon 
wegen des zweiten Teiles heim und wegen des niedrigen ErdhUgels, auf dem die 
Burg stand, zu versagen. So klar liegt der Parallelismus beider Namenbildungen 
sonst zu Tage und unsern Vorfahren drängte er sich bis zur Verwechselung beider 
auf: sie haben um ihren Sinn mithin besser Bescheid gewusst, als nach der Hand 
wir jetzt können. 

Dr. Richard Müller. 



Nachträge zu Porz. 

Als icli die im Jahrgange 1886 dieser Blätter, • S. 151—182 veröffentlichte 
Abhandlung über den im Donauthale so ungemein häufigen Flurnamen Porz ab- 
schloss, war ich mir zwar bewusst, möglichste Vollständigkeit erstrebt und alle 
meine Kenntnis erschöpft zu haben. Aber ich verhehlte mir auch nicht, dass 
damit das letzte Wort in der Sache noch keineswegs gesprochen sei. Hatte ich 
gleich Otto Kaemmels von Schmellern vorbereitete Herleitung des deutschen porz 
aus slav. pro rece in Ermangelung einer bessern angenommen und selbst zu 
stützen versucht, alle Zweifel an ihrer Richtigkeit Hessen sich dadurch nicht 
niederzwingen. 

Seitdem hat sich einiges dazugefunden, was wenigstens zum Teil auf andere 
Gedanken bringt. Ich beabsichtige gar nicht, die ganze Frage hier wieder auf- 
zurollen: dazu fehlt es vor allem auch jetzt noch an der Möglichkeit, sie zum 
endgiltigen Abschlüsse zu bringen. Vielmehr suche ich durch diese folgenden 
kleinen Nachträge bei mir selbst und bei den Andern den Schein absoluten Fertig- 



199 

seins zu zerstören, den meine vor drei Jahren gedruckte Monographie etwa möchte 
erweckt haben. 

Vor allem einige Ergänzungen des 1886 zusammengetragenen urkundlichen 
Materiales. 

Zu den dort S. 152 — 156 verzeichneten Fällen des einfachen porz parz 
kommt nun noch ein Partz in der Umgegend Badens, den wir bisher nicht 
kannten. Die Rechte der Veste Rauhenstein aus der Zeit vor 1480 (Oesterr. 
Weisthümer 7, 485—490) bestimmen (S. 489, Z. 42—46): es sollen auch alle 
die hueter (Weinhttter) was ir sein von dem Partz unz an Sosser gebiet des nachts 
sich zusammen/liegen zu dem huetrad auf dem obern Partz u. s. w. 

Unter den Zusammensetzungen mit porz im zweiten Gliede (Vereinsblätter 
1886, S. 156 — 160) sind grittenporz und steinporz die beliebtesten gewesen. Ja 
unsere Kenntnis von porz liebt überhaupt an mit dem bei Kremsmunster befind- 
lichen oberösterreichischen Steinporz von 1084 und 1095; die zunächst folgenden 
ältesten sind der c. 1110 erscheinende Porz bei Frauendorf in der Au, der Porz 
bei Trautmannsdorf und der GriUenp&rz bei Gloggnitz, beide von c. 1140; das 
Gut zu Borzze im Salbuche von St. Nicolaus bei Passau um 1150, und der Piniz- 
porz bei St. Polten aus derselben Zeit. Alle übrigen sind jünger. Steinporze 
habe ich drei neue nachgesammelt; a) gut zu Stainjiartz im gerichte Ried (Inn- 
viertel) Archiv f. K. österr. GQ. 24, 168—171 n (> 187—201 von 1500 und 1509; 
b) in Stainporcz et in Vorichenveld (Fahrafeld), Urkundenbuch von St. Polten, 
S. 64 n° 39 von 1248; jedesfalls an der obern Traisen südlich von Schrambach; 
und c) einen von 1499 aus dem Taiding zu Strasshofen bei Wartmannstetten 
(Oesterr. Weisth. 7, 236, Z. 2 ff.): wir melden den Gramädlern ein freie viech- 
trift . . . nach dem Ileschpach am Steinpertz neben der Wechslperger grünt . . . 

Zu den mit einem Pflanzennamen im ersten Gliede zusammengesetzten 
arlezporz (so bereinige ich nun das überlieferte arlhartzpartzi »Parz an oder 
mit Arlesbäumen«) binezporz und haselporz gesellt sich noch ein salhenpoi-z »Porz 
au Salweiden«, überliefert in der greulichen Entstellung Solichenpartt : ein halbs 
tagwerch wis-mat ze flewnstorff (Flinsdorf in der Gemeinde Hain, Gerichtsbezirkes 
Herzogenburg) neben dem £olichenpartt y Urkundenb. von Herzogenburg, S. 414 
n" 335 von 1431. 

Die mit einem Thiernameu im ersten Gliede gebildeten grillen-, hasen- y und 
rihfjwrz erfahren Bereicherung durch einen müsporz 'Mausporz': Helmwicus de 
Muspor:e, Urkundenb. des L ob d. Enns 2, 631 n" 432 von 1221, Urkunde für 
Stift St. Florian. 

Am wichtigsten aber wird der von mir 1886 übersehene Tagno de Partiz 

der Klosterneuburger Tradition n° 547. Dass er, sowie ein (de) Perze in 

der verstümmelt überlieferten Nummer 748 mir entgehen konnten, möge mir schwarz 
anstreichen, wer noch nie unter der bisherigen »Ausgabe« des Salbuches von 
Klosterneuburg mit ihrem an Leere und Unbrauchbarkeit seines Gleichen suchenden 
Register geseufzt hat. Mit Freude ersehe ich daher aus dem Jahresberichte über 
die Thätigkeit des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich im Jahre 1887 
(sieh »Blätter« 1888, S. XV f.), dass derselbe eine neue kritische Ausgabe dieses 
in jeder Hinsicht so wichtigen Salbuches in sein Programm aufgenommen habe. 
Dem Germanisten bleibt nur zu wünschen, dass die Arbeit in die Hände eines nicht 
allein diplomatisch und geschichtlich, sondern auch philologisch wol gerüsteten 



200 

Mannes falle: denn man hat nur zu oft Gelegenheit, den Herausgebern von Diplo- 
matarien — selbst den in historischen Seminarien eigens dazu herangebildeten — 
bessere germanistische Kenntnis zu wünschen. 

Jener Tagno de Partiz steht a. a. O. unter den Zeugen der Schenkung eines 
Weingartens an das Stift durch domina Pertha de Sevelde cum filiis Wichardo et 
Chadoldo pro salute anime uiri sui Chadoldi. Schon die Sprachformen (u. a. 
Breitimvtde, mit circumflectiertem «, und Lize = Lize) weisen den Vorgang ins 
XII. Jahrhundert. Der ältere Chadolt de seuelt et jilius eius Ckadolt bezeugen die 
Göttweiher Urkunde n° 15 vom 1. Mai 1171 (Salb, von Göttweih, S. 271—273); 
Wichardus de Seuelde et Chadoldus frater eius ebenso die Heiligenkreuzer Urkunde 
n° 8 vom 19. Juni 1178. Der unter den Zeugen der Klosterneuburger Tradition mit- 
genannte Alber domini Heinrici filius de Zcbiiujen steht mit (dem Jüngern?) Chadoldus 
de Seuel(t) in der Göttweiher Tradition n ü 325 von c. 1186, sein Vater ebenda- 
selbst in n° 373 von 1156. Unsere n ( » 547 fallt also in die Zeit nach 1171 und 
etwa vor 1178, wenn man aus der Heiligenkreuzer Urkunde dieses Jahres folgern 
darf, dass der ältere Chadolt von Seefeld in dem letzten Jahre schon todt war. 

Es füllt sogleich auf, wie nahe Partiz zu Porz Parz stehen müsse. Was 
sollte es sonst auch sein? Ja wir geben gleich einen Schritt weiter und begehren 
*Portiz als Grundlage des altern porz, da Partiz mit dem altösterreichischen 
a für o schon des XU. Jahrhundert«, wie es 1886, S. 164 besprochen ward — 
zunächst nur dem Jüngern parz Hintergrund leiht. Auch wissen wir ja, dass 
später zwei Umlautformen auftreten, pörz und pärz (geschrieben perz), für die wir 
wieder zwei Grundformen portiz und partiz brauchen: \ind jetzt erst aus dem t 
dieser Ableitung -iz erklären sich um die gelauteten pörz und pärz ohneweiters. 
und jedesfalls ungezwungener als es 1886, S. 164 möglich war. Nicht minder 
gewinnt nun die mit dem XIII. Jahrhundert eintretende, doch niemals zur Allein- 
herrschaft gelangende Schreibung tz oder cz und zz fiir z — also portz partz t porcz 
parcz, pörtz pÖrcz, pertz: zuerst Haselportz c. 1220 und Portze c. 1230 (Vereins- 
blätter 1886, S. 158. 153) — bedeutsameres Ansehen: nach unserem Partiz ist das 
t im Kamen ursprünglich und wesentlich. Und endlich erhellen sich von hier 
aus die seltsame Nebenform port und part, die ich 1886, S. 180 f. aus Gril- 
porten von 1155 — 1161 und Port von 1283 belegte und die seitdem in dem 
Solichenpartt von 1431 (vorhin S. 199) neues Zeugnis gewonnen hat. Es scheint 
darin Beschränkung auf den Stamm mit Ablegung von -iz zu walten. Beiläufig, 
Orilporten besprach ich 1886, S. 180 f. als weiblich = Grillenpforte; es war also 
das daselbst S. 158 beigebrachte Femininum an der Griüenparz nicht anzuzweifeln, 
zumal sich auch im der Steinparz findet (Pröll, Schlägl S. 103 f.). So sonderbar 
dieser nebenher beliebte weibliche Gebrauch des sonst durchaus als starkes Mascu- 
linum ausgeprägten porz erscheine, man muss ihn wol als erwiesen hinnemen. 
Ausser porte (Pforte) liesse sich für die Umformung etwa noch anrufen bort Rand, 
bart Bart und barte f. Barte, Beil. 

Aber warum aus Partiz — und selbst vor ihm gesuchten Portiz — gerade 
nur die jungem Formen des beliebten Flurnamens ihre Aufhellung empfangen, 
während die altern porz bvrze des XI. und XII. Jahrhunderts in ihrem dunkeln 
Schweigen nach wie vor verharren: dies will sehr wol beachtet sein. Trennen kann 
man nach dem Ganzen der aus meiner Sammlung aller Belegstelleu genau zu ver- 
folgenden Entwickelung porz boi-~ und *portiz partiz als zwei Gruppen örtlicher 



201 

Benennung nicht. Etwa so, dass borz das 1886 nur als Umdeutschung zugelassene 
bairische Wort für Buschwerk, poriiz slavisches Lehnwort wäre und dann beide 
wechselweise auf einander eingewirkt und in einander zu höherer Einheit auf- 
gegangen wären. Wenigstens ich getraute mir das an dem vorhandenen Materiale 
nicht aufzuzeigen und meine 1886, S. 176 geäusserten Bedenken gegen ein 
deutsches starkes Masculinum borz neben dem schwachen Masculinum borze und 
dein Collectivum borzach bleiben aufrecht. 

Überhaupt berechtigt das so ganz vereinsamte Partiz nicht zu weitgehenden 
Schlüssen. Denn auch der Tageno kehrt unter den zahlreichen Belegen für die 
Form Porz{e) nicht wieder. Dies doppelte Alleinstehen von Partiz ist wirklich 
seltsam — aber auch geeignet, uns zurückhaltend zu machen. Es fehlt daher 
auch an Anhalt dies Partiz mit einem der bekannten Porz in Niederösterreieh zu- 
sammenzubringen, und ebenso bleibt die slavische Grundform von Partiz — 
sowol nach dem Wurzelvocal (a oder o? über germ. a aus slav. o sieh Vereins- 
blätter 1888, S. 226) als nach den Consonanten (p — t oder b — d?) hin ungewiss. 
Wer Lust hat, mag etwas darauf geben, dass die altslavischen Wörter für Bart 
und Beil den deutschen bort und barta urverwandt sind — brada (Thema borda) 
Bart, bradica Hahnenkamm, bradavica Warze; brady (Thema bordy) Axt, serbisch 
bradacica (Miklosich, Etym. Wörterb., S. 19a) — und dass wir für dann weibliches 
portiz(a) partiz(a) von bradica her auf denselben Sinn einer bebüschten Erhebung 
kämen, den ich 1886, S. 177 aus der jedes falls aufrecht bleibenden Einmischung 
des deutschen borz (Buschwerk) und barzen (ragen) erzielte. Mir wäre das bedenk- 
lich, weil ich aus anderen Beispielen männliches -iz als von weiblichem -iza scharf 
getrennt kenne (gleichwie männliches -ich in Berg-, von weiblichem -icha in Fluss- 
namen); weil ich den Anlaut j> (mit blosser »Senkung zu b im Deutschen) wieder 
nach Analogie anderer Fälle und nach dem Ganzen der urkundlichen Überlieferung 
für das Ursprüngliche halten muss (so schon Vereinsblätter 1886, S. 164. 176); 
und endlich weil aus slavisch br- althochdeutsch fr- zu werden pflegt. Wie aber 
die weiblichen -iza -ize und -icha -khe sich später zu -iz und -ich abnützen, also 
mit den an sich seltenern männlichen -iz und -ich formell zusammenfallen, mag 
sich von hier aus der vereinzelte weibliche Gebrauch von (Jrülenparz und Steinparz 
aufklären. 

Der durch Partiz erbrachte Gewinn wird sich darauf beschränken, dass die 
Herleitung von porze aus po rece zwar vielleicht noch nicht völlig beseitigt, aber 
doch stark erschüttert ist. Als gegen sie sprechend konnte schon 1886 angeführt 
werden, dass, wie selbst Kaemmels Beispiele 1, 174 Anmerk. 6 bezeugen, aus po 
rccc sonst niemals und nirgend, mit Untergang des von Hause aus langen Wurzel- 
vocals von reka, Porz y sondern entweder Poretz Poritz Paretz oder mit deutscher 
Proclise des po, also Untergang vielmehr des o, Pretz % oder endlich selbst mit 
völliger Beseitigung der Präposition, einfach Petz wird. Letzteres ist der Fall im 
bairischen Retz bei Cham, und in unserm niederösterreichischen Retz (Zeuss, Die 
Deutschen, S. 122; Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde 2, 331 Anmerk.). In 
alle Fälle wahrt somit der Wurzelvocal von rika seine Rechte — folglich, muss 
man schliessen, ist dieses letztere in Porz Parz überhaupt nicht vorhanden. 1 ) 

Dr. Richard Müller. 



1) Nur in einem Anhango mag ich folgende nähere und fernere tirolische Anklänge mit- 
teilen, da ich aus ihnen nicht klug werde. loh kannte nie schon 1886, unterdrückte sie aber 



202 



Urkunden und Regesten zur Geschichte von Medling. 

Der derzeitige Bürgermeister von Medling, Herr Gustav Adolf, gestattete mir 
auf Intervention des ersten Gemeinderathes, Herrn Thoma, die bei seinem Vorgänger 
Nehammer vergeblich nachgesuchte Benützung des aus Sarenk, Geschichte von 
Medling, bekannten, im Medlinger Stadt-Archive befindlichen und die älteren Medlinger 
Urkunden umfassenden Transsumptes Ferdinand III. aus dem Jahre 1643, wofür 
ich vorerst diesen Herren meinen besten Dank ausspreche. 

Das vorgenannte Manuscript ist eine dem praktisch-politischen Bedürfnisse 
des Marktes Medling entsprungene Urkundensammlung, die zunächst unter Kaiser 
Rudolph II. im Jahre 1594 (siehe Nr. XXV und XXVI) angelegt, dann um einige 
spätere Urkunden und das Banntaiding durch Kaiser Ferdinand III. im Jahre 1643 
erweitert wurde und in dieser Form einer Pancarte uns eben vorliegt. Noch heute 
beansprucht dieselbe dadurch ein bedeutendes historisches Interesse, da eine Anzahl 
von Medlinger Urkunden uns nur aus dieser Sammlung bekannt ist. 

Das Original der Pancarte ist eine Pergament-Handschrift in Folio, be- 
stehend aus 40 Blättern mit Pergamentdeckel und der Aufschrift: Privilegium 
Kayl. Marckhts Mödtling. Die Handschrift ist fortlaufend paginiert von 1 bis 79. 

Ausser diesem befindet sich nun im Medlinger Archive ein zweites Manu- 
script, das aber einige Stücke, nämlich Nr. XIV, XVI und XX, allein enthält, die 
in der mit den Originalunterschriften versehenen Pancarte fehlen; dagegen 
fehlt wieder in dem zweiten Exemplare das Protocoll und die Narratio der 
Urkunde Ferdinands III. [im Original pag. 2 (Stück Nr. 28, erste Hälfte)]. 

Das zweite Manuscript ist ein Papierband in Quart, bestehend aus 
56 Folien; eine Folierung ist durchgeführt, die zwei ersten Folien sind nicht 
gezählt; Folio 2 enthält den Titel, 1 ist leer, Folio 3 erhielt Nr. 1, Folio 55 Nr. 53; 
das letzte (56.) Folium ist leer. Neben der Folionumerierung läuft eine Paginierung, 
die auf Folio 4 a mit 1 beginnt und auf Folio 55 b mit 104 schliesst. Alles mit 
Ausname des Titels auf Folio 2 und der Collationierungsclausel auf Folio 55 b ist 
von einer Hand geschrieben. 

Der Titel des Manuscripts auf Folio 2 lautet: »Verschiedene vidimirte Copien 
deren ergangenen kayserlichen Verordnungen, gaab briefen sowohl über die pfarr 
Mödling als derselben filial-kirchen wie auch anderer mandatorum den lands- 
fürstlichen marckt Mödling betreffend.« 



damals, um nicht den Überblick des ohnedies schon gehäuften Materiales noch mehr zu erschweren. 
Nun hole ich sie unvorgreiflicbr nach. Sie finden sich zumeist in der Gegend um Klausen und 
Brixen an der Krennerstrasse. Vor allem weiss ich nicht, ob die karantanischen Slovenen, die das 
Pusterthal erfüllten, bis an den Brenner vordrangen: und wenn auch, gerade auf slovenischem 
Sprachgebiete fanden wir ja kaum schwache Spuren von Porz, das «im Donauthale durchaus unter 
nordslavischem Einflüsse zu stehen scheint. Ein Aportz (= dporz ahepors »Flussport« V) im Laien er 
Riede bei Klausen, wo die Tiroler Walthers Heimat suchen, erscheint c. 1310, Cod. dipl. austr.- 
fris. 3, 44. Ein Ort Parzinnes 1284 im Urkundenbuche der Propstci Neustift bei Brixen (Pontes II. 
34), S. 170 n°354; Fartschin* 1493, ebenda S. 616 n°805: Partschins bei Meran, wo gewiss niemals 
Slaven waren ; wird also jedesfalls ausser Betracht fallen. Xicla der Partenzyner purger %e Brichgen 
1376, ebenda S. 329 n° 577. Michel von Partzgal 1384, ebenda 8. 385 n° 620. Parspcrg (vgl. pors- 
heim für Porzihtim Vereinsbl. 1886, S. 160) 1429, S. 520 n° 729. Endlich ein allodium Part 1295, 
S. 135 n° 301 rwieder im Laiener Riede). 



203 

Den Schlnss desselben bildet auf Folio 55 b die Collationierungsangabe : 
Collationirt und dem bey der kays. N. Ö. geheimen hoffcanzley-registratur vor- 
handenen wahren concept gleichlautend. Wien den 28. jan. 1706. Nicolaus 
von Lenckhern Registrator und Tax. alda. 

Dieses zweite Manuscript lag Herrn Archivar Dr. Winter bei seiner Aus- 
gabe der Gerechtigkeiten, Privilegien und altes Herkommen zu Medling (Österr. 
Weistümer. VII/1, 574, Nr. 99) vor. 

Aus dem Inhalte ist als hinlänglich Bekanntes nicht weiter berücksichtigt: 
pag. 6— 9. Wappenbrief Kaiser Friedr. v. J. 1458. Chmel Regg. Frid. Nr. 3577, 

abgedr. an verschied. Orten. 

> 10 — 11. Urk. Herzogs Albrecht v. J. 1463. Or. im Haus-, Hof- u. Staatsarch. 

Lichnowsky, Nr. 3, CCCXLI, Nr. 746. 
» 11 — 12. Urk. Kaiser Friedr. v. J. 1453; abgedr. in den Mitth. des Instituts 

f. öst. Gesch.-Forschung 5, 445. 
» 40 — 45. Gabbrief über die Pfarr zu Medling vom 12. Nov. 1556; abgedr. 

Schöffel, Verwaltungsbericht der Stadt Medling 1874—76, S. 17 ff. 

> 52 — 54. Perckhmaisterambt zu Medeling betr. v. 14. Juni 1542. Vgl. Blätter 

d. Ver. f. Ldkde., Jahrg. 1885, 19. 

> 56 — 66. Kaisers Rudolphi Resolution v. 3. Feb. 1607; abgedr. Blätter d. Ver. 

f. Ldkde., 1. c. 71, Beilage 14. 
» 66 — 77. Hernach sind vermerckht . . . [Pantaidingsartikel] ; abgedr. Winter, 

Niederöst. Weistümer, 1, 576, Nr. 99. 

Medling, im August 1888. 

K. Schalk. 
I. 

[311 1307 V]') 

pag. 9. Wir Albrecht von gottes gnaden herzog ze Osterreich, ze Steyr, ze 

Kärnden und ze Krain, graff zu Tyrol etc. ein bieten unserm getrewn N. allen den diser 

brief gezaigt wird unser gnad und alles guet. Wir gepieten ew gar ernstlich und 

wellen, dz ir mit unsern burgern zu Medlickh von steur wegn noch umb kain 

ander sache nichts zu schaffen habt in kainen weeg wider die briff und gnad, die 

in von unsern vorvordern seligen gegeben sind, sunder das ir sie dabey bleiben 

lasset genzlich, wan wir dz ernstlich maynen; und wer darwider tete, dz were 

genzlichen wider uns. Mit urkhundt diß briffs. Geben ze Wienn am eritag nach 

Sand Paul 8 tag, als er bekert ward anno domini millesimo trecentesimo septimo. 

II. 

23 II 1344. Lichnowsky, Uv. 1, CCCCLVII, Nr. 1358. 
pag. 14. ] ) Wir Albrecht von gottes gnaden herzog ze Osterreich, ze Steyr 
und ze Khernden thun kundt öffentlich mit disem briff, dz wir erlaubt haben und 
erlauben auch mit disem briff, dz allermeniglich auf den markht ze Medling fleisch 
und brot ftiern und bringen mag und an alle irrung daselbs verkauffen, darumben 
die burger datz Mediich unß zwey pfund Wienner pfening gelts ze purgkhrecht 

') Lichnowsky registriert sub Uv. 3, LXXIII, Nr. 835 eine Urkunde obigen Inhalts «um 
1/IV 1407; eigentümlicher Weise findet sich dieselbe auch mit dem Datum 1300 in einer Urkunde 
v. 22III 1412 (Nr. VII) inseriert; es heisst daselbst, sie rühre vom >en« Albrecht V. her. 

J ) Im k. k. Haus-, Hof- und Staatsarch. eine Abschrift des Medlinger Codex. 



204 

auff unser vesst datz Medlich jerlich dienen sullen und auch verhaften haben. 
Mit urkhundt ditz briffs. Geben ze Wienn an raontag nach dem ersten suntag in 
der vassten anno domini millesimo CCC quadagresimo quarto. 

III. 

21.1 1346. 

pag. 24 — 25. Wir Albrecht von gotts gnaden, her ze Österreich, ze Steyr 

und ze Khernden bekennen und tun kund öffentlich mit disem briff, dz wir von 

besundern gnaden den beschaiden leuten unsern getrewen den bürgern und der 

gmain ze Medlich die gnad getan haben und tun auch mit disem brieff, datz si 

fürbaß bey den rechten und gewonhaitten beleiben sullen, als sy von alter her- 

khomen sind und soll sy fürbaß darüber niemen nichts mehr nöten. Und des zu 

urkund geben wir in disen brieff besigelten mit unserm insigl, der geben ist ze 

Wienn an Sand Agnesentag anno domini millesimo trecentesimo quadragesimo sexto 

IV. 

18, VI 1360. 

pag. 25. Wir Rudolff von gotts genaden herzog ze Osterreich, ze Steyr und 
ze Kernden tun kund öffentlich mit disem briff, dz wir von besundern gnaden den 
beschaiden [pag. 25] leuten unsern getrewen N. den purgern und der gmain ze 
Medlich die gnad getan haben und tun auch mit disem brieff, datz sy furbas bey 
den rechten und gewonhaitn beleiben sullen, alß sie von alter herkomen sindt und 
soll sy darüber fiirbatz niemen ichtes mer nöten, aft auch unser lieben heim 
Khünig Fridreichs von Rom unseres vettern und herzog Albrechts unsers vatter 
seliger gedächtnüße brieff sagent, die sy darüber habent, die wir in mit disem 
gegen wierttigen brieff verneuert und bestät haben. Mit Urkunde ditz brieffs. Geben 
ze Wienn an phinztag nach Sant Veitstag nach Christes geburt tausend dreyhundert 
jar darnach in dem sechzigisten jare. 

V. 

26 V 1374. Lichnowsky, Uv. 1, DCLXXXVI, Nr. 1169. 
pag. 14 — 15. Wir Albrecht von gottes gnaden herzog ze Osterreich, ze Steyr, 
ze Kernden und ze Khrain etc. graff ze Tyrol etc. thun khundt, datz wir durch 
gott lautterlich und durch unser selbs und aller unser vorvordern und nachkhomen 
seelen hailß willen dem erbern gottshauß und der pfarrkhirchen zu Medlich solch 
gnad gethan haben, dz man in dem marckht daselbs zu Medlich ein schrann paun 
soll und mag und welch in derselbn schrann ze den rechten marckhttägen ir vail 
guet niderschlachen und vail haben wellent, datz der yedkhlicher davon zu yeden 
Marckhtag ain Wiener pfenning dem zechmaister der egenanten khirchen geben 
und antwortten sul fürderlich und oue verziehen, und das auch derselb zechmaister 
dz gelt an liechter, an gezierde oder au notdürfftig paw der egenannten khirchen 
gentzlichen aulegen und beklieren soll ohne gever. Darumb gepieten wir unsern 
getrewen lieben unsern lantmarschalch in Österreich, N. dem burggraffen, N. dem 
richter und den burgern zu Medlich, welche die ye zu den zeiten sind und allen 
andern unßern ambtleuten und underthaiien, den diser briff gezaigt wierd und 
wellen ernstlich, daß sy die egemelt khirchen bey derselben unser gnad vesteklich 
halten und beleiben laßen und darwider nicht tun noch yemand andern dawider 
gestatn ze tunde in kain weeg. Mit urkundt ditz brieffs. Geben ze Wien an 



205 

Freitag- nach dem heilligen tag ze pfingsten nach Christi gepurt dreizeheuhundert 
jar darnach im vier und sibentzigisten jar. 

VI. 

30/ IX 1378. Lichnowsky, Uv. 1, DCCV, Nr. 1380. 

pag. 19 — 20. Wir Albrecht von gotts gnaden herzog ze Osterreich, ze 
Steyr, ze Kernden und ze Krain, graff ze Tyrol etc. bekhennen und tun chundt 
öffentlich mit disem briff, datz für uns khomen sind unser getrewn, der richter 
und die gemain unsere burger ze Medlickh uud haben unß fürbracht und gechlagt 
urob die wein, die man jährlich in den marekht daselbs fürt und niderlegt, datz 
daß ir merckhlicher schad und verderben sey und datz sy uns und dem hoch- 
geborn fürsten unserm lieben bruder herzog Leupolten davon dester myrier zu 
dienst werdn inügen und habend unß dieraütigklich gebeten, dz wir sie solchs 
einfürens und niderlegens überheben geruehten. Nu haben wir gnediglich an- 
gesehen, datz dieselben burger den vorgenanten unsern bruder und unß sonderlich 
angehörend und auch die grotzen schaden, dz sie desselben infüreus und der 
niderlegung gehabt habent und haben in die gnad geben und tun auch wissentlich 
mit craftt ditz brieffs, dz furbatz nymand sein wein in den egenannten unserm 
marekht ze Medlickh füren und den da niderlegen soll, er seye dann daselbs 
haußlich wonhafft und gesetzen und leid auch mit unsern bürgern daselbs, alß das 
pillich und gewönlich ist an alle geverd. Davon gebieten wir unserm landt- 
marschallich, allen unsern herrn, rittern and knechten, burggrafen richtern, 
mautern burgern und allen andern unsern amptleuten und undertanen in Österreich 
und wellen ernstlich, datz sy die vorgenannten burger von Medlickh bey diser 
unser gnad vestichlichen haltn und schirmen und dabey beleibn latzn und auch 
darwider nicht tun noch ander yemand gestaten ze tun in kaiu weg an gever 
Mit uhrchundt ditz briffs. Geben ze Wienn an phinztag.nach Sand Michaelistag 
nach Christs gepurd dreyzehnhundert jar darnach in dem acht und sibenzigisten jar. 

2/ VI 1379. 

Eine inhaltlich identische Urkunde von Herzog Leupoldt auf pag. 20 — 22 

mit dem Schlüsse: Und des ze urkund hietzzen wir unser grotztz fürstlich insigel 

henckhen an disen briff, der geben ist ze Wienn an phinztag in der heiligen 

phingstwochen nach Christs geburt drewzehenhundert jar darnach in dem newn und 

sibenzigisten jare. 

VII. 

22 III 1412. 

pag. 25 — 29. Herzog Albrecht bestätiget den Bürgern von Medling die 
beiden Urkunden vom 30/IX 1378 und 31/1 1307, welche seiner Urkunde 
inseriert sind. 

Wir Albrecht von gotes genaden herzog zu Osterreich, ze Steyr, ze Kernden 
und ze Crain, graffe zu Tyrol etc. bekennen, daß unß von unsern getrewen N. 
unser purger wegen gemeinickleich zu Medling fürbracht sint zween briff, die in 
weillent der hochgebohrn fürst herzog Albrecht, herzog ze Österreich etc. unser 
lieber herr und ene, dem gott gnedig seye, über etlich ir gnad und freyhait 
gegeben hat und sein von in diemüetielich angeruefft worden in dieselben zwen 
briff zu bestatten, alß die von wort zu wort hie nachgeschriben steent und ist des 
ersten brieffs ynnhaltung und laut also [folgt Urkunde vom 30,-IX 1378J. (Nr. VI.) 



206 

So begreiffet der ander brieff auch von wort zu wort, als hernach ge- 
schriben steet [folgt Urkunde vom 31/1 1307 hier mit der Jahreszahl Anno 
domini millesimo trecentesimo]. (Nr. I.) 

Wann wir obgenanter herzog Albrecht des vorgenannten unser» lieben herrn 
und enen gueter m&inung gern nachvolgen, sein wir der jeztgenanten unser burger 
von Medling pet mit billeicher erhorung günstigleich genaiget und haben in und 
allen iren nachkomen, reichen und armen daselbs nach gueter vorbetrachtung des- 
selben unsers lieben herrn und enen zwen brieff, als die aigeutlich hievor ge- 
schriben steent mit allen punden x ) und artickeln auch alle andere ire recht die 
sie von andern unsern vorfordern löblicher gedechtnus untz herbracht habent, von 
fürstlicher macht bestettet und bek refft ig wissentlich mit disem brieff und maineu 
und wellen, dz die nu und hienach bey irn k reiften war und stet genzleich ge- 
halten werden. Davon gepieten wir vestigkleich N. allen unsern undertanen gegen- 
werttigen und künfftigen, den diser brirT wird geöffnet und wellen ernstleich, das 
sy denselben unsern burgern von Mödling wider diß unser bestättung an allen und 
yegleichen iren obgeschribnen rechten, gnaden, freyhaiten und gueten gewonhaiten, 
brieffu und Urkunden fürbaßer mer khainerley irrung, newruug noch beschwerung 
nicht tun, machen noch zueziehen in kain weis, sunder sy von unsern wegen 
dabey schirmen und halten vor gwalt und unrecht, und dawider nicht sein, wau 
wer es darüber tete, das wer schwerlich wider unß. Mit urkund ditz brieffs. 
Versigelt mit unsern angehangen insigl. Geben ze Wienu an eritag vor unser 
lieben frauentag annunciationis nach Christi gepurd vierzchenhundert jar darnach 
im zwellften jar. 

(Fortsetzung folgt.) 



Hernstein in Niederösterreich. 

Eine hehre Pflicht bestimmt uns diesmal, auf ein vor noch nicht langer 
Zeit abgeschlossenes topographisch-historisches Werk über einen Teil Niederöster- 
reichs, nämlich Hernstein und Umgebung, hinzuweisen, das als einzig in seiner Art, 
als ein wahrhaft monumentales Werk dasteht, vornemlich schon wegen des höchsten 
Protektors, der es ins Leben gerufen und für dessen Durchführung mit den reichsten 
Mitteln gesorgt hat, dann wegen des kleinen Gebietes, dem eine Keihe eingehender 
Facharbeiten gewidmet ist, so dass dasselbe auch verhältnismässig bis ins Detail 
erschlossen erscheint, endlich wegen der splendiden typographischen und künst- 
lerischen Ausstattung, welche Momente alle dieses Werk zu einer der bedeutendsten 
literarischen Unternemungen unserer Tage gestempelt haben. 

Der höchste Protektor desselben ist der Besitzer des Schlosses und der Herr- 
schaft Hernstein, Se. kaiserl. Hoheit der durchlauchtigste Erzherzog Leopold, ein 
Fürst voll hohen Sinnes für Wissenschaft und Kunst, der schon lange auch um die 
Landeskunde Niederösterreichs die grössten Verdienste hat und dem speciell unser 
Verein seit seiner Gründung eine im reichsten Masse teilnamsvoll geübte Unter- 
stützung zu danken hat. 



l ) So in d. Vorl. 



207 

Das fünf Bände umfassende Werk 1 ) ist betitelt: > Hernstein in Niederöster- 
reich. Sein Gutsgebiet und das Land im weiteren Umkreise. Herausgegeben von 
M. A. Becker.« Wien, Holder, 1886—89. 8". Seinen Inhalt bilden: 

Bd. I. Die geologischen Verhältnisse, bearbeitet von Alexander Bittner. 
(Mit: Übersichtskarte, Hypsometrische Karte, Geologische Karte und Geologische 
Profile.) 

Bd. II, 1. Flora des Gebietes, bearbeitet von Günther Beck. (Mit: Kultur- 
karte, Forstkarte und 11 Tafeln.) 

Bd. II, 2. Fauna des Gebietes, bearbeitet von Günther Beck mit einer 
Reihe von Mitarbeitern, die speciell genannt sind; es sind darunter unsere hervor- 
ragendsten Naturforscher. — Die Bewirtschaftung des Gebietes, bearbeitet von 
dem erzherzoglichen Forstrathe und Wirtschaftsdirektor Wilhelm Stöger. (Mit 
20 Illustrationen im Texte.) 

Bd. IH, 1. Industrie, Haudel und Verkehr des Gebietes, bearbeitet von 
Mathias Kogovsek. S. 1 — 65. (Mit: Industriekarte.) — Das neue Schloss Hernstein. 
Baugeschichte und Beschreibung von Wenzel Schaffer. (S. 65 — 96.) — 
Topographie des Gebietes, bearbeitet von Dr. Franz Schnürer. S. 97 — 531. 
(Umfasst teilweise die Bezirkshauptmannschaften Baden, Neunkirchen, Wiener- 
Neustadt, Lilienfeld und den Stadtbezirk Wiener-Neustadt.) 

Bd. III, 2. Geschichte von Hernstein in Niederösterreich und der damit 
vereinigten Güter Starhemberg und Emmerberg. Bearbeitet von Dr. Josef von 
Zahn. (Mit 6 artist. Beilagen und 26 Illustrationen.) 

Schon aus dieser knappen Inhalts- und Titelangabo erhellt, wie umfassend 
der Plan angelegt, wie erschöpfend und gründlich der Stoff behandelt wurde. 
Ob hier nicht mitunter eine mehr weise Beschränkung dem Werke eine einheitlichere 
Form verliehen und dadurch einen höheren Stempel der Classicität verliehen 
hätte — es scheint uns gewiss. Wir halten uns aber daran, was und wie Alles 
geworden ist, und dürfen auch so mit vollem Rechte dem gewaltigen Werke, das 
in allen seinen Teilen von grosser Berufstreue der Mitarbeiter zeugt, vom wissen- 
schaftlichen und künstlerischen Standpunkte aus unsere Bewunderung gewiss nicht 
versagen. 

Auf eine eingehende fachliche Besprechung sämmtlicher Arbeiten können wir 
selbstverständlich schon aus dem Grunde nicht eingehen, da eben Einer nicht 
Alles kann. Soweit aber unsere Studien und Kenntnisse uns befähigen und wir 
berechtigt sind, über einzelne der Arbeiten ein fachgemässes Urteil abzugeben, 
dürfen wir kurz sagen, dass im kunsthistorischen, historischen und topographischen 
Teile dem heutigen Stande der Wisvsenschaft die vollste Rechnung getragen er- 
scheint. Im Hinblicke auf die hervorragenden Namen, deren Träger die Verfasser 
der anderen Arbeiten sind, werden Fachkritiker es uns gewiss nicht übel nemen, 
wenn wir bezüglich dieser auch ein gleiches Urteil fallen. 

Es erübrigt noch, der Kunstbeilagen rühmlichst zu gedenken. Es sind dies ein 
»Album von Hernstein« und eine Mappe mit: »Pläne und Ansichten von 1853 — 1883«. 

') Diu grosse für den Buchhandel nicht buKtimnite Ausgabe wurde in beschränkter Zahl 
hergestellt und von >Sr. kaiserl. Hoheit an hervorragende Persönlichkeiten und Institute geschenkt. 
Ausserdem wurde eine kleinere dreibändige Ausgabe für Schulen und Bildung*an&talten d<s be- 
schriebenen Gebietes, sowie für den Buchhandel veranstaltet, um das Werk auch weiteren Forscher- 
kreiseu zugänglich tu machen. 



208 

Jenes enthält > Illustrationen zu Hernstein in Niederösterreich. Sein Gutsgebiet und 
das Land im weiteren Umkreise«. Zunächst rinden wir da zwei Ansichten: Hern- 
stein, Dorf und Schloss (Photographie und Lichtdruck von J. Löwy in Wien nach 
einem Aquarelle von Adam von Slowikowsky) und die Südostseite des Schlosses. 
(Holzschnitt von L. Geisbe.) Daran reihen sich 31 Ansichten von dem »Innern 
des Schlosses«, und zwar 7 Stiche von L. Michalek, mit Ausname der Porträts 
im Ahnensaale und der Kapelle, nach Zeichnungen von J. Kaiser (das Decken- 
gemälde im Empfangssaale von C. Griepenkerl, das Deckengemälde im Ahnen- 
saale von E. Bitterlich, die Wandbilder im Ahnensaale von A. Eisen menger, die 
Deckengemälde im Schlafzimmer von C. Griepenkerl und die Wandbilder in der 
Kapelle), 10 Farbendrucke aus der artistischen Anstalt von E. Hölzl nach 
Aquarellen von Franz Alt (Stiegenhaus, Gartensalou, Bibliothek, Speisesaal, 
Empfangssaal, Rauchzimmer, Ahnensaal, Schreibzimmer, Schlafzimmer und Kapelle) 
und 14 Holzschnitte von L. Geisbe nach Zeichnungen auf Holz von J. Kirchner 
(Gegenstände des Kunstgewerbes in den Gemächern und in der Kapelle), sodann 
11 > Parkansichten« (Holzschnitte von L. Geisbe, Günther, Grois und Ruck er) 
und 17 Ansichten der »Umgebung«, sämmtlich Holzschnitte von L. Geisbe 
nach Photographien von Leth auf Holz gezeichnet von J. Kirchner (1 der Stein- 
hof bei Grillenberg, 2 — 7 die Veste Starhemberg, 7 Fischau, 8 — 15 die Veste 
Emmerberg, 16 der Schneeberg und 17 das Jagdhaus im Thiergarten auf der hohen 
Wand). 

Die oberwähnte Mappe mit »Plänen und Ansichten« enthält zunächst ein 
Skelett zum Plane des Schlossgartens im Masse 1 : 1500 (Lithographie des k. k. 
mil.-geogr. Institutes) und den »Plan des Parkes« in Chromolithographie, im 
gleichen Masse und aus demselben Institute hervorgegangen, sodann in 2 Serien 
22 Heliographien, darstellend das frühere und das gegenwärtige Schloss, und 
3 Heliographien, welche die erzherzoglichen Boote auf dem Schlossteiche veran- 
schaulichen. Sämmtliche Heliographien wurden im k. k. mil.-geogr. Institute an- 
gefertigt. 

Zu dem historischen Teile gehört ein Facsimiledruck. 

Der Herausgeber und Redacteur des ganzen Werkes war Hofrath M. A. 

Becker, Direktor der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek, nach dessen Tode 

W. Schaffer, Custos an der genannten Bibliothek. — Mit dem Drucke war die 

k. k. Hof- und Universitäts-Buchdruckerei Adolf Holzhausen beauftragt. Die 

typographische Ausstattung ist, wie es sich bei dieser Offizin von selbst versteht, 

eine meisterhafte. 

D. R. 



Geschichte des k. k. Lustschlosses Schlosshof und des 

Marktes Hof an der Mar eh. 

Zumeist nach ungedruckten Quellen bearbeitet von Josef Maurer, 

III. 

Der Weltpriester Blasius* Pinter war Seelsorger von Kroissen- 
brunn und Hof vom 23. August 1679 bis Februar 1685, wo er 
Pfarrer in Robermannsdorf wurde. Nach Kroissenbrunn kam an seine 
Stelle derBenedictiner von Melk, Mathias Biber, geboren zu Wien 1653, 
1671 Profess, 1677 Priester. Die »gesammten kroatischen Pfarrkinder 
zu Hoff und Kroissenbrunn« gaben im Januar 1697 ein Lebenszeichen 
von sich, indem sie den Abt Gregor Müller um die Anstellung eines 
der kroatischen Sprache kundigen Geistlichen baten, weil sich im 
Markte Hof und im Dorfe Kroissenbrunn 34 kroatische Häuser und 
gegen 200 der deutschen Sprache unkundige Personen befänden, 
daher allezeit seit Mannesgedenken Seelsorger, die beider Sprachen 
kundig waren, gehalten worden seien. Darauf berichtete Pfarrer 
Biber am 17. Februar 1697, dass alle Bewohner der 14 kroatischen 
Häuser zu Kroissenbrunn und der 14 zu Markt-Hof mit Ausname 
zweier Weiber eigentlich ganz gut deutsch verstünden. Georg Khessler, 
ein geborner Schwabe, habe laut des Taufbuchs 1650 die Pfarre 
angetreten und viele Jahre hier andächtig gelebt, ohne kroatisch zu 
können. Biber widerlegte die unbegründeten Klagen der Bittsteller und 
führte an, dass er die Kinder sowol deutsch als kroatisch examiniere, 
die Brautpersonen aus einem geschriebenen kroatischen Katechismus. 
Dürfte er aber »in einem oder anderm zu gring sein«, so könnte 
solches von einem beider Sprachen kundigen Schulmeister ersetzt 
werden, da ohnehin den Kroissenbrunnern von der Regierung und 
vom Consistorium ein Schulhaus zu bauen und einen rechten Schul- 
meister anzustellen schon vor einem Jahre auferlegt worden sei. 

Blatter dea Vereinet für Landeskunde von Xiederösterreich. 1880. 14 



210 

Er brach auch in Klagen aus über den Übermut und Undank seiner 
Pfarrkinder, indem er zwölf Jahre bei ihnen geblieben wäre, viele 
Leibesgefahren von Nattern, Kröten, Spitzmäusen u. s. w. ausgestanden 
und mit einer so schlechten, feuchten Wohnung vorlieb genommen 
hätte, dass ohne die Hilfe des Abtes »sogar die Lebensmittel in denen 
so eisernen Zeiten nit erklecket« haben würden und gleichwol noch 
Schulden vorhanden seien. Aus dem Berichte, beziehungsweise der 
Bitte des Abtes Gregor Müller von Melk vom December 1697 an 
das Passauer Consistorium zu Wien, bei welchem die beiden Ge- 
meinden Beschwerden gegen ihn erhoben hatten, ist ersichtlich, dass 
erst seit kurzer Zeit Klagen der kroatischen Pfarrkinder vorkamen, 
welche von dem einen oder andern kroatischen Weltpriester, die 
sich gerne eindrängen wollten, aufgewiegelt wurden, wozu auch »die 
Pfleger und andere Bediente« mitzuwirken sich eifrig bemühten. Zuletzt 
drohte der durch »so muth willige und unbillige Klage« schwer be- 
leidigte Abt, den Klägern seinen Ordenspriester wegzunemen und 
nach Lassee zu versetzen, wenn sie nicht seinem Geistlichen eine 
ehrlichere Wohnung, als bisher durch zwölf Jahre geschehen, ver- 
schaffen würden. Schliesslich bat er, die klagenden Gemeinden 
mit ihrem Begehren abzuweisen, ihn bei seinem Rechte zu manu- 
tenieren und ihnen aufzuerlegen, dass sie von einem deutschen Schul- 
meister ihre Blinder in der deutschen Sprache unterweisen lassen 
und dem Pfarrvicar eine bessere und ehrlichere Wohnung geben 
sollten. Der Abt betont, dass weder Kroissenbrunn noch Markt-Hof 
Pfarren, sondern zwei Filialkirchen von Lassee seien, woher die 
Kapläne zu ihren geistlichen Verrichtungen geholt werden mussten; 
ferner dass die Pfarrkinder sich erboten, zu Kroissenbrunn dem 
Geistlichen eine Wohnung zu verschaffen, denselben aus eigenen Un- 
kosten zu erhalten und ihm mit Holz und anderen jährlichen Lei- 
stungen an die Hand zu gehen. Laut der Schriften des Abtes Gregor 
Müller im Stifts-Archive zu Melk 1 ) hatte das Stift Melk im Jahre 1699 
zu Kroissenbrunn noch keinen Pfarrhof und Stadel (zur Einbringung 
des Zehents) und der Getreidezehent war dem Pfarrer zu Lassee 
unentgeltlich, jedoch mit der Verpflichtung überlassen, einen Kaplan 
zu halten und Kroissenbrunn und Markt-Hof mit der Seelsorge zu 
versehen. Ahnliche Klagen, wie die obigen, kamen nun nicht mehr 
vor; Ruhe und Eintracht wurden in den Gemeinden wieder herge- 



Scrin. 4, Fase. 9, Lit. o. 



211 

stellt und der Pfarrer Mathias Biber, der so Vieles lange erduldet 
hatte, wurde 1698 in das Stift zurückberufen, wo er 1705 starb. 1 ) 
Das Landgericht von Hof war nicht sehr stark in Anspruch 
genommen. Während die Gräfin Maria Susanna von St. Julien die 
Herrschaft besass, finden wir wieder Verhandlungen aufgeschrieben, 
von denen einige erwähnenswert sind. Ein Knecht aus Obersulz 
wurde mit Fischen nach Wien geschickt und stahl 498 fl. 34 kr., 
wurde aber auf dem Gebiete der Herrschaft Hof beim Marchurfahr 
gefangen genommen und hatte noch alles Geld bis auf 26 kr. Er 
wurde am 24. November 1688 gegen Bezahlung des »Freygeldes« 
von 72 Pfennigen seiner Herrschaft übergeben. Ein ernsterer Fall 
ereignete sich am 28. December 1689, an welchem Tage eine Magd 
ihr Kind ermordete, indem sie ihm Stroh in den Mund steckte. 
Auf gethanes >SchrifFt: und Nachbarliches Ersuchen« des Pflegers 
und Landgerichtsverwalters Johann Franz Khrehan wurde in Schloss- 
hof am 28. Jänner 1690 ein »Vnpartheyisches Geding ersözet«, um 
>Vrtl und Recht zu erkennen«. 2 ) Das Gericht bestand aus dem 
Vorsitzenden und acht Beisitzern. Die sechste Frage des Verhörs 
lautete: »Ob ihr dieser Kherl (der Vater des Kindes) befreundt 
seyn?« Das war nicht der Fall. Die 17. Frage war: »Ob sie das 
Kindt gleich umbgebracht? — »Ja, habe es aber Anfangs nit 
Willens gehabt, sondern ist ihr so vill in Sünn khommen das Kind 
umbzubringen und ein schwarzes Mändl khommen, solches immer- 
dar gesagt, soll es umbbringen.« Das Gericht fällte folgendes Urteil: 
»Auf Abhör: vnd sattsamber Vernembung die auf heuntigen Rechts 
Tag furgestellte Mtisshandlerin Magdalena Schen-Eckherin zu er- 
melten Kholmitzberg des Landts ob der Ennss gebürtig, begangene 
Müsshandlung und Ermordung Ihrer aigen Leibsfrucht, wie die 
Aussag ausführlicher vermag, Erkhennt und verurtheilt diss ersötzt 
vnpartheyische Gericht veber dise Delinquentin, dass sie mit dem 



*) Keiblinger, Melk II, 2, S. 402—404. Von den kroatischen Namen, 
die damals in den pfarrlichen Büchern vorkommen, existiert in Kroissenbrunn und 
Hof kaum mehr der eine oder der andere. 

* 2 ) Vnpartheyischer Vrtls-Richter Johann Ignaz Khlainhannss, Pfleger der 
Herrschaft Engelhartstetten. Assessores: Thomas Waschlab, Pfleger der Herrschaft 
Eggertsau, Mathias Kar Gössinger, St. Julianischer Agent, Hanns Georg Neumann, 
Mnuth Einnember zu Hoff, Andre Wunderl allda, Mathias Gottlieb Säzl, pälf. Hof- 
wtirth zu Marchegg, Johann Franz Khrehan, Pfleger allda, Mathias Luz, Markt- 
richter in Hoff, Gregor Rosspöckh, Geschworner zu Hoff. — Beim ersten Verhör 
treffen wir auch Philipp Premer und Hanns Helfer, Geschworne zu Hof. 

14* 



* 



212 

Schwerth vom Leben zum Tod hingerichtet werden solle. Dessen 
zu Vrkhundt haben wir dises mit Vnsern gewöhnlichen Förttigungen 
und eigenen Handtun terschrifften bekhrefftiget. Gesch : Schloss Hoff 
an der March, den 28. Januarii 1690.« *) Dabei ist noch an- 
gemerkt: >Den ersten Februar ist die Execution vollzogen worden. « 

Trotzdem die drei Hochgerichte und Galgen in der Herrschaft 
Hof sehr wenig in Anspruch genommen wurden, so waren sie doch 
im Jahre 1691 »alterswegen abgefault und umbgefallen« und 
wurden auf Befehl der Gräfin Maria Susanna von St. Julien, Frau 
der Grafschaften Nieder- Wallsee und Hardegg und der Herrschaften 
Rügerspurg, Hof an der March und Veste Stopfenreut, Frau auf 
Ohling, wieder hergestellt. Dies geschah am 7. November 1691 
zu Markt-Hof, Loymerstorff und Stopfenreut »öffentlich mit Troml 
und Pfeiffen-Spiel« im Beisein des Pflegers und Landgerichtsver- 
walters von Hof, Johann Franz Khrehan, des Marktrichters von 
Hof, Mathias Lutz, des Marktrichters von Stopfenreut, Thomas 
Ekhelhardt, des Richters von Loymerstorff, Hanns Stoickho, und 
der ganzen Gemeinden dieser Orte durch den Oberzöchmeister des 
Zimmerhandwerks von Korneuburg, Hanns Filling. 2 ) 

Als Maria Susanna Gräfin von St. Julien gestorben war, wurde 
die Herrschaft Hof ihren verwaisten Kindern im Jahre 1701 zuge- 
schrieben. Gerhaben dieser Pupillen waren: Jakob Andreas Graf 
Brandis und Casimir Freiherr von Petschonitsch. Die Herrschaft 
Hof war damals im niederösterreichischen Landschafts-Gültbuch ein- 
getragen als eine mit 60 ff. 6 ß 9 & taxierte Herrengülte nebst 31 fl. 
erkaufter Drittelsteuer. 3 ) 

Im Jahre 1703 entstand zwischen dem Abte Berthold von 
Melk und dem Grafen Johann Albrecht von St. Julien ein Streit, 
der sich auf das kirchliche Patronatsrecht über Hof bezog. Ersterer 
liess im September 1703 die Kirche und den Friedhof zu Hof 
wieder herstellen, und der Pfarrvicar von Kroissenbrunn, Constantin 
Bömer, einWestfale, brachte nun das Wappen des Stiftes Melk über 
der Friedhoftüre an. Auf Befehl des Grafen Johann Albrecht 
von St. Julien wurde es zweimal heruntergenommen, da er in Er- 
fahrung gebracht haben mochte, dass frühere Herrschaftsbesitzer 
von Hof das kirchliche Patronatsrecht über die dortige Kirche und 



l ) und 2 ) Archiv in Schlosshof. 

3 ) Niederösterreichisches Landes -Archiv. 



213 

frühere Pfarre besessen hatten. Der Abt reichte wegen des Vor- 
gehens des Grafen am 10. September 1704 eine Gewaltsklage beider 
niederösterreichischen Regierung ein. Es dauerte eine geraume Zeit, 
bis dieser Zwist ein Ende hatte. Gute Freunde vermittelten die 
Sache und es wurde ein Vergleich geschlossen. Der Abt stand von 
seiner Klage gegen den Grafen ab und konnte das Wappen nach 
Belieben wieder aufrichten lassen. Das zweimalige Herabnemen 
des Wappens sollte dem Abte und seinem Kloster an seinem vogt- 
und lehensherrlichen Rechte nicht im Geringsten nachteilig sein. 
Der Graf stellte einen Revers dieses Inhalts zu Wien am 12. December 
1710 aus. Wäre der Streit nicht gütlich beigelegt worden, so hätte 
derselbe bei der Langsamkeit, mit welcher man bei derlei »Gewalts- 
klagen« verhandelte, noch manches Jahr fortgedauert. 1 ) 

Hatte Hof von jeher durch die Einfälle von Osten viel zu 
leiden gehabt, so erreichten doch diese Leiden ihren Höhepunkt zur 
Zeit des Aufstandes Franz II. Rakoczy durch die Ein&lle der 
Kurutzen. Im Jahre 1703 tiel Graf Karoly in Niederösterreich mit 
300 Insurgenten ein, indem er bei Hof über die March ging. Die 
Landstände hatten Sorge getroffen, dass der Feind den Übergang 
nicht unbewacht fand; allein die Bewachung war eine zu schwache. 
Sie bestand teils aus Soldaten, teils aus Bewohnern des Marchfeldes. 
Die Kurutzen behielten die Oberhand im Kampfe und viele Ver- 
teidiger der Landesgrenze fielen oder wurden gefangen nach dem 
Schlosse Karoly's, nach Stampfen, geführt, wo sie ausgeplündert und 
am nächsten Tage entlassen wurden. Die gefangenen Soldaten aber, 
fünfzig an der Zahl 7 wurden mit ihren Officieren Böringer, Posch 
mit Sohn, Baimann, Graf Opperstorff und mit dem Pfleger von 
Schlosshof, Matthäus Leopold Vitsch, als Gefangene nach Tyrnau 
gefiihrt. Vierunddreissig waren in diesem Kampfe gefallen, darunter 
aus Hof drei Männer und ein Weib. 2 ) Sobald die Feinde im Kampfe 

l ) Keiblinger, Melk, II, 2, S. 407—408. 

-) Nämlich: Sebastian Schleifer, Mathias Steinbrecher, Zimmermann, Johann 
Prein, Weinhändler, und Maria, Dienerin bei Mathias Teufel, Fischer. Weiter 
fielen: Bartholomäus Longinus, Verwalter in Engelhartstetten, Sebastian Bainer, 
Melker Richter in Weikendorf, Georg Furtner aus Kroissenbrunn, Johann Poigner 
aus Essling, Johann Georg Gebner aus Witzeisdorf, Philipp Kornfail, Mathias 
Aichinger, Thomas Gracht, alle drei aus Asparn, Jakob Auskowitz aus Kimmer- 
leinsdorf, Nicolaus Bakotz, Leonhard Schuster, Andre Weiss, Georg Scharf, Veit 
Prosch, alle fünf aus Ort, Biasius Türk aus Mannersdorf (beim Beinhaus im Fried- 
hof zu Markt-Hof getödtet), Markus Ballaschek, Johann Miliner, beide aus Breit- 



214 

den Sieg davon getragen, giengen sie daran, ihre Plünderungssucht 
zu befriedigen. In Hof wurden die Barchentüren eingeschlagen; 
es war aber Alles, was einen Wert besass, bereits nach Wien in 
Sicherheit gebracht worden. Die Häuser wurden ausgeplündert und 
dann angezündet, nur die Kirche und sieben anstossende Häuser 
verschonte man. In Schlosshof wurden die unteren Räume des 
Schlosses arg hergenommen. Hundert Rebellen zogen nach Kroissen- 
brunn und plünderten in diesem Dorfe. In der Kirche namen sie 
einen Kelch und eine Kasel, die der Pfarrer gewöhnlich im Ge- 
brauche hatte, alles Andere war schon bei Seite geschafft Der 
Pfarrer selbst, Constantin Boemer, war gerade im Dorfe unten, als 
die Feinde kamen; er rettete sich, eilig flüchtend, durch den See 
nach Lassee. Die Einwohner von Hof waren meist obdachlos und 
wohnten zum grössten Teil in Kroissenbrunn. Das Jahr 1704 
brachte aber nichts Besseres. Am 6. Juli 1704 fielen die Adeligen 
Otskay und Oczcy aus Hochstetten in Österreich ein; ihre Macht 
bestand aus 3000 Rebellen. Bei Zwerndorf wurden 100 Schnitter, 
13 Bauern, 2 Knechte und 2 Soldaten getödtet und alles Vieh aus 
Baumgarten, Breitensee, Zwerndorf, Oberweiden, Stripfing und Tales- 
brunn wurde weggenommen; in Zwerndorf flohen die Leute in die 
Kirche und wurden drinnen umgebracht. Am 25. November 1704 
wurden in Schlosshof Simon Mairer, Zimmermann, und Leopold 
Janik, Gerichtsdiener, von den Rebellen erschlagen. 1 ) An jenem 
Tage plünderten dieselben Rebellen aufs neue Kroissenbrunn, Nieder- 
weiden und Schlosshof, das nun ganz und gar mit Feuer verwüstet 
wurde, nachdem es schon viermal ausgeplündert worden war. Am 
19. März 1706 zogen wieder Otskay und Toroczy mit grossen 
Schaaren über die March und suchten Lassee 2 ), Breitensee und 



stetten, Christian List aus Lassee, Johann Krippel, Melchior Rossinus, Josef 
Hnak aus Weikendorf, Mathias Schiesser, Laurenz Zimmermann und Anton Kiss- 
linger, beide aus Stammersdorf, Stephan Zimmermann aus Kagran (im Friedhof 
getödtet), Andreas Stifftinger, L aurenz Kögl, Christian Anger, alle drei aus Andels- 
storff, Jakob Holzer, Gerichtsdiener in Schlosshof, und Martin Gottfried Miller, 
Ofticier. (Pfarrgedenkö uch von Kroissenbrunn. Markt-Hof wird in dem gleich- 
zeitigen Berichte über die Kurutzeneinfälle >oppidumc genannt.) Auch Ver- 
wundete gab es genug. Matthäus Schwammel starb an seinen Wunden und wurde 
in Hof begraben. 

') Der Bericht sagt: »sed potius martyres facti sunt.« 

2 ) Die traurigen Schicksale von Lassee und seiner Umgebung zu jener Zeit 
erzählt J. F. Keiblinger, Melk, II. 2, S. 368—369. 



215 

nochmals Kroissenbrunn und Hof schrecklich heim; Viele wurden 
gefangen oder getödtet. Die Bewohner von Hof waren von 1705, 
jene von Kroissenbrunn von 1706 bis zum Jahre 1709 ihrer 
Heimat fern und lebten zerstreut teils in den Donauauen, teils 
in den benachbarten Orten, wo man sie in den pfarrlichen Büchern 
von Hainburg, Lassee, Marchegg, Theben, Engelhartstetten und 
Eckartsau findet. 1 ) 

Die Regierung war auf die Einfalle der Kurutzen vorbereitet, 
hatte aber nicht genügende Massregeln getroffen, dieselben zu verhüten. 
Wie der »Mercurius Viennensis« schreibt, zog Graf Otto von Traun am 
10. December 1703 an die March und beabsichtigte besonders, »der 
Arten Linien ziehen zu lassen und solche Veranstaltungen an denen 
ungarischen Granitzen zu verordnen, damit auf allen Fällen das 
Land wider etwan tretirende (!) Anfälle des rebellischen Raubergesindel 
verwahret und durch den in Eile aufgebotenen Landmann herzhaften 
Widerstand antreffen sollten, welches der Zeit, wegen eingetroffener 
Verwirrung, interim resolvirt.« Die aufgeworfenen Schanzen mochten 
recht schwach gewesen sein, denn sie hielten weder im Jahre 1703 
noch in den folgenden Jahren die Kurutzen davon ab, nach Belieben 
Einfälle nach Niederösterreich zu machen, trotzdem noch im April 
des Jahres 1707 an den Schanzen an der March und auch in der 
Gegend von Brück an der Leitha mit aller Anstrengung fortgearbeitet 
wurde. Im Mai 1707 wurde der General-Feldmarschall-Lieutenant 
Graf von Löwenburg zur Sicherung und Verteidigung der March- 
ufer abgesandt. Überreste dieser Schanzen sind noch heutzutage 
am rechten Marchufer bei Markt-Hof zu sehen. Scheiger hat diese 
schon bei Zwerndorf beginnende Schanze ausführlich beschrieben. 2 ) 

') So treffen wir z. B. im Sterbebuche der Pfarre Hainburg (lit. C. 1700 bis 
1715): Am 9. Januar 1704 des Schafmeisters Kind; den 21. October 1705 des 
Mathias Teufel von Hof sein Sohn; den 9. Februar 1706 des Mathias Jurien sein 
Eheweib, gestorben in der Au zu Hainburg; den 16. Juni 1706 Markus, Sohn 
des Sebastian Prenner von Hof, gestorben in der Au; den 11. September 1706 
Margaret, des Michael Windisch Weib ; den 9. October 1706 des Christoph Prenner; 
den 23. October 1706 Elisabet, Weib des Mathias Realer von Kroissenbrunn, 
gestorben in der Au; den 6. Februar 1707 Oeorg Waranitsch, Mitnachbar von 
Hof; den 6. März 1707 Kind des Veit Köhler; den 12. April 1707 Kind des Veit 
Gabler; den 8. Juli 1707 Agnes, des Thomas Eisler Weib von Hof; den 
27. August 1707 Stephan Schabschitz, Mitnachbar von Hof; den 20. October 1707 
Anna, des Thomas Eisler Tochter von Hof. 

-) > Andeutungen zu einigen Ausflügen im Viertel unter dem Wiener Walde 
und seinen nächsten Umgebungen,« S. 72 — 73. »Schon oberhalb Zwerndorf, nahe 



216 

Heute dient sie als Schutzdamm gegen die Fluten der March, ohne 
jedoch viel zu nützen, da die Hochwässer gewöhnlich durch die 
Mündung des Stempfeibaches nach Markt-Hof hineindringen. Be- 
merkenswert ist noch, dass diese Schanze gerade dort ihre grösste 
Stärke hatte, wo ehemals das Urfahr über die March bei Hof sich 
befand. Ohne Zweifel hat auch damals der Barchturm von Markt- 
Hof, dessen Mauern eine Dicke von iy 2 , ja an einer Seite sogar 
von 2Y 2 Metern haben, zur Verteidigung gegen die Kurutzen bei- 
getragen, was um so sicherer geschlossen werden kann, weil bei 
Einigen der im Kampfe im Jahre 1703 am 24. December Gefallenen 
ausdrücklich bemerkt wird, sie seien auf dem Friedhofe gefallen, 
auf dem eben dieser massiv gebaute Turm steht. 

Kaum waren diese schlimmen Zeiten vorüber, so drohte die 
Pest. Wie es vorgeschrieben war, hielt der Pfarrer von Kroissen- 
brunn, Gregor Fux, am 10. August 1710 eine Busspredigt wegen 
der nahenden Pest. Durch drei Tage musste bei Wasser und Brot 
gefastet werden, es durfte gar kein Feuer auf einem Herde gemacht 
werden und der Wirt durfte ohne Erlaubnis weder Speise noch Getränk 
verabreichen. 1 ) An der Grenze waren strenge Massregeln getroffen 
worden, um die Einschleppung der Seuche zu verhindern. Die sich 
dagegen verfehlten, verfielen der Strafe. So wurden vom Land- 
gerichte Hof am 18. Januar 1713 drei Männer deswegen verurteilt; 
der eine war ein Weber aus Allendorf in Schwaben, zwei andere 



am Schlachtfelde von Stillfried, erhebt sich ein langes Wall- und Grabenstück mit 
einigen Flechen und Redouten, anfangs ziemlich wohl erhalten, aber weiter hinab 
gegen Marcheck in den feuchten Wiesen und Auen verflacht und endlich ganz 
verschwindend. An den Ringmauern von Marcheck erhebt sich die Schanze wieder, 
von einer Fleche und einer Redoute bestrichen, und geht bis zur March, wo sie 
dem Pfluge und Überschwemmungen wich. Vor der Brücke von Schlosshof er- 
scheint sie neuerdings hart am Ufer und ersichtlich sorgfältig durch eine ganze 
Reihe von Redouten verstärkt, aber bald wieder vor Theben aufhörend. Von 
hier bis Stopfenreut hat entweder die March oder Donau ihre Fortsetzung ver- 
wüstet oder des Landmanns Pflug und der üppige Anwuchs sie zerstört, oder sie 
wurde an dieser Stelle durch Verhaue ersetzt Gegenüber von Stopfenreut, unfern 
der sogenannten Türkenschanze, beginnt sie wieder, nun ferner ununterbrochen in 
einer ziemlich geraden Linie über Rohrau und Parndorf bis zum Neusiedler See 
fortlaufend, immer mit eingetheilten Flechen, Redouten und einer Sternschanze. 
Die Länge von Petronell allein beträgt schon zehnthalbtausend Klafter, c Die 
Schanze wird auch erwähnt bei Feil, »Über die Kuruzzen und ihre ersten Einfalle 
in N.-Ö.«, in Schinidls >Oest. Blättern für Lit. und Kunst«, 1845, Nr. 75 u. 76. 
1 ) Pfarrgedenkbuch von Kroissenbrunn. 



217 

waren aus der Gegend von Villingen im Schwarzwald. Alle drei 
waren in Neudorf in Ungarn gewesen, zogen aber über die March, 
da sie nichts zu leben hatten. Wegen Übertretung des Contagions- 
patentes wurde jeder zu »acht Tage Eisen und Schellen Buessc 
verurteilt; dann wurden sie drei Tage geschlossen und zweimal 
Andern »zum Abscheu und Exempel vorgestellet«. Hernach wurden 
sie nach Ungarn zurückgeschickt Auch Oratio Turi, Hofmeister 
beim Grafen Kollonitsch, tibertrat 1713 das Contagionspatent, wofür 
er durch vier Wochen in Arrest und Contumaz behalten wurde. 1 ) 
Es sei gleich eine andere Amtshandlung des Landgerichtes erwähnt, 
die im Jahre 1718 stattfand, als Johann Jakob Fux Landgerichts- 
verwalter war. Die Haringseer wallfahrteten jährlich »am St. Marx 
Tag« nach Engelhartstetten. St. Markus ist Barchenpatron von dieser 
Kirche. An diesem Festtage gab es oft Händel in Engelhartstetten. 
Die Haringseer wurden beauftragt, diese zu unterlassen, »auch hatte 
sie ihr Herr Pfarrer ermahnt, sie sollten nicht etwann Pallasch, 
Säbel oder Schwanzarhacken zum Schlagen und Raufen sondern 
statt dessen Rosenkranz zum Beten nehmen, welches auch also be- 
sehenen, dass kein einziger Haringseer Waffen bey sich gehabt.« 
Die Loimersdorfer hatten aber dennoch Waffen bei sich und be- 
gannen auch zu raufen. Mit einer Hacke wurde einem Haringseer 
ein Arm fast ganz weggehackt. Am 27. Mai 1718 forderte nun 
die Witwe Gräfin Katharina Barbara von Herberstein für ihre Unter- 
thanen in Haringsee eine Entschädigung. Im Juni 1718 fällte das 
Landgericht zu Hof das Urteil: Zwei Loimersdorfer wurden als 
»der Händl Vrheber« jeder zu 1 fl. 30 kr., sechs andere zu je 
36 kr. Strafe verurteilt. Jeder musste überdies durch acht Tage 
öffentlich Eisenbusse thun und Herrschaftsarbeiten verrichten. 2 ) 

Von einer früheren Pest ist im Pfarrgedenkbuch von Kroissen- 
brunn angemerkt, dass in dieser Pfarre im Jahre 1656 die Pest 
herrschte, der aber nur einige Personen zum Opfer fielen. 

Nach den Einfällen der Kurutzen sah es in Hof und Kroissen- 
brunn traurig genug aus. So hatten weder die eine noch die 

*) Schlosshofer Archiv. Verwalter war damals Philipp Riedl, an den am 
13. Februar 1715 der Pfleger von Theben schrieb, dass er seines > Herrn Palla- 
tinische Unterthanen mit so spöttlichen Worten tractiret, dass es sich auf einen 
Officianten schier nicht ziemt, allermassen Ihro Excellenz solch in Farne Leuth in 
der Herrschaft keineswegs dulden würden c. Es handelte sich um das Fischen »am 
Marchorth« (beim Zusammenflusse der Donau und March). 

*) Schlosshofer Archiv. 



218 

andere Kirche in beiden Orten einen Ornat oder Glocken, da sogar 
letztere im Kurutzenrummel gestohlen worden waren. Die Kroissen- 
brunner Kirche erhielt durch Wohlthäter im Jahre 1713, am 24. Juni, 
wieder zwei Glocken, die eine mit dem Namen St Aegydius, welche 
295 Pfund wog, die zweite mit dem Namen St. Leonhard, welche 
100 Pfund schwer war. 1 ) 

Für den Wohlstand der Bewohner wurden in den folgenden 
Jahren Schritte gethan, um ihn zu heben. In den Jahren 1714, 
1718 und 1719 wurden auf dem Hofer Berge »viele Achtl« Wein- 
gärten angelegt und für dieselben acht Freijahre bewilligt. Im 
Jahre 1718 wurde für den Schlossbesitzer ein Laubengang durch 
die Weingärten hergestellt, wofür den Besitzern ein Zehen tnachlass 
bewilligt wurde. Diese Weingärten befanden sich an der Südseite 
des Schlosses, wo heute der sogenannte Fasangarten beim Schlosse 
sich ausdehnt. Nur nahe beim Schlosse, mit dem Garten desselben 
in Verbindung, befindet sich jetzt noch ein Stück Weingarten, der 
mit den edelsten Rebsorten bepflanzt ist. Diese Weingärten waren 
aber in jenem Winkel des Marchfeldes nicht die ersten, denn solche 
gab es dort schon im XVII. Jahrhunderte. Als nämlich Abt Edmund 
von Melk im Jahre 1677 dem Grafen Adam Max von St. Julien 
von und zu Wallsee den schweren und geringen Drittelzehent der 
Pfarre Kroissenbrunn in Markt-Hof überliess, zahlte dieser dafür 
240 fl. und gab ausserdem acht Eimer Wein und acht Fuhren 
Rittstroh. 2 ) Im Jahre 1719 wurde ein grosses Stück Haide gerissen, 
woraus 32 Acker, jeder eine halbe Joch stark, gebildet wurden, auf 
denen man Hirse anbaute. Diese Äcker wurden im folgenden Jahre 
mit Weizen bebaut, der sehr schön darauf stand; sie genossen 
fünf Freijahre. Es wurden aber auch manchmal Anforderungen 
gestellt, die unbillig waren. So verlangte der kaiserliche Jäger zu 
Ort, Johann Ebenländer, am 3. October 1715 von den Richtern von 
Eckartsau, Witzeisdorf, Stopfenreut und Hof, dass sie jeder die Hälfte 
ihrer Leute am 7. October in sein Quartier schicken sollten, um 
»Aichl zu glauben«. Jeder sollte sich auf drei Tage mit Brod ver- 
sehen. Der Verwalter von Hof liess seine Leute nicht gehen, sondern 
kündigte dem Jäger an, dass er ihn durch den Grafen St. Julien 



l ) Kroissenbrunner Pfarrgedenkbuch. 

-) Kroissenbrunner Pfarrgedenkbuch. In dieser Gegend sind heute nur mehr 
bei Breitensee Weingärten, die nach Lassee gehören. Auffallend ist das ungemein 
häufige Vorkommen von wilden Weinreben in der Hofer Au an der March. 



219 

beim Oberst-Jägermeister werde verklagen lassen, da seine Leute 
schon bei der Jagd verwendet worden waren, obwol damals gerade 
die Anbauzeit war. 1 ) 

Ein grosses Übel war die Unsicherheit des Landes, das von 
einer grossen Anzahl von Vagabunden und schlimmen Gesellen 
heimgesucht war und geplagt wurde. Es wurde daher für den 
22. October 1721 eine »Verfolgung und Ausrottung .... als auf 
dem Land sich mehrenden Diebs- Räubers- und anderen gemein- 
schädlichen Gesindels« angeordnet. Diese Generalvisitation sollte 
von den Grenzen ausgehen, um die Bösewichte desto sicherer zu 
fangen. Es wurden dazu 1063 Mann Cavallerie mit 29 Officieren 
und 315 Mann Infanterie mit 80 Officieren aufgeboten. 338 Ge- 
meinden sollten jede mindestens fünf wehrhafte Männer stellen, was 
wieder 1690 Mann ausmachte. Alle Landgerichte und Herrschafts- 
beamten wurden von dem Vorhaben unterrichtet. Durch vier Tage 
hindurch wurden alle Privilegien suspendiert. Den Herrschaften 
wurde nachgesagt, dass sie oftmals Strolche laufen Hessen, besonders 
Zigeuner und abgedankte Soldaten. Die Soldaten waren von einem 
Beichtvater und einem Freimann begleitet, um besonders gefährliche 
Individuen sogleich hinrichten zu lassen. Markt-Hof, als an der Grenze 
gelegen, war eine Station für den Ausgang der Visitation. Es stand 
hier ein Wachtmeister mit 20 Mann zu Pferd, der gegen Marchegg zu 
patrouillieren, dann ein Wachtmeister mit 20 Mann zu Fuss vom Regi- 
mente PalfFy. Von Eckartsau patrouillierte ein Corporal mit 13 Mann 
über Witzeisdorf und Stopfenreut gegen Markt-Hof. Der Erfolg 
dieser Action war ein geringer. 2 ) 

So weit die Quellen Aufschluss geben, begegnen wir am Ende 
des XVII. Jahrhunderts einer Schule in Markt-Hof. In Lassee 
wird aber ein Schullehrer schon im Jahre 1544 erwähnt, die Schule 
bestand jedoch noch früher. Zur Zeit der Reformation befand 
sich in Hof keine eigene Schule und auch ein Schulhaus fehlte noch 
lange Zeit. Die Kinder wurden, wie in der Gemeinde Kroissenbrunn, 
im Wirtshause unterrichtet. Diese Gemeinde wurde daher von 
der niederösterreichischen Regierung und vom Passauer Consistorium 
in Wien im Jahre 1696 beauftragt, ein Schulhaus zu bauen und 
einen rechten Schullehrer anzustellen. Wie es unter solchen Um- 



') Archiv in Schlosshof. 

2 ) >Sicherheit8zustand in N.-Ö. i. J. 1721,« von V. Reuterer, in den 
> Blättern des Vereins für Landeskunde von N.-Ö.«, VII, S. 214. 



220 

ständen mit dem Schulunterrichte bestellt war, lässt uns ein Bericht 
des Pfarrvicars Mathias Biber an das Consistorium vom 28. Januar 
1698 ganz deutlich erkennen. Es heisst darin unter Anderem, er 
habe demselben schon vor zwei Jahren etliche im Wirtshause zu 
Kroissenbrunn und zu Hof vorgefallene Excesse angezeigt; »unan- 
gesehen diesem allen haben zwar die Kroissenbrunner ein einziges 
Jahr die Jugend in einem besonderen Haus durch einen abgerichten 
Schulmeister lassen instruiren, auch destwegen gueten Nutzen sowohl 
in christlicher als in anderer Belehrung geschafft.« Weil sich aber 
der Leitgeb, der Pächter des Gemeindewirtshauses, beklagte, dass 
er sich nicht erhalten könne, »es müsste denn der Schuldienst und 
die Stola auch dazu contribuiren, so ist mir der unschuldige Schul- 
meister sine mora abgedankt, die Bezahlung in das Künftige zu 
geben abgeschlagen und ein Leinweber, der auch etliche Jahr aus 
Noth einen Drescher abgeben, ohne einzige meine Approbation von 
ihnen zu einem Schulmeister und zugleich Leitgeben auf- und an- 
genommen, gestellt und die Jugend auf ein Neues in das Wirths- 
haus zu introduciren, instruiren, völliger Gewalt ertheilt worden, so 
bis dato leider geschieht.« Auf die Protestation des Pfarrers wegen 
der Untauglichkeit dieses Webers zum Schul- und Messnerdienste 
habe der Richter erwidert: »Welchen Er und die Gemein auf- und 
annehmen, der muss es sein; keinem Andern sie einen Lohn er- 
theilen.« Und obschon 1696 den 24. Januar von ihrer Herrschaft 
ein Schulhaus zu bauen anbefohlen worden, wollen sie diesem keines- 
wegs nachkommen, es sei denn, dass es auch Andere thun werden. 
Deswegen habe gleich hernach gedachter Richter allen seinen Unter- 
gebenen bei höchster Strafe verboten, dass, weil sie mit ihm leben 
und sterben müssen, sich nur im Geringsten einer unterstehen 
sollte, in dem Gotteshause bei einem Hochamte oder bei einer 
heiligen Messe zu singen und sich gebrauchen zu lassen, es sei 
denn, dass derjenige, welchen er bestelle, Gewalt und Erlaubnis 
habe. Wie es die Kroissenbrunner machten, so machte es auch 
der Verwalter von Schlosshof im Markte Hof, wo dieser auch seinen 
Leutgeb, den Wirt auf der herrschaftlichen Tafern e, zum Schul- 
lehrer mit Gewalt einsetzte. 1 ) Die Namen der damaligen Schul- 
lehrer, oder vielmehr Wirte, sind nicht bekannt. Im Jahre 1717 
war kein Schullehrer in Hof. Im folgenden Jahre kam aber als 



') Archiv im Melkerhofe zu Wien, Scrin. 45, Fascic. 5. 



221 

solcher Andreas Fux, ein Bruder des damaligen Verwalters von 
Schlosshof, Johann Jakob Fux (1717—1724), nach Hof. Ihm folgte 
Spihler aus Hainburg, welcher fünf Jahre hier wirkte und hier auch starb. 
Dessen Nachfolger waren Rausch, Josef Hartmann und im Jahre 
1748 Leopold Geraus. Die Anstellung eines Schullehrers hatte 
Zwistigkeiten zwischen der Pfarre Kroissenbrunn und der Gemeinde 
Markt-Hof zur Folge, die am 8. Mai 1749 in Markt-Hof durch 
einen Vergleich geschlichtet wurden, demgemäss künftig nur »mit 
gleichem Einverständnis, Wissen und Willen« der Pfarre und Ge- 
meinde ein Schullehrer sollte angestellt, oder wie man damals sich 
ausdrückte, sollte aufgenommen werden. Man gab ihm den Titel 
eines »Präceptors oder Unterrichters«. 1 ) Die Drohung des Pfarr- 
vicars von Kroissenbrunn, dass er den Schullehrer von Markt-Hof, 
wenn dieser ohne sein Wissen oder gegen seinen Willen angestellt 
würde, nur als »Praeceptor und Marktschreiber« gelten lassen 
würde, dass aber die Einkünfte von den Gottesdiensten und die 
Stola in Hof auch der Kroissenbrunner Schullehrer beziehen sollte, 
wurde in Folge des schon erwähnten Vergleiches nicht ausgeführt. 
Seit dem Jahre 1731 waren auch die Schullehrer von Hof zugleich 
wieder Wirte (»ob paupertatem communitatis«). 

Der Verwalter Johann Jakob Fux war sehr schreibselig und, 
wie es scheint, auch streitsüchtig, denn während seiner Amtszeit 
gab es mit mehreren Nachbarn Streit. Der Grund zu dem einen 
Zwiste wurde schon im Jahre 1701 gelegt. Damals kaufte die Ge- 
meinde Hof vom Besitzer von Marchegg und Theben, dem Grafen 



') Kroissenbrunner Pfarrgedenkbuch, wo auch an verschiedenen Stellen 
das Schicksal der Schule in Kroissenbrunn erzählt wird. Dieser Gemeinde wurde 
im Jahre 1738 zugestanden, den Schullehrer wieder zugleich als Wirt zu bestellen, 
aber mit dem Vorbehalt, dass er die Kinder nicht im Wirtshaus, » sondern in 
einem nächst dem Wirtshaus befindlichen Stübel« unterweisen sollte. Im Jahre 
1760 resignierte Johann Georg Fischer als Wirt und Schullehrer und machte sich 
in Pressburg haussässig. Er war 20 Jahre in Kroissenbrunn gewesen. Zu Lau- 
ren tii hat dann Johann Beyerle aus Lassee > seine Prob im Singen und Orgel- 
schlagen zu allgemeiner Vergnügtheit gemachte. Er war auch Wirt; resignierte 
aber am 8. October 1764 »aus Ursach, weil er bey so schlechten Zeiten den 
Weinschank ohne selbsteigenen Schaden nicht länger behalten könnet. Er hatte 
auch »nicht in der öffentlichen Gaststuben, sondern im nebenanliegenden Stübel« 
unterrichtet. Sein Nachfolger, Martin Reichmann (1766), nam das Wirtshaus 
gar nicht, um keinen Schaden zu haben. Im Jahre 1787 wurde eine eigene 
Schule gebaut 



222 

Nicolaus Palffy von Erdüdy, geheimen Rathe, Ritter des goldenen 
Vliesses, GeneralfeldmarschalJ, Oberst eines Regiments zu Fuss und 
Palatin, 29 x / 2 Joch Haide beim Wormbichel oder Kroissenberg, um 
daraus Acker zu machen. Der Graf St. Julien bezahlte, da die 
Gemeinde kein Geld hatte, 442 fl. 30 kr. Graf Palffv Wollte den 
Kauf rückgängig machen. In Hof war bisher der Wein ohne die 
Verzehrungssteuer, »das Ungeld,« ausgeschänkt worden, auch das 
sollte aufhören. Der Verwalter Fux beanspruchte auch die neue An- 
schürt in der March, das sogenannte neue Gräzl. Besonders eifrig 
wurden die daraus entstehenden Processe von ihm in den Jahren 1717 
bis 1722 geführt, bis zu Wien am 27. November 1723 zwischen 
Graf Nicolaus Palffy und Johann Albrecht Herrn von St. Julien, 
Graf zu Wallsee, kaiserlichen Kämmerer und Obersthoffalkenmeister, 
ein Vergleich zu Stande kam, wonach letzterer für das Dominium 
der neuerworbenen Acker jährlich vier Ducaten zahlte, die neue 
Anschütt an der Marchmündung behielt, für den Wein das gewöhn- 
liche Ungeld zahlte, wovon nur vier Eimer bei Gelegenheit des » Wirths-, 
Schmids- und Halters-Einstand« frei sein sollten. Sonst blieben die 
Grenzen wie beim Gienger'schen Vergleich. Das waren also alte 
Streitigkeiten. Auch zwischen Graf Max von St. Julien, dem kaiser- 
lichen Oberstfalkenmeister, und dem Grafen Johann von Palffy be- 
stand ein Zwist über die Maut in Hof und Kroissenbrunn, der auch 
mit einem Vergleich endete, den Caspar von Ampringen als Guber- 
nator Ungarns, zu Pressburg, am 15. Juli 1675 fertigte. »Schle- 
sische Wägen« durften nun bei Theben über die March hinüber 
und herüber, mussten aber den Weg über Hof nach Kroissenbrunn 
einschlagen, wo Palffy eine Maut hatte; alle sonstigen Wege waren 
ihnen verboten. 

Auch mit der Herrschaft Engel hartstetten begann im Jahre 1718 
der Unfrieden, der sich durch Jahre hindurch fortzog. »Nach 
siebenjähriger vergeblicher Geduld« reichte die Besitzerin von Engel- 
hartstetten, Gräfin Maria Josefa, die Witwe des Ernst Rüdiger 
Grafen Starhemberg, l ) eine 16 Folioseiten lange Klageschrift gegen den 



') Ernst Rüdiger Graf Stahremberg hatte sich in zweiter Ehe im Jahre 1688 
mit der Tochter des Grafen Johann Quintin Jörger, Maria Josefa, vermählt. Er 
hinterliess keine männlichen Nachkommen, da seine beiden Söhne vor ihm starben, 
n. z. im Kampfe gegen die Türken. Ernst Rüdiger starb am 4. Juni 1701 an 
der Wassersucht zu Wesendorf (auf der Wieden) und wurde in der Schottenkirche 
zu Wien begraben. 



223 

Besitzer von Schlosshof, Johann Albrecht Grafen von St. Julien- Wallsee, 
im Jahre 1724 ein. Sie behauptete darin, dass das Fischereirecht benützt 
würde, um ihr eine neue Insel wegzunemen; eine SchifFmtihle und eine 
Waidzille habe man ihr zerhackt, Weiden und Gesträuche um- 
gehackt und weggeführt; die Marchpflöcke seien ausgerissen und 
ihren Leuten Fische und Hacken weggenommen worden. Alle 
Commissionen seien umsonst, 18 Vorladungen vergeblich gewesen. 
Mit 200 Beamten, Jägern u. s. w. habe Verwalter Fux den Platz, 
den sie ausmessen lassen wollte, besetzt, was ihr dadurch verwehrt 
wurde. Fux habe auch den Profossen mit Drohworten abgewiesen. 
Das Alles war mit einem Wüste von Beilagen nachgewiesen. Nun 
wurden Johann Ferdinand Graf Pergen und Ferdinand Heinrich 
Freiherr von Riesenfels abgesandt, um sich durch den Augenschein 
von der Richtigkeit der Klage zu überzeugen und dann einen Ver- 
gleich zwischen den streitenden Parteien anzubahnen. 1000 Ducaten 
Pönfall waren der Partei zu zahlen angedroht, welche zur Verhandlung 
nicht erscheinen würde. Diese Streitigkeiten wurden aber erst völlig 
durch den Prinzen Eugen von Savoyen erstickt. Für einen anderen 
Streit hatte ebenfalls Verwalter Fux durch seine Abmessungen den 
Samen gesät Es handelte sich in diesem Falle um die Sonnenlackenau. 
Ab Kläger trat Franz Anton Graf von Lamberg, der Vormund des 
Grafen Traun, des Besitzers der Herrschaft Petronell, gegen die 
Herrschaft Schlosshof auf, welche beschuldigt wurde, Gras, Rohr 
und zwei Zillen von fremdem Grund und Boden weggenommen 
zu haben. Am 10. November 1747 war eine Tagsatzung mit An- 
drohung von 6 Reichsthalern Pönfall angesetzt. Auch dieser Streit 
wurde durch einen Vergleich aus der Welt geschafft. 1 ) 

IV. 

Schon unter dem Grafen Johann Albrecht von St. Julien- 
Wallsee, wenn nicht gar schon unter dessen Vater Max, bestand in 
Schlosshof eine Kapelle, die Graf Johann Albrecht consecrieren 
Hess. Er hatte dafür vom Bischöfe zu Passau »eine gute Ver- 
tröstung« erhalten und wandte sich nun an dessen Consistorium in 



] ) Das Archiv in Schlosshof birgt eine Unmasse von Acten, die auf diese 
Streitigkeiten sich beziehen. Wertvoller sind eine grosse Menge von detaillierten 
Aufnamen einzelner strittiger Teile der Herrschaft, die gleichfalls noch vorhanden 
sind. Über den letzterwähnten Process findet sich eine eigene »Specification« der 
darauf bezüglichen, zahlreichen Schriftstücke. 



224 

Wien, damit Alles geordnet werde, »so noch von ihm vor der an- 
hoffenden Consecration observirt werden soll«. Prinz Eugen von 
Savoyen kaufte im Jahre 1725 die Herrschaft Hof an der March; 1 ) 
und wie er Alles auf derselben verbesserte und verschönerte, so 
gestaltete er auch die Kapelle, die in der südöstlichen Ecke des 
Schlosses sich befindet, zu dem jetzt noch erhaltenen Prachtraum 
um. Die Kuppel derselben reicht bis in das zweite Stockwerk hinauf 
und ist mit Frescomalerei bedeckt, welche die Verherrlichung der 
heiligsten Dreifaltigkeit darstellt, in den vier Ecken enthält sie die 
Leidenswerkzeuge, auf Goldgrund gemalt. Die Wände sind mit 
künstlichem Marmor bedeckt, Der Hochaltar aus Marmor wird 
durch ein kolossales Bild geschmückt, das die Kreuzabname Christi 
darstellt und eine Copie nach Rubens ist, deren Original Eugen im 
Belvedere besass. Dieser Titel der Kapelle wurde wol mit Bezug auf 
das Wappen Eugens, das savoyische Kreuz, gewählt. Die vier alten 
Kirchenstühle sind Muster ihrer Art im Barokstil. 2 ) Auch die zwei 
Oratorien auf der West- und Nordseite sind sehenswert, da ihre Wände 
mit äusserst zart ausgeführten Reliefs geziert sind, welche die gött- 
lichen und die vier Cardinal-Tugenden darstellen, nicht aber Scenen 
aus dem Leben der Mutter Gottes, wie Schweickhardt behauptet 3 ) Den 
einen Plafond schmücken in Stucco die Insignien der bischöflichen und 
priesterlichen Würde, den andern aber Instrumente, von Engelchen ge- 
halten, wie sie zierlicher nicht bald wieder gefunden werden. Nicht 
zu übersehen ist auch die Sakristei mit ihrem schönen Plafond und 
ihren noch schöneren Einrichtungsstücken, wovon das schönste wol der 
Paramentenkasten ist Auch ein Lavabokästchen mit kupfergetriebenem 
Kessel erregt die Aufmerksamkeit der Kenner. Einige Copien von 
Heiligenbildern an den Wänden sind aber ohne Wert. Obwol 
von den Paramenten und von den kirchlichen Gelassen nicht mehr 
alles vorhanden ist, was einst da war, so sind doch noch manche 
wertvolle Messgewänder zu sehen, und manches Stück steht heute noch 
in Verwendung, das mit den Initialen Maria Theresias gezeichnet 
ist. Auch aus Eugens Zeit hat sich Einiges erhalten, so z. B. ein 



J ) N.-ö. Gültenbuch. 

2 ) Noch viele andere Muster dieses Stiles sind in Schlosshof zu treffen. 
Einiges erschien davon in Abbildungen im Werke: »Barok« von Emil Pressler 
und A. Bau mann, Wien, Schroll, auch in »Architekturbilder aus dem k. k. Schlosse 
Hof«, Selbstverlag von Wlha, 4°, 3 Bde. zu je 25 Photographien. 

3 V.U.M.B. 7. Bd., S. 5. 



225 

Messbuch, das mit seinem Wappen geziert ist. So ist denn die 
Ausstattung dieser Kapelle eine wahrhaft fürstliche und Prinz Eugen 
hatte auch viel Geld und Zeit darauf verwendet. In den Jahren 1725 
bis 1730 wurde dieses Kunstwerk hergestellt. Damals herrschte in 
Schlosshof ein ungemein reges Treiben, denn so lange der Prinz 
Besitzer von Schlosshof war, wurde stets gebaut. Wie lebhaft es 
damals hier zugieng, erfahren wir auch aus dem Schreiben des 
Verwalters Sebastian Fux, womit dieser beim Passauer Consi- 
8torium um die Erneuerung der Messlicenz einschritt, da die früher 
gegebene mit dem Wechsel des Besitzes erloschen war: »Ewer 
Hochwürden und Gn: habe ich gehörst vortragen wollen, dass Se. 
Durchlaucht Prinz Eugen von Savoyen zur grösseren Ehre Gottes 
in dem Schlosse Hof eine sehr schöne und mit kostbarer Arbeit 
gezierte Capellen erbaut, welche auch mit nächsten sollte geweiht 
werden, unter welcher Zeit aber wegen nicht überkommener Licenz 
von keinem Priester allda das hl. Messopfer celebrirt und ein ganzes 
Jahr hindurch von keinem Unterthan die hl. Messe an Werktagen 
gehört werde, als Herr Pfarrer zu Kroissenbrunn wohnhaft, welcher 
sowohl von Schlosshof als dem Markt, der auch von Schlosshof sehr weit 
entlegen ist, und also den Gottesdienst nicht also abwarten können, 
da doch viele Personen in dem Schlössen wohnen und über 800 Per- 
sonen von Handwerksleuth und Taglöhnern anwesend seynd, die 
gleichfalls in gnädiger Licenz Uberkommung unter ihrer Brot- und 
Feyerstunde in sothaner Kapellen in den Werktagen das hl. Mess- 
opfer anhören und viele tausend Vater Unser mit grösserer Andacht 
beten könnten, welche Ew: Hochw: und Gn: anzuzeigen mich S: 
Durchl: wirklich beordret und die Anwerbung dero gnädigen Licenz 
mir aufgetragen. Indem unser Herr Pfarrer selbsten in der Wochen ein 
und das anderemal allda celebrirte und sowohl von vielen Klostergeist- 
lichen, welche sich in der Collectur befinden als anderer ankom- 
mender Weltpriester viele hl. Messen gelesen wurden, als ohnedem 
sich in sothaner Kapellen das Portatile wirklich befindet, als gelanget 
an Ew: Hochw: und Gn: mein gehorstes Anlangen und Bitten, 
Selbe geruhen wegen Ertheilung der Licenz, dass nur an den Werk- 
tagen das hl. Messopfer von einem autorisirten Geistlichen in der 
Kapellen des Schloss-Hof könnte celebrirt werden, die gnädige Ver- 
ordnung ergehen zu lassen, vor welch grosse Gnade ich mich 
empfehle. Sebastian Fux, Prinz Eugenischer Verwalter zu Schloss- 
hof.« Ohne Datum, beim Consistorium präsentiert am 31. März 

BUUter de* Vereinet für Landeskunde von Niederdtterreich. 1889. 15 



226 

1730. ^ Am 26. April 1730 erfolgte der Bescheid: >Ein Ven. Cons. 
will über den von dem Pfarr-Vicario an heut eingereichten Bericht 
verwilliget haben, dass in inbemelt neuerbauten Capelle bis aut 
weiter Verordnung an denen Werktagen von einem authentischen 
Priester das hl. Messopfer celebrirt werden könne und möge.« 

Damals war kein Schlosskaplan bei der Kapelle angestellt, 
sondern Franciscaner aus den Klöstern zu Pressburg und Hainburg 
versahen meistens den Gottesdienst, weshalb auch die Messbücher für 
sie eingerichtet waren. So blieb es fast bis zu Eugens Tod, da 
stets eine grosse Menschenmenge in Scblosshof beschäftigt war. Erst 
am 23. November 1735 erhielt Prinz Eugen vom Passauer Official in 
Wien, Ernst Amadeus Graf Attems, die Messlicenz für sich, seine 
Gäste und die ganze Dienerschaft auf alle Tage des Jahres. Nur 
sollte der betreffende messelesende Priester vom Passauer Bischöfe 
oder, wenn es ein Ordensgeistlicher wäre, von seinem Obern 
autorisiert sein, den Rechten der Pfarre jedoch nicht der geringste 
Abbruch geschehen. 2 ) 

Von den vielen Arbeitern des Prinzen Eugen waren manche in 
den Jahren 1729 bis 1732 von Krankheiten arg heimgesucht worden. 
Es starben von ihnen »an Petechien und Ruhr« so viele, dass der Friedhof 
in Kroissenbrunn zweimal erweitert werden musste. Die meisten der 
Kranken bekamen auch Lungensucht, Auszehrung und Wassersucht. 
Man vermutete die Schuld daran in den dumpfigen Wohnungen, in der 
Feuchtigkeit, in den vielen Winden und in der alten Gewohnheit, 
Alles mit Kiesstaub und Kalksand abzureiben. Auch zwei Pfarrer von 
Kroissenbrunn fielen der Krankheit zum Opfer, und zwar Ferdinand 
Mildenberger, aus Mergenthai in Franken gebürtig (1688), welcher am 
9. Mai 1729 starb, und dann Ignaz von Thalheimb, geboren 1697 in 
Klagenfurt, der am 16. August 1732 »an Petechien« nach nur seebs- 
wöchentlicher Wirksamkeit starb. Der Nachfolger des ersten und Vor- 
gänger des zweiten, Heinrich Pachschmidt, hatte an derselben Krank- 
heit gelitten, war aber wieder gesund geworden. 3 ) In den pfarrlichen 
Büchern finden wir auch einige Personen, die bei den grossartigen 
Bauten des Prinzen Eugen beschäftigt waren, so Anton Zinner, 



J ) Abschrift in > Einige Bemerkungen Über Scblosshof und die Schlosskapelle, 
gesammelt und zusammengestellt von mir Leopold Gartier im Jahre 1844c Manu- 
Script in Schlosshof. 

2 ) Siehe Beilage 4. 

3 ) Kroissenbrunner Pfarrgedenkbuch. 



227 

Garten-Ingenieur, Ludwig Seibb, Feld-Ingenieur, Thomas Hiskhi, 
Steinmetzmeister, und mehrere seiner Gesellen, Christian Kremer, 
Schlossermeister, Christian Willhammer, Gärtner: alle diese in Schloss- 
hof; dann Andres Tripfei, Gärtner in Niederweiden, Andreas Wind- 
pässinger, der als Maurermeister von Breitenbrunn in Ungarn nach 
Markt-Hof geheiratet hatte. 1 ) Aus diesen Angaben kann man Manches 
mit Sicherheit schliessen. Die Acten aber über die Bauthätigkeit des 
Prinzen Eugen in Schlosshof sind weder daselbst noch in Wien auf- 
zufinden. In den angeführten Namen finden wir nun wenigstens 
einige Männer, welche die grossen Pläne des Prinzen ausführen halfen. 
Sie und wahrscheinlich noch Andere 2 ) waren es, welche Schlosshof 
zu dem machten, was es noch heute genannt wird. Alfred von 
Arneth nennt es »einen der reizendsten Herrschaftssitze in Oster- 
reich«, Adam Wolf >ein prachtvolles, grosses Schloss« und Schweick- 
hardt sagt, > es reiht sich den grossartigsten Gebäuden der Monarchie 
an«. Prinz Eugen fand nur ein kleines Schloss, im Quadrat gebaut 
mit je einem Dutzend Fenstern auf jeder der vier Seiten. Es wurde 
ein grossartiger Plan entworfen und ein Muster von einem Herren- 
landsitz sollte entstehen. Er entstand auch und wurde der Lieb- 
lingsaufenthalt des Prinzen. Es wurde aber nicht bloss auf das Schloss- 
gebäude Rücksicht genommen, sondern auch alle Nebengebäude 
wurden nach ästhetischen Principien eingeteilt und selbst bei ihnen 
die Kunst nicht gespart. Das war selbst bei den Wirtschafts- 
gebäuden der Fall, die in reicher Fülle vorhanden sind. Alles 
musste sich aber einem einheitlichen Plane einfügen. Zwischen den 
einzelnen Gebäuden waren zur Zierde und Vermittelung Alleen, 
Brunnen, Gärten und Gärtchen angebracht. Auf der Westseite 
wurden dem Schlosse noch zwei mächtige Flügel vorgebaut. So 
enthält nun das zwei Stockwerk hohe Gebäude 192 Gemächer und 
zählt eben so viele Fenster als das Jahr Tage hat. Über dem Einfahrts- 
tore im Westen erhebt sich ein Frontispice, der eine Uhr enthält, 
die das Jahr 1686 eingegraben trägt. Dahinter befindet sich ein 
kleiner Turm mit zwei Glocken, die geläutet werden und auf denen 
die Uhr schlägt. Die Ostfront ist in der Mitte mit Lisenen geziert 



*) Die pfarrlichen Protokolle im Kroissenbrunner Pfarr-Archive. Im Tauf- 
bache finden wir im Jahre 173f> Lorenz Rath, >Wirth und Schulmeistere iu Engel- 
hartetetten als Pathen. 

2 ) In S.hlosshof wird noch ein Plan des Schlosses aufbewahrt, der die 
Unterschrift trägt: »Johann Georg Windpässinger Bau Meistere. 

15* 



228 

und hat Fenster, die mit Kriegstrophäen geschmückt sind, einen Fron- 
tispice und einen Balkon im ersten Stockwerke, der auf mächtigen 
Säulen ruht. 

Die Aussicht von demselben ist eine entzückende und fesselt 
Jedermann. Zu Füssen des Beschauers liegt der prächtige Schloss- 
garten mit seinen Alleen, Springbrunnen, Statuen, Blumenbeeten und 
tausend schönen Sachen; denn hier hatte der Prinz am Ostabhange 
des Hügels, auf dem das Schloss steht, Gelegenheit, die ganze Schönheit 
der französischen Gartenkunst sich entfalten zu lassen. Der Garten ist 
terrassenförmig angelegt. Die drei grossen Terrassen sind mit schönen 
Bastionen und Steingeländern von einander abgeschlossen und durch 
weite herrliche Stiegen verbunden. An den gemauerten Wänden der 
Terrassen wurde und wird das edelste Obst gezogen. Die Ausschmückung 
des Parkes mit Kunstwerken des Meisseis war geradezu eine ver- 
schwenderische. Einige Riesenvasen mit Reliefs haben wenig ihres- 
gleichen. Im allgemeinen ist die Anlage des Schlossparkes eine ähnliche 
wie die des Belvederegartens, der aber vom Garten in Schlosshof in 
jeder Beziehung übertrofFen wird. Das Auge schweift dann weiter über 
fruchtbare Felder und Wiesen, die vom Silberbande der March in öster- 
reichisches und ungarisches Eigentum geteilt werden. Jenseits des Grenz- 
flusses überblickt das Auge einige Orte Ungarns bis Malaczka, um 
sich dann am Bogen der bewaldeten kleinen Karpathen zu erfreuen, 
bis endlich in der Ferne Wolken und Berge in einander verschwimmen. 
Ganz nahe am Unken Marchufer liegt der erste Höhenpunkt der 
Karpathen, der Thebener Kogel. Zu seinen Füssen bezeichnet die 
Ruine von Theben den Einfluss der March in die Donau. Und 
wenn nun das Auge sich von den Auen der March und der Donau 
erhebt, so wird es erquickt durch die Berge des Leithagebirges bei 
Wolfsthal und durch jene von Hainburg. Und wie lieblich liegt 
nicht die Stadt Hainburg, eingebettet inmitten grüner Berge! — 
Von der Südseite des Schlosses aber überblickt man einen grossen 
Teil des Marchfeldes, die Auen der Donau, die Höhen des Wiener- 
waldes und erst der Schneeberg setzt dem Ausblicke eine Grenze. 

Prinz Eugen hatte auch an seinem Schlosshof eine solche 
Freude, dass er es in jedem Jahre mehrmals besuchte. Es liegt 
nicht allzuweit von Wien entfernt und konnte ebenso leicht zu Land 
als zu Wasser erreicht werden. Zu längeren Reisen hatte Eugen eben 
weder Lust noch Müsse, darum war ihm Schlosshof sehr gelegen. 
Seine ungarischen Güter Bellye und Raczkeve sah er nur aus An- 



229 

lass seiner letzten Feldzüge gegen die Türken. Der Prinz kam 
gewöhnlich mit einem sehr grossen Gefolge und mit zahlreichen 
Gästen, die aber im Schlosse wie in den weitläufigen Nebengebäuden 
gut untergebracht wurden. Besonders zur Herbstzeit übte der Prinz 
eine ausgedehnte Gastfreundschaft Bei dem Schlosse Niederweiden 
besass er einen sorgfältig gehegten Fasangarten, die Auen der March 
und der Donau, wie auch die Gefilde der Herrschaft boten vielfach 
Gelegenheit, dem Vergnügen der Jagd sich hinzugeben. Auch der 
Prinz nam an der Jagdunterhaltung teil , ohne jedoch darüber 
ernstere Dinge zu vernachlässigen. 

Da Kaiser Karl VI. von den oftmaligen Ausflügen des Prinzen 
nach Schlosshof und von der Freude, die er daran hatte, wusste, so 
wollte er ihm in Tier Nähe von Wien noch einen anderen Zielpunkt 
zu kurzen Reisen und einen Wohnort zum Landaufenthalte geben. 
Um den Prinzen zugleich auch für die Niederlegung des General- 
gouvernements der belgischen Provinzen zu entschädigen, kaufte der 
Kaiser im Anfange des Jahres 1725 vom Wiener Erzbischofe Sigis- 
mund Grafen Kollonitsch die Herrschaft Ober-Siebenbrunn sammt den 
benachbarten Dörfern Lassee und Oberweiden um 200.000 fl. und 
schenkte sie dem Prinzen als freies Eigentum, damit sie ihm »zu 
einer beliebigen Excurdion und Landtsdistractionc dienen möge, weil 
ihm selbst, erklärte der Kaiser, und dem Staate an des Prinzen 
>langer Conservation« besonders gelegen sei. Wol besuchte Eugen 
nun manchesmal auch das näher bei Wien gelegene Siebenbrunn, 
aber bei weitem nicht so oft, als das entferntere, doch viel schönere 
Schlosshof. Eugens Baulust ruhte auch in Siebenbrunn nicht. Der 
Wert des Gutes wurde erhöht und der Damm mit der Allee, 
^welcher Ober- und Unter-Siebenbrunn heute noch verbindet, wurde 
vom Prinzen Eugen angelegt. 1 ) 

Als die Bauthätigkeit des Prinzen in Schlosshof die grösste 
war, entstanden auch jene herrlichen schmiedeeisernen Gittertore, 
von denen noch zwei den Schlosspark schmücken und die von Kennern 
auf je 20.000 fl. in ihrem Werte geschätzt werden. Dereinst waren 
wol im Schloss noch mehr solcher Tore, wie die noch vorhandenen 



1 ) Alfred von Arneth, Prinz Eugen von Savoyen, III. Bd., S. 79. Die 
Herrschaft Siebenbrunn wurde nach Eugens Tode vom Wiener Erzbischofe Sig- 
mund Grafen Kollonitsch wieder zurückgekauft und kam laut seiner testamentarischen 
Verfügung in neuester Zeit nach des letzten Grafen von Kollonitsch Tode (1863) 
neuerdings an das Wiener Erzbistum. 



230 

Torangeln bei der nördlichen und südlichen Zufahrt zum Schlosse 
bezeugen. Die beiden vorhandenen Tore wiegen 260 Meter- 
centner. Sie erregten auf der Weltausstellung zu Antwerpen im 
Jahre 1885, wo sie den Ein- und Ausgang der österreichischen 
Abteilung bildeten, die allgemeine Aufmerksamkeit. Man könnte 
kaum glauben, dass den Künstlern, die diese Tore verfertigten, 
nur das starre Eisen als Stoff zum Bilden vorgelegen, so zierlich 
sind allerlei Blumen, Blätter und Ranken aus Eisen geformt. Die 
Tore sind gekrönt von einem Herzogshute und mit dem Wappen 
Eugens, dem savoyisehen Kreuze, geschmückt. Auch die Initialen 
seines Namens, aus Zweigen und Blättern und Blüten gebildet, sind 
angebracht. Auch noch andere kleine Holztore sind mit einem Auf- 
satze von geschmiedeten Verzierungen, mit dem Herzogshute und dem 
Wappen Eugens geschmückt. Einige kleine Gitter aus derselben 
Zeit und von denselben Meistern verfertigt, befinden sich im Schlosse 
bei den Stiegenaufgängen zum ersten Stockwerk. Ein Gitter der- 
selben kunstvollen Arbeit ist auch beim Eingange in die Kirche von 
Kroissenbrunn angebracht. Wie es dort hinkam, werden wir noch 
hören. Vier gegitterte Lusthäuser und Berceaus im Garten im Werte 
von 8000 Ducaten, welche jedenfalls von den Verfertigern der 
Gartentore hergestellt wurden, sind heute nicht mehr vorhanden. 1 ) 
Geld wurde überhaupt bei der Einrichtung des Schlosses nicht im 
mindesten gespart, sondern es wurden ungeheure Summen darauf 
verwendet. So kostete jeder der aus Venedig gebrachten hohen Spiegel 
in den Zimmern 1000 Ducaten, ein Kamin von purpurrotem 
weissgesprengtem Marmor in einem der Säle 20.000 fl. Im Süd- 
trakte des ersten Stockwerkes wird noch heute ein Prachtbett 
aufbewahrt, das von Sachverständigen auf 10.000 fl. geschätzt 
wird. Es ist mit einer Decke aus schwerem gelben Atlas bedeckt, 
die mit Blumen von Seidenstickerei geziert ist, welche zierliche Arbeit 
in ihrer Wirkung der geschickteste Pinsel nicht zu erreichen im 
Stande ist. Solche Betten, wenn auch nicht gerade von so grosser 
Schönheit und so hohem Werte, sind noch mehrere vorhanden. Das 
interessanteste unter ihnen ist aber das Feldbett Eugens, das im 
zweiten Stocke des mittleren Schlosstraktes aufbewahrt wird. Es 
ist so construiert, dass es zusammengelegt werden konnte. Die Bett- 
vorhänge sind aus Seide mit orientalischem Muster (Vögel, Drachen, 



1 ) J. F. Keibli nger, Melk, II. 2, S. 425 erwähnt dieselben noch. 



231 

Blumen u. s. w.). In den Zimmern und Sälen Hess Eugen Kamine 
aus den verschiedenartigsten und theuersten Marmorarten anbringen 
und dieselben mit schönen Reliefbildern verzieren, deren Vorwurf, 
wie das auch bei dem statuarischen Schmuck des Gartens der Fall 
ist, der Mythologie der Griechen und Römer entnommen war. Die 
entzückend schönen Stuccadorarbeiten der Plafonds in den Zimmern 
und Sälen, wo dieselben noch nicht fehlen, haben den gleichen 
Inhalt. Hier sehen wir den Paris sein Urteil fallen, dort begegnen 
uns Faunen und Bacchanten u. ä. Die herrlichste Arbeit ähnlicher 
Art finden wir aber in dem grössten Saale 1 ) des Schlosses, auf 
dessen Plafond die rosenfio gerige Eos dargestellt ist, wie sie auf einem 
Wagen, der von den göttlichen Rossen Lampos und Phaeton gezogen 
wird, dem Meere entsteigt und mit ihren Rosenfingern der Erde das 
Licht bringt. Man bedenke die Riesenfläche, welche der Ausführung 
dieses ungemein lieblichen Bildes zu Gebote stand. Die Wände wurden 
mit den kostbarsten Tapeten bedeckt, mit Atlas von blauer und 
gelber Farbe, mit Gros de Naples (im späteren sogenannten Sitz- 
zimmer der Kaiserin Maria Theresia) und mit ostindischem Zitz, den 
der Prinz bei Mehadia von den Türken erbeutete (sowol in seinem 
Schreib- als auch Schlafzimmer, in welch' letzterem die Vorhänge 
und Decke des Bettes aus demselben Stoffe sind). Von den Ge- 
mälden aus Eugens Zeit sind nicht mehr viele vorhanden. Erwäh- 
nenswert sind eine Reihe von Schlachten, in denen Eugen Sieger 
geblieben, und unter einer Anzahl von Thierstücken ein riesiger Hund, 
neben welchem ein Knabe steht, der Eugens Kinderporträt zeigen soll. 
Durch besonderen ornamentalen Schmuck der Wände und der Decke 
zeichnete sich auch die Sala terrena aus, welche gegen den Garten 
zu gelegen ist und im Sommer als Speisesaal benützt wurde. An der 
Südseite des Schlosses war noch ein freistehendes Theatergebäude 
gebaut worden, das aber vor etlichen Jahren niedergerissen wurde. 
Im Jahre 1727 vergrösserte Prinz Eugen seinen Besitz im 
Marchfelde durch den Ankauf der Herrschaft Engelhartstetten. Ernst 
Rüdiger Graf von Stahremberg hatte dieselbe am 12. August 
1685 vom Grafen Johann Ernst von Concin gekauft, um sich 
im Landleben von den Strapatzen der Jahre 1683 und 1684 
(Stahremberg hatte bei der missglückten Belagerung Ofens die Artillerie 
comraandiert) zu erholen und an Stelle der zerstörten Burg Grafen- 



*) 11° lang, 5" breit und 27' hoch. 



232 

weiden das jetzige schöne Jagdschloss Niederweiden erbaut. Auch 
Prinz Eugen hatte seine verschönernde Hand angelegt, nachdem 
es in seinen Besitz übergegangen war. ! ) Das Urbarium der 
Herrschaft Engelhartstetten und Niederweiden ist aus der Zeit des 
Grafen Stahremberg noch erhalten und wird in Schlosshof aufbe- 
bewahrt. Die Landschaftsgaben wurden für 30 Häuser bei der 
n. ö. Landschaft gezahlt Von den behausten Unterthanen möge 
einer als Beispiel angeführt werden: Isaak Windisch besitzt ein 
ganzes Lehen, dient jährlich der Herrschaft richtig als Gelddienst 
am Tag Georgii 1 fl. 30 kr., am Tag Michaelis 1 fl. 30 kr., als 
Kucheldienst 3 Kapauner, 30 Eier. Eigentümliche Grundstücke 
21 Joch, 7 in jedem Feld, Wissmathen 4 Joch, Wert des Kauf- 
schillings 300 fl. Besitz an Vieh 4 Pferde, 4 Füllen, 10 Ochsen, 
5 »Melchrindter«, 5 »Galtsvieh«, 5 s.v. Schweine, und »Schaffund 
Lämper und Gaiss«. Ein Halblehen stand im Werte von 100 fl., 
eine Hofstätte kostete 15 fl., der Bestandmüller zahlte 13 fl. und 
jährlich 30 kr. Dienst. Beim Häuserverkauf zahlten Käufer und 
Verkäufer je einen Groschen von jedem Gulden als Pfundgeld. Kam 
eine Erbschaft in eine andere Herrschaft, so mussten vom Gulden 
3 kr. bezahlt werden. Der Ertrag der Herrschaft in Bezug auf die 
Unterthanen war an Geld 1409 fl. jährlich, dann 91 Stück Kapauner 
und 915 Stück Eier. 2 ) Prinz Eugen hatte die Herrschaft um 
177.000 fl. rheinisch gekauft und sie vorzüglich auch aus dem Grunde 
an sich gebracht, um den Streitigkeiten zwischen den Herrschaften 
Schlosshof und Engelhartstetten ein Ende zu machen. Daher wurde 



1 ) >Engelhartstätten mit allen Auen und Zugehörigkeiten als da seynd das 
ganz new erhebte Schloss Niederweyden und Freyhaus im Dorf und dieses zwar 
nebst denen Zugehörungen bis auf erhaltenden landesfürstlichen Lehensherrlichen 
Consens nebst allen zu obiger Herrschaft gehörigen Unterthanen und Gülten, 
Land-Gericht, Grund- und Dorf-Obrigkeit, Miihlschlag, Feld-Freyheit, Blumensuch, 
Wildpan, und Reys-Gejaid, mit denen dabey befindlichen Auen, Wiesen, Äckern 
und Weiden.« 

2 ) Über das alte Schloss und die Kirche Niederweiden heisst es im Ur- 
barium (S. 18) : >Zu Nieder weyden, all wo eine Kirche gestanden, anjetzo aber von 
undenklichen Jahren her neben dem Schloss ganz und ungebauet ist, hat die 
Herrschaft vermög landesfürtl: Lehenbriefes das jus patronatus, das erwähnte 
Schloss aber, so unter der Regierung des Kaisers Friederici ein berüchtigter Räuber 
Leonard Arberger besessen und woraus er sambt seinem Anhang von 900 Köpfen 
ao. 1450 durch Grafen von Silley weggejagt worden, möge vermuthlich sambt der 
Kirche eben damals oder 1529 im ersten Türkeneinfall den Ruiniren unterworfen 
worden seyn.« 



233 

auch im Kaufvertrage vom 23. September 1726 l ) ausbedungen, dass 
die Gräfin Maria Josefa Stahremberg alle alten Schriften und Process- 
acten aushändigen solle und nichts mehr »moviren« dürfe. 

Als Prinz Eugen 1725 Schlosshof kaufte, Hess er den Grafen 
von St. Julien alle Mobilien und Bilder mitnemen. Der Verwalter 
Johann Jakob Fux und seine Ehegattin Regina erbaten sich von 
diesem das schon erwähnte Muttergottesbild, das im Jahre 1683 
ein Tartare durch einen Stich verletzt hatte. In ihrem Schlaf- 
gemache verehrten sie andächtig dieses Bild. Bei Kroissenbrunn 
war damals ein altes baufälliges Kreuz, neben dem am Fusse des 
Hügels eine Quelle hervorsprudelt. Dorthin zogen die Kroissen- 
brunner jährlich am Florianitage in Procession. Der damalige Pfarrer 
von Kroissenbrunn, Ferdinand Mildenberger, wollte das einstürzende 
Kreuz wieder aufbauen und sammelte dazu das Geld. Er bekam 
von den Bauofficieren in Schlosshof über 300 fl. Der Garteninspector, 
die Steinmetzmeister, Stuccadorer, Vergolder und Schlosser trugen 
viel dazu bei. Während des Speisens war eine Sparbüchse auf- 
gestellt, in welche jeder etwas hineinlegen musste, der sich beim 
Reden oder Essen »unehrlich aufgeführt«. Es wurde nun eine 
Kapelle erbaut. Als das Geld ausgegangen war, trat ein Stillstand im 
Bauen ein. Damals gerade hatte Eugen Niederweiden erworben 
und war sogleich daran gegangen, es zu verschönern. Aus dem 
Walde neben dem Schlosse machte er einen »Spaziergarten«. Darin 
sollten aber auch Springbrunnen sein und dazu hatte er Wasser nötig. 
Er besah sich daher die Quelle bei Kroissenbrunn und als er nun den 
halbvollendeten Bau der Kapelle beim Brünnl bemerkte, fragte er, was 
man da baue. Als er erfuhr, dass wegen Mangel an Geld der Bau 
in Stockung gerathen sei, Hess er denselben auf seine Kosten weiter- 
führen. Neben der Kapelle wurde ein Wasserreservoire gebaut, aus 
dem die Springbrunnen in Niederweiden gespeist wurden. Die Kapelle 
aber wurde schön hergestellt und mit Stuccadorarbeit geschmückt. 
Auch ein Altar stand in derselben, auf welchem das Muttergottesbild 
von Schlosshof angebracht wurde, wo es besonders eifrig an Sams- 
tagen verehrt wurde. Im Jahre 1729 gieng am 4. Mai die Procession 
zum erstenmale zur neuen Kapelle. Fast alle Orte des Marchfeldes 
fassten ein grosses Vertrauen zum Frauenbilde in allen Nöten : 
»Krankheiten, Trübsal, Vieh-Umfall« und namentlich an drei Sams- 



') Eine Abschrift davon befindet sich im Archive zu Schlosshof. 



234 

tagen wurde in der neuen Kapelle gebetet. Aufgehängte Tafeln 
und Opfer bezeugten den Dank der Getrösteten. Pfarrer Gregor 
Götzfried zeichnete alle Vorkommenheiten auf. Im Jahre 1762 fragte 
das Consistorium an, ob neben der Frohnleichnamsprocession noch 
andere Processionen mit dem Hochwürdigsten gebräuchlich seien, da 

sie abgestellt werden müssten. 

» 

Bei der Kapelle wurde viel geopfert, was daraus hervorgeht, dass 
im Jahre 1761 dieselbe ein Vermögen von 897 fl. 30 3 / 4 kr. hatte, welches 
im Jahre 1763 auf 1093 fl. 15 kr. angewachsen war. Es handelte sich 
nun um die Reparatur der Brünnl-Kapelle. Die Herrschaft Hof be- 
willigte dieselbe, wenn ihr das Patronatsrecht über die Kapelle offen zu- 
gestanden würde; zugleich wurde ein Schlüssel zur Mitsperre des 
Opferstockes in der Kapelle gefordert. Die Restauration erfolgte und die 
Kaiserin Maria Theresia gab selbst 590 fl. dafür her. Die Direktion 
ihrer Güter schrieb im Juni 1769 aber an das Verwalteramt in Schloss- 
hof: »Nachdem aber ein erstaunlich grosser und mit der kleinen Kapellen 
gar nicht proportionirter Thurm zuwider des gesunden Vernunfts 
und zu Jedermanns Aergernuss daraufgesetzet, mithin muthwillig 
um alterum tantum mehr Unkosten verursachet worden seind, so 
müsse der natürlichen Billigkeit nach diejenige, die solchen also zu 
bauen angeschaffet, dafür haften.« l ) Diese Kapelle ist jetzt nur in 
Abbildungen erhalten, wovon eine im Stifte Melk sich befindet. Sie 
stellt sich als ein längliches Viereck von sehr einfachem Bau und 
ohne Turm dar; ebenso ist sie dargestellt auf einem vom Pfarrer 
Rusko herausgegebenen Liede »vor Maria Brünndel abzusiügen« 
(8 Strophen je zu 8 Versen nebst einem Gebete — 3 Octavseiten). 
Die Überschrift lautet: »Maria Brünndel In der Kloster Mölckerischen 
Pfarre Kroissenbrunn.« 2 ) Die schönste der erhaltenen Abbildungen 
befindet sich aber im Pfarrhofe zu Kroissenbrunn und zeigt uns die 
Kapelle mit einem Turme geziert. Die Kapelle stand nach ihrer Reno- 
vation nicht lange; denn am 1. September 1771 wurde das Marienbild 
feierlich in die Pfarrkirche zu Kroissenbrunn übertragen. Mit Fahnen, 
Windlichtern, getragen von den Officieren in Schlosshof, und einer grossen 
Menschenmenge wurde das Bild abgeholt. Unter Singen und Beten 



1 ) Archiv in Schlosshof. 

2 ) Das Titelblatt ist auch mit einem Kupferstiche des lieblichen Marien- 
bildes dieser Kapelle geziert. Ein Exemplar dieses schon seltenen Liedes und 
Bildes ist auch bei den Manuscripten Keiblingers, die zu benützen mir die Güte 
des Herrn Bibliothekars Vincenz Stauffer Gelegenheit bot. 



23 

wurde in die Kirche gezogen. Zwei Knaben trugen das Bildnis. In 
der Kirche hielt Pfarrer Albert Rusko ein Te Deum, eine Predigt 
und ein Hochamt. Auch das gewöhnliche Marienlied wurde gesungen. 
Am 26. September desselben Jahres wurde die Kapelle abgetragen. 
Das Materiale kam nach Schlosshof, das Gitter und die Eichentüre 
nach Kroissenbrunn zur dortigen Pfarrkirche. 1 ) Die vorzüglich für 
Augenleiden heilsam befundene, labende Quelle entfloss noch immer 
der Tiefe des Berges, auch der kleine Teich bestand bei derselben 
noch weiter, so dass der Wunsch entstand, wiederum eine der Ver- 
ehrung Mariens gewidmete Stätte dort zu besitzen. Dieser fromme 
Wunsch gieng durch Frau Caroline Stenzl, Gattin des Verwalters 
Friedrich Stenzl in Schlosshof, in Erfüllung. Dieselbe spendete 
nämlich eine Muttergottesstatue mit dem Jesukinde, die nun bei der 
Quelle in einer kleinen Kapelle aufgestellt wurde, »damit dieses Bild 
für Alle ein Gegenstand der Verehrung sei, welche aus der Nähe 
und Ferne bei diesem lebendigen Brunnen Erquickung suchen«, wie 
Pfarrer Ulrich Alber in seiner Ansprache am 16. Mai 1848 bei der 
feierlichen Aufstellung der neuen hölzernen Statue sagte. Unterhalb 
der Statue strömt das Wasser der nicht unbedeutenden Quelle aus 
einem Rohr hervor. Dabei ist ein recht passender Psalmvers an- 
gebracht. 2 ) 

Auch unter dem Prinzen Eugen wurden auf seiner Herrschaft 
die Hochgerichte wieder aufgerichtet. Der Bericht darüber ist in- 
teressant genug, um wörtlich mitgeteilt zu werden. > Demnach die 
bey der durchl: Prinz Eugenischen Herrschaft: und freyen Landt- 
gerichtern Hof an der March befindliche drei Hochgerichter und 
Galgen, so vorhin von eichenen Holz aufgericht gewesen. Item der 
Pranger am Markt Hof alterswegen abgefault und umbgefallen. Alss 
ist auf unterthänigste Berichterstattung von Ihro durchl : Herrn Herrn 
Eugenii Francisci Herzogen von Savoya Prinzen von Piemont und 
Marggrafen zu Saluzzo, Rittern des goldenen Vellus, der Kays: May: 
wirklicher geheimber und Conferenzrath, Hof kriegssraths Präsidenten, 
cömmandirenden Gral: Lietnanden, Feld Marschall, Gral: Vicarii 



') Aus dem Reservoir, das aus dem Brünnl gespeist wurde, wurde — der 
Sage nach — ein Egelteich gemacht. Dasselbe ist von einer starken Mauer um- 
geben, die vor wenigen Jahren vom Herrn Pfarrer Müller und vom Herrn Arzte 
Dallinger der Restauration unterzogen wurde. Auch wurden Bäume längs des 
Weges zum Brünnl gepflanzt. 

2 ) Keiblinger, H. 2, S. 416, und Pfarrgedenkbuch in Kroissenbrunn. 



236 

deren Kays: Waischen Landten etc. etc. Herrn höchstbesagter Herr- 
schaften, Hof an der March, Vesten Stopfenreith, Engelhartstetten, 
WitzlstorfF, Kroissenbrunn, Obersiebenbrunn, Lassee und Ober- 
weiden etc. etc. allergnädigst anbefohlen worden, besagte Hoch- 
gerichter erstens bey dem Markt Hof auf dem sogenannten Kröndl, 
zweitens das Hochgericht zu Stopfenreith und drittens den Galgen 
zu Loimersdorf, welch letzterer mit Malefiz nach obernennten Landt- 
gericht Stopfenreith gehörig, der Landtgericht Ordnung gemäss er- 
bauen, dahero erstermelte zwei Hochgerichter Hof und Stopfenreith. 
Item der Pranger am Markt Hof zu immerwährender Tauerung von 
Ziegl und Stein gemauert, so heunt zu Ende stehendem Dato aus- 
gestöckhet und den 14. November darauf völlig verförttiget; der 
Galgen zu berührten Loimerdorf wiederumben von Aichenholz im 
Beysein meiner Wolfgang Leopold Grundemann, 1 ) dermaligen Pfleger 
und Landtgerichtsverwaltern, Sebastian Prenner, Markt-Richter, und 
Alt-Mathias Schwämbl, Gerichtegeschwornen am Markt Hof, dann 
Lorenz Kumpel, Markt-Richter, und Georg Liebder, Gerichts- 
geschworner zu Stopfenreith. Item Veit Istä, Richter, und Georg 
Putschitz, Geschworner, nebst der ganzen Gemein zu Loimersdorf 
durch ein Ehrsambes Handwerkh der Steinmetz, Maurer, Dischler und 
Zimmerleuth zu Hainburg nembl. Martin Victor, Steinmetzmeister, 
Lorenz Frtihwirth, Maurermeister, Bernhard Böheimb, Dischler- 
meister, und Balthasar Mäuerl, Zimmermeister allda, dann Zacharias 
Pezlmann, Schlossermeister in erneuten Hainburg in das Handwerkh 
nach Prugg an der Leitha, und Hanns Mierner, Schmiedmeister zu 
Lassee, zum Handwerkh nachar Wolkers torff gehörig, an denen ge- 
wöhnlichen Richtstätten aufgeführt worden, wobey man aber son- 
derlich anzumerken nöttig zu sein erachtet, dass weilen höchst er- 
wehnt Ihro durchl: als hocher Landtgei ichts Herr etc. etc. mit 
grossen Gebäuen bey dem Schloss Hof ohnedies begriffen und solche 
Gebäus Arbeithen dem Maurermeister zu Prugg an der Leitha 
Johann Georg Vimbässinger 2 ) vndt Zimmermeister zu Teutschalten- 



') Dessen Grabstein befindet sich in der Kroissenbrunner Kirche und lautet: 
»Hier ruhet der wohl edle Herr Wolffgang Leopold Grvndemnn Ihro herzoglichen 
Dvrchlevcht Prinz Evgenii von Savoyen gewester Veiwalter zv SchlosshofF starb 
den 15. April 1734. Gott gebe ihme die ewige Ruhe. Amen.c Darunter ist sein 
Wappen: ein leerer gegitterter Schild. 

? ) Johann Georg Windpässinger, von welchem der Plan von Schlosshof noch 
erhalten ist. 



237 

bürg Friedrich Kogler anvertraut wäre, als hat man wiedergemelte 
Hochgerichter zu Hof nebst dem Pranger allda. 1 ) Item Stopfenreith 
und Galgen zu Loimersdorf unter ihrer Direction von denen in der 
Schlo8shoferischen Arbeith unterhobenden Maurer und Zimmer- 
gesellen, welche bey der Ausstöckhung sambt dem Maurer Pollier 
Hanns Michael Hintenlang und Steinmetz Pollier Thomas Hisky 
von Deutschaltenburg, letztere in das Handwerkh nach Hainburg 
gehörig neu erbaut- und aufgeführet. So beschehen den 19. Oc- 
tober 1733. Zugleich das Hochgericht zu Engelhartstetten neu von 
Maurerarbeith erbaut. NB. Der Pranger zu Stopfenreith unter Johann 
Jakob Fux durch den Maurermeister in Prugg an der Leitha Johann 
Georg Vimbässinger, und Steinmetzen zu Deutschaltenburg Thomas 
Hilger nebst dem Zimmermeister zu Obersiebenbrunn Philipp Pitter- 
hofer sambt einem Rotter alldaselbst von Steinmetz und Maurer- 
arbeit erbaut worden.« 2 ) 

Die älteste »Ktirchenraittung«, die von der Kirche in Markt- 
hof vorhanden ist, stammt aus den Jahren 1719 — 1721, in welch* 
letzterem Jahre sie gelegt und am 17. Juni vom Melker Amtsver- 
walter P. Bruno als Commissär des Vogts- und Lehensherrn, des 
Abtes von Melk, vom Pfarrvicar in Lassee Armand Zimmermann 
und vom Cooperator Ferdinand Mildenberger im Beisein des Ver- 
walters von Schlosshof und des Richters und der Geschwornen von 
Hof gefertigt wurde. 3 ) Bis zur Errichtung eines neuen eigenen 
Beneficiums in Hof wurden die Kirchenrechnungen in Hof auf diese 
Weise weitergeführt. Die Einnamen bestanden aus den bei den 
Gottesdiensten angestellten Sammlungen, aus dem Ergebnis des 
Kirchenstocks, aus dem Erlöse für Kirchenstühle (je 15 kr.), für 
geschenktes Wachs, von Leichenbegängnissen, Strafgeldern und 
Geschenken. Die Ausgaben betrafen das Kirchengebäude, die Para- 
mente, das Wachs (1 it. 48 kr.), das Öl (1 &. 15 kr.), den Weihrauch 
(1 €f. 60 kr.), den Speiswein (1 Mass 4 — 6 kr.), für den Pfarrer auf 
»Kinderlehrsachen« 3 fl. und Sonstiges. 4 ) Die Einnamen wie die Aus- 



f ) Steht heute noch inmitten des Marktes. Auch bei Schlosshof steht eine 
Richtsäule. 

') Archiv in Schlosshof. 

*) Pfarr-Archiv in Kroissenbrunn. 

4 ) Die meisten Posten haben nur ein locales Interesse und einige insoferne 
ein weiteres, als durch sie die Preisverhältnisse ihrer Zeit beleuchtet werden. Ausser 
den oben schon angeführten Preisen sollen noch erwähnt werden: 1000 Schindel 



238 

gaben waren recht bescheidene. Vom 21. Juni 1719 bis 17. Juni 1721 
wurden 70 fl. 10 kr. 2 t> eingenommen und 50 fl. 4 kr. 3 ^ ausgegeben. 
Am 21. April 1736 wurde Prinz Eugen in seinem Zimmer im 
Palais in der Himmelpfortgasse todt aufgefunden. Er war während 
der Nacht plötzlich gestorben. Der Tod des unvermählt gebliebenen 
siegreichen Feldherrn und grossen Staatsmannes war für seine nicht 
geringen Besitztümer von hoher Bedeutung. Er besass prachtvolle 
Paläste, herrliche Schlösser, die schönsten Bilder-, Gemälde- und andere 
Sammlungen, darunter eine kostbare Bibliothek. Drei seiner Ver- 
wandten erhoben Anspruch auf sein Erbe. Als berechtigte Erbin 
gieng aus diesen Rechtsstreitigkeiten Eugens Nichte, Maria Anna 
Victoria, die Tochter des Grafen Ludwig Thomas von Soissons, 
hervor. Diese war eine grössere Freundin des Geldes als der 
Künste, 1 ) für welche die Zeit in Schlosshof überhaupt vorüber war. 
Die Kunstwerkstätten in Schlosshof, deren Meister und bedeutendsten 
Werke wir kennen gelernt haben, wurden nun wieder aufgelassen. 2 ) 



kosteten 1 fl. 30 kr., 1 Latte 2 kr. 2 pf., 1000 Schindelnägel 40 kr., 1000 Latten- 
nägel 2 fl. Ein Zimmermann erhielt für den Tag 24 kr. 1000 Mauerziegel kosteten 
8 fl. Im Jahre 1739 wurde an dem Kirchenboden und am Dache viel ausgebessert, 
denn für Kalk und Maurerarbeit wurden 84 fl. ausgegeben und 8000 Mauerziegel, 
um 34 fl. 44 kr. Bauholz und um 10 fl. 23 kr. Eisen gekauft. Die Zimmerleute er- 
hielten 40 fl. In derselben Rechnung finden sich die zwei Posten: »Den 7. 9ber 
vor 6 st: Keyläden zu machung des unschuldigen Freydhoff 30 kr.« und »den 
9. 7ber 1737 wegen renovirung deren Indulgentien dem Herrn pfarrer v: Lassee 
bezalt 54 kr.« In jeder Rechnung wiederholt sich die Post: »Am Fest St. Georgj 
den Marchegger, Lasseer, Kroissenbrunner, Stopfenreuther, Engelhartstetter, ßreiten- 
seer Schulmeister und Kirchvättern jed: Parthey 17 kr. = 3 fl. 24kr.r 1 ff Seife 
kostete 8 kr., 1 ff Stärke 8 kr. Im Jahre 1722 fand die »Orglaufsezung« statt 
Dazu wurden 19 1 /* ff Stangeisen benötigt (je zu 5 kr.), ferner IS Leim (= 14 kr.), 
100 Stück Schlagnägel (12 kr.). Ein Tagwerker erhielt täglich 15 kr. Taglohn. 
Vom Juden in Neudorf eine Laterne 1 fl. 10 kr. Ein »newer Weich wadl« kam auf 
17 kr., ein »Messkändl« auf 6 kr., ein »Messklöckhl sambt Reschlächt« 31 kr. 2 0- 
»Den 16. May 1722 alss man mit der procession zum Heyl: Nepomuk bey dem 
Vrfahr gegangen Einkhommen 10 kr.« Die Statue des heil. Johannes steht noch 
und giebt uns genau die Stelle des ehemaligen Urfahrs an, das jetzt weiter oben 
bei Neudorf (bei der zerstörten Marchbrücke) ist. 

*) An das Tor ihres Palastes wurden nächtlicher Weile die Spottverse an- 
geheftet : 

>Est-il possible, que du Piince Eugene la gloire 

Soit ternie par une si vilaine victoire?« — 
(A. v. Arneth, Prinz Eugen, III. Bd., S. 612.) 

2 ) Ausser den früher genannten Kunstwerken dieser Zeit sind unter Anderem 
n >ch in Schlosshof vorhanden: Viele prachtvoll geschnitzte Sessel und Tische, ein 



239 

Was bei anderen grossen Adelshäusern Gebrauch gewesen, dass sie 
ihre eigenen Kunstateliers unterhielten, 1 ) das war auch beim Prinzen 
Eugen der Fall gewesen, und wie wir uns heute noch überzeugen 
können, nicht zum Schaden der Kunst. Obwol die Prinzessin Maria 
Anna Victoria im Alter schon vorgeschritten war, vermählte sie sich 
doch noch mit dem Prinzen Josef Friedrich Wilhelm von Sachsen- 
Hildburghausen, der Feldzeugmeister und gleichfalls schon bei Jahren 
war. Die Vermählung fand zu Schlosshof am 17. April 1738 in 
der Schlosskapelle statt. Die Trauung nam Ernst Amadeus Graf 
von Attems (»episcopus Trachonensisc), Passauer Official in Wien, 
vor. Sie war um 7 Uhr abends. Der Bischof fragte die Brautleute 
»gallisch«, wie Pfarrer Laurenz Jahni von Kroissenbruun in seinem 
Trauungsbuche sich ausdrückte, der übrigens auch klagt, dass 
er nicht früher und auch nicht nachher weiter über die Hochzeit 
verständigt wurde und dass auch die dreimalige Verkündigung unter- 
blieben sei. Er und viele andere Pfarrer hatten im »Superpellice« 
der Trauung beigewohnt. Er hatte 5 holländische Ducaten erhalten. 
Eine Menge von Adeligen, darunter zwei Herzoge von Lothringen, 
waren bei dieser Gelegenheit in Schlosshof anwesend. Es wurden 
glänzende Feste abgehalten. Die Herrschaften Schlosshof und Engel- 
hartstetten schenkte die Prinzessin Maria Anna Victoria ihrem 
Gatten. Am 20. April 1738 leisteten die Unter thanen den Hui- 
digungseid. Über die Herrschaft Hof war gleich nach dem Tode 
des Prinzen Eugen ein Inventarium aufgenommen worden. 2 ) Den 

Schreibkasten mit einer Unzahl von Läden und Lädlein (für den — der Sage nach 
— ein Engländer schon 5000 Pfd. Sterling soll geboten haben, vielleicht weil er 
eben unverkäuflich ist), eine Uhr mit Schildkrotverzierung u. a. Eine Fenster- 
scheibe an der Ostseite des Schlosses enthält eine Erinnerung an einen Besuch 
durch die mit einem Edelstein in das Fenster geritzte Schrift: Signora Marchese 
Sardini ma sovrana 1731. Der Wert der Hinterlassenschaft des Prinzen betrug 
1,870.000 fl. Auf 600.000 fl. wurden seine beiden Güter im Marchfelde geschätzt 
(400.000 fl. Schlosshof, 200.00Qfl. Ober Siebenbrunn); zwei Paläste in Wien jeder 
100.000 fl., die Bibliothek 150,000 fl., das Silbergeschirr 170.000 fl., die Juwelen 
100.000 fl., die Gemälde 100.000 fl. und in der Bank im Baaren 206.000 fl. (A. v. 
Arneth a. a. O., III. Bd., S. 500.) 

') Vor wenigen Jahren erst wurde im FUrstenhause Liechtenstein das Haus- 
atelier für Bildhauer aufgelassen. 

2 ) Das noch jetzt im Archive zu Schlosshof aufbewahrt wird: »Inventarium 
deren bey der durchl: Prinz Eugenischen Herrschaft zu Schloss Hof an der March 
dem herrsch aftl : Verwalter Jakob Pio Hegenauer übergeben und bey der von 
einem hochlöbl: Landmarschallischen Spür und Inventurs Commission befundenen 



240 

Unterthanen in Hof wurde am 4. November 1737 ihr Besitzstand 
vergrössert, indem die Wiesen am Steinort den Häusern auf 
»ewig« zugeteilt wurden sammt dem Holz und den Obstbäumen, 
die auf den Wiesen standen; dafür mussten jährlich 152 fl. 52 kr. 
Grasgeld bezahlt werden. 1 ) Die Herrschaft erkaufte am 4. Mai 1742 
das dritte Drittel Steuer (1693 war die Hälfte schon abgelöst) um 
1042 fl. mit allen Lasten, besonders die Raaberische Grenzbezahluug. 
Auch die Acker der Unterthanen in Markt Hof wurden damals 
vermehrt; denn im Jahre 1738 wurden aus den schlechten Wiesen 
der Herrschaft, die im sogenannten See gegen Engelhartstetten zu 
lagen, Acker gerissen, wovon jeder der Unterthanen ein halbes Joch 
bekommen sollte; es wurde aber ein starkes Joch daraus. 1 ) 

Auch die Loimersdorfer wurden damals reichlich bedacht. Es 
erhielten nämlich 33 Loimersdorfer Häuser je 10 Joch im Burg- 
frieden von Markt Hof. Die Meinung aber, Loimersdorf sei erst 
im Jahre 1739 von der damaligen Herrschaftsbesitzerin Maria Anna 
Victoria, Herzogin von Sachsen-Hildburghausen, durch Ansiedlung 
von Kroaten gegründet worden — welche Auskunft der Press- 
burger Senator Georg Gyurikovits im Jahre 1833 von der Herr- 
schaft von Schlosshof auf seine Anfrage erhielt — ist jedenfalls 
unrichtig. Auch bei Schweickhardt findet sich dieselbe. 2 ) Gyurikovits 
misst dennoch dieser Meinung einigen Glauben bei, weil die kroa- 
tischen Einwohner von Engelhartstetten und Loimersdorf die Be- 
freiung der Abgabe von den herrschaftlichen Veränderungs- und 
Todesfallsgebtihren (Laudemium und Mortuarium) bis zum Jahre 1848 
genossen. Und Gyurikovits schreibt weiter: 3 ) »Wenn es sich bewährt, 
was jedoch zu erweisen wäre, dass der Prinz von Sachsen-Hildburg- 
hausen im Jahre 1739, wie es von der Herrschaftsverwaltung be- 
hauptet wird, die im Marchfelde auf der Herrschaft Schlosshof 
wohnenden Kroaten aus Slavonien hieher verpflanzte, so lässt sich 



Mobilien sowohl als« anderen mit- und zugehörungen, c (88 Blätter.) Den 30. April 
1736. — Seite 1 heisst es: »NB. Ist dabey zu merkhen, dass bey der Übergab 
keine Documenten befunden mit dieser Entschuldigung, dass die Herrschaft 
Wolkerstorff bey der Übergab dem Verwalter Fux nichts eingehändigt hat, und 
ist auch kein Grundbuch vorkommen, noch weniger andere Documnnte zu finden 
gewesen.« 

1 ) Archiv in Schlosshof. 

2 ) V. U. M. B., IV. Bd., S. 29, und V. Bd., S. 229. 

3 ) »Die kroatische Colonie in Niederösterreich« in Schmidls österr. Blättern 
für Literatur, Kunst, Geschichte u. s. w. IV. Jahrg., 1847, S. 17—19. 



241 

auf ihren ursprünglichen Wohnort ziemlich genau schliessen. Als 
nämlich dieser Herzog im Jahre 1737 von der Belagerung der 
Festung Banjaluka in Bosnien durch die Türken zum Rückzuge 
gezwungen wurde, flehte ein Schwann Uskoken, am bosnischen Ufer 
der Save zwischen Drina und Verbasz wohnend, den Prinzen um 
Schutz an und wollte mit Hab und Gut nach Slavonien zum Anbau 
der Wüsteneien übergehen. Bei dieser Gelegenheit hätte der Prinz 
denselben auf seiner Herrschaft Schlosshof im Marchfelde, die seine 
Gemahlin vom Herzog Eugen von Savoyen im Jahre 1736 erbte, 
übersiedelt und so wären die Vorfahren der Marchfelder Kroaten 
bosnische Uskoken. Sie waren römisch-katholisch, so wie ihre öster- 
reichischen Nachkommen es gleichfalls sind. Es bleibt aber doch 
der gegründete Zweifel nicht gehoben, warum erwähnter Prinz jene 
Überkömmlinge, ihrem Wunsche gemäss, nicht lieber in dem von 
Bewohnern fast ganz entblössten und verödeten Slavonien ansiedeln 
Hess, da doch selbst politische Notwendigkeit und Wohl es dringend 
erheischte?« l ) 

Der Herzog von Sachsen-Hildburghausen war auch ein Gönner 
der Kirche von Kroissenbrunn, zu welcher Pfarrkirche Schlosshof 
damals gehörte. Dort feierte er gewöhnlich die Ceremonien der 
Charwoche mit seinem Hofstaate mit und communicierte z. B. 1744 
und 1745 am grünen Donnerstag mit seinem Beichtvater P. Pasquale, 
einem Franziskaner von der stricten Observanz, in der Kirche »mit 
sonderbarer Auferbaulichkeit, Andacht und Eifer«. Darnach wurde 
jedesmal die Kirche reichlich beschenkt. So gab er 1744 der Kirche 
einen Ornat im Werte von 1000 fl., im Jahre 1745 ein silbernes 
Rauchfass sammt Zugehör, im Jahre 1747 vier Kirchenfahnen, ferner 



') Josef Friedrich Wilhelm Herzog von Sachsen-Hildburghausen, ein Sohn 
des Herzogs Ernst und der Gräfin Sophie Henriette zu Waldeck, war geboren am 
5. October 1702, wurde 1727 katholisch, war Ritter des goldenen Vliesses, 1735 
Commandant zu Komorn, 1739 königl. ungarischer und kaiserl. Generalfeldmarschall, 
des heil, römischen Reiches Generalfeldzeugmeister, war auch wirklicher geheimer 
Rath und erhielt 1743 das Oberdirektor iura und Generalcommando in den inner- 
österreichischen Landen, in den Warasdiner und Karlstädter General aten, wie auch 
von Licca, Corbaw und den Militärgrenzen, welches er 1749 niederlegte. Seine 
Gattin, Maria Anna Victoria, Prinzessin von Soissons, mit der er sich am 17. April 
1738 in Schlosshof vermählt hatte, war am 13. September 1683 geboren. Die Ehe war 
nicht glücklich; die Gatten trennten sich und im Jahre 1752 begab sich Victoria 
wieder nach Turin. (Schumanns Europäisches genealogisches Handbuch, Leipzig 
1754, 8. 239.) 

Blätter des Vereines für Landeskunde von NiederCsterreich. 1889. 16 



242 

einen Kelch, Opferkannen, eine Tasse, ein Glücklein aus vergoldetem 
Silber. Im Jahre 1751 beteiligte er sich auch an der Grundstein- 
legung der neuen Kirche in Kroissenbrunn. *) Aus diesem Anlasse 
verfertigte er mit eigener kunstreicher Hand ein schönes Medaillon 
von Elfenbein, welches in einem schwarzen hölzernen Rahmen 
unter Glas auf der Aversseite das geharnischte, mit der Ordens- 
kette des goldenen Vliesses gezierte Brustbild des Herzogs mit 
einer lateinischen Umschrift zeigt. Auch die Reversseite trägt eine 
Inschrift. 2 ) Das Medaillon war in zwei ganz gleichen Exemplaren 
vorhanden und wurde dieses Kunstwerk im Stifte Melk aufbewahrt 
Im Jahre 1740 wurde beim Consistorium geklagt, dass sich die Prote- 
stanten in Schlosshof auffällig durch Eingewanderte, namentlich 
fremde Gärtner vermehrten, die meistens aus Deutschland gekommen 
waren. Am 28. April 1750 hatte der Herzog vom Consistorium auch 
für die Sonn- und Feiertage eine Messlicenz erhalten, "doch durften 
dem Gottesdienste in der Schlosskapelle nur die Personen Teil 
nemen, die er um sich notwendig hatte, die übrigen sollten in die 
Pfarrkirche gehen; auch durfte kein Tabernakel, kein Sacrarium, 
kein Glockenturm angebracht werden. Ohne Erlaubnis des Pfarrers 
durfte in der Kapelle kein Sacrament gespendet werden. 3 ) 

Im Jahre 1740 herrschte in Osterreich eine sehr grosse Theuerung, 
so dass wegen dieser und wegen der versperrten Pässe nach Ungarn 



') Dieser Bau war aber sehr schlecht gemacht worden. Die Grundfeste 
gieng nur l'/j Schuh tief in den Schotterboden, daher die Kirche bald »gefahrliche 
Schrick c bekam und 1763 6 Schuh tief mit einer neuen Grundfeste unterfangen 
werden musste. (Keiblinger, Melk, IL 2, S. 411.) 

-') Die Schrift der Aversseite ist folgende: JOS. FR1D. D. SAX. HILP. &c. 
A. V. E. S. C. R. M. CONS. I. A. G. C. M. AC. UN. L. P. TR. S. R. I. SUP. R. 
TORM. PR. = Joseph us Fridericus Dux Saxo-Hilpurgshusanus etc. aurei velleris 
Eques, Sacrae Caesareae Regiaeque Majestatis Consiliarius intimus actualis, Gene* 
ralis Campi Mareschalcus ac unius legionis peditum Tribunus, Sacri Rom an i 
Imperii Supremus rei tormentariae Praefectus. Auf der Reversseite ist zu lesen: 
IN . | . AMPLIFICATIONE . | . SACR^ . | . AD. S. uEGYDIUM iEDIS . | . KROY- 
SENBRUNN . | . PR1MUM. FUNDAM. LAPIDEM . | . POSUIT . | . AC. MNE- 
MOSYNON. HOC . | . PROPRIA TORNAVIT. MANU . | . QUEM. IN. AVERSA. 
VIDES . | . SERENISS. PRINCEPS . | . ABB. TUNC. MOELLIC . | . RD MO. 
D. D. THOMA. PAUER. O. S. B. | PAROCH. AUTEM . | . P. GREG. GOEZ- 
FRIED. IB. P. | . A. S. MDCCLI . | . PRID. NON. IUN. 

3 ) Leopold G artler, Einige Bemerkungen u. s. w. Der Prinz von Sachsen- 
Hildburghausen Hess sich 1739 ins GUltenbuch als Besitzer von Schlosshof 
eintragen. 



243 

vom Bischöfe von Passau, Cardinal Josef Dominik Graf von Lam- 
berg, in der Fastenzeit dieses Jahres bis zum schwarzen Sonntag 
von der Enthaltung von Fleischspeisen Dispens gegeben wurde. Der 
Prinz genoss am Charfreitage nur Chocolade, seine Gäste namen 
nur Fastenspeisen zu sich, seine akatholischen Leute aber assen 
öffentlich Fleischspeisen, was seinem Consistorium im österlichen 
Berichte zu melden der Pfarrer nicht unterliess. ! ) Das war aber nicht 
der ärgste Geldmangel, den Hof zu überwinden hatte, denn schon im 
Jahre 1682 war der Geldmangel so drückend gewesen, dass die besten 
Häuser ein Capital von 2, 3, 5 oder 15 fl. zu 5% selbst binnen 
30 Jahren zuzück zuzahlen nicht im Stande waren. 2 ) Im Jahre 1743 
kam eine andere Heimsuchung über Hof, indem am St. Margareten- 
tag (13. Juli) der untere Teil des Ortes in sieben Viertelstunden 
bis auf ein Haus (das Jägerhaus) niederbrannte. Ein Mann, namens 
Peter Abraham, der viel gerettet hatte, verbrannte dabei. Weil 
auch alles Heu mitverbrannt war, Hess die Herrschaft den Unter- 
thanen 100 fl. Herrschaftsgaben nach. Das nächste Jahr brachte 
wieder ein anderes Unglück, indem die Donau und March so heftig 
austraten und solch' eine Menge Eis mit sich führten, dass der 
Pfarrer von Kroissenbrunn, der sich gerade in Markt-Hof aufhielt, 
um ein verstorbenes Kind einzusegnen, mehrere Tage in Hof zu 
bleiben genötigt war und erst am vierten Tage mit einer grossen 
Zille nach Schlosshof gebracht werden konnte. Am 4. April 1744 
brannte fast ganz Kroissenbrunn ab. Der Prinz von Sachsen-Hild- 
burghausen Hess deshalb am Ostersonntage 80 Ducaten verteilen 
und sorgte dafür, dass die durch den Brand Verwundeten geheilt 
wurden. Am 19. Juli begann um 9 Uhr abends ein fürchterliches 
Ungewitter, das bis um 4 Uhr morgens den nächsten Tag dauerte; 
um 9 Uhr vormittags begann es dann von neuem zu wüten und 
dauerte bis um 9 Uhr abends. Dreimal hatte der Blitz in Kroissen- 
brunn und 23mal sonst eingeschlagen. Die Maria Reitin von Engel- 
hartstetten hatte er getödtet und zwei Personen beschädigt. Es be- 
durfte manchen Robottages, den Schaden auszubessern. Man hatte 
aber auch am 3. Januar und am 22. Februar einen Kometen ge- 
sehen. Das Jahr 1746 brachte neues Unglück, indem eine Vieh- 
seuche fast alles Vieh hinwegraffte, nur in Engelhartstetten blieb 



! ) Pf&rrgedenkbuch in Kroissenbrunn. 
2 ) Scblosshofer Archiv. 

16* 



244 

einiges erhalten. In Lassee fielen allein 1055 Stück. Busspredigten 
wurden gehalten und Processionen angeordnet. Als eine Wallfahrt nach 
Maria Thal in Ungarn gieng, war die March so seicht, dass 40 Paare 
ohneweiters dieselbe durchwaten konnten. Aber auch die Engel- 
hartstetter befanden sich in keiner günstigen Lage, was schon daraus 
hervorgeht, dass sie der Herrschaft seit 1702 eine Summe von 
753 fl. 30 kr. schuldig waren, die ihnen 1748 bis aut 100 fl. unter 
der Bedingung geschenkt wurden, dass sie eine andere Schuld 
(245 fl.) um so sicherer abzahlen würden. 1 ) 

Das Jahr 1749 brachte eine neue Art von Unglück, über 
welches noch ein gleichzeitiger Bericht in Schlosshof vorhanden ist. 2 ) 
»Es seynd den 11. August 1749 gegen den abend ohngefehr umb 

6 Uhr ganz unvermuth von Wolfsthal über das Gebürg neben des 
alten Thebener Schloss ein dergestalt grosse menge deren Heu- 
schröcken aus Ungarn angekommen, dass man anfänglich den Schwärm 
vor einen trüben Rauch einer Feuersbrunst angesehen, nachhero 
aber erfahren müssen, dass es jenes Unthier seye, welches schon 
lang vorhin besorget worden, Solcher Schwärm hat sich also gegen 

7 Uhr ohngeachtet dass man selben mit Schuessen und andern 
Gewöhr begegnet auf den Herrschaft Hoferischen Terrain nemblich 
im sogenannten Grözl und dort herumbliegenden Wüsen wie auch 
umb das Schloss auf deren Feldern und Gebüschen besonders aber 
in dem grossen Herrschafts Garten und den daran stossenden Wein- 
gebürgl solchergestalten niedergelassen, dass man weder Erden noch 
Laub gesehen, massen sie einen guten Schuh hoch über einander 
gelegen und gehangen, welches bey Jedermann die Haare zu Berg 
stehen gemachet, waren also auch diesen abend t nicht mehr weithers 
zu bringen. In der Nacht aber hat man die ganze Herrschaft 
mittelst einem Circular aufgeboten und mit anbrechenden Tag auf 
dieses Ungeziefer marchiret, gegen solche ohnaufhörlich mit kleinen 
Geschützen geschossen (weilen kein grosses vorhanden wäre) Los 
gefeuret, darein geschlagen und anderes Getös gemachet, bis sye 
sich endlich gegen 9 Uhr Vormittag gehoben, und ihren Flug über 
Marchegg dem Wieselandt zu vortgesetzet; Hierorths haben sie ausser 
des Rohr- und Bümbsen wenig grünes angegriffen, auch weitheres 



') Teils nach dem Kroissenbrunner Pfarrgedenkbuch, teils nach Berichten 
im Archive zu Schlosshof. 

2 ) Angedenkbach über die Merkwürdigen Vorfallenheiten bey der hochfürstl. 
Herrschaft Hoff an der March. 



245 

keinen Schaden gemacht, als dass viele Baumber besonders in dem 
sogenannten Grözl vor der Meng und Schwere zertrucket worden. 
Dieses Thier ist eines kleinen Finger lang aber nicht so dick: hat 
vier Flügel, deren die unterste viel breiter und rundlicht, die oberen 
aber langlicht und schmall mit vielen characteres gleich einer 
griechischen oder hebräischen Schrifft, jedoch ist nichts hie von zu 
eruiren: theils seynd rotlich t, theils grüne und theils grau, haben 
ein ungemein starkes Leben und zahn gleich einer Maus, jedoch 
respectu ihrer grosse, wodurch sie dann (zu sagen) in einem Augen- 
blick Alles, was sie angegriffen, zernagen und auffressen. 

»Den 19. August ist abermahl eine erstaunliche Menge aus 
Hungarn über das Pressburger Gebürg herübergekommen, dagegen 
man wiederumb alle Veranstaltung gemachet und ohngeachtet sye 
von den bey Neudorff auf dortigen Morästen geschlagenen Lager 
sich des andern Tages als den 20. August gegen 9 Uhr Früh über 
die March herübergewendet, hat man sie gleichwohlen vom hiesigen 
Terrain ohne verursachten Schaden abgetrieben und seynd nach 
Obersiebenbrunn zugeflogen. 

»Eodem hat sich auch ein Seh warm b, so ebenfalls von einer 
ungemeinen Grösse wäre, von Wolfsthal an der Donau neben denen 
Auen heraufgezogen auch bey Stopfenreuth herüber auf dasig- und 
Engelhartstetterischen Feldern gewendet, die man aber auch (Gott 
sey höchster Dankh) wiederumben weithers vertrieben.« Der Ver- 
walter war jedoch mit den Herrschaftsunterthanen bei diesen Heu- 
schreckenüberfUllen nicht zufrieden gewesen und er erliess ein Tadels- 
schreiben mit genauen Vorschriften für die Zukunft bei ähnlichen 
Anlässen. 1 ) 

l ) >Circulare an die Markt- und Dorfrichter in puncto Heuschröcken. 
Ao. 1749. Nachdem leyder schon zweymahlen die schödl- als fürchterlichen Heu- 
schröcken das hiesige Herrschafts Territorium angefallen wegen Veranstalter guter 
Gegenwöhr aber jedesmal ohne grossen Schaden abgetrieben worden, wobey jedoch 
letzlich besonders in Obacht genommen worden, dass viele deren Unterthanen zu 
jener verfassten Gegenwöhr entweders' nicht erschienen oder schlechte Leuth ohne 
behörigen Instrumenten abgeschickhet haben, dahero, und damit fürohin bey solch 
leidigem Übel alle nur immer Menschen mögliche Rettungsmittel vorgekheret 
werden mögen, haben sie Richter ihre Gemeinden aufzufordern und denenselben 
mit geschärfter Ernsthaftigkeit vorzutragen, dass wann ins künftige bey Tag oder 
Nacht ein Aufbot oder Zusammenruffung beschichet, wenigstens von jedwedem 
Haas zwey ernsthaffte und starkhe Persohnen mit Glockhen, Schellen oder andern 
getöshaften Instrumenten auf das aecuratiste an Orth und Stelle, wohin man sie 
verlanget, erscheinen sollen. Wer also hinwider handeln und diesem obrigkeit- 



246 

Das Jahr 1749 muss auch in Bezug auf die Wittemngsvt 
hültnisse nickt das beste gewesen sein, denn am 19. Septemb 
wurden die freiweidenden Marchegger Kühe durch einen heftig' 
Nordwind so belästigt, dass sie davon- und gegen Hof zu lief« 
Das Laufen, der Wind und der dabei fallende Regen hatten o 
Thiere so ermüdet, dass sie auf der Haide bei Hof liegen bliebe 
wo dann über 20 Stück erfroren. 1 ) 

Der Prinz von Sacbsen-Hildburghausen hatte sich in di 
Jahren 1746 und 1747 weniger als sonst in Schlosshof aufgebalt« 
da ihn sein Amt in Wien und Graz und Karlstadt ferne hie 
Sein Regiment zu Fuss kam im August 1750 zur Werbung nai 
Wien. Jeder Taugliche, der sich anwerben Hess, erhielt 2 
Werbegeld. 

Unter den hohen Gästen, die der Prinz von Sachsen -Htldbui 
hausen in Schlosshof bewirtete, waren die erlauchtesten die Kaiser 
Maria Theresia und ihr Gemahl Kaiser Franz. Mit ihrem Hofatas 
waren sie am 1. October 1743 nach Schlosshof gekommen, wo * 
mnter Lösung der Stück« am Abend um 7 Uhr eintrafen. Die Pri 
zesäin Victoria war den Majestäten bis Niederweiden entgegengefahrt 
Alles war prächtig beleuchtet. Die Bäume und das Sehloss waren n 
lausenden von Lampen geschmückt und alle Wege waren mit Faeke 
besetzt Um 8 Uhr abends speisten die Majestäten mit noch 24 Hei 
schaften im beleuchteten grossen Saal öffentlich mit Tafelmusik 1 
9 Uhr. Am nächsten Tage wurde um '/,11 Uhr eine Segenme* 
gebalten, eine figurierte Litanei aufgeführt und nach der Met 
wurden drei Gebete verrichtet: zum Alle rh eiligsten, zur Mutl 
Gottes und für die Kaiserin. Der Nachmittag wurde mit Spiel u: 
Jagd zugebracht. Am 3. October wurde um '/ a 8 Uhr eine Mes 
ohne Litanei gehatten und nach dem darauffolgenden Frühmabi vi 
Hessen der Kaiser und die Kaiserin wieder unter Lösung der Stüc 
Schlosshof, um nach Schönbrunn zu fahren.') 

Hatte der Prinz bei diesem kaiserlichen Besuche Alles ai 
geboten, um die Majestäten würdig aufzunemen, so entfaltete 

liehen Befehl nicht nachleben wird, deine wird znr Straff ein Eisen am Fuw 
legt und durch acht Tage zur Öffentlichen HerrBchafUarbeith angehalten werd 
Wonach eich eu richten und vor Schaden xu liUtlien ist. Qeben Sehloss Hoff i 
21, Augusti Ao. 1749.. 

') A. a. O. 

*) Pfarrgedenkbtich von Kroispenbrunn, 1. Bd. 



247 

bei einer anderen Gelegenheit einen Aufwand, der fast ans Unglaub- 
liehe streift. Über die grossartigen Festlichkeiten wurde ein aus- 
führlicher gleichzeitiger Bericht von Kaltenbäck im Austriakalender 
vom Jahre 1844 veröffentlicht. 1 ) In der Mitte des vorigen Jahr- 
hunderts hielt sich der kaiserliche Hof gerne auch zeitweilig in 
Hollitsch auf. Wenige Sommer vergiengen, ohne dass die Kaiserin 
Maria Theresia dieses Gut besucht hätte. Das that sie auch im 
Sommer 1754. Auf der Rückreise nach Wien folgte sie der Ein- 
ladung des Prinzen von Sachsen-Hildburghausen, wieder Schlosshof 
zu besuchen, und langte daselbst am 23. September 1754 an. Mit 
ihr kamen Kaiser Franz, Erzherzog Karl und die Erzherzoginnen 
Maria Anna und Maria Christina. Da gerade Mittagszeit war, 
speisten die Herrschaften mit ihrem Gefolge an zwanzig kostbaren 
Tafeln. Das Dessert auf der kaiserlichen Tafel stellte die zwölf 
Monate in ungemein schönen Gebilden aus Zucker dar. 

Nach der Tafel verfügten sich der Kaiser und die Kaiserin 
mit ihrem Gefolge nach dem eine Viertelstunde weit entfernten 
Schlosse Nieder weiden, bei dem sich ein vom Prinzen Eugen im 
französischen Stile angelegter Garten befand. Was man am meisten 
bewunderte, war ein Theater, das nur von Rasen und zugestutzten 
Spalieren gebildet und nicht eher sichtbar war, bis man in dem 
selben drinnen stand. Wie ohne Absicht waren die Majestäten mit 
dem Prinzen auf dem Spaziergange in dieses Theater eingetreten. 
Sogleich wurde mit einer Serenade begonnen, für die Abb6 Metastasio 
eigens den Text gedichtet hatte. Die berühmten Sängerinnen Vic- 
toria Tesi und Theresia Hennisch sangen die Hauptpartien des Sing- 
spiels. Sie forderten im Gesänge auch alle Bewohner der Wälder 
auf, den Majestäten ihre Huldigung darzubringen, und siehe da, 
unter den Klängen von Waldhörnern begannen sich die Gebüsche 
mit Bauern, Bäuerinnen und Kindern zu füllen, die nun alle im 
Chor in den Gesang einstimmten. 2 ) Es wird den biederen March- 
feldern nachgerühmt, dass sie nicht bloss ihre musikalische Leistung 
prächtig machten, sondern auch den Text »in wälscher Sprache so 
klar und deutlich als wie geborne Italiener aussprachen, wobei denn 



l ) >Die Festivitäten von Schlosshof im Jahre 1754.c »Austriac 1844, 
8. 87 — 96. Nach einer gleichzeitigen Handschrift. S. 92 steht statt Kroissenbrunn 
Grossen- Baum. In Keiblingers Manuscripten findet sich die Angabe, dass die Fest- 
lichkeiten über 60.000 fl. kosteten. 

-) Tutti in oramaggio il euor. 



248 

sonderlich der Eifer, mit welchem auch die kleinsten Kinder von 
sieben und acht Jahren sothane Expressionen mit vollem Halse 
herausschrieen, über alle Massen, zärtlich anzuhören«. 

Inzwischen war auch der Kronprinz, Erzherzog Josef, aus 
Wien angekommen. Nach der Rückkehr nach Schlosshof wurde in 
dem dortigen Schlosstheater eine Oper: »La isola dishabitata«, von 
Metastasio und dem Hofcompositeur Bonno, unter Mitwirkung der 
Sängerinnen Tesi und Hennisch und des Tenoristen Frübart auf- 
geführt Das Parterre des Theaters war derartig hergerichtet, als 
ob es mit einer Gallerie versehen wäre, die mit Zuschauern in 
allerlei Masken besetzt sei. Bei der darauffolgenden Abendtafel 
wurde durch allerhand kunstreiches Zuckerwerk >die Glorie des 
Erzhauses Osterreich« dargestellt. 

Am 24. September beschäftigten sich die Majestäten am Vor- 
mittage mit der Besorgung von Staatsgeschäften. Am Nachmittag 
sollte eine ausserordentliche, nie gesehene Jagd stattfinden. Dieselbe 
fand am Ufer der March, die dort über hundert Klafter breit 
ist, statt. Gleich am linken Ufer erhebt sich der Thebener Kogel, 
der auf der Westseite nur auf dem Gipfel mit Wald bewachsen 
ist. Dort hatte der Prinz 800 Hirschen zusammengetrieben, die 
zu Beginn der Jagd von etlichen hundert Bauern über den Berg 
hinab in die March gescheucht wurden. Über einen Teil des 
Flusses war eine Brücke in der Form eines Triumphbogens erbaut, 
über welche die Hirschen laufen und dann sich in die March stürzen 
mussten. Am andern Ufer waren aber in einem luxuriös aufge- 
führten Gebäude die Schiessstände der Herrschaften. Für die Maje- 
stäten war ein überaus prächtiges Schiff nach Art des venetianischen 
Bucentauro verfertigt worden, das sechs kleinere Fahrzeuge, wovon 
eines mit fünfzig Musikanten besetzt war, zu Begleitern hatte. Auf 
diesen Schiffen sollten die höchsten Herrschaften an der Jagd teil- 
nemen, allein die Kaiserin, »dero mitleidiges Herz nicht einmal, dass 
einem Thiere wehe geschehe, zusehen kann,« gab nicht zu, dass 
das bis zum Tod erschreckte gehetzte Wild getödtet werde, sondern 
schenkte demselben die Freiheit. 

Nun kam ein anderer Teil der Jagd an die Reihe. In einem 
grossen, auf dem rechten Marchufer erbauten mehrstöckigen Garten- 
palaste waren im obersten Stockwerke 1000 Hasen, 130 Füchse 
und 60 Wildschweine eingesperrt, die man nun losliess. Sie sollten 
über Stiegen, die teils innen, teils aussen am Gebäude herabliefen, 



249 

herunterspringen, um dann den Jägern in den Schuss zu laufen. 
Viele dieser Thiere, vornemlich die Hasen, wollten sich zu diesem 
vorgezeichneten Wege durchaus nicht bequemen, sondern sprangen 
geradenwegs herunter tund haben sich immediate todt gestürzet«. 
Viele Thiere wurden auch geschossen. Das zahlreiche Jagdpersonale, 
die Musiker und die Ruderer waren prächtig gekleidet, letztere in 
venetianischer Gondoliertracht. Der Klang der Hüft- und Waldhörner 
wechselte mit den Weisen der Musikanten ab. 

Am Abende fand wieder die Aufführung einer italienischen 
Oper »Le Cinesi« von Metastasio und dem fürstlichen Kapellmeister 
Gluck statt. Die Majestäten wurden nicht müde, ausser der herr- 
lichen Musik und Darstellung die prächtige Scenerie der Bühne zu 
loben. Tanzunterhaituns beschloss den Abend. 

Am 25. September ergötzte sich der Kaiser am Vormittag 
mit Hasen-, Fasan- und Feldhühnerjagd in den Weingärten, die sich 
damals südlich vom Schlosse den Hügel hinab erstreckten und die 
später von der Kaiserin Maria Theresia in einen Fasangarten um- 
geändert wurden. Wie jede Tafel auch ihre Überraschung brachte, 
so stellte bei der folgenden das Dessert die so sehr complicierte und 
absonderliche Jagd des vorigen Tages dar. Nachmittags fanden in 
dem etwa eine halbe Stunde entfernten Orte Kroissenbrunn, wo 
Prinz Eugen das Wasser von mehr als einem halben Dutzend 
Quellen in einem Brunnenhause und in drei Teichen gesammelt, 
durch ein Wasserwerk in ein grosses Reservoir auf den Berg hinauf- 
getrieben und dann nach Schlosshof geleitet hatte, Festlichkeiten zu 
Wasser statt. Um den einen der dortigen Teiche war ein Amphi- 
theater errichtet worden, das mit 500 Personen besetzt war. Auf 
dem Teiche fand ein komisches Wassergefecht, eine sogenannte 
Naumachie, statt, wie sie auch bei den Römern üblich gewesen. 
Zwei Quadrillen wurden von je vier Schiffen aufgeführt. In Masken 
verkleidete Unterthanen waren die Ruderknechte. Im Teiche 
waren sechs Felsen angebracht, auf welche die Vorüberfahrenden 
schlugen, worauf dann Füchse, Hasen, Wölfe, Frischlinge, Gänse 
und Enten herauskamen, von denen die einen davonflogen, die 
anderen ins Wasser fielen. Zuletzt führten alle Schiffe ein Wasser- 
Caroussel auf, rückten dann gegen einander los und bekämpften 
sich mit Lanzen, die als Spritzen hergerichtet waren und auch ge- 
braucht wurden, indem die Kämpfenden sich gegenseitig durch - 
nässten. 



250 

Hierauf schwamm eine Insel gegen den Platz der Majestäten 
zu. Auf derselben war ein exotischer Garten angelegt, in dem 
sich Statuen befanden, darunter die Donau und die March, welche 
aus ihren Armen Wasser auf eine Cascade gössen. Auf der Spitze 
eines Felsens thronten die dementia und Justitia in Kolossalgrösse, 
um anzuzeigen, >dass Ihro Majestäten alle Bedienung in Schlosshof 
mitnichten nach Justiz abwägen, sondern nach der Clemenz mit 
indulgenter Grossmuth ansehen möchten,« wie es in der gleichzeitigen 
Relation heisst. Fünf in Atlas und Silber gekleidete Gärtner luden 
die hohen Herrschaften ein, ihren Inselgarten zu besuchen und die 
Früchte desselben (aus Zuckerwerk und Gefrornem) zu kosten. 
Fischer und Fischerinnen gaben dem Kaiser und der Kaiserin Netze, 
womit sie aus einem Bassin Karpfen, Forellen und allerlei andere 
Fische fiengen. Die Majestäten lobten die Wasserkünste als eine 
»noch nie gesehene, particulär erdachte Invention«. Der Erfinder 
derselben, Hauptmann Baron Mengen, empfieng auch das ihm ge- 
bührende Lob. 

Nach der Rückkehr nach Schlosshof begann die Unterhaltung 
auf der Schiessstätte, welche durch tausend Lichter, die im Gebüsche 
verborgen angebracht waren, erhellt wurde. Der Kronprinz, Erz- 
herzog Josef, traf zuerst das Centrum der Scheibe, wodurch zugleich 
ein Feuerwerk entzündet wurde, in welchem die Worte zu lesen 
waren: »Vivat Franciscus!« Mit einem anderen Treffer entzündete 
der Kronprinz die Worte: »Vivat Maria Theresia!« Ebenso erschienen 
der Name Josef und die Namen der Erzherzoginnen Maria Anna 
und Maria Christina. Auch sonstige Feuerwerksktinste waren zu 
sehen. 

Am 26. September sollte der Besuch zu Ende gehen. An der 
Abschiedsfeierlichkeit sollten wieder alle Unterthanen des Prinzen 
beteiligt sein. Dazu war ein Bacchantenfest gewählt worden, »welches 
sich mit Preisgebung einer Menge Victualien und einiger Eimer 
Wein geendigt hat«. Die kaiserliche Familie sah vom Fenster der 
Wohnung des Kaisers diesem Feste, das sich im Hofe abspielte, zu. 
Herolde, Pauker, Trompeter, Ritter, Bacchanten, Nymphen u. dgl. 
gab es im Überflusse. Festwagen, die von Ochsen mit vergoldeten 
Hörnern gezogen wurden, führten den Bacchus, den Silenus und 
Satyren. Ein Triumphwagen führte ein grosses Schiff mit Musikanten. 
Die Masten trugen statt der Segel Gänse, Enten, Hühner, Hirsche, 
Wildschweine, Hasen, Fasanen, Rebhühner, grosse Stücke Speck, 



251 

Würste, Käse, Brod und andere Esswaren. Vierthalbhundert Unter- 
thanen, als Masken gekleidet, begleiteten den Zug. Nach einigen 
Quadrillen, Ritterspielen, nach Loslassung verkleideter Thiere, be- 
gannen die Bacchanten und Nymphen einen Tanz, in dem sich 
solche Figuren entwickelten, dass zuletzt die Anfangsbuchstaben 
der Namen des Kaisers und der Kaiserin erschienen. Knieend 
machten die Unterthanen in dieser Stellung ihre Reverenz vor den 
Majestäten. »Der Prinz hat also manifeste dargezeiget, dass man 
nicht allein polite und habile, sondern auch ungeschickte Leute 
(wenn man nur damit umzugehen weiss) zu Allem abrichten kann, 
inassen er aus seinen Bauern in einer Zeit von drei Monaten ita- 
lienische Sänger, künstliche Engländer, Matrosen und adroits fran- 
zösische Tänzer gemacht hat,« schreibt der ganz freudentrunkene 
Berichterstatter. 

Die Wagen mit den Lebensmitteln wurden noch näher zum 
Fenster der Wohnung des Kaisers gebracht und auf ein gegebenes 
Zeichen von den Unterthanen geplündert, die Fässer des Bacchus 
auf des Wohl der Majestäten geleert. Auf der kaiserlichen Tafel 
stellte das Dessert eine Armee von kleinen sich bewegenden Soldaten 
dar, die eine Festung belagerten, welche nach einer Weile sich in 
einen Friedenstempel verwandelte, um welchen herum sich natürliches 
Wasser ergoss. Um 3 Uhr nachmittags verliessen der Kaiser, die 
Kaiserin, ihre Kinder und Gefolge Schlosshof und langten am Abend 
in Schönbrunn an. 

V. 

Dieser kaiserliche Besuch war für Schlosshof von grossen 
Folgen begleitet. Das Herrscherpaar, besonders aber Kaiser Franz, 
hatte ein sehr grosses Wohlgefallen an Schlosshof gefunden. Die 
Kaiserin kaufte es daher für Kaiser Franz im Jahre 1755 vom 
Prinzen von Sachsen-HUdburghausen um 400.000 fl. 1 ) Der Ver- 
walter von Schlosshof, Maluska, erhielt die Anweisung: »Derselbe 
hat ganz in der Stille noch vor der Übergabe, die den 1. April er- 



') Bei Keiblinger (II. 2, S. 426) findet sich nach Hübner die unrichtige 
Nachricht, Kaiser Franz habe den Thebener Kogel durchgraben lassen, weil der- 
selbe die Aussicht nach Pressburg verhinderte. Richtiger ist der folgende Satz, 
dass »unter seiner (Franz), Maria Theresiens und Josefs II. Regierung Schlosshof 
ein Sitz tausendfältiger Freuden und der Lieblingspalast des Hofes, daher auch 
im Sommer von dem Adel aus Pressburg und von der gebildeten Classe sehr be- 
sucht war«. 



252 

folgen wird, zu berichten und zu sehen, dass nichts von dem Fundus 
instructus hinwegkomme, wozu auch der Winteranbau gehört, 
z. B. Möblen, Schlosseinrichtung etc. etc. Sr. Durchl. dem Prinzen 
ist vermög geschlossenen Contract nichts reservirt worden, als seine 
Gewehre, Equipage, Bücher, Drexlerei, und was jtingsthin zur Be- 
dienung des höchsten Hofes Ihrer Majestäten des Kaisers und der 
Kaiserin ist beygeschafft worden. Auch die Ausstände der Unter- 
thanen und die Cautionsgelder sind genau anzugeben, damit man 
sehen könne, ob etwas daran abgehe, was dann von dem Kauf- 
schilling ebenfalls zu decortiren seye.« 1 ) 

Noch im Jahre 1755 besuchten der Kaiser und die Kaiserin 
Schlosshof mit ihrem Hofstaate von fast anderthalb hundert Personen 
und verweilten auf diesem lieblichen Landsitze vom 8. bis 22. Juli. 2 ) 
Der früher an der Kapelle angestellte Kaplan wurde beibehalten. 
Es wurde um die Messlicenz angesucht, die am 11. April 1755 er- 
teilt wurde. Sie ist ausgestellt von Franz Hannibal Graf von Thurn 
und Vallissassina, Domherrn von Passau und Official und General- 
vicar des Bischofs von Passau, Cardinal Josef Dominik Graf von 
Lamberg. 3 ) Es wurde die tägliche Messe auch an Sonn- und Feier- 
tagen erlaubt, und es durften derselben alle Schlossbewohner und 
Andere, die sich dort aufhielten, beiwohnen. Die Licenz hatte ihre 
Geltung, so lange der Kaiser das Schloss besitzen würde. Der Ge- 
halt der Schlosskapläne war anfangs zwei-, später drei-, ja vierhundert 
Gulden, weil der Wirkungskreis immer grösser wurde. Vier Klafter 
weiches Holz und freies Quartier wurden auch gegeben. Dafür 
mussten sie > täglich die heil. Messe in der Schlosskapelle zu einer 
denen Beamten und Arbeitsleuten bequemen Stunde lesen« und drei 
davon auf die Intention des Kaisers aufopfern. Das Schlosshofer 
Wirtschaftsamt war angewiesen, den bestimmten Gehalt auszu- 
folgen. Der erste bleibend angestellte Kaplan war Josef Richter. 4 ) 

*) Leopold Gartier, »Einige Bemerkungen« u. s. w. 

2 ) Siehe Beilage 6. 

3 ) Gefertigt ist das Document von Nicolaus Ernst Gruber, Direktor, und 
Dr. Josef Alxinger, Rath und Notar. (Archiv in Schlosshof). 

4 ) Er erhielt schon am 8. Mai 1756 vom Kaiser Franz die Präsentation für 
die wieder hergestellte Pfarre Witzeisdorf. Sein Nachfolger war Ignaz Rechberger, 
über den nichts Näheres bekannt ist. Diesem folgte 1762 Bernhard Kroner, von 
dem die Tradition sich erhalten hat, dass ihn die Kaiserin Maria Theresia sehr ge- 
schätzt habe. Sie bewilligte für seine Person eine jährliche Zulage von 100 fl. 
»mit der Obligation, dass er den 18. jedes Monats, nächst künftigen Montag als 



253 

Auch kirchliche Würdenträger besuchten manchmal das March- 
feld, so im Juli 1756 der Suffragan von Passau, Ludwig Christoph, 



an dem Jahrstag des schmerzlichsten Hintrittes damit anzufangen, die heil. Messe 
für weyland Se. May. den Kaiser Franz höchstseligster und glorwürdigster Ge- 
dächtnuss u. z. so oft es seyn kann, schwarz lesen; dann alle Sonntage bey der 
heil. Messe die Epistel und das Evangelium in teutscher Sprache denen Umstehen- 
den laut ablesen und alle 14 Tage Nachmittags eine Kinderlehr halten solle.« 
Wien, den 15. August 1766. Ihm folgte 1782 Joh. B. Kerschner. Im Jahre 1783 
wurde der Hofkaplan Josef Mayer mit seinem Titel und Gehalt nach Schlosshof 
befördert. Dieser musste auch über die dortige Normalschule die fortwährende 
Aufsicht tragen, damit der Schullehrer der Jugend nach dem Normalgesetze den 
vorgeschriebenen emsigsten Unterricht beibringe, die bestimmten Schulstunden 
niemals abkürze und über das Normale der Jugend nicht mehr Recreationstage 
erteile. Er sollte wöchentlich zweimal in der Schule die Jugend zu katechisieren, 
den Ortskranken ihre Beicht abhören und mit dem allerheiligsten Abendmahl ver- 
sehen und überhaupt nichts, was einem wahren und eifrigen Priester zukommt, ver- 
säumen. So das Decret vom 26. August 1783, Schlosshof. Da er doppelten Gehalt 
bezog, lebte er »auf honettem Fuss«, unterstützte die Armen, baute einigen 
Unterthanen neue Scheuern u. s. w. Sein Nachfolger Franz Wiesinger, der früher 
Cooperator in Orth war (1798 — 1803), erhielt ausser 400 fl. noch 10 Centner Heu, 
2 Fuhren Futterstroh, 4 Klafter Scheiter und 4 Klafter Prügel. Er war ein ge- 
wandter, gelehrter Mann, dem vom Consistorium die Kanzleidirektorsstelle angeboten 
wurde, die er aber nicht annam. 1803 wurde er Pfarrer bei St. Johann von Nepomuk 
in der Jägerzeile in Wien, wo er in etlichen Jahren während einer Epidemie ein 
Opfer seines Berufes wurde. In Schlosshof war sein Nachfolger Georg Wurzinger 
aus der Tyrnauer Diöcese, der früher Localkaplan in Markt Hof gewesen. Da er 
französisch sprach, leistete er dem Verwalteramte, als in Schlosshof im Jahre 1805 
der französische Generalstab lag, gute Dienste. Im Jahre 1808 wurde er Pfarrer in 
Au am Leithagebirge. Seine Stelle in Schlosshof nam dann ein Arnold von Emmers- 
dorf ein, ein niederländischer Franziskaner, der früher Schlosskaplan in Leiben 
gewesen und 1818 nach Pressburg gieng. Ihm folgte Johann Nep. Baron Stiebar, 
der 1822 Domherr bei St. Stephan in Wien wurde. Wegen der Schule hatte er 
mit dem Pfarrer von Kroissenbrunn Differenzen, was auch bei seinem Nachfolger 
der Fall war. Leopold Gartier war von 1809 bis 1824 Pfarrer in Witzeisdorf 
gewesen und hatte dort manches Ungemach erlebt. 1800 wurde sein Pfarrhaus 
von den Franzosen rein ausgeplündert. Der Wechsel des Papiergeldes, die Banko- 
zettel, die Einlös- und Anticipationsscheine, der Brand des Pfarrhauses 1819, das 
dann jahrelang nicht hergestellt wurde, die Zurückname der Zulage von Seite 
der Gemeinde an Geld und Naturalien, die Lebensmittelsteigerung, die Kopf- und 
Classensteuer bewogen ihn, Witzeisdorf zu verlassen. Hochbetagt starb er als Jubel- 
priester am 8. Mai 1852 in Schlosshof. Zum Nachfolger erhielt er Friedrich Witt- 
mann, der seit 1842 Regimentskaplan gewesen und als solcher die Feldzüge in 
Italien 1848 und 1849, 1846 den Zug nach Galizien und 1851 jenen nach Holstein 
mitgemacht hatte. Wegen Augenschwäche war er pensioniert worden (1863). Nachdem 
er 1853 durch acht Monate Schlosskaplan in Schlosshof gewesen, wurde er wieder 



254 

Bischof von Abdera, der General vicar des Passauer Bischofs. Er 
firmte im Marchfelde von Gerersdorf bis gegen Marchegg. Im fol- 
genden Jahre firmte am 4. Mai der Bischof von Tinaea, Philipp, zu 
Marchegg und besuchte dann auch Schlosshof, Niederweiden und 
Kroissenbrunn. Dieses Jahr, 1757, brachte am 28. Juli ein fürch- 
terliches Unwetter, indem an diesem Tage um 4 Uhr nachmittags 
Schlössen fielen, die 7 4 Pfund wogen und wovon zwölf, ein Seitel 
Wasser gaben. Am 19. Mai fand in Markt-Hof eine militärische 
Feierlichkeit statt. Für das neuerrichtete Husarenregiment, welches 
auf der Haide zwischen Markt-Hof und Schlosshof campierte, wurde 
am Feste Christi Himmelfahrt eine neue Fahne geweiht Die Feierlich- 
keit sollte im Freien abgehalten werden, ein heftiger Regen ver- 
hinderte aber dieselbe. Die Fahne war »von sonderbarer Schönheit und 
Zierde«. Ein Pauliner, ein geborner Graf Esterhazy, nam die Weihe 
vor. Vom Kaiser und von elf Qberofficieren wurde zuletzt das neue 
Regiment besichtigt. Mittags fand in Schlosshof grosse kaiserliche 
Tafel statt. In demselben Jahre musste in jeder Pfarre die Bruder- 
schaft von der christlichen Lehre eingeführt werden. Da der Kron- 
prinz Josef und die Erzherzogin Maria Christina im selben Jahre 
die Kinderblattern hatten, mussten während ihrer Krankheit bei der 
Messe das Gebet >pro infirmis« und nach derselben drei Vater Unser 
gebetet werden. 

Die Kaiserin nam sich auch der Kirche von Markt-Hof an, 
indem sie im Juli 1759 zwei neue Seitenaltäre in dieser Kirche er- 
bauen Hess, welche im April des folgenden Jahres mit zwei neuen 
Altarblättern versehen wurden. Dieselben stellen den heil.Leonhard und 
Maria-Hilf dar. Früher war nur ein Seitenaltar vorhanden, der so- 
genannte Liebfrauen altar. Der Hochaltar war schon im Jahre 1742 
zumeist mit den Mitteln des damaligen Kirchenpatrons, des Abtes Adrian 
von Melk, hergestellt worden. Die Kosten hatten sich auf 141 fl. 30 kr. 
belaufen, wovon 51 fl. der Tischler von Weikendorf, 84 fl. der Maler 
von Hainburg erhielt, und 6 fl. 30 kr. für ein Antependium aus- 
gegeben wurden. 1 ) Im Jahre 1759 erhielt die Kirche von Markt- 
Hof auch zwei Glocken von Weikendorf, eine grössere und eine 



Kaplan beim Regimente Prinz Eugen. Er war der letzte Schlosskaplan in Schloss- 
hof. Eine wöchentliche Messe wurde dann vom jeweiligen Pfarrer von Kroissen- 
brunn und wird noch immer vom Pfarrer von Markt-Hof gehalten. (Das Meiste 
nach L. Gartier, a. a. O.) 

') Kirchenrechnung über die Jahre 1741 — 1743. 



255 

kleinere. Auf der grösseren stand : 1701 goss mich Franz Zeche tner 
in Wien. Da 6ie bald wieder einen > Schrick« bekam, so wurde von 
der Gemeinde Haringsee 1768 eine andere Glocke gekauft. 1 ) Nach 
Keiblinger 2 ) hätte die Kaiserin Maria Theresia die Kirche »ganz 
neu erbauen « lassen, was unrichtig ist, wol aber wurde diese Kirche 
zum grössten Teile in ihrer jetzigen Gestalt von der genannten 
Kaiserin hergestellt. Das Presbyteriuin zeigt ältere Formen, die 
noch darauf hinweisen, dass es dereinst im gothischen Baustil er- 
richtet war. Das Kirchenschiff wie die links angebaute Kapelle 
der heil, vierzehn Nothelfer sind ohne Zweifel einer jüngeren Zeit 
angehörig. 

Im Jahre 1760 hatte Karl Wagner, Schiflxnüller zu Rossatz, 
seine Mühle zu Stopfenreuth am Donauufer angeheftet, ohne die 
Müllerzeche zu Asparn weiter darüber zu befragen, weshalb diese 
eine Klage dawider einbrachte. Das Wirtschaftsamt von Schlosshof 
nam sich des Müllers an. Die Kaiserin befahl, die Sache auf das 
Genaueste zu untersuchen und nach Recht und Gerechtigkeit zu 
entscheiden. Die Müllerzeche von Asparn, der 39 Müller ange- 
hörten, reichte von Korneuburg bis zum Marchort (Marchmündung) 
und hatte uralte Privilegien, die Kaiser Joset am 5. Mai 1706, 
Kaiser Karl VI. am 6. Juli 1713 bestätigte. Der zweite von den 
46 Paragraphen dieses Privilegiums lautete: >Soll über ernannte 
anzahl einige Mühl nicht eingebracht noch zugelassen werden, sondern 
denen jenigen grund-Obrigkeiten, auf deren Jurisdiction, grund und 
Boden angeregte Schöff-Mühlen defacto befindlich auferlegt werden, auf 
einigen weithern Mühlschlag die licenz nit zu ertheilen, inmassen 
ohnedas keiner, er seye hohen oder Nidern Stands, ausser des Landts- 
fttrsten, oder dessen nachgesetzten N: Oe: Regierung und Cammer 
zuegeben und vorwissen einigen neuen Mühlschlag oder Mühl zu 
bauen, oder einem etwa ausser dieser zöch anderweitig erkauffenden 
alten Mühlschlag in disen district einzufihren und anzurichten be- 
fuegt ist.« 3 ) Die Mtillerzeche blieb mit ihrer Klage im Rechte und 
die Mühle, die gegen ihr Privilegium in Stopfenreuth angeheftet 
worden war, wurde wieder entfernt. Die alten Zünfte thaten sich 
auf ihre Privilegien viel zu Gute und hüteten dieselben eifersüchtig. 
Noch eine andere Zunft reichte in das Gebiet von Markt-Hof, nämlich 

1 ) Pfarrgedenkbuch von Kroissenbrunn. 

2 ) Melk, IL 2, S. 408. 

3 ) Archiv in Schlosshof. 



256 

die Fischerzunft von Marchegg, die wie die Müllerzeche zu Gross-Asparn 
»forderist zu der ehr Gottes, auch erhalt- und Fortpflanzung guter 
Mannszucht und ehrbarkeit unter Meistern, gesellen und jungen, 
sodann zu verhuetung viler Striftt- und irrungen« gebildet war. Sie 
stammte mit ihrem Privilegium in 36 Artikeln aus dem Jahre 1578, 
in welchem Kaiser Rudolf II. sie bestätigt und privilegiert hatte. Die 
Zunft reichte von Rabensburg bis Hof an der March. Da' die Ori- 
ginalurkunde des Privilegiums verbrannt war, wurde 1727 um Er- 
neuerung des Privilegiums angesucht, und zwar mit Erfolg, denn 
1728 wurde es wieder ausgefertigt. 1 ) 

Im Jahre 1760 wurden in Schlosshof 42 Eimer Wein geerntet 
Er muss nicht besonders gut gewesen sein, denn er wurde auf 
1 fl. 30 kr. geschätzt, aber ein Händler gab nicht einmal ein An- 
gebot. Er wurde daher auf ein Lager von Bösinger Wein gegeben, 
von dem man in Schlosshof 524 Eimer liegen hatte. Die Markt- 
hofer bekamen nun jährlich zwei Klafter Holz. Der geheime 
Cabinetssekretär und Finanzrath Baron Franz Josef von Toussaint, 
Herr der Herrschaft Schönau, kündigte dem Verwalter von Schloss- 
hof, Paul Süssenbeck, an, dass Kaiser Franz mit sechs Cavalieren 
in Schlosshof jagen wolle, und zwar am 15. und 16. December 1760. 
Gleich beim »Scheidewege« sollte gewartet werden, da die Jagd 
alsbald nach der Ankunft zu beginnen hätte. Es sollten in den 
kleinen Gebüschen und Remisen vorzüglich Schweine gejagt werden, 
welche durch Schutt des Futters angelockt werden mussten. Fürst 
Auersperg und vier Kämmerer begleiteten den Kaiser, für den 
die »kleine Wohnung« geheizt wurde. Am 2. — 4. Juli 1761 kam 
der Kaiser wieder nach Schlosshof und im August desselben Jahres 
waren beide Majestäten mit grossem Hofstaate da anwesend. Am 
20. September 1762 war der kaiserliche Hof abermals in Schloss- 
hof und vom 30. August bis 1. September 1763 weilten Kaiser und 
Kaiserin wieder auf ihrem Lieblingslandsitze im Marchfelde. Ihr 
letzter Aufenthalt trug aber dem Wirtschaftsamte von Schlosshof einen 
Tadel für sein »Un Wirtschaftssystem« ein. Am 24. September des- 
selben Jahres hatte Graf von St. Julien die »Directum der Jägerei« 
in Schlosshof erhalten. In den Weingärten bei Schlosshof wurden 
im März 1761 400 Maulbeerbäume gesetzt, je 6 Schuh von ein- 
ander entfernt, um eine Allee zum Spazierengehen dadurch zu schaffen. 



l ) Archiv in Schlosshof. 



257 

Den Mendicanten wurde auch Weinmost bewilligt, »sonst sagen sie, 
das wird ihnen in Ungarn selbst von jedem lutherischen Haus ge- 
reicht«. Es sammelten damals: die Kapuziner von Bösing, die Kar- 
meliter von Skalitz, die Pauliner von Schütt-Sommerein, die Trini- 
tarier, Franziskaner und barmherzigen Brüder, letztere drei aus 
Pressburg. Im Jahre 1764 wurden in den herrschaftlichen Wein- 
gärten zu Bösing 400 Eimer gefechst. Das Wirtschaftsamt in 
Schlosshof erhielt im November desselben Jahres den Auftrag, 
995 Eimer Sassiner und Bösinger, die im Keller von Schlosshof 
lagen, nach Straza führen zu lassen. 

Der Finanzrath Franz Josef Freiherr von Toussaint, der die 
Oberverwaltung von Schlosshof führte, starb am 22. März 1762. 
Im Juni desselben Jahres wurde Adam Edler von Posch zu seinem 
Nachfolger ernannt, was er seinen Untergebenen anzeigte. Posch 
war geheimer Rath, Direktor der Finanzen, Sitz und Stimme führender 
Rath in allen Räthen und Direktor der geheimen kaiserlichen Kanzlei, 
die über alle Amter, Buchhaltereien, Cassen, Herrschaften und Güter 
gesetzt war. 1 ) 

Im Juli 1763 hielt sich der kaiserliche Hof in Laxenburg auf, 
gieng dann nach Hollitsch und besuchte auf der Rückreise wie ge- 
wöhnlich Schlosshof, wo schon Alles für den Empfang vorbereitet 
war. Am 14. Juli langte der Hof an. Kurze Zeit früher hatte in 
Schlosshof ein Erdbeben stattgefunden, das auch in der Umgebung 
bemerkt wurde. Ein gleichzeitiger Bericht erzählt darüber: »An- 
heunt den 28. Juny 1763 frühmorgens um halb 6 Uhr praecise 
wurde allhier im Kay: Schloss und übrigen Wirths- und Bräuhaus- 
dann Mayerhoffs Gebäuden ein heftiges Erdbiben von mehristen 
Inwohnern beobachtet, welches die anwesenden Wiener: Mahler, 
Vergolder, Stuccatorer und Tagwerksleuth in solche Verwirrung ge- 
setzt, dass die auf den Gerüsten gestanden die unterhalb geweste 
einer vorgehabten Stürzung beschuldiget und theils mit Lamentiren 
über das Geprassel deren Dachsttihlen von ihrer Arbeit gelauffen 
theils Leuthe aus denen Bethen aufgesprungen. Ich Verwalter und 
mein unten mitgefertigter Schreiber hatten es auch wohl wahrgenommen. 



') Die Adresse sollte »Kürze halbere lauten: >Conseiller Intime et Directeur 
des Finances, conseiller en tous les conseils et directeur de la Chancellerie intime 
de S. M. I. et R. etc.« Die Berichte sollten aber wie bisher >sub coperto an 
Ihro Majestät eingesandt werden«. (Archiv in Schlosshof.) 

Bl&tter de« Vereine» für Landeskunde von Niederöuterreieh. 1889. 17 



258 

Bey der Pfarr Kirch zu Kroissenbrunn, welche actu ob der zu 
seicht gelegten Grundveste untermauert wird, ist auch eine Er- 
schütterung beschehen, dass die Maurer und Tagwerks Leuth mit 
Erstaunung von der Arbeith gesprungen. Protocollirt zum Andenken, 
Schloßs Hof an der March. Paul Wenzel Süssenbeck. Sebastian 
Fröhlich.« 1 ) 

Während die Majestäten im Jahre 1763 in Schlosshof ver- 
weilten, herrschte am 15. Juli ein entsetzlicher Sturmwind, durch 
den sich aber Kaiser Franz nicht hindern Hess, in Nieder weiden 
eine Hirschjagd abzuhalten. Am 15. August fand ein fürchterliches 
Gewitter statt, das im Turme zu Kroissenbrunn einschlug, den 
Glockenstuhl zerschmetterte und die Wetterläuter zu Boden warf. 
Dem Blasi List »wurde der Rücken gesengt, sein Häubel und Leibel 
zerrissen.« Dem andern Läuter schlug der Blitz ein Loch in den 
Hut. Von der Pfarre aus wurden gewöhnlich in jedem Jahre 
13 Wallfahrten gemacht nach Marchegg, Eisenstadt, Maria Thal, 
Lassee, Engelhartstetten, Breitensee, Wolfsthal (Maria auf dem Birn- 
baum) u. s. w. Für die Häusereinräucherung am heil. Dreikönigs- 
feste wurden von jedem Hause 3 kr., dann Eier, Fleisch, Milch, 
Hühner u. s. w. gegeben. Der Schullehrer bekam ein Drittel davon. 
Am 15. Juli 1765 fand in Kroissenbrunn wieder eine bischöfliche 
Visitation statt. Es kam der Bischof von Passau, Graf Leopold 
Firmian. Die Prälaten von Melk und von Montserrat begleiteten 
ihn. Er besichtigte Alles genau und fragte um jede Kleinigkeit, 
war aber zufriedengestellt, nur musste der Tabernakel besser ver- 
sperrt und sollten die Todtengebeine würdiger verwahrt werden. Graf 
Firmian war auch in Schlosshof, nam aber hier keine Visitation 
vor, sondern besichtigte nur die Kapelle und die Zimmer. 

Im April 1765 kam Kaiser Franz mit seinem Bruder Karl 
und einer Anzahl von Cavalieren aus Pressburg nach Schloss- 
hof. Graf Clary wurde als Obrist-Hof-Landjägermeister über das 
ganze Jagdwesen der kaiserlichen Herrschaften gesetzt Im He rbste 
1765 wollte der Kaiser Josef wissen, wie viel die ganze Jagd im 
Jahre 1764 gekostet habe. Im October 1765 kam Prinz Albert 
von Sachsen, Herzog von Zweibrücken, mit einem Gefolge von 
mehreren Cavalieren auf etliche Tage nach Schlosshof, um dort zu 
jagen. Nach dieser Jagd wurden die wilden Schweine alle abge- 

l ) >Gedänkhsbuch de ao 1717«, S. 144. 



259 

schössen, 200 wilde Fasanen losgelassen und vom General von 
Miltitz wurde den Jägern erlaubt, Hirsche zu schiessen. 

In diesem Jahre 1765 war Kaiser Franz I. zum letztenmale 
in Schlosshof gewesen, denn am 18. August 1765 schied er aus 
diesem Leben. 1 ) 

Prinz Albert von Sachsen war im Herbste 1765 schon als er- 
klärter Bräutigam der Erzherzogin Maria Ohristina in Schlosshof 
Er und sein Bruder Clemens von Sachsen , Söhne Friedrich 
Augusts HI. von Sachsen-Polen und der Maria Josefa, einer Tochter 
Kaiser Josefs I., daher mit dem Kaiserhause nahe verwandt, waren 
im Jahre 1760 nach Wien gekommen. Ihre Mutter war damals 
schon todt, ihr Vater starb 1763. Prinz Albert, geboren am 11. Juli 
1738, Clemens, geboren 1739, waren in die österreichische Armee 
eingetreten, machten den Feldzug gegen Preussen mit und verbrachten 
den Winter 1760 in Vergnügungen in Wien. Da Clemens krank wurde, 
mussteer dem Soldatenstande entsagen und wurde Geistlicher; er war 
schon 1763 Bischof von Freisingen und Regensburg, 1764 Coad- 
jutor von Augsburg und wurde 1768 Erzbischof von Trier. 
Prinz Albert wollte durch die Gnade der Kaiserin Grossmeister 
des deutschen Ordens werden. Dieselbe hatte aber diese Würde 
bereits ihrem Schwager, dem Prinzen Karl von Lothringen, zugedacht 
und gab dem Prinzen Albert mehr, als er begehrt hatte, die 
Hand ihrer Lieblingstochter Maria Christina. 1760 erhielt er ein 
Kürassier-Regiment, die Feldzüge 1760, 1761 und 1762 machte 
er als Feldmarschall-Lieutenant mit. In Wien wurde er als ein 
Glied des kaiserlichen Hauses betrachtet und behandelt. Hier lernte 
er die Erzherzogin Maria Christina kennen. Im Sommer 1764 be- 
gleitete er den Hof nach Pressburg, wo die Kaiserin den Landtag 
eröffnete. Am 26. December 1765 kündigte sie dem Prinzen 



l ) In dem Gebetbuche, das Erzherzogin Maria Christina von ihrer Mutter 
Maria Theresia erbte, lagen Zettel, auf deren einem stand: »kayser franciscus mein 
gemahl hat gelebt 56 jähr, 8 monat, 10 tage, ist den 18. augusti 1765 gestorben 
halb 10 Uhr Abends, also gelebt monate 680, wochen 2958, tage 20778, stunden 
496992. mein glücklicher ehstand war 29 jähr, 6 monat, 6 tage, um die nämliche 
Stande, als ihm die hand gegeben, auch an einem sonntag, ist er mir plötzlich ent- 
rissen worden, macht also jähr 29, monat 335, wochen 1540, tage 10781, stunden 258744. 

meine regierungsjahre 28 jähr, 2 monate, 12 tage, also monat 354, wochen 
1471, tage 103000, stunden 247200. So vile pater noster ave requiem gloria patri 
zu beten oder so viel Almosen zu geben. € (A. Wolf, Maria Christine, Wien 1863, 
I. Bd., 8. 79.) 

17* 



260 

an, dass er zum Feldmarschall, Generalkapitän und Statthalter von 
Ungarn ernannt sei. In der Burg zu Wien bestimmte sie ihre 
eigene Wohnung für das künftige Ehepaar, in Laxenburg wurde ein 
eigenes Haus und in Pressburg das Schloss für dasselbe hergerichtet. 
Am 2. April 1766 wurde die Verlobung gefeiert. Die Erzherzogin 
erhielt ausser den 100.000 fl., die als Heiratsgut für jede Prinzessin 
bestimmt waren, noch 4 Millionen Gulden teils in Gütern teils 
in Geld. Das Herzogtum Teschen, welches aus der Verlassenschaft 
Franz I. an Kaiser Josef übergegangen und der Krone Böhmen 
lehenbar war, wurde mit allen Gefällen und Einkünften, aber mit 
dem Vorbehalte der landesherrlichen Hoheit an Christine und ihre 
Descendenz übertragen. Sie und ihr Gemahl sollten davon Titel 
und Wappen führen. 1 ) Christine erhielt ferner die Herrschaften 
Altenburg und Mannersdorf, und, um die 4 Millionen zu ergänzen, 
eine Barsumme von 666.821 fl. in Bankobligationen. Für Manners- 
dorf und das Geld wurden ihr einige Monate später die Herrschaften 
Bellye und Baczkeve in Ungarn, die seinerzeit Prinz Eugen be- 
sessen, überlassen. Das Hochzeitsfest sollte in ländlicher Einsamkeit 
begangen werden. Die Kaiserin bestimmte hiefür Schlosshof, das nun 
wieder der Schauplatz herrlicher Festlichkeiten wurde. Am 7. April 
fuhr die Kaiserin mit der Erzherzogin Maria Anna in der Frühe 
nach Schlosshof. Am Nachmittag desselben Tages kam Kaiser Josef 
mit seiner Gemahlin und mit der Braut. Am 8. April folgten Herzog 
Albert und sein Bruder Clemens, der Bischof. Ein grosses Gefolge 
begleitete ihn: Fürst Karl Dietrichstein, Fürst Karl Palfly, die 
Gräfinnen Losi, Berchtold, Linden, Vasquez, Salmour, Goös, Wallis, 
Sztaray. Am 9. April kamen Fürst und Fürstin Batthiany, Fürst 
Kaunitz, der Judex Curiae Leopold Graf PalfFy, der ungarische 
Kanzler Graf Eszterhazy, Graf Grassalkovich und die Gräfin Bethlen. 
Die Kaiserin hatte sich diese vorneme Gesellschaft ausgewählt. 
Die Herren trugen die Hofuniform in Trauer, grau und schwarz, 
die Damen Taflet mit schwarzen Bändern ; nur die Braut allein hatte 
kein Zeichen der Trauer, sie trug ein weisses, mit Silberblumen ge- 
sticktes Mousselinkleid mit vielen Edelsteinen. Am 8. April abends 



l ) Teschen wurde auf 733.179 fl. geschätzt, um diese Summe hatte nämlich 
Kaiser Franz das Herzogtum gekauft. Altenburg hatte er von der Bank um 
2,200.000 fl. eingelöst, Mannersdorf wurde auf 400.000 fl. geschätzt. Der Prinz 
Albert hätte von seinem Vater jährlich 50.000 fl. geerbt, hat sie aber nie bezogen. 
(A. Wolf, Maria Christine, I. Bd., S. 40.) 



261 

um 6 Uhr vollzog Bischof Clemens die Trauung des erlauchten 
Brautpiaares. 1 ) Bis zum 13. April wurden nun prachtvolle Feste 
gefeiert, die denen glichen, welche der Prinz von Sachsen -Hildburg- 
hausen zu Ehren des Kaisers Franz und der Kaiserin Maria Theresia 
im Jahre 1754 gegeben hatte. Es wechselten ein Caroussel und 
eine Bauernhochzeit mit Tanz und Musik. Auch das Schloss Nieder- 
weiden mit seinem prächtigen Garten wurde wieder besucht Die 
Kaiserin gieng den Neuvermählten nach Pressburg voran, um den 
Prinzen als Statthalter in Ungarn einzuführen. Dieser und Christine 
folgten ihr am 13. April nach. Ungarische Magnaten erwarteten 
sie an der March und begleiteten sie in das Schloss nach Pressburg. 
Auch Kaiser Josef kam auf einen Tag nach Pressburg und reiste 
dann mit Maria Theresia nach Wien zurück. Auch später kam 
Albert von Sachsen mit seinem Hofstaate nach Schlosshof. Es finden 
sich darüber Aufzeichnungen in den Jahren 1768, 1771, 1773 u. s. w. 
Der General Baron von Miltitz war des Prinzen Oberster Kämmerer. 
Schlosshof besass damals einen Schlosshauptmann namens Germain. 
Nachdem die Kirche in Markt-Hof vollkommen hergestellt war, 
wurde dieselbe consecriert, welchen Act der Bischof von Passau, 
Leopold Graf Firmian, auf Einladung der Kaiserin am 10. October 
1766, am 21. Sonntag nach Pfingsten vornam. Demselben wohnten 
die Kaiserin Maria Theresia, Kaiser Josef, Prinz Albert von Sachsen- 
Teschen und seine Gemahlin, Erzherzogin Maria Christine, und viele 
hohe Herrschaften bei. Der Kapellmeister Reiter von St. Stephan 
in Wien dirigierte die aus Press bürg nach Hof gekommene Hof- 
musik. Am 9. October war vom Fürstbischöfe die Kapelle in Schloss- 
hof consecriert worden. 2 ) 



>) Die Kaiserin Maria Theresia liess zur Erinnerung daran eine schwarze 
Marmortafel an der rechten Wand derSchlosekapelle anbringen, die folgende Inschrift 
trägt: Maria Christina | Archidux Austriae | Albertus | Dux Saxoniae | regius 
princepe Poloniae | Serenissimi Sponsi | in hoc sacello uniti | ecclesiae ritum pera- 
gente | Clemente | Duce Saxoniae Regio Principe Poloniae | episcopo Frisingensi | 
Die Vni. Aprilis MDCCLXVI. 

-) Wie ein Bischof damals reiste, erfahren wir aus: »Lista deren Personen, 
so mit Ihro hochfUrstl: Gnd: H: H: Bischoffen von Passau etc. etc. zu Haggen- 
berg eintreffen werden: 1. Titl: Hr: Bischoff etc. etc. 2. Hr: Director. 3. 2 Jesuiter. 
4. Hr: Beichtvatter. 5. Hr: Hofkaplan. 6. Hr: Leib Medicus. 7. Hr: Secretarius. 
8. Hr: Druck hsäss. 9. Hr: Kammerdiener. 10. Hr: Mundtkoch. 11. Musikanten 
12. 3 Laquey. 13. 2 Heyducken und 1 Lauffer. 14. 5 Wagen mit 22 Pferdten 
und 10 Personen.« (Archiv in Schlosshof.) 



262 

Die Kaiserin that noch mehr. Da Markt-Hof doch eine gute 
Stunde von Kroissenbrunn entfernt ist, so sorgte sie für einen 
eigenen Beneficiaten in Markt-Hof laut Stiftbrief vom 18. August 
1766. 1 ) »Demnach Ihro Kay: Kön: Apost: May: Unsere alier- 
gnädigste Landesfürstin und Frau Frau über einen dissfalls erstatteten 
«Uerunterthänigsten Vortrag ddo. 30. Juni 1766 auf dero Herrschaft 
Hof an der March unter der Pfarre Kroissenbrunn des Bistums 
Passau ein beneficium manuale folgendermassen zu stiften sich aller- 
huldreichst entschlossen haben; als 

1. dass in besagtem Markt Hof ftir einen zeitlichen Beneficiaten 
und seinen Dienstboten eine Wohnung sammt Küchel Speis und 
Kellerl gewidmet und die Erhaltung dieses Gebäues von der Ge- 
meine zu Markt Hof in der Zukunft bestritten wird. 

2. Einem jeweiligen zeitlichen Beneficiaten zu Markt Hof aus 
denen Einkünften der Herrschaft Hof an der March jährlich 360 fl. 
in baarem Geld ohne allen Abzug Arrha Carenz oder Caracter Tax 
verabfolgt, dann 

3. acht klafter weiche Scheiter von der Gemeinde abgereicht 
und dieses Holzdeputat von ihr Gemeinde in das Beneficiatenhaus 
gratis geliefert werden; 

dahingegen 

4. der Beneficiat dem dortigen Volk in der Filial Kirchen zu 
Markt Hof an allen Sonn- und nicht dispensirten Feyertägen das 
Wort Gottes vorzutragen, auch die übrige gewöhnliche Gottesdienste 
zu halten und in Abreichung deren heil. Sacramenten den Pfarr 
Vicar zu Kroissenbrunn jedoch ohne Abbruch der pfarrlichen Rechten 
Stol und Einkünften zu überheben, endlich 

5. alle Jahr zweimal, wenn nämlich die Corporis Christi pro- 
cession und das Kirchweihfest in der Pfarr Kirchen zu Kroissen- 
brunn gehalten wird, mit seinem Volk, nach gelesener heil, frühe 
Messe processionaliter nach Kroissenbrunn zu gehen schuldig und 
verbunden sein solle. 



') Abschrift im Archive zu Schlosshof. 



(Fortsetzung folgt.) 



Eine Notfälschung aus dem Jahre 1362. 

Von Dr. Josef Lampel. 

Giebt es Notlügen, dann mag es auch Not&lschungen geben; 
denn Fälschungen sind Lügen. Wie aber dort nicht so sehr die 
berechnende Bosheit, als vielmehr menschliche Schwäche, Furcht, 
Verlegenheit, selbst Schamgefühl, ja sogar edelste Regungen des 
Herzens die eigentlichen Triebfedern sind, die uns veranlassen, eine 
Unwahrheit oder Entstellung der Wahrheit zum Besten zu geben, 
so soll im Nachstehenden ein Beispiel vorgeführt werden, dass ähn- 
lichen Beweggründen auch eine Urkunde das Dasein verdanken kann. 

Wenn die Ausgabe des St. Pöltner Urkundenschatzes bisher 
noch keine Fälschung verzeichnet hat, so mag dies vielleicht auf die 
eigentümlichen Verhältnisse zurückzuführen sein, unter denen dort 
gearbeitet wird. Darnach muss man sich schon zufrieden geben, leidlich 
gute Abdrücke geliefert zu haben und hier und da fehlerhafte Da- 
tierung oder unverkennbare Verwandtschaft zweier Urkunden 
u. dgl. m. rechtzeitig zu entdecken. 

Umso weniger durfte dann dem Schreiber dieser Zeilen ein 
Fall entgehen, wo von zwei überlieferten Urkunden die eine falsch 
sein muss. 

Die Sache verhält sich kurz dargestellt folgendermassen : 

Am 22. Juli des Jahres 1361 tiberlässt Herzog Rudolf IV. 
(der Stifter) dem Kloster St. Polten das Pfarrlehen von St. Stephan 
bei Retz. (Urkdb. Nr. 441.) 

Darin stimmen zwei Überlieferungen vollkommen überein. 
Während aber die eine, durch drei St. Pöltner Handschriften vertreten, 
den Handel so darstellt, als habe diese Verleihung nur gegen Über- 
lassung zweier anderer Pfarrlehen seitens des Stiftes an den Herzog 
stattgefunden, so erscheint nach der zweiten Fassung die Sache ganz 



264 



anders; der Herzog schenkt einfach das Retzer Pfarrlehen den 
Chorherren von St. Polten. Diese Darstellung wird einzig und allein 
durch ein Notariatsinstrument von 1372, 22. Juni, vertreten, in 
welches das angebliche echte Rudolfinum von 1361, 22. Juli, ein- 
geschaltet ist. 

Obwol die beiden Fassungen in Nr. 441 des St. Pöltner Ur- 
kundenbuches neben einander abgedruckt werden, so dürfte es doch 
erspriesslich sein, auch hier diejenigen Stellen, welche die Abweichungen 
enthalten, anschaulich zu machen, wobei ich am besten die eine als 
Tausch mit RA, d. i. Rudolfinum A, die andere als Schenkung mit 
RB, d. i. Rudolfinum B, bezeichne und Verschiedenheiten durch den 
Druck ersichtlich mache. 



Tausch RA. 



Schenkung RB. 



Es heisst also dort: Propst und Stift haben uns fleissig gebeten, 



das wier * unser- chirichlehen der 
pharr ze Sand Stephen ze Recz 
vorderstat genaedichleich ge- 
rechten mit in aus ze wech- 
seln, darumb das in !r ze- 
hent und ander gult di si 
und Ir gotshaus in der selben 
pharr habent dest nuczlei- 
cher gevallen möchten, 



haben wir 

an gesehen fr andacht und nöt- 

dftrft Irs gotshauses und 



haben in durich got ze vodrist 
und auch durch irr vleizzigen pet 
willen 



daz wir in unser chirhenlehen der 
pharr ze Sand Stephan ze Rotz 
vor der stat von gnaden ge- 
uchten ze geben genzlich 
durch got ze hilf irr grozzen 
schaden, di si von der prunst 
und chriegs wegen der land 
und von des sterbs wegen 
manichvaltichlich hieten 
genömen und ermanten uns 
als verr mit chuntschaft, 
ob wir in nicht ze hilfe 
ehernen, daz ir chloster von 
derselben scheden wegen 
wer verdorben. Nu haben wir 
angesehen ir andacht und not- 
dürft irs gotzhaus und 
ir teglich gastung damit 
dasselb gotzhaus grözlich 
beswSrt ist und 
haben in durch got ze var- 
derist und auch durch irr vleizziger 
pet willen und zu ainer er- 
getzung irr scheden 



265 



des egenant chirichlehen ze Recz, 
das unser was, gegeben lauter- 
leichinwechsels weis und 
geben 

für uns *, unser prüder und eriben 

umb di lehentschaft der 
zwalr pharrchirichen zu 
Sand Czenen bei Hohenekk 
und ze Charlsteten, di von 
in und frm gotshaus ze 
lehen waren, als wfr des Ir 
sunder prief haben, di der 
erwierdig biscbof Götfrid 
von Pazzawe bestsetet hat; 
da von 

haben wir uns * verzigen gänz- 
leich und verzeichen auch * für 
ans *, unser prüder und eriben 
aller rechten di wier hatten zu 
dem obgenanten chirichlehen ze 
Recz und wellen, das ez fürbas 
ewichleich beleih und zu gehör 
dem egenantem probst und den 
Chorherren ze Sand Polten und 
Irn nachkamen u. s. w. 



daz egenent chirhenlehen ze Retz, 
daz unser waz, gegeben 

und 
geben 

in auch daz mit dem brief 
für uns und unser prüder und 
erben 



und 



haben * uns auch verzigen genz- 
lich und verzeihen * uns für uns 
und unser prüder und erben aller 
rechten, di wir hetten zu dem 
obgenanten chirhenlehen ze Retze 
und wellen, das es * ewichlich 
beleih und zügehör dem egenanten 
probst und den Chorherren d a t z 
Sand Polten und allen irn nach- 
kamen u. s. w. 



Das gentigt vollkommen, sowol zum Verständnisse des Gegen- 
standes, als auch zur Erkenntnis der thatsächlich bedeutenden Ver- 
schiedenheit in beiden Fassungen. Im weiteren Texte sind nur mehr 
zwei ganz unwesentliche Abweichungen zu verzeichnen, indem der 
Tausch »mit ürkund dicz prief«, die Schenkung »des« hat und 
letztere zwischen das Incarnationsjahr und die Altersjahre des Herzogs 
noch ein »und« einschaltet. 

Dieser Umstand findet nur deshalb Erwähnung, weil es nicht 
ganz wertlos ist festzustellen, dass die Anzahl derjenigen Worte, in 
welchen die beiden Fassungen von einander abweichen, beim »Tausche« 
(RA) 78, bei der »Schenkung« (RB) 85 beträgt, und dass nach einer 
beiläufigen Zählung letztere um 50 bis 60 Buchstaben mehr ent- 



266 

halten mag, als ersterer. Bedenkt man nun, dass RB in den abweichenden 
Stellen nichts bringt als arengenhafte Redewendungen und Wieder- 
holungen, wo RA nur Thatsächlicbes und Urkundliches enthält, so 
giebt schon diese Wahrnemung einen Wink, ob es nicht dem Schreiber 
von RB sehr darauf angekommen ist, durch Sandsäcke die Bresche 
zu füllen, die man in das Mauerwerk von RA geschossen hatte, um 
mich eines Bildes zu bedienen. 

Nun, mit solchen Wendungen weist man keine Fälschung nach. 
Dies kann sich nur aus einer genauen Prüfung der Verhältnisse er- 
geben. Da ist zunächst nach den äusseren und inneren Merkmalen, 
welche für oder gegen Fälschung sprechen, weiters nach den Urkunden 
zu forschen, auf welche und welche auf die fraglichen Bezug nemen; 
es ist zu prüfen, ob sich eine rechtliche Wirksamkeit der einen oder 
andern Fassung ergiebt, es ist auch die Überlieferung zu Rathe zu 
ziehen, und schliesslich noch zu fragen: wer hat die Fälschung ver- 
anlasst, wie ist sie zu Stande gekommen, und endlich: was hat man 
damit erreicht? 

I. 

Die äusseren Merkmale der Fälschung zu beurteilen sind wir 
insoferne im Stande, als uns zwar das Original von RB nicht vor- 
liegt, wol aber ein notarielles Transsumt, welches eine mehr minder 
genaue Beschreibung der äusseren Beschaffenheit des zu transsu- 
mierenden Stückes, wie gewöhnlich, so auch hier enthält 

In den meisten Fällen ist damit freilich wenig anzufangen, und 
dies wäre auch diesmal der Fall, wenn der Notar ausser den üblichen 
Worten »quasdam litteras magnifici principis Rudolfi ducis Austrie, 
uno sigillo pendente de cera alba et rotunda roboratas. non can- 
cellatas, non rasas nee in aliqua sui parte viciosas sed omni prorsus 
respicione carentes« nichts enthielte; denn wenn der Aussteller des 
Transsumtes solches nicht sagen konnte, so konnte er wol überhaupt 
nicht transsumieren. Immerhin enthält schon diese Stelle ein Wort, das 
uns stutzig machen kann, nämlich die Äusserung, das anhängende 
Herzogssiegel habe aus weissem Wachs bestanden. Dies ist, wenn 
es überhaupt vorkommt, unbedingt nicht das Gewöhnliche. Vielmehr 
tragen die Siegel Rudolfs IV., wie alle österreichischen Herzogs- 
siegel jener Zeit, das eigentliche Siegelbild in rotem Wachs, aus 
weissem besteht nur die Schale, in welche jenes eingegossen ist. Das 
rote Wachs ist das Feststehende bei dem im übrigen so oft Wech- 



267 

selnden in dem Besieglungswesen der rudolfinischen Kanzlei; in rotem 
Wachs erscheinen auch die grossen Münzsiegel, die der Herzog bis 
zur Esslinger Zusammenkunft führte. Nun ist es allerdings möglich, 
dass dem Notar ein Versehen unterlaufen ist, indem er »weiss« statt 
»rot« schrieb, aber sehr wahrscheinlich ist das nicht, und man wird 
zugeben müssen, dass schon durch dieses Wörteben »alba cera« die 
Vorlage des Instrumentes mindestens verdächtig wird. 

Ich halte dabei folgendes Vorgehen nicht ganz ausgeschlossen. 
Man wollte die Fälschung auch mit einem Siegel ausstatten. Da 1372 
schwerlich mehr ein rudolfinisches aus der herzoglichen Kanzlei er- 
hältlich war, so musste man sich mit dem Abdrucke eines der im 
St Pöltner Stiftarchive befindlichen behelfen. Wie wir sehen werden, 
hat man hiezu höchstwahrscheinlich das Siegel von Nr. 458 des 
St. Pöltner Urkundenbuchs zum Modell genommen. Dieses hatte 
aber den weissen Wachsrand, der mit abgegossen wurde. Füllte man 
nun das Negativ mit Wachs aus, so hatte man Siegelbild und 
Wachsrand in einem, was man, zu wenig mit dem Kanzleigebrauche 
vertraut, für vollkommen hinreichend und unbedenklich hielt. 

Die zur Fälschung gebrauchte Siegelvorlage war unzweifelhaft 
eine von demselben Stempel wie ihn etwa das Siegel der echten 
Urkunde von 1362, März 24. trägt. Es geht dies aus der Beschrei- 
bung hervor, die der Notar vom Siegelbilde giebt. Diese dürfte 
nächst der von Kürschner in seiner bekannten Arbeit über »die 
Urkunden Herzog Rudolfs IV.« l ) erwähnten Beschreibung von 1365 
eine der ältesten des grossen Siegels b sein. Ich lasse sie hier voll- 
inhaltlich folgen. 

» in cuius sigilli medio effigies armati hominis equo falle- 

rato insidientis, dextra manus (!) vexillum in hasta tenentis, ante pectus 
ipsius clypeum habentis, in cuius clypei medio elevacio cum effigie 
palmitum, in capite galeam tenentis, in cuius galei sumitate fasciculus 
plumarum pavonis in medio corone erectus; in collo equi clypeus 
cum effigie panthere y magine angeli sustentatus; in capite equi ymago 
dimidie aquile ; circa pectus eiusdem equi clypeus habens ymaginem 
leonis quam ymago monstri sustentat; sub equo effigies angeli et tres 
clypei, quorum unus habet effigiem pilei monstro sustentatus, seeundus 
effigiem aquile, tercius effigiem porte, qui iam dicti duo clypei per 
effigiem angeli sustentantur, iuxta caudam vero eiusdem equi clypeus 
habens figuram duorum piscium monstro sustentatus; circa dorsum 

') Archiv 49, S. 29. 



2,68 

vero sedentis in equo effigies angeli unam menum cum ala exten- 
dentis, aliam manum deprimentis; iuxta galeam efHgies cuiusdam 
monstri clypeum manibus sustentatis, in cuius clypei medio effigies 
trium leonum est insculpta et monstro sustentatus, alia vero pars 
eiusdem clypei vacua fuit. In circumferencia vero eiusdem sigilli 
hec circumscripta continetur: Rudolfus quartus dei gracia archi- 
dux Austrie, Styrie et Karin thie, dominus Carniole, Marchie ac 
Portus Naonis, comes in Habspurch, Ferretis et Kyburch, mar- 
chio Burgonie ac lantgravius Alsacie. In dorso vero eiusdem 
sigilli clypeus habens supra et infra cancellos parvos, in medio 
eiusdem clypei quedam elevacio vacua et super unam aciem 
eiusdem clypei galea supra se tenens effigiem fasciculi plumarum 
pavonis in medio corone, in circuitu vero clypei et galee effigies 
quatuor leonum quorum duo astant clypeo ex utraque parte et duo 
galee etiam parte ab utraque, cum circumscripcione: Rudolfus dei 
gracia dux Austrie, Styrie (et) Karinthie. 

Aus dieser letzten Auslassung und dem oben mit (1) bezeich- 
neten Fehler kann, soweit nicht ersteres einem schlechten Lesen, ja viel- 
leicht der Unzulänglichkeit des Siegelabdruckes zur Last Mit, wol 
geschlossen werden, dass der Notar — was auch sehr nahe liegt — 
die ziemlich umständliche Siegelbeschreibung coneipiert hat, worauf sie 
dann von einem seiner Schreiber oder ihm selbst nicht ganz richtig 
wieder gegeben wurde. Keinesfalls glaube ich hier eine St. Pöltner 
Abschrift eines Notariatsinstruments vor mir zu haben, in welchem 
dann der Urkundentext verfälscht wurde. Dazu trägt das Notars- 
zeichen, obwol verflossen, denn doch ein viel zu ursprüngliches Ge- 
präge. Immerhin wäre jedoch auch der angedeutete Fall möglich. 

Als feststehend ist jedenfalls zu betrachten, dass die vom Notar 
gegebene Beschreibung auf jenes Siegel Rudolfs IV. passt, das seit 
Ende 1361, also geraume Zeit nach dem Esslinger Vertrage bis zur 
Erwerbung Tirols (1363) in Geltung war. Noch vor diese Zeit fallt 
die Ausfertigung von RA und die angebliche von RB. Dass aber 
doch an RA das grosse Siegel sammt Gegensiegel angehängt war, 
ist schon deshalb sehr zweifelhaft, obwol RA, wenn es sich nach den 
drei ersichtlichen Merkmalen, nämlich grosser Titel, grosse Datierung 
und herzogliche Subscription l ) als Diplom erkennen lässt, an welchem 

') Aus dem Fehlen des letzteren, sowie der ohnehin erlässlichen Kanzler- 
zeile bei RB ist kein Schluss auf die Unechtheit zu ziehen, denn dasselbe ist im 
Tran8surat von 1366 der Fall. Vgl. St. P. Urkundenbuch. S. 518, Anna. 1. 



269 

mithin auch unter andern Umständen das grosse Siegel gehangen 
haben würde, doch kein Wort von der Besiegelung spricht. Dieses 
Schweigen ist aber nur den klein besiegelten Urkunden eigen; bei 
denen mit grossem Siegel wird überall die Besiegelung, und zwar 
unter eben diesem grossen Siegel entweder vor oder nach dem Zeugen- 
katalog, wenn ein solcher vorhanden ist, mit all dem Pomp ange- 
kündigt, den die rudolfinischen Diplome zu entwickeln pflegen. Wenn 
es nun in unserem Falle, wie überall in der Chartis, einfach heisst 
»mit urkund dicz briefs, geben ze« u. s.w., so ist grosse Besiegelung 
geradezu ausgeschlossen. Das thut im übrigen dem Werte der Ur- 
kunde als Diplom keinen Eintrag; es fehlt ja auch die Recognition 
des Kanzlers bei RA nicht, welche nur bei herzoglichen Diplomen 
nachweisbar ist. 

Wir hätten hier also noch ein, leider nicht mehr erhaltenes 
Beispiel der Anwendung des kleinen vor Fertigstellung des grossen 
Siegels zu verzeichnen, welches Kürschner a. a. O. zuerst zu Ende 
des Jahres 1361 (XII. 24) nachgewiesen hat 

Die Beispiele aber, in denen nach Kürschner, weil das grosse 
noch nicht fertig war, das kleine Siegel an Diplome angehängt 
wurde, sind sonst spärlich genug, so dass man kaum einen Beweis 
daraus schöpfen kann. Insbesondere scheint es mir nicht ganz zu 
Kürschners Gründen zu passen, wenn etwa der Herzog in solchen 
Fällen, wo er in die Lage kommt, neben Karl IV. als Kaiser sein 
herzogliches Siegel zu hängen, sich dann des kleinen bedient, wie 
solches nach den Pilsner Tagen, etwa am 1. August geschehen ist 
(Lichnow8ky). 

Dort, wo er neben Karl IV., als dem Könige von Böhmen, 
mithin als Reichsglied neben dem Reichsgliede, oder gar wie in der 
Erbvereiniguug von 1364, 10. Februar, neben jenem und dem Könige 
von Ungarn lediglich als Vertreter seines Hauses und seiner Haus- 
macht erscheint, da nimmt er natürlich keinen Anstand, sich des 
grossen Siegels zu bedienen. 

Somit können Kürschners Erörterungen, die übrigens auf diesem 
Gebiete so allgemein und unbestimmt wie nur möglich gehalten sind, 
uns kaum eine sichere Stütze zur Beurteilung der Siegelfrage geben ; 
ich sehe mich vielmehr genötigt, auf die Notwendigkeit aufmerksam zu 
machen, dass das gegenseitige Verhältnis der einzelnen von Kürschner 
als Merkmale Rudolfinischer Diplome aufgezählten Erscheinungen 
noch einmal, und zwar genau und ziffermässig geprüft werde. 



270 

Anderseits erscheint es mir doch wieder ganz wol glaublich, das« 
die herzogliche Kanzlei genötigt gewesen sein mochte, weit über ein 
Jahr auf das neue grosse Siegel zu warten. Das durch die Erwer- 
bung von Tirol bedingte neue Siegel freilich war mindestens, wenn 
man nämlich vom 26. Jänner 1363 und nicht vom 2. September an 
rechnet, binnen Jahresfrist fertig. Doch war hier nur eine kleine 
Änderung notwendig, ähnlich der, die Rudolf nach der Esslinger und 
vor der Pilsner Zusammenkunft — wie Kürschner berichtet — an 
seinem ersten grossen (Münz-) Siegel hatte vornemen lassen. Immer- 
hin war zur Zeit des Pilsner Vertrages 1361, 15. Juni, das neue 
Siegel schon in Arbeit, wie aus der eben citierten Stelle hervorgeht 1 ) 

Für jetzt bleibe ich bei meinem Ergebnisse, dass die echte 
St Pöltner Urkunde von 1361, 22. Juli, noch mit dem kleinen Siegel 
besiegelt war. 

Sollte ich nun im Vorstehenden nicht irren, und auch RA mit 
dem kleinen Siegel versehen gewesen sein, dann ist RB um so gewisser 
als Fälschung zu bezeichnen. Denn wie kommt die mit der Tausch- 
urkunde gleichdatierte Schenkungsurkunde von 1361, welche ebenso 
wie jene der Besiegelung mit keinem Worte gedenkt, zum grossen 
Siegel? 

Darüber ist, glaube ich, kein Wort mehr zu verlieren; wol aber 
verdient die Frage schon hier berührt zu werden, wann und auf 
welche Art die Fälschung entstanden ist. Oben habe ich es als 
möglich bezeichnet, dass man sie erst 1372 kurz vor Herstellung 
des Transsumtes vorgenommen hat. Da lag aber doch die Gefahr 
sehr nahe, ein Siegel zu wählen, das den Verhältnissen von 1361 nicht 
mehr entspricht, insbesondere ein solches aus der Tiroler Zeit. Mit 
anderen Worten: die willkürliche Anwendung irgend eines grossen 
Rudolfinischen Siegels hätte gar zu leicht einen Fehlgriff in die Zeit 
vor 1360, 5. September, oder nach 1363, 26. Juni (beziehungsweise 
2. September) zur Folge haben können, der dann allerdings die 
Fälschung noch leichter erkennbar gemacht hätte. Merkwürdiger- 
weise ist dies nicht der Fall, was uns die Möglichkeit vor Augen 
rückt, dass die Fälschung noch in die Zeit vor Anname des Tiroler 



1 ) Kürschner a. a. O. S. 14. So heisst es in einer der beiden klein besieglten 
Pilsner Urkunden des Herzogs: >daz wir alle die brief die wir in gegeben haben zu 
Budweis versigelt mit unserem chlainen insigel versigeln sullen und wellen mit 
unserm grozzen insigel ane verziehen, alz pald uns das gemacht und berait 
wirt.« (Orig. Staatsarchiv). 



271 

Titels fällt, dass sie aber überhaupt unter Umständen vorgenommen 
wurde, welche auch einen Übergriff in die Zeit vor dem Esslinger 
Vertrage ausschliesst, d. h. sie ist nicht nur höchst wahrscheinlich 
noch zu Lebzeiten Rudolfs IV. entstanden, sondern sogar gleich nach 
den ersten Anwendungen des neuen Stempels von Ende 1361; das 
ist nun für St Polten bei der Urkunde von 1362 März 24 (Üb. 
S. 544 und 458) der Fall, daher wir diese schon oben erwähnt 
haben. Allerdings gesellen sich dazu noch andere Gründe, mit denen 
ich vorläufig zurückhalten muss. 

Nur das kann schon jetzt behauptet werden: die Möglichkeit, 
dass Rudolf nach Fertigstellung des neuen grossen Siegels den 
St Pöltnern die Urkunde von 1361, 22. Juni, noch einmal, und 
zwar diesmal in der Form einer Schenkungsurkunde erteilt habe, 
ist bei der Sorgfalt, welche der Herzog dem Kanzleiwesen widmete, 
und der Bedeutung, welche er ihm beigemessen hat, *) geradezu aus- 
geschlossen. Denn immerhin lag unter einer solchen Voraussetzung 
die Gefahr nahe, dass die Chorherren bei guter Gelegenheit von dieser 
zweiten, für sie so unvergleichlich vorteilhaften Fassung Gebrauch 
machen konnten. Diese Erwägung schlägt alle derartigen Einfälle 
aus dem Felde. Übrigens wird die Erörterung, die wir sofort über 
die Mit- und Nachurkunden zu denen von 1361, 12. Juli, antreten 
werden, nur dazu beitragen, RB zu entkräften. 

II. 

Was die Miturkunden anlangt, so können wir da auf sehr 
sicherem Boden auftreten. Von demselben Tage, vom 22. Juli 1361, 
liegen zwei unzweifelhaft echte Originale im Staatsarchive zu Wien, 
deren eines das St. Pöltner Gegenstück zum Pfarrlehenstausche ist 
(Urkundenbuch 442), das zweite eine Ergänzungsurkunde, welche 
besagt, dass das Ketzer Pfarrlehen die beiden von St. Polten dagegen 
gegebenen zu Hoheneck und Karlstetten so sehr an Wert übertreffe, 
dass das Stift billigerweise dem Herzog noch den Zehnten zu Arbes- 
thal nächst der Leitha daraufgebe (ebendas. Nr. 443). Über die 
Gründe dieser Fassung, sowie auch darüber, warum die herzogliche 
Urkunde nur der ersteren von den beiden St Pöltnern entspricht, 
werden wir später handeln; hier genügt es zu betonen, dass Rudol- 
finum A, wenngleich nur durch Codices überliefert, doch durch zwei 
Originalgegenstücke als vollkommen echt dargethan erscheint. 

J ) Kürschner a. a. O., S. 4. 



272 

Angesichts dieser Thatsache erscheint eigentlich RB schon über 
den Haufen geworfen. Denn es ist ganz unwahrscheinlich, dass noch 
an demselben Tage, an dem der Herzog und das Stift den Tausch 
beurkundet haben, jener erstere die Pfarrlehen St. Zeno bei Hoheneck 
und Karlstetten zurückgestellt haben sollte, ohne dass gleichzeitig die 
beiden St. Pöltner Urkunden (Urkundenbuch 442 und 443) zurück- 
erstattet worden wären. 

Die einzige Möglichkeit, die diesfalls noch erwähnt werden 
könnte, haben wir schon angedeutet, dass nämlich zu gewissen 
Zwecken der Herzog erlaubt habe, die Überlassung des Retzer Pfarr- 
lehens allein zu beurkunden, ohne darin der eingetauschten Patronate 
St. Zeno und Karlstetten Erwähnung zu thun. Das ist allerdings 
höchst unwahrscheinlich, und kann nicht einmal angesichts der 
wiederholten Versicherung des Notars, RB, die ihm vorgelegte Ur- 
kunde sei echt und unbedenklich gewesen, festgehalten werden. 

Unter keiner Bedingung dürfte jedoch dann damit eine Rück- 
name von RA ausgesprochen worden sein, wie überhaupt sich nach- 
weisen lässt, dass RB niemals Rechtskraft besessen. 

Schon als nach dem Tode Rudolfs IV. dessen Bruder Albrecht 
sich wieder mit derselben Angelegenheit zu befassen hatte und 1366, 
27. August, das Rudolfinum transsumierte, erscheint im Transsumt 
nicht RB, sondern RA, im Schlüsse des Albertinums übrigens noch 
ein Auszug aus der St. Pöltner Urkunde über die Zehnten von 
Arbesthai (Urkundenbuch Nr. 537). Von Abfassung einer zweiten Ur- 
kunde im Sinne von RB ist keine Rede. 

Es gehört zur Vervollständigung des Beweises, wenn sich dar- 
thun lässt, dass thatsächlich seit jener Zeit die vom Stifte dem Herzoge 
abgetretenen Pfarrlehen und Zehnten im Besitze der Landesherren 
erscheinen, während vor 1361 keine Spur davon zu finden ist 

Was zunächst die Pfarrlehen anbelangt, so bin ich augenblick- 
lich allerdings nur bei einem in der Lage, nachzuweisen, das es nach 
1361 landesherrlich war, d. i. das von Karlstetten, welches laut Bei- 
lage in im Jahre 1496, also hunderfünfunddreissig Jahre nach unserer 
Urkunde, im Namen des Königs Maximilian von der Wiener Statt- 
halterei dem Johann Kuglperger, Schreiber des herzoglichen Keller- 
meisters Wolfgang Sonleitner, verliehen wurde, mithin ein landes- 
herrliches Pfarrlehen war.*) 

') Als solches wird auch >ain kirchen zu Asparn, in ainem verödten Dorf 
hei der Tunaw« erwähnt; unzweifelhaft dasselbe Aspern, das nachmals durch den 



273 

Besser steht es mit Arbesthai. Dass die dortige Filialkirche 
sammt Zehnten dem Stifte seit ältesten Zeiten gehört habe, geht aus 
Nr. 39 des St. Pöltner Urkundenbuches hervor. l ) Bald nach 1361 
aber sehen wir, was vorher nicht der Fall war, die Herzoge von 
Österreich wiederholt über die Arbesthaler Zehnten verfügen. So 1368 
(Beilage I) und 1389 (Beilage II). 

Fast könnte jedoch dieser Nachweis als überflüssig erscheinen, 
indem ja das vorbesagte Albertinum von 1366, Aug. 27., bemerkt, 
Herzog Rudolf habe die vom Stifte erworbenen Zehnten bei Arbes- 
thal mit zur Stiftung der Wiener Universität verwendet Da aber, 
wie mir mein geehrter Amtsgenosse, Herr Staatsarchivar Schrauf, 
welcher aueh Universitätsarchivar ist, mitteilt, nirgends etwas über 
diese Arbesthaler Zehnten im Universitätsarchive zu finden ist, 
und anderseits die Entstehungszeit von RB doch auch nach dem 
Albertinum fallen könnte, so halte ich die Veröffentlichung jener 
beiden Urkunden für ganz entsprechend, welche bereits, als vor und 
nach dem Transsumte von 1372 gelegen, massgebend zu dessen 
Widerlegung erscheinen. 

Es ist mithin auch nicht der leiseste Zweifel zulässig und RA 
als diejenige Urkunde anzusehen, die mit ihren beiden St. Pöltner Gegen- 
stücken von 1361, 22. Juli, für die Folge rechtskräftig geblieben ist. 

Auch der eine Umstand scheint der Erwägung nicht unwert, 
dass das Notariatsinstrument mit RB in keines der vier St. Pöltner 
Kartulare Aufname gefunden hat, während RA drei- bis viermal ab- 
geschrieben wurde. Selbstverständlich; denn der Inhalt der einen 
widerspricht ja dem des andern. Wenn nun noch in Betracht ge- 
zogen wird, dass der Inhalt der 1372 »in publicam formam« ge- 
brachten Urkunde weit vorteilhafter für St. Polten lautet, als jener der 
Tauschurkunde von 1361 sammt dem Zusatztranssumte von 1366, so 
fkllt das Schweigen der Codices über die erstere noch schwerer ins 
Gewicht. 

Und noch eins! Erinnert nicht das Verhältnis in den beiden 
Überlieferungsarten an jenes bei den österreichischen Freiheitsbriefen? 
Die echten sind nur handschriftlich tiberliefert, die unechten massen 
sich die Ausserlichkeiten der Originalität an. 



Sieg des Erzherzogs Karl so berühmt geworden ist. Wir sehen, dass es einmal vor 
dreihundert Jahren nahe daran war, vom Erdboden zu verschwinden. 
*) Seite 61, Zeile 3 von unten. 

des Vereines fftr Landeskunde von Niederösterreich. 1889. 13 



^TOlitter 



274 

Was kann nun aber der Grund gewesen sein, warum man der 
echten Urkunde von 1361 im Notariatsinstrumente einen so wesent- 
lich andern Inhalt gegeben hat? 

ni. 

Solche Notariat8transsumte sind bekanntermassen gewöhnlich 
dann vorgenommen worden, wenn zu irgend einem Zwecke die 
Urkunde auf Reisen hätte gehen müssen, etwa um bei Hofe oder 
beim heiligen Stuhle vorgezeigt zu werden. Auch diesmal war solches 
der Fall, das besagt die Einleitung des Notars nur zu deutlich. 

Unmittelbar vor Einschaltung des Transsumtes heisst es: »cun- 
que dicte littere propter viarum discrimen et eventus in- 
opinatos non possint de loco in locum, instante earundum 
necessitate, commode et sine periculo, ut presumitur, deportari, 
prefatus dominus prepositus petiit« u. s. w. 

Dass man nun die Absicht gehabt haben sollte, die im Nota- 
riatsinstrumente inserierte Urkunde am herzoglichen Hofe vor- 
zuweisen, scheint geradezu ausgeschlossen. Denn wie Nr. 442 und 443 
des St Pöltner Urkundenbuches zeigen, bestehen die stiftischen Gegen- 
urkunden über den Pfarrtausch von 1361 noch heutigen Tages fast 
unversehrt im Staatsarchive, in welches sie, aus dem herzoglich 
österreichischen Archive als der letzten Quelle herübergekommen sind; 
auch 1372 waren sie sicherlich noch dort zu linden. Nach Hof also 
brauchte man die herzogliche Urkunde nicht einzuschicken; dort wäre 
man überdies zweifelsohne mit einer dergestalt veränderten, wie es 
die Fassung von RB ist, übel angekommen; das wusste man in 
St. Polten nur zu gut. 

Dass nun eine Entsendung an den kaiserlichen Hof beabsichtigt 
war, ist bei dem thatsächlich von Herzog Rudolf allerdings ungern 
gesehenen Verhältnisse des Reiches zu Österreich von vorneherein 
wol nicht ganz ausgeschlossen: das Reich hatte jedoch in diesem 
Falle wirklich kein Lehen in Österreich. 

Die weltliche Seite der Pfarrübertragung von 1361 ist es 
also nicht, wenigstens nicht allein, um welche es sich gehandelt hat; 
bleibt noch das geistliche Verhältnis. 

Da ist wieder eine Einsendung nach Passau als überflüssig 
ausgeschlossen, da ja der Bischof beide Urkunden, die Tauschurkunde 
und die über die Zehnten zu Arbesthai bestätigt und besiegelt hatte, 



275 

was auch die herzogliche Urkunde (RA) erwähnt, von welcher Be- 
siegelung aber das Transsumt von 1372 (RB) kein Wort berichtet 

Übrigens hatte der Bischof von Passau gleich 1362, also im Jahre 
nach dem Tausche, die Pfarre St. Stephan bei Retz dem Stifte ein- 
verleibt (Urkundenbuch Nr. 457), und es ist kein Zweifel, dass man 
darüber zu Passau Buch geführt haben wird. Zu welchem Zwecke 
sonst aber hätte es die Zusendung einer noch dazu entstellten 
Fassung des Rudolfinums nach Passau bedurft? 

Bleibt nur Rom oder richtiger Avignon, wo man über kurz oder 
lang eine Bestätigung für die Verfügungen des Bischof Gottfried 
nachsuchen musste. Und diesmal scheinen wir an der Stelle angelangt 
zu sein, welche Licht in das Dunkel der Frage zu bringen geeignet 
ist. Allerdings zu dem Ergebnisse werden wir nicht gelangen, dass 
das Transsumt von 1372 seinen Weg an den Sitz der Curie ge- 
nommen hat; wol aber ist es dem päpstlichen Commissär vorgelegt 
und mit Rücksicht darauf angefertigt worden. 

Es ist nämlich Thatsache, dass um das Notariatstranssumt von 
1372, 25. Juni, herum gewisse urkundliche Erscheinungen zu ver- 
zeichnen sind, die genauer besehen einen Zusammenhang mit jenem 
ausser Zweifel stellen. 

So hatte Papst Gregor XL unterm 18. October 1371 sich an den 
Abt Ulrich von Göttweig gewendet und demselben mitgeteilt, dass Propst 
Johann von St. Polten an die Curie das Ansuchen gestellt habe, »quod, 
cum eorum monasterium, in quo divinus cultus et observantia regularis 
pre ceteris parcium earundem monasteriis hactenus viguerunt, propter 
guerrarum discrimina et epidemie pestes multum in facultatibus esset 
collapsum, quondam Rudolfus dux Austrie verus patronus parrochialis 
ecclesie sancti Stephani in Recze dicte diocesis eidem monasterio et 
personis in eo degentibus pio compaciens afFectu, ut hospitalitatis 
et alie pietatis opera possent in eo, ut consueverunt, exerceri, ius 
patronatus ipsius ecclesie preposito et conventui ac monasterio pre- 
dictis contulit, ac bone memorie Gottfridus episcopus Pataviensis pie 
considerans premisso tractatu sollemni cum dilectis filiis capitulo 
ecclesie sue Pataviensis et deliberacione intra se habita diligenti 
ecclesiam predictam cum omnibus iuribus et pertinenciis suis eisdem 
preposito et conventui ac monastrio auctoritate ordinaria pro eorum 
necessitatibus relevandis et supportandis annexuit univit imperpetuum 

et incorporavit , ita quod * cedente vel decedente ipsius ecclesie rectore» qui 

tunc erat, vel dictam ecclesiam alias dimittente, liceret eis corporalem 

18» 



276 

po8se8sionem ecclesie ac iurium et pertinenciarum predictorum per se 
vel alium seu alios auctoritate propria apprehendere et tenere cuius- 
quam licencia minime requisita, ac per unum de canonicis ipsius mona- 
sterii vel per unum secularem * presbiterum, cui de fructibus dicte ecclesie 
necessaria congrue ministrarentur, prefate ecclesie facerent deserviri 
laudabiliter.« 

Der Propst habe ferner gebeten, der Papst möge »premissis 
omnibus per dictos episcopum et ducem factis robur confirmacionis 
addicere;« nun aber schreibe er, der Papst, da er über alles dies keine 
genaue Kenntnis (certam noticiam) habe, an ihn, den Abt von Göttweig, 
zu dem er besonderes Vertrauen hege »consideracione eciam carissimi in 
Christo filii nostri Caroli Romani imperatoris semper augusti 
super hoc nobis humiliter suplicantis« und trage ihm auf, 
dass er in herkömmlicher Form die Angelegenheit untersuche und 
»presertim de statu ecclesie parrochialis ac indigencia monasteri 
predictorum« an den Papst berichte. 

Die hier angeführten Stellen der nur mehr handschriftlich er- 
haltenen Bulle 1 ) geben mancherlei zu denken. 

Einmal ist es klar, dass der Papst ebensowenig von dem Tausche 
spricht, als, wie wir sehen werden, der Bischof von Passau, an dessen 
Urkunde von 1362 der ganze Gedankengang, auch einige Worte, die 
oben im kleinen Druck erscheinen, deutlich genug erinnern. Das eine 
wie das andere dürfte jedoch aus dem nach Rom abgegangenen 
Ersuchschreiben des Propstes Johann herausgenommen sein, der sich 
seinerseits wol wieder die Urkunde des Bischofs von Passau zum 
Muster genommen hatte. 

Es ündet sich allerdings das Wort »tractatus« ftir die herzog- 
liche Gewährung gebraucht, als ob der Papst etwas gehört hätte, 
dass es sich um einen Tausch und keine Schenkung handle, aber in 
keiner Weise wird dieser Gedanke weiter ausgeführt. Gleich im An- 
schlüsse an diese Wahrneraung wollen wir einer andern gedenken. 
Die Bulle lässt gegen Ende ihrer Ausführung über die Gründe, 
warum sie den Abt von Göttweig mit der näheren Untersuchung 
der Sache betraue, die Bemerkung einfliessen, dass dies auf Bitten 
Kaiser Karls IV. geschehen sei. 



l ) Ihr Original hatte noch Duellius vor sich, der ein Bruchstück davon in den 
Excerptis geneal. S. 210 Nr. 151 abdruckt Erst der zweite Band des St. Pöltner 
Urkundenbuches, wird diese Bulle im vollen Abdruck bringen. 



277 

Die Stelle ist allerdings nicht ganz klar. Weder weiss man, ob 
die Bitten des Kaisers der Untersuchung der Sache oder der Wahl 
des Untersuchenden gegolten haben. Fast ist mir ersteres wahrschein- 
licher; denn Karl IV., der nach dem Vertrage vom 26. März 1366 
sich bereits eine gewisse Landeshoheit in dem habsburgischen Gebiete 
zuschreiben mochte, wird wol bei vielen Gelegenheiten seinen Einfluss 
geltend gemacht und den Papst von manchem, was in Osterreich 
vorging, in Kenntnis gesetzt haben. 1 ) Aber eben sowol kann es sein, 
dass seine Mitteilungen von viel früherer Zeit herrührten, vielleicht 
noch aus den Tagen alter Feindschaft mit Rudolf IV., etwa aus dem 
Jahre 1363. 

Dabei kommt noch eines zu berücksichtigen. Kaiser Karl hatte 
bekanntlich Grund gegen die aus der Kanzlei Rudolfs IV. hervor- 
gegangenen Beurkundungen misstrauisch zu sein. 2 ) Er konnte sich 
auch denken, dass das von dort gegebene Beispiel nicht ohne Nach- 
ahmung in den herzoglichen Landen bleiben würde. 

Leicht mag er dann dem Papste gegenüber die Ansicht vertreten 
haben, dass weitere Schritte in der Retzer Angelegenheit nur unter 
Mitwirkung eines Notars gemacht werden können. Wie wenig dadurch 
einer Täuschung vorgebeugt wurde, werden wir bald sehen. 

Wie dem jedoch immer sei, jedenfalls ist die Hineinziehung des 
Kaisers in diese Pfarrangelegenheit merkwürdig — merkwürdig auch der 
letzte von uns aus der Bulle citierte Satz wegen des Standes der 
Pfarre von Retz und der Armut des Stiftes, das immerhin an den 
Gegensatz von RA und RB zu mahnen scheint; das merkwürdigste 
aber ist das, was ich nunmehr hervorheben will. 

Erst nach mehr als einem Jahre, erst am 14. December 1372, 
antwortete Abt Ulrich von Göttweig auf die Bulle Gregors XI. 



') Im Frühjahr oder Sommer 1372 hatte Karl IV. die beiden Herzoge Albrecht 
und Leopold dem Papste empfohlen, wie aus einer von Ammann in den Mitteilungen 
des Instituts 9, S. 669 veröffentlichten Bulle Gregor XI. erhellt. Aus eben diesem 
Schriftstück ergiebt sich jedoch auch, dass man in Avignon mit der Haltung Leopolds 
schon seit einiger Zeit nicht zufrieden war, und es mag sich immerhin daraus eine 
etwas kritische Stimmung gegen alle Vorgänge auf österreichischem Boden entwickelt 
haben. Ob diese auch auf unsere Angelegenheit Übergegangen ist, lasse ich jedoch 
dahingestellt. 

') Dass er das Urteil Petrarcas über die »lahmen Lügen c, wie dieser die Privi- 
legien von Cäsar und Nero nannte, erst erhielt, als dem Herzog Rudolf schon gewisse 
Punkte der übrigen Fälschungen bewilligt waren, zeigt S. Steinherz in den Mit- 
teilungen 9, S. 67 f. 



278 

Wenn man auch noch so viele Schwierigkeiten annimmt, die 
der päpstliche Auftrag auf seiner Reise von Avignon nach Göttweig 
gefunden haben sollte, jedenfalls war er doch zu Ende des Jahres 1371 
an seinem Bestimmungsorte. Ferner waren bei der Nähe des Abtes 
vom Stifte St Polten der Vorname der Untersuchung über die 
Notlage der Chorherren jedenfalls keine grossen Hindernisse in den 
Weg getreten. Auch die selbstaugenscheinliche Untersuchung der Retzer 
Angelegenheit konnte so bald beendigt sein, dass noch vor dem Tode 
des Pröpsten Johann, der am 5. October 1372 erfolgte, etwa Mitte 1372 
der Papst über alles gut unterrichtet sein konnte. Woher denn die 
Verzögerung? 

Nun, eben in die Zeit zwischen dem Eintreffen der Bulle 
von 1371 und dem Abgehen der Göttweiger Antwort fkllt die An- 
fertigung des Notariatsinstruments von 1372, 25. Juni, in welchem 
RB (statt RA) transsumiert, für das echte Rudolfinum erklärt wird. 
Ich glaube, dass solch 7 eine Wahrnemung Andeutung genug enthält, 
wie die Antwort auf die Frage ausfallen könnte. Bevor wir jedoch 
auf diese eingehen wollen, fassen wir noch eine andere Bulle ins 
Auge, die in derselben Angelegenheit erflossen ist. 

Wir haben oben auf mancherlei Fragen, die in uns der 
Auftrag Gregors XI. an Abt Ulrich anregte, eine Antwort freien Er- 
messens gegeben. Es liegt jedoch eine urkundliche Antwort vor. Im 
Vergleich zu dem schleppenden Gange der Göttweiger Untersuchung 
ziemlich rasch, schon am 23. März, erfolgte in einem von Avignon 
aus an den Bischof von Passau gerichteten Papstbriefe die Erledigung 
des Ansuchens wegen Incorporation der Pfarre St. Stephan von Retz 
in das Stift. 

Die bezügliche Bulle beruft sich auf die von 1371 und wieder- 
holt sie in vielen Stellen wörtlich. Es heisst darin unter anderem, 
dass der Abt von Göttweig dem päpstlichen Auftrage getreu nach- 
gekommen sei »diligentius se informavit nobisque per suos patentes 
literas manu publica confeetas retulit premissa nobis exposita fore 
vera.« • 

Inwieferne nun Abt Ulrich sich seines Auftrages entledigt habe, 
werden wir bald sehen; hier interessiert uns nur jene Äusserung der 
Bulle von 1373, welche den Grund der päpstlichen Zweifel und Be- 
denken zu enthalten scheint. Gleich darauf nämlich meint Gregor XI. 
folgendes: »Cum autem, sicut exhibita nobis pro parte dictorum prepositi 
et conventus peticio continebat, predieta unio, que nondum sortita fuit 



279 

effectum propter revocacionem per felicis recordacionis Ur- 
banum papam V. predecessorem nostrum de unionibus quibus- 
cunque, que effectum sortite non erant, factam, iuribus non 
subsistat,« bitten sie u. s. w., worauf die Bewilligung erfolgte. In der 
Stelle, mit welcher dieselbe ausgesprochen ist, fiült uns besonders die 
Sorgfalt auf, welche der Papst der entsprechenden Ausstattung de» 
nunmehrigen Retzer Vicars widmet, indem es dort heisst: >reser- 
vata tarnen prius et assignata perte de ipsius parrochialis ecclesie 
proventibus pro perpetuo vicario per te instituendo canonice 
in eadem perpetuo in ea virtutum domino servituro porcione con- 
grua, ex qua idem vicarius valeat commode sustentari apostolica 
iura solvere et alia sibi incumbencia onera supportare. 

Mit diesen Worten ist auch zugleich dafür gesorgt, dass die 
»unio« oder >incorporacio« keine solche »plenissimo iure« werde, welchen 
Ausdruck Neuere, darunter Hinschius, für die von der bischöflichen 
Oberaufsicht eximierende Incorporation gebrauchen. 

Beide Ideen nun, die hier in der Urkunde zum Ausdrucke 
kamen, haben ein Menschenalter später das Constanzer Concil lebhaft 
beschäftigt. 

Wenn in der 43. Sitzung dieser Kirchen Versammlung des XV. Jahr- 
hunderts, welche sich so vergeblich bemüht hat, dem Zerfalle der Kirche 
vorzubeugen, unter anderem auch alle jene Einverleibungen von Pfarren, 
gegen welche Beteiligte Einspruch erheben, widerrufen werden, 
soferne nicht gewaltige Gründe dagegen sprechen, *) so wissen wir 
doch, dass solche Erwägungen schon um die Mitte des XIV. Jahr- 
hunderts ernste Päpste beschäftigt haben. Nichts anderes ist, ohne 
Zweifel, mit der »revocatio .... de unionibus quibusdam« gemeint, die 
schon von Urban V. ausgesprochen wurde. Das weise und vorsichtige 
Verhalten Gregors XI. gegen diese Urban'schen Revocationen dürfte 
denn auch der Grund gewesen sein, warum das Constanzer Concil 



') HUbler, Constanzer Reformation: Martinus epicopus etc. Uniones et in- 
corporationes a tempore obitus Gregorii XI. factas seu concessas, cum certa regula 
dari non possit, ad querelas eorum quorum interest, nisi fuerint impetrantes bene- 
ficia sie unita, si non ex rationibus causis et veris faetae fuerint, licet apostolicae 
sedis auetoritas intervenerit, revocabimus iusticia median te<. Was unter den be- 
sonderen Ausnamen zu verstehen war, das ersehen wir unter anderem aus Art. 9 des 
deutschen Reformationsentwurfes, Hübler, S. 142 (Anm. 58) de ecclesiis, qua« laici 
in manibus suis diutius tenuerunt, sed non nisi certis religiosis locis donnre ins 
patronatus voluerunt, quibus postea incorporatae sunt et nunc, si revocantur 
incorporationes, redirent ad laicos. 



280 

gerade sein Todesjahr als terminus a quo für jene Verfügungen bestimmte, 
die von den Pfarrincorporationen handelten. Nemen wir ferner an, 
dass die in der citierten Stelle aus dem deutschen Entwürfe enthaltenen 
Gedanken schon geraume Zeit, schon im XIV. Jahrhundert, unter 
der deutschen Geistlichkeit erörtert wurden, so begreifen wir vielleicht 
auch das Interesse, das der »Pfaffenkönig« Karl IV. für die St. Pölten- 
Retzer Angelegenheit nam. Denn wenn dort als Hauptgrund gegen 
den Widerruf einer Pfarreinverleibung der notwendige Rückfall des 
Pfarrlehens an einen weltlichen Patron genannt wird, dann stand es 
in der Lage, die durch RA geschaffen war, allerdings sehr schlimm. 
Für ein Kirchlehen, das in den Besitz einer geistlichen Corporation 
gedieh, fielen deren zwei an einen Weltlichen, an den Herzog Rudolf IV. 
Schwerlich entspricht solcher Tausch der damaligen Auffassung in 
streng kirchlichen Kreisen, wie sie später im Constantinum zum Aus- 
drucke gekommen ist. 

Und dass in unserem Falle vorzüglich die weltliche Seite der 
ganzen Angelegenheit die Schwierigkeit bildet, das wird uns aus 
Vergleich mit ähnlichen Vorgängen klar. Um dieselbe Zeit, u. zw. 
noch während die Retzer Angelegenheit im Gange war, erfolgte durch 
Bischof Albrecht von Passau die Einverleibung der Pfarre Hirm in 
das Stift (1365 Mai 13.); fast scheint es, als ob sie mit Rücksicht auf 
die Verzögerung, das mögliche Scheitern des Retzer Handel« vor- 
genommen wurde. Jedenfalls ist es ein Beweis, dass an Passau nicht 
die Schuld lag für den schleppenden Gang. Und wie still geht es 
bei der Einverleibung von Hirm zu! Keine Untersuchungen werden 
angeordnet, kein Kaiser mischt sich ein: die Pfarre Hirm gehörte 
eben den Bischöfen von Passau ganz und gar. 1 ) 

Ich hatte also wol recht, wenn ich oben betonte, dass es > nicht 
allein« die weltliche Frage war, welche die Fälschung veranlasste 
sie war es nicht allein, aber doch war sie es im Hinblick auf die 
Stellung der Kirche zu derselben. 

IV. 

Nun wird die Frage: Was veranlasst denn die St. Pöltener, 
eine von dem echten Rudolfinum abweichende Fassung einzusenden? 
nicht mehr so schwer zu beantworten sein. 



') Die päpstliche Bestätigung erfolgte allerdings erst 1383, also achtzehn 
Jahre nach der Einverleibung, aber wol nur aus dem Grunde, weil man nicht 
früher darum angesucht hat; die Bulle enthält nur Transsumte von Nr. 506 des 
Urkundenbuches. 



281 

Mass es ja doch schon auffallen, dass der Pfarrtausch und die 
Überlassung der Arbesthaler Zehnten an den Herzog seitens des 
Stiftes in zwei getrennten Urkunden bescheinigt werden, welche 
doch beide dasselbe Datum tragen, und dass in der herzoglichen 
Urkunde von den Arbesthaler Zehnten gar nicht die Rede ist. 

Weiter fallt es auf, dass in der Incorporations Urkunde von 
1362, März 20, welche nur von der Einverleibung der Pfarre von 
Retz spricht, auch mit keinem Wörtchen eine Erwähnung geschieht, 
wie dieses Pfarrlehen tauschweise erworben sei, dass es vielmehr 
vom Herzoge heisst: »cum . . . ius patronatus ecclesie parrochialis 
sancti Stephani extra muros opidi Reczz . . . plene ac integre et 
mera liberalitate duxerit conferendum«. 

Nun beteuern es die Chorherren des heiligen Hypolit allerdings 
in ihren beiden Urkunden von 1361, Juli 22, dass der Tausch mit 
dem Herzoge für sie überaus vorteilhaft sei. Doch sehr fraglich 
mochte es ihm schon damals erscheinen, ob auch die Curie dieser 
Ansicht beipflichten würde. Die Unterbringung ihrer Zugeständnisse 
an den Herzog in zwei Urkunden lässt dies sogar zweifelhaft er- 
scheinen. In der That konnte schon die Einwechslung von nur 
einer Pfarre gegen deren zwei eher als Verlust, denn als Gewinn 
aufgefasst werden. Und nun vollends die Zugabe der Zehnten zu 
Arbesthai; die musste unbedingt getrennt beurkundet werden, als 
eine Art geheimer Artikel, von dem man nicht Jedem Mit- 
teilung macht 

War es nun die Folge einer gelegentlichen Erkundigung in 
Avignon, oder waren andere Gründe massgebend, kurz, schon als 
Bischof Gottfried daran gieng, die Einverleibung der Ketzer Pfarre nach 
St Polten auszusprechen, Hess er dem betreffenden Documente eine 
Fassung geben, in der, wie schon hervorgehoben, mit keinem Worte 
eines stattgehabten Tausches Erwähnung geschieht, nur von Schenkung 
gesprochen und im Verlaufe der Ausdruck gebraucht wird, das Stift 
habe das Hetzer Pfarrlehen »ex donacione domini ducis«. 

Wir sehen, der Inhalt der Passauer Urkunde von 1362, März 20, 
bildet eine Art Übergang zum Transsumte von 1372 (RB); ja wir 
würden über die Giltigkeitsdauer der Tauschurkunde von 1361 in 
starke Zweifel geraten, hätten wir nicht das von Herzog Albrecht IIL 
erlassene Transsumt von 1366 und die übrigen, als Beilage I — Ell 
veröffentlichten und schon oben erörterten Belege aufzuweisen; hier- 
durch erscheint das Gepräge eines Vertrages unzweifelhaft gewahrt 



282 

und ist keine Spur reiner Schenkung, wie das Transsumt von 1372 
will, zu finden. 

Warum nun schweigt die bischöfliche Urkunde von 1362 über 
den Tausch, warum stellt sie den Vorgang von 1361, Juli 22, als 
reine Schenkung des Herzogs dar? 

Es ist bekannt, wie eifersüchtig und strenge Rom darüber 
wachte, dass der alte Grundsatz, die Kirche müsse bei allen Ver- 
trägen mit Weltlichen gewinnen, unentwegt wirksam bleibe. In der 
Folge aber kamen ganz andere Fragen auf; besonders erweckte die 
zahlreiche Einverleibung von Pfarren in Klöster und deren Folge, 
der Verfall der Seelsorge in den Ersteren, gerade in kirchlichen 
Kreisen heftigen Widerspruch gegen diese für die weltlichen Schenker 
vielleicht bequemere Art, den Stiften aufzuhelfen. Zu jenem alten 
Grundsatze trat ein neuer, der allerdings erst im Tridentinum 
kirchenrechtliche Kraft erhielt; beiden nun begegnen wir in den 
Verhandlungen, die mit Rom wegen Einverleibung der Pfarre Retz 
geführt wurden. 

Die schon erörterte Verteilung der St. Pöltener Gegenleistung 
für die Überlassung der Pfarre Retz auf zwei Urkunden beweist 
zur Gentige, dass man vorausgesehen, wie schleppend, ja wie gefähr- 
lich diese Verhandlungen, die doch nicht zu umgehen waren, sich 
gestalten müssten. 

Diese Voraussicht mag allerdings den Gedanken nahe gelegt 
haben, noch zur rechten Zeit vom Herzoge eine Urkunde zu er- 
langen, in welcher er selbst den Tausch zu einer Schenkung machte, 
oder doch als solche darstellte. Wenn man aber ja diesen Gedanken 
gefasst, gehegt und auszuführen sich bemüht hatte, so haben wir doch 
schon oben gesehen, dass dies nicht gelingen konnte, dass eine Zu- 
stimmung des Herzogs jedenfalls nicht erreicht worden ist. 1 ) 

Nur ein Titel war es, unter dem man etwa vom Herzoge eine 
Neuanfertigung der Urkunde von RA erlangen konnte, nämlich 
die Anhängung des grossen Siegels. Zwar, wer die Redseligkeit der 
Rudolfinischen Kanzlei kennt, der muss annemen, dass man hier 
auch einen Anlass genommen hätte, des Langen und Breiten zu er- 
zählen, wie die zu St. Polten unterm 22. Juli 1361 eine Urkunde 
erhalten hätten, die aber aus gewissen Ursachen — den wahren Grund 
würde man vielleicht verschwiegen haben — nur mit dem kleinen 

») S. 274. 



283 

herzoglichen Siegel gefertigt worden sei. Die Chorherren hätten 
dann bei nächster Gelegenheit um Ausfertigung mit grossem Siegel 
gebeten, die nunmehr erfolge. Dabei hätte wahrscheinlich der Herzog 
seine eigene Urkunde von 1361 transsumiert Jedenfalls aber wäre 
der grossen Besiegelung gedacht worden, selbst in dem Falle — der 
uns dann gewiss viel Kopfzerbrechen verursacht haben würde — 
dass man ohneweiters den Text von RA abgeschrieben und bei 
Festhaltung des alten Datums nur der Corroboration entsprechend 
geändert hätte. Da dies bei RB nicht der Fall ist, so ist sie nicht 
unter den Auspicien des Herzogs entstanden; das haben wir schon 
oben gezeigt. Und nun vollends : Wer von den Kanzleibeamten würde 
es gewagt haben, zu jenem Behufe dem Landesfürsten eine Urkunde 
mit wesentlich geändertem Texte, eine Schenkungs- statt einer 
Tauschurkunde, mit einem Worte RB statt RA zu unterbreiten, 
damit er seine herzogliche Bestätigungsformel daransetze? Doch 
wollten wir auch diese Ungeheuerlichkeit gelten lassen — die >alba 
cera« des Notariatstranssumtes von 1372 ist wol geeignet, eine der- 
artige Vermutung über den Haufen zu werfen. Es müsste nur 
Jemand behaupten wollen, Herzog Rudolf selbst habe sich, den ver- 
einigten Vorstellungen des Bischofs von Passau und des Propstes 
von St. Polten Rechnung tragend, entschlossen, der Tauschurkunde 
von 1361 das Bedenkliche zu nemen, habe aber gleichzeitig, um 
die Fassung RB jeder Rechtskraft ihm und seinen Nachfolgern gegen- 
über zu benemen, verfügt, dass sie mit weissem, nicht mit rotem 
Wachs besiegelt werde. 

Scheinen wir hier an der Grenze angelangt zu sein, wo Frage 
und Antwort aufhört und das Reich des Räthsels beginnt, so thun 
wir gewiss gut, umzukehren. Nur den Gedanken, dass die Fälschung 
bei Hof entstanden, wollen wir nicht ganz fallen lassen. 

Bereits einmal habe ich die Vermutung ausgesprochen, das zu 
RB verwendete Siegel scheine von dem echten Siegel des Rudol- 
finums von 1362, März 24 (ÜB. 458), abgenommen zu sein. Ich 
komme hier darauf zurück und will mich bemühen, meine Anname 
in etwas zu begründen. Schon im Urkundenbuche, S. 519, Anm. 1, 
habe ich darauf hingewiesen, wie doch gewisse Wendungen, in denen 
RB von RA sich unterscheidet, Wendungen, die, wenn sie sich auf 
den ersten Blick nur etwa als Erweiterungen des Textes von RA 
darstellen, doch, wie gleich Eingangs gezeigt, nur bestimmt sind, 



284 

wichtige Auslassungen zu bemänteln, — gewisse Wendungen und Ge- 
danken, sage ich, an solche erinnern, die im ÜB. Nr. 457 und 458 
begegnen. 

Stehen nun diese beiden Urkunden in gewisser Beziehung zu 
einander und zur Beurkundung von 1361, Juli 22? 

Äusserlich vielleicht nicht ganz, innerlich aber um so gewisser. 
Das Eine steht fest, dass sich Nr. 457 mit demselben Gegenstande 
befasst wie RB (und RA), nämlich mit der Retzer Frage; und dass 
Nr. 457 und 458, wie schon ihre arithmetische Folge vermuten 
lassen muss, bald nacheinander, die erstere am 20., die letztere am 
24. März 1362, und zwar beide zu Wien, beide für St. Polten aus- 
gestellt sind, nur dass jene vom Passauer Bischöfe, diese von Herzog 
Rudolf IV. herrührt. 

Die Passauer Urkunde kennen wir bereits; wir haben hervor- 
gehoben, dass sie die Retzer Angelegenheit im Sinne des RB dar- 
stellt, d. h. als Schenkung, nicht als Tausch. Wenn nun der Bischof 
eine solche Urkunde nicht zu Passau, sondern zu Wien ausstellt, zu 
einer Zeit, wo unzweifelhaft sowol der Herzog als eine Gesandtschaft 
der St. Pöltener Chorherren zugegen war, so sind das Thatsachen, 
welche die Vermutung sehr nahe rücken, ob nicht doch Anstrengungen 
in dem bereits angedeuteten Sinne gemacht worden sind, nämlich 
die Tauschurkunde gegen eine Schenkungsurkunde umzuwechseln. 

Anderseits haben wir doch wieder an der Hand von Nach- 
urkunden dargethan, wie wenig die Wahrscheinlichkeit dafür spricht, 
dass Rudolf IV. der vielleicht vereinigten Bitte von Passau und 
St. Polten ein williges Ohr geliehen habe. 

Aber man hatte sich's nun einmal in den Kopf gesetzt, die 
Tauschurkunde in eine Schenkungsurkunde verwandelt zu sehen, ja 
Bischof Gottfried hatte schon im Hinblick darauf den in seinen 
Wirkungskreis fallenden Teil der Retzer Angelegenheit erledigt 
Man musste unter allen Umständen in den Besitz der Fassung RB 
gelangen. 

Das konnte geschehen, indem man einen Kanzleibcamten durch 
irgendwelche Mittel dahinbrachte, die neue Urkunde zu schreiben, 
d. h. die alte zu fälschen. Dass solches zu verschiedener Zeit gelungen 
ist, dafür mache ich unter anderen nur die sogenannten Pilgrim'schen 
Fälschungen namhaft. Mit Hilfe einer Wissenschaft, die zwar von 
mancher Seite als Zeitvertreib für Silbenstecher, Haarspalter und 
Tintenriecher und mit dergleichen mehr weniger ehrenden Titeln be- 



285 

zeichnet wird, hat Dr. Uhlirsch nachgewiesen, dass Fälschungen, 
welche Bischof Pilgrim von Passau zu Behauptung gewisser An- 
sprüche brauchte, in der königlichen Kanzlei selbst entstanden sind. 1 ) 
Das war im X. Jahrhundert, und im XIV. hat man das nicht schlechter 
verstanden. Dass insbesondere in der österreichischen Kanzlei kurz 
vor der Zeit, um die es uns sich handelt, wacker darauf los gefälscht 
wurde, ist ja eine weitverbreitete Kenntniss. 

Man sieht, es spricht mehr als eine Thatsache für die An- 
name, dass es gelungen sei, einen herzoglichen Schreiber für das 
Unternemen zu gewinnen. Man legte ihm die echte Urkunde vor, 
sowie auch die den neuen Wünschen entsprechende Bischofsurkunde 
vom 20. März. Aus dieser nun, wie aus der eben damals für St. Polten 
erlassenen herzoglichen vom 24. März füllt er die Lücke, welche durch 
Weglassung der auf den Eintausch von Hoheneck und Karlstetten 
von Seite des Herzogs bezüglichen Stellen entstehen mussten. So ängst- 
lich und vorsichtig ist man in dem Bestreben, den beiden Schrift- 
stücken RA und RB nur ja möglichst ähnliche Form zu geben, 
dass, wie schon eingangs erwähnt, der Unterschied in der Zahl der 
Buchstaben ein ganz geringer ist. Besonders achtet man darauf, dass 
wie der Eingang so auch der Schlus der beiden Urkunden ganz 
gleich laute, um durch den Hinweis auf das gleiche Incipit und Ex- 
plicit die Behauptung zu ermöglichen, als liegen uns zwei gleiche 
Ausfertigungen vor, die sich nur durch die Besiegelung unterscheiden. 

Sehr wahrscheinlich und gewiss wol auch möglich ist es, 
dass man den Schreiber, der RA grossiert hatte, für die Anfer- 
tigung von RB verwandte; dafür dürften auch die Wahrnemungen 
sprechen, die ich hinsichtlich der Schreibung gemacht habe. 2 ) 

So weit ging alles gut und war leicht Rath zu schaffen. Nun 
aber sollte die Urkunde doch auch besiegelt werden, u. zw. mit dem 
neuen grossen Siegel Das Anhängen desselben, das ja zu Diplomen 
gehört, sollte wol gar Vorwand und Erklärungsgrund für das Vor- 
handensein von zweierlei Ausfertigungen abgeben. 3 ) Doch wie sich dieses 



*) Die Urkundenfälschung zu Passau, Mitth. des Inst. f. Ost. Gesch., III, 177 ff. 

2 ) ÜB S. 618, Schluss der Anm. 1. 

3 ) Änderung der Besiegelungsformel war dadurch noch gar nicht geboten, 
weil die kleine Formel »mit urkund des briefs geben zuc u. s. w. die grosse Be- 
siegelung nicht oder doch nur für Kenner der Gebräuche in der österreichischen 
Kanzlei ausschliesst; wie ich als bekannt annemen darf, verfolgte man mit Anlegung 
der Fälschung nur nach aussen hin gewisse Zwecke. 



286 

Siegel ohne Wissen der Oberen beschaffen ? Das war selbst für einen 
Kanzleibeamten jener Zeit fast unmöglich, gewiss nicht so leicht, wie 
in unseren untergeordneten Kanzleien. Strenge Obhut vonseiten des 
Kanzleivorstandes, schwere Strafen gegen jede Übertretung der Regel, 
jeden Missbrauch des Siegels, schützte dieses in ausreichendem Masse 
vor Verwendung zu Zwecken, wie der von uns geschilderte ist. 

Es blieb mit einem Worte nichts übrig, als den Weg einzu- 
schlagen, den ich schon früher, gestützt auf die Worte »alba cera« 
als wahrscheinlich bezeichnet habe, d. h. man copiert das Siegel der 
Urkunde vom 24. März 1362. *) Um so leichter mochten sich die 
Chorherren darein finden, als man ja der herzoglichen Kanzlei gegen- 
über die Fälschung nicht gebrauchen wollte, sie vielmehr nur dort 
vorzuweisen gedachte, wo man nicht so leicht in die Lage kam, an 
das Unstatthafte der weissen Besiegelung erinnert zu werden. 2 ) 

Freilich, wir werden sehen, wie den St. Pöltenern nachgerade 
eben dieser Umstand recht viele Bedenken eingeflösst und sie be- 
stimmt hat, ihr Falsum unter gar keiner Bedingung aus den Händen 
zu geben. Es sollte nämlich etwas anders kommen, als sie gedacht 
haben. 

Alles nun, was ich hier über die Vorname der Fälschung durch 
einen Kanzleibeamten ausgeführt habe, soll keineswegs als unan- 
fechtbar hingestellt werden. Es sprechen nur eben thatsächüch 
manche, ja viele Gründe dafür. Aber ebensowol möglich ist es, dass 
die Fälschung in St. Polten entstanden ist, dass dort mit Hilfe der 
beiden Märzurkunden und vielleicht auch der vom November *) 1362 
der Text von RB geschmiedet, dort das Siegel abgegossen wurde, 
obwol man gerade dafür in der herzoglichen Kanzlei mehr Neigung 
und Geschick besitzen mochte. 

Ich will auch nicht einmal allzuenge Grenzen für die Zeit 
ziehen, wann die Fälschung vorgenommen wurde, ob sie nach oder 
vor den Märzurkunden entstanden ist. Nur das eine dürfte mit ziem- 
licher Sicherheit anzunemen sein und bei dieser bereits aufgestellten 



*) Dass auch Siegel seit alter Zeit gefälscht wurden, zeigt Uhlirsch a. a. O., 
8. 188, 4, nur dass es damals viel leichter war, besonders bei Fälschungen für die 
Karolingerzeit, echte Siegel an die Fälschungen zu setzen. 

2 ) Ähnlich wie ich in der zweitvorausgehenden Anmerkung von der Besie- 
gelungsformel gesagt habe. 

3 ) Nr. 463 des Urkundenbuchs von St. Polten; ich habe diese Möglichkeit 
n. a. O. in Anm. 1, S. 519 offen gelassen. 



287 

Behauptung möchte ich auch bleiben, dass nämlich RB innerhalb 
jener nicht allzugrossen Zeitspanne entstanden ist, während welcher 
das an ihr hängende Siegel in Rechtskraft war, also etwa zwischen 
Mitte 1361 und 1363. 

V. 

Damals also ist jenes Document entstanden, mit welchem die 
Chorherren vom Heiligen Hypolit die Bedenken der Curie zerstreuen 
wollten. Ob es wirklich zu diesem Behufe die Reise nach Avignon 
angetreten, wir wissen es nicht; wir können nur aus dem sichere 
Schlüsse ziehen, was sich als bestimmte Nachricht vorstellt, und 
fürwahr auch das giebt uns ein recht anschauliches Bild. 

Ist es wol zweifelhaft, ob schon Papst Innocenz VI., der bereits 
am 12. September 1362 das Zeitliche gesegnet, sich mit dieser An- 
gelegenheit wird beschäftigt haben, so kann man doch annemen 
dass sie schon in den ersten Jahren seines Nachfolgers, Urban V. 
(Wilhelm Baron von Grisac), an diesen herangetreten sein wird. Hielt 
sich nun dieser bereits durch die von Gregor XI. ihm zugeschrie- 
bene Verfügung gebunden oder war es vielleicht eben die Hetzer 
Frage, welche ihn veranlasst hatte, jenen Ausspruch zu thun, kurz 
wir wissen, warum auch von ihm nichts zu erwarten war, ganz ab- 
gesehen von seiner vorübergehenden Rückkehr nach Rom (1365 bis 
1369). 

Nun lassen die St. Pöltener Urban V. nach Avignon zurück- 
kehren und dort sterben (19. December 1370); an seinen Nachfolger, 
Gregor XI. (Graf Roger von Beaufort) treten sie neuerdings heran; 
und sie mögen sich unter ihrem neuen Propste Johann die Sache 
jedenfalls haben sehr angelegen sein lassen. Doch angesichts der Con- 
stitution Urbans V. kann Gregor nicht so leicht willfahren. Wir 
wissen, welchen Ausweg er wählte; er Hess durch den Abt von 
Göttweig eine Untersuchung führen. 

Vielleicht ist es eine müssige Frage, die ich aufwerfe, indem 
mir gerade die Wahl von Göttweig als Tribunal für die Erörterung 
der Hetzer Pfarrfrage als erörterungsfithig erscheint. Aber kann man 
immerhin geltend machen, dass die Nähe der beiden Kirchen die 
Wahl bestimmt hat, so darf man doch wieder nicht tibersehen, dass 
Göttweig nicht ganz unbeteiligt an der Angelegenheit war. 

Tatsache ist jedenfalls, dass die Arbestaler Zehnten, von denen 
in SP II. die Rede ist, auch die Stiftung des heiligen Altmann von 



288 

Passau angieng. Denn es heisst dort, dass die Chorherren dem Her- 
zoge geben den »halben dorfzehent ze Arbaistal bei der Leyta und 
was wir da zehendes auf vierdhalben lehen, genannt satlehen, und 
auf hofsteten und urbar ekchern vor auz hatten gegen den herren 
von dem Chötweig«. Hat es sich hier um ein Guthaben gehandelt, 
welches das Stift an der Traisen aus mancherlei Rücksichten von 
der Abtei nicht gut eintreiben konnte, oder um sonst etwas, die 
»herren von dem Chötweig« werden jedenfalls den Wechsel des Gläu- 
bigers unangenem empfunden haben. Sie waren demnach auch besser 
als sonst wer im Stande, den Preis anzugeben, um welchen die Chor- 
herren vom Heiligen Hypolit ihr Hetzer Kirchlehen eingehandelt hatten. 
Sic gehörten also wol zu denen, von welchen später das Constanzer 
Concil sagt: »ad querelas eorum quorum interest, nisi fuerint impe- 
trantes beneficia sie unita«. Eigneten sie sich nach strengen Begriffen 
als Kläger vielleicht nicht zum Richter, so hatte man in ihnen doch 
gewiss strenge Richter, und die wollte man. 

Nun scheinen es doch die St. Pöltener verstanden zu haben, 
den Missmut von Göttweig zu besänftigen. Unmittelbar nach den 
Urkunden über die Retzer Angelegenheit bringt die St Pöltener Hand- 
schrift C 1 ) eine Urkunde vom Jahre 1365 (ÜB, Nr. 505), laut welcher Abt 
Ulrich bestätigt, dem Stifte Zehnten in der Pfarre St. Polten, die früher 
in das Göttweiger Siechenhaus geflossen sind, gegen andere abge- 
treten zu haben, die bislang zur Stiftskammer des Heiligen Hypolit 
gehört haben. Alles deutet darauf hin, dass der Tausch für Göttweig 
ein vorteilhafter war, und die Wirkung desselben sollte für die 
klugen Chorherren nicht ausbleiben. Diesen Eindruck gewinnt man 
nämlich, wenn man von der Untersuchung der Retzer Pfarrangelegen- 
heiten hört. 

Was ist nun das Ergebnis dieser Untersuchung gewesen? Abt 
Ulrich schildert sein Vorgehen eingehend in dem Berichte, den er 
am 14. Deccmber 1372, wie t-chon hervorgehoben, nach auf- 
fallend langer Zeit, an den Papst schickte. Dort heisst es, dass er 
dem Auftrage gemäss »ad diligentem instanciam dicti domini prepo- 
siti« einige Zeugen, nämlich St. Pöltener Chorherren, Pfarrer, Grund- 



') Ich komme wol noch einmal in diesen Blättern auf die Gründe, die bei 
Anordnung der Abschriften in diesem grössten St. Pöltener Codex massgebend waren, 
zurück. Hier will ich nur kurz bemerken, dass sie bündel- oder ladenweise, wie 
sie seit den Sechzigerjahren des XIV. Jahrhunderts geordnet worden, zur Abschrift 
gelangen. 



289 

herren, Edelleute und Gemeine habe zusammenkommen lassen und 
sie unter ihrem Eide um die Wahrheit befragt habe »coram publico 
notario — den wir bald kennen lernen werden — et testibus fide- 
dignis«; auch habe er sich vom Propste allerlei urkundliche Belege, 
»munimenta documenta seu instrumenta ac probaciones quascunque«, 
vorlegen lassen. Aus alle dem habe sich sowol ein ausgezeichnetes 
Zeugnis für die Haltung des Stiftes, als auch dessen grosse Notlage 
ergeben. Einmal sei es tjurch Brand gänzlich zu Grunde gerichtet 
und nach dem Wiederaufbau wieder zweimal zerstört worden, drei- 
mal binnen 24 Jahren habe die Pest jene Gegend heimgesucht, so 
dass die Heimstätten verödet, die Felder und Weinberge brach liegen; 
die Einkünfte seien aufs äusserste zusammengeschrumpft, der Gottes- 
dienst »quodammodo diminutus«, kurz nichts könne dem Stifte wieder 
aufhelfen als die Einverleibung der Pfarre Retz. (Et quod prepositus 
et monasterium Ypolitense absque suffragio incorporacionis ecclesie 
in Recza ad dictum monasterium non possent sine magna penuria 
sustentari.) 

Was nun diese Pfarre anlange, so sei es bekannt, dass sie 
»ab antiquo fuisse simplicem, non habentem beneficia sibi subiecta 
neque filiales, nee dignitatem annexam, que quondam in locacione 
et in absencia solvere consvevit ultra centum et sexaginta florin os, 
sed nunc non habet tan tum« wegen Verwüstung und Unfruchtbar- 
keit der Acker und Weinberge. 

Man sieht, der Abt von Göttweig ist ganz genau unterrichtet 
über die Anforderungen, welche die strenge kirchliche Richtung, 
die so sehr gegen die Schädigung der Seelsorge durch Pfarrein- 
verleibungen eifert, an die Zulässigkeit eines solchen Falles stellt. 
Da die Pfarre Retz weder selbst einverleibte Pfarren, noch sogar 
abhängige Tochterkirchen besitzt, so scheint selbstverständlich die neu 
zu schaffende Lage einfach genug, als dass man befürchten müsste, 
die Chorherren würden lediglich in den Genuss neuer Einkünfte 
gelangen, ohne gleichzeitig im Stande zu sein, einer vielleicht aus- 
gebreiteten Seelsorge auf mehreren unterworfenen Kirchen zu genügen. 
Auch sei das Erträgnis keineswegs so gross, bemerkt Abt Ulrich, um 
besorgen zu müssen, es werde nunmehr Üppigkeit und unchristlicher 
Sinn im Stifte einreissen. 

Indem Abt Ulrich in seiner Darstellung fort&hrt, berichtet er 
des Weiteren über Retz: Das Kirchlehen daselbst habe von altersher 
den Herzogen von Österreich gehört, und Herzog Rudolf seligen 

BlAtter des Vereine» flir Landeskunde von Kioderüsterreich. 1889. 19 



290 

Andenkens habe es »per piam in Christo compacienciam propter 
pressuras et indigencias ipsius monasterii« . . . dem Stifte . . . »benig- 
niter et libere« tibertragen (benigniter et libere contulit et donavit), 
dann habe Bischof Gotfried die Kirche incorporirt >prout in litteris 
coram me productis plenius continetur«. Propst und Stift 
verpflichten sich »quod in procurationibus legatorum sacrosancte 
sedis apostolice et caritativi subsidii et iuribus episcopalibus velint 
racione dicte ecclesie parere et efFectualiter obedire, et, cum se locus 
et tempus obtulerit, quod velint vicarios ipsius ecclesie in Recza 
tantum de fructibus et redditibus eius assignare et deputare, quod 
idem rector valeat ipsam ecclesiam in spiritualibus et temporalibus 
comode et honorifice gubernare«. >Insuperc, heisst es schliesslich, 
»quia dictus prepositus (Johann) debitum carnis exsolvit, dominus 
Lewtoldus nunc prepositus, Nicolaus decanus et Perchtoldus custos 
dicti monasterii personaliter iuraverunt . . ., quod credunt omnia et 
singula esse et fuisse vera, que in vestris litteris contenta sunt et 
expressa.« Gegeben zu Göttweig etc. 

Was die letztere Wendung besagen will, vermag ich nicht zu 
enträtseln. Ganz klar ist das Übrige und sehr interessant. Wenn 
wir den einmal angetretenen Weg von unten hinauf beibehalten, 
so sehen wir zunächst, dass man in St. Polten sehr gut um die die 
damalige Kirche bewegenden reformatorischen Gedanken wusste 
und auch gesonnen scheint, ihnen Rechnung zu tragen. Doch die 
Zugeständnisse, welche die Chorherren an den Zeitgeist machen 
wollen, sind nicht das Wichtigste, das wir in der Göttweiger Urkunde 
finden. Viel wichtiger ist für uns die Mitteilung, dass dem Abte 
Ulrich die Urkunde des Bischofs Gottfried von 1362 vorgelegt 
worden war. Wir wissen freilich nicht, ob die betreffende Stelle 
sich auch auf die herzogliche Vergebung bezieht, von der unmittel- 
bar vorher die Rede ist, was immerhin als wahrscheinlich gelten 
muss. Das aber wissen wir genau, dass dann nicht RA sondern RB 
in Göttweig vorgewiesen worden ist, denn auch hier wird mit keinem 
Worte eines stattgefundenen Tausches gedacht 

Dass dem Abte Ulrich mehrere Urkunden zu Gesicht gekommen 
sind, dass er wenigstens solche verlangt hat, geht aus den gleich 
eingangs citierten Worten »munimenta, documenta seu instrumenta 
ac probaciones« hervor. Ich bin nun weit entfernt, aus der Anein- 
anderreihung von vier verschiedenen Ausdrücken sichere Schlüsse 
auf verschiedene Gattungen der vorgelegten Urkunden und Beweis- 



291 

mittel ziehen zu wollen; Häufungen solcher Art finden sich noch 
andere in der Göttweiger Urkunde. Es wäre auch ein Bemühen 
in jener Richtung um so überflüssiger, als wir eine viel bedeutendere 
Erscheinung darin erblicken, dass der Notar, welcher die Göttweiger 
Verhandlung »in publicam formam« brachte, derselbe ist wie der, 
welcher RB transsumiert. Ich stelle hier die beiden Formulare 
neben einander. 



RB (1372, Juni 25, St. Polten). 

S. N. Et ego Weykchardus 
filius Hainrici dicti Vtschalch 
de Viechtach clericus Ratisponen- 
8is diocesis publicus imperiali 
auctoritate notarius* omnibus et 
singulis premissis [una cum pre- 
notatis testibus] presens inter- 
fui dictasque litteras de verbo 
ad verbum nichil addendo 
seu dimminuendo quod sen- 
sum mutet vel viciet intel- 
lectum manu propria transcri- 
psi (et* in hanc publicam formam) 
redegi meoque* signo solito si- 
gnavi, rogatus et requisitus in 
testimonium premissorum. 



1372, December 14, Göttweig. 

Et ego Weykchardus dictus 
Vtschalich de Viechtach clericus 
Ratisponensis diocesis publicus 
imperiali auctoritate notarius 
ipsorum testium citacioni et 
medio juramento examina- 
tioni et omnibus et singulis pre- 
missis* presens interfui, vidi et 
audivi (et* hanc publicam 
formam) de super et de man- 
dato dicti domini abbatis 
Chotwicensis propria manu 
conscripsi et sigillo suo si 
gillavi meisque nomine et signo 
solitis signavi rogatus et requi- 
situs [*cum dictis testibus] in 
testimonium premissorum. 



Ich setze diese beiden Formeln deshalb nebeneinander, um zu 
zeigen, dass der Notar nichts gesagt hat, was er nicht mit gutem 
Gewissen sagen konnte. Die der verschiedenen Sachlage entsprechen- 
den Verschiedenheiten erscheinen in durschschossener Schrift, in 
Klammern [] und () jene Stellen, die sich in beiden Formeln, doch 
an verschiedenen Plätzen finden. 

Was zunächst das Instrument vom 14. December 1372 anlangt, 

so können wir bis auf die Besiegelung durch den Abt feststellen, 

dass die Notarsformel nichts besagt, was sie nicht sagen durfte. 

Hinsichtlich der Besiegelung liegt uns zwar das Original nicht vor, 

wir dürfen aber umsoweniger zweifeln, dass sie erfolgt sei, als 

Papst Gregor XL seinerzeit (1371, October 18) solches befohlen hatte. 

19* 



292 

Ziehen wir nun, um die Glaubwürdigkeit des Notars zu prüfen, noch 
eine dritte Urkunde heran. 

Am 28. Juli 1373 instrumentiert eben unser Weighart von 
Viechtach noch die Incorporationsurkunde des Bischofs Albert von 
Passau für die Pfarre Retz in das Stift St. Polten ; die handschriftlich 
erhaltene Formel lautet: 

Et ego Weykchardus dictus Vtschalich de Viechtach clericus 
Ratisponensis diocesis publicus imperiali auctoritate notarius pre- 
missis litterarum apostolicarum presentacioni et recepcioni taxacioni 
declaracioni presentacioni unioni incorporacioni et concessioni ac 
omnibus aliis et singulis, dum, sie ut premittitur, per reverendum 
in Christo patrem dominum episcopum Pataviensem fierent et age- 
rentur, una cum prenotatis testibus presens interfui eaque sie fieri 
vidi et audivi, qua propter hoc presens publicum instrumentum sigillo 
ipsius domini episcopi sigillatum de mandato ipsius scripsi et publi- 
cavi et in hanc publicam formam redegi signoque meo solito et con- 
sveto signavi requisitus in testimonium premissorum. 

Auch in dieser Formel steht nichts, was wir mit Grund für 
unwahr halten oder auch nur bezweifeln dürften. 

Dürfen wir dies nur etwa beim Transsumte von RB annemen? 
Wir müssen Weighart von Viechtach Glauben schenken, wenn er 
sagt >de verbo ad verbum nichil addendo seu diminuendo, quod 
sensum mutet vel viciet intellectum, manu propria transcripsi«. Und 
was Originalität oder NichtOriginalität seiner Vorlagen betrifft, so 
behauptet er ja weder das Eine, noch das Andere, er sagt nur, dass 
er die vorgelegte Urkunde Herzog Rudolfs besiegelt »non cancellatas 
non rasas nee in aliqua sui parte viciosas< gefunden habe, und 
wenn er weiter jeden Verdacht einer Fälschung ausschliesst, nun so 
liegt es eben nur unter dem Banne des unkritischen Geistes seiner 
Zeit, desselben Geistes, der Karl IV. die Rudolfinischen Fälschungen 
für echt halten Hess. Er erkennt die Fälschung nicht, weil er nicht 
über die Mittel verfügt, sie zu erkennen, wobei allerdings seine 
Landfremdheit mitgewirkt haben mag. 

Nun darf man aber doch aus dem Umstände, dass der Notar 
verhältnismässig weit hergeholt war, keinen Schluss auf eine böse 
Absicht derjenigen ziehen, zu deren Gunsten er thätig ist. Aus 
Nr. 260 und 285 des St Pöltener Urkundenbuches sehen wir, dass 
Notare oft noch weiter hergekommen sind; jener Dietrich von Mit- 
weide, der 1332 und 1339 in Streitigkeiten des Stiftes mit dem 



293 

Pfarrer von Nalb als Notar interveniert, stammt gar aus dem Meissner- 
lande. Ein andermal wurde ein Notar genommen, der in der 
Werdener Diöcese heimisch war: Peter Cirow, der 1487 in dem 
Streite zwischen Michael Schenk und dem Stifte St Polten fungiert, 
oder etwas näher aus dem Lawanter Sprengel: Johann Neuhanner 
1370 im Streite zwischen dem Pfarrer von Hirm und St. Gotthart 
um die Capelle zu Haunolstein; auch Notaren aus der Mainzer 
Diöcese und aus Laibach begegnen wir in St. Pöltener Angelegen- 
heiten, zumeist allerdings solchen aus dem Passauer Sprengel und 
aus der Nähe des Stiftes. 

Der oben angedeutete Verdacht absichtlicher Wahl eines Notars 
fremder Herkunft ist in unserem Falle schon dadurch ausgeschlossen, 
das8 Weikhart von Viechtach seit der Vorladung der Zeugen durch 
den Abt von Göttweig, also etwa seit Ostern 1372, bis zum nächsten 
Frühjahre, gewiss ein volles Jahr in der Retzer Incorporationsfrage 
verwendet wurde. Auch das war offenbar rechtens oder mindestens 
üblich, und der oben erwähnte Fall aus den Jahren 1 332 und 1339 
lehrt, dass man noch nach Jahren auf den Notar zurückgreift, der 
bereits einmal in einer Angelegenheit verwendet worden war. 

Wird sich nun Weikhard von Viechtach vorwiegend in Gött- 
weig aufgehalten haben, so musste er doch notwendig auch nach 
St. Polten kommen. Hier finden wir ihn denn auch im Jahre 1372. 
Im Auftrage des Abten Ulrich hat er sich dahin begeben; l ) seine 
Aufgabe ist, über den Zustand des Stiftes genaue Erhebungen zu 
pflegen, und die Schilderung, die wir von der dortigen Notlage 
haben, danken wir wol zumeist ihm. Doch dies ist nicht das einzige 
Ziel seiner Reise. 

Die Aufforderung, ihre Urkunden über das Retzer Kirchlehen 
nach Göttweig einzusenden, hatte die Chorherren des heiligen Hyppolit 
in nicht geringe Verlegenheit gesetzt Wir wissen warum; das 



') Daliin hatte man auch die von ihm verlangten Zeugen kommen lassen: 
Friedrich, den Pfarrer von St. Peter zu Wimberg (welches?), Michel, den Kaplan 
von Gerersdorf, den Priester Johann von Altlengbach, letztere beide aus dem 
St. Pöltener Bereiche; ferner Johann Bachalaureus in artibus aus Feldkirchen 
(welches?), Trauslinden Richter von Hollenburg, welchen der Notar wol selbst mitge- 
bracht hatte, Otto Graber (von Grab bei Inning, das erst seit 1368 dem Stifte gehört), 
Alram von Völlerndorf (bei Gerersdorf), Göschlin den Watzmannsdorfer (wol von 
Watselsdorf oder Watzendorf bei St. Polten genannt), Hermann Seydmanspeck 
(Seinetzbach bei Mank), lauter angesehene Leute und noch andere mehr. 



294 

weisse Wachs des Siegels, das in Avignon, für welches die Fälschung 
zunächst berechnet war, wol anstandslos durchgeglitten wäre, musste 
in Göttweig auffallen, Bedenken erregen, Anfragen bei der herzog- 
lichen Kanzlei veranlassen, die für die St. Pöltener sehr verhängnis- 
voll werden konnten. Sie weigern sich unter Hinweis auf die 
Fährlichkeit der Reise, so wichtige Documente aus den Händen zu 
geben. Der einzige Ausweg ist der, eine notariell beglaubigte Ab- 
schrift anfertigen zu lassen, und dagegen kann man in Göttweig 
keinen Einspruch erheben. Die Chorherren schlagen wol selbst 
dieses Auskunftsmittel vor, in der gewiss richtigen Erwägung, dass, 
wenn ja — das Gegenteil war kaum zu hoffen — der Notar 
gelegentlich der Siegelbeschreibung auch auf die Farbe des Wachses 
zu sprechen kam, doch das Wörtchen »alba cera« nicht leicht so 
grosses Unheil anstellen könne als der wirkliche Anblick des weissen 
Wachssiegels und der Vergleich mit den auch in Göttweig vor- 
tindlichen, auffallend grossen Rudolfinischen Siegeln in rotem Wachs. 
Dagegen verschwinden die zwei Wörtchen des Transsumtes wie 
Nebelflecke auf sonst wolkenlosem Himmel. 

Dass aber der Notar sich an der Farbe des Wachses stossen 
würde, war weitaus nicht so sehr zu besorgen, weil er landfremd 
war, weil man ihm leicht aus den Archiven eine Reihe fürstlicher 
Beurkundungen vorweisen konnte, die weisses Wachssiegel trugen, 
überhaupt aber das rote Wachs noch gar nicht lange in der 
herzoglichen Kanzlei eingebürgert war. 

Es war gewiss nicht schwer, ihn zu hintergehen; doch indem 
ich das vermute, drängt sich mir der Gedanke des Gegenteils auf, 
den ich der Vollständigkeit halber berühren will. 

Ob nicht eher der Notar der Fälscher gewesen? Nun, um ein gut 
Stück Geld mochte sich schon der eine oder andere seiner Berufs- 
genossen zu derlei Unterschiebungen hergeben. Ihn aber trifft so 
kein Verdacht Insbesondere das Vorhandensein des grossen Siegels 
musste er hinzugedichtet haben. Dass er eine geschickte Umänderung 
im Texte der echten Vorlage zu Gunsten des Stiftes vorgenommen, 
ihm selbst aber keine Fälschung vorgelegen hat, ist auch im oben 
Erörterten schier ausgeschlossen. Er hatte, wie wir wissen, ein 
falsches Siegel vor sich und eine Urkunde, die trotz des veränderten 
Sinnes und Wortlautes räumlich, äusserlich genommen, dem RA 
ganz ähnlich gewesen sein muss, in der Zahl der Worte und Buch- 
staben sich wenig von ihm unterschied. 



295 

Weikhart von Viechtach ist also selbst getäuscht worden. 
Dass man behufs seiner Irreführung zu natürlichen Mitteln gegriffen 
habe, ist nicht wahrscheinlich, denn das Transsumt ist nach seiner 
Angabe am 25. Juni 1372, mithin an einem Freitage ausgefertigt, 
einem Tage, an dem man doch noch streng fastete. Mithin kann 
nur das schon oben erwähnte Moment, dass er landfremd war, die 
Anerkennung der Fälschung erleichtert haben. 

Fassen wir noch einmal das Ergebnis kurz zusammen, so 
lautet es wie folgt: 

Die Beurkundung über den Anfall der Pfarre Retz 
an das Stift St. Polten von 1361, Juli 22, ist in zwei von 
einander abweichenden Fassungen auf uns gelangt. Die 
eine [RA] lässt das Retzer Pfarrlehen gegen Hingabe von 
zwei stiftischen erworben werden, die andere [RB] spricht 
von einfacher Schenkung seitens des Herzogs Rudolf IV. 
Nur bezüglich der ersteren liegen aus späterer Zeit Be- 
weise vor, dass sie zu Recht bestanden habe, hinsichtlich 
der letzteren hingegen Andeutungen, die auf eine Fäl- 
schung schliessen lassen (Siegel aus weissem Wachs, Be- 
streben, der Wörterzahl von RA möglichst nahe zu kommen). 
Als Grund der Fälschung muss angesehen werden die Un- 
vereinbarkeit der in RA zutage tretenden Tauschhandlung 
mit dem alten Kirchenprincipe, nur unbedingt vorteil- 
hafte Tausche einzugehen, einerseits, anderseits mit der 
neueren Richtung, welche sowol die Schädigung der Seel- 
sorge als den Rückfall incorporierter Pfarren an Weltliche 
perhorrescierte. Über Antrag Kaiser Karl IV. wurde vom 
Papste die Untersuchung der Retzer Angelegenheit von 
dem Göttweiger Abte Ulrich unter Zuhilfename des Notars 
Weichart von Viechtach vorgenommen. Dieser transsumiert 
die Fälschung von 1362, ist aber unschuldig an ihr; denn 
nicht erst angesichts der bevorstehenden Göttweiger. Ver- 
handlungen, schon bei früherer Gelegenheit ist dieselbe 
entstanden, zunächst mit Rücksicht auf eine möglicher- 
weise verlangte Einsendung nach Rom oder Avignon. Man 
hätte in diesem Falle kein Bedenken getragen, RB selbst 
einzuschicken. Die Bestellung von Göttweig zum Tribu- 
nale jedoch änderte an der Sache soviel, dass man es für 
geraten hielt, ein Transsumt nemen zu lassen, unter Hin- 



296 

weis auf die Wichtigkeit des Documentes, welches jedoch 
bei anderen nicht minder wichtigen Stiftsurkunden die 
Einsendung im Originale nicht gehindert hat. 



I. 
1369, Juni 26. Wien. 

Die Herzoge Albrecht III. und Leopold III. verpfänden dem Wolfgang 
von Winden Grillten zu Brück a. d. Leitha, Perchtholdsdorf, Medling, 

und Arbest/taf. 

Orig. im k. u. k. Staatsarchive in Wien, Perg. durchschnitten, mit zwei trohlerhaltenen 

Siegeln. TAchnowsky IV, 907. 

Wir Albrecht und Leuppolt brüder von gots genaden herzogen 
ze Osterreich, ze Steyr, ze Kernden und ze Chrain, grafen ze Tyrol etc. 
tun kunt, als wir dem edeln unserm Üben öheim graf Ulreichen von 
Schowenberg gepunden sein gewesen die vesten und herschaft ze Ort 
auf der Tünawe ze ledigend und ze lösend von unserm üben getrewen 
Wolfgangen von Wynnden, also haben wir im das volfürt und auz- 
gericht, unz an zwaihundert phunt wienner phenning die wir dem- 
selben Wolfgangen von Wynnden noch schuldig beleiben; darzü 
sullen wir im gelten vierzehen phunt phenning umb ein ros, daz 
wir von im gechauft haben und geben unserm liben getrewen Ste- 
phanne dem Tepler unsers egenanten herzog Leuppolts hofmaister. 
Für dieselben zwaihundert und vierzehen phunt phenning haben 
wir dem egenanten Wolfgangen von Winnden auz unserm urbar 
verseezet und setzen ouch mit disem briefe sibenthalbs und zwainzig 
phunt wienner phenning gelts, der zehen phunt geltes liggent ze 
Prukk bei der Leytta auf behausten holden auf sekchern und auf 
tiberlend, dreu phunt gelts ze Perchtoltstorff auf behaustem göt und 
auf tiberlent, daczMedlik vierdhalb phunt gelts ouch auf behaustem 
gut und den zehenten ze Aribaizztal für zehen phunt gelts, also 
daz der vorgenant Wolfgang von Winnden und sein erben die ege- 
nanten gülte und den zehenten in eins rechten phandes weise dafür 
innehaben und niezzen ane abslag der nütze, als lang unz wir, unser 
erben oder nachkommen si der obgenanten zwairhundert und vier 



297 

zehen phünt wienner phenning genzlichen berichten und gewern. 
Swenne ouch wir si mit demselben irm gelt ermanen, so sullen si 
uns der losung stat tun und gehorsam sein ane verziehen und ane 
alle Widerrede. Und darüber ze urkunt geben wir in disen brief 
besigelten mit unsern insigeln; der geben ist ze Wyenne, an erich- 
tag nach sant Johans tag ze sünnwenden, nach Christes geptirt 
dreuzehen hundert jar und darnach in dem neun und sechzigistem jare. 

^ domini duces, Haidenricus 

de Meissau magister provincie, 
de Lichtenstein magister curie, 
de Wehing magister camere. 



IL 
1389, Juni 29. Wien. 

Herzog Albrecht III. verleiht auf Bitten Peter Matzens dem Hans von 
Stadeck die Gülten zu Kö'ttlasbrunn tmd Arbesthai, die jener diesem 

verlcauft hat. 

Orig. im k. u. k. Staatsarchive in Wien, Perg. mit icohlerhaltenem Siegel. IAchnotcsky 

IV, 2172. 

Wir Albrecht von gotes gnaden herzog ze Osterreich, ze Steyr, 
ze Kernden und ze Krain, grave ze Tyrol etc. bechennen, daz für 
uns cham unser getrewr Peter Macz und gab uns auf ain wisen 
und ettleich gült und nücze gelegen ze Götesprunn und ze Arbais- 
tal, die sein lehen von uns gewesn warn, als er uns furlegt, und 
pat uns, daz wir die verleihen gerüchten unserm getrewn lieben 
Hansen von Stadekk, wan er im die ze kaufen gegeben hiet. Das 
haben wir getan und haben demselben Stadekker und seinen erben 
dieselben wisen und gülte und swas darzü gehöret verlihen und 
leihen auch mit dem brief was wir in ze recht daran leihen sullen 
oder mügen von uns und unsern erben in lehens rechten inneze- 
haben und ze niessen, als lehens und lands recht ist ungeverleich. 
Mit urchund dicz briefs geben ze Wienn, an sand Peters und sand 
Pauls tag der zweifboten, nach Krists gepurd dreuzehenhundert 
jar darnach in dem neunundachzgistem jare. 

d. d. 



298 

III. 
1496, September 6. Wien. 

Beric/it der Wiener StatthaÜerci an König Maximilian I. über die 
Vergebung der Pfarrlehen zu Hadersdorf, Karlstetten und Aspern. 

Orig. im k. u. k. Staatsarchive in Wien, Pap. mit vier aufgedruckten gedeckten Siegeln. 

Allerdurleuchtigister grosmechtigister kunig, allergenedigister 
herr. Ewer kunigelichen Maiestet sein unser undertenig gehorsam 
schuldig und willig dinst alzeit zuvoran berait. Allergenedigister 
herr. Die pharrkirchen zu Hederstorff und Karlstetten haben nu 
über jarzeit vacirt und mit khainem pharrer versehen gewesen, aus 
Ursachen das die in den ergangen kriegsleufen swerlich verdorben* 
und sonst an nützen und zuestenden so klainschetzig sein, das 
nitnand Ewr kunigelich gnad darumb ersuchen oder ainicherlai 
darlegen derhalben thun wellen. Und wann wir aber bericht sein, 
daz die pharrleut daselbs mit den sacramenten und andern ph£rr- 
lichen rechten menigermal versaumbt worden und die berurten 
pharrkirchen ferrer un versehen zu lassen merkhlich sorgfeltikait auf 
im trag, haben wir in namen Ewer kunigelichen Maiestat und im 
pesten die pharr zu Hederstorff Ewer kü. Mt kellermaister in 
Ost erreich Wolfganngen Stinnleyter Schreiber Johannesen Kuglperger, 
dem Ewr k. Mt. vormallen zu Worms ain exspeetanz zugesagt, und 
die zu Karlstetten ainem gelerten armen maister Johannsen Schiech 
aus der Steirmarch verlihen, in hoffhung Ewr k. gnad werde ab 
solher unserr handlung genedig gevallen haben und die beschehen 
lehenschaft genedielich verwilligen. Dann wo die berurten pharren 
so klainschetzig und die notdurft so merkhlich vor äugen nicht ge- 
wesen weren, hieten wir uns der anstat Ewer k. Mt. zu verleihen 
nicht angenomen. So ist ietzo ain kirchen zu Asparn in ainem 
verödten dorf bei der Tunaw, 1 ) die allain auf ainen briester gestift 
und gruntlich verdorben ist, ledig worden, die wir ainem armen 
capplan hie zu Wienn bis auf Ewer k. Mt. ferrer befelh zu verwesen 
bevolhen haben, und so nu Ewr k. gnad mit der ietzberurten gots- 
gab nimand wol nach genaden versehen mag, bitten wir diemutigs 
vleiss Ewr k. Mt. welle den gemelten briester auch genedielich dabei 



tt verderben. 

') Siehe oben S. 272, Anm. 1. 



299 

beleiben lassen und im presentacion und ander notdurftig brief 
darumb schaffen zu fertigen und dits unser sehreiben und handlung 
mit gnaden und im pesten versteen. Das wellen wir umb Ewr k. Mt., 
der wir uns hiemit diemuticlichen bevelhen, alzeit gehorsamlich ver- 
dienen. Geben zu Wienn, an eritag vor unser lieben frawen tag 
nativitatis, anno domini etc. LXXXXVI to . 

E. K. M. 

undertenig gehorsam willig haubtman 
stathalter und regenten zu Wienn. 

Zuschrift auf der Rückseite: Dem allerdurleuchtigisten gros- 
mechtigisten ftirsten und herrn herrn Maximilian Römischen künig, 
zu allen zeiten merer des reichs zu Hungern, Dalmacien, Croacien 
etc. kunigen, erzherzogen zu Osterreich, herzogen zu Burgundi, zu 
Brabannt, zu Gheldern etc., graven zu Flanndern, zu Tirol etc., 
unserm allergenedigisten herren. 

Darunter: Häderstorff, Karlstetten, Aspern 

1496 
lus pre(sentationis) Passau b(etreffend). 

Am obern Bande: Hederstorff Karlspach so! lehenshaben. 



Die Volksnamen der niederösterreichischen Pflanzen. 

Gesammelt und erläutert 

Von 
F. Höfer, und M. Kronfeld, 

Fachlehrer i. P. Doctor der Philosophie. 

(Fortsetzung.) 

XXXIX. Oleaceae. Ölbaumartige. 

378. Ligustrum vulgare L. Rainweide. 

1. Dintnbeer Wied. litt.; 2. Dintenbeer E.; 3. Dintnbeer Cast.; 

4. Jyinfrnber K.; 5. Dintnschdravch Cast; 6. Gimpelbeer (Reiclien- 

au) Beck; 7. GimpeUrir Br.; 8. Gimplber K.; 9. Häcftrigl Cast: 

10. Härtrigl K.; 11. Hundsbödl. 

1 — 5 wegen des schwarzen Beerensaftes. 6 — 8 wie Viburaum opulus 
No. 372. 9 — 10 s. z. Cornus mas No. 539.11 = Hundsbeere, wie LoniceraXy lost. 
No. 374. u. a. — Dintenbeer, Gimpelbeer Höf.; Gimpelbeere, Gumpenbeer 
Salzb. ; Gimpelbeer (Hallstadt) St.; Dintenbeer Kämt.; Dintenbeerstrauch 
(Elsass), Gumpenbeere (Tirol), Gimpelknorzen (Siebenbürgen), Hartriegel 
(Bock, Brunschw.) Pr. u. Jess. 

379. Syringa vulgaris L. Türkischer Flieder. 

1. Blaua Holla Cast; 2. Flida; 3. Roller (Wien), (Nikols- 

burg) Bau.; 4. spanischa Holla Br.; 5. spanischer Holder Märt; 

6. Türkischa Holla K.; 7. Türhschä Holtsr E.; 8. Türkischer 

Holler Wied. 

1, 3 — 8 Holler betreffend s. z. Sambucus nigra No. 370. 4 — 8 wegen der ihm 
zugemuteten fremdländischen Abstammung. 2 Flieder mit Flader (von der 
flatternden Rispe) verwandt. Möglicherweise ist der Name Compositum von 
fliehen und dar, dem Baum (s. z. Wachholder No 69, Hollunder No. 370 u. a. v 
also der Baum mit den rasch vergänglichen Blüten Hof. 14. — Der üblichen 
Anname gemäss wurde der Flieder unter Ferdinand I. durch Busbeck (1560) 
aus der Türkei nach Wien gebracht. Neuere Autoren, so Baier (O. B. Z. 
1883, 327), halten jedoch dafür, dass der blütenreiche Strauch im Sieben- 
bürgischen seine Heimat habe. Fehlt in wenigen Bauerngärtchen. Kinder 
stecken die präsentiertellerförmigen Corollen in einander und formen aller- 
liebste, zwischen Büchern plattgepresste und getrocknete Kränzchen. Nicht 



301 

anders reihten die alten Egypter die Lotosblumen an Stäben auf. — 
Spanischer Holler Salzb.; spansche Fleder (Mecklenb.) Pr. u. Jess. 

380. Fraxinu8 excelsior L. Esche. 

1. Asch E.; 2. AscKn Br.; 3. Aschpaltn; 4. Aspoker; 5. Asch 
(Erlafthal) K.; 6. Asch'pn; 7. Asch Becker; 8. Eschn K, Wied. 
litt; 9. JEspn; 10. Gaisbam Cast. 

1, 2, 5, 7, 8 Esche, wahrscheinlich Aschenbaum, von der grauen Farbe 
der Rinde, engl, ash, schwed. ask Höf. I. 189. Ahd. asc, mhd. asch, vom 
goth. askr Speer, also Holz zu Speeren geeignet (Leunis) Hof. 46. 3, 4, 6, 9 
Namen an diejenigen der Zitterpappel (Populus tremula No. 197) angelehnt. 
10 wol, weil die Ziege dem Laube nachstellt. — Die Esche ist nach nor- 
dischem Mythos der Weltbaum. Er verband Himmel und Erde, Erde 
und Hölle. Seine Äste trieben durch die ganze Welt und reichten sogar 
über den Himmel hinaus. Nur von den Nomen wurde diese Esche Yggdrasil 
begossen. Eine ihrer Wurzeln gieng zu den Äsen, eine zu den Hrimtrusen 
und eine zu Hei, und unter jeder Wurzel rauschte ein heiliger Quell. 
Perg. Sag. 2. — Espe (a. d. Traun) Höf.; Oeschling Salzb.; Agspelter 
Kämt.; asch, ascha (ahd., Hildegard), Oesch (Schweiz, Hildegard) Pr. u. Jess. 

XXXIX«. Loganiaceae. Brechnussartige. 

381. Strychnos Nux vomica L. Brechnuss. 

Oränaigl Cast. 

Krähenaugen; die scheibenrunden giftigen Samen des in Ostindien 
heimischen Baumes. 

XL Apocyneae. Hundstodartige. 

382. Vinca minor L. Immergrün, Wintergrün. 

1. Niagrean ^Zillingsdorf) Hof.; 2. Wintagreaü K., Wied. 

litt.; 3. WirUdgrean E. 

1 corrumpiert aus Singrün = Immergrün; denn das nur in Zusammen- 
setzungen vorkommende ahd. sin bedeutet als Substantivum soviel als Dauer, 
Stärke (vgl. sinvluot, jetzt entstellt Sündflut (Grimm) Hof. 12. — Vorzüglich 
stellt die blaublühende Vinca einen anmutigen und dauerhaften Schmuck 
der Gräber dar. Mit ihren zarten Trieben, den freundlich glänzenden 
Blättchen und den an das helle Auge des blonden deutschen Mädchens 
erinnernden Blumenkelchen überspinnt das Immergrün in kurzer Zeit die Grab- 
hügel. Noch im vorigen Jahrhundert wurde kein Mädchen, kein Jüngling 
in deutschen Landen begraben, ohne mit einem Singrünkranze geschmückt 
zu sein. Und Bock weiss zu erzählen, dass im Jahre 1535 ein Leichnam 
aus der Erde gehoben wurde, dessen Vinca noch grünte. — Sidergrtin Salzb.; 
ingrünen (mhd.), Ingrün (Hessen, Brunschw., Brunf., Bock, Cordus), singröne, 
sintgrien (mhd.), Wänjtergrün (Siebenbürgen) Pr. u. Jess. 



302 

383. Nerium Oleander L. Oleander. 

1. Leander K.; 2. Leanderbam Wied. litt. 

Oleander, im XVI. Jahrhundert ans französisch oleandre, ital. oleandro 
(spätlat. lorandrum aus griech. pooo8ev8pov = Rosenbaum) Gr. VII. 1276. 

— Beliebte Zierpflanze aus dem Mittelmeergebiet. Schon bei Abbazia wächst 
unter Lorbeer wilder Oleander. 

XU. Gentianeae. Enziangewächse. 

384. Menyanthes trifoliata L. Bitterklee, Fieberklee. 

1. Bittdklee E.; 2. Kränzt] 3. Wiesnwaüal (St Nikola) Top. 

2, 3? — Bitterklee Kämt., Salzb.; Wasserklee Schles.; Bitterklee (Bern, 
Eifel, Salzburg, Gesner, Cordus, Ruppius), Wiesenmangolt (Cordus) Pr. 
u. Jess. 

385. Gentiana cruciata L. 

1. Kreutzwurtz, 2. modeiger Clus. 

1 die Blätter sind kreuzweise gegenständig. 2 ahd. madalger, mhd. 
madelger nach Madelger, dem Vater Heime's, benannt (Grimm, Mythologie). 

— War einst berühmt. Es war das Sprüchlein im Schwange: 

Modelger ist aller wurzel ein eer. 
Mödlgeer Salzb.; Kreuzblum (Tirol), Kreuzwurz (Bock, Fuchs), Madelngeer 
(Brunfels), Modelger (Brunschw., Bock) Pr. u. Jess. 

386. Gentiana asclepiadea L. 

1. Gelbsuc/ttwurz'n E., 2. Grosse bitterwurtz Clus. 
1 2. Bittermittel wider Leber- und Gallenbeschwerden. 

387. Gentiana acaulis L. 

1. Haue Hosen (Erlafthal); 2. Oallblüml Beck litt; 3. Gaü- 
thee (Pernitz) Beck; 4. Holzgluclcn (Miesenbach) Beck; b.Pfaffen- 
kuttl Boghf.; 6. Schafnam (Feuchtenbach) Beck; 7. Schneüa 
Roghf. 

Die prächtige, 5 cm lange, keulig-glockige Blume wird verglichen 
1 mit einer Hose, 4 einer Glocke, ö der Kutte eines Geistlichen, 6 der 
gebogenen Nase des Schafes. 2, 3 s. z. vorig. 7 von Kindern zum 
» schnellen c oder >kleschn«, das ist zur Hervorruf ung eines lauten Ge- 
räusches benützt, 8. z. Datura Stramonium No. 465, Silene inflata, Colutea arbo- 
rescens u. a. — Fingerhosen (Hallstadt), Schneller (Imst, Tirol) 8t.; Kar- 
daunglocke Salzb.; Fingerschuh, Gugguhandschua Kämt.; Bitterwörzli (St. 
Gallen), Bitterwurz (Schweiz) Pr. u. Jess. 

388. Gentiana pumila Jacqu. 

Lilien Beck litt. 

389. Gentiana verna L. 

Himmelstengel Clus. 

Himmel88ternäTn (Hallstadt) St.; Himmelnagerl Kämt.; Himmelsstengel 
(Elsass), Himmelstengel (Thüringen) Pr. u. Jess. 



303 

390. Gentiana nivalis L. 

1. Himmelstengd y 2. Kelberschü Clus.; 3. Kelberschiss Beck; 

4. Vergüsmeinnid (Dürrenstein) E. 

1 8. z. vorig. 2, 3 erzeugt bei Kälbern Diarrhöe? 4 s. z. Myosotis Nr. 440. 

391. Gentiana germanica Willd. 

1. Milchkraut E.; 2. Mooskraut (St. Nikola) Top. 
1, 2? 

392. Gentiana pannonica Scop. 

1. Enzian E.; 2. Enzian K., (Wien); 3. Bother Enzian Kempf. 

Mit abfallendem G von lat. gentiana, welches von Plinius auf den illy- 
rischen Fürsten Gentiiis (500 a.) bezogen wird. — Der eigentliche, in den 
Alpen vielgesammelte > Enzian«. Die pfundschweren und bis armdicken 
Wurzelstöcke werden von den Kräutlern auf den Wiener Markt gebracht. An 
Ort und Stelle zur Bereitung des »Enzians« , eines bitteren Brandweines, verwendet, 
dem der Älpler besondere Kräfte zumutet. Stücke des Wurzelstockes werden 
wider Kolik und Darmbeschwerden gebraucht; auch sollen dieselben dem 
Biere zugesetzt werden, um dasselbe > schwerere zu machen. In Tirol heisst 
es: wie die Enzian wurzel ist kani so stark Tir. Auch verwandte Arten 
und selbst Veratrum album No. 158 werden für »Enziane gegraben. — 
Enzigan (Hallstadt) St.; enziäu Tir. 

393. Erythraea ramosissima P. 

Voschreikräud Frf. 
Gegen das »Beschreienc der Kinder; s. z. Campanula rotundifolia No. 274. 

394. Erythraea Centaurium L. Tausendgüldenkraut. 

Dau8endguldnhraut Wied. litt.; DausndguldtnkraudlL.', Dausnd- 
guldngraud Cast; Tausendgüldenkraut E. 

Centaurium ist nach dem kräuterkundigen Centauren Cheiron benannt, 
wurde aber, da die Pflanze zum Ruhme grosser Heilkraft gelangt, so über- 
setzt, als ob in demselben centum = hundert und aureus (nuramus) =• Gold- 
münze läge. Unlängst hörten wir ein Weib aus dem Volke sagen: Dausnd- 
guld'nkrand is dausnd guld'n werd. — Herba Centaurii ist off. Wird auch 
vom Volke als Bittermittel viel benützt und in grosser Menge für die Apo- 
theken gesammelt. — Tausendguldenkraut Ooest. (Schwaben, G raub Und ten, 
Brunf.), Tausendgäldekrokt (Siebenbürgen), Tausentguldin (Hart. San., 
Gesner), Tusigguldenkraut (Bern) Pr. u. Jess. 

XLII. Labiatae. Lippenblütler. 

395. Lavandula vera DC. Lavendel. 

Lafendl K.; Ldfendl E. 

Lavendel, ahd. lavendla, mhd. lavandele, lavendel, lat. lavendula von 
lavare, waschen, also Waschkraut, wegen der Anwendung der Blüten als 
wolriechendes Mittel beim Baden Hof. 72. — Im Sommer ziehen in Wien 



304 



und Umgebung Weiber mit Lavendelbüscheln von Haus zu Haas; sie preisen 
ihre Waare mit der einförmigen Cantilene an: 



^^^ ^^^grjb^z^S^gLjz^ 



da cmpo 
Kauft's an Lafendl, zwa Kraiza an Bischl Lafendl, 

Lafendl kauft's! 

Gerne legt man die trockenen Blütensprosse zwischen die Wäsche. 

396. Ocymum Basilicum L. Basilienkraut. 

Basikum Hof., Wied. litt.; Basiücum (Hacking); BasuJcum, 

Bowukum, Borsukum Hof. 

Anbequemungen des lat. basilicum. — Die aus Ostindien stammende 
Pflanze wird häufig in Töpfen cultivirt. — Barasilgerl (Steiermark) Har. litt, 
bäslguem Tir. 

397. Mentha pipcrita L. Pfefferminze. 

1. Bräminsfn K.; 2. Braunbälsn Cast.; 3. Briminzn Cast; 

4. Muattakraut Top.; 5. Priminzen KB.; 6. Priminzn Hof.; 

7. Prominzen Beck. 

1, 3, 5 — 7 8. z. Mentha sp. No. 400. 2 bälsn = Balsam, wegen des Duftes. 
4 Mittel wider Frauenleiden, s. z. Pyrethrum Parthenium No. 329. — Als 
menta in Karls Capitulare zum Anbau empfohlen. — bramünz, pfeffermünz 
Tir.; Balsamminz (Fuchs), FrauenmUnze (Leipzig) Pr. u. Jess. 

398. Mentha silvestris L. 

Bachbälsn Cast. 

S. z. vorig. 2. — bachmünz Tir.; Bachminz (Bock) Pr. u. Jess. 

399. Mentha crispa L. Krauseminze. 

Grauste Minzen K.; Kramminze Beck. 

Es gibt auch von Mentha silvestris, viridis, sativa und arvensis kraus- 
blättrige Varietäten. KB. erkennt im sisimbrium von Karls Capitulare diese 
Pflanze. — Krausmünzen Ooest. ; Kraussminz (Bock), Krüsemünte (Ost- 
friesland. Pr. u. Jess. 

400. Mentha sp. Minze. 

1. Bächminz'n. K.; 2. Krotnkraut Hof.; 3. JlfiWn E., Wied. 
litt; 4. Polass'n (Hennersdorf) ; 5. PoUist. 

1, 3 Minze, ahd. minza, mhd. minze, münze aus spätlat. mentha, gr. juvötj 
(th verschoben zu z). Die aus pigmente (lat pigmentum = Farbstoff) ver- 
kürzte Form ahd. pimeuta, mhd. bimente (Gewürz), kommt mit Anlehnung 
an minze als biminze vor, (vgl. die Dialektnamen von Mentha piperita Nr. 397) 
Hof. 70. 4. 5Polei= Flöhkraut, von lat. pulegium ; die Pflanze soll Flöhe ver- 
treiben. — Bachbalsam, Bachpalsen Kämt. ; Balsen Salzb. ; münz*. Tir. 



305 

401. Salvia officinalis L. 

1. Salfä E.; 2. Salfer Nie.; 3. Sälfa K., Wied. litt.; 
4. Sälva Frf. 

Salbei, ahd. salveia, mhd. salveie, salbeie, von lat. salvia, das mit sal- 
vus = heil, gesund, zusammenhängt, denn der Pflanze wurde besondere 
Heilkraft zugemutet. — Aus Südungarn; in Bauerngärten häufig eultiviert. 
Karls Capitulare empfiehlt den Salbei als Salvia. Vordem war derselbe auch 
KüchengewUrz. Tragus schreibt z. B.: »würt nicht unbillich als eyn köst- 
liche wortz inn die Kuchen und Keller geordnet.« — Salver Ooest.; 
salvlich, salvle', salvet Tir.; Salver (Österr.), Sälv (Siebenbürgen), Selve (Ost- 
friesland) Pr. u. Jess. 

402. Salvia pratensis L. 

1. Kätznschtoaf (Wolkersdorf); 2. vrild Salbei/ Beck; 3. urülder 
Salver Br. 

1 von der Form der Jnflorescenz. 2, 3 s. z. vorig. — wild Salbei 
(Brunschw., Brunfels), wilder salvay (mhd.) Pr. u. Jess. 

403. Salvia silvestris L. 

Wild salbet/ Clus. 

S. z. vorig. — Ward unter den Badekräutern zu Clus. 's Zeiten auf den 
Markt gebracht. 

404. Salvia verticillata L. 

Wiilda Sälfa K. 
Auch für den vorig. 

405. Salvia glutinosa L. 

Flöhkraut (Melk) Roghf., (Göstling) E. 

Die Stengel dieser prächtigen Waldpflanze sind über und über mit 
klebrigen Drüsenhaaren besetzt. An denselben bleiben eine Menge kleiner 
Kerfe, namentlich Ameisen hängen, und werden so von der Blüte abgehalten. 
Weil nun Salvia glutinosa fast immer mit den schwärzlichen Resten todter 
Insecten behaftet ist, sieht das Volk auf der Pflanze Flöhe. — Flöh kraut 
Salzb. ; Harzich (Schwaben) Pr. u. Jess. 

406. Rosmarinus officinalis L. 

1. Rosamarie; 2. Rosmarein y 3. Rosmann K.; 4. Rossmarin 
(Hacking) Pr. u. Jess. 

1 — 4 von lat. rosmarinus = Meerthau, weil die Pflanze an der Meeres- 
küste Südeuropas wild wächst; in 1 freundlich an Rosa und Marie an- 
gelehnt. — Durch Karl's Capitulare in den deutschen Bauerngärten ver- 
pflanzt, hat sich die Pflanze in demselben bis zum heutigen Tage erhalten. 
Es ist eine der Lieblingspflanzen des Österreichers. Rosmarin schmückt den 
Täufling >auf seines Lebens erstem Gange«, Rosmarin ziert die Hochzeitler, 
und Rosmarin, das duftige unvergängliche Kraut, darf auf keiner Bahre 
fehlen. Zahlreiche Volkslieder deuten auf die Verwendung des Rosmarin als 
Blätter de« Vereines für Landeskunde von Niederusterreich. 1889. 20 



306 

Todten schmuck und Grabeszier hin. Früher war Rosmarin, ähnlich wie 
Salvia officinalis, vielverwendetes Küchengewürz. 

407. Origanum vulgare L. Dosten. 

Zendioethee Barb. 

Der Absud wider Zahnweh. Unser Gewährsmann Barb. unterscheidet das 
dunkelrosenrotblühende Mandl und das lichtblühende Weibl. 

408. Origanum Majorana L. Majoran. 

1. Magaron Cast.; 2. Maigron, 3. MaJcron (Wr.-Neustadt) 

Hof.; 4. Margron E.; 5. Markeran Nie. 

Aus spätlat. majorana, schon mhd. an Mai angelehnt Hof. 59. — 
Margran Ooest.; maigram (mhd.), Maikram (Lechrain), Margran (Österr.) 
Pr. u. Jess. 

409. Thymus vulgaris L. 

1. Kudelkraut KB.; 2. Kudlgraud Cast.; 3. Kudlkraud (Wol- 
kersdorf); 4. Kuttelkraut (Wiener Markt). 

1 — 4 von lat. eunila, eigentlich dem Namen für Satureia hortensis KB. 
— Küchengewürzpflanze aus Südeuropa. — spanisch Kuttelkraut Ooest. 
Kunerle (Sachsen) Pr. u. Jess. 

410. Thymus Chamaedrys Fries. 

Kudeilnd Top. 

411. Thymus Serpyllum L. ! ) 

1. Kudlkraudad Frf.; 2. Kudlkraud K; 3. Kudlkraut Hof.; 
4. Kulkraut E.; 5. wild Kudelkraut KB.; 6. wilcFs Kntlhraut 
Wied. 

1 — fi s. z. Thymus vulgaris. — Kuttelkraut Ooest.; Kudlkraut, Kundl- 
kraut Tir. ; Kindlkraut Kämt.; Kudlkraut (Pinzgau, Pongau) Pr. u. Jess. 

412. Satureja hortensis L. Pfefferkraut. 

1. BoTdkreudl K.; 2. Saddrei E.; 3. Sädarei K., Wied. litt, 

Br.; 4. Sodarei Hof.; 5. WeinJoschl. 

1 zum Würzen des Bohnengerichtes. 2 — 4 mhd. saterje, von lat 
satureia; nach Voss von saturo = sättigen. 5? — Küchengewürzpflanze 
aus Südeuropa. Schon hei den Römern eultiviert und in Karls Capitulare 
als satureia angeführt. — Bohnenkraut (Schweiz, Süddeutschland), Bohnen- 
kräutchen (Hundsrück), satereia (Hildegard), Saturey (Bock, Frisius) 
Pr. u. Jess. 

413. Calamintha Acinos Clairv. 

Stichkraut E. 

414. Calamintha officinalis Mnch. 

Gutmand!lthee (St. Nicola) Top. 

x ) Nach der Auffassung neuerer Autoren eine Collectivspecies, die u.a. Thymus 
angustifolius P., Marschallianus Willd., humifusus Brhd., montanus W. Kit, Cha- 
maedrys Fries, begreift. 



tvr^ *fi #V 



307 

415. Clinopodium vulgare L. 

Alter Mann (Südböhmen bis Friedberg) Top. 

Die BI Utenaggregate sind mit «langen grauen Haaren bekleidet. 

416. Melissa officinalis L. Melisse. 

Forapakraut (Weissenbach) Wttst. 

Mittel wider Zahnweh, s. z. Stachys recta No. 425. — Gewürzpflanze aus 
Südeuropa. — beinkraut (mhd.) Pr. u. Jess. 

417. Hyssopus officinalis L. Ysop. 

Isop K.; hupp. 

Von lat. isopus, ysopus. — Aus Südeuropa. — Isop (Ober-Engadin) 
Pr. u. Jess. 

418. Nepeta Cataria L. Katzenminze. 

1. Limonikraui; 2. Melissen. 

Eigentlich Name für Melissa officinalis No. 416. — Melis Pr. u* Jess. 

419. Glechoma hederacea L. Gundelrebe. 

1. Grummer-Radl Top.; 2. Gundelreben Wied. litt.; 3. GundU- 
reb'n E.; 4. Gundlrebn K.; 5. Kummer-Badl (Rosenberg, Hohen^y 
furth). 

1 — 5 Gundelrebe, nach Schmeller (Bair. Wörterb.) mit Gund = feuchter 
Standort, zusammenhängend. Andere erkennen in dem Namen (ahd. gunde- 
re'ba, cundrepa) gund, gundja = Kampf und Rebe, mit mythischem Bezüge 
auf die Walküre Gundr; denn das Kräutlein gilt für heil- und zauber- 
kräftig. Bemerkenswert ist die Anlehnung des Grundwortes an Rad (1) 
(wegen der rundumgrenzten Blätter), des Bestimmungswortes an Kummer (5). Qumrnt 
Nach Top. bedeutet Gummer altes Weib. — Bumreben Kämt.; gundereba, 
-rebe (ahd.), Gunderebe (Bern, Hildegard) Pr. u. Jess. 

420. Dracocephalum austriacum L. 

Drachfallideebenkraut Barb. 

Diese nur an wenigen Örtlichkeiten in Nieder-Österreich und 
Böhmen vorkommende Labiate mit 4 cm langen dunkelblauen Blüten wird auf 
dem Geissberg bei Wien häufig von Botanikern aufgesucht. Das Volk mag den 
lateinischen Namen aus gelehrtem Munde gehört und denselben in der vor- 
stehenden Weise moduliert haben; die Anlehnung an Drache entspricht dem 
Wortsinne der lateinischen Bezeichnung. 

421. Lamium maculatum L. 

1. Daubnessl K.; 2. Krodnbleaml Hof. 

1 = taube, Taubnessel. — Daubnessel (Bock), tauwbe nesselen (mhd.), 
Taubnessel (Fuchs, Gesner) Pr. u. Jess. 

422. Lamium purpureum L. (auch Lamium maculatum L.) 

1. Blinde Brennessl Wied.; 2. rota Zirst Br.; 3. Siiassling 

(Gross-Russbach); 4. Täuberl im Nest (St Nicola) Top. 

2 = roter Ziest. 3 wegen der nektarreichen Blüte. 4 fährt eine 
Hummel oder Biene in die Blüte ein, so treten die auf gebogenem Stiele 

20* 



308 

befindlichen An theren hervor, was einigermassen an jenes Bild erinnert, welches 
die Nectarien von Aconitum Napellus (s. d.) geben. 

423. Galeopsis Ladanum L. 

Botfs Vorspakraud. 

Mittel wider Zahnweh; angeblich nur Männern dienlich, s. z. folgenden 
und Melissa officinalis. Nr. 413. 

424. Stachys recta L! 425. Stachys annua L. 

1. Fuesspeerkraud Barb.; 2. Fuesspeerkraut Beck; 3. Fur&chpa 

(Kritzendorf); 4. Furspakraut Wied. litt.; 5. Furspdkraut E.; 

6. Fuschpa r lgraud Cast.; 7. Fusspeerkraut Clus.; 8. Vesperkraut 

Neilreich; 9. Vorspakraud K., Wied. litt; 10. Vorspeerkraut Br.; 

11. weisses Furspakraut. 

1—11 der seltsam klingende, öfters schlecht verstandene Name (8) wird 
bereits von Clus. 602 erklärt. Clusius erzählt nämlich, dass die Steirer der 
Abkochung des Krautes sich wider den Fuesspeer, das ist eine Krankheit 
des Kopfes bedienen, ohne im Übrigen dieses Übel zu specialisiren. Das- 
selbe ist mit der Periostitis, der phlegmonösen Zahngeschwulst, gleichbedeutend. 

— Mit dem kalt gewordenen Absud wird die Mundhöhle ausgespült. Man 
muss sich hüten, über das Ausgespuckte zu schreiten, weil man sonst un- 
versehens Zahnweh erhält Barb. Soll seine Wirkung nur bei Frauen üben, 
wie uns aus der Gegend von Gaden mitgeteilt wird. — Fuhrkraut 
(von fahren, reissen) Höf.; Flussgsparrkraut Salzb. ; Vosperkraut Kämt.; 
Abnehmkraut (Bern), Berufkraut (Elsass), Gliedkraut (Fuchs) Pr. u. Jess. 

426. Stachys alpina L. 

1. Bachkraut E.; 2. FWtkraud K. 

1 vom Vorkommen. 2 Mittel wider Parasiten. 

427. Betonica Alopecurus L. 

1. Krotfnwämp'n (Steinernes Meer) K.; 2. Schoßvamp f n E. 
Die Coroile wird (1) mit dem Bauche der Kröte, (2) mit dem Bauche des 
Schafes verglichen. 

428. Marrubium vulgare L. 

1. Andorn; 2. Brustdeh; 3. Brustkraud Br. 
1 Abstammung dunkel Gr. I. 316. — andor (Hildegard, mhd.), anthorn 
(mhd.), antorn, antron (mhd.) Pr. u. Jess. 

429. Prunella vulgaris L. 

1. Brauneil (Gratzen) Top.; 2. Halswehkraut (Ernstbrunn). 

1 von lat. prunella, im Grundworte an Heil angelehnt. Bauh. leitet den 
Namen von der Krankheit >die Brune« her, gegen welche das Kraut dien- 
lich ist. Weigand führt Brunelle, Braunelle auf ital , span. bruno = braun 
(von dem braunen Kelch und den braunen Deckblättern einer Art zurück). 

— Braunelle, Brunelle, MundfauTkraut, Mundzepfen (Ooest.) Höf.; Braune 
Nella, Braunelle Kämt. — Brannellen (Bock, Fuchs), brunwort (mhd.), 
Gottheil (Schlesien, Mark, Ostpreussen) Pr. u. Jess. 



309 

430- Prunella grandiflora Jacqu. 
WäcMl Wied. 

V 

431. Ajuga Chamaepitys Schreb. 

Wilda Hanef. 

432. Ajuga. reptans L. 

o 

Aßkraut Becker. 

Heilmittel wider den Rotlauf; s. z. Rumex crispus No. 238, Chelidonium 
malus, Tussilago Farfara No. 295 etc. — Feldcypressen (Bock) Pr. u. Jeas. 

433. Ajuga sp. Günsel. 

1. Blauer Guclcu Top.; 2. BlawdTn (Hennersdorf). 

1 Frühlings- und Kuckuksblum; s. z. No. 144, 2 beiläufig = Blaulinge 
die Blaumeise heist n. ö. Blawerl. 

434. Teucrium montanum L. 

Wilde Rosmarin (Vöslau, Baden) Clus. 

Wilda Rosmarin Salzl».; Almrosmarin Kämt.; wilder Rosmarin (Jena) 
Pr. u. .Tess. 

435. Teucrium marum L. 

Kätzngraidl Cast. 
Katzenkraut (Bern) Pr. u. Jess. 

436. Plectranthus fruticosus. 

Qichtkraut, Oichtstrauch (Wien). 

Ein im Zimmer stehender Topf mit dieser Pflanze soll die Gicht fern- 
halten. — Gichtkraut Kämt. 

XLIII. Verbenaceae. Eisenkrautartige. 

437. Verb e na officinalis L. Eisenkraut. 

Eisnkraut E.; Ei&nhraud K. 

Ehedem zum »Härten« des Eisens benützt. — War dem Schwertgotte 
Ziu heilig. — Eisenhart (Schles., trdus), eisern, isenbart (mhd.), Stahlkraut 
(Tübingen) Pr. u. Jess. 

XLIV. Globularieae. Kugelblumenartige. 

438. 61obulariaWillkommiiNym.(G]obulariavulgari8Lamk,nonL.) 

Blaue Ruckerl (Brück a. d. L.); blaw Buckurtzu Clus. 
S. z. Bellis perennis No. 29(J. — Zu Clus. 's Zeiten in den Wiener Gärten 
gebaut. — Rückerz, RUchherz (Nemnich, Schkuhr) Pr. u. Jess. 

XLV. Asperifoliae. Scharfkräuter. 

439. Echino8permum Lappula Lehm. 

BedUais ; Leis Br. 

Die Nüsschen haften vermöge ihrer Widerhaken an vorbeistreifenden 
Kleidern. S. z. Setaria sp. No. 281, Xanthium strumarium No. 113 etc. 



310 

440. Myosotis palustris L. Vergissmein nicht. 

1. Himmelschlüssl Top.; 2. Vagissmeinnit ; 3. Vagissmeinnit 

Seidl; 4. Vergismainid K.; 5. Vergissmeinnid E. 

1 ob seiner Schönheit, s. z. Primula sp. No. 506 — 9. 2 — 5 Vergissmeinnicht, 
ursprünglich imperativischer Kräutername) bezog sich auf eine unbekannte 
Wunderblume (Grimm, Mythologie). — Die Blume des Andenkens und der 
Liebe. — Blümelein Vergissmeinnicht (Altmark), Vergiss mein nit (Thü- 
ringen, Augsburg, Tirol) Pr. u. Jess. 

441. Lithospermum officinale L. 

Meergries (Maria-Zeil) Ooest; Mörhirs' E. 

Die Samen, beziehungsweise Teilfrüchtchen, sind kalkig incrustirt. Als 
Bestandteil des »Mariazeller Rauches« werden sie zur Beförderung des 
Eierlegens benützt, was insoferne rationell ist, als dem Huhne Kalk zuge- 
führt wird. Als Theesurrogat in den Voralpen hie und da gebaut Kissl. — 
Meergries (^Schweiz), Meerhirss (Brunschw., Brunf, Bock, Fuchs) Pr. u. Jess. 

442. Lithospermum arvense L. 

Stoansam (Altstadt a. d. böhm.- n. ö. Grenze) Top. 

Teilfrüchtchen wie bei dem vorig. 

443. Echium vulgare L. Natternkopf. 

1. Eisenkraut (Gratzen) Top.; 2. Ochsenmaul (St. Nikola) 

Top.; 3. Schlängakopf Wied.; 4. Zwängkräudl Roghf. 

1? 2 von der Blutenform. 3 von dem einseitigen bischofsstabförmig 
gekrümmten Blütenstand, der nach Bauh. auch das griech. e^iov = Natter 
Schlange bedingte. 4 Thee wider Harnbeschwerden, s. z. Spiranthes 
autumnalis No. 149 etc. — • Natternkopf (Mattuschka), Zwongkrokt Sieben- 
bürgen) Pr. u. Jess. 

444. Pulmonaria officinalis L. Lungenkraut. 

1. Ahnl und 'Ahnl (St. Nikola) Top.; 2. blaue HimlschlissL 

Wied. litt.; 3. Lunglkraud E.; 4. rodi Butändl E.; 5. rädi 

Himlschlissl K. 

Die rote Blumenkrone nimmt später violette und zuletzt blaue Färbung 
an. Daher sieht das Volk (1) allerliebst Enkel und Grossmutter auf einer 
Pflanze, daher auch die verschiedenen Attribute (2, 4, 5). 3 seit alters- 
her Mittel für die Lunge, an deren Bläschen die weissen Flecken auf den 
Laubblättern erinnern. 4 s. z. Primula sp. No. 406 — 9. — Lunglkraut Ooest ; 
Himmelschlüssl Kämt.; Lungenkraut (JSchles.) Pr. u. Jess. 

445. Nonea pulla DC. 

Hdsenehdl. 

= Hasenöhrchen ? 

446. Anchusa officinalis L. Ochsenzunge. 

1. Hdsenehdl; 2. Kiiamaul Lze. 
1 8. z. vorig. 2 von der Blutenform. 



311 

447. Symphytum officinale L. Beinwell. 

1. Boanwadl (Angern, Marchfeld); 2. Boanwurzn Top.; 

3. Himnilsbrod (Wolkersdorf); 4. Häsenbrod Hof.; 5. Schwarz- 
wurz Wied., (Wien). 

Eines der berühmtesten Wundmittel alter Zeit bei Knochenbruch (2). 
Das Grundwort von Beinwell und 1 könnte auf die heilkundigen Walen be- 
zogen werden (Simrock); wol auch 3. 4 hat unterstützende Bedeutung, 
denn der Hase galt als elbisch. Sonst sucht man in dem Grundwort: sich 
Wälzendes, Walze, Welle, vom Rundmachen, Zusammenheilen der Knochen 
Hof. 66. Pr. u. Jess. 393 etymologisiren : Bein-Wohl. 5 Wurzel an der 
Oberfläche kohlschwarz. — Schwarzwurzel Schles. ; Beenwell (mittnd.) 
Beinwel (Pholspr., Brunschw.), Schwarz würze (Bern), Schwarzwurzel (Sieben- 
bürgen) Pr. u. Jess. 

448. Heliotropium peruvianum L. 

Fanüligraictt, Faniilischdökl Gast. 

Duftet nach Vanille No. 152. — Aus Südamerika; häufig cultiviert. 

XLVI. Convolvulaceae. Windengewächse. 

449. Convolvulus arvensis L. Aekerwinde. 

1. Drefuas; 2. Drehwucfzn Cast. ; 3. Stirzerln Priest.; 

4. weisse Bingelblätter (St. Nikola) Top. 

3 = Deckel von Töpfen. 4? — Muttergottesgläschen (Grimm), Wind- 
glöckchen Pr. u. Jess. 

450. Convolvulus sp., 451. Ipomaea sp. 

Windung E., Hof., K., Wied. litt. 

XLVII. Cuscuteae. Flachsseidengewächse. 

452. Cuscuta Epilinum Weihe. Flachsseide. 453. Cuscuta 
Epithymum L. var. Trifolii (Bab.). Kleeseide. 

1. Ausstand Wied. litt.; 2. Brand Hof; 3. Brenngras: 
4. Brennkraut Wied. litt; 5. Deuflszwirn EL; 6. Grind; l.Här- 
kraud; 8. Härnkraud K.; 9. HärnwincPn Wied. litt.; 10. Hoadn- 
wind'n (Wienerwald) Low; 11. Borwindkraut Hof.; 12. Klee- 
rauber Hof.; 13. Kleeseid?n; 14. Seid'n Br.; 15. Seid'nwind'n; 
16. Teufelszwirn Beck, Br.; 17. Teuflsdarm Hof.; 18. Teufls- 
dräht; 19. Wichtel (Melk) Boh. 

Die parasitische Pflanze tödtet weite Strecken auf Flachs- und Klee- 
feldern, daher 1—6, 12—13, 16, 18. 8—11 Mittel wider Stricturen und 
Harnbeschwerden, s. z. Spiranthes autumnalis No. 149 ; da Här, der Name des 
Flachses, und Harn im Dialekt so sehr anklingen, ist beispielsweise in 7, 
10, 11 nicht mit Sicherheit zu entscheiden, was speciell gemeint ist 
13 — 15, 16, 18 von den waissglänzenden, fädigen Stengeln. 19 klingt 



312 

wie der Name eines Koboldes. — Deiwelszwirn (Siebenbürgen), Flachs- 
seiden (Fuchs), Grind (Schweiz), Siden (Unterweser), Teufelszwirn (Hessen, 
Weimar, Ostpreussen) Pr. u. Jess. 

454. Cuscuta maior DC. 

1. Nessel-, 2. Nestelbruad Hof.; 3. Nestlbruad E.; 4. 's Zam- 

ziagdd E. ; 5. Zamziagad Nordra. 

1 — 3 = Nesselbrut. 4, 5 = das Zusammenziehende. 

XLVIII. Solanaceae. Nachtschattengewächse. 

455. Solanum Dulcamara L. Bittersüss. 

1. Bächglida K. ; 2. Bitasüass K.; 3. Je lenga, je Uaba; 

4. Mausholz Nie; 5. Mäuseholz (Wien) Pr. u. Jess; 6. MäusU 

kraud (Erdweis). 

Wie Lonicera Caprifolium No. 376 klimmender Strauch (3) mit langen 
Internodien (1). 4 — 6 weil intensiv duftend, zur Vertreibung der Mäuse benutzt. 
— Betterstiss (Siebenbürgen), Bittersüss (Bern, Eifel), Mäusholz (Tirol), 
Mausholz (Salzburg, Eichstadt) Pr. u. Jess. 

456. Solanum nigrum L. Tollkraut. 

1. Häs'nfräss (Gross-Russbach); 2. Hundsber; 3. Nacht- 

schädn K.; 4. Saukratä Hof.; 5. stinkadfs Gras; 6. Tintnberl. 

6 wegen des dunklen Beerensaftes. — Hundebeen (Ostfriesland), nacht- 
schatt, -scheude (mhd.) Pr. u. Jess. 

457. Solanum melongena L. 

Air-gwächs (Wien). 

Früchte von Grösse und Form eines Gänseeies. — Aus Südamerika. 

458. Solanum Lycopersicum L. Paradeisapfel. 

Bäradmsä-pfl Cast.; Paradais Tscli.; Paradeiser Wied. litt. 
Wegen der grossen, oft monströs gestalteten Beeren eulti viert. — Aus 
Südamerika. — Paradiesapfel Pr. u. Jess. 

459. Solanum tuberosum L. Erdapfel, Kartoffel. 

1. Erdbirn E., Becker, Hof., (Nikolsburg) Bau. ; 2. Erdepfl K.; 
3. Erdöpß; 4. Erdpumser; 5. Erschbohn (Nattersthal) E. ; 
6. Grundbia r n Cast.; 7. Ghiindbirn E., Hof., (Nikolsburg) Bau.; 
8. Pantottern (Nikolsburg) Bau.; 9. Pumsa. 

Sorten : 

10. Bräla — mit sehr grossen Knollen K.; 

11. Hairige — vom laufenden Jahre; 

12. Kipfl — mit kipfelförmigen Knollen K. ; 

13. Paclda — Knollen in Packeln (Packeten) zusammenstehend. 

14. Prallna Top. 



313 

15. Romaner (Ernstbrunn); 

16. Ros'nerdapfln; 

17. Schnira — Knollen durch Wurzeln gleich Schnüren 
verbunden K. 

18. WeltaussteUungserdäpfl (Ernstbrunn) — grosse Knollen. 
Erdäpfdwurm — Engerling Hof.; Erdöpfldaschad — junges 
Kartoffelkraut Cast. f9* jiroCLrinA, : }%&wt\s\syf > 

1, 6 — 7 Erdbirne, Grundbirne, wol autochthone Bezeichnungen, welche, 
die naive Auffassung der Knolle als »Frucht« vorausgesetzt, leicht gegeben 
waren. 3 ahd. erdapful, erdapfal, mhd. erdapfel, soll nach der von 
Buch zu Buch fortgepflanzten Angabe eine Übersetzung des französischen 
pomme de terre oder Anpassung des holländischen Ardappel an die deutsche 
Zunge sein, kurzum einen importirten Namen darstellen. Es findet sich 
ausserhalb Österreichs noch in Tirol, Salzburg und St. Gallen Pr. u. Jess. 
Es ist nicht abzusehen, warum diese gewiss auch naheliegende Bezeichnung 
nicht sollte selbständig auf deutschem Boden gebildet worden sein. That- 
sache ist, dass für die Melone schon Friese (1519) die Bezeichnung Erd- 
apfel anfuhrt, zu einer Zeit, wo kaum noch eine Kartoffel in einen euro- 
päischen Hafen gelangt war; Erdäpfel hat auch die Mondsee'sche Glosse 
für Kürbisse. Ferner erzählt Clus. in der a. 1601 zu Antwerpen erschienenen 
Rariorum plantarum historia p. LXXX Folgendes von unserem Gewächse: 
>Primam huius stirpis Cognitionen! acceptam fero N. V. Philippo de Sivry . . . 
Praefecto urbi Montium in Hannoniä Belgicae, qui ejus bina tubera cum 
fructu Viennam Austriae ad me mittebat sub initium anni MDXXCVIII.« 
. . . Clus, hat also als Erster in Österreich im Jahre 1588 die neue Knolle 
in Händen gehabt und, wie er weiters selbst bemerkt, mit Erfolg ange- 
pflanzt Aber schon fünf Jahre vorher führt er in der »Rariorum stirp. per 
Pannoniam . . . observatarum historia« (p. 234) >Erdtapfel« als niederöster- 
reichischen Volksnamen für Cyclamen europaeum an. Bemerkenswert scheint 
mir auch, dass Schm. vom »Hohenmarckt« in Wien preisend sagt: 

»Wieuil der wägen seind gewesn, 
Mit schmaltz, hirsch, arbaiss, gerstn, läsn, 
Zwespen, federbett, leinwat, har, 
Mocht ich vor dreng nit zelen gar. 
Mit kürbiss, plutzer, vnmurcken, 
Melaun, erdäpffl vil wägn da stehn.« 

Was Schmeltzl unter »erdäpffl« versteht, darüber kann man sich derzeit 
nur in Vermutungen ergehen. Vielleicht waren es kleine Speiserüben, die 
in ganzen »wägn« auf den Markt gebracht wurden : die Vers 945 vor- 
kommenden »rüben« wären dann Futter- und rote Rüben. Auf jeden Fall 
war das Wort Erdäpfel in Nieder-Österreich lange vor Einführung der 
Kartoffel bekannt und wurde füglich auf die einlangende Knolle übertragen, 
ohne einer fremden Zunge entlehnt zu sein. 4, 9 obscön, von der Revo- 
lution, die reichliches Kartoffelgericht in den Gedärmen hervorruft. 8 span. 
patata, engl, potatoes, welcher Bezeichnung nach Willkomm papas, der ur- 



314 

Bprünglich peruanische Name der Kartoffel, unterliegt. (Vgl. Kronfeld Z. B. G. 
1886). — Das Obige mag zugleich als Mitteilung über die Einführung der 
Kartoffel nach Nieder-Österreich dienen. Viel zu weitläufig wäre es, die 
verschiedenen Ansichten über Einführung und Verbreitung der Kartoffel in 
Europa überhaupt wiederzugeben. — Erdäpfel, Flötzbim, Orundbirn Salzb.; 
Flötzbirn Kämt.; Erdbirnen (Mark), Erdpumser (Baiern b. Eichstädt), 
Patätschen (Oldenburg), Pataters (Delmenhorst) Pr. u. Jess. 

460. Capsicuni annuum L. Paprika. 

Babricka Cast. 

461. Physalis Alkekengi L. Judenkirsche. 

Jud'nkersch'n E.; Judnkersch'n K. 

Johannes de Cuba, ein Autor des 16. Jahrhunderts, hat zuerst den 
Namen Judenkersze, zu einer Zeit, da man alles Unheimliche mit den 
Juden in Zusammenhang brachte. Perg. Stud. — Fruchtkelch aussen rot, 
giftig, schliesst die essbare scharlachrote Beere ein. — Judenkerschen 
Salzb.; Juddekirschen (Siebenbürgen), Judenkirsen (Bru n seh w., Bock, Cordus), 
Judenkraut (Bern) Pr. u. Jess. 

462. Lycium barbarum L. Bocksdorn. 

1. Alyzium; 2. Bedler am Weg (Bisamberg) Wttet.; 3. JucFn- 
felba (Laa a. d. Thaya); 4. Narr'nbödl (Wilmersdorf); 5. rota 
Nachtschädn Br.; 6. Teuflszwirn Hof., Br. 

Beeren : 

7. Jungfrauböberl (Wolkersdorf ). 

1 mittelalterlicher Name, wol nur bei Kräutlern üblich. 2 wegen des 
struppigen ärmlichen Aussehens. 3 = Judenweide, s. z. vorig. 4 = Narren- 
beeren. 7 = Jungfernbrüste, mit welchen die tropfenförmigen Beeren ver- 
glichen werden; noch im Mittelalter hiessen die Brüste (wegen ihrer Zwei- 
zahl) buoben (Grimm, Frauennamen aus blumen). 

463. Atropa Belladonna L. Tollkirsche. 

1. Deufhber; 2. Schwärzber K. ; 3. Deufhkerscün Wied. 

litt.; 4. Tollbir Br.; 5. Wolfsbeer E.; 6. Wolfsber K.; 7. Wolfs- 

ber Hof.; 8. Wolfsbir Br. 

Teufelsbeeren (Bern), Wolfsbeeren (Schlesien, Augsburg) Pr. u. Jess. 

464. Hyoscyamus niger L. Bilsenkraut. 

1. Becherf kraut ; 2. Becherlsamen (Ebreichsdorf ) Hof.; 3. BüUnr 

graud Gast.; 4. Biilsnkraud K.; 5. Molgerskraud; 6. Mid/cers- 

kraud (Inzersdorf a. d. March); 7. Tevfelsaug'n; 8. Todten- 

kräutl (Wr .-Neustadt) Hof.; 9. Trachterhtaud'n; 10. wülda 

Kaffee Priest. 

1, 2 die Samen liegen in einer Kapsel mit querabspringendem Deckel, 
und zwar (9) in reicher Menge (drachti« trächtig, geschwängert Cast. 112). 
3, 4 nach Perg. Stud. 57 leitet sich der Name von Bei oder Biel, dem 



315 

Sonnengott der Kelten, her. 5, 6 von dem Vorkommen an staubigen, öden 
Plätzen, s. z. Atriplex hortensis No. 234. 7, 8 giftig. 10 der braune Aufguss 
der Samen wider Zahnweh. — Teufelsaug Ooest. ; Teufelsaugen (Dodonaeus), 
Zahnkraut (Tirol) Pr. u. Jess. 

465. Datura Stramonium L. Stechapfel. 

1. Bockstauan; 2. Kleschnstaud 9 n. 

1 wegen des unangenehmen Duftes. 2 die trichterförmige Blüte zum 
»Kleschn« benützt, s. z. Gentiana acaulisNo. 387, Silene inflata, Colutea arbo- 
rescens u. a. — Angeblich mit den Zigeunern aus Indien nach Europa 
gelangt und von denselben zu verrufenen Künsten benutzt. 

466. Nicotiana Tabacum L. Tabak. 

1. Dawag % Cast.; 2. Taicak; 3. Totcak Hof.; 4. Dawagledl — 
Tabakspfeife Cast. 

1 — 3 nach dem ursprünglichen Rauchwerkzeug der Indianer (nicht nach 
der Insel Tabago) benannt. 

467. Mandragora officinalis L. 

1. Alraurd Hof; 2. Ärauvl Seidl; 3. Odraundl Cast.; 
4. Oaraun'l Tsch. 

Redensart : 

5. der mus a Oaraun'l im Sack haben — sagt man von 
Einem, der im Spiel auffallig gewinnt. 

1 — 4 ahd. alrüna, mhd. alrüne (rüna — Geheimnis) ist aus der Be- 
deutung eines weissagenden halbteuflischen Geistes in die der Wurzel über- 
gegangen (Grimm, Mythologie). 5 die Wurzel, im Mittelalter mit Gold 
aufgewogen, galt für glückbringend. — In der Mediterranflora einheimisch, 
ist die Mandragora seit alters sagenberühmt. Josephus Flavius erstattet ge- 
nauen Bericht über die Art und Weise, wie die von den Griechen als 
Zauberwurzel Circes betrachtete Mandragora zu graben sei. Nicht dürfe 
man sie selbst aus dem Boden ziehen, sondern ein schwarzer Hund müsse 
angetrieben werden, die mit dem oberen Teile an seinen Schweif festge- 
bundene Wurzel auszuraufen, worauf dann das Thier sofort todt hinstürze. 
Schon Laban soll sich seinen Hausgötzen aus dieser Wurzel (Dudaim der 
Bibel) geschnitzt haben. Weil sie mitunter an die Figur eines Männchens 
erinnert, fabelte man später von ihr, dass sie nur unter dem Hochgerichte 
wachse, und nannte sie im Deutschen: Alraun oder Galgenmännlein. Glück 
und Segen waren bei dem, der ein solches Galgenmännlein im Geheimen 
verwahrte. Er musste aber seiner treulich warten, es alle Neumonde in 
lauterem Weine baden und mit kostbaren Stoffen (Sammt, Seide ) bekleiden. 
Das Galgenmännlein vergalt Alles aufs reichlichste, namentlich vermehrte 
es ihm zugelegtes Geld. Kein Wunder, wenn ein solcher Alraun im Mittel- 
alter um verhältnismässig ungeheure Summen (50 bis 60 Thaler) verkauft 
wurde; kein Wunder, wenn man ihn betrügerisch aus der heimischen 
Zaunrübe (Bryonia No. 272) oder dem Sieglauch (No. 172) schnitzte. — Alraun 
(Megenberg, Hort. Sanit, Fuchs), Heckmännchen, Heinzelmännchen Pr. u. Jess. 



316 

XLIX. Scrophulariaceae. Braunwurzartige. 

468. Verbascum phlomoides L. 469. Verbascum thapsiforme 
Schrad. 470. Verbascum Thapsus L. Königskerze, Him- 
melbrand. 

1. Himlbrand Kempf; 2. Himlbrand K., Wied. litt.; 3. Hirn- 
mdbrand E., Beck ; 4. Himndbränd Cast.; 5. Kinigskerdn Kempf; 

6. KinigsJcerzn K. ; 7. wilda Tabak (Pötzleinsdorf). 

1 — 4 die imposante feurig-gelbe Blütenähre sieht gegen Himmel. — Ein 
alter Segen lautet: Unsere liebe Frau geht über Land — hat den Himmel- 
brand in der Hand; denn auch einen heilsamen Thee geben die Blumen. 
5 wie Nussblätter in Pfeifen gestopft. — Himmelbrand-Kerzen Salzb.; 
Himmelkerzen, Hillebrandt Kämt.; himelbrant, -prent (mhd.), wilder Tabak 
Pr. u. Jess. 

471. Scrophularia nodosa L. 

1. Faigni(nia T zl Cast.; 2. Fdlwurz (Wolkersdorf). 

1 Mittel wider üble Geschwüre, s. z. Ficus Carica No. 220. 2, wider das 
^Fell« der Augen (Pterygium). — Fe ig Warzenkraut Ooest.; gross Feigwarzen- 
kraut (Gesner, Fuchs) Pr. u. Jess. 

472. Gratiola officinalis L. Gnadenkraut. 

Gotesgnadn-Kraut Wied. litt. (Wien). 

Überaus geschätztes Purgir mittel, durch Gottes Gnade den Menschen 
gespendet. — Gottesgnad (mittnd.), Gottesgnade (Mark, Schles.), Gotteshülfe 
(Schi es.) Pr. u. Jess. 

473. Linaria Cymbalaria L. 

Judenbärt (Vöslau). 

So mit ähnlichen Ampelpflanzen genannt. — Die kleine, auf Mauerll und 
Felswänden gedeihende Pflanze hat die Eigentümlichkeit, die reifen Samen- 
kapseln durch Krümmungen des Fruchtstieles förmlich in die Mauer- oder 
Felsritzen hineinzuschieben; Kerner erkennt hierin eine geradezu instinctive 
Regung. — Judenbart Kämt 

474. Linaria alpina DC. 

LeUnmäuly Leb'ngesclierl Kempf; Lebngescherl, Lebninäul K. 

JLötoenmaul. 

Die zygomorphe, sich beim seitlichen Andrücken rächen förmig öffnende 
Blumenkrone führte auf diesen Namen; s. z. folgend. 

475. Linaria vulgaris Mill. 

1. Fressgosclierl : 2. Frosehgescherl ; 3. Krodnblumen Br.; 
4. Ataulafferln Top.; 5. Mäuläff; 6. Mäulmif; 7. Mäultascherl 
(Wienthal) Wttst. 

1 — 7 ausser 3 (vom gemeinen Vorkommen) sämmtlich von der zygo- 
morphen Blumenkrone genommene Namen. — Krottenflachs (Cordus, Gesner) 
Pr. u. Jess. 



317 

476. Linaria sp. Leinkraut. 477. Antirrhinum sp. Löwenmaul. 
Lebngischerl K.; Lebngöscherl Wied. litt.; Lebnmäul K.; 
LewengÖschal E. 

S. z. Linaria alpina No. 474. 

478. Antirrhinum Orontium L. 

AffenschäcU. 

Die reife Kapsel sieht umgekehrt betrachtet wie der Kopf eines Affen 
aus. — Affenschädel (Schles.) Pr. u. Jess. 

479. Antirrhinum maius L. 

1. Fressgoscherl Hof.; 2. Lebngöscherl (Hacking); 3. Lebn- 

maü; 4. Wolfsköpf (Kritzendorf). 

Nach der Form der Blumenkrone s. z. Linaria alpina No. 474, vulgaris 
No. 475. — Zierpflanze aus Süd-Europa, verwildert leicht. — Kalhsmaul, 
Löwenmäuler (Schles.) Pr. u. Jess. 

480. Digitalis sp. Fingerhut. 

1. Fingahuat K., Kempf; 2. Fingahuid (V. U. M. B.) Frf.; 

3. Fingerglöckerln Kempf. 

Fingerhood (Münsterland), Fingerhütlein (Elsass), Fingerhut (Fuchs) 
Pr. u. Jess. 

481. Veronica Beccabunga L. Bachbunge. 

1. Bäpoissn (Vöslau) Roghf.; 2. Ziaderer (Kodetschlag) Top. 
1, 2? 

482. Veronica Chamaedrys L. 

Wetterbleawün (Kodetschlag) Top. 

Für Veränderungen des Wetters sehr empfindlich. 

483. Veronica officinalis L. Ehrenpreis. 

Ehrnbreis K., Wied. litt; Ehrenpreis E. 

Gerühmt ob seiner Heilkraft. — Ehrenpreis (Brunschw., Bock, Fuchs, 
Göttingen), Ehren werdt (Carrichter). Pr. u. Jess. 

484. Veronica latifolia L. 

Nebenauskraut E. 

Eines der Kräuter, die Wetter zu scheuchen vermögen, den Sturm ab- 
wenden, dass er eben ausziehe; s. z. V. alpina No. 487, Hepatica triloba. 

485. Veronica bellidioides L. 

Beschreikräutl (Hochalpe) Roghf. 

Gegen das »Beschreien« oder Verhexen des Viehes; s. z. Erythraea 
ramosissima No. 393, Campanula rotundifolia No. 274. 

486. Veronica saxatilis Scop. 

Blauer Almveigel (Hochalpe) Roghf. 

487. Veronica alpina L. 

Ebenatiskräutl (Hochalpe) Roghf. 



318 

Bei Gewittern auf das offene Herdfeuer geworfen, s. z. Veronica latifolia 
No. 484, Hepatica triloba. 

488. Veronica sp. Ehrenpreis. 

1. Fähehi Vergissmainnid : 2. Männertreu Br.; 3. Vagis- 

mainid Kempf; 4. Vagüsmainnid K. 

Die Blüten, so namentlich von Veronica Chamaedrys, erinnern an Ver- 
gissmeinnicht, welken aber leicht und fallen ab; daher 1, 2. — Männertreu 
(Hallstadt) 8t.; Männertreu (Oldenburg) Pr. u. Jess. 

489. Calceolaria sp. Pantoffelblume. 

Oeldtascherl (Brück a. d. L.) 

L. Rhinanthaceae. Klappertopfartige. 

490. Euphrasia officinalis L. 

1. Augndrost K.; 2. Huschal E., Nordm. 

1 dem Auge wolthuende, heilsame Wiesenblume. 2 verbirgt sich unter 
den Kräutern, wie Kinderchen, wenn sie huscheln, das heisst unter die Decke 
schlüpfen. — Augentrost (Berner Oberland, Hort Sanit., Brunschw., Bock), 
Ogentrost (Mecklenb.) Pr. u. Jess. 

491. Euphrasia Salisburgensis Funk. 

Milchdiabai E. 

Als Parasit entzieht Euphrasia durch Saugwarzen an den Wurzeln den 
umstehenden Kräutern die Nahrungssäfte und tödtet selbst die Wirtpflanzen; 
indirect wird so Euphrasia zum Milchdiebe. — Euphrasia officinalis: 
Milchdieb Salzb. ; Wiesenwolf Kämt.; Milchschelm (Kämt.) Pr. u. Jess. 

492. Euphrasia sp. Augentrost. 

Milehtäuberl Beck litt. 

Corrumpiert aus Milchdiabai, s. z. vorig. 

493. Pedicularis silvatica L. 

Stiefeln (St. Nikola) Top. 

Von der Blütenform? 

494. Pedicularis palustris L. 

1. Läuskraut Wied.; 2. Sumpfrodl (Moosbrunn). 

1 das Vieh soll durch die Sumpfweide »lausig«, d. h. krank werden. 
2 Grundwort onomatopoetisch, von dem Geräusche, welches die in der 
Kapsel geschüttelten Samen machen. — lauskraut Tir.; Läusekraut (Bern), 
Rodel (Bock), Sumpfrodel (Augsburg) Pr. u. Jess. 

495. Rhinanthus minor Ehrh. 496. Rhinanthus maior Ehrh. 
497. Rhinanthus serotinus Schönh. Klappertopf. 

1. Kläffer Nie; 2. Klqft E.; 3. Klaft EL, (Waldviertel) Wied. 
litt.; 4. Kläpertopf (Waldviertel) K.; 5. Bodl, 6. Rodlkraut 
Low; 7. Wiexenklaft Top.; 8. Wiesenrodl (Wienerwald) Low; 
9. WimsehäFn Br. 



319 

Die Kapsel klafft auf (1 — 3,7) und die in derselben geschüttelten Samen 
machen ein Geräusch (4— 6, 8); 9 Wiesenschelle. — Klaff Salzb.; Klaft (Hall- 
stadt) St; Klapf Tir.; Dorfradel (Schles.), gäl Rodel (Mecklenb.), Chlaffer 
(Ober-Engadiu), Glitsch, Glitscher (Tübingen), Klaffer (Schles., Ungarn), 
Klaft (österr.), Klapper (Siebenbürgen, Eifel, Preussen) Pr. u. Jess. 

498. Melampyrum arvense L. 

Blabling, Plabling Wied. litt. 

Bläuling, s. z. Ajuga sp. No. 433 — die Blauen (Österr.) Pr. u. Jess. 

499. Melampyrum nemorosum L. 

1. Schaf dam Wied.; 2. Kuahwämpn Wied. litt. 
1 Schafdorn? Die Pflanze mit den spiessigen Hochblättern giebt vielleicht 
ein gutes Schaffutter. 2 Kuhbauch, als nährsames Futter. 

500. Orobanche sp. Sommerwurz. 

Schmalzwurrfn Beck litt. 

Schmerkraut, -würz (Schles., Soranus 1587). Pr. u. Jess. 

LI. Plantagineae. Wegerichartige. 

501. Plantago maior L. 

Voglwürstl (Brück a. d. L., Wien). 

Die Fruchtstände ein Futter für Stubenvögel. — Vogelbräun (Salzb.), 
Vogelgarbe (Bern) Pr. u. Jess. 

502. Plantago media L. 

1. Brada Wegrad K., Wied. litt.; 2. broada Wögrad E.; 
3. Heudieb Wied. litt. 

1, 2 8. z. Plantago sp. No. 504. 3 erdrückt das Gras mit seinen dem Boden 
angeschmiegten Blattrosetten. — breiter Wegerich (Brunfels, Bock, Fuchs), 
Grasfresser (Augsburg), Heudieb (Appenzell, St. Gallen) Pr. u. Jess. 

503. Plantago lanceolata L. 

1. Oeschpizda Wegrech (Hacking); 2. (fspizddd Wögrad E.; 
3. gschbidzda Wögarad Cast.; 4. gschbidzda Wöger id (Nikols- 
burg) Bau.; 5. gspizada Wegrad Wied. litt.; 6. gspizta Weg- 
rad K.; 7. Sjritzwegara Hof. 

1 — 7 s. z. folgend. . — Beliebtes Volksmittel wider Lungenkrankheiten; 
der Saft der Blätter wird mit Honig und Zucker versetzt. Spitzwegerich 
(Brunschw., Brunfels, Bock) Pr. u. Jess. 

504. Plantago sp. Wegerich. 

Wegrod Hof.; Wögarad Cast. 

Wegerich, ahd. wegarich, mhd. wegerich , soviel als Beherrscher des 
Weges, von rihhan, richan, viel vermögen, herrschen Hof. 13. — Wegara 
(Hallstadt) St. 



320 

LH. Primulaceae. Primelartige. 

505. Androsace maxima L. 

Kolerakraut (Brunn a. G.) 

Wol zur Zeit einer Cholera-Epidemie angepriesen. Cholerakräuter sind 
bei Pr. u. Jess. : Veronica officinalis und Xanthium strumarium. 

506. Primula acaulis Jacqu. 507. Primula elatior Ehrh. 
508. Primula officinalis Scop. 509. Primulapannonica A. Kern. 

Schlüsselblume. 

I. Butänal E.; 2. Himlschliss'l Kempf.; 3. Himhchlissl IL, 
Wied. litt.; 4. Himmelschlüsseln Seidl; 5. Himmelscfdüsserl Hof.; 

6. Himmelschlüssl Beck litt.; 7 Himmlschlissl Cast, Br.; 8. Rockdl 
(Nattersthal) E.; 9. Schlissbleamd Cast; 10. Sutzelbleamerl Ho£ 

510. Primula elatior var. hortensis. Gartenprimel. 

II. Zinkerl Priest; 12. Brennadi LiachtFn (Gr.-Russbach). 

1 klingt an die Namen der Pfingstrose (Paeonia No. 423) an; wol 
wegen der gleichen Blütezeit. 2 — 7, 9 die dem geraden Stiele aufgesetzte, 
einseitswendige Blutendolde ist füglich mit einem goldenen Schlüssel su 
vergleichen. 8 s. z. Bellis perennis No. 196. 9 Kinder saugen Honig aus den 
Blumen. — Der Himmelschlüssel (mhd. himmelschlüzzel) ist der Schlüssel 
der Freya. Später trat an die Stelle der Freya die heilige Jungfrau und 
die Mythen wurden auf heilige Personen übertragen. So steigen Engel auf 
dem Regenbogen nieder, wo er die Erde berührt, und lassen ein goldenes 
Schlüsslein fallen, das der Schlüsselblume den Namen gab. — platenigen, 
platönigle Tir.; Bartengele, Batengeli (Schwyz, St. Gallen), himmelschlossel 
(mhd.), Himmelschlüssel (Thüringen, Schwaben, Bock, Brunfels), St. Peters 
Schlüssel (Schles., Tirol b. Brixen), Schlüsselblümli (Bern), Schlüssel blumlin 
(Schles.), Zuckerbatengen (Schles.). Pr. u. Jess. 

511. Primula Auricula L. Aurikel. 

1. Dolanotsch Hof.; 2. Gämsbleaml. (Ötscher) K., Kempf; 
3. Gämsbleaml E.; 4. Oamsbluma Beck litt.; 5. gälba Zälidsch 
(Rax, Schneeberg) K.; 6. gelber Petergstarnm (Gösseck) Roghf.; 

7. Petergstarnm (Reichenau) Beck; 8. Peter Stampf (Gutenstein) 

Wttst; 9. Raiatchkraiit (Schneeberg) Wttst; 10. Solanatsch 

(Pernitz) Beck; 11. Solanotsch Hof.; 12. Toffatbandl Hof.; 

13. wofsmechende Schlüsselblume (Mödling) Clus.; 14. Zottitsch 

Beck; 15. Zulidsch Kell. 

1, 5, 10, 11, 14, 15? 2—4 s. z. Aronicum No. 331, 382. 6—8 klingt 
wie der Name eines Berggeistes. 9 s. z. Rhododendron No. 527. 12 die Blätter 
glänzen fettig, s. z. Tussilago Farfara No. 295. — Gämsbleaml Salzb. ; Peter- 
gstarnm (Hallstadt) St. ; Gämsbleaml (Tirol), wohlschmeckende Schlüsselblume 
(Österr., Tabern.), Schlüsselblümli (Zürich) Pr. u. Jess. 



321 

512. Primula farinosa L. 

1. Kreutzblumen Clus.; 2. roter Feigel Beck. 

1 wurde nach Clus. auf den Wiener Markt gebracht und wegen des 
Blühens zur Zeit der Kreuz- oder Bittwochen also genannt — Kreuz- 
blümeln Kämt.; Kreutzblümli (Zillerthal, Augsburg) Pr. u. Jess. 

513. Primula minima L. 

1. Jochspeik Roghf.; 2. Kraftkraut, 3. Schwindelkraut Clus. 

1 s. z. Valeriana celtica No. 361. 2, 3 giebt Kräfte, dient wider Schwindel, 
s. z. Aronicum No. 331, 332. — Sauspeik (Karat), Speik, blauer Speik 
(Pinzgau, Zillerthal) Pr. u. Jess. 

514. Primula spectabilis Tratt. 

1. Elana Petergstamm (Gösseck, Schneeberg) Roghf.; 2. räda 
Zalidsch (Rax, Schneeberg) K.; 3. Steinröserl Becker, Nordm. 
4. Stoanresdl E. 

1, 2 8. z. Primula Auricula No. 511. 3, 4 s. z. Daphne Cneorum No. 260. 

515. Primula Clusiana Tsch. 

1. Stainroslin Clus.; 2. Steinrösl Beck litt.; 3. Stoanreserl 
(Hohenberg) E. 

2, 3, s. z. vorig. 

516. Soldanella sp. Alpenglöckchen. 

Ähnglöckerl Roghf. 

Alpenglöckli (Berner Oberland) Pr. u. Jess. 

517. Cyclamen europaeum L. Erdscheibe, Schweinsbrod. 

1. Alpenveilchen (Wien); 2. Aßkraut E.; 3. Erdkugeln Barb. ; 
4. Erdtapfel Clus.; 5. Fünfler; 6. Oichtapfel; 7. KePnwurz'n E.; 
8. Kraizwehkugeln (Kritzendorf); 9. Kreuzwehkraut (Gr.-Russ- 
bach); 10. Lausbleaml; 11. Lauswursfn (Weidlingau); 12. Leba- 
kraud Barb.; 13. Saubrod Cast., K., Hof.; 14. Saiobrot Clus.; 
15. Schweinsbrod K.; 16. Wälderdepfl K., Wied. litt; 17. Weinl- 

kraut (Rosenberg) Top. 

2 Heilmittel wider den Rotlauf, s. z. Rumex crispus No. 238, Cbelidonium 
maius, Tussilago farfaraNo. 295, Ajuga reptans No. 432. 3, 4, 16 s. z. Solanum 
tuberosum No. 495. 5 die fast centriscben Blätter gleichen Münzen, den süd- 
deutschen »Fünfern«. 6, 8 gegen Gicht und Ischias trägt der gemeine Mann 
Cyclamen- Knollen bei sich. 7 wider eine Halskrankheit der Pferde (»Kein«). 
10, 11 Antiparasiticum ? 12 wol ehedem Lebermittel. 13 — 15 von Schweinen 
wird der »scharfe« Knollen ohne Schaden genommen. Halm sagt treffend: 

Duftreiches Cyclamen! 

Lieber als Saubrod nenn ich dich doch 

Mit dem griechisch-lateinischen Namen! 
17? — Noch bei den Kräutlern zu finden. Clus. erzählt, dass die 
Knollen in grosser Menge auf den Wiener Markt gebracht wurden. — 
Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich. 1889. 21 



322 

wilde Erdäpfel Hof.; Saubrot Kämt.; Erdapfel (Hort. San. 1492, Friese 
1519, Bock, Fuchs), Schweinskraut (mhd., Tabern.) Pr. u.. Jess. 

518. Lysimachia Nummularia L. Pfennigkraut 

1. Fuchsenkraut (St. Nikola) Top.; 2. Seelzang Wied. 
1 wegen der rötlich-gelben Blüte. 2? 

519. Anagallis arvensis L. 

1. Fävli Gredl, Liserl; 2. Gachel; 3. Heanadarm (Wien) 
K., Cast.; 4. Höanadarm Cast.; 5. Nainibleamal (Waldviertel) 
K.; 6. N äscherin Top. 

BlUht spät morgens um 9 Uhr auf (5); darum 1 in witziger Personification. 
2 Gauchheil, Palliativ wider den »Gauch«, d. i. den trüben melancholischen 
Kopf, übrigens an Gachel = Baumwanze angelehnt Gr. IV. 1534; s. s. 
Achillea collina No. 324. 3, 4 Hühnerdarm erklärt Gr. IV. 1878 als Leckerbissen 
für Vögel; vielleicht wird aber das Convolut der schlaffen, dem Boden an- 
liegenden Stengel direct mit dem ausgeweideten Darme eines Huhns ver- 
glichen. 6 Kosenamen unbekannter Bedeutung. — Goldener Hühnerdann 
Salzb.; Goldhühnerdarm Kämt.; Neunerle, Neunerblümle (Augsburg), Nüni- 
blümli, Nünikraut (Schweiz) Pr. u. Jess. 

LIM. Plumbagineae. Bleiwurzartige. 

520. Armeria alpina Willd. 

1. Schwundkraut K., Kempf; 2. Zigetmerwurz (Müräzuschlag) 
Har. litt. 

1 Heilmittel der Älpler wider Phtisis. 2 wegen der dunklen Blüte? 

521. Armeria vulgaris Willd., var. elongata (Hoffin.) 

Meergras K. 

Auf sandigen Standorten. — Meergrasblumen (Ostpreussen), gross Meer- 
grass (Tabern.) Pr. u. Jess. 

LIV. Ericaceae. Haideartige. 

522. Calluna vulgaris Salisb. Haidekraut. 

1. Hardech Hof.; 2. Heube*enkraut, (Bromberg); 3. Hoada 
(Leithageb.); 4. Hoaddra E.; 5. Hoadari Wied. litt; 6. Hoadl 
(Leithageb.) ; 7. Hoadri (Wiener -Wald) Low; 8. H'öadarm; 
9. Höankraud E.; 10. Schneekräud (Gr.-Russbach) ; 11. Segn- 
bdm Top.; 12. Sende! (Nasswald). 

1, 3 — 6, 7 Heiderich, ein nach der Analogie von Wegerich (Plantago sp. 
No. 504) treffend gebildetes Wort, gleichsam der Herr, der König der Heide; in 
8, 9 an Hühnerdarm (s. z. Anagallis arvensis No. 519, Stellaria media) angelehnt 
6 Diminutivum des Simplex Heide, ahd. heidja, heida, mhd. heide = Heide 
und Heidekraut. 11 misbräuchlich verwendet; s. z. Juniperus Sabina No. 7L 
10 wächst Heiderich in Menge, so deutet er vielen Schnee für den n&chsten 



323 

Winter an. 12? — Der Haiderer Höf.; Senden Salzb. ; Sendach, Spat- 
hadracb, Bodenhadrach Kämt.; Gallsendl (Hallstadt) St.; Besenheide (Bern), 
heida (ahd.), Senden (Tirol), Senfen (Allgäu) Pr. u. Jess. 

523. Erica carnea L. 

1. Seniavar (Gössling) Roghf.; 2. Senara (Erlafthal) K.; 
3. Senndrä (Frankenfels) E.; 4. Zermad Hof.; 5. Zermat E.; 
6. Zermet Beck; 7. Zermud (Frankenfels) E.; 8. Zinnek Clus. 

1 deutet Roghf. für »seh hervor«! Also ein imperativischer Kräutername, 
der einen Zuruf, eine förmliche Aufmunterung für die aus dem Schnee 
emporkommende Pflanze ertheilt 2, 3 an Senne, Sennin angelehnt. 
4 — 8 fast gleichlautend mit Bezeichnungen für Pinus Magnus No. 64, eine 
Verwirrung, die in dem gleichen Standorte heider Pflanzen ihren Grund 
hat. — Sendl (Hallstadt) St.; Sendach (Kämt.), Senden (Tirol) Pr. u. Jess. 

524. Azalea procumbens L. 

Klein'8 BauschkräuÜ (Hochalpe) Roghf. 

S. z. Rhododendron hirsutum No. 526. 

525. Rhododendron Chamaecistus L. 

KoJdröserl (Lackenhof am Ötscher) Wttst. 

Wie Nigritella No. 147 wegen der schwarzpurpurnen Antheren. 

526. Rhododendron hirsutum L. 

1. Almenrausch Kempf; 2. Almrausch Wttst.; 3. Almreserl 
Kempf; 4. Almreserl K.; 5. Bausch E., Clus.; 6. Bauschkraut 
K., Kempf, Becker, Nordm., Wttst, Beck litt; 7. Bäuschen 
(Rohr a. G.) Wttst. 

1,2,5 — 7 das Kraut findet gegen eine Krankheit der Rinder, welche den 
Namen > Rausch« fuhrt, Verwendung; s. z. Primula Auricula No. 511. — Almen- 
rausch und Edelweiss die Symbole der Alpenflora. — Alprauscb Salzb. ; Rausch 
Kämt.; rausch, albrausch Tir. 

527. Rhododendron ferrugineum L. 

Alprosen, Bergrosen Clus. 

Die auf Rhododendron ferrugineum vorkommenden rothen Gallen (her- 
vorgerufen durch ein Exobasidium) heissen: Almsäuling (Hochkohr) Roghf., 
Adamsapfel (Hohenberg) Wttst. 

528. Rhododendron sp. Alprose. 

1. Almrausch Roghf. ; 2. Bauschkräutl (Gösseck) Roghf.; 

3. Schinterplätschen Ungcr. 

1, 2 s. z. Rhododendron hirsutum No.526. 3 damit zusammenhängend — Alm- 
rausch Kämt.; Schinterblätter Salzb.; Albenrausch (Baiern), Alpenrösle 
(Allgäu), Alprausch (Berchtesgaden), Alprosen (Österr., Schweiz), Bergrosen 
(Uri), SchinderblUh (Werfen) Pr. u. Jess. 

529. Sedum palustre L. Sumpfporst. 

Wvlda Bosmarin (Erdmais.) 

Die lineallanzettlichen Blätter sind denen des Rosmarin ähnlich. 

21* 



324 

530. Arctostaphylos Uva ursi Spr. Bärentraube. 

Bauschgrante. 

Grundwort? Bestimmungswort s. z. Rhododendron hirsutum. No. 526. 

LV. Vaccinieae. Heidelbeerartige. 

531. Vaccinium Vitis idaea L. Preiselbeere. 

1. Fliag'nböa* Cast.; 2. Gbancfn (Mürzzuschlag) Har. litt; 

3. Grankerlböa' Cast.; 4. Granu n (Mürzzuschlag) Har. litt; 

5. Immergrüdn Top.; 6. Krdnkerlbee(r)n Top.; 7. Krankenbeer- 

strauch Märt.; 8. Kranherlber Hof.; 9. Preisbeer Kempf; 

10. Preiselbeer E.; 11. Preislber (Waldviertel, Alpen) K.; 

12. Wintdgriiän Top. 

1? 2 — 4, 6 — 8 wol nach Märt, als Krankenbeere, die für Kranke be- 
stimmte Beere, richtig gedeutet; vielleicht aber erst nachträglich an ein un- 
verständlich gewordenes Bestimmungswort angelehnt. 9, 10 in Preiselbeere 
erkennen Pr. u. Jess. das russische brusniza; es wäre also ein bis zur Un- 
kenntlichkeit verstümmelter Name, der besser ausgemerzt und beispielsweise 
durch Rothbeer (Osten*. ) Pr. u. Jess. 1 ) ersetzt werden könnte. — Granken 
Salzb.; Grangelbeer (Tirol). Granken (Tirol, Kämt., Steierm.), Praussbeere, 
Praussel (Schles.) Pr. u. Jess. 

532. Vaccinium Myrtillus L. Gemeine Heidel-, Schwarzbeere. 

1. Angiber; 2. Blavber (Znaim); 3. Erdbeer Top.; 4. Haböcf 
Cast; 5. Haidlböar Cast.; 6. Harbir Wied. litt.; 7. Hawerln 
(Ybs) Hof.; 8. Heubeer Märt; 9. Heubirn (Lilienfeld bis 
Schwarzau) Wttst; 10. Hoanberl (Krems) KL; 11. Hoarbeer; 
12. Hoarbeerstauna (Wienerwald) Low ; 13. Horbir; 14. Krankerl- 
bern (Weitra) Hof.; 15. Schwarzbeer Kempf, Top.; 16. Schwarz- 
ber Beck; 17. Schwarzerdbeer E.; 18. Schwär zber K. 

1 Angelbeere, als Köder gebraucht? Wenn nicht aus Äugelbeere, die 
aus dem Gebüsch hervorlugende B., corrumpiert. 4 — 13 Heidelbeere, mit 
verschiedener Anlehnung, s. z. Polygonum Fagopyrum No. 243. 14 s. z. vorig. 
15 — 18 Schwarzbeere im Unterschiede zur Rotbeere, Vaccinium Vitis idaea. 
— Aeugelbeer Ooest; Aiglbeer, Eiglbeer, Schwarzbeer Salzb.; schwarzbdr 
Tir. ; Augelbeere (Schwaben), Blaubearen (Schles., Mark, Ostpreussen), Heu- 
beere (Luzern), heudelbeeren (mhd.), Heuperi (Uri), Schwarzbeerstrauch 
(Tirol, Kämt., Hessen, Henneberg) Pr. u. Jess. 

533. Vaccinium uliginosum L. 

1. Jagerber Clus.; 2*KranckeFn (Hochalpe) Roghf.; 3. Schwind'l- 
beer 

2 s. z. Vaccinium Vitis idaea No. 531. 



') Vgl. böhm. czerwene gehody, poln. bor6wka czerwona = schwarze Beeren. 



325 

534. Oxycoccos palustris Pers. Moosbeere. 

1. Moosbeer (Gmünd) Top.; 2. Moosböc? Cast. 

Der fädige Stepgel kriecht im Moose. — Moosgranken Salzb. ; Mies- 
beere (Gesner); Moostbeerstaude (Schles., Pommern, Thüringen, österr., 
Bern, Aargau), Mosbeerstrauch (österr.) Pr. u. Jess. 

LVI. Pirolaceae. Birnkrautartige. 

535. Pirola uniflora L. 

Oertrudenbleaml E. 

536. Pirola umbellata L. 

Wintergruen Clus. 

Pirola sp.: Wintergrün (Hort. San., Brunfels, Bock, Cordus, Fuchs), 
Winterpflanze (Schles.) Pr. u. Jess. 

537. Monotropa Hypopitys L. Fichtenspargel. 

HimmeUhacjn Loritza. 

Himmelshaken; die Blütentriebe der saprophyten Pflanze sind in der 
Jugend hakenförmig gekrümmt 

c) Bialypetalae : mit getrenntblättriger Blumenkrone. 

LVII. Corneae. Hartriegelartige. 

538. Cornus mas L. Cornelkirsche. 

1. Deandln Cast; 2. Dea r ndl Tsch.; 3. Dearndl K. 
4. Dearndl Beck, Kempf.; 5. Diandl E.; 6. Diehndl (Buchberg) 
Schult.; 7. Diendel Nie; 8. Dirndeln (Wien) Pok.; 9. Dirndl, 
10. Dirndlbam Wied. litt; 11. Dirndl K., Hof., Kempf; 
12. Dirndl und Buam (Nikolsburg) Bau.; 13. Dirndln Seidl; 
14. Dirndl8tauan; 15. Dirndlstäudn Seidl; 16. Dörnlsträueh 
Märt; 17. Drinkal'n Wied. litt; 18. Härtrigl Cast, K.; 
19. Trinkerl Hof. 

Die österreichischen Namen der Beere und des ihn erzeugenden Strauches 
haben mehrfache Deutung gefunden. Höf. I. 157 führt Dirntel, Thierlein, 
Derlen auf dürr, trocken (franz. tarir = austrocknen, versiegen) zurück. 
Popo witsch, ebenso Pr. u. Jess. erkennnen in demselben das alte tir = Speer, 
der Strauch sollte Speerschäfte liefern. Antiquare, wie Chevalier, suchen in 
Dierlein eine Erinnerung an den nordischen Speergott Ziu, Tyr (s. z. Daphne 
Mezereum No. 259) Hof. 64. Aber die meiste Wahrscheinlichkeit hat die Zu- 
sammenstellung mit dem russ. der, poln. deren für sich. Der so traulich an 
»Dirne«, Mädchen aus dem Volke (s. namentlich 12) angelehnte Name wäre 
demnach sla vischen Ursprunges. 18 s. z. folgend. — Diendlbeer 8alzb.; Diandl- 
beer Kämt. ; Dirlitzen (Halle, Eichstädt), Dirndlbeer (Karat., Schwaben), wilde 
Dirntel (österr.), Dürlizen (Ulm, Augsburg), hartbaum (Hildegard), Tirlen 
(Gleditsch) Pr. u. .Jess. 



326 

539. Cornus sanguinea L. Hartriegel. 

1. Härtrigl K, Wied. litt; 2. HundsUä* Cast; 3. räder 
Härtrigl K.; 4. schwarza Holla Wttst 

1, 3 ahd. hartrugil, mhd. harttrttgel aus hart und trugil, Tröglein, weil 
man das Holz zu Röhren, Rinnen brauchte Hof. 35; Pr. u. Jess. deuten dem 
Wortsinne nach: Hart — Riegel; der Strauch liefert steife, gerade Holz- 
stiicke zum Einschieben vor die Türen. 3 zum Unterschiede von H&rtrigl 
allein, der Bezeichnung für Cornus mas. 4 s. z. Sambucus nigra No. 370. — 
Boanzweig Salzb. ; Hartriegel (Mark, Württemb., Brunschw., Bock), hartrigel, 
hartrtigeln, hartrugel (mhd.), hartrugil (ahd.) Pr. u. Jess. 

LVIII. Araliaceae. Aralianartige. 

540. Hedera Helix L. Epheu. 

1. Epheu Wied. litt; 2. Wintagrean Cast; 3. WintagreaH & 

1 ahd. ebah, mhd. ephoü, nhd. Epheu, worin man eine Zusammensetzung 
mit Heu erblickt Hof. 57. — Everlaub Kämt.; ebäm Tir.; Wintergrön 
(Mecklenburg), Wintergrün (Eifel) Pr. u. Jess. 

LIX. Umbelliferae. Doldenblütler. 

Wie bei den Compositen, bringt es auch in dieser Familie die verhältnis- 
mässige Einförmigkeit der Charaktere mit sich, dass Gattungen wie: Hacqnetia 
Neck., Trinia Hoffm., Sium L., Berula Koch, Helosciadium Koch, Oenanthe L., 
Seseli L., Libanotis Crtz., Cnidium Cuss., Conioselinum Fisch., Pachypleurum 
Mey., Silaus Bess., Selinum L., Archangelica Hoffm., Ferula L., Tordylium L., 
Scandix L., Pleurospermum Hoffm., Orlaya Hoffm., Caucalis L., Turgenia Hoffm., 
Torilis Adans., Bifora Hoffm. — vom Volke nicht unterschieden, beziehungsweise 
nicht mit eigenen Namen belegt werden. Bemerkenswert ist die grosse Zahl 
von Namen, die das Deutsche unmittelbar mit römischer Gartenkunst aus dem 
Lateinischen, beziehungsweise Griechischen übernommen hat. 

541. Eryngium campestre L. Mannstreu. 

1. Doandistl, 2. Donadistl K.; 3. Frau'ndistl, 4. grini Disil 

Br.; 5. weisse Distal ( Weidlingau) ; 6. Winddistel Lze. 

1, 2 s. z. Carduus acanthoides No. 342, wo. nicht Thonar, beziehungs- 
weise sein Donner dem Namen unterliegt. 3 von Frauen ins Bett des 
Mannes gelegt, um denselben wach zu erhalten; daher Schriftdeutsch 
Manns-treu. — Donnerdistel (Wittenberg), Männertreu (E. Meyer), Manns- 
treu (Brunf., Bock, Gesner), MannstU (Brunsch.) Pr. u. Jess. 

542. Sanicula europaea L. Sanikel. 

Weissa Danikl Cast 

Corrumpiert aus sanicula von sano = ich heile ; die Heilpflanze xot'e^o^v, 
s. z. Saxifraga rotundifolia No. 573. — Sanigl Ooest. ; Scharniki Kämt.; Schwarz- 
Sanikl (Hallstadt) St.; Sanickel (Pholsprundt, Brunschw., Brunf., Bock), 
sauikel (mhd.) Pr. u. Jess. 



327 

543« Astrantia maior L. 

1. Grossschädl Kempf; 2. Fünffingerkraut (Dürrenstein) E. 

1 wol wegen der grossen Blume. 2 wegen der Blattform. 

544. Apium graveolens L. Sellerie. 

1. Hemadsprei . . ., 2. spr ; 3. Zäla Wied.; 4. ZäUa 

E., K.; 5. ZäUer Hof.; 6. ZeUa Tsch.; 7. ZeUer Nie, KB. 

1, 2 obseön, soll bei Männern als Aphrodisiacum wirken. 3 — 7 (franz. 
celeri, ital. sceleri) nach KB. von griech. ccXtvov, lat. selinum. — Als 
apium in Karls Capitulare, von apium stammt das so urdeutsch klingende 
> Eppiche. — ZäUer (Siebenb.), Zellere (Augsburg), Appenzell, Graubündten), 
Zellerie (Unterweser), Zellerich (Memmingen) Pr. u. Jess. 

545. Petroselinum sativum Hoffm. Petersilie. 

1. BedersiU; 2. Pedersül K., Hof., Wied. litt.; 2. petersü 
Schm. 

1 — 3 ahd. pedarsilli, mhd. petersilie, petersil ; vom griech. rcstpo — oeXivov, 
lat. petroselinum = Stein eppich, mit Anlehnung an »Peterc. — Petre- 
silinum in Karls Capitulare — petersil (Megenb.) Pr. u. Jess. 

546. Pimpinella magna L. 

1. BiberndL E.; 2. BüierneU (Wien). 

1, 2 von lat. bipinella, das Blatt ist doppeltgefiedert. — Als Heilmittel 
hochgepriesen und mit Kränawett (s. z. Juniperus communis No. 69) in einem 
Sprüchlein gerühmt. — bibernell Tir., Biberneil (Augsburg, Graubündten, 
Bock) Pr. u. Jess. 

547. Pimpinella Anisum L. Anis. 

o 

1. Aneis Sonnl.; 2. Anais Tsch., K., Wied. litt; 3. Ohneisa 
Nie; 4. Oneis Hof. 

Redensart: 

5. Mussi Aneis mit der Kimbaröcken Sonnl.; 6. Mussi Anais 
mid da Kimbaröck'n Cast — Monsieur Anis mit der Kümmel- 
perrticke (zur Verspottung eines aufgedonnerten Menschen). 

1 — 4 vom griech. avtoov, lat. anisum. — Küchengewürz aus dem Orient. 
In Karls Capitulare als anesum empfohlen. — aneis (Megenb.) Pr. u. Jess. 

548. Carum Carvi L. Kümmel. 

1. Kim Cast., E., Hof.; 2. Kim'l K.; 3. Kimm Wied. litt. 

1 — 3 Wort und Sache kam mit dem römischen Gartenbau zu uns. Lat. 
cuminum von griech xojuvov; dieser Name mit dem Gewürz selbst aus dem 
Orient (hebr. kammön, arab. kamraün) Gr. V. 2590. — kümm, kümmich 
Tir.; Kümm Höf., Schm.; Kimm (Siebenb., Eifel), Köm (Holstein, Mecklenb.), 
Kömm'l (Altmark) Pr. u. Jess. 

549. Aegopodium Podagraria L. Geissfuss. 

1. Flidgddd Holla E.; 2. Giersch; 3. Ghränhaxn (Kritzen- 
dorf); 4. Kranfuass E.; 5. Bosskimm Top. 



328 

1 Blätter an~diejenigen von Sambucus nigra No. 370 erinnernd, wol auch 
ein »Thee«. 2? 3, 4 = Krähenfuss von der Blattform; 8. z. No. öl. — 
Krahfuss Kämt.; Giersch (Hessen, Pommern, Mecklenb., Prenssen) Pr. n. Jess. 

550. Falcaria Rivini Host. Sicheldolde. 

Scharinger, Scharl Lze. 

Die sichelförmigen Blattfiedern werden mit den über dem Ohre bogen- 
förmig nach vorne gekämmten Haarbüscheln (»Scharin«) verglichen. 

551. Bupleurum rotundifolium L. Durchwachs. 

Durchwächs (Wolkersdorf). 

Obere Blätter stengelumfassend. — Durch wachs (Brunf., Bock, Fachs, 
Cordus, Gesner), Stopsloch (Bock) Pr. u. Jess. 

552. Aethusa Cynapium L. Gartenschierling, Hundspetersilie. 

Hundspedersiil K., Wied litt. 

S. z. Petroselinum sativum No. 545 betreffend das Grundwort. 

553. Meum athamanticum L. 

1. Bärenvmrz Beck litt; 2. Baernbudl K.; 3. Bergkim'l 
Kempf; 4. Bergkimm'l K.; 5. Bergkümm'l E. ; 6. Bergpudel 
Becker, Nordm., Beck litt.; 7. Bergvmrz Beck litt. 

1 — 6 ein Mittel für Frauenleiden »wider die Bärm « 1 — 2 mit Anleh- 
nung an Bär, das Raubthier der Alpen. 3 — 6 an Berg, den natürlichen 
Standort der Pflanze erinnernd. — Berwurz Höf. ; Bärwurzen Ooest. ; Bärn- 
fenchl Salzb.; bärenfenchel Tir.; Bärdille (Schles.), Bärwurz (Pholspr., 
Brunfels), Beermutterwurz (Tabern.), berwurt (Hildegard) Pr. u. Jess. 

554. Meum sp. Bärwurzel. 

1. Mmgras\ 2. Bechhraud (Gösseck) Roghf. 
2? 

555. Foeniculum officinale All. Fenchel. 

1. Feniehl Nie; 2. Fenirfl Tsch.; 3. Fmigl K.; 4. Fenigl 
Hof., Wied. litt.; 5. Fenifd KB.; 6. Foenigl Cast 

1 — 6 ahd. phenichal, venichl, mhd. venchel, aus lat. feniculum, foeniculum, 
Deminutivum von foenum = Heu ; wegen der Menge Heu, die mit den Samen 
mitkommt, oder weil wie Heu im Winter ausgetrocknet, nach Bauh's 
Etymologisirung. — Feniculum in Karls Capitulare. — fenchl Tir.; fenichil 
(ahd.), Fenikl (Österr., Brunf., Bock, Fuchs) Pr. u. Jess. 

556. Angelica silvestris L. Engelwurz. 

1. Angelten (Wien); 2. Engelwurz Becker; 3. Fngltüurzn Br.; 
4. Erdholla (St. Nikola) Top.; 5. Gelilcd E.; 6. Grosse Büber- 
nöU Br.; 7. Heiligengeistumrz Becker; 8. Heüigengeistwurz*n E. 

1, 2, 3, 5 nach lat. angelica mit richtiger Anlehnung, beziehungsweise 
Verdeutschung. 4, 6, 7, 8 wegen der besonderen Heilkraft, so beispiels- 
weise gegen das »Fell« der Augen. 4 s. z Aegopodium Podagraria No. 549, 



329 

6 z. Pimpinella magna No. 546. — Angeliken (Mecklenb.), Wundkraut (Bock) 
Pr. u. Jess. 

557. Levisticum officinale Koch. Liebstöckel. 

1. Gicktetock Top.; 2. Liabstöcld K.; 3. Luachdok Cast. 

1 heilsam wider Gicht 2, 3 Liebstöckel, ahd. lubistechal (stSchal = 
Becher), lubistecco (stecco = 8tecken), mhd. ltibestecke, lubistechl, lübstuck, 
liebstück, liebstuckel), eine der merkwürdigsten Verdeutschungen für lat. 
lubisticum, ligusticum = die aus Ligurien stammende Pflanze (Lexer) Hof. 59. 
— In Karls Capitnlare als levisticum zum Anbau empfohlen; hat sich in 
den Bauerngärten bis zum heutigen Tage erhalten. — Luststecken Salzb.; 
libestock (mhd.), Liebstöckel (Hort. San., Brunf., Cordus, Bock, Fuchs), 
lupstecke (mhd.), Lustock (österr.) Pr. u. Jess. 

558. Peucedanum Cervaria Cuss. Hirschwurz. 

8t. Peterswurzel Clus. 

ßchwartzer Hirtzpeterlen (Tabern.) Pr. u. Jess. 

559. Imperatoria Ostruthium L. Meisterwurz. 

1. Mastawurzl K.; 2. Meisterwurz (Gösseck) Roghf.; 3. Moastdr 

wurzln E. 

Die für vorzüglich kräftig gehaltene Pflanze liefert die » Meisterwurz < 
(8. z. Asperula odorata No. 363). Angeblich dem Biere zugesetzt, um dasselbe 
»schwerer« zu machen. — maisterwurz Tir.; Meisterwurz (Bock, Fuchs, 
Qe8ner) Pr. u. Jess. 

560. Anethum graveolens L. Dill. 

1. Dillenkraut Tar.; 2. Diitt K.; 3. Düttnkräutl Wied. litt.; 
4. Umua r kngratdl Cast.; 5. UnmifJcnkraül. 

1 — 3 ahd. tilli, mhd. tille, angs. dile zu teilen gehörig, wegen des fein- 
schnittigen Blattes (Grimm) Hof. 68. 4, 5 = Gurkenkraut, Ingredienz zu 
eingelegten Gurken, s. z. Cucumis sativus No. 269. — Dill Höf. ; diel, dil, 
dile, dill (mhd., mnd.), dille (Hildegard), Dillkraut (Bock) Pr. u. Jess. 

561. Pastinaca sativa L. Pastinak. 

1. Ba8temat Nie; 2. Päschkanäd; 3. Pastkanat Wied. litt. 

1 — 3 vom lat. pastinaca, das mit pastus = Nahrung einerlei Wurzel 
hat. — Die pastinaca empfiehlt Karls Capitnlare. — pastinät Tir.; bestenag 
(mhd.), Palsternack (Göttingen, Mecklenburg, Oldenburg), Pastenack (Gesner) 
Pr. u. Jess. 

562. Heracleum Sphondylium L. Bärenklau. 

1. Bärentatzen; 2. Bänüdee Br. 

1, 2 Bärenklau, Bärentatze, mit welcher die geteilten Blätter verglichen 
werden. — Bärentatzen Kämt.; bernklaw (mhd.) Pr. u. Jess. 

563. Chaerophyllum temulum L. 

Wäldschirling Br. 



330 

564. Anthriscus Cereiolium Hoflm. Suppenkerbel. 

1. KefferviUkraut Nie; 2. KerbeUcraut E.; 3. KerbUcraudad ; 

4. Kerblkrautach (Pulkau) Frf.; 5. Körbelkraut Nie. 

1 — ö ahd. chervola, kervila, mhd. kervele, kervel aus lat caerefolium, 
gr. yatpetpXXov Hof. 46. Indem man das Wort an Korb, Körbel, Körbchen 
anlehnte, wurde der Name der Pflanze verblümt für den »Korbe gebraucht, 
den ein Freier erhielt, so z. B. : 

»Davor hilft weiter nichts als körbelkraut zu pflücken 
und aus demselbigen den besten Saft zu drücken. < 
Gr. V. 560. (Picander.) 

565. Daucus Carota L. Möhre, Mohrrübe. 

1. Gaelbe Ruabn K.; 2. gelbe Ruab'n Wied. litt; 3. Mähra 
KB.; 4. Meara Cast.; 5. Moera Hof.; 6. Mehrlrüben Nie; 
7. Mera (Pulkau) Frf.; 8. Murke (Wien) Pr. u. Jess.; 9. MurKn 
Wied. litt.; 10. Murkn Hof.; 11. Buibm Frf. 

Redensart: 

Ja da reift a schon auf da geWn Ruab'n — antwortet man, 
wenn behauptet wird, Der oder Jener werde bald kommen und 
man daran zweifelt Cast. 

1, 2 zum Unterschiede von den anderen Rüben, s. z. Beta vulgaris No. 232, 
Brassica sp. No. 654.. 3 — 10 Möhre, ahd. moraha, moreha, mhd. 
morche, vollere Form ahd. mauroch, mhd. mouroh Or. VI. 2474. Nach 
Pr. u. Jess. bedeutet mör mürbe. — Als carnita in Karls Capitulare zum 
Anbau empfohlen. — Gelbe Rüben Salzb. ; gelruebn Tir. ; Merlan Karat; 
gelbe Rüben (Baiern), RUbli (Graubündten, Gesner). 

566. Coriandrum sativum L. 

Koriander K. 

Nach lat. coriandrum, griech. xopiavvov, von xopi$ = Wanze und awov, 
avvYpov Anis, weil das frische Kraut nach Wanzen riecht. — Gewürzpflanze 
aus Südeuropa. 

567. Bifora radians M. Bieb. 

Wanzenkümmel Br. 
Wegen des Duftes. — Aus Südeuropa eingeschleppt 

568. Scorodosma foetidum Bnge. 

Teufelsdr . . . Cast 

Das Harz der persischen Umbellifere. — Teufelsdr . . (1482) Pr. 
u. Jess. 

LX. Saxifragaceae. Steinbrechartige. 

569. Saxifraga mutata L. 

Falsche Hauswurz (Lassingfall) E. 
S. z. Sempervivum tectorum No. 584. 



331 

570. Saxifraga Aizoon L. 

Stoanäpfd Kempf; Stoanöpß (Dürrnstein) E. 

Steinäpfel, wegen des Vorkommens und der Form der Blattrosetten. 

571. Saxifraga aizoides L. 

Gamswurz Kempf. 

572. Saxifraga sedoides L. 

Gemswurz Roghf. 

S. z. Aronicum No. 331, 332. 

573. Saxifraga rotundifolia L. 

Sanigel E.; Sanigl Kempf. 

Heilpflanze, s. z. Sanicula europaea No. 542, Hepatica triloba No. 597. 

— Sanikl (Altenan) Pr. u. Jess. 

574. Chrysoplenium alternifolium L. Milzkraut. 

1. KrocPnkraut E., K.; 2. Schelmkraut E. 

1 wächst an feuchten, von Kröten bewohnten Orten. 2 wider den 
»Schelm« der Schweine, s. z. Bryonia alba No. 271. — Krodenkraut Salzb.; 
Krotenkraut Kämt.; Krottenblume (Luzern) Pr. u. Jess. 

575. Parnassia palustris L. Studentenröschen. 

1. Studentfnröserl K., Kempf; 2. weissi Schmälzblwma Br. 
Die schöne glänzende (2) Blume erscheint zur Zeit der Sommervacanzen(l). 

— Studentenröschen (Schweiz, Württemberg), Studentenrösli (Augsburg), 
weisse Leberblume (Ostpreussen, Augsburg) Pr. u. Jess. 

LXI. Ribesiaceae. Johannisbeerartige. 

576. Ribes Grossularia L. Stachelbeere. 

D C 

1. Agräs; 2. Agras-Beerl Nie; 3. Agräsl; 4. Agrass Hof.; 

© 

5. Agross Märt.; 6. Agraslstauern; 7. Agräs Tsch., (Poisdorf) 
Bau.; 8. Agräsl K., Wied. litt; 9. Aüerbotzen Hof.; 10. Jakobiber 
(ob.-öst Grenze). 

1 — 8 aus mlat. agresta (acer, scharf, säuerlich), mhd. agräz, das eigent- 
lich eine Obstbrühe bezeichnet Gr. I. 190. Tsch. stellt den Namen mit ag, 
age = Stachel, Splitter zusammen. 9 Eiterpatzen, wegen des dicken, eiter- 
artigen Saftes der Beeren. Unnötig ist es, an einen »patzigen Strauch voll 
Gifte zu denken, wie Pr. u. Jess. wollen. 10 wegen der Reifezeit. — Nach 
Ung. Streife. 74 ist Ribes Uva crispa L. die Mutterpflanze der Stachelbeere. 

— Aiterbatzen Höf.; Oatab&tzn (Hall Stadt) St.; Eiterpazen (Niederbaiern, 
Tir.) Pr. u. Jess. 

577. Ribes rubrum L. Johannisbeere, Ribis, Ribisel. 

1. Ilibiselstaude Märt; 2. Ribü'ln Tsch. Seh. 186; 3. Ribisl Nie., 
K.; 4. Riwis'l Tsch. 

1 — 4 die Johannisbeere war, wie Ribes Grossularia, den Griechen und 
Römern unbekannt. Ribes dürfte eher von dem scandinav. risp und reps 



332 

als dem arab. ribes herrühren. Tollat von Vochenbergs > meisterlich Büch- 
lein < (1497) ist das erste Werk, in welchem die Johannisbeere unter dem 
Namen Bibis Joannis vorkommt. Ung. Streife. I. 73. — Ribisle Schles.; 
ribesl Tir.; Ribiselstaude (Osten-., Kämt., Zillerthai), Ribisil (Steiermark) 
Pr. u. Jess. 

LXIa. Myristicaceae. Muskatnussgewächse. 

578. Myristica moscfaata Thunb. Muskatnuss. 

Frucht : 

Musclikanuss Tech. Seh. 245. 

Fruchtmantel (Arillus): 

1. Bliihn; 2. Muscatblühn Nie; 3. Muschkablüa Hof. 

Mhd. rauscat, muschät, vom lat. muscata. Ostindisches Gewürz. 

LXI&. Illiciaceae. Sternanisgewächse. 

579. Illicium anisatum L. Sternanis. 

Badian. 
Badian Höf. 

LXII. Cra8sulaceae. Dickblättrige. 

580. Sedum acre L. Gemeiner Mauerpfeffer. 

1. Hergottskraud Hof.; 2. Himmelbresl Lze.; 3. Hühneraugen- 
untren Br.; 4. IAaimjraubr'Ö8eri '; 5. Mauertatzln Top.; 6. Stier- 
kraut E.; 7. Warzenkraut K. 

1, 2, 4 wegen seiner Unverwelklichkeit gerühmt; Kränze von Mauer- 
pfeffer werden um Heiligenbilder gegeben. 3, 7 der scharfe Saft zum Weg- 
ätzen von Hühneraugen und » Warzen t. 6? — Frauenhaar (Schassburg), 
Herrgottskraut (Augsburg) Pr. u. Jess. 

581. Sedum atratum L. 

Wärz'nkräut (Dürrenstein) E. 

S. z. vorig. 

582. Sedum roseum Scop. 

BÄswurz (Dürrenstein) E. 

Der getrocknete Wurzelstock hat schwachen Rosenduft. — Rosenwurs 
(Bock, Fuchs), Rosenwurzel (Schles.) Pr. u. Jess. 

583. Sedum maximum Suter. Gemeine Fetthenne. 

Fette Hin K., Wied. litt. ; fetti Henn Cast 

Fette Henn (Hallstadt) St.; feisti Henna (Graubündten), fette Henne 
(Cordus). Pr. u. Jess. 

584. Sempervivum tectorum L. 

1. Dunerknöpf K.; 2. Haus-ampfer Top.; 3. Hauswfi&z'n 
Cast; 4. Hauswurtz Beck.; 5. Hauswurz K.; 6. Hauswurin 
E., Wied. litt.; 7. Zidriwurz'n Hof. 



333 

1 — 6 seit alters als Schutzmittel wider den Blitz auf Dächer gepflanzt. 
7 gegen den >Zidri< (Zitterich), d. i. ein schmerzhafter Hautausschlag mit 
Bläschen (Erythem). — In Karls Capitulare wird angeordnet: hortulanus 
habeat super domum suam Joris barbam — es habe der Landmann die 
Hauswurz auf seinem Hause. Wo Deutsche weilen, findet man noch heutigen 
Tages die in den Kalkalpen wild vorkommende Hauswurz auf Dächern 
und über Einfahrten. — Daunerkrokt (Siebenbürgen), Hauswürze (Bern), 
Hauswurz (Megenb., Brunf., Bock) Pr. u. Jess. 

585. Sempervivum sp. 

Hauswurrfn Kempf. 

LXIIa. Mesembryanthemaceae. 

586. Mesembryanthemum crystallinum. 

Einpflanze (Wien). 

Oberhaut mit mehreren Millimeter langen, saftstrotzenden Ausstülpungen, 
welche die Pflanze befähigen, auf dem natürlichen Standorte — in der 
Wüste — fortzukommen. Häufig cultiviert. 

LXIII. Ranunculaceae. Hahnenfussartige. 

587. Clematis Vitalba L. 

1. Hqflirsch'n (Krems); 2. lliachvriecFn (Kritzendorf); 3. Jügen 
(Pechlarn); 4. Jüllische Wicfn; 5. Jül'n E.; 6. Liachtkotzen Hof '. ; 
7. Liarlisch; 8. Lief sehn Cast; 9. Liesch Märt., (Pechlarn); 
10. LieschriUen (Pechlarn); 11. Lirchn Hof., Wied. litt; 
12. Lirisch , 13. Lirlacher, 14. Lir sehen, 15. Lirschkozn Hof.; 
16. Lirschn; 17. Lurschn (Wien) K.; 18. Lülgn (Krems) K.; 
19. LüFn Wied. litt; 20. Nirsch'n; 21. Nursch'n (Kampthal) K.; 
22. Ulawidn; 23. Ülischtoidn K., Hof. 

Die Fruchtstände: 

24. ffättn (Gr.-Russbach) ; 25. Hotten (V. U. M. B.) Frf. 
26. WäldwoU Br. 

1 — 23 Schon die ihm allein vorgelegenen Bezeichnungen Lirsch'n — 
Lursch'n — Nirsch'n — Nursch'n — Llilg'n hat Prof. v. Kern er für Ab- 
kömmlinge des altdeutschen Liula befunden, welches Wort nach dem älteren 
Grimm einen verklungenen deutschen Frauennamen und zugleich einen 
Blumennamen vorstellt. In einem eigenen Vortrage sprach der Meister vor 
der Berliner Akademie »Ueber frauennamen aus blumen«. So reich Romanen 
und Slaven an Bezeichnungen sind, die dem beglückenden Weibe zu Liebe 
auf Blumen übertragen wurden, so arm erweist sich an solchen, nach der 
gelehrten Auseinandersetzung, die deutsche Sprache: »Nur einen einzigen 
weiblichen namen, der zugleich eine blume bedeutet, habe ich aufzuzeigen, 
doch einen wohllautenden, dessen Untergang, wie der so vieler alter Wörter, 
zu bedauern ist, nemlich Liula, später geschwächt Liela . . . heute waldrebe 



334 

. . . noch mhd. liele, selbst heute hin und wieder lielisch weide.« Also 
Grimm. Seinem Liula ist füglich LüTn — Jüll'n unmittelbar anzureihen, 
und die Verdrehung des unverständlich gewordenen Wortes hat schliesslich 
zu Lirlacher geführt. 6, 15 Anlehnung an Lichtkerze, wegen der weiss- 
scb immern den Fruchtstände. 2, 4, 22, 23 betreffs des Grundwortes »widn« 
s. z. Salix 8p. No. 195. Was 24, 25 anlangt, so finden wir in dem Worte dieselbe 
Wurzel, die dem englischen hat-chel (Hechel) und to hat-chel (hecheln) 
zu Grunde liegt; nicht allzuferne steht die Vergleichung der grauhaarigen 
Fruchtbftuschchen mit rohem, eben vom Hechelkamme genommenen Flachse. 
— Lieln, Len Salzb. ; Laien (Siebenbürgen), lieln (mhd.), Liene (Ostern, 
Thüring.), Lilischweide (Bechstein), liolo (ahd.), lylen (Hildegard), Niala 
(St. Gallen), Niele (Chur, Glarus), Petersbart (Golling) Pr. u. Jess. 

588. Atragene alpina L. 

Schlingpflanzen Kempf. 
Umwund (Altenau) Pr. u. Jess. 

589. Anemone nemo rosa L. Weisses Buschwindröschen. 

1. Krahnhaxen Kempf; 2. Kronhdxen E.; 3. Kronhaxen 

Nordm.; 4. Schneeblaml (südl. Böhmen) Top. 

1 — 3 Krähenfuss wegen der eingeschnittenen Blätter, s. z. Lycopodium 
clavatum No. 51, Aegopodium Podagraria No. 549. 4 wegen der 
weissen Blütenfarbe. — Krähnhax'n (Hallstadt) St.; Schneeglögli (St. Gallen), 
Schneekaterl (Salzb.) Pr. u. Jess. 

590. Anemone narcissiflora L. 

c 

Almseiling Nordm.; Almseiling E. 

Ein sonst den roten Gallen von Rhododendron ferrugineum No. 527 zu- 
kommender Name. 

591. Anemone silvestris L. 

Gugableamln (Kritzendorf). 

Collectivname für Frühlingsblumen, s. z. Orchis sp. No. 144. 

592. Pulsatilla alpina L. Teufelsbart. 

Haar im A . . . . Nordm.; Hoar im A . . . . E. 

Obscöner Name wegen des haarigen Fruchtschopfes. — Grantige Jager 
(Hallstadt) St.; Haarige Mann (Schweiz), Petersbart (Baiern), Teufelsbart 
(Algäu, Schweiz) Pr. u. Jess. 

593. Pulsatilla patens Hill. var. grandis Wender. 

A . . . .glocken (Giesshübl) Wied. litt; Erstgucker (Reichenau) 
Beck. 

S. z. folgend. 

594. Pulsatilla vulgaris Mill. Küchenschelle. 

1. ArstgucKn (Krems) K. ; 2. Aschgubn Cast ; 3. Haue 
Arachkum (Krems) Wied. litt.; 4. Merznbeclierl (Wien) K.; 
5. Oarguka (V. O. M. B.) K. 



335 

1 die allererst hervorguckende, 2, 3 hervorkommende Blume; doch 
vielleicht in 3 mit obscönem Nebensinne. 5 = Eierschalen; sei es, dass das 
Perianth in seiner Form an die Schale eines Hühnereies erinnert, sei es, weil 
die Ostereier mit dem grünen Saft der Pflanze gefärbt werden Perg. Stud. 

595. Pulsatilla pratensis L. Wiesen-Küchenschelle. 

1. JRauchfangkehrableaml (Mannersdorf a. d. Leitha); 2. Schaf - 
gloclin (Gr.-Russbach) ; 3. schwarze Arschkum (Krems) Wied. 
litt.; 4. schwarze A . . . . löcher (Göttlesbrunn). 

1 wegen der schwarzvioletten Blüte. 2 wegen der Blutenform. 3, 4 s. z. 
vorigen 1 — 3. 

596. Pulsatilla sp. 

1. Aschgupn (Krems); 2. Aschkum (Spitz a. d. Donau); 

3. Gugerscheckerl (Wiesen); 4. Heanglocha (Hetz) ; 5. Hean- 

glockn; 6. Schaf glockn (Baden) Hof. 

1, 2 s. z. vorig. 3 8. z. Anemone silvestris No. 591. 4, 5? 6 s. z. vorig. 

597. Hepatica triloba Choix. Leberblümchen. 

1. Ebenauskraut E., Nordm.; 2. Feigerl (Wien); .3. Gulden- 
Idee Clus.; 4. Lebakraud K.; 5. Lebakraut E.; 6. Leberkraut 
Kempf; 7. Schneekaderl (Kritzendorf); 8. Kotzenaugn Hof.; 
9. Wäldveigal Wied. litt.; 10. Woldveigerl Hof.; 11. Zänigl 
(V. U. M. B.) Frf. 

1 Zauberkraut, welches Wetter scheucht; s. z. Yeronica alpina No. 487, 
latifolia No. 484. 2, 9, 10 in Wien unter den ersten Blumen ausgeboten. 
3 »vermutlich, weil man die Blätter den Kleeblättern verglich und die Ärzte 
durch die Heilkraft des Krautes Gold gewannen« Perg. Stud. 4 — 6 11 vordem 
gegen Leberleiden im Gebrauche, ein Heilkraut (Sanikel, s. z. Sanicula 
europaea No. 452, Saxifraga rotundifolia No. 573). 7 das Grundwort ist der 
Kosename Kaderl (Katherl) für Katharina; ein Mädchenname wird zur Be- 
zeichnung einer Blume: wie bei Clematis Vitalba No. 587, Helleborus niger 
No. 612. (Vgl. Kronfeld Ö. B. Z. 1886, 368). 8 Katzenaugen, vom Aussehen 
der Blüte. — März'nveigerln (Hallstadt) 8t. ; Guldenklee (Bock), Leberbltimli 
(Bern, St Gallen), edel Leberkraut (mhd. Friese, Hort. San., Brunschw., 
Brunf., Bock) Pr. u. Jess. 

598. Adonis vernalis L. 

Gälbe Arschtguckn (Nikolsburg) ; gelbe A . . . . löcher (Göttles- 
brunn). 

S. z. Pulsatilla pratensis No. 595 und vulgaris No. 594. — Frühlings- 
pflanze mit auffallend grossen und prächtigen Blumen. 

599. Ranunculus asiaticus L. Gartenranunkel und Ranunculus 
repens L. fl. pl. 

1. Gälbi Rockarl ( Wolkersdorf ) ; 2. Rockerl Hof., Priest; 
3. Bulcerl KB. 



336 

1, 2, 3 s. z. Bellis perennis No. 296 und Globularia Willkommii No. 438, 
wo es nicht näher Hegt, mit KB. anzunemen, dass die Namen ans Ranun- 
culus corrurapiert sind. — Häufiger findet sich Banunculus repens mit ge- 
füllter Blüte in den Gärten. 

600. Ranunculus aconitifolius L. und Ranunculus alpestris L. 

Abbeü, Teuffdabbeis Clus. 
S. z. Succisa pratensis No. 357. 

601. Ranunculus hybridus Biria. 

1. Hahnenkamp Beck litt; 2. Hahnenkampel Beck.; 3 Hdhna- 

kampl Becker; 4. Hänakampel; 5. Handkemp Kempf.; 6. ff Ana- 

kämp Fr£; 7. Hänakemp (Alpen) K. 

Die Blätter werden mit dem geteilten Kamme des Hahnes verglichen, 
wie im schriftdeutschen »Hahnenfass« mit dessen Fusse. — Das Kraut ist 
den Älplern wol bekannt, da es im Rufe steht, die Milch der Kühe au ver- 
mehren. 

602. Ranunculus alpestris L. 

Gamskress. 

603. Ranunculus repens L. 

Feldzangd E. 

Feldzange, klammert sich mit den Ausläufern förmlich an. 

604. Ranunculus acer L. 

1. Brennkraud; 2. Schmalzbleam'ln E. 

Die Fruchtstände : 

3. NigFn (Gr.-Russbach). 

1 die Pflanze ist von brennend scharfem Geschmacke. 2 s. z. folgend. 
3 = Igel, s. z. Sparganium ramosum No. 81, wegen des morgenstern- 
förmigen Fruchtstandes. — Schmalzbleaml Kämt. ; Schmalzblumen (Württem- 
berg), Schmalzpfannel (Tirol) Pr. u. Jess. 

605. Ranunculus sp. Hahnenfuss. 

1. Butterbleami Hof.; 2. kleine Schmalzbleaml (Q-rinzing); 

3. Schmalzbleaml Br.; 4. Schmalzbleamln Kempf; 5. Schmälz- 

blearrdn K., Wied. litt.; 8. Schmalzblumen Br. 

Schmalzblumen, Butterblumen. Collectivname für gelbe glänzende Wiesen- 
blumen. 2 zum Unterschiede von Caltha palustris, No. 607. — Butterblum 
(Tabern.), Schmalz-, Spiegelblum (Tabern.) Pr. u. Jess. 

606. Ficaria ranunculoides Rth. Scharbockskraut. 

1. Eglkraud E. ; 2. Schärbockwurzn Br.; 3. Schmalzbleaml. 

1 wächst an feuchten Orten, wo wilde »Egel« in der Erde getroffen 
werden. 2 Mittel wider Scharbock oder Scorbut. 3 s. z. vorig. — Schar- 
bock (Oberneuland), Scharbockskraut (Cordus), Schorbock Pr. u. Jess. 



337 

607. Caltha palustris L. Sumpf-Dotterblume. 

1 Bächros'n Wied.; 2. Butterblum Beck; 3. Froschblume 
Priest; 4. Gopan Br.; 5. grosse Schmalzbleaml (Grinzing); 
6. grosse Schmalzblumen Br.; 7. Moosbleaml E.; 8. Schmalz- 
bluma Beck; 9. S^malzbleamln Seidl; 10. SchmSlzbleamln K.; 
11. Schmalzbleaml E.; 12. SchmolzbUaml Hof. 

2, ö, 6, 8—12 s. z. Ranunculus sp. No. 605. 3 wegen de» Vorkommens an 
feuchten Orten. 4 die Blumenknospen werden zur Verfälschung der Kappern 
(s. z. Capparis spinosaNo. 633) benützt. — Schmalzbleaml Salzb.; Butterrosen 
Kärnt; Butterblume (Schles.), Schmalzbleaml (Tirol), grosse Schmalzblum 
(Baiern), Wasserschmalzbluoma (St. Gallen), deutsche Kapern Pr. u. Jess. 

608. Trollius europaeus L. Trollblume. 

1. Budareserln Kempf; 2. Budareserln K.; .3. Budaröserl 
(Maria-Zeil) E. ; 4. Butterbleami (Gösseck) Roghf. ; 5. Butterrösl 
Beck; 6. Dorfrosn (Baden); 7. Gefüllte Schmalzbleämln Kempf '; 
8, Hähnafuass; 9. Holla (Reichenau) Wttst.; 10. Moorros'n 
(Baden); 11. Moosbleaml Hof.; 12. Moosblum Beck. 

609. Var. humilior Koch. 

Almkaibai (Hochschwab). 

1 — 4, 5 s. z. Ranunculus sp. No. 605. 8 wegen des geteilten Blattes; hoch- 
deutsch Name für Ranunculus. 9 Heilpflanze, s. z. Aegopodium Podagraria 
No. 549. 6, 10 Torfrosen wegen des Standortes. — Butterrosen Salzb. ; Butter- 
blumen Kämt. (Hallstadt) St.; Butterblumen (Tirol) Pr. u. Jess. 

610. Helleborus viridis L. 

1. Gilbwurzel K., Kempf.; 2. Gittwurz'n Wied. litt.; 3. GiP- 
wur£n E. ; 4. GöUkraut Roghf.; 5. Saubleaml (Gössling) Roghf. 

611. Var. dumetorum W. Bat. 

6. Gilbkraut Beck. 

1 — 4, 6 zum Setzen eines Haarseiles (»gilben«) bei Schweinen, welche 
an Finnen leiden (s. z. Bryonia alba, dioicaNo. 27 J, 272) verwendet; daher 
auch 5. — Gillwurzen, Schelm würzen Ooest. ; Güllwurz (Steiermark) Har. litt. 

612. Helleborus niger L. Christwurz, Schneerose. 

1. Gaugerlwurzen (Gösseck) Roghf. ; 2. GtUwurz Hof.; 3. Ifemad- 
wua'zn Cast; 4. Krätznbleam'l E.; 5. Kritzenbluma Beck litt.; 
6. Loantscha (Reichenau) Beck; 7. Schneeblum Beck; 8. Schnee- 
kaderl (Erlafthal) K.; 9. Schneekdderl E.; 10. Schneekatherl 
(Schneeberg) Roghf.; 11. Schneerose (Hohenbrand) Kissl.; 
12. Schneerodn Kempf. 

1 Kuckuckswurzel. 2 s. z. vorig. 3 s. z. Veratrum album No. 158. 4, ö gegen 
Krätze. 6? 8 — 10 s. z. Hepatica triloba No. Ö97. — Schelmwurzen Kämt, 
Schneek&tz'n (Hallstadt) St.; Lauskraut (Brunfels) Pr. u. Jess. 
Blätter des Vereinet für Landeskunde von Niederösterreich. 1889. 22 



338 

613. Nigella arvensis L. 

Oredl in der Statin Kempf. 
S. z. folgend. 

614. Nigella damascena L. 

1. Oredl hinter der Stauden Hof., Wied. litt., Priest; 2. Oredl 

in da Schdautfn Cast; 3. Oredl in da Stau'n K.; 4. Oredl 

in der Stauden Beck; 5. Grüll in der Stauan. 

1—5 Perg. Stud. 26 äussert sich über diesen Namen: »Ich hatte . . viel 
auf dem Lande um Pflanzenbenennungen nachgefragt und bei dem Vor- 
weisen der Nigella immer die Bezeichnung Gretel in der Staude gehört, 
weil die Blume . . zwischen den feinen Blättern gerade so wie ein schüch- 
ternes Mädchen in einer Staude sitze. Ich hielt diese Benennung für rein 
österreichisch, staunte aber nicht wenig, als ich bei Schkuhr, der in 
Wittenberg schrieb, die Jungfer im Gras, bei Anderen Jungfer im Grase, 
Jungfer in der Hecke, Jungfer im Netze, in der schwäbischen Mundart 
Grethle im BuRch, dann bei Boerhave Juffert-je in het groen, und im Schwe- 
dischen Jungfrun i det gröna fand — Ausdrücke, die sich alle auf die 
gleiche Anschauungsweise gründen und . . auf die Ursprünglichkeit jener 
so weit verbreiteten Bezeichnung schliessen lassen, an die sich das Nord- 
deutsche: die Braut in Haaren, das Holländische bloempjes in't haair, bei 
Dodonaeus blaeuwe jonckfrouwen und selbst das Englische: the devil in 
a bush reihen.« Nun heisst die Blume auch Schabab, was nach J. Grimm: 
»packe dich fort, schier dich forte 1 ) bedeutet; von Mädchen wurde das 
Kraut als Zeichen der Abweisung verschmähten Liebhabern gegeben. Somit 
könnte Gretchen in der Stauden auch bedeuten: Gretchen im Trutz-, im 
Schmollwinkel. Schliesslich ist daran zu erinnern, dass nach einer öster- 
reichischen Sage zwei unglücklich Liebende in die Kräuter Hansel am Wege 
(Polygonum aviculare No. 246) und Gretchen in der Staude verwandelt wurden, 
was auf eine mythische Beziehung hinweist. 

615. Aquilegia vulgaris L. Akelei. 

1. OloUn (Kritzendorf); 2. Handschuh Hof. 
1, 2 wegen der Blütenform. — Glocken (Augsburg), Glockenblumen 
(Schles.) Pr. u. Jesft. 

616. Delphinium Consolida L. Feld-, Rittersporn. 

Bittasparn K., Kempf. 

Brunfels sagt: > Rittersporn wirt also genannt im Teutschen, das sein 
Blümlin einem Sporen gleich sind.c — Rittersblume (Hort. Sanit.), Ritter- 
sporen (Eifel, Brunf., Bock, Fuchs) Pr. u. Jess. 

617. Aconitum Anthora L. 

Gelher Fingerhut Kempf. 



') also einen imperativischen Kräuternamen vorstellt, freilich anders ge- 
deutet als unser Schawa für Senecio abrotanifolius No. 334. 



^ 



339 

618. Aconitum Napellus L. Blauer Eisenhut. 

1. Daiwcfl in Nösd Cast; 2. Eisnhuad K. ; 3. Eisnhuid 
(V. U. M. B.) Frf.; 4. Fuchsblüah K.; 5. Kalessw&tfn; 6. Schäss 
(Wolkersdorf); 7. Täuberl im Nest (Wien) K., Hof.; 8. Wolfs- 
umrz K. 

1, 7 die vogel-, wenn man will taubenförmigen Nektarien sitzen in dem 
helmförmigen Kelchblatte wie in einem Neste. 2, 3 die Blutenform ahmt 
einen Eisen- oder Sturmhut (Helm) nach. 5, 6 von spielenden Kindern 
erfundener Name; entfernt man die prächtig gefärbten Kelchblätter, so 
bleibt das Aggregat der Staub- und Fruchtblätter übrig, von dem sich 
einerseits die beiden Nektarien erheben : das Kind erblickt hier einen Wagen 
(Kaiesse, Chaise) mit den vorgespannten Pferden. 8 die giftige Pflanze 
ward zur Tödtung der Wölfe benutzt. — Eisenhtttel (Oösterr.) Hof.; Wolfe- 
wurz Kämt; Duwenkutschen (Altmark), Duwenwagen (Meklenburg), Eisen- 
htttlin (Bock, Qesner), Täubele im Nest (Osten*.), Teufelswurz (Osten-.), 
Wolfswörza (St. Gallen) Pr. u. Jess. 

619. Aconitum variegatum L. 

Fuchsblüah (Gamsstein), Fuchswurdn E. 

Zur Tödtung der Füchse benutzt; s. z. vorig. 

620. Aconitum sp. Eisenhut. 

ApoUoniatourJn (Dürrenstein) Beck, litt 

Nach der Schutzpatronin benannt, weil mehrfach gegen Krankheiten 
(vorzüglich Zahnschmerz) verwendet. — Aconitum Napellus: Apollonia- 
kraut (Oberösterr.) Höf.; Apolloniawurz Salzb. ; Apollonienwurzel (Pinzgau). 

62L Actaea spicata L. Christophskraut. 

1. Johdnneskraut; 2. Sundwendkraut E. 

1, 2 blüht um Johannis, zur Zeit der Sommersonnenwende. Gilt als 
zauberkräftig und wurde darum nach dem heil. Christoph benannt. 

622* Paeonia corallina Rchb. fl.pl. 623. Paeonia tenuifolia L. 

Pfingstrose. 

1. Bäblros'n Wied. litt.; 2. Betoniro'sn; 3. Bfingstroin Cast; 

4. Boberonarosn Hof.; 5. Bodeinerrosn (Baden) Hof.; 6. Bar- 

donerrosn (Mistelbach) Hof.; 7. Botenaros'n; 8. Buttoniros y n 

9. Pappelrodn Top.; 10. Pfingstrom K.; 11. Pumpelrosn Hof. 

1, 9 wie Althaea rosea, No. 688 2, 4 — 8 mhd. pionie vom lat. paeonia; 
die Pflanze ist nach einem Arzte benannt, welcher sie zur Heilung 
Plutos verwendete. 3, 10 wegen der Blütezeit. 11 mächtige, Pfundrose. — 
Paeonia corallina kommt wild als Seltenheit in Steiermark und Krain vor, 
häufig dagegen mit gefüllter Blume in den Gärten. Paeonia tenuifolia ist 
eine Zierpflanze aus Asien und Osteuropa. — benigenkraut (mhd.), Benigen- 
rosen (Tabern.), beonia (ahd), Pfingstrosen (Tabern.), pynony (mhd.) Pr. 
u. Jess. 

22* 



340 

LXIV. Berberideae. Sauerdornartige. 

624. Berberis vulgaris L. Sauerdorn, Berberize. 

1. Baisslböa* Cast; 2. Ersidl (Schneeberg) K.; 3. Essig- 

pliitzerl Hof.; 4. Essigscharl (Spitz) Hof.; 5. Weinschaddn Pok.; 

6. Weinscliarl (Buchberg) Schult, Wied. litt; 7. Weinscharl 

(Wien, Krems) K.; 8. Weinscha'ln Cast; 9. WeinschädUng 

Märt; 10. Weinschärlingbär Nie; 11. Zitzerl Hof.; 12. ZizdlY^ 

13. Zizerl (Erlafthal) K.; 14. Zizerlbeer Beck, (St Nikola) Top. 
1, 3 — 10 die sauren Beeren werden mitunter dem Weine zugesetzt oder 
zur Bereitung des Essigs verwendet. 2 durch Buchstabenversetzung aus 
berberis entstanden; dieses vom arab. berbäris. 11 — 14 die längsovale, mit 
Griffelrest versehene Beere wird mit der weiblichen Brust verglichen, s. z. 
Lycium barbarum No. 462. — Baisseibeere (8alzb., Oberösterr.), Weinsc h ärling, 
Zitzerl Höf. ; Baselbeer Kämt.; baiselber Tir.; Erbselen (Schweiz, Gesner), 
Erbsidel, Erbsip (Baiern, mhd.), Weinschärlein (Baiern) Pr. u. Jess. 

LXV. Papaveraceae. Mohnartige. 

625. Papaver Rhoeas L. Klatschrose. 

1. Droad-Magn Kempf; 2. Droad-Mägn E.; 3. Fddmagn 
Kempf; 4. Feldmägn K.; 5. Klaschros'n Kempf; 6. Klätschros'n 
K.; 7. Mägnros'n Br.; 8. Pfafnros'n Priest; 9. Pfäßaros'n; 
10. Pfaffataschl Hof.; 11. vrülda Mägn K. 

1, 2 — 4, 11 im Unterschiede vom folgend. 3, 6 die Blumenblätter 
werden von spielenden Kindern zur Erzeugung eines lauten Schalles benützt. 
5 — 7 die rote Blumenfarbe erinnert an die Kutte des Geistlichen. 

626. Papaver somniferum L. Gartenmohn. 

1. Magen Nie; 2. Magn KB., Kempf; 3. Mäcfn Cast; 
4. Mägn K.; 5. Mogn Hof. 

627. Var. nigrum DC. 

6. Sehenda Mätfn. 

628. Var. album DC. 

7. Blinda Mä(fn; 8. Mäcfnalbl — Gefäss zum Zerstossen 
des Mohnes; 9. Mäcfnbaigl — mit Mohn gefülltes Gebäck 
Cast.; 10. Zweierthee (Wien) — Thee aus unreifen Mohn- 
kapseln. 

1 — 9 Mohn, ahd. mägo, mhd. mäge, mägen, mähen, urverwandt dem griech. 
fj.Y]xiov und böhm. mak Gr. VI. 1460. Indes mit deutlicher Anlehnung an 
das Eingeweide, den Magen, der, wie die Kapsel den Samen, so die Speisen 
birgt. Bei Schmeller bedeutet Magele, Magell einen Becher Perg. Stud. 
6, 7. Merkwürdig ist, wie treffend das Volk die beiden Varietäten unter- 
scheidet: bei Papaver nigrum öffnet sich die Kapsel durch die im Kreise 



341 

befindlichen Porendeckel, bei Papaver album bleibt dieselbe geschlossen. 
10 ehedem als Schlaftrunk für Kinder volkstümlich, durch Statthaltereierlass 
vom 13. Juni 1886 verboten. — Als papaver in Karls Capitulare. Stammt ans 
dem Orient, wo der eingetrocknete Milchsaft als Opium gesammelt wird. — 
Magn Salzb.; m&gen Tir.; Magen (mhd., Cordus), Magn (Zillerthal) Pr. n. Jess. 

629. Chelidonium maius L. Schöllkraut 

o s 

1. Affllcraud K.; 2. Afikraut Becker; 3. Blutkraut Beck; 
4. & schvrulsthraut Wied., (Klosterneuburg) Hof.; 5. Gilbkraud; 
6. Gottesgabe Becker; 7 '. Liachthraud ; 8. Schalkraut (St Nikola) 
Top.; 9. Schölkraud K.; 10. Schöllkraut E.; 11. Warzenkraut 
Hof.; 12. Warz'nkraud Br.; 13. Warzenkraut Wied. litt.. 

o 

1, 2 Mittel wider das Gesichts-Erysipel (den >Affl«) s. z. Rumex crispus 
No. 238, Ajuga reptans No. 432. 3 wegen des rotgelben Milchsaftes, den alle Teile 
der Pflanze strotzend enthalten. Schultz-Schultzenstein erregte vor Jahren mit 
seiner preisgekrönten (!) Abhandlung über den Blutkreislauf im Schöllkraut 
grosses Aufsehen. 4, ö, 11 — 13 gegen Geschwülste, zum »Gilben« (s. z. 
Helleborus viridis No. 610, niger No. 612, Bryonia alba No. 271, dioica 
No. 272) und gegen Hautwarzen in Verwendung; das vielgeeignete Kraut ist 
förmliche »Gottesgabe« (6 s. z. Gratiola officinalis No. 472). 7 Augenmittel. 
Nach Plinius macht die Schwalbe ihre Jungen mit dem Safte des Schöll- 
krautes sehend, daher Chelidonium (Schwalbenkraut). 8 — 10 von lat. cheli- 
donium, 8 mit deutlicher Anlehnung an Schale (wegen der Kapselwände?) — 
Afikraut Kärnt. ; Schalerlkraut, Geschwulstkraut Ooest. ; Augenkraut (Hotton.), 
Blutkraut (Schles.), Gilbkraut (Friese), Lichtkraut (Toxites), scelworz (mhd.) 
Pr. u. Jess. 

LXVI. Fumariaceae. Erdrauchartige. 

630. Corydalis cava Schweigg. Hohlwurz. 

1. Btbahendl (Brück a. d. L.); 2. Hohlwurz'l (Prein) Roghf.; 
3. Holwurz K. 

1 = Pipi-Händel, Deminutiv um für Huhn, die zygomorphe Blüte er- 
innert an den Kopf eines Hahnes. 2, 3 der grosse Knollen ist hohl. — 
Höhnele Kärnt.; Hahnableaml, Giggerabahna Salzb.; Hahnenspor, Hahnen- 
sporn (Tabern., Cordus), Giggerihahner (Tirol), Hohl würze (Schweiz), Hohl- 
wurz (Hort. San., Brunschw., Bock, Cordus) Pr. u. Jess. 

631. Fumaria officinalis L. 

1. Aposdkraud (Wolkersdorf); 2. fälsche Weinruf n (Kritzen- 
dorf). 

1 in den an einer Flanke senkrecht übereinanderstehenden Blüten er- 
kennt (auch der Zahl nach) unser Volk eine Hindeutung auf die zwölf 
Apostel. 2 mit Setaria und Amaranthus häufigstes Unkraut des Weingebirges. 
— Wildes Weinkraut Kärnt. 



342 

632. Dicentra spectabilis DC. Jungfernherz. 

HerzerVn (Kritzendorf); Herzerln (Altstadt) Top. 

Die purpurne, doppeltgespornte Blüte hat ganz die Form des Herzens, 
wie es — der Anatomie zum Hohne — Spielkarten und Heiligenbilder zur 
Darstellung bringen. — Zierpflanze aus Nordchina. In den Bauerngärten 
eingebürgert. — Herzblumen Kämt. 

LXVII. Capparideae. Kaperngewächse. 

633. Capparis spinosa L. Kapernstrauch. 

1. Capri Nie; 2. Gabri Casi; 3. Gopan. 

1 — 3 vom lat capparis, ital. cappari. — Pflanze der Mediterranflora. 
Schon im südlichen Tirol an Mauern sub divo fortkommend. Liefert die 
»Kappern« des Handels, die oft genug mit Blumenknospen von Caltha 
palustris No. 607 gefälscht und mit Kupfersulfat grün gefärbt werden. 

LXVIII. Cruciferae. Kreuzblütler. 

634. Cochlearia officinalis L. Löffelkraut. 

1. L'öflkraud K.; 2. Lungenkresse Beck; 3. Lungfikress K.; 
4. QueUenkräufl (Lilienfeld) Wttst. 

1 wegen des ley erförmigen, endwärts mit grossem Lappen versehenen 
Blattes. 2, 3 Heilmittel. 4 wächst an quelligen Orten. — Löffelkraut 
(Gesner) Pr. u. Jess. 

635. Iberis umbellata L. 

Mair esain (Wien). 

636. Lepidium sativum L. Gartenkresse. 

Gärtnkres K. 

Betreifend Kresse 8. z. Nasturtium ofticinale No. 640. 

637. Lepidium Draba L. 

o 

1. Aldi Monahäud; 2. äldi Weibahänd (Wolkersdorf ) ; 3. alte 

Mona K.; 4. Krodnwurzn Br.; 5. Meier K.; 6. MoiWn; 7. Poilin 

Roghf. 

1 — 3 spottweise. 4 wegen des gemeinen Vorkommens, vielleicht auch, 
weil sich die Kröten gerne unter dem Laube bergen. 5 mit Meier be- 
zeichneten Tragus und Matthioli gesellschaftlich vorkommende Ruderal- 
pflanzen, so Chenopodium- und Amaranthus-Arten. Meier bezeichnete ur- 
sprünglich den hörigen Anrainer einer Herrschaft; man erinnere sich an den 
>maier« im »Armen Heinriche. 6, 7 wegen des gemeinen Vorkommens und 
des staubigen Aussehens s. z. Atriplex No. 234. 

638. Capsella Bursa pastoris L. Hirtentäschel. 

1. Herzelkran t Hof.; 2. Herzerl; 3. Herzl Wth.; 4. Himmd- 
imttterbrot (Brück a. d. L.); 5. Kruserl Hof; 0. Muttergoües- 



843 

brot (Brück a. d. L.); 7. Taschlkraud K.; 8. Taschtkrauda 
(Röschitz) Frf. 

1 — 4, 6 — 8 sämmtlich wegen der herz- oder brotlaibförmigen Schötchen. 
5? — Taschelkraut Ooest; Daschelkraut (Cordus); Taschelkraut (Brunschw., 
Bock, Cordus) Pr. u. Jess. 

639. Armoracia rusticana Fl. Wett. Kren. 

1. Qren Cast.; 2. Krehn Schm.; 3. Kren E„ Seidl; 4. Kren K. 

Redensarten: 

5. Krensaud — herb, ätzend Seidl; 6. ecf gibt si an Qren 

— ist tiberstolz; 7. du bist just recht zu'n Grenraib'n — zu 
gar nichts nütze; 8. a Mandl mit Qren — fähiger, schick- 
samer Mensch Cast; 9. oan'm dn'n Kren untd d 9 Nas'n reib f n 

— so betrügen, dass ihm Thränen kommen, Seidl. 

1 — 4 allgemein wird angenommen, dass das Wort Kren slavischen Ur- 
sprunges sei Ung. Streifz., Gr. V. 2167. Perg. Stud. betont dagegen, 
dass schon der Codex Vindobonensis (XII. Jahrhundert) chrene aufweist und 
führt den Namen auf altfriesisch hrene — Geruch zurück, 5 — 8 herbätzend 
wie der Kren ist der Volkswitz. — krön, krean Tir.; Grän (Ostdeutschland), 
Green (Augsburg), Kren, Krien (österr., Böhmen, Schles. Baiern, Schwaben). 

640. Nasturtium officinale R. Br. Brunnenkresse. 

Brunnkress K.; Kres Tsch.; süsse Kresse. 

Kresse, engl, cress, ahd. chresso, eines der wenigen Nutzkräuter, die 
von den Römern zu uns kamen, ohne lateinischen Namen zu tragen. Wei- 
gands Ableitung von kresen = kriechen scheint äusserlich sehr ansprechend 
Gr. V. 2171. 

641. Lunaria biennis L. 

1. SilbabladU (Kritzendorf); 2. Zvoansl gabuscli n Hof. 

Die bis 4 cm langen, 3 cm breiten » Schötchen c sind flach und schimmern 
wegen ihrer glatten Oberfläche an der Sonne wie Münzen (2). — Judas- 
silberling (Magdeburg), Silberblätter, -blatt (Schweiz, Thüringen) Pr. u. Jess. 

642. Alyssum montanum L. 

Gälbi Stanfeigeln Br. 

643. Alyssum incanum L. 

1. Kuaf aisin (Münchendorf) Wth.; 2. Stangelgräs (Wutees)- 

hofen). 

1 erregt bei Kühen Blähungen. 2 wegen der vielen steifen Sprossen. 

644. Matthiola incana R. Br. Winter-Levkoye. 

1. Lamberta (Wolkersdorf) ; 2. Lamberti -Veilchen, 3. Levkoje 

Kissl. 

1 — 3 s. z. folgend. — Sommerfeigel Kärnt. 



344 

645. Cheiranthus Cheiri L. Goldlack. 

1. Faigl Cast; 2. gälba Veigl K.; 3. Lamperta Hof.; 4. Läm- 

berta K. 

1, 2 8. z. Viola sp. No. 6. 3, 4 weil die Blume nach Niederösterreich aus der 
Lombardei kam, s. z. Corylus tubulosa No. 207. — Zierpflanze ans Südeuropa. — 
Pfingstveigln (Hallstadt), gelb Feyel (Hort. San.), Lamberter (Siebenbürgen), 
geel Veiel (Fuchs), gelbe Veigel (Augsburg, Brixen) Pr. u. Jeas. 

646. Cardamine amara L. 

1. bittere Kresse; 2. BrunJcres K.; 3. Brunnkress E.; 4. falsche 
Brunnkress. 

1 — 4 8. z. Nasturtium officinale No. 640. — Brunnenkresse (Pommern) 
Pr. u. Jess. 

647* Dentaria enneaphyllos E. 

Weissd Sdnigel E.; toeissa Sennitfl Wied. litt 
Heilkrant wie Sanicula europaea No. 542, Saxifraga rotundifolia No. 573 
Hepatica triloba No. 597. — Sanikl, Scharnaglwnrz Salzb.; weisser Schar- 
niggl Kämt.; weisser Sanigl (Hallstadt) St.; scharnigkl, sanikl Tir.; 
Bergsanikel (Schweiz) Pr. u. Jess. 

648. Dentaria bulbifera L. 

Grimwurtz Clus.; Chrimwurzl Cast 

Clus. 449 berichtet, dass der Wurzelstock in Wien als Mittel wider 
Bauchgrimmen der Kinder verkauft wurde. 

649. Erysimum Cheiranthus Pers. 

Wüd gelbe veyl Clus. 

Im Unterschiede zu Cheiranthus Cheiri No. 645. — Steinveigl 8alzb.; 
Felsenveigl Kämt 

650. Brassica nigra Koch. Schwarzer Senf. 

1. Sempft Hof.; 2. Schwärzet Senef; 3. Senef KB.; 4. Senif 
Hof.; 5. Senef K.; 6. Senft Tsch. 

1 — 5 Senf, ahd. sinaf, senaf, mhd. s8nef, vom lat. sinapis, griech. 
oivam. Bauh. leitet letzteres von oiveod-at = verletzen und orc^, oicoc das 
Auge her, wegen der Schärfe des Saftes. — Als sinape in Karls Capitolare. 
Giebt das bittere oder schwarze Senfmehl, s. z. Sinapis alba No. 656. — senef, 
senif, senft Tir. 

651. Brassica Rapa L. Rübenkohl. 

Var. a. esculenta DC. 

1. Aclcerruab'n; 2. Halmruab 7 n E.; 3. Hälmruabn Cast, K., 
Wied. litt.; 4. Halmruibm y 5. Weinatruibm (V. U. M. B.) Frf.; 
6. Weingärtruabn K.; 7. weisse Buab'n Wied. litt; 8. weisse 
Buabn K.; 9. Bettsoacha (Wolkersdorf) — Bettnässer, die zu- 
geschnittene Rübe. 



345 

Var. ß. oleifera DC. Rübsen. 

11. Kölpd-Kern E. 
? 

1 — 8 betreffs Rübe s. z. Brassica sp. No. 654. 9 obscön; das Fleisch der 
Rübe wird bis auf einen in der Mitte stehenden Zapfen abgeschabt, dieser 
heisst B., weil, wer ihn isst, nachts das Bett nässt 11 gleichlautend für 
Sinapis arvensis No. 655. 

652. Brassica Napus L. Reps-Kohl. 

Var. a esculenta DG. Krautrübe. 

1. Oraudruabn Ost; 2. Kraudruabn K., Wied. litt; 3. Kraud- 
ruibm (V. U. M. B.) Frf.; 4. Kraubruab'n E.; 5. Krautrübe (Wien) 
Höf.; 6. Schdökruab'n; 7. Schea r ruab'n Cast; 8. Scherrübd Nie; 
9. Stekruabn K. 

Steckelrüben (mhd.), Steckrübe (Norddeutschland, Brunf., Fuchs), Scher- 
rübe (österr.) Pr. u. Jess. 

Var. ß pabularia. Schnittkohl. 

1. Kdchbrockerin; 2. Pflanzen Tar.; 3. Pflanzerin (Wien). 
1 Kelchbrockerln im Unterschiede zu den eigentlichen Brockerln (Brassica 
oleracea L. Botrytis 2 asparagoides No. 653.) 

653. Brassica oleracea L. Kohl. 

Var. ol acephala DC. Winterkohl. 

Blauer Kohl, Krauskohl K. 

Blauköhl (Heidelberg), krauser Kohl (Tübingen) Pr. u. Jess. 

Var. ß gemmifera DC. Rosenkohl 

Sprosserl. 

Sprossenkohl Pr. u. Jess. 

Var. t bullata DC. Wälschkohl. 

1. Kälch E., K.; Wied. litt; 2. Kelch Cast., Becker, Sonnl., 
Hof.; 3. Kdchhretzel — Herz am Kohl Nie. 

1 — 3 stimmt zu der umgelauteten Form koel, köl (mhd.) von mhd. kdl, 
beide vom lat. colis, caulis, griech. xaoXo«; = Stengel, Kohlstengel. Wort 
und Sache sind uns von den Römern überkommen Hof. 50. — Kel Kämt; 
Chöhl (St. Gallen), Kehl (Tir., Salzb.) Pr. u. Jess. 

Var. 8 capitata DC. Kopfkohl, Kraut 

1. Gaaicas Hof.; 2. Kraud Becker; 3. Kraut Schm., E; 
4. 8au 9 8 Kraut K.; 5. Qäbassäm (Pulkau, Neunkirchen) Frf.; 
6. 0äwa88am Cast; 7. Krauihappd — Krautkopf; 8. Qraud- 
8chdaudn — scherzhaft für eine gedrungene, kleingewachsene 
Person Cast. 

1, 5, 6 mhd. kabez, ahd. chapuz, leitet auf lat. caput zurück. Mit 
römischer Gartenkunst kam die Pflanze nach Deutschland, s. z. vorig. Auch 
slav. kapusta, ung. kaposzta, franz. chou-cabus leiten sich von caput her. 



346 

Gabessam Höf.; Kabas, Kobas Kämt.; Kraut Salzb. ; Kibes Tir.; Gabass- 
krnt (mittnd.), Kabbus (Emsgebiet), Kraut (Süddeutschland) Pr. u. Jess. 

Var. e Caulo-Rapa DC. Kohlrübe. 

1. KaUarabi Nie.; 2. Kdldrdbi E.; 3. Käiarawi; 4. Kehlarawi 
Cast; 5. Kehlerabi Sonnl.; 6. Kälarabi Wied. litt; 7. Kolarabi 
Hof.; 8. Kolrabi K. 

1 — 8 Kohlrabi ist merkwürdig als halb deutsches, halb italienisches 
Wort. Ital. cavolo-rapa, frz. chou-rave, d. i. rübenartiger Kohl. Der erste 
Teil folgt dabei der einheimischen Form von Kohl, nach Kohl heisst m 
österr. Kehlarawi Gr. V. 1696. — Die ravacaulos in Karls Capitulare stellt 
KB. zu dieser Pflanze. — Kolrabi Kärnt.; kölräbi Tir.; Kohlrabe (Zwei- 
brücken), Kohlrübe (Thüringen, Sachsen) Pr. u. Jess. 

Var. C Botrytis. 1 cauliflora DC. Blumenkohl 
1. Garfid (Wien, Nied.-Österr.) Höf.; 2. Cauli Nie; 3. Kafiol 
E., K., Wied. litt; 4. Karfiol Nie, (Wien); 5. Kaidi Nie, Cast 

1, 3 — 5 vom ital. cavolo-fiore. 2, 5 zusammengezogene Form. — Kar- 
difial (Schweiz), Kardiyiolen (Siebenbürgen), Karfiol (Österr., Steierm.), 
Kartafiol (Schweiz) Pr. u. Jess. 

Var. 7] Botrytis. 2 asparagoides DC. 

1. Brockerl Nie; 2. Brohal K.; 3. Brokdl E.; 4. Broka'ln 

Cast.; 5. Römische Brokoli. 

1 — 5 vom ital. broecoli. ö zum Unterschiede von den Kelchbrockerln, 
8. z. Brassica Napus L. var. ß. No. 652. — Brockoii Pr. u. Jess. 

654. Brassica sp. Kohl. 

1. Gfätterrubl Nie; 2. Ruabn Hof.; 3. rüben, 4. rübnSchxiL] 
5. a Ruber 8 kraut — klein gehackte säuerliche Rüben Nie; 6. Oblüln 
( Wiener wald) — weichgesottene Rübe Tsch.; 7. Oblizn Cast 

1 t soll von dem Orte Fatta bei Regensburg kommen« Nie. 2 — 5 Rübe, 
ahd. ruobä, ruoppa, mhd. ruobe, ruebe von lat. rapa, griech. paicoc* 6, 7 
wendisch obliza. — Unzen, obletzen gekochte Rüben Tir. 

()55. Sinapis arvensis L. Ackersenf, Hederich. 

1. DiTln Wied. litt; 2. DüWn (Wolkersdorf); 3. Kölpdr 
Kern E. 

1, 2 kaum mit Dill für Anethum graveolens No. 660 einerlei Wurzel. Höf. I. 
154 leitet das Wort von tilgen (bei Otfried dilon = delere, zerstören) her und 
erwähnt, dass es den Namen für mehrere Unkräuter aus der Familie der 
Cruciferen abgebe. 3? gleichlautend für Brassica Rapa var. ß. No. 651. — Diln 
(Oberösterr.) Höf.; Dillen Salzb.; Dile (Österr.), Dillen (Memmingen, Kämt., 
Pinzgau) Pr. u. Jess. 

656. Sinapis alba L. Weisser Senf. • 

WeÜ8a Senf. 

Zum Unterschiede von dem eigentlichen oder schwarzen Senf (Brassica 
nigra s. d.) 



347 

657* Raphanus Raphanistrum L. Hederich. 

1. Dilln (Wald viertel) K., Wied. litt; 2. Drill Top.; 3. Düln Cast 

1 — 3 8. z. Sinapis arvensis No. 655. 

658. Raphanus sativus L. Rettich. 

Var. ol vulgaris. Schwarzer Rettich. 

1. Radi KB.; 2. Raihi Nie; 3. Schtcärza Radi K. 

Var. ß. Radicula. Radieschen. 

4. Radi E. K.; 5. Monatrettig. 

Var. y« hybridus. 

6. Bastar-Radi Cast. 
Redensarten: 

7. Schbrächmasta — scherzhaft für Rettich, weil derselbe 
zum Räuspern anregt Cast; 8. einen Radi kriegen — einen 
Verweis erhalten Hof.; 9. Radibua — junger Lecker Cast 

1 — 5, 8 — 9 Rettich, ahd. ratih, ratich vom lat. radix, die »Wurzele par 
excellence. 7 in Norddeutschland, so um Danzig, werden den Kindern vor 
dem ersten Schulgange Rettigschnitte gereicht, damit sie eher des ABC 
Meister werden. — Rattig Kämt.; ratich Tir. ; Raddik (Ostfriesland), Retich 
(Hildegard, Bock), Rettich (Hort, Sanit) Pr. u. Jess. 

659. Rapistrum perenne L. Rapsdotter. 

1. Gaugla; 2. RolFn Br. 

1, 2 das zusammengetrocknete Stengelgerüst wird im Herbste ▼om 
Winde, als »Säemaschine« einfachster Art, über den Boden hingetrieben 
Die Namen (l=gaukler) beweisen die treffliche Beobachtungsgabe des Volkes. 
— Windsbock (Brandenburg) Pr. u. Jess. 

LXIX. Resedaceae. Resedaartige. 

660. Reseda odorata L. Reseda. 

1. Resetd (Mistelbach) Hof.; 2. ResettUn; 3. RosettCn. 

1—3 vom lat. reseda, einem alten imperativischen Kräuternamen (s. z. 
Polytrichum sp. No. 46, Senecio abrotanifolius No. 334) mit der Bedeutung: 
> stille, lindere!« Plinius erzählt, dass das Kraut zum Ländern gewisser 
Schmerzen benutzt wurde. 

LXX. Cistineae. Cistusartige. 

661. Helianthemum oelandicum Wahlb. 

7. canescens. 

Heyl aller weit kraut Clus. 

LXXI. Droseraceae. Sonnenthauartige. 

662. Drosera rotundifolia L. Sonnenthau. 

1. Foast* Handln (Gratzen), 2. Perlknöpf, 3. Rossoli Top. 



348 



1 fette Männchen, ebenso 2 wegen der Drüsenhaare. 3 vom lat. ros 
solis = Sonnenthaa. 



LXXII. Violaceae. Veilchenartige. 

663. Viola odorata L. März- Veilchen. 

1. Bläht Veigl; 2. Feigal Hof.; 3. Feigd Nie.; 4. Marziveigl; 

5. März'nveigdl E.; 6. Märznveigal Wied. litt; 7. Veigerl K., 

Seidl; 8. Veicherl Seidl (Wien); 9. Summerveigl. 

1 — 8 betreffs des Grandwortes s. z. Viola sp. No. 666. — Diese Art, nebst 
verwandten, steht als duftiger Bote des Frühlings beim Volke in Ansehen. 
Im festlichen Zuge trugen die Germanen das erste Veilchen umher. — 
Blau Veilgen (Schles.), Märzveigel (Schwab., Schi es.), Merzenveil (Fuchs), 
Merzenviolen (Bock), Veigerl (Kämt) Pr. u. Jess. 

664. Viola biflora L. 

1. Gelba Almveigl (Hochalpe) Roghf.; 2. gelbes Stiafmirtal 
Eempf; 3. MücJJcraut (Dürrenstein) E. 

2 s. z. folgend. 3 gilt wol als milch vermehrendes Kraut. — Almveigel Kirnt. 

665. Viola tricolor L. 1 ) Stiefmütterchen. 

1. DraifäMkaidbleamL Cast; 2. Dreifakigkeitshraud K.; 
3. Feldfeigerl (Kritzendorf); 4. Stiafmirtal K., Kempf; 5. Stiaf- 
mirzl (Wr.-Neustadt) Hof.; 6. Tag- und NächtveigcU E.; 7. Tag- 
und Naehtfeigferfl (Wr.-Neustadt) Hof.; 8. Theeveigerl (Kodet- 
schlag) Top. 

Die Blume der eultivierten Sorten ist mit zwei (violett-gelb, gelb-weiss) 
oder drei (violett, gelb und gelblich weiss), von einander sich wirkungsvoll 
abhebenden Farben geschmückt; daher 6, 7, beziehungsweise 1, 2. 4, 5 = 
Stiefmütterchen; vom Volke in dem Sinne gedeutet, dass das prachtige ge- 
spornte Blumenblatt die Stiefmutter bezeichne, die zwei folgenden gleich- 
falls buntgezeichneten die echten und die unscheinbarer gefärbten obersten 
Blätter die Stiefkinder andeuten. Im Polnischen findet sich eine etwas 
andere Version zur Erklärung der Blume und ihres Symbols, die umsomehr 
Beachtung verdient, als sie auch auf die Stellung der Kelchblätter Rücksicht 
nimmt und an poetischer Sinnigkeit der deutschen kaum nachsteht. Das 
unterste und auffallendste Blütenblatt ist auf jeder Seite von einem Kelch- 
blatte gestützt: die Stiefmutter sitzt in einem Lehnstuhle. Die zwei folgen- 
den noch farbig geschmückten Blumenblätter werden von je einem Kelch- 
blatte gestreift: von den echten Kindern bekommt jedes seinen eigenen 
Sessel. Den zwei obersten und am schlichtesten gezeichneten Kronblättern 
entspricht nur ein Kelchzipfel, der in die Mitte zwischen beiden zu liegen 
kommt : die armen Stiefkinder müssen sich beide mit einem Sessel begnügen* 
Wagner (In die Natur, S. 3) bringt eine Erweiterung dieser Deutung. Das 



') Die Gartenstiefmütterchen (Pensees) sind teils Varietäten von Viola tri- 
color und lutea, teils Bastarde von beiden. 



349 

prächtig gefärbte Blumenblatt, d. i. die Stiefmutter, wird zur Strafe nach 
abwärts gebracht, die bescheidenen Stiefkinder (oberen Kronblätter) kommen 
nach aufwärts. 8 die wilden Stiefmütterchen dienen zu einem blutreinigen- 
den Thee, dem Dreifaltigkeitsthee. — Stiefmtttterl, Tag- und Nachtveigl 
Salzb.; Dreifaltigkeit (Bock), Dreifaltigkeitsblume (Brunschw.), Stiefmütterl 
(Kämt, Tirol), Tag- und Nachtblume (Ulm) Pr. u. Jess. 

666. Viola 8p. Veilchen. 

1. Feigerl; 2. Hundsveigerl K. 

1 Veilchen, Deminutivum zu veil. Im Volkslied veigelein, hiezu die 
eigentümlich gebildete bairisch-österreichische Form veigel Gr. XII. 43. 
Veil wiederum von lat. viola, welches Wort Bauh. mit vitula, kleine Kuh, 
Kühchen in Verbindung bringt; Mutter Erde Hess nach griechischem Mythos 
für die in eine Kuh verwandelte Io diese Blumen hervorspriessen. Schön- 
blütige Gewächse, so Hepatica triloba No. 597, Cheiranthus Cheiri No. 646 
etc. werden vom Volke als Veigerl angesprochen. 2 so heissen collectiv die 
Veilchen ohne Duft: Viola canina, silvestris etc. — veig'l, veilele Tir. ; Hunds- 
veilchen (Schles.) 

LXXIII. Portulaceae. Portulakartige. 

667. Portulaca oleracea L. Portulak. 

Burzdkraut Nie. 

Corrumpiert aus portulaca. — Auf Sandboden stellenweise wild, häufig 
eultiviert. — Burtzel, burtzelen (mhd.), Burzelkraut (Herb. Mag., Brunf., 
Bock) Pr. u. Jess. 

LXXIV. Paronychiaceae. Paronychiaartige. 

668- Spergula arvensis L. Spark. 
Leining (Mühlviertel) K. 

Häufiges Unkraut in den Leinfeldern. 

LXXIVa. Phytolaceaceae. 

669. Phytolacea decandra L. 

o 

1. Alfcea r mas Cast; 2. Alhennas K.; 3. Erkermus (Leopolds- 
dorf) 4. Meücermus, (Mistelbach), 5. Neilcermus (Hof a. Leithag.) 
Hof. 

1, 2 nach Keimes = Scharlachschildlaus, wegen des roten Beerensaftes. 
Vom Volke unverstanden und verderbt: 3 — ö. In Nordamerika wild. Bei 
uns als Färbemittel für Zuckerbäcker angepflanzt und durch Vögel ausgesät. 
— Kermesbeere, Scharlachbeere Pr. und Jess. 

LXXV. Alsineae. Mierenartige. 

670. Stellaria media Vill. Vogelmiere, Htihnerdarm. 

1. Heanadarm K., Wied. litt, Kempf; 2. Heanäddrm Seidl; 
3. Höandddrm E.; 4. Huhnadarm (Hacking); 5. Hüner darm Nie. 



350 

1 — 5 8. z. Anagallis arvensis No. 510. — Das frische Kraut gibt ein 
beliebtes Futter für Stubenvögel ab. — Hühnerdarm Salzb.; Hüanerdarm 
(Fuchs) Pr. u. Jess. 

LXXVI. Sileneae. Leimkrautartige. 

671. Dianthus Carthusianorum L. Wilde Karthäusernelke. 

Stein neglin Clus.; Stoannagl K., E., Wied. litt 
Betreffs des Grundwortes s. z. Dianthus Caryophyllus No. 674. — stein- 
nagele Tir. 

672. Dianthus deltoides L. 

< 

RodnrNdgl (Weitra, Gratzen) Top. 

Rain-Nelke, s. z. Dianthus Caryophyllus No. 674. 

673. Dianthus alpinus L. 

Kuhdr . . . nagerl Beck litt 

Grundwort s. z. folgend. Wächst gerne an Stellen, wo Kuhmist liegt. 

674. Dianthus Caryophyllus L. Garten-Nelke. 

1. Nagl Hof.; 2. Nagl Seidl; 3. Negdein KB. 

1 — 3 mhd. nagelin, riegelt, Deminutivum zu ahd. nagal, die Blume wie 
das Gewürz (Caryophyllus aromaticus) nach der Gestalt bezeichnend 
Mundart Nogl mit höherem a, während der zum Einschlagen bestimmte 
Stachel Nägl ausgesprochen wird. Pr. u. Jess. meinen, dass der Name des 
Gewürzes, »des ähnlichen Duftes wegen, schon im frühen Mittelalter auf diese 
Gattung (Dianthus) übertragen« wurde; aber viel wahrscheinlicher ist, dass 
die heimischen Blumen für das fremdländische Product namenbestimmend 
wurden. — Aus Südeuropa. Häufig cultiviert. Stellenweise wild auf Mauern. — 
nagele Tir.; Nageln Salzb.; Nägeli (St. Gallen), Nägelin (Bock) Pr. u. Jess. 

675. Dianthus superbus L. Pracht-Nelke. 

Zoddet neglin Clus. 

Clus. 326 erläutert: >Iaciniatum, sive dissectum caryophylleum,« die zer- 
schlitzte, fein zerschnittene Nelke, und erwähnt, dass die schöne Blume von 
den Wiener Frauen geliebt werde. Das Adjectivum Zoddet ist, wenigstens 
hochdeutsch, ausser Gebrauch gekommen. Schm. nannte den feingegliederten 
Stephansturm noch: zottet Thurn. — Zottennagerl Kämt. 

676. Dianthus plumarius L. fl. pl. Feder-Nelke. 

Pfingstnagl K., Wied. litt. 

Nach der Blutezeit. Grundwort s. z. Dianthus Caryophyllus No. 674. 

677. Dianthus sp. Nelke. 

1. Berg neglin Clus.; 2. Nagl Tsch.; 3. Nagl K., Kempf; 

4. Neigl; 5. Wild neglin Clus. 

1 — 5 Grundwort s. z. Dianthus Caryophyllus No. 674. — Nägeli (Grau- 
bündten), Nägele (Schwaben, Franken) Pr. u. Jess. 

678. Saponaria officinalis L. Seifenkraut. 

Wäschwurzel, Seifenwurzel (Wien). 



351 

Saponinhaltiger, schäumender Wurzelstock zum Waschen von Tuch etc. 
benutzt. — Seifenkraut (Bock), Seifenwürze (Bern), Waschkraut (Schieß.) 
Pr. u. Jess. 

679. Silene acaulis L. 

1. Deuflspeitsch'n Kempf; 2. D euflspeitschn (Dürrenstein) K. 

3. Moosbleaml (ötscher) Wttst; 4. Teufelspeüschen Becker, 
Nordm.; 4. Teuflspeitsch'n E. 

1, 2, 4 gewiss mit mythischer Beziehung. Das Kraut ist auf dem 
Ötscher Bestandteil der taglichen »Maulgabe« für die Rinder; s. z. Asplenium 
Ruta muraria No. 65. — Miesnagl Salzb. 

680. Silene inflata Sm. 

1. Grearücraut E.; 2. Kleschal; 3. Kieschen (Reichenau) Beck; 

4. Klescherl K., Kempf; 5. Kleschn Kempf, K.; 6. Schnalzal 

Nordm.; 7. Schnalzal E.; 8. SchnälzgtocKl Wied. 

1 dem Wortsinne nach Grünkraut, doch mit welchem Bezüge? 2 — 8 die 
aufgetriebenen Kelche werden von spielenden Kindern an der oberen Apertur 
zusammengehalten und rasch gegen die Handfläche gestossen, wobei sie 
unter Schall zerreissen. S. z. Gentiana acaulis No. 387, Papaver Rhoeas 
No. 625, Colutea arborescens — Grünkraut, Klepfkraut, Klöpfkraut Kämt; 
Kläpfer (Württemberg), Klatschkraut (Pommern, Schwaben, Steiermark), 
Knallkraut (Salzb.), Schneller (Memmingen, Tirol) Pr. u. Jess. 

681. Heliosperma alpestre A. Br. 

1. Almlieb Beck, Kempf; 2. Abnliabl Nordm.; 3. Almliebdl E.; 

4. Almliaial Roghf. 

1 — 4 traulicher Name für das zartblumige Kraut. 

682. Melandrium silvestre Höhl. 

Na8enblüater (St. Georgen a. W.) Top. 
Wegen der hellpurpurnen Blume. 

683. Lychnis Viscaria L. Pechnelke. 

1. Bechnagl K., Wied. litt; 2. Bücnagl K.; 3. Fleischbluman 
(Wienerwald, Baden); 4. Picka-Hähn-Hähn Top. 

1, 2, 4 der Stengel ist — zur Abhaltung unberufener Gäste von den 
Blüten — an den oberen Knoten klebrig. 3 wegen der Blütenfarbe. — 
pechnägele Tir. ; Pechnagerl (Kärnt.), Pechnegelin (Schles.), Picknägel k 
(Mecklenburg) Pr. u. Jess. 

684. Lychnis Flos cuculi L. Kuckucksnelke. 

1. Fahril Kempf; 2. Fdhn'l E.; 3. Franzosen Top.; 4. Seiden- 

bleaml (St. Nikola) Top. 

Cocons der Schaumcicade an den Stengeln: 

4. Teuflsspterzerling. 

1, 2 wegen des flattrigen Blutenstandes. 3 von der Blütenfarbe. 4 Blüte 
seidenartig glänzend. 



352 

685. Lychnis chalcedonica L. Brennende Liebe. 

1. Brennende Liab Priest; 2. brinadi Liab Cast; 3.brinnadi 
Liab Tsch. Seh. 151. 

Die feuerrote Blume gilt dem Volke als Symbol liebesentflammter Herzen. 
— brinnende Liebe Höf.; brennende Liebe Kämt. — Zierpflanze ans dem 
Orient. Häufig in den Bauerngärtchen. 

686. Agrostemma Githago L. Ackerrade. 

1. Bedlmän (Gr.-Russbach); 2. Badn E., Kempf; 3. Bidn 
K., Wied. litt.; 4. Spitzbua Hof.; 5. Spitzbuam (Gr.-Ruasbach); 
6. Troadbleaml Frf.; 7. Troadnagl Hof.; 8. Troadsten (Pois- 
dorf) Frf. 

Samen: 

9. Bädn K., (Pulkau) Frf. 

1, 4, 5 Scherznamen für die überall und aufdringlich aus dem Getreide 
hervorlugende Blume. 2, 3, 9 von Rad, wegen der kreisrund umachnittenen, 
radförmigen Blumenkrone. 8 = Getreidestern. — Rottl 8alzb.; rät, raten 
Tir.; Radel (Pommern, Bremen), Radeln (Siebenbürgen) Pr. u. Jess. 

LXXVII. Malvaceae. Malvenartige. 

687. Althaea officinalis L. Eibisch. 

1. Eibisch E., K.; 2. Einfach K., Wied. litt 

Mhd. ibesch, ahd. ibisca, aus lat. . hibiscum , gr. ißi3X0£. — Viel- 
gebrauchte Heilpflanze. Auf salzhaltigem Boden, so in der Gegend des 
Neusiedlersees wild, daselbst für die Wiener Apotheken gesammelt. Ge- 
wöhnlich eultiviert. 

688. Althaea rosea Cav. Stockrose. 

1. Bäblrosn K., Wied. litt; 2. Pobarosn, 3. Pappel, 4. PoppeU 

rosn Hof. 

1 — 4 Pappelrose, weil die grossen Blätter an jene der Pappeln (s. z. 
Populus 8p. und Viburnum Lantana) und die prachtigen Blüten an Bösen 
erinnern. Doch bringen Pr. u. Jess. das Bestimmungswort mit ahd. babilla 
(schleimig wie Brei) in Verbindung. 

689. Malva sp. Malve, Käsepappel. 

1. Kaspapel Kempf; 2. Kasbabl K., Cast, Wied. litt; 
3. Kdsbäbl E.; 4. Kaspäpl K.; 5. Kaspäppl Br.; 6. Loawcd- 
hraut Hof. 

Früchte: 

7. Lodberl Top. 

1 — 4 das Bestimmungswort anlangend, s. z. vorig. Käsepappel wegen der 
runden, käseförmigen Gestalt der Frucht. 5 — 6 mit lavo = wasche, bade in 
Zusammenhang. Das zu Bädern bestimmte Kraut ; s. z. Larandula vera No. 385. 



353 

— Der Anfguss des Krautes zu erweichenden Umschlägen. — Ch&spappala 
(St. Gallen), Käsepappeln (Schles.), Käsle (Memmingen) Pr. u. Jess. 

690. Hibiscus Trionum L. 

Oottesaug E. 

Wegen der schönen Blume. 

LXXVIh. Buettneriaceae. 

691. Theobroma Cacao K. 

1. Gaugau Cast.; 2. Kaukau: 3. Schokolad (Wien). 

1 — 3 nach indianischen Namen. — In Südamerika wild und culti viert. 

LXXVIII. Tiliaceae. Lindenartige. 

692. Tilia ulmifolia Scop. Winterlinde. 

Winta-Undn K. 

Grundwort s. z. Tilia sp. No. 694. 

693. Tilia platyphyllos Scop. Sommerlinde. 

Siima-IAndn K. 
Grundwort s. z. folgend. 

694. Tilia sp. Linde. 

1. Lindtn; 2. lindn Schm.; 3. LtrUn Hof. 

Mhd. linte, linde; in engster Beziehung zu lind = Bast Gr. VI. 1022. 
In des 8 etymologisieren Pr. u. Jess. : Lin-ter, Lein bäum, von lin = Bast und 
ter = Baum. 8. z. Wachholder No. 69, Flieder No. 379, Hollunder No. 370. — 
Linden (15. Jahrb.), Lint (Tirol), linta (ahd.) Pr. u. Jess. 

LXXVIIIa. Ternstroemiäceae. 

695. Thea chinensis Sims. 

1. Thee Seidl; 2. Holländerthee. 

Redensarten : 

3. ä'n 'n Thee geben — Jemand etwas verweisen, 4. sein'n 
Thee dazu geben — einstimmen Seidl; 5. Weinberlihee — scherz- 
haft für Wein. 

1 so auch jeder andere Kräuteraufguss. Der Name wie das Product 
aus China. 

LXXIX. Hypericineae. Hartheuartige. 

€96. Hypericum perforatum L. Johanniskraut. 

1. Färbdkraut E.; 2. Johännsthee Wied. litt.; 3. Johäns- 

kraud K. 

1 zum Rotfärben. 2, 3 blüht um Johannis. Eines der Kräuter, welche 
ins Johannisfeuer geworfen wurden. — Der rote Saft des Krautes ist nach 
Blätter den Vereines für Landeskunde von Niederösterreich. 1889. 23 



354 

dem niederösterreichischen Volksglauben Christi Blut. — Sonnenwendkraut 
Kämt., Johannes wort (mittnd.), Johanniskraut (Thüringen, Memmingen, Eifel) 
Pr. u. Jess. 

LXXIXa. Aurantiaceae. Agrumenartige. 

697. Citrus Aurantium L. Orangenbaum. 

1. BamarandscJien Sonn].; 2. Oransck'n, 3. Pomeranschen 

(Wien). 

1, 3 aus neulat. pomum aurantium = Goldapfel. 2 zunächst aus dem 
franz. orange, dieses vom pers. narendj, skr. naranga, naga-ranga = Ele- 
phantenneigung Hof. 76. 

698. Citrus medica L. 

Var. ß Limonium. 

Lenioni Ca.st. 

Als Bestimmungswort, um etwas recht Schmackhaftes, Aromatisches zu 
bezeichnen ; daher Lenionibröz'n (ein Gebäck), Lemonigraidl (Artemisia 
Abrotanum No. 316), LemoniwUrstl Cast. — lemöni Tir. ; lemonien (mhd.) 
Pr. u. Jess. 

LXXX. Acerineae. Ahornartige. 

699. Acer campestre L. Feldahorn. Massholdcr. 

1. Fläder K. ; 2. Täuberlbam (Zistersdorf a. d. Mareh); 
3. Wa88eralben Märt.; 4. IVässerälber; 5. Wosserolm Hof.; 6. Wässer- 
dltn Wied. litt; 7. Wosseroltn Hof. 

Früchte: 

8. Fngl'sköpfl (Hörn). 

1 das Holz liefert Masern oder Flader für Tischler. 2, 8 trauliche 
Namen, in welehon die geflügelten Früchte mit Täubchen, dann mit Engels- 
köpfchen verglichen werden. 3 — 7 kommt wie Populus alba No. 196 am Wasser 
vor. — Wasserbauin (Oberösterr.), Wasseralben (Osten*., Schwaben), Wasser- 
almen (Österr.), Wassereiche (Baiern) Pr. u. Jess. 

700. Acer Pseudoplatanus L. Bergahorn, weisser Ahorn. 

1. Achdn E.; 2. Achhorn; 3. Ahorn K.; 4. Fläder K.; 
5. Fläderbam. 

1 — 3 ahd. ahorn, ahurn, eines der wenigen Wörter, welche ihre alte 
volle Form erhalten haben; entspricht dem lat. acer, dessen Adiectiv acernus 
der deutschen Wortgestalt am nächsten kommt Gr. I. 2 nachträglich an 
Hörn angelehnt, sei es wegen der hornförmigen Früchte, sei es wegen der 
feinrissigen Rinde. 4, 5 s. z. vorig. • — Berg-Ahorn Kämt.; achor, achorn 
(mhd.), ahorn (ahd., Hildegard, Luther, Gesner), Flader, Haderbaum (mhd.) 
Pr. u. Jess. 



355 
LXXXI. Hippocastaneae. Rosskastanienartige. 

701. Aesculus Hippocastanum L. Rosskastanie. 

1. Kestnbam Wied. litt; 2. Bosskastanie K.; 3. wilde Köstn 
Br.; 4. uriilda Kestnbam K. 
Samen : 
5. Kesln, 6. Kösin E., Wied. litt. 

1, 3 — 6 s. z. Castanea vesca No. 213. 2 weil sie, wie Matthioli sagt, »den 
keich enden Rossen behülflich« ist. — Heldreich machte bekannt, dass die 
Rosskastanie wild in Griechenland vorkommt. Im Jahre 1576 wurde sie 
über Constantinopel nach Wien gebracht. Die Freuden* der Herbst-Ernte 
gewährt den Stadtkindern Wiens nur dieser Baum. Die Samen werden 
eifrig zusammengeklaubt und an Schnüren aufgereiht. 



(Schlus8 folgt.) 



23* 



Mitteilungen. 



Urkunden und Regesten zur Geschichte von Medling. 

(Fortsetzung.) 

VIII. 

18/XII 1412. Lichnowsky, Uv. 2, CXXV, Nr. 1360. 
pag. 22. Wir Ernst und Fridreich gebruder von goto gcnaden herzogen se 
Osterreich, ze Steyr, ze Kernden und ze Krain, graven zu Tyrol etc. einbieten 
unsern lieben getrewen N. allen herrn, rittern und knechten und andern unsern 
dienern und undertanen, den der briff gezaigt wierdet, unser gnad und alles gut. 
Wir empfelchen ew ernstlich und wellen, dz ir in disen leuffen mit den erbern 
unsern getrewen N. dem richter, N. den bürgern und den leuthen gemainklich zu 
Mödling nichts habet in übel ze schaffen, noch sy weder an leib noch gut be- 
schweret in kain weyse, wan sy unss in disen leuffen gehorsamb sind. Geben zu 
der Neunstat an suntag vor Sannd Thomastag apostoli etc. duodecimo. 

IX. 

28/XI 1452. 
pag. 22 — 24. Wir Lasslaw von gots gnaden zu Hungarn, zu Behem, Dal- 
matien, Croatien khünig, herzog zu Osterreich und marggraff zu Märhern etc. 
embietten unserm getreweu Hannsen Stainpeckhen, richter zu Medling oder wer 
künfftigeleich wirdet, unser gnad und allen guet von der überstuck wegen, di aus* 
dem Weingarten getragen werden, das doch vorraallen offt verrucfft und verpotten 
ist worden aber dennoch nit gelassen wirdet und ainen gemainen schaden bringet, 
als wir vernomen, dardurch wir nach rat unnser ret, damit solichs hinfüro vermiten 
werde, ein Ratzung gemacht und getan haben also, dz nyemand überstück aus dem 
Weingarten in sein behausung oder herberg tragen oder fttrn soll bey tag oder nacht, 
er hab Weingarten oder nicht. Wen man aber daran begreiffet, es sey fraw oder 
man oder in weess gewalt solich überstück fanden werden, der sol für yeden Über- 
stück ze wnndl verfallen sein zu geben zwei ff phenning, die halb uns als lands- 
fÜrsten und der ander halb tail den herrn, der holden solich übertretter sein, ge- 
vallen solin. Welch aber des gelts nicht ze geben bieten, die soll man darumb 
an irn leiben straffen, on alle gnad. Ob aber solicher puss etlich nicht achten 
wolten und darüber begriffn und uberstück in ir gewalt funden wurden und gesessen 



357 

leut wem, die soll man darumb an leib und guet pessern. Wem es aber gletter 1 ) 
und ledig 1 leuth, die soll man durch die hennd prennen oder sunst schwerlich an 
irn leiben pessern on alle gnad, wo sie begriffen werden. N. empfelchen wir dir 
ernstlich, dz du vleissiglich aufsehest, damit es bey diser unserer Satzung beleih, 
welch es verachten und überfürn, von den solichen obgemelten val und wandl 
nemest und halben theil unss und den andern halben tail den herrn, der holden 
die sein, raichest, welich aber des gelts nicht zu geben bieten, die sullen darumb 
gestrafft und gepüsst werden als vorsteet. Wo dir dan dz zu swer wurde, die erbern 
weisen unser lieben getreuen N. den burgermaister, richter und rat hie dz an- 
bringest, wan wir den bevolchen und gewalt geben haben, dir darin handthabung 
ze tun, damit den Sachen dester pass müg nachgegangen werden in obgeschribner 
mass; dz mainen wir ernstlich. Geben zu Wienn an eritag nach Sand Kathreintag 
anno domini etc. LII d ° unser krönung, unsere reichs des Ilungerischen im drey- 
zehenden jare. 

X. 

1458. 

pag. 29 — 31. Friedreich von gotts gnaden Römischer kaiser . . . bestätiget 
den Bürgern von Medling ihre »frayhait, gnad, privilegia, brive auch ihr alts löb- 
lichs herkomen und guet gewonhaiten« . . . Geben zu der Neunstat an mittichen 
Sand Anthonientag 2 ) nach Christi geburd in vierzehenhundert und achtundfunff- 
zigisten, unsers reichs im achtzehenden und unseres Kaisertumbs im sechsten jare. 

XI. 

Chmel Reg. Nr. 6582. 25/VI 1472. 
pag. 16. Wir Friderich von gots gnaden Römischer kaiser zu allen zeiten 
mehrer des reichs, zu Hungara, Dalmatien, Croatien khünig, herzog zu Österreich, 
zu Steyer embietten unsern getrewen N. allen und yeglichn, so heuser in unserm 
marckht zu Medling und dem purckhfrid daselbs haben und darinn nicht persönd- 
lich sitzen, denen der briff gezaigt oder verkhundt wirdet unsser gnad und alles 
gut. Unss haben unser getrewen lieben N. der richter, rat und unser burger da- 
selbs zu Medling anbringen lassen, wie ir von den vorbemelten eurn heusera in 
steur und ansleg, so ye zu zeiten auf denselben unsern marckht Medling beschehen, 
mit in nicht mitzuleiden noch ichts darin zu geben mainet und doch ewrn genuess 
und handl daselbs habt, dess sy sich beschwert bedunckhen, empfelchen wir ew 
ernstlich und wellen, datz ir mit den bemeltn von Medling in solch stewr und 
ansleg von denn obberürtn ewrn heusern, als sich gebürt mitleidet und ew dess 
nicht sezet noch anders tut, das ist unser ernstliche mainung. Geben zu der Neu- 
stat an phintztag nach Sand Johannistag zu sunwenden anno domini etc. LXXH 
unsers khaysertumbs im ain und zwainzigisten jare. 

XII. 

19/111 1481. 

pag. 16 — 17. Wir Fridreich von gots gnaden Römischer kayser zu allen 

zeiten merer des reichs, zu Hungarn, Dalmatien, Croatien etc. khünig, herzog zu 



*) glet-HUtte, vgl. Leaer 1, Spalte 1083; also gletter wohl Häusler im Gegensatze zn den 
^gesessen leut«. Schroetter Romnnn 1, Sp. 978 auch die Form »glett.« 
') St. Antonientag 17/1 fallt im Jahre 1458 auf Diepstag. 



358 

Österreich, zu Steir etc. embieten unsern getreuen N. allen und geglichen unsern 
bürgern und andern, so hauscr in unserm marekht zu Medling haben und daselbs 
mit ir selb» per söhn nicht he \v 88 lieh sitzen noch wonen, den der briff gezaigt oder 
verkilndt wierdet, unser gnad und alles gut. Uns langt au, wie ir von dem be- 
ruhten ewrn hewsern in stewm, anschlagen und andern mit unsern burgern daselbs 
zu Medling nicht mitleyden wellet noch dieselben cwr heuser mit teuglichen lewten, 
die solch mitleidung davon teten, besezet, dar durch derselb unser marekcht in etwas 
zeither in merkhlich ahnemen khomen sey, dass unss nicht gevelt und empfelchen 
euch alln und ewr jeden bes under ernstlich, dz ir von den berürten eurn heusern 
mit unsern bürgern daselbs zu Medling in stewm, auslegen und andern mitleidet 
oder dieselbn euer hewser mit ordentlichen tewglichen lewtn, die solch mitleidung 
von ewrn wegen davon tun, besezet und darin nicht anders tut. Welch aber darin 
ungehorsamb erfunden wurden, haben wir bevolhen sich derselben heuser ze under- 
winden und die andern, so sich in solch mitleidiing verwilligen, inzugebn. Daas 
ist unser ernstliche mainung. Geben zu der Neustat an montag nach dem suntag 
Keminiscere in der vasten anno domini etc. LXXX1, unsers kaysertumbs im vier- 
undzwainzigisten jare. 

XIII. 

14/XII 1493. 

pag. 31 — HH. Maximilian von gotts gnaden Kömischer künig . . . bestättigt 

den Bürgern von Medling ihre Freiheiten, Gnaden, Privilegien . . . Besigelt mit 

unsern anhangunden insigel. Geben zu Wienn am sambstag nach Sand Lucientag 

nach Christi gepurd vierzehenhundert und im dreyundneunzigisten unserr reiche 

des Komischen im achten und des 1 [ungarischen im vierten jaren. 



Zeitbestimmung für das Bruchstück einer Königsurkunde 

Karls IV. 

In seiner Abhandlung »Zur Geschichte der Karthause Gamingc*) bemerkt 
Prof. Dr. Zeissberg, dass der Karthäusermönch von Gaming, Wilhelm Huber, ein ge- 
borener Landshuter, in seinem Priorenkatalog > nicht ohne kritisciie Begabung die Da- 
tierung der Urkunde für die Chronologie der Prioren von Gaming zu verwertheu 
sucht (ebenda S. 5(>9). 

Durch keine Thatsache kann diese Behauptung besser gerechtfertigt werden, 
als durch folgenden Umstand. 

Es ist bekannt und gleichfalls von Zeissberg nachgewiesen, dass Wilhelm 
Huber bis zu der Zeit, wo eine spätere Hand bemerkt, dass nunmehr die Original- 
urkunden Grundlage jener Keinen werden (>JIic ineipiunt cartae«, S. 680), eine 
gegenwärtig im Staatsarchive erliegende Handschrift, No. 55, benützt hat, und nur 
ein Versehen kann es sein, wenn Zeissberg den ersten, nicht den zweiten inhalt- 
lich fast gleichen Band als Hubers Grundlagen annimmt; denn nur zu 552» stimmen 
die von Huber jenen Keinen beigesetzten Belege. 

Da ixt es nun höchst merkwürdig, dass Huber eine Angabe seines Codex, 
die fUr Feststellung des z.weiten Prioratß Konrads von Heimburg im Gruude ge- 

*) An-liiv r,0, 56:» tV. 



359 

nommen doch höchst willkommen sein konnte, unberücksichtigt gelassen hat. Auf 
Bl. 44 der von ihm benutzten Handschrift 55 b oder was dasselbe 55 II, und auf 
Bl. 56 der Handschrift 55" oder 55 I (nach v. Böhm) wird in der 1357, April 10, 
ergangenen kaiserlichen Bestätigung des Gaminger Stiftsbriefes von 1352, Februar 2 
(Böhmer-Huber VIII, Reg. 2640) Konrad als Prior des Stiftes bezeichnet. Auf 
sein Anhalten, heisst es da, nimmt Karl IV. die Urkunde Herzog Albrecht« an 
(Quod ad nostre maiestatis accedens presenciam religiosus frater Chunradus prior 
monasterii Throni sancte Marie in Gemnik ordinis Carthusiensis Pataviensis diocesis 
devotus noster dilectus exhibuit nobis quasdam litteras illustris Alberti ducis etc.) 
Aus den sonstigen Quellen ist allerdings für diese Zeit noch Johann von Mähren 
(seit 1354) beglaubigt, u. z. zu 1357, Mai 12, so dass die beiden vom 10. April 
bis 12. Mai 1357 sich gegenseitig aussch Hessen, was sowol Huber aus der von 
ihm citierten Stelle ersehen konnte, als auch wir durch die Einsicht ins Original 
bekräftigt finden. 

Gegenüber dieser letzteren gut beglaubigten Überlieferung verhält es sich 
allerdings mit der anderen Angabe eigentümlich genug. Wol ist Codex 55 in 
seinen beiden Teilen mit Bezug auf die Gründung von Gaming grösstenteils sehr 
alt, 55* wahrscheinlich schon um die Mitte des XIV. Jahrhunderts entstanden, und 
können gerade die Aufzeichnungen, um die es uns sich handelt, fast gleichzeitig 
genannt werden; aber es tragen eben diese beiden Aufzeichnungen Widersprüche 
in sich, die auch einen weniger geschulten Geist zu kritischen Erwägungen an- 
spornen raussten. Beidemal stammt nämlich der erste durch das Transsumt vom 
zweiten getrennte Teil der Urkunde Karls IV. dem Wortlaute nach aus der könig- 
lichen, der letzte, d. h. der auf das Transsumt folgende aus der kaiserlichen Kanzlei, 
was sich in dem einen wie in dem anderen Falle ganz leicht aus der Titulatur 
erkennen lässt. 

Die Erklärung dieses diplomatischen Monstrums schöpfen wir aus drei 
Quellen. Einmal wird in dem zweiten Teile der transsumierenden Urkunde, nennen 
wir ihn der Kürze halber den kaiserlichen Teil oder FI (Formula imperialis), ganz 
ausdrücklich gesagt (cod. 55* fol. 58, cod. 55 b fol. 47'), dass Karl IV. die Her- 
zogsurkunde von 1352 schon als König transsumiert und bestätigt habe >sicut 
hec omnia dudum titulo Romano regio approbasse ratificasse innovasse contulisse 
donasse et confirmasse dinoscimur«. Zweitens giebt es wirklich ein ganzes kaiser- 
liches Transsumt der Urkunde von 1352, in dem sowol Eingang als Ausgang die 
Bezeichnung FI (formula imperialis) gebührt. Dieses kaiserliche Transsumt weiss 
aber in seinem ersten Teile nichts vom Prior Conrad zu erzählen, sondern nennt 
hier jenen Tobias von Behingen, den auch die beiden Handschriften in FI. als 
Fürsprecher vorführen, in derselben Eigenschaft und mit dem Titel »consiliarius 
familiaris« des Königs. Dieses kaiserliche Transsumt ist zweimal in Urkundenform 
im Staatsarchive vorhanden; das eine Exemplar war besiegelt, vielleicht sogar mit 
der goldenen Bulle von der FI. spricht, denn es hat in der Plica zwei Löcher fWr 
den Durchzug der Siegelschnüre ; das zweite Exemplar entbehrt dieser Kennzeichen 
der Originalität, sowie der Kopfinitiale, hat dagegen einige Correcturen in der sonst 
schönen Kanzleischrift: es ist ein um der unterlaufenen Fehler willen unvollendet 
gebliebenes Original. 

Diese beiden Thatsachen legen bereits den Gedanken nahe, dass in den 
beiden Handschriften eine Verquickung des nicht mehr erhaltenen königlichen und 



360 

des überlieferten kaiserlichen Transsumtes vorliegt. Was aber zwei verschiedene 
Abschreiber veranlasst haben sollte, diese Verbindung vorzunemen, das ist doch 
noch immer räthselhaft und zeigt das bisherige Ergebnis als noch nicht stark 
genug, die Existenz einer urkundlichen Vorlage von so monströsem Gepräge xu 
widerlegen. Insbesondere vor Codex 55 b , dem von W. Huber benutzten, stehen 
wir rathlos da, denn hier itihrt die ganze Abschrift der Urkunde Karls IV. vom 
Anfang bis zu Ende von einer und derselben Hand her. Nicht so freilich in 55*; 
hier bieten sich uns Wahrnemungen dar, die im höchsten Grade lehrreich sind. 

Diese Abschrift rührt von zwei Händen her, die sich nur zu deutlich in 
jeder Hinsicht unterscheiden. Und zwar schreibt die erste filtere Hand (A) den 
königlichen Teil des Transsumts FR. (formula regalis) und vom Albertinum den 
Text, doch nur bis zu den Woiten >inde ultra montem Schretenberg«; 
das Weitere, die Worte: »secundum decursum et descensum ad aquam 
Poca«« u. s. w., sowie FI. (formula imperialis), d. h. den weitaus giössten Teil 
sammt dem Signum Imperatoris schreibt die zweite jüngere Hand (B), die schon, 
wie später noch oft, so früher einmal unter älterer Schrift begegnet, indem sie die 
leergebliebene Rückseite von Fol. 38 beschreibt; sie dürfte um das Jahr 1360 bis 
nach 70 thätig gewesen sein. 

Man würde jedoch sehr irren, wollte man daraus den Schluss ziehen, dass 
A aus irgend einem Grunde bei dem Worte > Schretenberg« zu schreiben aufgehört 
habe, um dann die Feder an B abzugeben. Nein, er hat seinerzeit jedenfalls die 
Urkunde Karls IV. ganz oder doch über den gedachten Namen hinaus abge- 
schrieben, denn gerade am Ende eines Blattes, am Ende des fol. 56' setzt er ab 
und auf dem nächsten Blatte, fol. 57 oben beginnt die kleine engzeilige Schrift von B. 
Um kurz zu sein, die Sache ist ganz klar: A hat das königliche Transsumt der 
Herzogsurkuude wahrscheinlich bis zu Ende abgeschrieben. Als dann Gaming in 
der Folge ein kaiserliches Transsumt von demselben Karl IV. erhalten hatte 
und B es übernam, dasselbe ins Salbuch zu übertragen, da machte er sich die 
Sache bequem. Er fand, dass das königliche Transsumt das letzte Stück war, das A in 
den vorliegenden Quaternio (Fergamentlage) geschrieben und entfernte ganz einfach 
das Blatt, das den Schluss nach FR. enthielt, und das damit zusammenhängende, 
welches streng genommen Fol. 57 tragen sollte und mit den von A geschriebenen 
Worten >secundum decursum « begonnen hat. Dass dann noch ein Blatt, als 
das mittelste Blatt des Quaternio, mitfalleu musste, glaube ich nicht. Denn aller- 
dings wozu B vienhalb Seiten brauchte, dazu hätte A sicherlich sieben Seiten, 
d. h. zwei Fergr.mentbogen benötigt. Aber wir sind doch zu der Anname be- 
rechtigt, dass das königliche Transsumt Im zweiten Teile weitaus nicht so wort- 
reich war wie das kaiserliche, vielleicht des Signums und der Zeugen entbehrte; 
vier Seiten genügten daher wol auch dem Schreiber vollkommen. Von jenen Worten 
secundum decursum an schreibt nun B die Ui künde neu ab, u. z. nach dem Texte 
des kaiserlichen Transsumtes. 

Als Beweis für die Richtigkeit der von mir angestellten Erwägung bringe ich 
bei, dass die Hand B von fol. 57a bis 61b die einzig schreibende ist, dann aber 
eine elf Blätter und den Rest von 616 fassende Leere folgt, bis wieder mit fol. 73« 
eine alte Hand den VIH. Quaternio zu beschreiben anfängt. Die Leere begreift 
den ganzen siebeuten Quaternio — am untern hintern Ei:de mit VU bezeichnet — 
ferner das letzte Blatt des sechsten — ähnlich mit VI bezeichnet — und den 



361 

schon erwähnten Rest von fol. 616. Da aber der gleichfalls mit einer neuen Ur- 
kunde beginnende Quaternio VI, auf dem unsere Ui künde steht, genau so wie der 
leer gebliebene VII zehn Blätter, d. h. fünf Bogen zählt, so erhellt daraus, dass 
B das herausgerissene mittelste Blatt des Quaternio VI durch ein neues ersetzt 
hat. Und das verräth auch das mittelste Blatt nur zu sehr, da es weder von der 
Glätte, noch von der Dicke der andern Blätter dieses Heftes ist. Auch die 
Foliirung rührt von anderer Hand her, ist aber nicht so gut zum Beweise zu ge- 
brauchen, weil die Blattzählung des Cod. 55* überhaupt sehr viele Räthsel auf- 
giebt; diese Frage wird demjenigen, der die Handschrift dereinst für das nieder- 
österreichische Urkundenbuch bearbeiten wird, genug zu schaffen geben. 

Derselbe wird sich aber auch gegenwärtig halten müssen, wie nach all dem 
Gesagten die Abschrift in Cod. öö b doch nur eine Abschrift nach Cod. 55* sein 
kann, was vielleicht für die Beurteilung des Wertes des ganzen Cod. 55 b nicht 
ohne Bedeutung und gewiss ein Fingerzeig ist. 

Vergleicht man ältere und jüngere Schrift in Cod. 55*, so gelangt man zur 
Überzeugung, dass die Anlegung desselben eben im ersten Priorate Konrads von 
Heimburg begonnen oder, wenn ja früher, unter ihm wacker fortgefÜrt wurde, 
und dass die Hand B, die nachmals noch oft begegnet, etwa um 1360 eingesetzt 
hat. Über das Jahr 1380 hinaus ist die Handschrift nicht geführt worden. 

Und was hat nun B. durch seine Faulheit gewonnen? Er hat sich auf 
diese Art nur zwei Seiten von A, wozu er kaum IV4 Seiten gebraucht haben 
würde, zu schreiben erspart, aber eine Urkunde hat er zerstört und nicht einmal 
darin eine besonders wichtige Kunde erhalten, dass jenes Wörtchen »dudum« in FI. 
nicht über das Jahr 1350, als die Epoche Konrads von Heimburg, mithin keinesfalls 
in die erste Regierungszeit König Karl IV. seit 1346 hinaufweise. Denn das 
wissen wir ohnehin, ja mehr, indem wir uns gegenwärtig halten, dass die Trans- 
sumts- Urkunde von 1352 fol. 2 datiert ist. 

Dass nun das königliche Transsumt der Urkunde von 1352, Hornung 2, 
zwischen diesem und dem 5., Ostermonate 1355, an welchem Tage Karl IV. in 
Rom zum Kaiser gekrönt wurde, muss entstanden sein, ist an sich klar. Wahr- 
scheinlich aber ist der Endtermin etwas höher hinaufzurücken, da während der Rom- 
reise des Königs, deren Hauptziel ja doch die Kaiserkrönung war, schwerlich mehr 
viele königliche Diplome erteilt oder doch ausgefertigt worden sind. In diesem Falle ist 
das um so wahrscheinlicher, als Karl sich nicht einmal noch König von Italien nennt, 
welche Würde er am 6. Januar 1355 erlangte (Huber, österr. Gesch. 2, 247). 
Wir nehmen an, dass unser stückhaftes Königstranssumt noch vor 1354, Herbst- 
monat 13, entstanden ist, an welchem Tage König Karl IV. von Zürich weg zur 
Romreise aufbricht (Huber, Gesch. v. Österr. 2, 193, und Regesten 8, 1921a.) 

Damit haben wir um so sicherer eine äusserste Zeitgränze nach oben ge- 
wonnen, als ja Konrads Nachfolger Johann schon zu 1354 XI 11 festgestellt ist 
(Cod. 58, 406 n<> 545). Zwischen 1352 II 3 und 1354 IX 13 also ist das Datum 
des königlichen Transsumtes zu suchen. 

Diese so ziemlich nahe gerückten Zeitgränzen gestatten uns nun noch, zu 
fragen, ob nicht in sie hinein Ereignisse fallen, welche die in FR. erzählte Zu- 
sammenkunft des Königs mit seinem hochgeschätzten Günstlinge Konrad von Heim- 
burg herbeigeführt haben können. Da sind nun allerdings die Annäherung Herzog 
Albrechts an Karl IV., dann die wichtigen Verhandlungen zu Wien, Prag (März 



362 

1353) und Weitra (Mai 1353, vgl. Kurz, Albrecht der Lahme, S. 299 f; und die 
gemeinsame Bekämpfung der widerhaarigen Schweizer (1354), solche Thatsachen, 
die auch da» in der Urkunde geschilderte Moment geborgen haben mögen. 

Am meisten entspricht darunter jedenfalls der Wiener Aufenthalt, einesteils 
als für die Karthäuser der bequemste, andernteils auch deshalb wahrscheinlich, 
weil man in jenen Tagen österreichischerseits gewiss alles gethan hat, um dem 
Könige zu huldigen und zu schmeicheln. Eine ganz besondere Huldigung liegt 
aber doch darin, wenn der dem Könige ohnehin nahestehende Prior von Gaming 
au diesen herantritt, um einem herzoglichem Stifts briet' königliche Bestätigung zu- 
zuwenden. Für die Gaminger war dies der erste Fall. 

Sohin bin ich wol berechtigt, die Zeit, zum mindesten des Actum» von FB. 
in die Tage um den 10. März 1353 zu setzen, allerdings nicht mit so freudigem 
Mute, dass wir darüber jene wehmütigen Empfindungen vergessen sollten, zu denen 
uns die leichtsinnige Bequemlichkeit eines Karthäusermönches berechtigt. 

Das Original der Königsurkunde aber dürfte in der nunmehr kaiserlichen 
Kanzlei verblieben sein, woselbst mau es zur Herstellung des Wortlautes für die 
neue kaiserliche Bestätigung verwendet hat. Die Gaminger, seither im Besitze 
der letzteren, legten auf das erstere kein Gewicht und so mag es abgeschabt und 
das Pergament neu verwendet worden sein; — wenn nicht, und wenn eine 
günstige Fügung durch mehr als fünf Jahrhunderte darüber gehaltet hat, taucht 
es vielleicht noch irgendwo auf, mindestens eine Abschrift oder ein Regest. 

Insolange begnügen wir uns mit FR., dessen von mir gewählte Bezeichnung 

uns noch an die Anfangsbuchstaben eines misliebigen Wörtchens erinnert, des Wört- 

chens »Fragment um«. 

Dr. .T. Lampel. 

Pflanzsteig und Fürleger. 

1. Im Jahrgange 188S der Vereinsblätter, S. 198—200, habe ich zusammen- 
gestellt, was die niederösterreichisehen Hechtsquellen über Pflanzsteig haben, 
und auf Grund dieser Quellenbelege versucht, die Geschichte und Bedeutung dieses 
provinciellen Ausdruckes (beziehungsweise der durch ihn vorgestellten landwirt- 
schaftlichen Einrichtung) und seinen Unterschied vom Krautgarten zu ermitteln. 
Auch dieser Unterschied ergab sich als geschichtlicher nach dem Gegenüber der 
österreichisch-mittelhochdeutschen Fachausdrücke pßtlanzhette phhntzbwnte phlanzgarU 
phlanzsik- einer-, Irutbiunle kriifyurfe krutlant kruttetzc uuderseit. Aus den Quellen- 
belegeu war zu seh Hessen, dass jthfanzbttth. und pftlanz«tic Versuchsbeete, beziehungs- 
weise Versuchsprtanzungen mit jungen »Setzlingen für den eigentlichen kriitgarten 
sein müssten. Dies ergab sich zumal aus der von mir angeführten Waidh ofener 
Urkunde von 1330, in der ein Haus mit vier chrautyairten und mit der plantz- 
jieitHten erscheint. — Im Übrigen blieben die letzten Feinheiten der Bedeutung 
und des Unterschiedes von pltlunzbettt und phlunztth: untereinander, sowie beider 
im Verhältnisse zu krutgartr als aus den sprachgeschichtlichen Quellen nicht er- 
kennbarer Rest zurück, und mit der Bemerkung, dass ich nicht Gelegenheit habe, 
mit oder unter dem Volke zu verkehren, berief ich stillschweigend an den ans 
diesem Verkehre oder von der lebendigen landwirtschaftlichen Erfahrung her 
lesser Unterrichteten. 



363 

Nach fünf Vierteljahren hat sich dieser in der Person des hochw. Herrn 
Leopold Wiedermann, Pfarrer zu Rappoltenkirchen O.W.W., gemeldet. Derselbe 
»berichtigte in einem an die Redaktion der Vereinsblätter gerichteten Schreiben 
ddo. 11. September 1889 die »Irrthümer« (wie er meine aus den Quellenbelegen 
geschöpften Ausfuhrungen zu nennen beliebt) in der Weise, dass er den von mir 
aufgedeckten Unterschied zwischen Pflanzsteig und Erautgarten als den des Ver- 
hältnisses von Versuchspflanzung und definitivem Anbau lediglich — bestätigt. 
Dabei schreibt er zweimal »auf seiner Pflanzsteig«, >auf der Pflanzsteige, und 
im Plural »die Pflanzsteigen«. Es giebt zwar im Mittelhochdeutschen neben dem 
Masculinum der stic ein gleichbedeutendes Femininum diu sffge mit dem Plural 
die süg&i: für unser Compositum aber ergaben meine Belege ausschliesslich das 
Masculinum: phlanzaitc. Gebraucht das Volk um Rappoltenkirchen das Wort als 
Femininum? — Davon abgesehen sind die Mitteilungen des Herrn Pfarrers dankens- 
wert, da sie die vermieste letzte Aufklärung bringen, deren doch schon die Schreiber 
unserer Taidinge bedürftig müssen gewesen sein, da sie phlanzsteig in phlcmzsleg 
phlanztoeig und selbst plankensteig verderben. 

Danach gestattet also die Dorfgemeinde jedem Wirtschaftsbesitzer, der Ge- 
meindeglied ist, die Anlage von Versuchspflanzungen für Kraut und Rüben auf 
einem ihr gehörigen Stücke Ackerlands, das gewöhnlich in der Nähe eines fliessenden 
Wassers sich befindet. Diese Versuchspflanzungen auf Gemeindegrund, durch kleine 
Wege oder »Steige« von einander getrennt, damit jeder zu seinem Beete gelangen 
könne, heissen »Pflanzsteige«. Sind daselbst die jungen Setzlinge gross genug 
gewachsen, so werden sie auf die Äcker der einzelnen Teilhaber ausgesetzt: diese 
Acker heissen »Krautgärten«. Kann ein Wirtschaftsbesitzer nicht genug Pflanzen 
auf dem »Pflanzsteig« erzeugen, so begnügt er sich mit einem Versuchsbeet in 
seinem eigenen Haus- oder Gemüsegarten: für ein solches gilt die Bezeichnung 
»Pflanzbeet«. 

Danach ist meine Äusserung Vereinsblätter 1888, S. 200, dass im Gegensatze 
zu den Krautpeunten und Krautgärten als den eigentlichen Gemüse- oder Küchen- 
gärten phlanzbette »Pflanzbeet« (Lexer im Deutschen Wörterbuch 7, 1708) das ein- 
zelne Versuchsbeet für die jungen Setzlinge oder Setzpflanzen, phlanzbiunte phUrnz- 
garte und phlanzstlc aber eine Anlage mehrerer solcher Beete in besonderem Ge- 
hege bezeichne, lediglich dahin zu berichtigen, beziehungsweise zu erläutern, dass 
unter den Krautgärten nicht die kleinen Gemüse- oder Küchengärten innerhalb 
des Hausfriedens, sondern die davon getrennt auf der Feldflur liegenden grossen 
Kraut- und Rübenäcker zu verstehen seien, und dass insonderheit die »Pflanzsteige« 
auf gemeinem Grund und unter Aufsicht der Gemeinde gestattete Gesammt- Ver- 
suchspflanzungen darstellen im Gegensatze zu den Versuchsbeeten des Einzelnen 
auf seinem eigenen Grund und Boden oder dem »Pflanzbeet«. 

2. Gegen die der Sachlage nach ganz unvorgreiflichen Bemerkungen, welche 
ich in dem jüngst erschienenen vierten Hefte des zweiten Bandes der »Topographie 
von Niederösterreich«, S. 239i f. an den Ortsnamen Fürleger geknüpft habe, 
erhebt Herr Forstdirektor Franz Ilauck zu Wiener-Neustadt in einem unter dem 
27. August 1889 an die Redaktion gerichteten Schreiben Einsprache. Ich hatte an 
mittelhochdeutsch rürlege gedacht, in der von Schmeller verzeichneten mundart- 
lichen Bedeutung »Baum oder Block, der quer neben einen an urbaren Gründen 
vorbeiführenden Weg gelegt wird, um das Fahren ausserhalb desselben zu hindern«. 



364 

Der Herr Einsender dagegen meint, Fürleger sei durch »Verfeinerung« aus Vier- 
leiten entstanden, welch letzteres eine gleich unterhalb des Marktes Buchberg am 
Schneeberge, an der Strasse nach Ternitz gelegene Rotte sei. Da ich selbst in 
meiner Jugend mit meinen Angehörigen zu wiederholten Malen meine Ferien in 
Buch berg verbracht habe, ist mir die Rotte Vierlehen 'sehr wohl bekannt; noch er- 
innere ich mich, dass wir sie unter uns scherzweise als die »Vorstadt von Buch- 
berge zu bezeichnen liebten. Aber FUrleger ist davon verschieden. Der nieder- 
österreichische Amtskalender für 1889, S. 314a führt bei der Ortsgemeinde Buch- 
berg am Schneeberge unter den sie bildenden Catastralgemeinden auf Führleger 
(Einzelhäuser) und Vierlehen (Rotte). Ich konnte also bei meiner Äusserung 
gar nicht auf den Gedanken kommen, dass »Fürleger« aus »Vierlehen« entstellt 
sei; und ebenso wenig war dies die Meinung des Regierungsrathes Schimmer, 
da er an der fraglichen Stelle der Topographie FUrleger als »Bauernhaus« eintrug 
und bemerkte: »Der Amtskalender und das Ortschaftenverzeichnis 1853 führen das 
Haus auf, das Ortsrepertorium 1883 und die Administrativkarte aber nicht« Das 
Versehen ist mithin auf Seite des geehrten Herrn Einsenders, der Fürleger und 
Vierlehen für eine und dieselbe Örtlichkeit hielt, während es in Wahrheit 
zweie sind. 

Dennoch kann er mit seiner Erklärung des erstem Namens vielleicht Recht 
haben, wenn nämlich der Bauernhof Fürleger (Über den ich gerne meine völlige 
Unwissenheit bekenne) nahe bei Vierlehen liegt oder lag, oder nach einem 
Insassen des letztem Örtchens ursprünglich bezeichnet war. Aus Vierlehener Vier- 
lehner (d. i. »Einer von Vierlehen«) konnte verderbte Aussprache ganz gut machen 
Fürleger. Doch das bleibt ebenso leere Vermutung wie meine Äusserung in der 

»Topographie«. 

Dr. Richard Müller. 



Zur Bestimmung der Lage des >Summerperch«. 1 

1282. 1. Jänner. Die Brüder Bernhard und Heinrich von Schaunberg geben 
dem Kloster Wilhering zum Seelgeräthe ihres Vaters Heinrich ihre Besitzungen in 
inferiori Muemenowe ( Unter mamau bei St. Polten), nämlich 2 feoda und 2 areas, 
und in superiori Muemenowe 1 aream, cum omnibus pertinentiis suis . . ., wie 
sie früher Hvgo von Winchel von ihnen zu Lehen hatte, iusto titulo proprietatis 
possidendas. 

Ein im Jahre 1575 angelegtes Grundbuch des Klosters Wilhering über die 
in Niederösterreich gelegenen Besitzungen verzeichnet auch die in der Qegend von 
Mamau unter der Rubrik: »Dienste jenseits der Donau (seil, von Krems aus, wo 
das Grundbuch verwaltet wurde) und auch am Mamauerberg. « 

NN zu Mamau von 1 Joch Acker am Michaelitage 3 dn 1 H(elbling), 

NN > » 

NN 1 Joch Acker am Mamauerberg, 

NN 

1 Vgl. Artikel Flinsbach. 

St^ülz, Gesch. d. Kl. Wilhering, S. 551. 



365 

Fol. 70. 1573 37 /I0 Actum Krems. Herr Friedrich Khnener, Pfarher zu Kharl- 
stetten„ empfängt Nutz und Gewähr um 2 Viertl Weingarten gelegen am S um er- 
per g, wovon eines 2, das andere 3 Pfen. dient 

1579 19 / 8 wird des obbemelten Friedrichen Kienn nachgelassenen Hausfrauen 
Barbara jetziger Ehewirth Wolfgang Steininger zu Welbling an die Gewähr ge- 
schrieben. 

1579 19 / g Vermöge Aufsandung der nachgelassenen ober- und unterstämmi- 
gen Freunde des Wolfgang Staininger und seiner Hausfrau Barbara wird NN um 
die 2 Viertl Weingärten am'Sumerperg an die Gewähr geschrieben. 

In den nachfolgenden Grundbuchsfolien stehen wieder Eintragungen über 
Grundstücke am Fahenlueg zu Untermamau und am Mamauerberge. 

Fol. 116 b unter Rubrik Untermamau: 
Ulrich Leopold Zimmermann 1 behaustes Gut Michaelidienst 1 f. 

1 Öde 3 Pfen. 1 Helbl. 

> 1 Hofstatt 12 Pfen. 

1 Joch Acker 3 Pf. 1 H. 

fol. 117. Untermamau. >1570 30 / 9 hat mir (dem stiftlichen Grundbuchs Ver- 
walter in Krems) Friedrich Khuerner, Pfarrherr- zu Obernberg, zugeschrieben, dass 
des Ulrichen Kinder um das Feldlehen an Nutz und Gewähr geschrieben wordene. 

fol. 118 b : 
NN (den Namen habe ich nicht verzeichnet) 1 behaustes Gut Michaelidienst 1 fl. 

1 Joch Acker 12 Pfen. 
1 Holzgrund 8 > 

fol. 120 b die Hofstatt in Obermamau dient jährlich 12 Pfen. 
»Den Besitzern der Hofstatt wurde 1558 auf ihre Lebenszeit die Freiheit 
des einfachen Ungeldes bewilligt«. (Also war es ein Gasthaus.) 

Die Besitzer der Hofstatt dienen auch von l / 2 Joch Öde (später ein Wein- 
garten) und von 2 Joch Holz 1 ß dn. 

Nach meiner unmassgeblichen Meinung gehörten einst die 2 Viertl Wein- 
gärten am Sumerberg ursprünglich zu einem der zwei in Untermamau gelegenen 
Lehen, die dann später davon abgetrennt wurden. Der Sumerberg müsste daher 
auch in der Gegend von (Unter-) Mamau liegen, wenigstens in nicht allzu grosser 
Entfernung davon. 

Nach einer mir schon im Jahre 1874 gemachten Mitteilung des jetzigen 
Canonicus Anton Erdinger in St. Polten, 1 den ich um diesbezügliche Nachforschung 
ersucht hatte, giebt es in der Gegend von Mamau einen > Sandberg«, an welchem 
sich Weingärten befanden, die in den Franzosenkriegen zerstört wurden. 

Das Stift Wilhering besass übrigens auch in Untermerking (Pfarre Obritz- 
berg) zwei untertänige Häuser, die im selben Grundbuche fol. I04 h und 115 b vor- 
getragen sind und teils durch Schenkung (1343 - >5 / 3 ), teils durch Kauf (1356 24 / 4 ) 
erworben wurden. 

1 In einem späteren Schreiben hält Erdinger die Ansicht Büdingen (Soineraubcrg = Sumer- 
berg) für richtig und sagt: »Derselbe steigt von Unterwölbling auf, ist jetzt noch mit Reben be- 
pflanzt nnd von Unter- nnd Ober-Mamau ungefähr zwei Wegstunden entfernt. Es darf nicht auf- 
fallen, dass Leute in so weiter Entfernung Weingärten hatten, da heutzutage dies noch in grosserer 
Entfernung der Fall ist.« 



366 

Im XVII. Jahrhunderte kam der stiftliche Besitz in Mamau an die Herr- 
schaft Walperstorf, in dessen Archive vielleicht der Name Sumerberg noch spater 

vorkommt. 

P. Bernh. Söllinger. 



Die Pest in Stocker au in den Jahren 1679 und 1713. 

Mitgeteilt von Otto Eigner, Pfarrer In Obritz. 

Das von dem als Pfarrer zu Fallbach verstorbenen Laurenz Schusser zu- 
sammengestellte Memorabilienbuch der altehrwürdigen Pfarre zum hl. Stephan in 
Stockerau enthält einen kurzen Überblick über die Geschichte Niederösterreichs, in 
welchem von einem wiederholten Auftreten der Pest, so z. B. in den Jahren 1270, 
1493, 1613 und 1615 erzählt wird. Wie an vielen Orten, so empfahlen sich auch 
die Einwohner von Stockerau dem besonderen Schutze der hl. Pestpatrone und 
errichteten in dieser Absicht am 15. Juli des Jahres 1658 die Sebastiani-Bruder- 
schaft, welche am 18. October 1658 ein päpstliches Breve über die »unterschied- 
lichen Indulgenzenc und unterm selben Datum ein zweites Breve eines altare pri- 
vilegiatum auf den Montag jeder Woche erhielt. Letzteres Privilegium wurde aber 
schon durch ein Breve ddo. 17. September 1659 auf den Freitag übertragen, weil 
nämlich wegen des jeden Montag stattfindenden Wochenmarktes viele Brüder und 
Schwestern der heiligen Messe nicht beiwohnen könnten. Am 12. September 1664 
wurde die Sebastiani-Bruderschaft des Marktes Stockerau mit der Erzbruderschaft 
de ss. sacramento in der Kirche S. Maria sopra Minerva bei den P. P. Dominica- 
nern in Rom verbrüdert. Der hübsch ausgeführte Verbrüderungsbrief erliegt im 
Archive der Pfarre Stockerau. — An die Gründung dieser Bruderschaft reihte sich 
die Errichtung eines eigenen Sebastiani-Altars in der Pfarrkirche, welcher sich 
noch im Kircheninventar vom Jahre 1763 vorfindet, später aber wahrscheinlich ge- 
legentlich der Aufhebung der Bruderschaft durch Kaiser Josef II. verschwunden ist. 

Über die Gründung der gewiss auch mit der Pest im Zusammenhange 
stehenden Sebastianikirche (jetzt Stöcke! kaserne) gibt das Pfarr-Archiv keinerlei 
Aufschliiss. 

Als im Jahre 1679 der Würgengel Pest in unserem engeren Vaterlande 
furchtbare Ernte hielt, schwuren die Stockerauer, um diese Geissei Gottes von 
ihren Mauern ferne zu halten, in der dortigen Franziskanerkirche (heute das so- 
genannte » Klöster! < ausser Stockerau) sammt ihrem Pfarrer Andreas Kaltenegger 
>mit aufgehobenen Fingern« dem Allmächtigen, alle Jahre in einer Procession zur 
St. Kolomanskirche zu wallfahren und ein reichliches Opfer an Öl und Wachs zu 
spenden. Das Sterbebuch jenes Jahres weist leider die von der Pest Dahingerafften 
nicht auf. Der Pestfreithof befand sich (nach der Überlieferung) neben dem heuti- 
gen Friedhofe nächst der Sebastianikirche in einem Garten und enthielt eine Statue 
mit der älteren Darstellung der hl. Dreifaltigkeit, welche jetzt im Garten vor dem 
Bürgerspitale in der Alleestrasse steht. Sie wurde, wie ans der ziemlich gut er- 
haltenen Inschrift ersichtlich ist, im Jahre 1680 von Konrad Pawr aus schuldiger 
Dankbarkeit gegen die hl. Dreifaltigkeit, gegen die hl. Marie und ganz besonders 
gegen die Pestpatronin St. Rosalia errichtet. 



367 

Genauere Nachrichten haben wir über das abermalige Auftreten der Pest in 
Stockerau im Jahre 1713. 

Die Krankheit wurde damals, wie das so häufig der Fall gewesen, nach 
Stockerau durch ein Bettelweib eingeschleppt, welches sich vorübergehend im Brau- 
hause einquartiert hatte. 

Das Brauhaus und die sogenannte Postmühle wurden am ärgsten mitge- 
nommen. Im Brauhause starb nach dem Bettelweibe zuerst Braumeister Wolff, so- 
dann wurden an einem Tage zwei Söhne und eine Tochter und wieder an 
einem Tage (24. August) zwei Söhne durch diese schreckliche Krankheit dahin- 
gerafft. In der Postmühle starben in rascher Aufeinanderfolge sechs Personen. 
Mehrere Familien starben ganz aus, so die Familie Aigner. Am 23. September 
starben aus derselben zwei Söhne, am 24. desselben Monates ein Sohn mit der 
Mutter und am 26. der Vater, ferner die Familie Pucher, bestehend aus Vater, 
Mutter und zwei Kindern, welche alle an demselben Tage (9. September) starben. 
Das Sterbebuch jenes Jahres führt 104 Personen aus Stockerau und 41 aus den 
Filialen Spillern und Unter-Zögersdorf an, welche der Pest zum Opfer fielen, 
darunter auch den Todtenbeschauer Sebastian Eysen sammt seinem Weibe. Als 
Begräbnisplätze sind im Sterbebuche angeführt »Im Garten« (der alte Pestfreithof 
Tom Jahre 1679), >beim Creytz« und »auf der Waidt«. 

Der Platz, wo die in der Filiale Unter-Zögersdorf an der Pest Verstorbenen 
begraben wurden, ist in der Nähe des sogenannten Maierhofes, am Fusswege rechts, 
wenn man von Stockerau kommt; dasselbe ist heute noch unbebaut, ein wenig erhöht 
und mit einer Martersäule geziert, welche von einer alten Linde beschattet wird. Früher 
befanden sich zwei Linden daselbst, deren eine jedoch vor längerer Zeit abgestorben 
ist und durch eine jüngere ersetzt wurde. In Unter-Zögersdorf hat sich auch die 
so häufig wiederkehrende Pestsage von der wunderbaren Brotvermehrung erhalten. 

Es versteht sich wol von selbst, dass die Einwohner von Stockerau während 
dieser schrecklichen Heimsuchung in eifrigem Gebete verharrten und nichts unver- 
sucht Hessen, um den erzürnten Herrn zu versöhnen. Sie machten damals das 
feierliche Gelübde, den Festtag des hl. Florian, ihres Schutzpatrones, alljährlich 
mit zwei Vespern, Predigt und Hochamt in der Pfarrkirche zu feiern. Am Feste 
des hl. Sebastian fand von dieser Zeit an alljährlich ein feierlicher Zug der 
Schützen mit dem Pfarrer und zwei Leviten in die Sebastianikirche statt. Der 
Marktrath verordnete, dass zur Abwendung der Pest alltäglich die vierte Glocke 
geläutet werde. Seit diesem Pestjahre sind auch alljährlich die Einwohner Stockerau's 
in feierlicher Procession nach Karnabrunn zur hl. Dreifaltigkeit zufolge eines ge- 
machten Versprechens bis zur Zeit Kaiser Josefs II. und noch später hinaus 
gezogen. 

Auch einzelne Bürger machten Gelübde, so z. B. versprach Mathias Roger, 
Rösselwirth zu Stockerau, im Jahre 1713, wenn sein Haus von der Pest verschont 
bliebe, auf dem Wege nach Olbemdorf eine steinerne Säule zu errichten, die Be- 
urlaubung des* Heilandes von seiner gebenedeiten Mutter darstellend. Sein Gebet 
wurde erhört, sein Haus blieb verschont, und so errichtete er im Jahre 1718 jene 
Urlaubsstatue, welche heute noch steht, gleichsam eine Mahnung an die Bitte: 
»Vor der Pest, dem Hunger und dem Kriege verschone uns, o Herr.« 



368 

Aus der lateinischen Küche. 

Der pergamente Einbandstreifen einer Gaminger Sammlung von Entschei- 
dungen und Rath schlagen der Herrschaft aus den Jahren 1608 — 1611 enthält folgende 
Notizen: 1. Contra Phtvsin: Isop, Feigen, Salbey und Ingwer untereinander in warmen 
wein gesotten und so warm getrunkhen. 2. Alaunwurzlorber gesotten in wein, zum 

magensterkhen. 

(Au* dorn nicderörterr. Landexarchiv.) 

Mitgliederstand der Karthause Agsbach 1729. 



f Venerandus p. prior Joannes 

A. Venerabilis p. Hugo Zelesnik vicarins 

B. p. Andreas Keif antiquior 

C. p. Antholmus Woicowscky sacrista 

D. r. p. procnrator Binder procurator 

E. p. Benedictus Langer iniirmarius 

F. p. Hieronymus Münich cantor chori (stimb) Poömus 

G. p. Josephus Ertl subsacrista 

(Ann dorn niedersten-. Landeearcbiv, Klostercorrespnndenz.) 



Xatiu 


ProfcM. 


Aetas 


Cellae 
littera 


Carniolus 


27 


64 


B 


Moravus 


35 


58 


H 


Silesita 


21 


46 


A 


Silesita 


17 


40 




Silesita 


12 


38 


K 


Poömus 


9 


31 


Q 


Bawarus 


7 


29 


D 



Ergebnis der Gaminger Weinberge zu Perchtoldsdorf 

aus den Jahren 1738—1748. 

Extract 

der erbauten wein zu Perchtolstorft' in 11 jähren her 

Anno Einer 

738 197 

739 403 

740 . . .... 301 

741 158 

742 176 

743 244 

744 294 

745 93 

740 112 

747 wegen schaur — 

748 . l»4 

2072 

(Aus dem nie.derösterr. LandeMrehfv. Klostereorrespondeni'..) 



Vorarbeiten zur altösterreichischen Namenkunde. 

(Fortsetzung.) 

§3. 

Die vorangehende Sammlung so ziemlich aller mir untergekom- 
menen Zeugnisse für die erweiterte Genetivform von Kosenamen auf 
-äi (-üo) lässt die allgemeine Beliebtheit derselben in bairisch-öster- 
reichischen Landen unschwer erkennen. Wir dürfen schon von daher 
erwarten, dass die Macht der Analogie diese so bequeme Erweiterung 
auch andern Koseformen werde zugeteilt haben. In der That greift 
die Nebenform von den Namen auf -ili über nach denen auf -zo 
und einigen bald näher zu bezeichnenden angeschlossenen andern. 
Da, wie unsere Sammlung gezeigt hat, die Deminution auf 4U zu- 
meist an Koseformen auf -zo (vgl. noch von Nanzo Nanzili, Acta 
Tirol. 1, 320*, 1050—1090; von Bazo oder Bezo Bezili Cod. dipl. 
austr.-fris. 1, 83 n° 80 von 1065; von Iiizo Bizüi, Urkundenb. von 
Steiermark 1, 980£, c. 1130 — 50; endlich von Gezo Gezelinus, Kloster- 
neuburger Trad. n° 89), sowie an -to und -co tritt (von Toto Totüi 
Urkundenb. von Steiermark 1, 66 n° 57. 58 von c. 1050; von 
Bacco Baccili oben S. 49; von Sicco Siccili unten S. 379): so ist die 
von den Deminutivis auf diese kürzern Namen erstreckte Erwei- 
terung des Genetivs eine Rückwirkung von den secundären Formen 
auf die ihnen zu Grunde liegenden primären. — Jedoch, es ist 
wirklich nur ein Übergreifen, keine Besitzname. Gleich die Namen 
auf -zo wehren sich gegen den Eindringling. Dem regelrechten 
schwachen Genetivus auf -in bleiben nämlich, so weit die urkund- 
lichen Quellen erkennen lassen, unverbrüchlich getreu alle bloss zwei- 
silbigen Koseformen mit kurzem Wurzelvocal und einem die Kürze 
nicht hindernden darauf folgenden Consonanten, als welcher auch 
die Affricata z (selbst in gedoppeltem Zustande) gilt. Von Azo (Azzo) 
Bezo Ezo Gezo Hazo Hezo Hizo Bazo Bezo Tazo Tezo Wazo Wezo 

Blätter des Vereines für Landeskunde von Klederösterrelcb. 1889. 24 



370 

u. s. w. lauten daher die Genetive nur Azin Bezin Ezin Oezin .... 
Wazin Wezin (nicht Aztnes Bezines u. 8. w.) — obgleich aus Urkunden 
die Genetive der freien Personennamen nur in einzelnen Fällen 
beizubringen sind. So hat die älteste Admonter Aufzeichnung von 
1074—1087 (Urkundenb. von Steiermark 1, 88a. 89a. 92* n° 77): 
di midi um hohe Acyn et beneßcium eius ad Bastat; noualia quatuor 
iiirorum Ztamar Wacin Gecin Gerhohi; noualia trium uirorum Ztamar 
Wacin Gecin Acin, et beneßcium eius ad Bastat. Der Herausgeber 
versteht dies so wenig, dass er höbe und Acyn durch ein Komma 
trennt und im Register der Personennamen Acin Gecin Wacin 
neben Azo Gezo Wazo treuherzig als Nominative einträgt! Dasselbe 
Missgeschick widerfährt ihm bei Enzin (unten S. 386) und bei Turin 
(unten § 5). 

Folglich machen diese Kürzen auch in Ortsnamen, die man 
wegen der erwähnten Seltenheit der nackten deutschen Genetive 
in Urkunden sogleich aufrufen muss, allein 

a) Azin in Azinbrunnin (Urkundenb. von Heiligenkreuz 1, 32 
n° 24 von 1203) und Azinbrucke (Atzenbruck auf dem Tulnerfelde: 
Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 422. 708. 780; Urkundenb. von 
Herzogenburg, S. 512/>, 534a f.; Neidh. 96, 25.) — Dann im tiro- 
lischen Azenwanc (Atzwang bei Botzen, Acta Tirol. 1, 278£); vgl. 
auch predium attod uocatur Azonis (deutsch Azin eigen f) situm apud 
Banuoldispach (Ravelsbach), Salb, von Gott weih, Trad. n" 153 von 

c. 1110. 

b) Bazin — von Bazo (Gramm. 3, 692; Denkm. d. P. und 
Pr. 2 LXIV, 2, 19; mittelhochd. Batze Neidh. 54, 37) — in 
Pazintal (Salb, von Klosterneuburg, S. 336J u. s. w.). — Patzenthai 
im Gerichtsbezirke Laa. 

c) Bezin — von Beza Pezo (Urkundenb. von Steiermark 1, 316, 
n° 321 von c. 1150; Todtenb. von St. Florian, 24. März, Arch. 56, 
305) — in Pezinh'rchen (Urkundenb. von St. Polten, S. 30 n° 20 
von 1200; Passauer Urbar von c. 1230, Arch. 53, 272 mit 
Anm. 79; Cod. dipl. austr.-fris. 1,424 n" 389 von 1285). — Petzen- 
kirchen an der Erlaf. 

d) Ezin — von Ezo (oben S. 33) — in Ezinbach (Kloster- 
neuburger Trad. n° 30(>: offenbar in der Umgegend von Putten 
und Lanzenkirchen); und in Ezinbüri »an der Wohnung (althochd. 
bur m.) Ezos«, angeblich 823 an der Traisen (Urkundenb. d. L. ob 

d. Enns 2, 8 f. n" 5). 



371 

e) Oezin — von Gezo (oben S. 370) — in Gezindorf (Götzen- 
dorf an der Leitha: Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 187; Ur- 
kundenb. d. L. ob d. Enns 1, 765, Formbacher Trad. n° 54 von 
c. 1200; in Steiermark Urkundenb. von Steierm. 1, 831£); Gezen- 
berc (Arch. 46, 468, Ardaggerer Urkunde n° 3 von c. 1140); und 
Gezen niusidile (Grammat-Neusiedel: Keiblinger, Melk 2, a, 796. 
359 f. von 1120). 

f) Gazin — von Guzo, vgl. Cuzo Cazzo Libri confrat., p. 429a 
und Guzman Klosterneu burger Trad. n° 697 — in einem ver- 
schollenen Guzindorf Urkundenb. von Steierm. 1, 843J (1147—1187) 
und Guzinberc (der Gössenberg bei Pruggern im Ennsthale) ebenda 
1, 87« n° 77 von 1074—87 (Göteinperch) und 1, 152 n° 586 von 
c. 1175 (Gutsinperc). — Den Vollnamen, dessen Kürzung Guzo ist, 
gewährt etwa Gudrabo (Göttweiher Trad. n ft 16 und 21 von c. 1100). 

g) Hezin — von Hezo = Heriman — in Hezindorf (Salb, von 
Klosterneuburg, Trad. n" 741, neben Hezimannesdorf: als Hetzen- 
dorf und Hetzmannsdorf zu trennen'? — Urkundenb. von Steierm. 
1, 849J, letzteres Hetzendorf bei Judenburg); und Hetzenganc (Ver- 
einsblätter 1887, S. 27. 75). 

h) Hizin — von Hizt = Heimrih oder auch Heriman — in 
Hizindorf (Urkundenb. von Steierm. 1, 536 n" 564 von c. 1175: 
Hitzmannsdorf bei Kirchberg am Wechsel). 

i) Chozin — von Chozo, der deutschen Kürzung eines sla- 
vischen Namens mit Chot-? (über Chozü s. unten in § 6); als Beiname 
Dietmarus Rozzo (Chozzo, Ckoz) Urkundenb. von Altenburg, S. 5 — 7 
n° 3 — 5 von 1210 — 23 — in Chozindorf (Kotzendorf bei Meirs, 
Salb, von Göttweih, S. 365a; Stiftungenb. von Zwettl, S. 724a; Ur- 
kundenb. von Altenburg, S. 406£; des Schottenstiftes, S. 263 n° 233 
von c. 1350). 

j) Mazin — von Mazo, mittelhochd. Matze, der Koseform eines 
der Namen mit mäht (Macht), später als Kürzung von Mathias ge- 
fühlt (Gramm. 3, 692 Text und Anm.; Wackernagel, Kl. Sehr. 3, 
169; Deutsch. Wörterb. 6, 686; Stark, S. 326; österreichische Belege 
Urkundenb. von Steiermark 1, 316 n° 321 von c. 1150: von Heiligen- 
kreuz 2, 474i u 8. w.) — in *Mazindorf, 1412 Matzmdorff im Taiding 
von Solenau (Oestr. Weist. 7, 377). — Matzendorf, südlich von 
Leobersdorf. Aber Mathes der Mwczendorffer in der Seitenstettener 
Urkunde n° 242 von 1374 wird nach Matzendorf in der Gemeinde 

St. Georgen auf dem Ipsfelde gehören. — Ferner Mcetzenlehen bei 

24* 



372 

JSt. Peter in der Au, Cod. dipl. austr.-fris, 3, 504 von 1316. Auf 
eine Matzenouwe weist der Wiener Familienname Matzenatter. 

h) Mozin — von Mozo (Libri confratern., p. 480c; Beiname 
Cod. dipl. austr.-fris. 2, 4406, 1276—1332) — bloss als Dativ oder 
elliptischer Genetiv im Ortsnamen Mozen, neu Matzen im Bezirke 
•Gross-Enzersdorf, Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 427 (Mocen); 
in zwei Heiligenkreuzer Urkunden von 1304 und 1313 (Urkundenb. 
2, 14. 40 n° 15. 44) Metzen, was Motzen oder Mätzen meinen kann. 
Die Vermischung von a und o, ä (e) und ö in der österreichischen 
Aussprache mochte nämlich zur Verwechselung von Matze (bezie- 
hungsweise Metze aus Mezzi Urkundenb. von Steierm. 1, 19 n° 15 
von c. 925) und Motze führen; vgl. Mcetz Cod. dipl. 3, 664J. 

I) Razin — von Razo (Acta Tirol. 1, 325a; Razo und Ratso Cod. 
dipl. 2, 464*; Eaci Urkundenb. von Steierm. 1, 21 n° 17 von 927; 
Salb, von Göttw., S. 418i) — in Razindorf (Klosterneuburger Trad. 
n° t 563 zwischen 1177 — 94); Razenhoven (Urkundenb. von Steierm. 
1, 807S) c. 1190; und beneßcium Razin (deutsch Razin Uhen?) Salb, 
von Göttweih, S. 2 Trad. n° 1 von c. 1083, wozu man halte den 
lat. Ablativ Razone (= deutschem Dativ Razin nach S. 34) ebenda 
S. 267, Urk. n° 10 von c. 1130. 

m) Tozin — von Tozo oder Tozi (Libri confrat., p. 517a; Cod. 
dipl. 1, 14. 15 n° 11. 12. von 827. 828) — in Totzenbach (Gerichts- 
bezirkes Neu-Lengbach) Urkundenb. von Steierm. 1, 802£; 2, 637a; 
von Klosterneuburg 2, 340; von Altenburg, S. 388a; oft im »Frauen- 
dienste«; s. auch zu Neidh. 80, 31. 94, 13; u. s. w. 

n) Wazin Wezin — von Wazo oder letzteres auch von Wezo 
(oben S. 52) — in Wazindorf Wazendorf Wezendorf (Salb, von 
Klosterneuburg, Trad. n° 239; Urkundenb. von St. Polten, S. 95 
n° 68 von 1264 n. ö.) ; Wazinkirchen Wezenkirchen (Waizenkirchen 
bei EfFerding, Todtenb. von St. Florian, 18. Jan., 24. Febr. und 
18. Oct., Arch. 56, 301. 303. 316). 

o) Zazin Zezin — von Zazo (Stark, S. 325) oder letzteres auch 
von Zezo (unten § 6) — im örtlich gebrauchten Dativ (oder Genetiv?) 
Zezin (Urkundenb. von Steierm. 1, 937a; bei Hüttenberg in Kärnthen); 
Zazzenberch und Zezenberc (ebenda 1, 9366; der Zeizzenberg im 
Ennsthale?) — Halte niemand diesen Personennamen ob seines fremd- 
artigen ■ Klanges für slavisch : ihn widerlegte das schweizerische 
Zazinchova (unten § 6). 



373 

Manche dieser Genetive lassen sich wenigstens auf Umwegen 
erschliessen. So Hazin von Hazo in fehlerhaftem Hacenbruk (Kloster- 
neuburger Trad. n° 442) für das obige Azenbrttcke. So Tazin Tezin 
von Tazo oder Tezo aus dem Schreibfehler Tezen niusidile in der 
Herzogenburger Abschrift der Melker Urkunde von 1120 (hier oben 
bei Gezin-; Arch. f. K. österr. GQ. 9, 256). Denn Tezzo Tezo 
(nebst weiblichem Tezo) steht übrigens fest aus Libri confrat., 
p. 512#, gleichwie das verwandte Tazzo Tazo (vgl. Azo: Ezo, Bazo: 
Bezo, Wazo: Wezo) aus Cod. dipl. austr.-fris. 1, 65 n° 63 von c. 1030. 
Vgl. auch unten S. 397 bei Teginzindorf. 

Dieselbe Regel des allein zulässigen echten Genetivs gilt für 
die durch ihren kurzen Wurzelvocal und nicht Position machenden 
Consonanten sich anschliessenden Namen, umsomehr als dieselben 
nicht durchaus Koseformen darstellen. Voran stehen da Pabo, Ptiobo 
und Poto. 

Pabo: Gen. Babin Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 251, 
und diesem gleichwertig Pabonis (Pabo filius Pabonis ebenda n° 640). 
Dazu Babinberc (Bamberg, Gramm. 2, 600); Pabindorf (in Nieder- 
österreich bei Holenburg, Klosterneuburger Trad. n° 288. 292 und 
Cod. dipl. 2, 613«; in Steiermark Urkundenb. von Steierm. 1, 769a; 
in Ober-Oesterreich Rauch 2, 40); Paben niusidele (jetzt Markgrafen- 
Neusiedel? Urkundenb. von Heiligenkreuz 2, 429«; Cod. dipl. 
äustr.-fris. 3, 113 von 1318); Pabenpotoch d. i. fluvius Pabonis (Ur- 
kundenb. von Steierm. 1, 143 n° 132 von c. 1130 = Urkundenb. 
von St. Paul, S. 21 n° 15 nach 1115; Zuweisung unsicher; vgl. 
übrigens unten in § 6); Pabinvrisen (der Bubenwiesberg bei Alten- 
markt an der Enns, Urkundenb. von Steierm. 1, 183 n° 178 
von 1139). 

Auch das zu Babo im Ablaute stehende Buobo (Bube), » streng- 
st thochd.« Poapo und Puopo — wie sich beide berühren, trat eben 
heraus in Pabimcisen: Bubenwiesberg — bildet trotz der langen 
Wurzelsilbe den Genetiv nur regelrecht schwach, weil es keine 
Koseform ist. Also Poapintal (im tirolischen Innthale) Cod. dipl. 
austr.-fris. 1, 7 n° 6 von 799, und Buobintal Gramm. 2, 600; 
Buoberihoven (in Oberösterreich) Urkundenb. von Steierm. 1, 628. 
630 n° 649 von 1185; Buobetihfaen Cod. dipl. austr.-fris. 2, 364* (Bogen- 
hausen bei München); Buobtnberc (bei Lienz) Acta Tirol. 1, 282 J; 
BnobenJcirchen Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 158; Meiller, S. 323a; 
den pueben stat bei St. Gotthard O. W. W., Urkundenb. von Her- 



37* 

zogenburg, S. 241 n° 209 von 1360; Puebendarf (in Steiermark bei 
Moskirchen) Bauch 2, 190. — Belege für Puopo Puobo (auch ge- 
schrieben Pöbo) Schindler 2 1, 190 f. ; Acta Tirol. 1, 285a; Urkundenb. 
von Steierm. 1, 968£ (930—1140). 

Boto Poto (»Bote«? oder *bathus Kämpfer? doch bleibt PoJto 
unterschieden: Urkundenb. von Steierm. 1, 195 n° 130 von 1140; 
1, 207 n° 200 von c. 1140. — Gen. Potin Poten: testimonio . . . Polin 
de a&paren, Potin de 7naleisdorf t Salb, von Göttweih, S. 272, Urk. 
n° 15 von 1171; ich Pot von Metirlingen . . . mit willen und gunst 
rneins suns Poten, Urkundenb. von Klosterneuburg 1, 236 n° 239 
von 1330. Dazu Botenbrunne (Vereinsblätter 1886, S. 119—121), Poten- 
burc (ebenda 1885, S. 167—200), Potendorf (Salb, von Göttweih, 
S. 388Ä; Urkundenb. von Heiligenkreuz 2, 487A) und Potenstein 
(ebendaselbst). 

Doppelte Liquida (11 mm nn rr) und Muta (pp tt kk), sowie 
Verbindungen von Liquida und Muta (mp ; wegen Iz nz rz s. S. 382 f.) 
machen nicht Position, daher fallen weiter hieher 

a) Petto, durch verstecktes j entstanden aus *Patt(j)o Pall(e)o 7 
wie die Libri confrat, p. 416 b mit ihren Formen Battq Pallo Pauli 
zeigen; auch haben sie das Patronymicum Beüinc und als Frauen- 
namen Pela (für Petto) und Bellitrüda. Bei uns erzeigt sich Petto 
bloss mit seinem Gen. Pellin Pellen in Pellindorf, seit 1108 aus 
Göttweiher Aufzeichnungen (Salb., S. 354a) nachweisbar; später 
Pellendorf und zuletzt Peindorf (Urkundenb. von Heiligenkreuz 2$ 
483£, 1260—1384; von Klosterneuburg 2, 315, 1282—1366; des 
Schottenstiftes, S. 602cr, 1337—1416 u. s. w.); Pellendorf bei Hirn- 
berg, südöstlich von Wien. — Pello bildet denselben Gegensatz zu 

b) Pitto, der altnordisch in Baleygr: Bileygr und Bölvisus: 
Bilvisus waltet. Dem als einfaches Wort verlornen, in -bilde (aus 
althochd. *bilida Gerichtsbarkeit; erschlossen aus vnbilde wichbüde), 
unbil (ungemäss), billtch (billig), sowie den althochdeutschen Frauen- 
und Mannsnamen Pilidrüt -gart f., frid gts grlm -heim m. noch 
erhaltenen bil erkannte Jac. Grimm Myth. 3 , S. 442 Anm. und 
Deutsch. Wörterb., 2, 26 die Bedeutung »ius, aequitas« zu. Ab- 
kürzungen jener Zusammensetzungen mit Pili- sind Pilo (Acta Tirol 
1, 68 n° 186a von c. 1070) und Pilizo (ebenda 1, 6 n° 12 von 
c. 990) m., Piliza (Libri confrat, p. 491a) f. Jenes bil mit -Jan ab- 
geleitet ergab im Westgermanischen bei Verdoppelung des l vor 
dem j *Bittjo Billl'o Billo, altoberdeutsch Pillo. Zu ihm gehört als 



375 

sein Patronymicum der angelsächsische Bitting, althochd. Billunc 
Pillunc (Myth. 3 , S. 347; Libri confrat, p. 419a 491a; bei uns Acta 
Tirol. 1, 32 n° 77 von 1050—65; Urkundenb. von Steierm. 1, 967*; 
Salb, von Göttw., S. 388a). Wie nun diesem Billunc im »Renner« 
Nidunc (Neiding) gegenübersteht, so bei Saxo dem Bilvts d. i. dem 
im Rechten Weisen oder Guten, der Bölws (aus Baluvfo) als der 
zum Verderben Weise oder Böse, altsächsisch baloicis Adj.; und 
ebenso ist Odhinn bald Bileygr »sanftäugig« bald Baleygr »zorn- 
äugig«. Der Stamm balva- ist gemeingermanisch: goth. balvavösei 
Bosheit, balveins Qua], balvjan quälen; althochd. balo palo (Gen. 
balawes) Verderben, altsächs. balo Übel, altnord. böl (aus balu) cala- 
mitas u. s. w.; in Zusammensetzungen althochd. palomunto schlechter 
Vormund, palotdt Missethat, altmittelhochd. palwahs zum Verderben 
scharf u. s. w. Ein gothisches Verbalsubstantivum *balvja würde 
etwa »Peiniger« bedeuten: man darf es in Ballo PaUo Palli Pello 
wiedererkennen, da auch gemeingermanisch n, unter gleichzeitiger 
Vocalisierung, im Westgermanischen den vorangehenden Consonanten 
verdoppelt (Braune, Althochd. Gramm. § 96 Anra. 5; § 109 Anm. 3): 
voralthochdeutsche Grundform etwa *Ballujo, woraus *BaMjo u. s. w. 
Doch kann Pello auch schon Kürzung sein eines Mannsnamens mit 
balvi- d. i. dem Verbalstamme von balvjan (statt der sonstigen Zu- 
sammensetzung mit dem Substantivum balva- balo- böl-: s. oben die 
Beispiele): gewiss im Frauennamen BeUitrüda, der sich nun als 
Gegenstück ausweist zur Bilidrüt — jenes die quälende, dieses die 
freundliche Drude. Somit ist auch PiUo der Gerechte oder Gute, 
Pello der Verderber oder Böse. — Von erstem begegnet der Gen. 
Pillin in 

Pillinchirchin^ Klostern euburger Trad. n° 165 (vor 1144). Der 
Herausgeber macht Prellenkirchen (im Gerichtsbezirke Hainburg) 
daraus, aber letzteres heisst schon im Mittelalter so: uilla Prellen- 
cJiirchen ebenda n° 232 (XII./XIII. Jahrb.); Meiller, S. 322 b 
(c. 1133—1156); Urkundenb. von Heiligenkreuz 2, 488a (1250—1329); 
bloss des Reimes wegen umgedreht Kirclienprel Helbling 15, 503. 
Prellen- (etwa Genetiv von einem Personennamen Prello) ist mir 
übrigens dunkel; die einschlagenden Wortformen pral Lärm, prelle 
Schreier, prellen brüllen, pral spannkräftig, prall, prellen abprallen 
(Lexer 2, 289. 291) sind mittel- und niederdeutsch und dringen vor 
dem XIV. Jahrhundert kaum ins Oberdeutsche. 



fc 



376 

c) Polio (zusammengezogen aus Potüo, dem Diminutiv von 
Poto?) Libri confrat, p. 491 d (wo auch weibliches Potta); Todtenb. 
von Spital am Pyrhn, 31. Mai (Arch. f. österr. Gesch. 72, 114); als 
Beiname zumal Wiener Bürger Stiftungenb. von Zwetl, S. 270. 
296. 644. 672, Urkunden von 1256, 1303, 1324; Urkundenb. von 
Heiligenkreuz 2, 487a (1289—1322). — Gen. PolMn, mittelhochd. 
Pollen in PoUenheim (vicus Pollonis), späterhin Polnheim (wie Pein- 
dorf aus Pellen-), Polheim bei Wels: Christina de poUenheim conuersa 
Todtenb. von St. Florian, 16. März, mit Anm. 62 (Arch. 56, 305. 
328); Meiller, S 322a (c. 1137—1246) u. s. w. 

d) Willo (Acta Tirol. 1, 157 n° 4506 von c. 1130—40; fem. 

Willa ebenda 1, 41 n" 102 von c. 1050—65, und Todtenb. von 
St. Florian, 27. März, Arch. 56, 306), Abkürzung von Willihelm 
oder eines andern mit witti- zusammengesetzten Namens (Willigt* 

Williheri u. s. w.). — Gen. Willin in 

Willindorf (Willendorf, westlich von Wiener-Neustadt) Salb, 
von Klosterneuburg, Trad. n° 578. 601; Urkundenb. von Steierm. 
1, 932«; von Heiligenkreuz 2, 51 7 & — und Willenbrücke Enenkel bei 
Rauch 1, 244; dazu Vereinsblätter 1886, S. 271 Anm. 1. Beleg von 
c. 1170 in dem Prachtwerke > Hernstein in Niederösterreich, € Band 3, 
Abth. II, S. 485. 

e) Immo (aus Irmino) Cod. dipl. austr.-fris. 1, 15 n° von Salb, 
von Klosterneuburg, Trad. n" 124. 231. 241; Urkundenb. von 
Steierm. 1, 104 n° 89 von c. 1100; von St. Paul, S. 28 n° 21 
vor 1105; Acta Tirol. 1, 312a (982— 1065). — Gen. Immin Immen in 

a) Immenberc, 1140 — 47 Immonis mons (Acta Tirol. 1, 161 
n° 460): Imberg bei Rasen im Pusterthale. 

ß) Immenlrriicke in der S. 51 für Tallesbrunn angeführten Ur- 
kunde von 1120; später Inpruke Salb, von Göttweih, S. 323 f., 
Urk. n° 55 von 1276; Urkundenb. von Herzogenburg, S. 546&; 
von St. Polten, S. 117 n° 87 von 1268 u. s. w. — Inbruck im 
Gerichtsbezirke Neulengbach. 

Y) Lumendorf im Bezirke Ober-Hollabrunn : Stiftungsb. von 
Zwetl, S. 723a (1217—1285); Kaltenbaeck 1, 569 ff. 

e) Benno Ptmno durch *Berino Koseform von Bernhart Gramm. 
3, 693; Stark, S. 280; Acta Tirol. 1, 280g, c. 985—1100; Urkundenb. 
von Steierm. 1, 967«, c. 1030—1153; Salb, von Göttweih, S. 385*, 
c. 1100— 1180; Todtenb. von St. Florian, 18. März (Arch. 56,305). 
— Gen. Pennin in Pennninwanc Juvavia, Anh. p. 95 n° 38 von 860; 



377 

p. 112 n° 54 von. angeblich 890. — Eine verschollene Örtlichkeit 
im südöstlichen Niederösterreich, vgl; Kaemmel 1, < 263 ; Dr, Jos. 
Lampel in den Vereinsblättern 1888, S. 155 f. 

f) Porrot s. unten in § 6. 

g) Poppo, mittelhochd. Poppe, österr. Poppe (nach Wackernagel 
Koseform von Jacob; anders Stark, S. 286 f.) Acta Tirol. 1, 282* 
(1050—75); Urkundenb. von Steierm. 1, 967* (c. 1130—85, 
worunter S. 147 n° 138 Poppo filins Popponü). — Gen. Poppen in 

a) Poppendorf (eines im Bez. St. Polten, eines im Bez. Scheibbs) 
Urkundenb. von St. Polten, S. 410 n° 348 von 1348, S. 464 n° 397 
von 1356; Todtenb. von St. Polten, 20. Januar (Fontes IL 21, 460). 

ß) Poppengruobe und Poppen Nhisidel Urkundenb. von Alten- 
burg, S. 239 n° 252 von 1358. 

Dazu der freie Dativ Poppen im Ortsnamen da zem Poppen 
(Gross- und Klein-Poppen im Bezirke Zwetl; Veste Poppen im 
Bezirke Waidhofen an der Thaja): Albero de Poppen Stiftungenb. 
von Zwettl, S. 109, Urk. von 1205; zicai (lehen) datz dem Poppen 
ebenda S. 422, Urk. von 1309 ; vgl. noch S. 494. 537 ; Chraft von 
den (1. dem) Poppen Urkundenb. des Schottenstiftes, S. 238 n° 210 
von 1342. — Femininum Pöppinne als Ackername Urkundenb. von 
Altenburg, S. 26 n° 27 von 1282. 

h) Noppo (Koseform eines Personennamens mit nort-, als Noiir 
peraht oder Nortuuini) Acta Tirol. 1, 321a (1050 — 90) ; Urkundenb. 
von Steierm. 1, 978a (1050. 1180); Todtenb. von St. Florian, 
6. Januar (Arch. 56, 300). — Gen. Noppin Noppen in 

a) Noppenberc (Oppenberg im steirischen Ennsthale) Urkundenb. 
von Steierm. 2, 694* (c. 1230—39); Ottokar, S. 237*; Todtenb. 
von Spital am Pyrhn, 29. Sept (Arch. 72,133); 

ß) Noppenbiunte Passauer .Urbar von c. 1230 (Arch. 53, 276 
mit Anm. 137: in Oberösterreich bei Schönering oder Aschach); 

Y) Noppindorf (bei Ober-Wölbling, s. von Göttweih) Salb, von 
Göttweib, S. 363*, Belege des XII. Jahrhunderts; Urkundenb. von 
St. Polten, S. 291 n" 247 von 1328. 

«) Natto s. unten S. 414. 

j) Petto Koseform eines Namens mit berht- bert- (glänzend) Stark, 
S. 281; Cod. dipl. austr.-fris. 1, 14. 15 n° 11. 12 von 828; 1 7 27 n° 26 
von c. 900; Acta Tirol. 1, 73 n° 202 von c. 1070; Urkundenb. von 
Steierm. 1, 57 n° 48 von c. 1030. — Gen. Pettin in 



378 

a) Pettenbach (bei Payerbach an der Semmeringbahn) Oestr. 
Weist. 7, 325 f., XVII. Jahrh.; 

ß) Pettenbach (in Oberösterreich bei Kirchdorf an der Krems) 
Urkundenb. d. L. ob d. Enns 2, 475 f. n° 330 nach 1200 u. s. w. 

y) Pettindorf (im Bezirke Stockerau) Salb, von Göttweih, 
S. 3546; Urkundenb. von Klosterneuburg 1, 50 n° 55 von 1294. 

k) *Retto, mittelhochd. *Rette, kaum das Verbalnomen zu retten 
und etwa den Retter der Seinigen aus Noth und Gefahr bedeutend, 
sondern eher eines Stammes mit Rato Ratili (Retili S. 48. 55) Ratini 
(= Ratwini) Razo (S. 372) Rezo. Nur zu folgern aus seinem Genetiv 
Rettin Retten in 

Rettenbach, dem zumal in den oberösterreichischen Alpen so 
beliebten Bachnamen, und in den Bergnamen 

Rettenberc und Rettenstein. Ein (mons) Rettin d. i. Rettenberg 
wird 1197 in Kärnthen bei Hüttenberg genannt (Urkundenb. von 
Steierm. 2, 55 n° 26). — Wegen des Rettensteins, der den südwest- 
lichen Absenker des Thorsteines, aber schon auf salzburgischem Boden 
bildet, s. unten § 5. Andere Berge Rettenstein gehen zuweilen auf 
Retilinstein zurück, mit dem Genetiv des Deminutivums von Rato oder 
Retto (oben S. 48). 

I) Hitto (von Hildebert oder einem anderen Namen mit hüti- 
Gramm. 3, 693; Henning, Die deutschen Runen, Strassburg 1889, 
S. 60) Cod. dipl. 1, 11. 14. 15 n° 9. 11. 12 von 816 und 828; 
Acta Tirol. 1, 11 n° 25 von c. 995. Gen. Hittin in Hittindorf (eines 
der Hüttendorf in den Vierteln unter und ober Mannhartsberg) Salb. 
von Klosterneuburg, Trad. n° 187. 217. 370. 439. 546; Urkundenb. 
des Schottenstiftes, S. 81 n° 66 von 1288; von Altenburg, S. 403. — 
Hittenberc Arch. f. K. ö. G2. 19, 258 (XII. Jahrh.); Hittenvurt (bei 
Landshut in Baiern) Cod. dipl. austr.-fris. 2, 42 li (1180—87). 

m) Otto, mittelhochd. Otte (von dt Schatz: Wackernagel, Altd. 
Wörterb. 1861, S. 222a) ; der so häufige Name bedarf hier keiner 
Nachweise. Gen. Ottin Otten steckt in predium Ottonis Salb, von 
Göttweih, S. 265, Urk, n° 9 von c. 1124 und S. 53, Trad. n° 216 
desgleichen, heute Ottenschlag; und in beneßcium Ottonis ebenda 
S. 80, Trad. n° 315 von c. 1190, vielleicht das bei Raxendorf ge- 
legene Ottenpery des Göttweiher Dienstbuches von 1302 (ebenda 
S. 191. 220). Der deutsche Genetiv ferner in Ottenstein (Stif- 
tungenb. von Zwetl 1. 727if; Urkundenb. von Steierm. 2, 695£), 
Ottental (Stiftungen b., S. 560); der Dativ in da zem Otten } mit dem 




379 

elliptisch gebrauchten Genetiv des Deminutive, Ottelines für dieselbe 
örtlichkeit des Viertels ober Manhartberg wechselnd: daz guet datz 
dem Otten pei Gloknitz Stiftungenb., S. 261, Urk. von 1306; Otten 
uel Ottleim iuxta Gloknitz ebenda S. 493; weiteres im Register, 
S. 727Ä. Vgl. dazu meine Bemerkung Zeitschr. f. d. Alt. 31, 99. 

n) Tatto (mit Tazo identisch) in Tatindorf Klosterneuburger 
Trad. n° 149. 261. 444. 601 (Tattendorf im Bezirke Wiener-Neustadt). 

o) Bucco (Koseform von Burchart Stark, S. 280) Salb, von 
Klosterneuburg, Trad. n° 62 (Pöcco); Todtenb. von St. Florian, 
24. März (Arch. 56, 305). — Gen. Buckin (Buccin) in Buckindorf 
Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 27. 29. 288, und von Göttweih, 
S. 231 (auf dem Tulnerfelde). 

p) Racco (Belege s. oben S. 49) mit Gen. Rakkin Racdn in 

a) Rakkindorf Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 335. 463; 
später mit Umlaut Rekkendorf Urkundenb. des Schotten Stiftes, S. 194 
n° 170 von 1331. — Roggendorf bei Eggenburg U. M. B. In der 
modernen Form waltet Umdeutung auf den Genetiv von Rocco, vgl 
Chunradus Rocco Urkundenb. von Steierm. 1, 406 n° 426 von 
c. 1160. 

ß) Rakkintal Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 542 ; Raykental 
(== Reckental, mit ai = a) Racgental und Rekental Urkundenb. von 
Heiligenkreuz 1, 99. 126 n° 187. 123; 2, 63 n° 68, von 1239. 1254. 1319. 

q) Sicco (Stark, S. 277), kosende Abkürzung eines mit sign- 
sigi- »Sieg« zusammengesetzten Mannsnamens: Gesch. d. d. Spr., 
S. 630; Zeitschr. f. d. Alt. 1, 3 f.; Urkundenb. von Steierm. 1, 22 
n° 18 von 928; Cod. dipl. 1, 83 n° 80 von 1065; Acta Tirol. 1, 331a, 
1050 — 90) mit Deminutiv Siccili (d. i. Sickili, neuhochd. Familien- 
name Sickel) und Femin. Sicca. — Gen. Siccin Sickin, auch Sikken 
Siggen in 

a) Sickindorf (Sikken- Sigcliendorf Sitten dorf bei Wildeck im 
Wienerwalde) Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 16. 27. 149. 163. 
345. 349; Urkundenb. von Heiligenkreuz 2, 500a (1136—1384); 

ß) Siggendorf in Obersteier, Urkundenb. von Steierm. 1, 389 
n° 404 von 1160; 

Y) Sikkenstein in Niederösterreich, ebenda 1, 452 n° 454 
von 1164. 

Die andere, weichere Koseform (ohne die westgermanische Ver- 
schärfung: Zschr. f. dtsch. Alt. 33, 19) lautet Sigo (Denkm. d. P. 
und Pr. 2 LXIII, 5 von 777). Gen. Sigin Sigen in 



380 

a) Siginriuti (Sigenreut bei Kottes), als noudle quod dicitur 
Sigin in der Göttweiher Trad. n° 73 vor 1108. 

ß) Sigendorf .(Siegersdorf) Klosterneuburger Trad. n° 455 ; Ur- 
kundenb. von Heiligenkreuz 2, 187 n° 184 von 1343 (Siegersdorf 
bei Wiener-Neustadt) ; von St. Polten, S. 424 n° 359 von 1349 
(Siegersdorf im Bezirke Kirchberg an- der Pielach?); 

Y) Sigenvelt (Siegenfeld hinter Baden) in den Heiligenkreuzer 
Urkunden n° 2. 6. 13. 20. 42. 91 zwischen 1136 und 1236. 

8) Sigenheim (wo?) Geraser Urkunde n° 2 von 1219 (Arch. f. K. 
österr. GQ. 2, 13). 

r) Gumpo (Klosterneuburger Trad. n° 474; Göttweiher Trad. 
n° 57 und 111 von c. 1100 u. s. w.), Abkürzung von Ountbaü Gum- 
po/t, hat Gen. Gumpin in 

Gumpindorf, der ehemaligen Wiener Vorstadt : Salb, von Kloster- 
neuburg Trad. n° 186. 315. 341. 387. 600. 653; von Gftttweih n° 
274 nach 1156. 

Atto (J. Grimm, Kl. Sehr. 7, 72; Urkundenb. v. Stcienn. 1, 966*), 
Patto oder Batto (Denkm. 2 LXIV, 1. 34 von 779; Kaemmel 1, 281 
Anm. 1 ; vgl. Pato oben S. 374), Etto (Etti Cod. dipl. austr.-fris. 1, 8 
n" 6 von 799), Füäo (Acta Tirol. 1, 6 n° 12 von c. 990); Gatto 
(Denkm. 2 LXIV, 1, 20), Hatto (Acta Tirol. 1. 306a; Salb, von Gött- 
weih, S. 405 a\ Gen. Hattln im rheinfränkischen Hattinheim), Totto 
(Cod. dipl. austr.-fris, 1, 8 n" 6 von 799), Zato (Stark. S. 316; Ur- 
kundenb.. von Steierm. 1, 984Ä von c. 1030), Zotto und Zutto (ebenda; 
Denkm. 2 LXIV, 1, 29; Zeuss, Die Deutschen, S. 147) und andere 
Formen dieser Art scheinen bei uns in Ortsnamen nicht zu begegnen. 
Wegen Fritto (Gramm. 3, 602 f.) s. nachher S. 387. 

Diese Namen auf ~tto -to sollte man neben denen auf -zzo -zo 
bei der durchgreifenden Gemeinsamkeit der Stammsilbe für nieder- 
deutsch nehmen: Atto: Azzo (oben S. 33), Patto: Pazzo, Fatto: Vazzo, 
Petto: Pezzo, Hltto: Jltzzo, Into: Tnzo, Petto: Rezzo, Tatto: Tazo, Uoto: 
Vozo, Watto: Wazo, Zato: Zazo, Totto: Tozzo u. s. w. und so sind sie 
Gramm. 3, 692 f. besprochen. Indes ist das unthunlich, nachdem 
auch die Formen auf -tto gut oberdeutsch sind. Man hat Antritt 
zweier verschiedener lingualer Suffixe (-tan und san : Kluge, Stamm- 
bildungslehre § 60) an dieselben Stämme anzunehmen. So ergab 
patu- (pugna) als der für die abgekürzte Form zurückbehaltene erste 
Teil eines zusammengesetzten Personennamens einmal Pat-to, das 
andere Mal Pat-so Pazo; so got- einmal Got-to, das andere Mal Got-so 



381 

Gotzo (unten S. 410); desgleichen hadu- (Kampf) Had-to Hatto und 
Had-so Hazo; und rat- Rat-to und Rat-so Razo (sogar Ratso ge- 
schrieben Cod. dipl. austr.-fris. 1, 106 n° 104 von 1158). Ahnlich 
geht Zazo hervor aus Zatiso Zat-so neben Zato (Stark, S. 325). 
Anders scheint Ozo neben Otto: letzteres keine Kürzung, sondern 
unmittelbar von 6t (Schatz) abgeleitet (»Schätzchen«), dieses mittels 
-san aus Ot- als Kürzung einer Zusammensetzung damit gewonnen. 
Beachtenswert die Consequenz, mit der diese Doppelformen bei den 
einzelnen Stämmen durchgeführt werden. 

Die Kraft, mit welcher die im Vorhergehenden abgehandelten 
Koseformen die Erweiterung des Genetivs von sich abhalten, ist 
siegreich auf der ganzen Linie, so dass Ausnamen durchaus nur 
scheinbar sind und man sich hüten muss, vorschnell solche aufzu- 
stellen: wie mir selbst begegnet ist, bevor ich die Regel vollständig 
erkannt hatte. Wo bei Kürze der Stammsilbe durch Vocal oder 
Consonant Erweiterung des Genetivs zu bestehen scheint, ist das 
stets anders zu erklären. Man darf also beispielshalber in den ur- 
kundlichen und im Verlauf an ihrem Orte zu erläuternden Pareins- 
dorf Gotinesvelde Hatinesdörf Otensheim Reizeinsfurt Ruginesfeld 
Stgtnsdorf Witinesberc u. s. w. nicht etwa erweiterte Genetive 
von Paro Goto oder Gotto Hatto Otto Razo oder Rezo Rugo Sigo 
Wüo u. s. w. sehen wollen : die folgenden Paragraphe werden er- 
geben, dass in solchen Fällen stets Abnützungen zusammengesetzter 
Personennamen auf -wini oder -man anzuerkennen seien. Andere 
Fallstricke, wie z. B. Ezines und Razines sie legen, kommen noch 
im vorliegenden Paragraph unter den einzelnen Namen zur Sprache. 
Gleich abzuthun sind hier jedoch, weil sie im Vorigen bereits abge- 
handelte Namen betreffen, der Ckunradus poleinsmenel (auch Polleins- 
mendel) zweier Melker Urkunden vom 1. und vom 28. Mai 1277 
(Keiblinger 1, 1142. 1143 n° llrt und lli) und ein obersteirisches 
Pelleins char von 1316 (Cod. dipl. austr.-fris. 3, 159). Dieselben 
sind nicht etwa in Pollines mennelin, Pellines fear mit erweiterten 
Genetiven von Polio und Pello reinzuschreiben und als »Männlein 
(Knecht) des Polio«, >Kar (Felsmulde) des Pello« zu verstehen. 
Sondern es handelt sich dabei um die stofflichen Adjectiva bollin 
(Lexer 1, 324) von bolle Pohlmehl (1, 323 f.), und bellin von bal 
Ball oder balle Ballen. Letzteres kennt Lexer zwar nicht, bloss 
ein Deminutiv bellin pellein (1, 174; Nachtr. 58) von balle (Ballen) 
oder belle (kreisrunde Erhebung), und man könnte es zur Noth 



382 

hier gegeben finden: »Kar des Bällchens«. Der gleiche Sinn wird 
jedoch ungezwungener ausgedrückt bei Annahme des stofflichen Ad- 
jectivs: belliuez kar »kreis- oder ballrundes Kar«. Ganz allein diese 
letztere Anname ist möglich bei dem Kuonrät der da genant ist 
boUtnez mennelht: er führte den scherzhaften Übernamen > Männlein 
aus Pohlmehl«, weil er ein Bäcker war, als welcher er nebst seinen 
18 Berufsgenossen zu Melk in der lateinischen und deutschen Ab- 
fassung der Bäckerordnung des genannten Marktes Platz findet. Die 
Schreibung mit auslautendem * für mittelhochd. z in polleins petteim 
ist dieser spätem Zeit gemäss. 

Die einzige Ausname, welche die Formen auf -Uo (die ihr U 
ebenso vereinfachen können wie die auf -zzo ihr zz) späterhin zu- 
lassen, erfolgt nicht nach dem Genetiv -ines der Deminutiva, sondern 
nach dem an meist slavischen Mustern erlernten Genetiv -eies hin. So 
bildet Fatto oder Fato : Fateies, Retto (S. 378) vereinzelt Retteies, und 
Wulzo: Walzeies, wonach es sogar den Nominativ Wulzei annimmt 
(unten S. 400). Diese Fälle werden im Zusammenhange der Behand- 
lung dieses fremden Genetivs (im § 5) vorgebracht. 

Bei den Formen auf -zo nebst Anhang findet die Umwandlung 
des regelrechten schwachen Genetivs -in in den erweiterten -Ines 
nur dann statt, wenn der Wurzelvocal als einfach oder als Diphthong 
lang, oder bei Kürze desselben Position machende Doppelconsonanz 
vorhanden ist. Dass dazu das doppelte oder vereinfachte zz tz z 
nicht genüge, ist schon S. 369 f. festgestellt und nachgewiesen. Bloss 
zweisilbige Namen fordern bei vorhandener Kürze des Wurzelvocals 
mindestens den Antritt ihres z an schlie3sendes n der Stammsilbe, 
um der erweiterten Genetivform im Principe zugänglich zu werden: 
doch auch dann ziehen sie ihren echten Genetiv durchaus vor. Es 
heisst also ausschliesslich Anzin (von Anzo, mit Umlaut Enzin) Panzin 
Penzin Ponzin Lanzin Minzin Simzin Teginzin, und ebenso mit rz 
Porzin: dagegen Enzines (von Enzo), Gunzines (von Gunzi Gunzo), 
Wenzincs; beide Genetive sind da bei Ranzin und Ranzines, Wulzin 
und Wulzines, Zinzin und Zinzines. Ebenso werden beide Genetive 
erlaubt von den zweisilbigen mit langem Vocal oder Diphthong der 
Wurzel, an den das z unmittelbar sich schliesst; also von Liuzo 
(Liuzi) Ozo (Ozi) Ruozo Uozö. Doch bleiben da wieder draussen Hfizo 
Nizo RxzOj und wahrscheinlich auch Izo und Slzö, die sämtlich nur 
ihren eigenen schwachen Genetiv haben wollen; von Jüzo belegt 
sich wieder nur der erweiterte. Vollständige Ablegung des schwachen 



383 

und ausschliessliche Annaine des erweiterten starken Genetivs er- 
scheint übrigens einzig bei den dreisilbigen Abizo (Abezi) Agizo 
(Egizi) Amizo (Arnizi Amzi) lniizo (Imizi) JRagizo (Ragizi) Tünizo; 
auch bei Friduzo, obwol es stets in der zusammengezogenen Gestalt 
Frizzo auftritt; wogegen Sigizo y das in Ortsnamen gleichfalls nur als 
Sizo (s. hier oben) erscheint, nur Sizin zu bilden scheint, und nicht 
Sizines = Sigizines. Warum Teginzo sich der Erweiterung entziehe, 
ist eben vorhin erklärt Dasselbe scheint der Fall bei Wibizi — 
durch Übertragung jenen dreisilbigen Beispielen angereiht ist Witigo 
mit seinem zweiten Genetiv Witigines (unten § 4). 

Viele dieser Namen geneigen der Ablegung ihres richtigen 
Noininativausganges -o und der Anname des Ausganges -i, gleich 
den Deminutiven auf ~ilo -iti, und aus demselben Grunde wie diese: 
8. darüber oben S. 33 f. mit Verweis auf Bair. Gramm. §§ 242. 
243. 245. Dies gilt vor allem von den eben vorgeführten drei- 
silbigen, aber auch von zweisilbigen — darunter selbst von solchen, 
die sich der Erweiterung des Genetivs ihrer Natur nach weigern — 
als Pezzi (Cod dipl. austr.-fris. 1, 14 n° 11 von 827), Etti (S. 374), 
Diezi (S. 35), Gozi (Urkundenb. von Steierm. 1, 410 n° 432 von c. 
1160, nebst lateinischem Dativ Gozini), Gunzi, Linz!, Mezzi, (S. 372), 
Ozi (und selbst Ozie), Bazi, Tozi ('S. 372). und ganz besonders 
von Enzi (Enzie), das zu Enzo, gleichwie Azili zu Azdo 1 erst im 
XII. Jährhundert und nur widerwillig sich entschliesst (S. 386). 

Diese ganze Reihe ist nun zunächst zu erledigen. 

a) (Abazo s. unten im § 6), Abezi (Libri confrat., p. 401£, wo- 
selbst auch weibliches Abezuuib, einfaches Abeza voraussetzend), ge- 
wöhnlich umgelautet Ebizo (Acta Tirol. 1, 16 n° 39 von c. 1000), 
abgetönt Ebeze (Todtenb. von St. Florian, 10. Oct., Arch. 56, 316: 
ungewiss ob m. oder f.): Erweiterung von Abo Ebo (oben S. 40), 
vgl. Stark, S. 310. — Gen. Abizines Ebizines in 

Ebizinesdorf (Etzersdorf bei Waiz, östlich von Graz) : Epzins- 
torf Urkundenb. von Steierm. 1, 667 n° 685 von 1187. Dafür 
Ozinesdorf, mit Umdeutung auf Genetiv von Ozo (unten S. 392 f.), wie 
solcher Namenwechsel öfter zu treffen ist ((Etzesperg für Etzdmesberc 
oben S. 50 ; Ottih — Uotilo S. 63 ; Vezingen von Uozt>, für Htzingen 
von Hizo 7 Vereinsblätter 1884, S. 381): Ozenstorf Urkundenb. von 
Steierm. 1, 680 n° 694 von 1188. 

b) Agizo, mit Umlaut Egizo (Acta Tirol. 1, 6 n° 12 von c. 990 
u. ö.), gewöhnlich aber Egizi (Acta Tirol. 1,295£, 985—1075, mit 



384 

Engizo zusammengeworfen; Urkundenb. von Steierm. 1, 970J, o. 
1030 — 70), Erweiterung von Ago, der Koseform eines mit agi- egi- 
(Schrecken) zusammengesetzten Namens. — Gen. Egizines in 

a) Egizinesberc, heute Eckartsberg bei Gerolding unweit 
Melk: Salb, von Göttweih, Trad. n° 260 von c. 1150 mit Anm. 
S. 117. 190. 

ß) Egizinesdorf Salb, von Göttweih, S. 252. 255, Urkunden 
n° 1 und 3 von 1083 und 1096; S. 20. 31, Trad. n° 70 und 115 
von c. 1005 und 1110; von Klosterneuburg, Trad. n° 501. Der 
Herausgeber des erstem schwankt wegen der Zuweisung zwischen 
Klein-Engersdorf und Lang-Enzersdorf (s. hernach bei Enzi und 
Imizi): wegen des n in beiden modernen Formen scheinen beide 
abzuweisen. 

Aber in der Göttweiher Urkunde n° 7 von 1108 (S. 261) wird 
dies Egizinesdorf geschrieben Ezinistorph. Danach wird auch H. de 
Ezinesperch et fratres eiusdem in einer Urkunde von 1277 (Cod. 
dipl. austr.-fri8. 1, 363 n° 343) nach jenem Egizinesberge heissen. 
(Doch vgl. unten S. 390.) Und beidemal wäre der Schluss auf einen 
der S. 369. 381 gegebenen Regel zuwiderlaufenden erweiterten Genetiv 
Ezines von Ezo voreilig und falsch. In Ezines aus Egizines liegt 
aber nur flüchtige Aussprache und Wiedergabe derselben vor, nicht 
eigentliche Zusammenziehung, die zu Etztnes geführt hätte, vgl. 
agisa egese eise, Agasta Eiste (Vereinsblätter 1888, S. 77. 113) und 
hier unten bei Ragizi. 

c) Amizo Koseform von Amalrik, schon wandilisch Amita (Stark, 
S. 310; Henning Deutsche Literaturzeitung 1887, Sp. 1550): Ur- 
kundenb. von Steierm. 1, 184. 268. 358. 640 von 1139, 1147,1155, 
1185; dafür Amzi ebenda, 1, 491 n° 528 von c. 1170 und latin. 
Amzinus 1, 590 n° 621 von 1183; Amizi Acta Tirol. 1, 9 n° 19 von 
c. 990; Amazo Amize Amzo Libri confrat, p. 411; mit dem t- Suffix 
Amato Bair. Gram. § 205. — Gen. Amizines in 

Amizinesbach (Anzbach, östlich von Neulengbach): Amizines- 
back 998 (Newald, Gesch. von Gutenstein 1, 29 f.); Amcinespach 
Salb, von Göttweih, S. 383*, c. 1188—95; von Klosterneuburg 
Trad. n° 349 (von 1171) und 449; Amzinspach ebenda n° 385. 432; 
Amicinsbach n° 568 ; Urkundenb. von Heiligenkreuz 2, 427 (1 1 78— 1 203) ; 
von Steierm. 1, 528 n° 555 von 1174. Ein einziges Mal mit Um- 
laut Emizinesbach, im zuletzt angeführten Urkundenbuche 1, 597 
n° 625 von 1184. Später Entzespach 1311 (Arch. f. K. ö. QQ, 



385 

9, 277). — Ein beneficium Amizonis Urkundb. von Steierm. 1, 268 
n° 258 von 1147. 

d) Arno (Stark, S. 328 ; von einem Namen mit ant- oder 
ana~): Cod. dipl. austr.-fris. 1, 27 n° 28 von c. 930*, Urkundenb. 
von Steierm. 1, 966«, Belege von 1020 — 1139; mittelhochd. Anze 
Neidh. 35, 23. 66, 35. — Kennt bloss den regelrechten schwachen 
Genetiv Anzin in 

a) Anztnberc (Anzenberg bei Inzersdorf ob der Traisen): Salb, 
von Göttweih, S. 383£f., c. 1124 — 1217; darunter mit unterdrücktem 
n des Genetivs Anziberch (S. 71, Trad. n° 283 von 1161= Urkun- 
denb. von Steierm. 1, 433 n° 467) u. s. w. 

ß) Anzindorf (Anzendorf bei Loosdorf), seit 1083 in Göttweiher 
Aufzeichnungen (Salb., S. 353£. 384a). 

Y) Anzinkirchen Meiller, S. 139 n° 216 von 1227. — eeclesia 
Anzonis 860 südlich von Putten genannt, Juvavia, Anh. p. 95 n° 38. 
Dazu Kaemmel 1, 263. 

e) Panzo (Stark, S. 329) Libri confrat., p. 486 d nebst Panto\ als 
Beiname ich Ott der Parnz, Jansen dez Panzen (Gen.), Cod. dipl. austr.- 
fris. 2, 272. 273 n° 681 von 1339. — Gen. Panzin Panzen in 

Panzenbach (Bauernhof Panzenböck bei Gutenstein): de Panzenbach 
XXX nummi dantur, c. 1170, Prachtwerk »Hernstein in Niederöster- 
reich«, Band 3, Abth. II, S. 486; ob einer arbait hot in dem Panczen- 
pag, Taiding von Gutenstein, Oestr. Weisth. 7, 359, XV. Jahrh. 

f) Penzo (Stark, S. 329) Acta Tirol. 1, 280* (mit deminutivem 
Penzili; vgl. Penzelinus Todtenb. von St Florian, 5. April, Arch. 56, 
306). — Gen. Penzin Penzen in 

Penzenouwe: holcz gelegen zu Sant Veit in der Penczenaw bei 
Klein-Engersdorf), Urkundenb. des Schottenstiftes, S. 463 n° 376 
von 1398. 

g) Ponzo (Stark, S. 329) aus Bonizo, mit deminutivem Ponzüi 
(Eble von Sulzen der Poentzd, Acta Tirol. 1, 267 n° 732 von 1318). 
Als Beiname Ottone sacerdote dicto Ponzone Cod. dipl. austr.-fris. 
1, 338 n° 314 von 1276. — Gen. Ponzin in 

Ponzinberc (im Pusterthale bei Olang): Acta Tirol. 1, 89 n° 249 
von 1070—80, vgl. in derselben Gegend hof ze Ponzenbach Fontes IL 
34, 245 n° 488 von 1335. 

Ä) Porzo mit Gen. Porzin in Parzindorf (Perzendorf an der 
Schmieda): s. Vereinsblätter 1886, S. 161. 

Blätter des Vereinet für Landeskunde ron Niederöstcrreiea. 1889. 25 



386 

i) Enzi, dies die von Alters her allein gültige Form: Acta 
Tirol. 1, 3 n°5 vor 975 (zweie) ; 1, 7 n° 15 von c. 990 ; 1, 76 
n° 209 von c. 1070; 1, 96 n° 269 von c. 1075 (Enzi Izo); 1, 97 
n° 270 von c. 1075 (lat. Ablativ Enzione, gegen Anzone Ilazone 
[oben S. 372]); Cod. dipl. austr.-fris. 1, 49 n° 48 von c. 995; Ur- 
kundenb. von Steierm. 1, 48 n° 40 von 1020 (Racco Anzo Liuzi 
Enzi, item Enzi, item Racco); 1, 21 n° 17 von 927 (Enzi Rad); 
1, 361 n°376 von c. 1155 (Enzi=Enza fem.); 1, 409 n° 431 von 
c. 1160 (Gen. Enzin: vom Herausgeber mit dem Nominativ vermengt 

1, 971a). Im Salbuche von Gott weih mit ~ie (wie Azäie Mazüie 
Wizilie etc.) Enzie, Trad. n° 45 von c. 1120; vgl. dazu vorhin Abi. 
Enzione und den König Enzio, Sohn Kaiser Friedrichs II. von 
Hohenstaufen. Ganz gewiss ist der Stamm Antjan- fürs Masculinum, 
Antj&n- fürs Femininum: ob etwas Riesisches dabei, wie Myth. 3 , 

5. 491 vermuthet wird, entscheidet sich mir nicht; man ziehe bei 
was ich in den Vereinsblättern 1888, S. 229—333 über den Fluss- 
namen Antesna ausgeführt habe. Erst spät stösst der Nominativ Enzo 
auf, aber doch schon im XII. Jahrhundert: Todtenb. von St. Florian, 

6. Jan. ( Arch. 56, 300) ; Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 656 ; 
Urkundenb. von Steierm. 1, 646 n° 670 von c. 1185. Daher dann der 
lat. Accusativ Enzonem Acta Tirol. 1, 197 n° 551 von 1223. Ebenda 
n° 552 aus demselben Jahre der mittelhochdeutsche Nominativ Enze. 
— Stark, S. 329 belegt Enzo aus dem VIII./IX. Jahrhundert. 

Gen. Enzines in 

Enzlnesdorf. Es sind unsere zahlreichen Enzersdorfe — mit 
Ausnamen jedoch, wie z. B. Enzersdorf am Gebirge, alt Engel- 
schalkesdorf. Die Nachweise im Einzelnen bleiben dem Altöster- 
reichischen Namenbuche aufbehalten (doch vgl. weiter unten bei 
Imizi): fürs erste genügt der Hinweis auf den zweiten Band der 
»Topographie von Niederösterreich«, wo sie alle behandelt sind. 

Der vorhin am freien Personennamen nachgewiesene schwache 
Genetiv Enzin ist insoferne unsicher, als er auch durch Umlaut aus 
Anzin hervorgehen, folglich zu Anzo gehören könnte. In der Myth. 2 , 
S. 491 sind sogar Anzo und Enzo überhaupt in einen Topf ge- 
worfen. Von Ortsnamen zeigen dies Enzin Enzen 

a) Enzenberc (der Inselberg in Thüringen) Hagens Minnesinger, 

2, 10/'; zunächst jedesfalls nur »Berg eines Enzi*, und nicht »Riesen- 
berg« (Myth. 3 a. a. 0.) — Auch Name einer gräflichen Familie 
( Enzen berg). 



387 

ß) Enzeneben: auf der Entzeneben (bei Moln in Oberösterreich) 
Rauch 1, 433. Aber 2, 88 Hainricits de Enczeinscheriy was Druck- 
fehler sein muss für Enczeinseben = Enzineseben. 

Y) Enzenriute (Örtchen Enzenreit im Bezirke Gloggnitz): 
Enntzenrevü wiederholt im Taiding desselben, Oestr. Weisth. 7, 
292—297, XVI. Jahrhundert. 

Dies Enzengereute klingt freilich etwas enterisch oder enzerisch, 
ähnlich wie das von mir Vereinsblätter 1887, S. 134 besprochene, 
gleichfalls niederösterreichische Buzenriute: aus lauter Zweifelsucht 
wollen wir uns doch wieder nicht der platten Nüchternheit ver- 
schreiben, und so mag der Riese wenigstens nicht rundweg ge- 
läugnet sein. 

Für die Berührung zwischen Anzo und Enzo kann zeugen das 
Dorf Anzenau bei Goisern im Salzkammergute, das 1476 Enzenerau 
lautet (Monum. Habsburg. 3, 708). 

j) Friduzo (Stark, S. 323), Koseform eines mit fridu- (Friede) 
zusammengesetzten Namens. Es findet sich, wie bereits erwähnt, 
stets nur die Zusammenziehung Fritzo, die nun mit ihrem erweiterten 
Genetiv Fritzines eine Ausname von der Regel zu begründen scheint 
(nach S. 369). Der Anstoss verschwindet, sobald man jenen in Fri- 
duztnes auflöst und damit die S. 383 für den Eintritt der Erweiterung 
verlangte dreisilbige Nominativform zur Unterlage gewinnt. 

Fritzines- (Friduzlnes-) darf Fritzeisdorf im Bezirke Persenbeug. 
Die Belege sind jung: Vritzeimtorf Urkundenb. von Altenburg, 
S. 101 n° 90 von 1301; Fritzenstorf Urkundenb. von Goldenkron 
(Fontes II. 37), S. 142—144 n° 77 von 1372, und Todtenb. von 
Xiilienfeld (Fontes II. 41), S. 70 unter dem 2. April ; Friczesdorf 
Stiftungsb. von St. Bernhard bei Krug, S. 240 n° 88 von 1318 ; Ur- 
kundenb. von Altenburg, S. 146 n° 134 von 1320; von Klosterneu- 
burg 1, 428 n°441 von 1369; von Herzogenburg, S. 542i. — Son- 
derbar Fritte8dorf im Stiftungsb. von St. Bernhard, S. 230 n" 78 von 
1329. Zwar die Einmischung von Fritto (schon 744 alemannisch: 
Gramm. 3, 692), d. i. fridn-U) (nach S. 380) ist deutlich: aber dessen 
Genetiv wäre F rittin Fritten, unmöglich Frittes (seis gleich durch 
Zusammenziehung aus ebenso unmöglichem Frittines). Vielleicht soll 
es Fritteis besagen, wie Fatteitc und Rettris von Fatto und Retto ge- 
wagt werden (oben S. 382 vorläufig angemerkt ; das Nähere in § 5). 

k) Gunzo, auch Gunzi] Abkürzung eines Namens mit gund- 

(Kampf; Stark, S. 322), nur nicht von Guntbalt, das zu Qvmpo wird 

25* 



388 

(oben S. 380). Acta Tirol. 1, 121 n° 350, c. 1085; Urkunden!), von 
Steierm. 1, 974Ä (Gunzi), 928— c. 1130; Salb, ron Göttweih, S. 403*, 
c. 1100 — 20. — Gen. Gunzines. 

a) Gunzines, elliptisch gebraucht, sofort Ortsname, jetzt Güns!es 
in der Gemeinde Elsenreith, Gerichtsbezirkes Ottenschlag: Salb, von 
Göttweih, Trad. n° 262 von c. 1145; 

ß) Chinzinesdorfj Günselsdorf bei Leobersdorf : Salb, von Kloster- 
neuburg, Trad. n° 191. 263. 501 ; Urkundenb. von Heiligenkreuz, 
S. 187, n° 203 von 1274. 

7) Gunzine&ioise : pratum iuxta Dornpah (bei Wien), quod dtcttur 
Guntzenswiese, Urkundenb. des Schottenstiftes, S. 263 n° 233 von c. 1350. 

I) Hdzo (Stark, S. 330) Todtenb. von St. Florian, 22. Nov. 
(Arch. 56, 318), altösterr. Houzo zu folgern aus weiblichem Houza 
(Höza ebenda, Arch. 56, 320, Anh.). Mit seiner Aussprache Hützo 
Houtzo wol zu scheiden von dem Eigen- und Beinamen Hiuzo y worin 
das z den scharfen «-Laut hat und der aus dem Adjectivum hiuze 
»munter, frech« erwachsen ist. — Gen. Hüzin in 

a) Hit-zinbach: Houzinbach Urkundenb. von Seitenstetten, S. 92 
n°76 von 1275; 

ß) Hüzinbuhile (Hausenbichel bei Knittelfeld) Urkundenb. voo 
Steierm. 1,847* (1040—1175); 

Y) Hüzindorf (Hautzendorf im Gerichtsbezirke Wolkersdorf) : 
Urkundenb. von Steierm. 1,463 n° 499 von 1166; Salb, von Kloster- 
neuburg, Trad. n° 388. 445 u. s. w. ; 

8) Hüzental (Hautzenthal im Gerichtsbezirke Stockerau) Ur- 
kundenb. des Schotten stiftes, S. 576b ; 

e) Hfizenvelt (verschollener Ort bei Mannersdorf O.W.W.) Ur- 
kundenb. von Herzogenburg, S. 517£. 

m) Imizo (Stark, S. 309; Weinhold, Mittelhochd. Gramm. 1 
§248), gerne Imizi Acta Tirol. 1, 312*, a. 955—993; Cod. dipL 1, 
40 n° 39 von c. 975; Göttweiher Trad. n° 211 von c. 1122. — lmizo 
Urkundenb. d. L. ob d. Enns 1, 142, Garstener Trad. n° 50 von c. 1115. 
— Gen. lmizines in 

a) Imizinesbach (der Imbach, zwischen Gross-Raming und 
Küpfern zur Enns fliessend) : Otte in dem Inzeinspach Rauch 1, 446. 
2, 205. 

ß) Imizinesdorf: unsere verschiedenen Inzersdorfe, deren Einzel- 
besprechung gleichfalls vom Altösterreichi6chen Namenbuche wolle 
erwartet werden. Hier nur einige Umrisse. Imizinesdorf in Ober- 



389 

Österreich, Urkundenb. von Steierm. 1, 855a. Im Namen der nieder- 
österreichischen Orte begegnet die volle Form z. B. Salb, von Kloster- 
neuburg, Trad. n° 217, 233; von Göttweih n° 145. Die Entwicklung 
geht von -inea zu -ins, österreichisch gegeben von -eines zu -eins, 
daneben .von -enes zu -ms, dann zu eis, endlich zu -is -es: und das 
gilt gleicherweise für Enzinesdorf wie Imizinesdorf. Aufs Gerathewol 
herausgegriffene Formbelege mögen es erkennen lassen: lmzinesdorf 
1112 Arch. f.K. ö. G. 2. 9, 339 n° 1, Imzinsdorf neben Enceinsdorf 
Urkundenb. des Schottenstiftes, S. 16 n° 11 von 1200. Enzeinesdotf 
und Enzinesdorf c. 1160 Cod. dipl. austr.-fris. 3, 15. Imzinsdorf Salb, 
von Klosterneuburg, Trad. n° 601. Imzeinsdorf ebenda n° 578. Imz-is- 
dorf schon 1190 Urkundenb. von Steierm. 1, 688 n° 701. Enzenstorf 
Cod. dipl. 1, 145 n° 148 von 1246; Entzenstarf Urkundenb. von 
St. Polten, S. 399 n° 339 von 1348. 

Ausgleichung zwischen beiden Namen wird von beiden Seiten 
in Angriff genommen. Einmal indem Enzinesdorf sein erstes n in 
m wandelt; das andere Mal indem umgekehrt lmzinesdorf aus seinem 
m n macht. Also Inczinstorf Urkundenb. von St Polten, S. 336 
n° 289 von 1340 ; lntzenstorf ebenda S. 341 n° 293 von 1341. Der 
Otto von Empzeinsdorf im Urkundenbuche von Heiligenkreuz 1, 163 
n° J73 von 1264 gehört nach Enz'nesdorf (Gross-Enzersdorf) im 
Marchfelde; die Umformung stimmt noch näher als zu lmizines- zu 
Emizines = Amizines- von Amizo (vgl. Emizinesbach oben S. 384). 

Sonderbarkeiten sind Unicinesdorf, doch wol nur verlesen oder 
verschrieben für Imicinesdorf, in der Klosterneub. Trad. n° 233 
(Rubrik Inzesdorff) ; und besonders in n° 73 Adhelbero filius Volcheri 
de Ymcinesdorf der uineavi Escecindesdorf sitam an Klosterneuburg 
gibt. Nach des Herausgebers Anmerkung wäre beidemal Lang- 
Enzersdorf am Fusse des Bisamberges gemeint, das in andern Tra- 
ditionen sicherer Enzinesdorf zu heissen scheint. Ich für meinen 
Teil kann, Richtigkeit der Lesung vorausgesetzt, nur übersetzen 
»Adelber von Inzersdorf schenkt einen Weingarten zu Ezelcindes- 
dorf* : denn sc ist (gleichwie sz) altösterreichische Schreibung für 
beide z (Bascerick = Bazerich Vereinsblätter 1888, S. 284 ; Bezcelines- 
dorf = Bezelinesdorf Klosterneub. Trad. n ü 186; Scemitech = Zemiteck, 
beide Fontes II. 29, 343a. b), und EzeJcint ist Eze-, der Stamm von 
Ezo und Eza (oben S. 370) mit angehängtem kinO) Doch ist viel- 

') Zu den kurzen auf -zo konnte oben S. 369 f., wie es bei Azo für Äzaman 
Azawip Azakint S. 33 und bei Oinannili S. 43 wirklich geschehen ist, bemerkt werden, 



390 

leicht mit ausgelassenem n gemeint EnzeJcindesdorfj von EnzUcint 
(Enzi mit angehängtem kint), welcher Personenname, verschiedenlich 
geschrieben, unter Anderm gerade im genannten Salbuche häufig 
ist: Trad. n° 278. 281. 286. 291. 292. 578. 601. Dann bliebe es 
für Enzekindesdorf doch bei (Lang-) Enzersdorf, und es fragte sich 
nur, ob der Enzi oder das Enzikint darin ursprünglich sei. Ver- 
rückung der Grenzen zwischen Enzo und Ezo findet sich in Ur- 
kunden auch sonst — aber modernen Herausgebern sollte dergleichen 
nicht begegnen ! — so Otto mües de Ezeinsdorf Urkundenb. von Hei- 
ligenkreuz 1, 116 n° 109 von 1248; Bietreich von Ezeütorf Urkun- 
denb. von Altenburg, S. 132 n° 117 von 1313; dominus Chunradus 
in Eczemtorf Urkundenb. von Klosterneub. 1, 213 n° 215 von 1325: 
in welchen Fällen allen Ezo unmöglich ist (S. 381. 384; das dort 
angeführte Ezinesperch etwa = Eminesberc ?) 

Enzesdorf (der jüngste Ausläufer) ward zuletzt Entechesdarf 
gesprochen und geschrieben und traf darin zusammen mit Greitschen- 
stain aus Gritsdnesstein (unten im § 6). 

n) Izo (Stark, S. 330): Acta Tirol. 1, 314a (993—1097); Ur- 
kundenb. von Steierm. 1, 976A (928 und 1020) ; des Landes ob der 
Enns 1, 712, Formbacher Trad. n° 272 von c. 1130 (Izo de stein- 
char); Todtenb. von St. Florian, 8. und 23. Febr. (Arch. 56, 302. 
303); Salb, von Göttweih, S. 410* (c. 1083—1130; im XIV. Jahrh. 
Eüze. — Gen. Izin in 

a) Izindorf (Eitzendorf bei Obritzberg O.W.W.) Salb, von 
Göttweih, Trad. n ü 11 von c. 1100. — Eytz(e)ndorf Urkundenb. von 
St. Polten, S. 476 n° 407 von 1357. 

ß) Izeneben und Izenberc (beide s. von Garsten, um den von 
Osten zur Enns fliessenden Mühlbach) : Ruedolf an der Eüzenneben, 
Hainreich in der Eitzeneben; Vlreich ze eitzenperge. Vlreich ze Nidern 
Eitzenperge, Rauch 1, 400; fiueba Chmradi in Eizenberge 2, 32. 

Wegen Izenisperge s. § H. 



daas sie durch Anfügung von man toip kint an ihren Stamm aus sich heraus neue, 
noch traulichere Kosenamen, und zwar als eigentliche Composita, erzeugen können. 
Dabei scheint -leint beiden Geschlechtern zu gelten ? Nur Enzi gestattet sich neben 
Fmziman Enziwip und Enzikint auch uneigentliche Zusammensetzung in der Form 
Enzinkint (filiut Enzonis, et ipse Enzof) : Myth. 3 a. a. O.; Urkundenb. von Steierm. 
1, 186. 204 n° 178. 194 von 1139 und c. 1140. Im Allgemeinen hat unsere Dar- 
stellung kaum Anlass, auf diese Tertiärformen einzugehen. 



391 

o) Jüzo (Stark, S. 323) bildet mit anderer Ableitung das 
Seitenstück zu Jüto (Denkm. 2 LXIV, 1, 35; 2, 19; Libri confrat., 
p. 470«; Acta Tirol. 1, 179 n° 508 von c. 1175 Itito = Iouto), gleich- 
wie Pazo zu Patto, Hizo zu Hitto u. s. w. (oben S. 380). Zu Jüto 
gehört das bekannte Femininum Jüta (Libri confrat. p. 469a; Acta 
Tirol. 1, 314a; Urkundenb. von Steierm. 1, 976A; Acc. Iutam da- 
selbst 1, 636 n° 656 von c. 1185; Gen. Iute 1, 596 n° 625 von 1184 
und Klosterneub. Trad. n° 444), mit Deminutivum Jiutel (Neidh. 31, 
26), welche Formen also ursprünglich nicht mit Juditka identisch, 
obwol späterhin als dessen Zusammenziehung (die richtig Jutta 
lautet, Libri confrat. p. 470a) darauf bezogen sind. Zu Jüzo hin- 
gegen gehört weibliches Jüza (Libri confrat., p. 470a Iuzza und 
luzuuib). Zeuss, Die Deutschen, S. 146 Anm. und nach ihm Jac. 
Grimm, Gesch. d. d. Spr., S. 736 schrieben Juto Juzo und sahen 
darin den Volksnamen der Juten im Singular zum Personennamen 
individualisiert — Altösterreichisch Jouzo mit erweitertem Genetiv 
Jouzines in 

Jouzinesdorf Klosterneub. Trad. n° 462 mit Anm. (Jetzdorf am 
untern Kamp, bei Grafenwörth ?). 

p) Lanzo y von einem Namen mit laut- (Lantfrit Landolf Lant- 
perht u. s. w., Stark, S. 322) ; bei uns z. B. Urkundenb. von Steierm. 
1, 976* (c. 1070—1190), Salb, von Göttweib, S. 411a (c. 1100 bis 
1156 u. 8. w.) Mittelhochd. Lanze, oft bei Neidhart. — Gen. Lanzin 
Lanzen in 

a) Lanzenberc Urkundenb. von Seitenstetten, S. 26 n° 17 
von 1193. 

ß) Lanzendorf, zwei Dörfer in Niederösterreich, bei Kasten im 
Bezirke St. Polten, und bei Himberg im Bezirke Brück an der 
Leitha. Ersteres ist belegt im Urkundenbuche von Seitenstetten, 
S. 37 Ib. 404a und Salb, von Göttweih, S. 362a; letzteres im Salb, 
von Klosterneub., S. 334*. 

7) Lanzenkirchen, südlich von Wiener-Neustadt: Urkundenb. 
von Steierm. 1, 859* ; Salb, von Klosterneub., Trad. n° 306. 482 

U. 8. W. 

q) Liuzo (Stark, S. 331), auch Liuzi (mit Verkleinerung Liuzüi) : 
Acta Tirol. 1, 316a; Urkundenb. von Steierm. 1, 48 n° 40 von 
1020; andere Belege habe ich Vereinsblätter 1887, S. 110 gegeben. 
Abkürzung eines Namens mit Hut- (Volk). Bildet beide Genetive 
LiuzJn und Liuzines. 



392 

a) iÄuzinberc Liuzenloch (Uzenlaa) Lduzenriet; 

ß) Liuzinesbrunne (Nebenformen Liuzins-, Leucenspr-, Leitzes- 
brunn) und Liuzinesdorf (Nebenformen Leuzines- Leuczen- Leutzendorf). 

Das Nähere Vereinsblätter 1887, S. 109—111. 

r) Minzo mit seinem Gen. Minzin s. unten S. 432. 

s) Nizo (Stark, S. 321), Kürzung eines Namens mit nit (Neid), 
zumal Niihart: Salb, von Göttweih, S. 41 54 f. ; von Klosterneub- 
Trad. n° 226 u. s. w. ; mittelhochd. Nize (Nice im zuletzt angeführten 
Salb., Trad. n° 293; österreichisch Neitze. — Gen. oder Dat Nizen 
wird ohneweiters örtlich verwendet in 

Nizen (Dorf Neunzen im Gerichtsbezirke Allentsteig): Stif- 
tungenb. von Zwetl, S. 727a f. Der Dichter Kol von Nizen in Hagens 
Minnesingern 2, 336 (Niunzen!!), vgl. Kummer, Herrand von 
Wildon, S. 64. 

/V jf, A Ä 

t) Ozo, auch Ozi und Ozie, daher mittelhochd. Oze und (Eze, 
Koseform eines Namens nüt 6t (Schatz), und zwar entweder von 
Otfrit (Gramm. 3, 692) oder auch — und gewiss — von Otaclier: 
(Ezo marchio de styre Meiller, S. 9 n° 11 von 1074. Ozo et Otfridus 
de Murlingen (Maierling) Heiligenkreuzer Urk. n° 1 von 1136. Über 
(Eze (Ezekint s. Haupt zu Neidh. 53, 20. In den Urkunden und 
den Registern der Urkundenbücher vielfach mit dem unter folgenden 
Uozo Uozi Uozie vermengt, da letzteres gerne mit übergeschriebenem 
u als Ozi dargestellt wird; Stark, S. 322 Anm. 1 hat sich dadurch 
täuschen lassen, (Eze als das zu nehmen, was allein Uoze ist, näm- 
lich die Koseform von Uolrich. Die folgenden Verweise auf die 
Register gelten daher fast mehr für Uozi als Ozi: Acta Tirol. 1, 
324a (Ozi- Od Ozi); Urkundenb. von Stcierm. 1, 979o (Ozi Ozie): 
des Landes ob d. Enns 1, 896/; (Ozi (Ez Ozo, c. 980— c. 1150; 
richtig dagegen unter U 1, 920b Uzo Uze Uzi, c. 1030— c. 1170); 
Todtenb. von St. Florian, Arch. 56, 356a (Ozie). 356b (Ozi). 367a 
(Öza f. Ozeman Ozi Ozie); Salb, von Göttweih, S. 417* (Ozi). 425Ä 
(Vzie). Die Ungewissheit zieht sich auch in die Ortsnamen mit Ozi 
und Uozi; ich suche möglichst reinlich zu sondern. 

a) Dativ (Ezen für sich Ortsname : zelten pfunt geltz ze dem 
(Etzen; z. pf. geltes datz dem (Etzen ; guet datz dem (Etzen, Stil- 
tungenb. von Zwetl, S. 631, Urk. von 1318; villa dicta (Ezen, 
ebenda, S. 657 desgleichen; ferner S. 490 (Eotzen). 494. 583. 

ß) Erweiterter Gen. Ozlnes in ^/^oW/XEtzersdorf bei Haders- 
dorf am Kamp): Ozinestorf (also mit falschem o), Göttweiher Trad. 



393 

n° 277 von c. 1130; Ozinstorf zweimal und (Etzensdorf im Passauer 
Urbar von c. 1230 (Arch. f. österr. Gesch. 53, 271. 272. 274 mit 
Anm. 59). Im Stiftungenbuche von Zwetl, S. 454 (von 1259) und 
558 (Ezensdorf, S. 392 (von 1265) (Ecensdorf, S. 565 (Ezestorf, und 
S. 496 ganz schlecht und jung (mit 2 = <b) Ezestorf. — Ein Ozines- 
dorf bei Kapellen an der Perschling erscheint 1345 als Oczens-, und 
1351 als Ozeinstorf (Urkundenb. von St Polten, S. 371. 429 
n° 317. 364) u. s. w. 

7) Gleichfalls erweiterter (?) Genetiv Ozines in Ozinesriuti, 1302 
Otzeinsreut (Salb, von Göttweih, S. 191), heute Elsenreitb im Ge- 
richtsbezirke Ottenschlag. 

8) Dieser Genetiv in der Form Ozens- (Elzes- als Einschwärzung 
für Ebezxnes- und Etzelines- s. oben S. 383. 

u) Ragizo, mit Umlaut Regizo (Stark, S. 310 ; vgl. Reginzo 
Reinzo S. 319), auch Ragizi (Ragici quidam nobilis Acta Tirol 1, 15 
n° 37 von c. 1000), Koseform eines Namens mit ragin- regtn-, somit 
eigentlich Raginzo. — Gen. Ragizines in 

Ragiz%ne8dorf (Ritzersdorf an der Pielach? Salb, von Gott weih, 
S. 178; eher eines der Ratzersdorf ) ; Trad. n c 220 von c. 1123 dieses 
Salbuches. 

Der Name leidet später zwiefache Zusammenziehung 

a) mit -age- in -d- zu Räzinesdarf: razeinestarf Salb, von Gött- 
weih, S. 281, Urk. n° 19 von c. 1203: 

ß) mit -age- in -ei- zu Reizitiesdorf: Urkundenb. von St. Polten, 
S. 19 n° 13 von c. 1180 (Raicinsperch für -darf) und S. 63 n° 39 
von 1248 (Reizüistorf). 

Ein oberösterreichisches Ragizinesdorf als Rayczeinsdorf 1321 
Cod. dipl. austr.-fris. 3, 66: heute Raitzelsdorf bei Engelhardszell. 

Jenes razeinestorf von 1203 durfte zu irriger Auffassung — 
Anname erweiterten Genetivs Razines von kurzsilbigem Razo (Razi), 
das nur Razin macht (oben S. 372) — so wenig verführen wie Ezinw- 
torph, das bloss zusammengezogenes Egizines- enthält (oben S. 384) 
zu der falschen Folgerung eines Genetivs Ezines (statt Ezin) 
von Ezo. 

v) Raiizo (Stark, S. 325), Kürzung eines Namens mit rant- 
(Schild), mittelhochd. Ranze (Neidh. XXXII, 9; 227, 9); als Beiname 
Herman Ranczen (Acc), der selb Rancz, Cod. dipl. austr.-fris. 2, 300 
n° 708 von 1353. — Bildet beide Genetive Ranzin und Ranzines, 
wie es scheint. 



394 

a) Ranzenberc und Ranzensteinach bei Engelhartszell, Cod. dipL 
3, 66 von 1321. 

ß) Ranzinesbühel : nenms et silua in Rentzeinspü/iel (bei Mauer- 
bach im Wiener Walde), ebenda 2, 321 n° 729 von 1358. Doch 
ist gleich daneben ein vadum vidgaritur dictum Retzeinsfurt genannt, 
was, wie wir in § 4 hören werden, in Razvrinesfurt zu bereinigen 
ist: und da die Koseformen auf -nzo sonst lieber bei ihrem ange- 
stammten Genetiv bleiben, könnte etwa Rentzeinspühel aus Retzeins- 
pühel verschrieben und Raztmnesbühel sein. 

w) Rzzo, Koseform eines Namens mit rih-. Rizo Acta Tirol. 1, 
327a (985—1097) mit Verkleinerung Rizili und weiblichem Riza; 
Urkundenb. von Steierm. 1, 980A Rizili Riziman; Todtenb. von 
St. Florian, 15. Jan. Rizevnb (Arch. 56, 301). Im Salb, von Kloster- 
neuburg Trad. n° 333 eine Riza so, und im Gen. Rihzen: also ist 
Riza = Rihza = Richi(n)za = Richgart (Stark, S. 319) und Rizo = 
Rihzo =s Richhere oder Richkart u. s. w. Die Länge des i leidet 
Zweifel: jedesfalls wäre, wie die modernen Formen der sogleich 
folgenden Ortsnamen zeigen, Verkürzung eingetreten, und damit 
Umdeutung auf riz ritzen, wie bei Stzo (unter y) auf sitzen, bei Tatze 
auf totzen (schlummern : zu Neidh. 94, 13), bei Wezo auf wetzen u. 8. w. 
Der Genetiv ist nur schwach Rizen [vom Femininum Riza steht er 
in der Klosterneuburger Trad. n° 572] : 

a) Rizendorf (Ritzendorf in der Gemeinde Ober-Kreuzstetten 
bei Korneuburg), Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 16. 75. 666. 780 
785; Urkundenb. desselben Stiftes 2, 366 f.; Rizdorf Urk. von 1380 
bei Leber, Ritterburgen, S. 247 f. 

ß) Rizenmeiz (Holzschlag des Rizo) Niederaltaicher Urbar des 
XIII. Jahrhunderts (Arch. f. K. österr. GQ. 1, I, 8. 9). 

Y) RitzenwifiJcel : Chunradus de Rizzenwinchel Meiller, S. 152 
n° 18 von 1233. — In Oberösterreich ? 

x) Ruozo oder Ruozi, Kürzung eines Namens mit (hjruod Ruhm 
(Stark, S. 332); von seinem erweiterten Genetiv, den es neben dem 
eigentlichen Ruozin besitzt, her latinisiert Ruozinus. Es mag hier 
bemerkt werden, dass Latinisierungen der Koseformen auf -zo ~z% 
ebenso selten aufstossen als von denen auf -ili und -ini häufig; 
Amcinus oben S. 384; Gocinus unten S. 410. — Rdzinus Klosterneu- 
burger Trad. n° 200 und Urkundenb. von Steierm. 1, 434 n° 468 
von 1162; Rtizo 1, 618 n° 642 von 1185 und Arch. K. ö. G2. 19, 
219. Ein und derselbe Richter von Friesach wird geschrieben Rüzi 



395 

1, 455 n° 486 von c. 1165; Rouzi 1, 461 n° 497 aus derselben 
Zeit; Ruzinua 1, 463 n° 500 von 1166; Rüz 1, 465 n° 501 von 1167; 
GoteboU de Frisaco Ruzonis filius 1, 657 n° 681 von 1186. An 
letzterer Stelle vertritt Ruzonis, wie wir wissen, den schwachen 
Genetiv Ruozin: von Ruzinus hätte auch gewagt werden können 
Ruzini, wie Gocini unten S. 410. — Mittelhochd. Ruoze Neidh. 54, 17; 
Rüze de vlinspaclt Göttweiher Trad. n° 304 von c. 1160. 

a) Gen. Ruozin in 

Ruozindorf, 1313 Ruetzzendorf Cod. dipl. austr.-fris. 2, 72 
n° 495; 1318 Rüzzendorf ebenda 3, 113. — Rutzendorf im Marchfelde. 

ß) Gen. Ruozines 

für sich Ortsname in einem verschollenen Ruzinis Rucines bei 
Brixen (Acta Tirol. 1, 149. 175 n° 427. 499 von c. 1120 und c. 1170); 
dann in 

Ruozinesdorf, 1120 an der Fischa in Niederösterreich genannt 
(Keiblinger, Melk 2, a, 796 = Arch. f. K. österr. GQ. 9, 256) ; 1 248 
Ruczinstorf (Urkundenb. von St. Polten, S. 63 n° 39). 

y) Sizo zunächst aus Sigizo, der Kürzung eines Namens mit 
sigi- (Sieg; Stark, S. 306. 326). Über späteres Sitze s. unter w); 
doch scheint mir jetzt neben Sizo = Sigizo ein selbständiges Sizo 
mit kurzem i, als Koseform eines Namens mit situ (Sitte: unten 
in § 5) sicher. Es ist daher über die der Schreibung noch unsichern 
Sizo und die heute durchaus mit kurzem i ausgesprochenen fol- 
genden Ortsnamen nicht voreilig abzusprechen. Sizo Cod. dipl. 1, 59 
n°58 von c. 1020; Acta Tirol. 1, 331* (993 bis 1110); Urkundenb. 
von Steierm. 1, 982a (c. 1030—1140); Todtenb. von St. Florian, 
29. April (Arch. 56, 308); Sitzo Urkundenb. von St. Paul, S. 9, 
Trad. n° 5 von 1093. Der Genetiv ist Sizin (lat. Sizonis Urkundenb. 
von Steierm. 1, 56 n° 47 von c. 1030), mittelhochd. Sitzen in 

a) Sitzenberc (Sitzenberg im Gerichtsbezirke Atzenbruck). See- 
müller in der Anmerkung zu Helbling 15, 452 (Kuonrdt von Sitzen- 
berge), S. 344 seiner Ausgabe, weist nach castrum (und officium) Sitzen- 
berge Rauch 2, 25; Meiller, S. 155 n° 31 von 1235; der Siczenperg 
Enenkel bei Rauch 1, 245 ; der phleger zu dem Sitzenperig Urkundenb. 
von Herzogenburg, S. 369 n° 303 von 1413, vgl. auch daselbst S. 554« 
und Anm. 107 auf S. 510. 

ß) Sitzendorf (Name mehrerer Orte in Niederösterreich, in den 
folgenden Belegen ungeschieden) : Sizindorf Urkundenb. von Heiligen - 
kreuz 1, 6 n° 4 von c. 1150; Sizendorf Urkundenb. von Altenburg, 



396 

S. 7 n° 5 von 1210; sicindorf (parrochia) Salb, von Göttweib, S. 269, 
Urk. n° 13 von 1141 ; Sicendorf Salb, von Klosterneub., Trad. n° 279. 
550 (1182—86) und Urkundenb. von Heiligenkreuz 1, 50 n° 36 von 
1216. Die gewöhnliche Form des XIII. und XIV. Jahrhunderts ist 
Sitzendorf; s. die Register zu den Urkunden büchern von Altenburg, 
Heiligenkreuz und Zwetl. 

Über Sizenisdtjrf s. § 6. 

7) Sitzental (Sitzenthal in der Gemeinde Loosdorf, politischen 
Bezirkes St. Polten) Urkundenb. von St. Polten, S. 405 n° 344 von 
1348; von Herzogenburg, S. 126 n° 117 von 1333. 

z) Sinzo (Stark, S. 322), Kürzung eines Namens mit sind- 
(Weg, Reise) als Sintram SindoU u. 8. w. Sinzo Cod. dipl. austr.-fris. 
1, 67^ 70 n°65. 68 von c. 1030; Acta Tirol. 1, 331J (995-1090); 
Todtenb. von St. Florian, 6. Febr. (Arch. 56, 302) ; von St. Lambrecht, 
13. Febr. (Fontes II. 293, S. 177). Mittelhochd. Sinze; als Beiname 
Urkundenb. von Steierm. 1, 919J (c. 1160 — 75). — Gen. Sifizin 
Sinzen in 

a) Sinzenberc. Belege des XIII./XIV. Jahrhunderts gibt See- 
müller a. a. O. unter Sitzenberc^ indem er beide mit Recht trennt. 
Indes begegnet wirklich Vermischung von Sizo oder Sizo und Sinzo. Der 
Eberhart de sicenperge im Todtenb. von St. Florian, 5. Jan. (Arch. 56, 
300) gehört zum Minister ialengeschlechte von Sinzinberch im oberöster- 
reichischen Urkundenbuche (Arch. 56, 324 Anm. 5). So hatten wir 
oben S. 390 Vermischung von Ezo und Enzo. Die Vermittlung werden 
übernommen haben Doppelformen wie Hezo und Henzo, beide von 
Heinrich (Stark, S. 319, 323 ; Hmzo Todtenb. von St. Florian, 22. April, 
Arch. 56, 308). 

ß) Slnzendorf (verschwundenes Schloss im V.U.M.B. : Scheiger, 
Burgen, S. 110): Arbo de Sincindorf) Klosterneuburger Trad. n° 374. 
ich Kathrey . . weylent hannsen dez Sintzendorffer seligen tochter } Ur- 
kundenb. von Herzogenburg. S. 373 f. n" 306 von 1460. (Diese nach 
Oberösterreich ?) 

aa) Stranzo, zunächst zusammengezogen aus Strangizo^ der Kose- 
form eines Namens mit strangi, mittelhochd. strenge strenuus (Stark, 
S. 327). — Gen. Stranzen in 

Stranzendorf (Stranzendorf im Bezirke Oberhollabrunn): Ur- 
kundenb. von Altenburg, S. 428* (1144—1460) ; von St. Polten, S. 155 
n" 121 von 1281 und Anm. Rauch; 2, 11. 



397 

bb) *Strunzo? Einen solchen Namen kann ich nicht nachweisen, 
er wäre gebildet wie Stranzo Strinzo (=* Strinzo, Stark, S. 327) und 
machte mit diesen ebenso eine Dreiheit aus wie Sanzo (Stark, S. 326) 
Sinzo Sunzo. Etwa aus Strünizo ? vgl. Strünt Slrüno (Streun) als alt- 
österreichischen Beinamen. — Gen. Strunzen in 

Strunzenriute (vormals am untern Kamp gegen die Donau hin 
gelegen) : Strunzenreut Salb, von Göttweih, S. 290 Urk. n° 27 von 1218 
mit Anm. S. 203. — Vereinsblätter 1884, S. 105 von mir anders, aber 
kaum sicherer erklärt. 

cc) Sunzo, Koseform eines Namens mit sundar- (Stark, S. 322) : 
Acta Tirol. 1, 332« (1050—1218) ; Todtenb. von St. Florian, 19. Sept. 
(Arch. 56, 315). — Der Genetiv lautet nur Sunzin, im Gegensatze zu 
Gunzines von Gunzo (Gunzi)^ in 

a) Sunzinbrunne (Siissenbrunn im Marchfelde), Göttweiher Trad. 
n° 345 von c. 1130 (sunzinprun) und n° 335 von 1216 (sunzenprunn). 
Von mir schon behandelt Vereinsblätter 1886, S. 122. Dazu noch Pas- 
sauer Urbar von c. 1230 Arch. f. österr. Gesch. 53, 271 mit Anm. 54) 
Suontzenprunne d. i. Sünzenbrunne, welche umgelautete Form durch 
heutiges Siissenbrunn vorausgesetzt wird. 

ß) Sunzendorf y Urkundenb. von Heiligenkreuz 1, 42 n° 32 von 
1210, und mehrmals 2, 70. 71 n° 75 von 1321. An den letztern 
Stellen sollte man das Örtchen bei Wiener-Neustadt suchen. — Bei 
nachlässiger Aussprache des i als ü oder umgekehrt des ü als * fielen 
Sinzendorf (oben z 7 ß) und Sänzendorf zusammen. 

dd) Teginzo, durch Taginzo aus Taganzo, und dies mit ein- 
geschobenen n aus Tagazo: Abkürzung eines Namens mit tac (dies) 
als Tagabrecht Tagawlni etc. — Genetiv nur unerweitert Teginzin in 

Teginzindorf Klosterneuburger Trad. n° 217 von c. 1122. Etwa 
das heutige Teesdorf östlich von Baden? Meiller, S. 212 Anm. 116 
räth auf Deinzendorf bei Pulkau : kaum richtig (s. nachher unter ee). 
Die spätem, aber bezüglich ihrer Identität mit diesem Teginzindorf 
sowol als untereinander unsichern, auch wol uneinigen Formen TecJtin- 
dorf (nebst Tekkenbach Meiller, S. 326A), Teecendorf (Urkundenb. von 
Heiligenkreuz 1, 26 n° 18 von c. 1200) und Ta izetidor ffötiftungenb. 
von Zwetl, S. 73. 77. 105. 496) helfen fo wenig weiter als das seine 
Grundform nicht mehr verrathende Tesd&rf (Urkundenb. von Heiligen- 
kreuz 2, 275. 280 n° 252. 256 ron 1365 und 1368). 

ee) Tüjiizo, zusammengezogen Tünzt* und Tünzi Stark, S. 332) 
mit weiblichem T4nm (bloss letzteres Stark, S. 329), Weiterbildimg 



398 

von Tun (in Tünüberc Deinsberg Urkundenb. von Steierm. 1, 796 a etc.) 
Tüno (Tüm) } beziehungsweise Tüna: diese und damit zusammen- 
gesetzte Formen s. Libri confrat, p. 518a. Die Deutschheit dieser 
Namen ist verdächtig. — Erweiterter Genetiv Tüniztnes in 

a) Tüniziiiesdorf: Tuncinesdorf Urkundenb d. L. ob d. Enns 
1, 472 Cod. trad. antiquiss. patav. n° 57 von c. 985. — In Ober- 
österreich ? 

Ohne Erweiterung, mit schwachem Genetiv Tonizin 
ß) Tünizindorf (Deinzendorf bei Pulkau): Teunzendorf Ur- 
kundenb. von Altenburg, S. 66 n° 61 von 1291; Teuntzendorf ebenda 
S. 60 n° 57 von 1291. 

y) opud Lytam in uitta Dunzendorf octo benefida, in der soeben 
unter Teginzo angeführten Heiligenkreuzer Urkunde von c. 1200. — 
Ein verschollenes Deinzendorf an der Leitha ? 

ff) Unwizij ein seltener Name, der nach einem Adjectivum aus- 
sieht: mittelhochd. ivitze in vür-, toankel- wänwitze, in welchen Fällen 
wir im Neuhochdeutschen mit anderer Ableitung witzig brauchen. Vom 
Adjectivum, auch in substantivierter Form, wäre nur der angestammte 
schwache Genetiv möglich (unten S. 413); macht also Unurizi den Genetiv 
Unuriztnes, so spricht es damit seine substantivische Natur aus : es ist 
das gothische schwache Masculinum unvita »Unwissender, Thor« in alt- 
hochdeutscher Form (vgl. Kluge, Stammbildungslehre § 15). 

Unwizinesdorf Meiller, S. 3 n° 4 von 1002; mit Anm. 12 auf 
S. 192, wonach die Lage dieser aus der Geschichte verlornen Siedelung 
.Niederösterreichs nicht mehr zu bestimmen ist. Meiller zieht das bei 
uns oben S. 389 beigebrachte Unizinesdorf der Klöstern euburger Trad. 
n° 233 zum Vergleich an, aber nur, um es abzuweisen: in der That 
wird das, wie bereits bemerkt, Imizinesdorf zu lesen, folglich auch nicht 
mit dem Namen Umizi (Urkundenb. von Steierm. 1, 22 n° 18 von 928) 
gebildet sein. 

Zu Unwizi »Thor« als Personennamen vergleiche man gegen- 
teiliges vritze: Chuvrat der Witze (der »kluge«) Urkundenb. von Kloster- 
neuburg 1, 42 n° 48 von 1292 der Witzege Beiname Acta Tirol. 1 310«. 
— Untol unten § 4 unter 

gg) Uozo Uozi Uozie> die Koseform von Uolrich; Belege aus Ur- 
kunden oben S. 392 unter Ozo Ozi Ozie. Mittelhochd. Uoze Neidh. 54, 
13. 14. 60, 13. 66, 35; Uozeman Neidh. 57,36. Zum Unterschiede 
von Ozi, das in Ortsnamen nur mit dem erweiterten Genetiv er- 



399 

scheint bekennt sich Uozo darin zu beiden Genetiven, Uozin und 
Uozxnes. 

Uozin in 

a) Uozinheimin y geschrieben Öcirüieimin Salb, von Göttweih, Trad. 
n° 160 von c. 1100. Nach der Anmerkung S. 159 nicht mehr zu 
ermittelnder Ort. 

ß) Uozental: Siglohus de Vzental Stiftungenb. von Zwetl, S. 440, 
Urk. von 1230. 
Uozxnes in 

Y) Uozinesse, mittelhochd. Uozense, mit Umlaut Üezense* : hier 
sehen wir, wie das Mittelhochdeutsch aus der erweiterten Genetivform, 
die immer etwas Künstliches behält, den Weg zur einfachen schwa- 
chen zurückfindet. Gemeint ist Jedlesee am linken Donaufer, Wien 
gegenüber: 

outcinesseuue (=note.) Meiller, S. 4 n° 9 von 1014. — Adalbero 
de Vcinse Salb, von Klosterneuburg, Trad. n° 79 (XII. Jahrh.) — 
Rudel von vezense Urkundenb. von Klosterneuburg 1, 243 n° 247 von 
1331. — nider für jetzesse am urfar, Kleine Klosterneuburger Chronik 
z. J. 1428 (Arch. f. K. üsterr. GQ. 7, 250). 

Danach ist bei Helbling 1, 798 unbedingt zu schreiben daz 
urvar bi Uozense oder Vezense: was Karajan, der doch schon aus 
dem Belege von 1014 her die Identität mit Jedlesee vermuthete, und 
jetzt auch Seemüller, der sie überkritisch läugnet (S. 311 seiner Aus- 
gabe), in den Text setzen, Uzense (Aussensee?), ist sinnlos; die öster- 
reichische Sehreibung u für uo oder iie in Vcinse Uczesse durfte nicht 
täuschen. Die Entwicklungsstufen unseres Ortsnamens sind Uozinesse*: 
Uozinse : Üezense; die Grundform zusammengezogen und iie schlecht 
als ie gesprochen letzesse; (das ie consonantiert) Jetzessee, das eine s 
ausgestossen Jetzesee, woraus endlich (durch eine Zwischenform 
*Jetjesee?) Jedlesee. Sie treten aus den urkundlichen Belegen Schritt 
vor Schritt heraus; überdies wird das urvar bi Üezense aufs beste 
bestätigt durch das urfar bei jetzesee der Klosterneuburger Chronik, 
an dem die Hussiten 1428 erscheinen und von dem aus sie über 
die thonaw gen nussdorff schiessen : jetzesee, folglich auch Üezense, und 
Nussdorf liegen sich somit gegenüber, wie es mit Jedlesee und Nuss- 
dorf in der That der Fall ; überdies erwähnt Helbling kurz vorher (1, 
571) auch daz urvar von Nuzdorf. Und endlich würde Jedlesee, sollen 
alle jene urkundlichen Zeugnisse, wie Seemüller will, auf einen nicht 
mehr bestehenden Ort zielen, geschichtlich ganz in der Luft hangen. 



400 

8) Uozinesberc, eine Weinlage bei Klosterneuburg : Weingarten 
. ... an dem Vczeinsperg Urkundenb. von Klosterneuburg 1, 290 n° 300 
von 1342. 

s) Uoztnesbrücke : Vocinspruke Urkundenb. von St. Paul, S. 61, 
Trad. n° 82 nach 1192. Zu dem tibergenauen vo- halte man unter 
ß) ve-. 

C) Uozlnesdorf: Vtzeinstorf Urkundenb. des Schottenstiftes, 
S. 177 n° 155 von 1326; Vetzeinsdorf Stiftimgenb. von Zwetl, S. 497; 
Vzensdorf ebenda S. 301, Urkund. von 1287 ; vczeinstorf Urkundenb. 
d. L. ob d. Enns, 4, 172 n° 187 von 1292. 

hh) Wenzo (Wenzi?) folgt in § 5. 

ii) Wibizi, von einem Namen mit toib (Weib), z. B. Wibob 
(= Wibiuualt,), Acta Tirol. 1, 334J. — Gen. Wttizines in 

beneficium Wibizinis Salb, von Göttweih, S. 2, Trad. n° 2 von 
c. 1083. 

jj) Wulzo, wofür ich nur finde Wulzei, geschrieben WvÜsei im 
Todtenb. von St. Florian unter dem 26. April (Arch. 56, 308). Der 
Ausgang -ei kommt in § 5 zu erklären. . Die Auflösung Wuüsei ist 
nicht völlig genau, insoferne Wuld-so dahinter steckt und diese Kose- 
form dem Stamme nach mit der in § 4 zu bringenden Wuldo zu- 
sammenfällt. Wuldo und Wulzo verhalten sich zu einander wie 
Lando (unten S. 409) und Lanzo, Liuto und Liuzi, Sindo und Sinzo 
u. 8. w. Und Wulzo wird zunächst Zusammenziehung sein aus Wuldiso 
oder Wuldizo, wie Walzo WUzo aus Waltizo Wildizo (Stark, S. 324 f. 
328) und ähnliches derart. Den Stamm reicht entweder dar goth. 
vulthus > Herrlichkeit«, oder vultfirs, althochd. wuldar wcldar >Wert«. 
Ersteres besteht in VuUhwmlfs (geschrieben Vultuvlf) beim Jordanes 
(MG. Act. 5, I, 143i), das Jac. Grimm, Myth. 3 , S. 346 ohne Noth in 
Vuldrulf bessern wollte und als ruhmvollen, leuchtenden Held er- 
klärte; letzteres gibt die althochdeutschen Frauennamen Wuldargozzd 
(Libri confrat, p. 532c?; goth. Vullhrag utö Gesch. d. d. Spr., S. 440 f.) 
und Wuldirhilt, dann den Mannsnamen Wuldarrich, mit Kürzung 
Wuldar (sämmtlich Libri confrat, p. 532 c?. 536 c). Mit Wuldo und 
Wulzo stimmt Wuldechin = WuMihho ? Wuldichindf näher zu vulthus 
als zu vnlthrs: ein romanisiertes Vulziani (ib., p. 533 a) setzt insonder- 
heit Wulzo fort und wäre althochd. Wulzin? oder Wulziuuinf 

Wulzo bildet zunächst den regelrechten Genetiv Wuhin in 
Wulzendorf Urkundenb. von Klosterncuburg 1, 61 n° 68 von 1300; 
1, 203 n° 209 von 1324; 1, 452 n° 464 von 1373. Seine Vertretung, 



401 

von Wulzei herfliessend, ist Wulzeies in einer Wulceisalbe beim »Ge- 
säuge« der Enns (Urkundenb. d. L. ob d. Enns 2, 185 n° 123 von 
1139 = Urkundenb. von Steierm. 1, 183 n° 178). Der erweiterte 
Genetiv Widzines liesse sich zwar auf jene Wulzin Wulziuuin bringen, 
die aber unsicher sind, daher ich den Bezug auf Wulzo vorziehe. 
Jedoch nur so : da -m- die erweiterte Form nur nebenher mitmacht, 
-rz- sie gar nicht, mag -lz- es mit letzterm gehalten haben; und bei 
der Jugend der Belege für Widzineshoven hindert nichts, den Genetiv 
Widzines als spätere Fehlbildung aus vorgängigem Wulzeies (f. 
Wulzin) zu nehmen : s. hierüber § 5, und vgl. auch S. 419 Wuldo als 
Kürzung von Wuldiwin. 

Wulzineshoven (Wulzeshofen im Gerichtsbezirke Laa an der 
Thaja), dessen urkundliche Formen sind Wlzinshouen Urkundenb. 
von Heiligenkreuz 1, 138 n° 140 von 1257; Wuskinhoven (iiesWulskin- 
gleich Wuhchin-) Stiftungenb. von Zwetl, S. 105, Urk. von 1234; 
Wulschenhofen ebenda S. 496 ; Vvlcheshofen S. 523 ; Wkschenhouen und 
WuUchenhoven S. 524; Wultzeshouen Urkundenb. von Altenburg, 
S. 248 f. n°265 von 1364. 

Ick) Zinzo (Stark, S. 320), als selbständiger Name auch gesichert 
im Patronymicum Zinzinc (Acta Tirol. 1, 337Ä), macht erweiterten Ge- 
netiv Zinzines in 

Zinzinesdorf (Zinzendorf bei Steinakirchen O.W.W.) : Mein- 
hardus de Zinzinesdorf Arch. f. K. österr. GQ. 9, 287, Herzogenburger 
Urk. n° 31 von c. 1222. Auch hier kehrt der einfache Gen. Zinzin 
Zinzen zurück, die gewöhnliche Form des Ortsnamens ist daher 
Zinzindorf und Zinzendorf: Urkundenb. von Seitenstetten , S. 418 
(1254—1359); Cod. dipl. austr.-fris. 2, 481* (1263—1365); 3, 698 
(1308—1318). 

Nachdem Zinzo als selbständige Namenform unbestreitbar, ist 
die von Andern versuchte Zerlegung von Zinzinesdorf 'in Zinzinesdorf 
(mit erweitertem Genetiv von Inzo, Stark, S. 329) als grundlos zu ver- 
werfen : vgl. S. 419 bei Zunto. 

§4. 

Noch droht vor uns, ehe wir daran gehen können, über das 
bisher vorgelegte Materiale hinaus ins Weitere zu streben, eine dritte 
Reihe von Namen mit scheinbar erweiterter Casusform. Ihren 
Grundstock bilden Zusammensetzungen mit wini »Geliebter, Freund« 
im zweiten Gliede, indem durch Ausfall oder Auflösung des w und 

Bl&tter de« Vereines für Landeskunde von Niederösterreich. 1889. 26 



402 

zutretender Verlängerung des Wurzelvocals der Genetiv -wines die 
Gestalt -ines, und damit den Anschein einer erweiterten Casusfonn 
gewann. Das ward dann für echt genommen, und in Folge dessen 
begegnet eine Reihe von Genetiven auf -ines, die man nirgend unter- 
bringt, wenn nicht bei den Namen auf -wini — denen sie sich doch 
wieder nur problematischer Weise zurechnen lassen, weil ihr Nomi- 
nativ lediglich aus ihnen, den mehrdeutigen zu rathen steht. Ver- 
sucht man ihn von anderer Seite her zu gewinnen, so kommt man 
in der tiberwiegenden Anzahl der Fälle auf eine zweisilbige Form, 
die immer noch nach Abkürzung eines Vollnamens, somit nach 
einem Kosenamen aussieht. Deshalb dürfen weiterhin die eombi- 
nierten Koseformen auf -ihho (-vhho) herzutreten, da auch sie die 
Erweiterung des Genetivs wenigstens nicht ganz verschmähen. 

A. a. Die Namen auf -wini declinieren der Regel gemäss wie 
urini selbst, also Gen. -winesj Dat. (-minie) ~wine, Acc. -wini. Sie lieben 
aber schon in früher althochdeutscher Zeit durch Zerrüttung dieses 
zweiten Theiles der Zusammensetzung sich den Schein bloss abge- 
leiteter zu geben. Die erste Stufe ist, durch Vocalisierung des w bei 
gleichzeitigem Untergang des nachfolgenden •/, -uni: Alpuni Helmuni 
Liupuni Madaluni Mohtuni Muotuni Sinduni Wolfuni u. s. w. für 
Alpuuini (mittelhochd. Elbexmn Freund der Eiben) Helm- Liup- MadoJ- 
Mäht- Muot- Sinda- Wolfuuini u. s. w. Es sind die in altösterrei- 
chischen Urkunden noch wol erhaltenen Formen des IX./X. Jahr- 
hunderts (vgl. Bair. Gramm. § 213, wo übrigens der Ursprung dieses -uni 
verkannt ist). MüllenhofF hat Denkm. 2 , S. 365 diese Art als die bairische 
bezeichnet, wogegen die alemannische darin bestehe, dass vielmehr das 
w untergeht, / behalten, also -ini oder -ine erzeugt wird: bair. Liupuni, 
alem. Liubini Linhine, latin. Leubinus; Särauuini, latin. Surinus auf 
Stirini fassend (Blätter f. Landesk. 1888, S. 6. 248 f.). Über mögliches 
-ani als zweite bairische Form (mit dem bairischen a) sehe man § 6, B. 
Jenem -uni entspricht mithin als Latin isierung -onus : Adlonus = Adal- 
uni Adaluuini (Urkundenb. von Steierm. 1, 965&, a. 798 — 864) sogar 
noch c. 1190 (ebenda 1, 711 n" 722). Doch ist -ini -ine, und wieder 
mit dem schon bei den Formen auf -ili und -zi (-zo) beobachteten 
Doppelausgange -*V, also -inie wenigstens seit dem X./XL Jahrhundert 
auch bairisch-österreichisch, z. B. Tagani Tagini Taginie, lat Tagi- 
ninus = Tagauuini Acta Tirol. 1, 290 b (1022—1360); Salb, von Gött- 
weih, S. 393 a (1083—1101); Urkundenb. von Steierm. 1, 42 n° 35 
von 1007 (Tagininus). Ansfelden bei Edelsberg in Oberösterreich 



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hiess ursprünglich Alpunesfeld (Monura. Boica 28, b, 33), später 
Albinesveit (Brev. Notit Salzb. 15, 1, vgl. Keinz, S. 77). Folglich 
ist Albinus bairische Latinisierung von Albini (Alpimi Alpuuini): 
Todtenb. von St. Florian, 12. Mai (Arch. 56, 200). Liupinesperc = 
Liupuuinesperc (der Leonsberg bei Ischl) begegnet schon c. 1000 
(Urkundenb. d. L. ob d. Enns 1, 89, Mondseer Trad. n° 157 ; liubens- 
perch ebenda 1, 93 f. n° 172 von 1248); ich habe mich im Jahr- 
gange 1888, S. 348 f. dieser Thatsache bedient, um auch den — frei- 
lieh sogar schon seit 829 urkundlichen — Aparinesseo (Abersee) in 
einen »See des Aparuuini* zu klären. — Wir sehen schon hier, wie 
nahe durch die Ausgänge -ini, -inie, -inus und den Genetiv -ines 
diese Namen auf ursprüngliches -wini an die Verkleinerungen auf 
-ili, -ilie, -ilinus herantreten. Und diese Annäherung wird zur Ver- 
mischung, sowie nun das stets zur Selbsttäuschung neigende Sprach- 
gefühl sich erinnern zu müssen meint, dass Azüi Azilie eigentlich 
ja Azilo vertrete und nun auf das allein richtige Tagini oder Gebini 
= Oebauuini (Freund des Gebens, schönster Name des freigebigen 
Fürsten oder Edeln) ein seeundäres Tagino, Tageno, Tagno oder 
Gebeno pfropft. Belege für ersteres Urkundenb. von Steierm. 1, 969* 
(c. 1125 — c. 1185); Todtenb. von St. Florian, 19. März (Tageno) 
und 28. August (Tcegino), Arch. 56, 305. 314; für letzteres Acta 
Tirol. 1, 176 n" 501 von 1170—1174, Urkundenb. von Steierm. 1, 
972 b (Gebene und Gebeno, c. 1100 und 1139), Todtenb. von St. Lam- 
brecht, 12. März (Fontes II. 29, 67). War daher auch anfänglich 
der Genetiv -ines dieser Namen, wie gehörig, kurz, unter dem Ein- 
flüsse des Genetivs der Verkleinerungsformen -Hines, -izines wird er 
frühe genug Verlängerung erfahren haben zu -ines. Ja dies führt 
«teilen weise selbst zu Ungeheuerlichkeiten. Von Gebauuini lautet der 
Genetiv Gebaunines, folglich von Gebuni — Gebunes, von Gebini — 
Gebines, und von alemannischem Gebene der mittelhochdeutschen Zeit 
Gebenes in dem von Jac. Grimm, Gesch. d. d. Spr., S. 655 so sehr 
missverstandenen GebeneswUäre (Gebweiler im Elsass). Was bringen 
aber die Österreicher heraus? Weil Azili macht Azilines, Amizo 
Amizxnes und so die übrigen der Reihe nach, muss auch das zu 
Gebeno umgeschaffene Gehauuini machen Gebenines: von Tagini, 
Genetiv Tagines wird nach seiner sogar schon alten Latinisierung 
Tagininus (1007: S. 402), die von Surinus Leubinus Albinus augen- 
fällig absticht, ein Genetiv Taginines wenigstens denkbar; einen 

dritten Fall wird § 6 unter Gouninesdorf bringen. Offenbar ist es 

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bei dieser schablonenhaften Erweiterung auf eine Deminution ab- 
gesehen: und zwar stehen Gebenines Gounines Tagininus neben Azi- 
lines Pezilinus u. 8. w. wie die Genetive fingirxnes magatines eimberines 
(Gramm. 3, 684) neben chindüines fugüines u. s. w. als